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Internetguide für Eltern
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Internetguide für Eltern

Privalino

Kurz gefasst:

  • Kinderschutzsoftware für 6- bis 10-Jährige
  • nach eigenen Angaben ein kindersicherer Messenger
  • durch verschiedene Funktionen Schutz gegen Cybergrooming, Sexting und Mobbing in der Online-Kommunikation
  • basiert auf dem Messenger „Telegram“
  • aktuell als kostenlose Android-App verfügbar

Ihr Kind möchte gern mit anderen Kindern chatten oder benutzt sogar schon einen Messenger-Dienst? Doch welcher Anbieter ist eigentlich wirklich für Kinder geeignet? Viele Eltern tun sich mit der Auswahl des passenden Angebots schwer.

WhatsApp und Facebook sind die wohl erfolgreichsten Anbieter für Online-Kommunikation. Die Nutzung des beliebten Messengers WhatsApp ist aber nach der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung erst ab 16 Jahren erlaubt und u. a. aus datenschutzrechtlicher Sicht immer wieder in der Kritik.
Viele soziale Netzwerke und Messengerdienste sind nicht für jedes Alter geeignet und gerade für jüngere Kinder gibt es oft keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen. Mit dem Angebot von Privalino soll sich das nun ändern.

Was ist Privalino?

Der Nachrichtendienst „Privalino“ ist speziell für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren entwickelt worden und wirbt damit, Kinder vor digitalen Gefahren wie Cybergrooming und Mobbing durch verschiedene Funktionen zu schützen. Seit März 2016 arbeiten die Anbieter an der Kinderschutzsoftware, die anhand des Schreibstils erkennen soll, ob ein Kind oder eine erwachsene Person schreibt und auf diese Weise verdächtige Kommunikationsinhalte herausfiltert. Dafür ist es allerdings notwendig, dass die Kinderschutzsoftware die gesamte Kommunikation Ihres Kindes mitliest und somit überwacht. Sollte es zu einem Verdachtsfall kommen, fragt Privalino beim Kind nach, ob es den Chatpartner persönlich kennt. Wird dies verneint, werden Sie als Eltern vom Privalino-Team per E-Mail informiert, sodass Sie mit Ihrem Kind darüber reden und die entsprechende Kontaktperson blockieren können.

Zudem sollen bestimmte Sicherheitsfunktionen Cybergrooming , Sexting und Cybermobbing vorbeugen. Bei Privalino können keine Fotos verschickt werden. In der Weiterentwicklung des Messengerdienstes sollen Sie als Elternteil entscheiden können, mit welcher Kontaktperson Ihr Kind Fotos austauschen darf. Durch die Verwaltung in der Elternoberfläche können Sie als Elternteil den Sicherheits- und Überwachungsgrad für Ihr Kind einstellen und festlegen mit wem ihr Kind kommunizieren kann. Diese Funktion ist jedoch aktuell noch in Arbeit.

Die App ist nur für Kinder gedacht, jedoch mit dem Messengerdienst „Telegram“ kompatibel. Das bedeutet, dass Sie so mit Ihrem Kind in Kontakt bleiben können.
Der Anbieter erklärt Ihrem Kind auf transparente Art und Weise die App und worauf es bei der Nutzung achten sollte.
Unerwünschte und unangenehme Kontakte können dem Privalino-Team gemeldet werden, sodass diese den Fall untersuchen und den Nutzer zukünftig im Auge behalten können.

Entscheidend bei Privalino ist das Frühwarnsystem. Nach einem eigenen Algorithmus prüft es alle Nachrichten und filtert verdächtige Nachrichten heraus, die auf Mobbing, Cybergrooming oder Sexting hindeuten. Der Algorithmus analysiert den Sprachstil des Geschriebenen (z. B. Satzstruktur, Rechtschreibung, Wortschatz) und schließt damit auf Alter und Geschlecht des Chatpartners. Bei einer verdächtigen Kommunikation wird eine automatische E-Mail an Sie als Elternteil mit den letzten Nachrichten der Konversation geschickt. Um im Gefahrenfall per E-Mail informiert zu werden, ist es vonnöten, Privalino ein Foto mit Ihrem Lichtbildausweis sowie den Ihres Kindes und die Telefonnummer bzw. den Benutzernamen Ihres Kindes zu übermitteln.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Privalino liest jede Kommunikation Ihres Kindes mit, um sie auf verdächtige Inhalte zu untersuchen. Aber auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre – wie es in der UN-Kinderrechtskonvention geschrieben steht. Es ist daher nicht erlaubt, ungefragt Briefe zu lesen, die an Ihr Kind adressiert sind. Hier müssen Sie abwägen, inwiefern der Eingriff in die Privatsphäre Ihres Kindes gerechtfertigt ist, um eine scheinbar sichere Kommunikation via Messenger zu ermöglichen.

Die Überprüfung der Kommunikation wird in erster Linie über den technischen Algorithmus gewährleistet, der (nach eigenen Angaben) keinen hundertprozentigen Schutz bieten kann. Es gibt zusätzlich eine manuelle Moderation. Auf der Webseite wird aber nicht ganz klar, auf welche Weise und ab welchem Zeitpunkt das Frühwarnsystem greift.

Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Privalino nur als Schutz für Ihr Kind eingesetzt werden kann, solange es ausschließlich die Privalino-App verwendet bzw. mit Ihnen ggf. über Telegram in Kontakt steht. Privalino kann aber nur Konversationen, die mit Privalino-Nutzern geführt werden, mitlesen. Alle Gespräche mit anderen Telegram-Nutzern können nicht verfolgt werden.

Was meint der Anbieter?

Auf dem Blog von Privalino wird ausführlich beschrieben, wie der Algorithmus funktioniert. Dieser wird   ständig weiterentwickelt. Außerdem verweist der Anbieter darauf, dass bei einer bedenklichen Konversation automatisch eine E-Mail an die Moderator*innen ausgelöst wird und so eingegriffen werden kann. Diese Funktion kann allerdings durch Sie als Eltern deaktiviert werden, sobald Sie der Ansicht sind, dass ihr Kind alleine zurecht kommt.

Der Anbieter wirbt mit Datenschutz und Privatsphäre. Es wird auf die Zusammenarbeit mit Kinderschutzverbänden und Bildungseinrichtungen hingewiesen. Den Vorwurf, in die Privatsphäre des Kindes einzugreifen, rechtfertigen die Macher von Privalino mit dem Argument, dass Kinder z. B. auch im Straßenverkehr Regulationen und Kontrolle brauchen, um ausreichende Sicherheit zu gewährleisten.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Sie Ihrem Kind die Kinderschutzsoftware Privalino zur Nutzung installieren möchten, sollten Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen, wie der Messenger-Dienst funktioniert und es darüber aufklären, dass das gesamte Verhalten und die Kommunikation über den Messenger-Dienst von unbekannten Dritten mitgelesen wird.

Da die App keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten kann, sollten Sie außerdem mit Ihrem Kind über die Risiken und Gefahren von Messenger-Diensten
allgemein sprechen.

Lesen Sie sich zusätzlich die Nutzungsbedingungen des Angebots durch, achten Sie auf die Datenschutzerklärung und schauen Sie Testberichte von unabhängigen Nutzern im Internet durch.
Da die Kinderschutzsoftware auf Telegram basiert, sollten Sie sich auch über diese App ausreichend informieren.