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25.06.2018

Nein, das ist keine Krankheit! – Wie Influencer Jugendliche beeinflussen.

6-10 Jahre
11-13 Jahre
14-17 Jahre
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Unterhaltung
Social Media
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Sonstige
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3 Minuten Lesezeit
© photothek.net

Namen wie Lisa und Lena, Melina Sophie oder Julien Bam fallen öfter bei Ihnen zu Hause und Sie wissen ganz sicher, dass es keine Freunde Ihres Kindes sind? Dann schwärmt Ihr Sohn oder Ihre Tochter vermutlich für einen Instagram-Star oder Influencer.
Besonders 12- bis 17-Jährige verbringen oft mehrere Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen wie YouTube, Snapchat oder TikTok. Dabei sehen sie sich Videos und Fotos von Menschen an, die sie zwar nicht persönlich kennen, aber über die sie trotzdem eine Menge wissen. Diese sogenannten „Influencer“ berichten in Bildern oder Videos von ihrem vermeintlichen Alltagsleben und beschäftigen sich mit Themen wie Mode, Beauty oder Gaming. Oft sind Influencer auf mehreren Social Media-Kanälen aktiv.
Fans bzw. Abonnenten werden durch Umfragen oder Aufrufe, einen Beitrag zu kommentieren, eingebunden und haben das Gefühl, mit ihren Stars zu kommunizieren.
Die bekanntesten Influencer haben eine enorme Reichweite von tausenden Followern bis hin zu einem Millionenpublikum: So zählen die berühmten Musical.ly-Zwillinge „Lisa und Lena“ ganze 13 Millionen Abonnenten, YouTuberin Bianca „Bibi“ Heinicke von „BibisBeautyPalace“ hat 5,9 Millionen Abonnenten und Dagi Bee 5,2 Millionen.

An den Erwachsenen geht dieser Trend häufig ganz vorbei. Influencer sind für viele Jugendliche Vorbilder und üben mit ihren vermittelten Inhalten (Werten, Aussagen, Bildern) einen großen Einfluss aus – daher auch der Begriff Influencer (englisch für „Beeinflusser“). Sie sind meist selbst im Alter ihrer Fans oder nur ein paar Jahre älter und geben sich scheinbar ganz natürlich, so dass ihre Abonennten ihnen vertrauen und sich quasi Rat holen wie bei großen Geschwistern.

Werbung und Marketing durch Influencer

Den Wert der großen Reichweite von Influencern und das ihnen entgegengebrachte Vertrauen haben auch Unternehmen erkannt. Was mit Fotos und Videos angefangen hat, ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden und wird zu Marketingzwecken genutzt. So sieht man in den Fotos und Videos der Instagramer oft direkt oder auch nur „nebenbei“ Produkte wie Beautyartikel oder Klamotten bestimmter Marken. Oft nutzen Unternehmen Influencer auch, um die Glaubwürdigkeit und Beliebtheit einer Marke zu steigern. Was wie eine persönliche Empfehlung eines berühmten Instagramers aussieht, ist in Wirklichkeit oft nur Werbung.
Die Grenzen zwischen der eigenen Meinung und Werbung verschmelzen und sind nur noch schwer erkennbar. Das liegt vor allem daran, dass viele Influencer ihre Beiträge nicht entsprechend mit „Werbung“ oder „Anzeige“ kennzeichnen, auch wenn das eigentlich Pflicht ist. Es ist unklar, ob der Influencer das entsprechende Produkt selbst gekauft hat oder dafür bezahlt wurde, es in die Kamera zu halten.
Gerade Kinder und Jugendliche erkennen dies in vielen Fällen nicht, da die Werbekompetenz erst noch geschult werden muss, sie ihren Online-Idolen hinterhereifern wollen und sich leicht von ihnen beeinflussen lassen.
Kleiden sich Influencer beispielsweise auf eine bestimmte Art und Weise, bringen Kinder und Jugendliche diese Marken mit ihren Stars in Verbindung und wollen sich genauso anziehen.
Das Bewusstsein, dass hier keine Authentizität, sondern oftmals Werbung im Vordergrund steht und das Influencer-Dasein nicht mehr länger nur Hobby, sondern ein Vollzeit-Job ist, fehlt vielen Kindern und Jugendlichen noch.
Beachten Sie: Auch Social Media-Stars, die „nur“ ein paar Tausend Follower haben, können Influencer sein. Die Werbebranche nutzt längst auch diese Micro-Influencer, weil sie damit ganz bestimmte Zielgruppen, z. B. Kinder, gut erreichen können.

Das können Sie tun, wenn ihr Kind „infiziert“ ist

Als Elternteil sollten Sie darüber aufklären, dass Transparenz und Ehrlichkeit bei Influencern oft nicht an erster Stelle stehen und stattdessen das Geldverdienen eine große Rolle spielt.
Erklären Sie Ihrem Kind, dass man auch Stars kritisch hinterfragen sollte und die sozialen Medien nur einen kleinen Teil der Realität widerspiegeln! Um dazu mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen, können Sie erst einmal danach fragen, was es an diesen Personen so fasziniert. Hilfreich ist dabei, sich an die eigene Jugend zu erinnern und sich zu fragen, welche Idole man selbst früher hatte und was an ihnen so toll war. Es ist normal, dass man sich Vorbilder sucht, wenn man dabei ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Regen Sie Ihr Kind an, darüber nachzudenken und stehen Sie als Ansprechperson bereit, wenn es Fragen hat.

Nicht selten entsteht bei Jugendlichen selbst der Wunsch, zum Influencer oder YouTube-Star zu werden. Dann sollten Sie es auf die verschiedene Regeln zu Produktplatzierung und Werbung hinweisen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel. Die Landesmedienanstalten haben hierfür außerdem einen übersichtlichen Leitfaden erstellt. Hinter dem Dasein als Influencer steckt meist mehr Arbeit als viele zunächst erwarten. Es besteht daher die Gefahr, dass ihr Kind sich überarbeitet. Lesen Sie dazu auch den Artikel: Kinder-Influencer und Familienkanäle – versteckte Kinderarbeit im Netz?

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