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Wenn die ganze Klasse chattet

Messenger-Apps wie WhatsApp gehören zu den “Must Haves” der allermeisten – auch von Kindern und Jugendlichen. In der Schule können Klassenchats sehr praktisch sein. Man kann sich untereinander über Lernstoff, Hausaufgaben und organisatorische Dinge austauschen. Solche Chatgruppen können aber auch zur Belastung werden.

Chatgruppen in Messenger-Diensten

Über Messenger-Apps kommuniziert man entweder persönlich mit einzelnen oder in Gruppenchats mit mehreren Menschen gleichzeitig. Es gibt Familiengruppen, Chats unter Freunden oder der Sportmannschaft, Klassenchats und viele mehr.

Jeder kann eine Chatgruppe gründen und als Administrator Mitglieder hinzufügen, die den gleichen Messenger benutzen und in den Kontakten abgespeichert sind. Jede Person, die Teil der Gruppe ist, kann Nachrichten, Fotos oder Videos senden, die von allen Mitgliedern gesehen werden. Administrations- und Schreibrechte können je nach Messenger-Dienst an Mitglieder vergeben werden.

Klassenchat – Segen oder Fluch?

Die meisten Kinder ab ca. 12 Jahren haben ein eigenes Smartphone und nutzen einen Messenger. Deshalb gibt es in vielen Schulklassen Gruppenchats, über die die Kinder wichtige und unwichtige Dinge miteinander teilen. Außerdem können sie sich darüber ganz ohne Erwachsene austauschen.

Solch ein Chat kann das Gemeinschaftsgefühl einer Klasse stärken. Problematisch ist nur, wenn nicht jeder ein Smartphone und die entsprechende App hat. Einzelne Schülerinnen oder Schüler können sich ausgeschlossen fühlen und bekommen bestimmte Dinge nicht mit. Hier kann auch Gruppenzwang eine Rolle spielen.

Viele Kinder in einer Chatgruppe bedeuten oft auch viele Nachrichten. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, was interessant oder lustig ist. Manche möchten das mit anderen teilen, andere sind genervt von der Nachrichtenflut. Auch Kettenbriefe werden häufig über Klassenchats verbreitet und nicht jeder kann damit sicher umgehen. Wichtige Nachrichten können da schnell untergehen. Es kann auch zu Stress führen, wenn das Handy ständig piepst und man meint, immer reagieren zu müssen.

Nicht nur in der persönlichen Kommunikation auch über den Chat kann es zu Konflikten untereinander kommen. Im schlimmsten Fall werden einzelne Personen gemobbt. Im Gruppenchat kann sich das hochschaukeln und wer andere übers Smartphone beleidigt, merkt nicht, wie die Person auf der anderen Seite reagiert und macht vielleicht immer weiter.

Ein weiteres Problem ist der Datenschutz. Schnell wird ein Foto oder eine Handynummer über den Gruppenchat mit allen geteilt, ohne dass man sich darüber Gedanken gemacht hat, wen die Nachricht alles erreicht. Solche Nachrichten können von allen weiterverbreitet und abgespeichert werden. Auch die Messenger-Dienste selbst behandeln die Daten ihrer Nutzer unterschiedlich sensibel. Von WhatsApp z. B. werden viele Daten gespeichert und unbemerkt weitergegeben.

Manche Jugendliche nutzen Chatgruppen auch, um problematische Inhalte, wie z. B. kinderpronografisches Material, darüber zu versenden oder die Meinung der Mitglieder zu beeinflussen.

Worauf sollten Sie und Ihr Kind achten?

Bei all diesen Risiken sollten Sie zuerst das Recht und den Wunsch Ihres Kindes beachten, Teil der Klassengemeinschaft zu sein. Das muss nicht bedeuten, dass man die Gefahren außer Acht lässt. Diese sollte auch Ihr Kind kennen. Sprechen Sie deshalb mit ihm darüber. Durch die Wahl des Messenger-Dienstes, Sicherheitseinstellungen und Chat-Regeln lassen sich die Risiken begrenzen.

Tauschen Sie sich mit den Eltern der anderen Kinder aus und überlegen Sie, ob Sie sich gemeinsam auf einen datensicheren Messengerdienst wie z. B. Signal, Threema oder Hoccer einigen können. Zeigen Sie Ihrem Kind, welche Datenschutzeinstellungen und Sicherheitsfunktionen das Smartphone und die Messenger-App selbst bietet – wie beispielsweise das Blockieren oder Melden von Kontakten. Außerdem sollte die Frage geklärt werden, wie diejenigen informiert werden, die kein Smartphone oder die jeweilige Messenger-App haben, damit kein sozialer Zwang entsteht.

Mindestens ebenso wichtig ist das Vereinbaren von Regeln, wie man miteinander umgehen möchte – das gilt nicht nur offline, sondern auch online. Dazu könnte z. B. gehören, dass nur über bestimmte Dinge geschrieben werden darf, dass es Zeiten gibt, in denen geschrieben wird oder dass Beleidigungen und das Verschicken persönlicher Bilder verboten sind. Mehr Tipps dazu gibt’s bei Handysektor. Kommt es zu Grenzüberschreitungen, Beleidigungen und Cybermobbing ist es wichtig, nicht wegzuschauen, sondern aktiv zu reagieren. Es sollte in der Klasse festgelegt werden, an wen man sich wenden kann, wenn man selbst oder jemand anderes im Chat unfair behandelt wird. Ausgewählte Vertrauenspersonen können vertrauenswürdige Erwachsene oder Mitschüler und Mitschülerinnen sein, die vorher geschult wurden.

Außerdem sollten Sie als gutes Vorbild vorangehen, indem Sie z. B. das Handy im Gespräch mit anderen auch mal weglegen, einen sicheren Messenger verwenden und nicht ohne zu fragen, Bilder Ihres Kindes in der Familiengruppe teilen. Dann wird auch Ihr Kind sicher und mit Spaß Chatgruppen nutzen können.

Facebook Messenger

Mit der App Facebook Messenger, die mit dem eigenen Facebook-Konto verbunden ist, lassen sich Nachrichten, Bilder, Videos und Sprachnachrichten versenden.

Kurz gefasst:

  • kostenfreie Messenger-App
  • Nutzung über den persönlichen Facebook-Account (keine Handynummer erforderlich)
  • Altersfreigabe laut AGB ab 16 Jahren (ab 13 Jahren mit Genehmigung der Eltern)
  • Risiken: Weitergabe personenbezogener Daten, Gefahr von Cybermobbing und anderen Kommunikationsrisiken

Was kann der Facebook Messenger?

Wer ein Facebook-Profil hat, kann damit auch den Messenger verwenden. Das Versenden von Nachrichten, Sprachmitteilungen sowie Fotos und Videos sind in Einzel- und Gruppenchats möglich. Außerdem kann man über den Messenger Online-Games mit Freunden spielen oder eine Story teilen. So werden Facebook-Funktionen mit einem Chat kombiniert.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Obwohl die Altersbeschränkung wegen der EU-Datenschutzverordnung auf 16 Jahre festgelegt wurde, verwenden auch jüngere Menschen den Facebook-Messenger. Er ist besonders praktisch, da viele Menschen einen Facebook-Account haben und deshalb auch den Messenger nutzen. So kann man mit Leuten kommunizieren, ohne dabei die eigene Handynummer herausgeben zu müssen. Nicht immer kennen Klassenkameradinnen oder Freunde aus dem Sportverein die Nummer. Der Kontakt mit neuen oder nicht so engen Bekanntschaften kann dann über Facebook einfach hergestellt werden.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Theoretisch kann jede Person mit einem Facebook-Profil von allen anderen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern angeschrieben werden – allein über den (Facebook-)Namen der Person. In den Privatsphäre-Einstellungen kann man die Sichtbarkeit des eigenen Profils und die selbst geteilten Inhalte jedoch einschränken. Trotzdem besteht die Gefahr, von fremden Menschen angeschrieben und eventuell belästigt zu werden.

Spiele-Anfragen sprechen besonders Jüngere an, können aber auch als nervig empfunden werden und  problematisch sein. Oft handelt es sich außerdem um externe Angebote, für die Facebook nicht die Verantwortung hat. Mehr zu Spieleseiten und ihre Risiken können Sie hier nachlesen.

Der Facebook Messenger verlangt viele Zugriffsberechtigungen auf das eigene Handy, z. B. auf Kontakte, andere Apps, das Mikrofon oder die Kamera. Facebook steht in der Kritik, besonders viele Daten der Nutzer und Nutzerinnen abzugreifen und an Firmen weiterzugeben, die sie für Werbung nutzen. Dies gilt auch für WhatsApp und Instagram, die ebenfalls zu Facebook gehören. Mittlerweile gibt es einige alternative Messenger, die weniger Daten sammeln und als sicherer gelten, z. B. Threema, Signal und Hoccer.

Was meint der Anbieter?

Facebook hat einige Voreinstellungen vorgenommen: Anfragen von befreundeten Menschen landen im Posteingang, während die Nachrichten fremder Personen zunächst unter “Nachrichtenanfragen” abgelegt werden. Diese Nachrichten können angenommen oder abgelehnt werden. Außerdem filtert Facebook Nachrichten, die Spam sein könnten, heraus. Unter “Gefilterte Nachrichten” kann man diese finden. Die Gefahr von Cybergrooming ist dadurch jedoch nicht ausgeschlossen.

Facebook hat einen großen Hilfebereich mit Sonderseiten für Eltern, Jugendliche und Pädagogen eingerichtet. Dort finden Sie u. a. weitere Informationen und Unterstützung im Umgang mit unerwünschten Nachrichten.

Was sollten Eltern beachten?

Für jüngere Kinder unter 13 Jahren ist der Facebook Messenger aus Datenschutzgründen nicht geeignet, auch wenn er im App Store und Google Play Store mit der Altersstufe 12 gekennzeichnet ist. Ist Ihr Kind zwischen 13 und 16 Jahre alt, kann es den Messenger nutzen, wenn Sie als Elternteil zugestimmt haben.

Denken Sie daran, dass für Ihr Kind soziale Kontakte mit der Pubertät immer wichtiger werden und digitale Kommunikation genauso dazugehört wie die Gespräche auf dem Pausenhof oder Schulweg. Sie sollten gemeinsam entscheiden, ab wann es die App nutzen kann. Sprechen Sie über Risiken wie Cybergrooming und Cybermobbing und unterstützen Sie Ihr Kind im Umgang mit sozialen Netzwerken. Klären Sie Ihr Kind darüber auf, was es tun kann, wenn es sich im Chat unwohl oder belästigt fühlt und seien Sie immer ansprechbar. Niemals sollte Ihr Kind einer fremden Person Bilder schicken oder persönliche Daten mitteilen. Sollte ihrem Kind etwas Unangenehmes begegnen oder passieren, zeigen Sie Verständnis und schauen Sie gemeinsam, was Sie dagegen unternehmen können. Nutzen Sie außerdem die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook.

Grundsätzlich sollten Sie Ihrem Kind bewusst machen: Auf den Servern von Facebook wird alles gespeichert, was es versendet. Menschen, die bei Facebook arbeiten, haben Zugriff auf die Nachrichten, etwa um gemeldete Nachrichten überprüfen. Dadurch sind die Nachrichten nie vollkommen privat. Sie können auch verschlüsselte Nachrichten auf Facebook austauschen: Hier erfahren Sie wie Sie eine geheime Konversation starten können. Die Geheimnachrichten können dann auch Personen nicht sehen, die an die Zugangsdaten Ihres Facebook-Kontos gelangt sind.

WhatsApp

Der beliebteste Messenger, nicht nur unter Kindern und Jugendlichen, ist WhatsApp. Das liegt daran, dass die Kommunikation praktisch und einfach ist. Weil auch viele andere Menschen ihn benutzen, kann man darüber mit Freunden und Familie in Kontakt bleiben. Leider gibt es aber auch ein paar negative Seiten des beliebten Dienstes.

Kurz gefasst:

  • Kostenfreie Messenger-App
  • Mit der Handynummer registrieren
  • Möglichkeiten: Chats, Videoanrufe, Gruppenchats, Versenden von Videos, Fotos und mehr
  • Risiken: Weitergabe personenbezogener Daten, Gefahr von Cybermobbing und anderen Kommuniaktionsrisiken
  • Altersfreigabe: 16 Jahre

Was ist WhatsApp?

WhatsApp ist ein kostenfreier Messenger. Nach dem Download muss man sich mit einer Handynummer registrieren. Danach kann man das Profilbild und einen Profilnamen einstellen. Die wesentliche Funktion von WhatsApp ist das Versenden von Nachrichten. Das können Textnachrichten, Bilder und Videos sein. Sie können entweder an einzelne Personen oder eine ganze Gruppe versendet werden. Unter Jugendlichen ist es besonders beliebt, Emojis zu versenden. Die Nachrichten werden, anders als bei SMS, über das Internet verschickt. Auch Videoanrufe mit einzelnen oder in Gruppen sind darüber möglich. WhatsApp ist für Android und iOS oder als Web-App verfügbar.

Was fasziniert Jugendliche besonders daran?

Jugendliche können mit WhatsApp kostenlos und schnell mit Freunden, Eltern und Bekannte in Kontakt treten. Sie benötigen dafür eine Verbindung zum WLAN oder eine Flatrate für mobile Daten ihres Mobilfunktanbieters. Dann können sie Inhalte wie Texte und Bilder teilen, Sprachnachrichten verschicken oder Videoanrufe durchführen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Der Dienst birgt verschiedene Risiken. Man kann z. B. sehen, wann ein User das letzte Mal online war oder ob er eine Nachricht gelesen hat oder nicht. Dadurch kann Druck entstehen, wenn sie das Gefühl haben, immer gleich antworten zu müssen. Wenn in einem Klassenchat manchmal hunderte Nachrichten täglich ausgetauscht werden, kann das Jugendliche auch überfordern.

Jugendliche können außerdem leicht mit Fremden in Kontakt kommen oder unbedacht persönliche Daten, Bilder und Videos teilen, die dann weiterverbreitet werden. Auch Kettenbriefe, dubiose Gewinnspiele, Falschmeldungen oder unverständliche Benachrichtigungen können problematisch sein.

WhatsApp greift auf zahlreiche Informationen des Nutzers zu, z. B. auf die gesamte Kontaktliste im Handy. So können auch die Kontaktdaten von Freunden an andere Personen gelangen, ohne dass man das möchte.

Was meint der Anbieter?

WhatsApp versucht, mit Sicherheitseinstellungen die Nutzung zu verbessern. Personen bzw. Telefonnummern können blockiert werden; man kann die Standortortung ausschalten und auch die Lesebestätigung von Nachrichten deaktivieren. Nutzerinnen und Nutzer können auch die Sichtbarkeit des eigenen Profils einschränken. Nachrichten werden verschlüsselt ausgetauscht, so dass sie nicht so leicht von Fremden  „gehackt“ werden können.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind jünger ist als 16 Jahre, müssen Sie der Nutzung von WhatsApp zustimmen.
Als Eltern sollten Sie darauf achten, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn den Messenger verantwortungsbewusst nutzt. Klären Sie Ihr Kind darüber auf, dass es keine persönlichen Daten an unbekannte Personen weitergibt und zu private Fotos mit Bekannten teilt. Gemeinsam können Sie Einstellungen für die Sicherheit vornehmen. Das geht in der App selbst, aber auch in der Verwaltung der Zugriffsrechte im Android- oder iOS-Betriebssystem (jeweils unter Einstellungen). Es kann passieren, dass bestimmte Funktionen nicht mehr benutzt werden können, wenn bestimmte Zugriffe verweigert werden.

Neben den Sicherheitseinstellungen sollten Sie Ihr Kind auch auf mögliche Gefahren wie Cybermobbing und Sexting hinweisen. Nachrichten können auch mal ein paar Minuten ungelesen bleiben und eine Antwort darf ruhig erst später kommen. Besprechen Sie als Eltern mit Ihrem Kind, dass auch im Internet ein freundlicher Umgangston herrschen sollte.

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