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Internetguide für Eltern
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Twitch

„Mama, Papa, darf ich heute noch ein bisschen auf Twitch streamen?“

Kennen Sie Let’s Plays auf Youtube? Das sind Videos, in denen sich YouTuber oder YouTuberinnen beim Spielen von Games zeigen. Die bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebte Plattform Twitch funktioniert im Prinzip genauso. Hier kann man live dabei zusehen, wie andere spielen. Da es bei Twitch Spiele für jedes Alter und unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten gibt, sollte man bei der Nutzung auf einige Dinge achten. Damit Sie entscheiden können, ob die Plattform für Ihr Kind bereits geeignet ist, gibt es hier ein Überblick über Vor-und Nachteile des Angebots.

Kurz gefasst

  • Streaming-Plattform zur Liveübertragung von Videospielen
  • Twitch Interactive, Inc. existiert seit Juni 2011 und gehört seit 2014 zu Amazon.com, Inc.
  • Erstellung eines Streaming-Kanals durch angemeldete Nutzer und Nutzerinnen möglich
  • eingebundene Werbung vorhanden
  • kostenlos als App verfügbar sowie als Browser-Version und Anwendung für Spielekonsolen
  • verschiedene kostenpflichtige Funktionen innerhalb des Angebots vorhanden

Was ist das?

Twitch ist eine Plattform, über die registrierte User das Spiel, das sie gerade spielen, live für ein Publikum übertragen. Dabei nutzen sie in der Regel Webcam und Mikrofon, um das eigene Spiel zu kommentieren. Außerdem gibt es eine Chatfunktion, über die Spielende und Zuschauende in Echtzeit miteinander kommunizieren können. Ein Spiel wird oft von mehr als 10.000 Zuschauenden verfolgt.

Warum ist Twitch für Jugendliche so spannend?

Twitch ist attraktiv, weil Computerspiele aus einer anderen Perspektive erlebt werden können, eine Interaktion mit den Gamern möglich ist und dadurch scheinbar eine Vertrautheit des Spielenden zu seinem Publikum geschaffen wird. Es geht nicht nur um die Fähigkeiten des Gamers, sondern auch um ihre oder seine Persönlichkeit. Im Gegensatz zu Let’s Play-Videos bei YouTube kommt bei Twitch hinzu, dass alles in Echtzeit geschieht und so sehr einer „realen” Community ähnelt.

Bei Twitch kann man aber nicht nur Zuschauer oder Zuschauerin sein, sondern auch aktiv als sogenannter „Streamer“ produzieren. Jugendliche können deshalb den Wunsch entwickeln, sich selbst zu präsentieren und damit auch Geld zu verdienen. Man muss genügend Zuschauerinnen und Zuschauer haben, um Werbung schalten zu können. Der Erlös daraus wird unter Twitch und dem Spieler aufgeteilt. Einzelne Kanäle lassen sich auch kostenpflichtig abonnieren und es gibt die Möglichkeit, einem Gamer während des Livestreams Geld zu spenden.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Eine Registrierung bei Twitch ist ab 13 Jahren möglich. Man gibt zwar bei der Anmeldung einen Benutzernamen, seine E-Mail-Adresse und sein Alter an, aber eine Überprüfung, ob das auch stimmt, findet nicht statt. Eine Anmeldung über Facebook ist ebenfalls möglich.

Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Kind auf Twitch Zugriff auf Spiele für alle Altersklassen hat. Bei Twitch gibt es keine Altersangaben für Spiele. Somit kann Ihr Kind auch auf gewaltvolle, ängstigende und sexualisierte Inhalte stoßen.

Werbeanzeigen sind oft nur schwer erkennbar. Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Gamer zu Influencern werden.

Die integrierte Spendenfunktion ist ebenfalls kritisch zu sehen. Zuschauer können ihren Lieblingsspielern während des Livestreams Geld überweisen und dies wird vom Spieler gleichzeitig kommentiert. Diese Art der persönlichen Rückmeldung kann vor allem jüngere Zuschauende dazu verleiten, mit den elterlichen Paypal-Kontodaten Geld zu spenden.

Durch die vielen Kommunikationsmöglichkeiten, die nicht kontrolliert werden, ist es auch wichtig, auf den Datenschutz zu achten und keine privaten Informationen an andere Nutzer zu geben. Gerade, weil eine persönliche Nähe herstellt wird, ist die Gefahr gegeben.

Was sollten Eltern beachten?

Die Möglichkeiten des Jugendschutzes sind bei Twitch begrenzt. Es besteht ein hohes Risiko, dass Ihr Kind gruselige und bedenkliche Inhalte sieht oder durch die Chatfunktionen mit Cybermobbing oder Cybergrooming in Kontakt kommt.

Möchte Ihr Kind Twitch als Zuschauender und/oder Streamer nutzen und Sie sind der Meinung, dass es die möglichen Risiken überblicken kann? Sprechen Sie mit ihm über die Plattform und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Recherchieren Sie die Altersfreigaben für die einzelnen Spiele und halten Sie sich daran. Machen Sie Ihr Kind außerdem darauf aufmerksam, dass es als Streamer keine persönlichen Informationen veröffentlichen sollte. Bei jüngeren Jugendlichen lässt sich überlegen, die Konsole bzw. das jeweilige Endgerät an einen Ort zu stellen, wo Sie es als Elternteil im Blick haben und so jederzeit da sein können, sollte Ihr Kind auf etwas Beängstigendes stoßen.