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12.09.2025

Finanzen auf Social Media – Influencer*innen im Portrait

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3 Minuten Lesezeit
11-17 Jahre
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Social Media
Artikel
Firefly

Ein Sparbuch anlegen oder lieber ein Aktien-Depot eröffnen? Wie kann ich Geld am besten nutzen und vermehren? Und was hat es eigentlich mit Krypto oder Trading auf sich? Wenn es ums liebe Geld geht, sind viele Menschen ratlos – und dankbar für Tipps, die auf Social Media schnell und verständlich daherkommen. Genau hier setzen sogenannte Finfluencer*innen an.

Was machen eigentlich Finfluencer*innen?

Sie heißen „Finanztipp“, „Professor Finanzen“ oder „Immo Tommy“. Auf ihren Profilen posieren sie mit teuren Uhren, schicken Autos oder luxuriösen Reisen – und erzählen, wie sie all das durch kluge Geldanlagen geschafft haben wollen. Der Mix aus Glamour und Ratgeber macht sie für viele attraktiv.

Finfluencer*innen – auch Finanzfluencer*innen genannt – erklären, wie man investiert, spart oder tradet, und geben Einblicke in Kryptowährungen oder Aktienmärkte. Oft ist die Erzählung persönlich gefärbt – vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Die Geschichten wecken Vertrauen und wirken nahbar.

Wer berät uns da eigentlich?

Finanzberatung im Netz boomt – und nicht alle Angebote sind gleich. Ein Blick auf einige seriöse deutsche Finfluencer*innen zeigt die Vielfalt der Ansätze:

  • Finanzfluss: Seit 2016 erklären Thomas Kehl und Arno Krieger vor allem auf YouTube, wie man Geld anlegt und investiert. Mittlerweile folgen ihnen rund 1,5 Millionen Menschen. Neben den Videos auf YouTube bieten sie ihre Tipps mit etwa 30 Mitarbeiter*innen auch über andere soziale Medien, ihre Webseite und ein eigenes Buch an. Gründer Thomas Kehl ist Investmentbanker und bringt viel Erfahrung mit, sodass das Angebot als seriös gilt.
  • Verständliches Wissen, vor allem für Frauen, ist das Ziel der Finanzheldinnen. Hinter dem Angebot steckt ein Team des Commerzbank-Konzerns, das über Finanzen, Anlagen, Gehalt oder Unternehmensgründung informiert. Die Inhalte erscheinen vor allem in einem Podcast, in dem unterschiedliche Personen zu Finanzthemen interviewt werden, aber auch auf der Website, in Apps, Büchern und Trainingsplänen.
  • Lisa Osada beschäftigt sich auf Aktiengramm speziell mit dem Thema Aktien. Seit 2020 erklärt sie auf ihrem Blog und Instagram-Kanal, wie Aktienmärkte funktionieren, gibt konkrete Anlagetipps und teilt ihre eigenen Erfahrungen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Ältere Kinder und Jugendliche haben meist noch wenig Erfahrung mit eigenem Geld. Mit zunehmendem Alter wächst aber die Bedeutung von Taschengeld, Nebenjobs oder den ersten größeren Anschaffungen.

Jugendliche, die auf der Suche nach Tipps und Strategien sind, stoßen häufig online auf Finfluencer*innen. Diese sind mit einem Klick erreichbar, präsentieren sich häufig sehr nahbar und ansprechend und scheinen direkt aus ihrem eigenen Leben zu sprechen. Das macht sie für Jugendliche oft greifbarer und ansprechender als etwa Bankberater*innen, die schwieriger zu erreichen und oft auch förmlicher sind.

Die Tipps der Influencer*innen klingen einfach und das Ergebnis scheint leicht zu erreichen. Die versprochenen Ergebnisse – eigene Millionen, Urlaube, Luxus – wirken besonders verlockend. Gleichzeitig dienen Finfluencer*innen oft auch als Vorbilder: Jugendliche orientieren sich an ihren finanziellen Entscheidungen, Strategien und Erfolgen und lernen dadurch, wie man mit Geld umgehen könnte – bewusst oder unbewusst.

Was kann problematisch sein?

Doch auch hier ist – im wahrsten Sinne – nicht alles Gold, was glänzt.

  • Fehlende Qualifikation: Finanzexpert*in ist kein geschützter Begriff. Jede*r kann sich so nennen, und online nutzen das viele Personen.
  • Unrealistische Versprechen: Viele Tipps klingen zu gut, um wahr zu sein. Es werden scheinbar einfache und schnelle Tipps gegeben, die praktisch nicht funktionieren.
  • Interessenlagen: Manche Influencer*innen verdienen an eigenen Produkten und Werbeverträgen während ihre Follower*innen für diese Angebote bezahlen, ohne selbst finanziell zu profitieren.
  • Verlustgefahr: Schnell reich werden funktioniert selten – im schlimmsten Fall verlieren Jugendliche Geld.

Was Eltern beachten sollten

Jugendliche stoßen im Netz leicht auf Finfluencer*innen. Damit sie Angebote besser einordnen können, hilft es, gemeinsam hinzuschauen:

  • Kritisch prüfen: Achten Sie auf Quellen und Hintergründe statt nur auf Follower*innenzahlen. Hat die Person eine Ausbildung oder Erfahrung vorzuweisen? Gibt es seriöse Kritiken über sie?
  • Skepsis stärken: Besprechen Sie, dass Versprechen von schnellem Reichtum meist unrealistisch sind.
  • Vergleiche ziehen: Wird die beworbene Anlagestrategie auch von anderen Anbietern (z. B. Verbraucherzentrale) empfohlen?
  • Transparenz ansprechen: Machen die Influencer*innen klar, wenn es sich um Werbung handelt?
  • Offen bleiben: Fragen Sie nach, welche Tipps Ihr Kind spannend findet, und ordnen Sie diese gemeinsam ein.

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