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Klick, Wisch, Like – Gekauft? Werbung in den Medien erkennen und hinterfragen

Ob im Fernsehen, an der Bushaltestelle oder im Internet – Werbung gehört zu unserem Alltag dazu. Schon kleine Kinder sehen Werbespots im Fernsehen oder begegnen ihr im Supermarkt, wo es viele Produkte rund um kindliche Medienhelden wie Elsa, Sandmann & Co. zu kaufen gibt. Auf Websites und Videoplattformen kommen vor allem ältere Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Formen von Werbung in Berührung: Influencer tragen in ihren Videos die neuesten Turnschuhe, stellen ein Kosmetikprodukt ihrer Lieblingsmarke vor oder packen die eben gekaufte Spielekonsole in einem Unboxing-Video vor der Kamera aus. Auch in vielen Spiele-Apps gibt es Werbung, die man wegklicken muss, um weiterspielen zu können.

Welche Werbung ist erlaubt?

Medieninhalte für Kinder müssen so gestaltet sein, dass sie Werbung erkennen können und ihre kindliche Unerfahrenheit nicht ausgenutzt wird. Dazu gehört z. B. die klare Trennung von Inhalt und Werbung. Im Fernsehen gibt es einen optischen und akustischen Hinweis zu Beginn und am Ende der Werbung. Eine Kindersendung darf nicht von Werbung unterbrochen werden. Auf Kinderseiten im Netz müssen Werbebanner gekennzeichnet sein und dürfen die Inhalte nicht überlappen oder Kinder in der Nutzung der Seiten behindern. Es darf auch nicht für alle Produkte (wie z. B. für Alkohol) geworben werden, um Kinder zu schützen. 

Anregungen und Tipps

Unterstützen Sie Ihr Kind, Werbung zu erkennen und zu durchschauen. Mit dem Alter steigt auch das Verständnis von Werbung. Ab ungefähr 8 Jahren verstehen Kinder, dass Werbung nicht neutral informiert, sondern zum Kaufen anregen soll.

Vor allem bei Onlinewerbung müssen jüngere Kinder erst lernen, dass Werbung gleichzeitig neben den eigentlichen Inhalten auf einer Internetseite angezeigt wird. 

Werbung innerhalb von Spiele-Apps taucht oft überraschend auf, weshalb Kinder aus Versehen auf Werbeinhalte klicken können. Achten Sie beim Download von kostenfreien Kinderapps darauf, ob diese sogenannte In-Game-Werbung enthalten. Entscheiden Sie, ob das für Ihr Kind problematisch ist. Aufpassen sollten Sie besonders, wenn Werbeinhalte im Spiel dazu verleiten, schneller voranzukommen, wenn die Werbung nicht gekennzeichnet oder vom Spielinhalt getrennt ist oder wenn Kinder beim Spielen behindert werden.

Ältere Kinder und Jugendliche stehen vor der Herausforderung, zu erkennen, ob ihre Idole nur ein Produkt präsentieren oder ob es ihnen um echte Inhalte geht. Denn nicht immer sind Videos von Influencern als Werbung gekennzeichnet, obwohl das vorgeschrieben ist, wenn sie von Unternehmen Geld dafür bekommen. Schauen Sie sich gemeinsam Videos und Instagram-Stories an und achten Sie zusammen auf Hinweise für Werbung und Sponsoring in den geteilten Inhalten.

Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über die verschiedenen Formen von Werbung in Medien. Nur dann kann es einen bewussten und kritischen Umgang mit Werbung und den Kaufentscheidungen im Alltag lernen. Denken Sie dabei auch an Ihre Vorbildfunktion.

Werbung kindgerecht? Hier gibt es Informationen!

  • Ratgeber Kinder und Onlinewerbung: www.kinder-onlinewerbung.de
  • Media Smart, Bildungsinitiative für die Förderung von Werbekompetenz: www.mediasmart.de
  • Kindersuchmaschine www.fragfinn.de: kindgeeignete, von Medienpädagogen redaktionell geprüfte Internetseiten, viele davon sind werbefrei oder erfüllen strenge Kriterien, u. a. bezüglich Werbung und kommerziellen Inhalten

Alles Fake? Falschmeldungen erkennen

„Doch Mama, das hab ich im Internet gelesen!“ – „Wenn das so viele liken, muss ja auch was dran sein…“ – „Da ist ein Foto dabei, das ist ja ein Beweis.“

Kennen Sie solche Diskussionen um Nachrichten, bei denen die Meinung darüber, ob dies tatsächlich stimmen kann oder nicht, in der Familie deutlich auseinander gehen? Im Internet und in sozialen Netzwerken begegnen uns täglich unzählige Nachrichten, Meldungen und Geschichten. Sie stammen aus den Fernsehnachrichten, der Tageszeitung, von Prominenten oder Sportvereinen, aber natürlich auch von den vielen Internetnutzern selbst. Darunter mischen sich Nachrichtenseiten und Absender, die gezielt mit Lügen oder Halbwahrheiten manipulieren möchten. Sie streuen bewusst Falschmeldungen, Gerüchte oder hasserfüllte Meldungen, die uns verunsichern sollen.

Nicht nur Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, vertrauenswürdige Beiträge von gefälschten Meldungen, sogenannten „Fake News“, zu unterscheiden. Denn häufig sind verbreitete Falschmeldungen als seriöse Nachrichten „getarnt“ und wirken sehr echt. Das kann problematisch sein, wenn es sich um politische Beiträge mit extremistischen oder populistischen Hintergrund handelt (diese richten sich oft gegen Fremde und Geflüchtete), wenn Verschwörungstheorien verbreitet werden oder bei Inhalten, die vor allem jüngere Kinder verunsichern oder ängstigen können.

Ein anderes Problem sind Falschmeldungen, die kursieren, wenn viele Menschen sowieso unsicher sind und selbst Experten und Politiker keine Antworten auf alle Fragen haben – so z. B. in der sogenannten Coronakrise. Dann glaubt man gern noch schneller, was als Fake News verbreitet wird, weil es einem vielleicht hilft, damit umzugehen. Wenn z. B. jemand sagt, die Supermärkte haben nur noch zwei Tage geöffnet, rennen alle los und decken sich mit mehr Lebensmitteln ein als nötig. Andere gehen leer aus oder es wird zu viel gekauft, was später weggeschmissen werden muss.

Doch wie können Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene erkennen, ob sie einer Meldung oder einem Beitrag vertrauen können?

Wir haben Tipps zusammengestellt, mit denen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ins Gespräch kommen und Nachrichtenmeldungen hinterfragen können:

Was müssen wir beachten, wenn wir einen Sprachassistenten für die Familie anschaffen möchten?

Alexa, Google Assist oder Apple Home Pod halten immer mehr Einzug in Haushalte. Welche Vor- und Nachteile diese Geräte besonders für Familien mit sich bringen, erklärt unsere Medienpädagogin Lidia de Reese.

Eltern fragen – wir antworten: FOMO – Was ist das?

Franks Tochter hat ständig ihr Smartphone in der Hand, weil sie Angst hat, etwas im digitalen Raum zu verpassen. Das Phänomen nennt man „Fear Of Missing Out“, kurz FOMO. Medienpädagogin Lidia de Reese erklärt, warum Messenger und Co. auch überfordern können und was man dagegen tun kann.

Das Phänomen FOMO – Fear of Missing Out

Das Smartphone vibriert, der bekannte Nachrichtenton erklingt, sofort greift man zum Gerät und muss unbedingt wissen, wer schreibt. Jugendliche checken gefühlt ständig, ob neue Text- oder Sprachnachrichten eingegangen sind oder ob sie Kommentare und Likes auf Social Media-Beiträge erhalten haben. Das kommt Ihnen als Eltern vielleicht bekannt vor und Sie haben den Eindruck, dass Ihrem Kind in manchen Momenten nichts wichtiger ist als sein Smartphone. Es ist ein ganz typisches Phänomen – nicht nur bei Jugendlichen. Dieses Phänomen hat sogar einen Namen: FOMO steht für „Fear of missing out“ und beschreibt die Angst davor, etwas zu verpassen oder nicht mitzubekommen.

Sich über Messenger-Dienste und Social Media austauschen, ist für Jugendliche sehr wichtig, um Freundschaften zu pflegen, sich mitzuteilen und die Wirkung auf andere auszutesten. Es werden Erfahrungen und Erlebnisse geteilt, Konflikte ausgetragen, erste Verliebtheit und Beziehungen erlebt. Mit dem Smartphone können Jugendliche das eigenständig, unbeobachtet von Erwachsenen und selbstbestimmt tun. Aber natürlich kann das auch zu einem Gefühl von Stress führen, wenn man meint, ständig erreichbar sein und schnell auf Nachrichten reagieren zu müssen. Dabei spielen Gruppenchats eine besondere Rolle.

Wer nicht im Klassenchat ist, kriegt nichts mit

Bei der Nutzung von Messengerdiensten in der Gruppe, vor allem beim „Klassenchat“, entstehen noch einmal besondere Herausforderungen. Denn Ihr Kind möchte natürlich wissen, was dort passiert und besprochen wird, wenn digital nach und vor der Schule oder am Wochenende kommuniziert wird. Für Kinder, die hier nicht dabei sein dürfen, entsteht schnell das Gefühl, vollkommen außen vor zu sein, weil sie einen Großteil der Klassengespräche nicht mitbekommen. Für diejenigen, die dabei sind, bedeuten Klassenchats oft eine Vielzahl an Nachrichten, auch spät abends und nachts noch oder früh am Morgen. Der Stress und Druck, dabei zu sein und hinterher zu kommen, auf das Geschriebene reagieren zu können, kann als groß und belastend empfunden werden.

Was können Sie als Eltern tun?

Regeln für die Nutzung solcher Gruppen- oder Klassenchats können helfen: Vereinbaren Sie Zeiten, zu denen Ihr Kind diese nutzt. Bei getroffenen Vereinbarungen sollte es aber vorrangig um den Umgang miteinander in solchen Chats gehen. Wichtig: Das Thema betrifft nicht nur Ihre Familie, sondern alle in der Klasse Ihres Kindes. Deshalb besprechen Sie das Thema am besten beim Elternabend oder suchen Sie das Gespräch mit den Eltern der Schulfreunde.

Die grundsätzliche Frage gilt für uns alle, also Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen: Wie können das Smartphone und vor allem Messenger bewusster genutzt werden? Jugendliche sagen in Studien sogar selbst, dass sie sich gestresst fühlen oder auch genervt sind, wenn Freunde oder Eltern ständig aufs Smartphone schauen. Wir Erwachsene müssen hier Vorbild für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien sein. Dazu gehört auch, offen in der Familie darüber zu sprechen, warum es uns so wichtig ist, immer schnell zu reagieren und nichts verpassen zu wollen, etwa weil wir dann aufgeregt sind und ein Glücksgefühl empfinden. Überlegen Sie gemeinsam als Familie, was man tun kann, um den Stress etwas abzubauen und Freiräume zu schaffen. Zum Beispiel können Sie gemeinsam überlegen, wann das Smartphone einfach mal weggepackt oder der Flugmodus eingestellt wird, sodass man nicht immer sofort benachrichtigt wird – ob nun beim Essen, Filmabend, zur Schlafenszeit usw. Unterstützen und motivieren Sie Ihr Kind dazu, das Thema auch mit den Freundinnen und Freunden oder in der Schulklassen zu besprechen.

Steam

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https://www.youtube.com/watch?v=eRObmWWsGq8_%_

Kurz gefasst:

  • internationale Plattform und soziales Netzwerk für Onlinespiele, Softwareprodukte und Filme
  • über den PC oder als App nutzbar
  • freigegeben ab 13 Jahren
  • Zugang zu nicht-kindgerechten Inhalten möglich und Kommunikationsrisiken

Was ist Steam?

Steam ist das größte internationale Portal für Onlinespiele, Softwareprodukte und Filme. Auf der Plattform kann man Spiele spielen und kaufen. Gamer können mit anderen weltweit in Kontakt treten und gemeinsam spielen. Dafür muss man Steam installieren und sich kostenlos anmelden. Das geht mit PC, Mac und Linux. Steam ist außerdem als App erhältlich. Die Webseite dient als Forum zum Austausch über Gaming und zum Teilen von Fan-Inhalten wie Bildern und Videos. Spieler können zudem direkt innerhalb der Spiele miteinander chatten. Im Shop kann man Spiele kaufen, aber auch innerhalb der Spiele gibt es Kaufmöglichkeiten.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Sie finden hier unzählige Spiele, die kostenfrei oder kostenpflichtig sein können. Die Plattform bietet eine große Vielfalt an Spielen und Genres. Jugendlichen macht es besonders Spaß, mit anderen Spielern gemeinsam im Team zu spielen. Außerdem gefällt es ihnen, sich mit anderen über ihre Lieblingsspiele auszutauschen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Durch die große Vielfalt auf der Plattform gibt es auch Spiele, die nicht für Kinder geeignet sind oder sogar problematisch sein können. Bei manchen Spielen wird das Alter vorab abgefragt, es wird jedoch nicht überprüft. In der Community finden sich Spieler und Inhalte aus der ganzen Welt, Jugendliche können also leicht mit Fremden in Kontakt kommen. Dabei können vor allem sogenannte Trolle ein Risiko sein, weil sie andere gezielt provozieren, beleidigen und Falschmeldungen verbreiten. Auch die Beiträge, Bilder oder Videos im Forum oder Chat können unter Umständen nicht für Kinder geeignet sein.

Was meint der Anbieter?

Laut Anbieter können Kinder die Plattform ab 13 Jahren nutzen. Es findet jedoch keine Überprüfung des Alters statt. Spam, Werbung und problematische Inhalte können gemeldet werden. Für Familien wird eine Familienansicht angeboten, in der Eltern genaue Einstellungen und Einschränkungen vornehmen können. Kürzlich gab es eine Änderung zugunsten der Privatsphäre der Nutzenden: Standardmäßig sehen nur die Online-Freunde, welche Spiele man besitzt, wie lange man spielt und welche Spiele auf der Kaufwunschliste stehen. Vorher waren die Daten vieler Nutzenden öffentlich abrufbar, weil nur wenige ihr Profil selbst auf privat gestellt hatten.

Was sollten Eltern beachten?

Aufgrund der Vielzahl an Spielen und Social-Media-Inhalten ist die Nutzung erst für ältere Jugendliche zu empfehlen. Wenn schon Jüngere Steam nutzen möchten, sollte das gut begleitet und gemeinsame Regeln vereinbart werden. Eltern empfehlen wir die Nutzung der Familienansicht. Diese wird mit einer PIN gesichert. In einer Bibliothek lassen sich einzelne Spiele für die Kinder festlegen und freigeben. Auch weitere Features wie die Community oder der Shop müssen bewusst von den Eltern erlaubt werden. Der Spieleratgeber erklärt in diesem Tutorial, wie Sie dabei vorgehen sollten.

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