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Internetguide für Eltern
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Extremismus im Netz

Jugendliche haben besonders viele Fragen über die Welt. Sie sind gerade dabei, eine eigene Identität zu entwickeln. Auf viele Fragen gibt es keine einfachen Antworten und das kann sehr verwirrend sein. Manche Jugendliche sehnen sich deshalb besonders nach Klarheit. Einfache Antworten, klare Strukturen und Regeln. Genau das können Extremisten ihnen bieten, die einen Anspruch auf absolute Wahrheiten erheben. Ihr Weltbild ist schwarzweiß und lässt keine Grautöne zu.

Extremisten nutzen das Internet, um junge Menschen zu erreichen

Ein solches Weltbild lässt sich im Internet besonders gut durch vereinfachte Inhalte und kompakte Aussagen vermitteln. Deshalb nutzen Menschen mit extremen politischen Meinungen das Internet gezielt, um junge Menschen anzusprechen. Häufig ist es nicht einfach, zu erkennen, dass hinter bestimmten Inhalten Extremisten stehen. Vor allem Bilder und Videos werden dazu genutzt, extreme politische Botschaften zu verbreiten und junge Menschen zu beeinflussen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass sie mit ihren Kindern darüber sprechen, was sie im Netz beschäftigt. Welche Themen werden im Freundeskreis besonders heiß diskutiert? Welche Bilder und Videos schauen sie sich an und teilen sie mit anderen? Thematisieren sie auch die Ziele, die bestimmte Gruppierungen verfolgen, wenn sie Inhalte mit extremen politischen Aussagen ins Netz stellen. Oft werden auch Falschmeldungen dazu genutzt, Menschen zu verunsichern und sie politisch in eine Richtung zu drängen. Mimikama.at ist eine gute Anlaufstelle, um Meldungen aus Sozialen Netzwerken wie Facebook auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Sollten Sie oder ihr Kind auf offensichtlich extremistische Inhalte stoßen, können Sie diese direkt bei den Plattformbetreibern melden. Bei großen Angebote wie Facebook und YouTube ist das mit wenigen Klicks erledigt. In besonders schweren Fällen kann es auch sinnvoll sein, sich direkt an die Polizei zu wenden. In den meisten Bundesländern geht das mittlerweile online über eine sogenannte Internetwache.

Rechtsextremismus und islamistischer Extremismus sind besonders verbreitet

Besonders aktiv sind im Internet Rechtsextremisten und Islamisten. Sie verbreiten ihre Propaganda zum Beispiel über Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp. Inzwischen werden extremistische Inhalte von den Betreibern der Plattformen meistens schnell gelöscht. Deshalb weichen die Extremisten auf weniger bekannte und weniger stark kontrollierte Online-Angebote wie zum Beispiel die russische Plattform vk.com aus. Ein Großteil der Kommunikation findet auch gar nicht öffentlich sichtbar statt, sondern zum Beispiel in geschlossenen Telegram– und Facebook-Gruppen.

Extremistische Inhalte sind nicht gleich als solche zu erkennen

Gleichzeitig gibt es immer mehr extremistische Inhalte im Netz, die vor allem für junge Menschen nicht sofort als solche zu erkennen sind. Sie sind auf den ersten Blick gerade so harmlos, dass sie nicht direkt von den Plattformbetreibern gelöscht werden, weil sie nicht eindeutig gegen geltendes Recht verstoßen. Auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass sie den Zweck haben, Hass zu schüren und Menschen Schritt für Schritt zu radikalisieren. Extremisten bedienen sich für ihre Ansprache im Netz an den aktuellsten Netztrends und gestalten optisch ansprechende und professionell wirkende Bilder und Videos.

Hassbotschaften werden durch Memes verbreitet

Besonders verbreitet sind sogenannte Memes. Das sind Bilder auf denen meistens am oberen und unteren Bildrand eine prägnante und humorvolle Aussage in Textform steht. Oft wird dasselbe Bild immer wieder mit einem anderen Text versehen und bekommt dadurch eine neue Aussage. Auf der Seite knowyourmeme.com lassen sich bekannte Memes inklusive ihrer Geschichte nachschlagen (leider ist die Seite nur in englischer Sprache verfügbar). Extremisten nutzen Memes, um den Geschmack von jungen Menschen zu treffen und ihre Hassbotschaften unter dem Deckmantel des Humors zu verbreiten.

Rechtsextremisten und Islamisten nutzen ähnliche Strategien

Sowohl Rechtsextremisten als auch Islamisten sehen sich gerne in der Opferrolle. Sie geben vor, vom eigenen oder anderen Staaten unterdrückt zu werden. Unter Rechtsextremisten in Deutschland ist zum Beispiel der Vorwurf einer sogenannten „Lügenpresse“ sehr verbreitet. Damit verbunden ist die Verschwörungstheorie, dass die Medien von der Regierung gesteuert werden und rechtsextreme Meinungen nur deshalb keine Stimme in den Massenmedien hätten. Islamisten geben dagegen vor, Opfer „des Westens“ zu sein, der angeblich einen Krieg gegen Muslime führen würde. In beiden Lagern ist auch eine generelle Kritik am Kapitalismus sehr verbreitet. Das ist besonders gefährlich, da Aspekte der Kritik durchaus berechtigt sind und auch von vielen jungen Menschen geteilt werden. Das nutzen Extremisten, um sie für ihre Sache zu gewinnen. In jüngerer Zeit werden aus beiden Lagern vermehrt wieder antisemitische (gegen Juden gerichtete) Verschwörungstheorien verbreitet. Diese Verschwörungstheorien tauchen mittlerweile selbst im Mainstream auf (zum Beispiel in einigen Liedern des deutschen Rappers Kollegah).