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Eltern fragen – wir antworten: Was ist bei der Anschaffung eines Sprachassistenten für die Familie zu beachten?

Jana überlegt, für ihre Familie einen Sprachassistenten anzuschaffen. Doch worauf sollte man dabei achten? Lidia de Reese von Elternguide.online gibt Ihnen Tipps und Hinweise.

 

Smarter Familienalltag mit Alexa & Co.?

Das Hörspiel für das Kind anstellen, die Termine der Familienmitglieder koordinieren, während man das Abendessen zubereitet oder kurz die Lebensmittel für das Wochenende per Zuruf bestellen – all das ist mit dem Einzug von sogenannten Sprachassistenten für einige Familien schon Alltag geworden. Sie heißen Alexa, Siri oder einfach nur Google und werden über das Smartphone oder direkt per Lautsprecher genutzt. Immer mehr Kinder lernen den Umgang damit von klein auf. Am Beispiel von Alexa erklären wir, was dahinter steckt und worauf man achten sollte.

Funktionen und Anwendung

Die digitalen Sprachassistenten funktionieren wie intelligente Lautsprecher mit integriertem Mikrofon. Man spricht sie mit einem Schlüsselwort wie „Alexa“ oder „Echo“ an und sagt dann, was man gern möchte, z. B.: „Alexa, spiel‘ meine Lieblingsmusik!“. Die Übertragung dieses „Befehls“ erfolgt über das Internet. Dazu müssen die Sprachassistenten mit anderen Geräten oder Anwendungen, wie z. B. Musikstreamingdiensten, verbunden sein. Die gesprochenen Worte gelangen über WLAN oder Bluetooth zum Anbieter, um den Befehl umzusetzen. Alexa oder ein anderer Sprachassistent reagiert auch, indem „sie“ z. B. Fragen beantwortet.

Das Gerät hört mit: Privatsphäre und Datenschutz

Möglich ist das, weil mit den Sprachassistenten mehrere Lautsprecher mit Mikrofonen nach Hause kommen. Alexa hört Ihnen 24 Stunden zu, Tag und Nacht. Was passiert mit all den sehr persönlichen Daten und Informationen? Die Datenschutzbestimmungen von Alexa und Co. sind undurchsichtig. Es ist nicht klar, was genau mit vielen privaten Informationen passiert, die der Lautsprecher mithört. Drückt man aktiv „mute“ bzw. die „Mikrofon aus“-Taste am Gerät, zeichnet Alexa laut Amazon nichts auf. Das bedeutet aber, dass sich die Sprachsteuerung nicht mehr aktiv nutzen lässt. Gerade diese Funktion macht Alexa für viele so attraktiv. Möchte man Alexa der praktischen Einfachheit halber per Zuruf etwas fragen, muss man „sie“ immer mithören lassen. Seien Sie sich also bewusst, dass diese Geräte Ihre Privatsphäre und die Ihrer Familie und Gäste potenziell gefährdet. Alle Personen, die sich in Ihrem Zuhause befinden, sollten deshalb auf die Existenz des Geräts hingewiesen werden. Zudem lässt sich der Missbrauch Ihrer Daten durch Dritte wie z. B. Hacker nicht sicher ausschließen. Direkte Befehle an Alexa werden in Form von Audiodateien in einer sogenannten Cloud, also online, abgelegt und können individuell gelöscht werden. Ihre Daten können aber auch auf Servern in Ländern landen, die nicht den Datenschutz-Standards der EU entsprechen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Alexa persönliche Daten der Nutzer wie Interessen und Lebensumstände sammelt, um personenbezogene Werbung ausspielen zu können.

Nutzung von Sprachassistenten durch Kinder

Für Kinder kann die Anwesenheit von Alexa in der Familie schnell zur Normalität werden, genau wie die Art mit “ihr” zu sprechen. Alexa kann für Ihr Kind durch die Frauenstimme einen lebendigen Charakter entwickeln. Gleichzeitig sollte Sie bedenken, dass Alexa auch ohne die gängigen Höflichkeitsformen wie eine Begrüßung oder ein „Bitte“ und „Danke“ reagiert. Dies könnte Ihr Kind als normalen sozialen Umgang abspeichern. Da Sprachassistenten meist eine weibliche Stimme haben, könnte Ihr Kind außerdem den Eindruck bekommen, dass es normal ist, Frauen Befehle zu erteilen. Ein weiteres Risiko bei aktiven Sprachassistenten besteht darin, dass Ihr Kind aus Versehen Online-Bestellungen macht.

Tipps für die Nutzung in der Familie

Sollten Sie sich für den Einsatz eines intelligenten Sprachassistenten wie Alexa interessieren, besprechen Sie Vor- und Nachteile einer solchen Software mit allen Familienmitgliedern. Jeder sollte mit der Anschaffung einverstanden sein. Trägt ein Familienmitglied oder Freund den Namen „Alexa“, wählen Sie ein anderes Aktivierungswort. Es könnten sonst unbeabsichtigte Anfragen gestartet und ungewollte Einkäufe getätigt werden. Deaktivieren Sie das WLAN am Gerät, wenn Sie es nicht benötigen oder stellen Sie die Mikrofone stumm. Überlegen Sie genau, welche Einstellungen Sie beim Gerät vornehmen und mit welchen anderen Diensten der Sprachassistent verbunden sein soll.

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