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15.10.2019

Extremismus im Netz

11-13 Jahre
14-17 Jahre
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© photothek.net

Jugendliche sind dabei, eine eigene Identität zu entwickeln. Dazu gehört, sich eine Meinung zu allem möglichen zu bilden. Sie stellen sich Fragen, auf die es nicht immer einfache Antworten gibt. Das kann sehr verwirrend sein. Manche Jugendliche sehnen sich deshalb besonders nach Klarheit. Einfache Antworten, klare Strukturen und Regeln – genau das wollen ihnen Extremisten mit ihren Vorstellungen bieten, die nur schwarz oder weiß sind, aber keine Grautöne kennen.

Extremisten nutzen beliebte Onlinekanäle, um junge Menschen zu erreichen

Ihr Weltbild vermitteln Extremisten meistens durch vereinfachte Inhalte und kurze Aussagen. Sie nutzen aktuelle Netztrends, wie unterhaltsame Videos und Bilder, um vor allem junge Menschen mit ihren extremen politischen Aussagen zu erreichen. Dazu gehören z. B. Memes, in denen eine Botschaft einprägsam über ein angeblich lustiges Bild verbreitet wird. Am liebsten werden solche Inhalte über beliebte soziale Netzwerke wie YouTube, WhatsApp oder Facebook geteilt. Oft werden auch Falschmeldungen dazu genutzt, Menschen zu verunsichern und sie politisch in eine Richtung zu drängen. Bestimmte Inhalte sind aber, vor allem für junge Menschen, auf den ersten Blick nicht unbedingt als extremistisch zu erkennen.

Rechtsextremisten und Islamisten nutzen ähnliche Strategien

Besonders aktiv im Internet sind Rechtsextremisten und Islamisten. Wenn ihre Propaganda klar erkennbar ist, kann sie von den Betreibern der Plattformen meistens schnell gelöscht werden. Deshalb weichen die Extremisten auf weniger bekannte und weniger stark kontrollierte Online-Angebote wie etwa die russische Plattform vk.com aus. Ein Großteil der Kommunikation findet auch gar nicht öffentlich sichtbar statt, sondern in geschlossenen Gruppen, z. B. bei Telegram oder Facebook.

Sowohl Rechtsextremisten als auch Islamisten sehen sich gerne in der Opferrolle. Sie geben vor, vom eigenen oder anderen Staaten unterdrückt zu werden. Rechtsextremisten in Deutschland sprechen oft von der sogenannten „Lügenpresse“. Sie werfen den Medien vor, von der Regierung gesteuert zu sein, weshalb rechtsextreme Meinungen keine Stimme hätten. Beide Gruppen äußern auch Kritik am Kapitalismus. Das ist besonders gefährlich, da Aspekte der Kritik durchaus berechtigt sind und auch von vielen jungen Menschen geteilt werden. Das nutzen Extremisten, um sie für ihre Sache zu gewinnen. In jüngerer Zeit werden aus beiden Lagern vermehrt wieder antisemitische (also gegen Juden gerichtete) Verschwörungstheorien verbreitet. Diese Verschwörungstheorien tauchen mittlerweile auch unter bei Jugendlichen beliebten Musikern auf – z. B. in einigen Liedern des deutschen Rappers Kollegah.

Was können Sie als Eltern tun?

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie mit Ihren Kindern darüber sprechen, was sie beschäftigt. Welche Themen werden im Freundeskreis besonders heiß diskutiert? Welche Bilder und Videos schauen sie sich an und teilen sie mit anderen? Thematisieren Sie auch die Ziele, die bestimmte Gruppierungen verfolgen, wenn sie Inhalte mit extremen politischen Aussagen ins Netz stellen.

Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass jeder seine Meinung im Netz kundtun kann und das das leider auch Menschen mit schlechten Absichten tun. Deshalb darf man nicht allen Inhalten einfach trauen, sondern muss sie hinterfragen. Auf der Seite knowyourmeme.com lassen sich bekannte Memes inklusive ihrer Geschichte nachschlagen (leider ist die Seite nur in englischer Sprache verfügbar). Mimikama.at ist eine gute Anlaufstelle, um Meldungen aus Sozialen Netzwerken wie Facebook auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Sollten Sie oder Ihr Kind auf offensichtlich extremistische Inhalte stoßen, können Sie diese direkt bei den Plattformbetreibern melden. Bei großen Angeboten wie Facebook und YouTube ist das mit wenigen Klicks erledigt. Sie können ganz allgemein auch die Internetbeschwerdestelle nutzen. In besonders schweren Fällen kann es sinnvoll sein, sich direkt an die Polizei zu wenden. In den meisten Bundesländern geht das mittlerweile online über eine sogenannte Internetwache.

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