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TikTok

Lisa und Lena – die Zwillinge wären heute nicht so berühmt, wenn sie nicht über die App musical.ly mit ihren Playback-Videos so viele Menschen erreicht hätten. Der Nachfolger TikTok (seit 2018) bietet neben kurzen Playback- oder Lipsynch-Videos noch mehr: kreative Kurzvideos aller Art.

Kurz gefasst:

  • kostenloses Social-Media-Videoportal
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • Verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne einer Challenge weitergeführt.

Die Videos einiger TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um selbst Videos zu erstellen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Aus der einstigen Playback-App ist eine bunte Videoplattform geworden, auf der sich Jugendliche ausprobieren, miteinander messen, vergleichen und darstellen können – mit Challenges, Video-Memes und vielem mehr.

Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Es gibt eine Reihe von Problemen, die Sie und Ihr Kind vor der Nutzung der App berücksichtigen sollten:

  • Kinder ab 13 Jahren brauchen für die Anmeldung das Einverständnis der Eltern. Das Alter wird bei der Registrierung aber nicht überprüft.
  • Die Voreinstellungen der App sind gerade für Heranwachsende unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.
  • Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Jugendliche mit für sie ungeeigneten Inhalten in Berührung kommen können. Da die Beiträge nicht moderiert werden, können kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es ist ein hohes Risiko von Cybergrooming und Cybermobbing vorhanden.
  • Die Nutzer haben keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da sie sonst gegen die Bild- und Urheberrechte verstoßen. Sind andere Personen im Video zu sehen, sollte man diese auch immer um Erlaubnis fragen. TikTok erhält außerdem die Rechte an den veröffentlichten Videos.
  • Der Anbieter Bytedance finanziert sich über Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker zudem ihr Guthaben aufladen. Davon lassen sich Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.
  • Manche Challenges, die in sozialen Netzwerken kursieren, können gefährlich werden. TikTok blockiert solche Inhalte nicht.
  • Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

TikTok ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst. Es gibt allerdings nur wenige Sicherheitseinstellungen, obwohl die App laut Anbieter für Kinder ab 13 Jahren geeignet ist. TikTok verweist nach der Registrierung mittels eines roten Punktes auf die Einstellungen. Eine Erklärung dazu liefert der Dienst aber nicht. Immerhin gibt es Tipps für Eltern im “Safety Center” der Webseite. So lassen sich z. B. Userkonten melden und/oder blockieren.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei TikTok anmelden möchte, fragen Sie nach seiner Motivation. Richten Sie gemeinsam einen Account ein und probieren Sie gemeinsam die ersten Schritte aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.

Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann. Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.

Flirten und Dating im Netz

Freundschaften im Leben Ihres Kindes sind wichtig und werden mit der Zeit immer enger. Irgendwann kommt das Verliebtsein dazu und erste Beziehungen werden geführt. Welche Rolle das Smartphone und bestimmte Apps für das Kennenlernen und den regelmäßigen Kontakt spielen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Welche Apps werden zum Flirten und Kontakthalten genutzt?

Beim Thema Flirten denkt man zuerst an spezielle Dating-Apps. Um Kontakt mit Gleichaltrigen zu halten, nutzen viele Jugendliche aber vor allem die vertrauten Plattformen wie WhatsApp oder Instagram: Man kennt sich aus der Schule oder vom Sportverein. Außerhalb von Schule und Training werden Messenger oder Social-Media-Dienste genutzt, um sich näher kennenzulernen. Man kann z. B. ganz unauffällig verfolgen, was der neue Schwarm bei Instagram postet. Man fühlt sich der ersten Freundin näher, wenn sie abends vor dem Schlafen noch einen lieben Gruß per WhatsApp verschickt.

Dating-Apps oder Online-Singlebörsen werden für Jugendliche nach und nach interessant – etwa ab 14 Jahren. Es gibt allerdings nur wenige Kontaktportale, die sich an Jugendliche richten oder für sie geeignet sind, da sich hier vor allem Personen ab Ende 20 tummeln. Die meisten Communities erlauben die Teilnahme auch erst ab 18 Jahren. Nur wenige Flirtseiten – wie Jappy oder Kwick – bieten ihren Service schon für jüngere Jugendliche an.

Mit Apps wie Tinder, Lovoo usw. soll man Menschen in der Nähe oder mit ähnlichen Interessen kennenlernen. Da sie oft spielerisch aufgemacht sind, sind sie auch für Jugendliche spannend: Man bekommt ein Bild von einer anderen bei der App registrierten Person angezeigt und entscheidet durch einen Wisch nach links oder rechts, ob man sie attraktiv findet. Bei Tinder darf man sich erst anmelden, wenn man mindestens 18 Jahre alt ist. Lovoo ist schon für 16-Jährige erlaubt. Eine Kontrolle, ob man wirklich so alt ist, findet bei diesen Apps allerdings nicht statt.

Welche Risiken gibt es?

Gerade beim Flirten über das Internet ist Vorsicht geboten, weil man sein Gegenüber nicht sieht. Man weiß nicht, ob stimmt, was eine Person über sich schreibt und welche Interessen wirklich dahinterstecken. Jede und jeder kann sich bei einem Portal oder einer Social-Media-Plattform anmelden – ob volljährig oder nicht. Wenn man Kontakt mit Fremden aufnimmt, besteht die Gefahr des Cybergroomings, also das Anbahnen von sexuellen Beziehungen mit Minderjährigen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag.

Wenn Jugendliche anfangen, sich zu verlieben und erste Beziehungen führen (wollen), besteht auch die Gefahr von Sexting und Cybermobbing: Einige Jugendliche lassen sich schnell dazu überreden, freizügige Bilder von sich zu verschicken, ohne sich den Konsequenzen und Gefahren bewusst zu sein.

Worauf sollten Sie und Ihre Kinder achten?

Auch wenn man die Person kennt, mit der man über einen solchen Dienst chattet, sollte man darauf achten, was man schreibt und welche Fotos man von sich verschickt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass Inhalte im Netz auch ungewollt schnell weiterverbreitet werden können.

Egal, welche App Ihr Kind für die Kommunikation nutzt, weisen Sie es auf die Privatsphäre-Einstellungen hin. Am besten gehen Sie diese gemeinsam durch und überlegen, welche Einstellungen sinnvoll sind. Wenn Ihr Kind z. B. Instagram nutzt, sollte es ein privates Profil erstellen, so dass Inhalte nur von Bekannten gesehen werden und Fremde keine Nachrichten schreiben können.

Nutzt Ihr Kind Snapchat? Hier gibt es die spannende Funktion, Fotos zu verschicken, die nach dem Lesen anscheinend automatisch gelöscht und nicht lokal auf dem Gerät des Empfängers oder der Empfängerin gespeichert werden. Aber Vorsicht, denn z. B. ein leichtsinnig verschicktes Bild mit unvorteilhaften oder sexuellen Inhalten könnte vom Gegenüber per Screenshot abfotografiert und später missbraucht werden. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Sexting. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über dieses Thema, bevor es eine solche App verwendet.

Achten Sie außerdem darauf, dass die Standort-Funktion von Kommunikations- und Dating-Apps ausgeschaltet ist. Diese ist besonders gefährlich, da fremde (oder unerwünschte) Personen einen aufspüren können.

Bevor sich Ihr Kind mit einer noch unbekannten Person trifft, kann man sich bei einem Telefonat kennenlernen. Um sicherzugehen, dass niemand Böses hinter einem Online-Flirtversuch steckt, sollte man sicherheitshalber mit unterdrückter Nummer anrufen.

Wenn es zu einem Treffen kommen soll, sollte immer eine erwachsene Person Bescheid wissen. Diese kann dann z. B. mit zu dem Treffen kommen und sich im Hintergrund aufhalten. Als Treffpunkt wählt man zur Sicherheit einen öffentlichen Ort, wo sich viele andere Personen aufhalten. Außerdem sollte das Treffen tagsüber stattfinden, wenn es draußen noch hell ist.

Sprechen Sie vor der Nutzung mit Ihren Kindern über die Gefahren und erfragen Sie regelmäßig, welche Portale und Apps Ihr Kind nutzt, was es dort macht oder mit wem es spricht. Generell gilt: Think before you post – Denk nach, bevor du postest! Denn was einmal im Netz ist, bleibt im Netz. Achten Sie als Eltern darauf, was Ihr Kind im Netz veröffentlicht.

Und wenn Ihr Kind nicht mit Ihnen über solche Dinge sprechen möchte, gefällt ihr oder ihm vielleicht die Seite handysektor.de, die viele Themen rund um digitale Medien jugendgerecht behandelt.

 

Hilfe, mein Kind schaut Pornos!

Viele Kinder und Jugendliche kommen im Netz schon früh in Kontakt mit pornografischen Inhalten, zufällig und ohne Absicht genauso wie aus Neugierde und Interesse. Für Eltern kann das erschreckend sein, wenn sie irgendwann mitbekommen, dass ihr Kind Pornos schaut. Warum das nichts Unnormales ist, welche pornografischen Inhalte problematisch sein können und wie Sie damit umgehen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Während Pornos früher vor allem in speziellen Geschäften oder Videotheken zu finden waren, kommt man heute dank Internet ganz leicht dran. Außerdem wird man nicht gesehen und es kostet nicht unbedingt etwas. Das gilt nicht nur für Erwachsene. Kinder und Jugendliche entwickeln spätestens in der Pubertät eine eigene Sexualität. Dafür suchen sie Orientierung und Vorbilder. Da Sex häufig immer noch ein Tabuthema ist, wird gern die Anonymität des Netzes gesucht. Hier können sie sich unbeobachtet schlau machen, bevor die Sexualität mit anderen ausgelebt wird. Doch es ploppen auch ganz unabsichtlich plötzlich aufreizende Nacktbilder von Männern und Frauen auf dem Handydisplay auf, wenn man eigentlich nur eine Serie gucken möchte oder für die Schule im Netz recherchiert. So können Kinder schon früh damit in Kontakt kommen, obwohl das eigentlich gar nicht passieren dürfte.

Schutz vor Pornografie

In Deutschland gibt es den Jugendmedienschutz mit seinem Auftrag, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor Inhalten im Internet zu schützen, die sie gefährden oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. Zu diesen Inhalten gehört auch Pornografie. Dabei wird zwischen einfacher und harter Pornografie unterschieden. Von harter Pornografie wird gesprochen, wenn die gezeigten sexuellen Handlungen z. B. in Verbindung mit Gewalt stehen oder wenn es sich um Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen handelt. Diese sind grundsätzlich verboten! Einfache pornografische Inhalte, bei denen der Sex detailliert dargestellt wird, sind in Deutschland erlaubt, wenn der Zugang dazu klar beschränkt ist. Das bedeutet, dass eine Anmeldung zu diesen Seiten nur über ein geregeltes Verfahren möglich ist; z. B. über das Post-Ident-Verfahren, bei dem der Personalausweis bei einer offiziellen Stelle wie einem Postamt vorgelegt werden muss.

Unter 18-Jährige können also nicht so einfach auf Pornoseiten kommen, wenn diese aus Deutschland kommen. Anders sieht es bei Anbietern aus anderen Ländern aus, deren Seiten teilweise frei zugänglich sind. Hinzu kommt, dass sich auf beliebten Plattformen wie YouTube und Instagram auch Fotos und Videos finden, auf denen Menschen mit wenig Kleidung und in erotischen Posen dargestellt sind. Solche Inhalte sind keine Pornografie und deshalb für alle einsehbar. Sie können aber für manche – vor allem jüngere – Kinder trotzdem unangenehm oder sogar verstörend sein.

Warum Pornos problematisch sein können

Gerade für Jugendliche in der Pubertät sind Pornos reizvoll – auch weil sie verboten sind. Sie sind für solche Reize besonders anfällig und begeben sich auf die Suche nach pornografischen Inhalten oder klicken neugierig auf die Seiten, die ihnen zufällig begegnen. Besonders wenn das Thema Sexualität zu Hause ein Tabu ist und sie nicht mit ihren Eltern darüber sprechen möchten, greifen sie auf das zurück, was sie im Netz finden. Und das ist nicht unbedingt altersgerecht.

Die schnelle Verfügbarkeit solcher Inhalte kann besonders anziehend wirken, wenn man z. B. gerade Ablenkung sucht oder vor seinen Alltagsproblemen fliehen möchte. Aus einer Gewohnheit kann bei manchen Jugendlichen Abhängigkeit werden. Außerdem können sich beim regelmäßigen Anschauen von Pornos Vorstellungen von Sex entwickeln, die nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben. Sex und Pornografie werden mit Liebe und Beziehung gleichgesetzt. Einige Jugendliche bekommen Erwartungen, dass ihr eigenes Liebesleben genauso aussehen muss. Dazu gehört auch die Entwicklung des eigenes Körpers. Das kann Jugendliche stressen, wenn sie selbst sexuell aktiv werden wollen. Oder die Freundin oder der Freund wird unter Druck gesetzt, sich ebenso darzustellen, dabei zu filmen und das Video zu verschicken. Wodurch sie sich dem Risiko des Cybermobbings aussetzen. Mehr zum Thema Sexting erfahren Sie in unserem Beitrag dazu.

Was Sie als Eltern beachten sollten

Sex gehört zu unserem Leben dazu. Tabuisieren Sie das Thema nicht und seien Sie immer offen und gesprächsbereit. Sorgen Sie für eine altersgerechte Aufklärung, wenn Ihr Kind Fragen rund um Liebe und Sexualität stellt.

Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Schritten im Internet und erklären Sie ihm, dass man auf Inhalte stoßen kann, die unangenehm sind. Sollten bestimmte Seiten unabsichtlich erscheinen, sollte Ihr Kind mit Ihnen darüber reden können. Vor allem jüngere Kinder dürfen mit solchen Erfahrungen nicht allein gelassen werden. Ihre Fantasie spielt verrückt und das Gesehene lässt sich nicht richtig einordnen, weil es nichts mit ihrem eigenen Erfahrungsspektrum zu tun hat.

Nutzen Sie Jugendschutzprogramme und Filtermöglichkeiten Ihres Browsers, Smartphones oder Tablets, so dass jugendgefährdende Inhalte erst gar nicht angezeigt werden. Solche technischen Einstellungen können aber immer nur unterstützen, da sie keinen hundertprozentigen Schutz vor solchen Inhalten bieten. Viel wichtiger ist, dass Ihr Kind weiß, dass es im Netz auch solche Inhalte gibt und es Wege kennt, damit umzugehen. Deshalb sollten Sie immer wieder mit ihm darüber sprechen.

Wenn Kinder älter werden und in die Pubertät kommen, brauchen sie aber auch ihren Freiraum und möchten nicht unbedingt mit den Eltern über die Veränderung ihres Körpers sprechen. Ältere Geschwister können gute Gesprächspartner sein. Außerdem gibt es jugendgerechte Aufklärungsseiten im Netz, wie z. B. Loveline.

Wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter Pornos schaut, sprechen Sie ihn oder sie darauf an, aber verurteilen Sie Ihr Kind nicht. Machen Sie ihm klar, dass Pornografie nicht realistisch ist, sondern sich jemand die “Geschichten” ausgedacht hat. Reine Verbote und Filtermaßnahmen werden vor allem bei Jugendlichen nicht helfen. Sie suchen sich ihre Wege, Pornos zu schauen. Verbote wirken eher noch reizvoller. Deshalb ist ein offener Umgang mit dem Thema Sex wirksamer.

Mit Online-Gaming Fähigkeiten verbessern

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Dana Neuleitner.

Computerspiele stehen bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Ob Städte errichten, gegen Bösewichte kämpfen oder gemeinsam mit Freunden in ferne Welten eintauchen – der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Als Eltern stehen Sie dabei jedoch oft im Zwiespalt. Einerseits wissen Sie um die Potenziale, die virtuelle Welten ihren Kindern bieten können. Denn bereits für die Jüngsten sind zahlreiche digitale Lernspiele erhältlich. Andererseits befürchten viele, dass ihre Sprösslinge online etwa auf Cyberkriminelle treffen, ein suchtartiges Verhalten entwickeln oder virtueller Gewalt ausgesetzt werden, mit der sie nicht umgehen können.

Positive Lerneffekte beim Computerspielen

Studien des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung beweisen, dass Videospiele wie etwa Super Mario 64 räumliches Denken, die Erinnerungsbildung und feinmotorische Fähigkeiten sowie die strategische Planung erhöhen können. Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hebt in ihrem „Best-Practice-Kompass. Computerspiele im Unterricht“ ebenfalls positive Lerneffekte hervor. Mit dabei etwa die Fähigkeit, kognitive Landkarten zu erstellen oder algorithmisches Denken zu schulen. Kinder und Jugendliche lernen bei Computerspielen eher versteckt, beispielsweise dadurch, dass sie ihre Hand-Auge-Koordination oder Geschicklichkeit verbessern. Der Gewaltaspekt, der vielen Online-Games zugrunde liegt, wird hier jedoch auch beanstandet, ebenso die Gender-Frage. Denn oft wird ähnlich zur Werbeindustrie mit Stereotypen oder gewissen Vorstellungen von Schönheit und Stärke gearbeitet. Hier setzt das Modellprojekt WERTE LEBEN – ONLINE des JUUUPORT e.V. an, bei dem unter anderem mit Vorurteilen gegenüber Gamerinnen aufgeräumt werden soll. Jugendliche setzen sich dort zudem für mehr Respekt, Toleranz und Mitgefühl im Netz ein.

Lernprojekte rund um Gaming

Einige Initiativen und Projekte knüpfen hier an. Das Projekt „(Cyber-)Mobbing – Aufgeklärt!“ sensibilisiert Schülerinnen und Schüler etwa für das Thema Mobbing und das Webinar zum Thema „Respektvoll in Online-Games“ soll Kinder und Jugendliche im Umgang mit Gamersprache schulen. Bei Online-Multiplayer-Spielen müssen die einzelnen Teammitglieder miteinander kommunizieren, um sich beispielsweise über mögliche Spielzüge auszutauschen. Das kann Teamfähigkeit und taktisches Denken fördern. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass Kinder und Jugendliche durch den Online-Austausch auch mit Beleidigungen und Mobbing in Kontakt kommen können.

Ein weiteres Thema mit dem sich viele Eltern konfrontiert sehen, sind gewalthaltige Szenen in Computerspielen, die Kinder möglicherweise verstören könnten. Mit der Zunahme von Ego-Shooter-Games wurde die Befürchtung laut, dass derartige Spiele zu Nachahmungstaten verleiten könnten. Eine Studie von Forschern der Universität York zeigte jedoch, dass Gewalt in digitalen Spielen nicht zwangsläufig aggressives Verhalten auslöst.

Die positiven Lerneffekte von Computerspielen können mit Gamification sogar für den Unterricht nutzbar gemacht werden und Kinder beispielsweise im Sprachunterricht begeistern. Denn wenn Lernen Spaß macht, geschieht es fast von ganz allein. Um dies zu erreichen, müssten die Schulen jedoch entsprechend ausgestattet und Fortbildungen für die Lehrkräfte angeboten werden.

Führt man Kinder und Jugendliche sorgfältig in die Thematik ein und macht sie mit möglichen Gefahren vertraut, bieten ihnen digitale Spiele eine Lernumgebung, die sie in vielen Bereichen fördern kann. Dazu ist es hilfreich, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu informieren, um dem Nachwuchs eine optimale Umgebung zu schaffen und immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben, damit potenzielle Gefahren erfolgreich bewältigt werden können.

Zur Autorin:
Dana Neuleitner ist studentische Hilfskraft bei merz | medien + erziehung und studiert Medien und Kommunikation an der Universität Passau. Zu ihren Schwerpunkten gehören Medienlinguistik, Crossmedia und öffentliche Kommunikation.

MovieStarPlanet

„Werde reich und berühmt“ – mit diesem Slogan wirbt das Spiel MovieStarPlanet. Für Teenager kann die Welt der „Reichen und Schönen” verlockend sein. In diesem Online-Spiel können sie sich einen eigenen „movie star” gestalten und Kontakte zu anderen knüpfen. Das ist jedoch nicht immer unproblematisch.

Kurz gefasst:

  • bei Kindern und Jugendlichen beliebtes Soziales Netzwerk und Spiel
  • als Browserspiel oder kostenlose App erhältlich
  • zahlreiche Kaufmöglichkeiten und In-App-Käufe
  • Mindestalter: 10 Jahre
  • mögliche Gefahren: Cybermobbing und Cybergrooming

Was ist das?

MovieStarPlanet ist vor allem bei Kindern beliebt und ermöglicht ihnen, sich selbst darzustellen, mit anderen zu spielen und in Kontakt zu treten. Es ist gleichzeitig Spiel und soziales Netzwerk und das Knüpfen von neuen Kontakten spielt eine wichtige Rolle. Die Registrierung ist kostenlos. Man benötigt lediglich einen Nutzernamen und ein Passwort. Das Alter eines Nutzers wird nicht überprüft. Daraufhin wählt man einen eigenen Avatar (in Form eines Jungens oder Mädchens) und gestaltet ihn selbst bzw. anhand der Auswahlmöglichkeiten von MovieStarPlanet. In verschiedenen virtuellen Räumen spielt man mit anderen Nutzern Spiele wie einen „Schönheitskontest” und sammelt so virtuelles Geld, um sich z. B. neue Kleidung zu kaufen und bekannter zu werden. Durch das Sammeln von sogenannten „StarCoins” kann man sich viele Optionen und Produkte kaufen. Dazu gehören teure Klamotten sowie Requisiten und Animationen, z. B. für selbst erstellte Videos. Damit lässt sich die eigene Beliebtheit innerhalb des Spiels steigern. Die virtuellen StarCoins lassen sich auch mit echtem Geld kaufen.

Was ist problematisch an dem Abgebot?

Da die Altersangabe der Nutzer nicht kontrolliert werden, ist eine Anmeldung auch mit falschem Alter möglich und man weiß nie, wer sich hinter einem Profil verbirgt. Ihr Kind kann sich nicht sicher sein, mit wem es gerade wirklich chattet. Es besteht das Risiko von Cybermobbing und Cybergrooming.

Viele Features des Spiels sind mit Kosten durch sogenannte In-App-Käufe verbunden. Dadurch kann das Spiel zu einer teuren Angelegenheit werden. Es kann auch frustrieren, Inhalte im Spiel nicht benutzen zu können, weil sie erst gegen Geld freigeschaltet werden müssen. Wer kein echtes Geld ausgeben möchte, kann Inhalte auch durch besonders regelmäßiges Spielen freischalten. So wird den Nutzern nahegelegt, möglichst oft online zu sein, um mit den anderen Spielern mithalten zu können und beliebter zu werden.

Auch das Frauenbild bei MovieStarPlanet ist fraglich; die Avatare verkörpern stereotypische und sexualisierte Rollenbilder. Weibliche Avatare tragen zumeist sehr knappe Kleidung und sind oft bauchfrei mit langen Haaren und roten Lippen. Auch die Beurteilung anderer Spieler und die steigende Bekanntheit innerhalb des Spiels durch Oberflächlichkeiten wie teure, angesagte Kleidung ist kritisch zu sehen und kann Ihr Kind unter Druck setzen.

Was sagt der Anbieter?

Laut Anbieter ist das Spiel vor allem für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren gedacht. Die Betreiber von MovieStarPlanet wissen um die Risiken, weshalb es in dem Spiel verschiedene Sicherheitsmaßnahmen gibt. So ist unter anderem die Möglichkeit vorhanden, andere Nutzer zu melden. Außerdem gibt es eine automatisierte Analyse und ein Datenmanagement-System, das unangemessenes Verhalten identifizieren soll und es an Moderatoren meldet.

Was sollten Eltern beachten?

Eltern sollten sich der möglichen Gefahren bei dem Angebot bewusst sein. Es ist wichtig, dass Sie Ihr Kind begleiten. Weisen Sie darauf hin, nur mit Freunden zu kommunizieren, die auch im echten Leben bekannt sind und in keinem Fall persönliche Informationen über sich preiszugeben. Versichern Sie Ihrem Kind außerdem, dass es sich immer an Sie wenden kann, sollte es mit unangenehmen oder komischen Inhalten oder Nachrichten konfrontiert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind vor der Nutzung des Angebots über Melde- und Blockierfunktionen.

Bitte vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln zu In-App-Käufen bzw. unterbinden Sie diese, indem Sie bspw. keine Zahlungsdaten hinterlegen oder durch spezielle Jugendschutzeinstellungen auf dem Handy Ihres Kindes In-App-Käufe unterbinden.

Hoccer – der sichere Messenger

Vielleicht suchen Sie schon seit längerem nach einer Alternative zu WhatsApp & Co, weil Sie die Risiken dieser Apps vermeiden und Ihren Kindern eine sichere Kommunikationsmöglichkeit anbieten möchten? Dann könnte Hoccer etwas für Sie und Ihre Familie sein!

Kurz zusammengefasst:

  • kostenlose Instant-Messenger-App
  • hoher Datenschutz durch verschiedene Funktionen
  • entwickelt von der Hoccer Betriebs GmbH mit Sitz in Berlin
  • Testsieger unter den Messengern im Jahr 2015 bei Stiftung Warentest
  • verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • keine Altersbeschränkung angegeben (laut iTunes App Store ab 4 Jahren, laut Google Play Store USK ab 0 Jahren)

Was ist Hoccer?

Hoccer ist ein typischer Messenger: Man kann mit anderen Nutzern, die die App ebenfalls auf ihrem Handy haben, über Textnachrichten kommunizieren. Es lassen sich Fotos, Videos, Standortdaten und Sprachnachrichten teilen.
Was Hoccer von den meisten anderen Messengern unterscheidet, ist der Datenschutz: die Angabe persönlicher Daten und die Freigabe des Adressbuchs sind für die Nutzung nicht nötig. Eine weitere Besonderheit ist die Nearby-Funktion der App. Darüber lassen sich Daten anonym, also ohne den Austausch von persönlichen Informationen, mit Leuten im Umkreis von ca. 100 Metern teilen. User können sich so an Gesprächen beteiligen, ohne mit den „In der Nähe“-Kontakten befreundet zu sein. Die Standortdaten werden sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht, sobald man die Funktion nicht mehr nutzt. Außerdem lässt sich die App per PIN oder Fingerabdruck vor dem Zugriff Dritter schützen.

Was macht Hoccer so sicher?

Hoccer wirbt für hohe Datensparsamkeit und den Schutz der Privatsphäre. Anders als bei anderen Messengern kann man sich mit einem beliebigen Nutzernamen komplett anonym und ohne Angabe der E-Mail-Adresse oder einer Telefonnummer registrieren. Stattdessen wird bei der Anmeldung eine individuelle Hoccer-ID vergeben. Über einen Code oder eine SMS lassen sich Kontaktanfragen senden, die aktiv angenommen werden müssen. Nur über diesen Weg kann man sich mit einem anderen Nutzer verbinden. Hoccer greift nicht automatisch auf die eigenen Kontakte zu, sondern nur dann, wenn man es zulässt.

Nachrichten werden via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versendet. Das bedeutet, dass allein Absender und Empfänger Zugriff auf den versendeten Inhalt haben. Wenn Sie über Hoccer eine Nachricht versenden, wird diese nach der Zustellung an den Empfänger sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht.

Sollte man ängstigende oder beleidigende Nachrichten erhalten, kann man diese an Hoccer melden. Dann wird der Absender vorübergehend oder dauerhaft gesperrt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Die Nearby-Funktion ermöglicht theoretisch eine Kontaktaufnahme durch Fremde, wodurch z. B. Cybergrooming denkbar ist.

Das letzte Update der App liegt schon länger zurück (2017). Es ist unklar, ob der Messenger noch aktiv weiterentwickelt wird. Außerdem ist der Entwicklungscode der App nicht öffentlich. Deshalb kann man nicht nachvollziehen, wie genau der Datenschutz funktioniert.

Was sagt der Anbieter?

Wegen dieser Besonderheiten nennen die Betreiber ihre App „Hoccer – der sichere Messenger“. Die Server befinden sich laut eigenen Angaben in Deutschland. Damit unterliegt die App dem deutschem Datenschutzrecht. Insgesamt bemühen sich die Betreiber durch ein umfassendes FAQ auf ihrer Website um viel Transparenz.

Was sollten Eltern beachten?

Diese Besonderheiten und die Tatsache, dass Hoccer eine deutsche App ist, macht sie zu einer denkbaren Alternative für andere Messenger.
Möchten Sie Hoccer in Ihrer Familie und mit Freunden nutzen, sollten Sie sich – gemeinsam mit Ihrem Kind – damit vertraut machen. Wenn Sie die App heruntergeladen haben, begleiten Sie Ihr Kind bei der Anmeldung. Entdecken Sie die Funktionen des Messengers zusammen, um Ihr Kind bei Unsicherheiten unterstützen zu können.

Trotz sicherer Funktionen gibt es über die Kommunikation auch mit diesem Messenger Risiken. Sprechen Sie darüber, was zu tun ist, wenn Ihr Kind z. B. unangenehme oder beleidigende Nachrichten erhält und mit Cybermobbing in Kontakt gerät. Es sollten nur Personen als Kontakte hinzugefügt werden, deren Identität klar ist.

Kik

Kik… Kann man da nicht Klamotten kaufen? Kik ist in diesem Fall ein Messenger-Dienst, der Menschen miteinander verbinden möchte. Wer sich nach Alternativen zu WhatsApp und dem Facebook Messenger umgesehen hat, ist vielleicht auch auf dieses beliebte Angebot gestoßen.

Kurz gefasst

  • kostenloser Messenger-Dienst
  • als App für Smartphone und Tablet (iOS und Android) verfügbar
  • über 200 Millionen Nutzer (eigene Angaben des Anbieters)
  • Registrierung lediglich mit Benutzernamen (Telefonnummer ist optional)
  • Anmeldung laut Anbieter ab 13 Jahren, jedoch im Google Playstore mit USK 18 versehen und auf iTunes ab 17 Jahre gekennzeichnet
  • aufgrund der Anonymität der User sehr hohes Risiko von Cybermobbing, Sexting und Cybergrooming vorhanden

Was ist das?

Kik ist ein Messenger-Dienst, über den registrierte User öffentlich und privat miteinander chatten können. Wie bei anderen Angeboten dieser Art stehen verschiedene Funktionen zur Verfügung – wie das Teilen von Fotos, Bildern, Videos und GIFs und die Möglichkeit eines Videochats. Besonders an Kik ist, dass die Registrierung lediglich mit Benutzernamen möglich ist. Man muss seine Telefonnummer nicht angeben, aber es wird empfohlen. Der volle Name, eine E-Mail-Adresse sowie das Geburtsdatum werden zwar abgefragt, es findet aber keine Überprüfung statt, ob man die richtigen Daten angegeben hat. Damit kann man sehr leicht einen anonymen bzw. falschen Account erstellen. Man kann also nie sicher sein, welcher Mensch wirklich hinter einem Profil steckt.
Eine weitere Besonderheit des Messenger ist es, dass man öffentliche oder private Gruppenchats mit bis zu 50 Personen erstellen kann. Öffentliches Chatten funktioniert über die Eingabe von Hashtags. Auch dies kann problematisch sein, da es dadurch leicht ist, mit Fremden in Kontakt zu kommen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Die Plattform macht es durch die anonyme Anmeldung und der Möglichkeit des zufälligen Suchens nach Benutzernamen sehr einfach, dass Kinder und Jugendliche in Kontakt mit fremden Usern kommen und unerwünschte Nachrichten oder Fotos erhalten mit z. B. ängstigenden und/oder sexualisierten Inhalten. Das Risiko von Cybermobbing, Sexting und Cybergrooming kann hier sehr hoch sein.
Überfliegt man die Bewertungen des Angebots in den App-Stores, erhält man den Eindruck, dass viele Nutzer mit sexuellen Anspielungen den Kontakt vor allem zu jüngeren Usern suchen.

Zudem ist unklar, wo genau die Daten, die man über den Messenger versendet, landen. Jugendliche können persönliche Informationen, Bilder und Videos mit anderen Usern teilen, die dann ohne ihr Wissen weiterverbreitet werden können.

Die Anmeldung auf der Plattform ist laut Anbieter ab 13 Jahren möglich. Durch die Angabe eines falschen Geburtsdatums kann man das leicht umgehen.

Was meint der Anbieter?

Mit einigen Sicherheitseinstellungen versucht Kik, die Nutzung des Messenger-Dienstes sicherer zu machen. Auf der Webseite von Kik findet man ein „Safety Center“, über das man Tipps erhält, wie man z. B. das eigene Profil so privat wie möglich halten kann. Man erfährt außerdem, wie andere Nutzer gelöscht, blockiert oder gemeldet werden können. Die Sicherheitshinweise gibt es allerdings nur auf Englisch.

Was sollten Eltern beachten?

Ihr Kind möchte unbedingt Kik verwenden, weil Freunde die App auch nutzen? Überlegen Sie, ob es für Ihr Kind und dessen Freundeskreis Alternativen gibt, die sicherer sind. Führt der Weg nicht an Kik vorbei, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Kind über mögliche Risiken und das Kommunizieren via Messenger sprechen. Recherchieren und überlegen Sie gemeinsam, wie man sich am sichersten auf Messenger-Diensten verhält. Installieren Sie mit Ihrem Kind die App und lernen sie sie zusammen kennen. Besprechen Sie außerdem, was zu tun ist, wenn Ihr Kind mit unangenehmen Nachrichten und Cybermobbing oder ähnlichem in Berührung kommt.

Musical.ly heißt jetzt Tik Tok

„Musical.ly gibt es nicht mehr!“ Diese Meldung dürfte viele vor allem weibliche Teenies, bei denen die App besonders beliebt ist, schockiert haben. Aber so richtig stimmt das gar nicht.

Die chinesische Firma Bytedance hat Musical.ly im Dezember 2017 aufgekauft. Anfang August 2018 wurde sie mit dem chinesischen Pendant TikTok zusammengelegt. Musical.ly ist also nicht Geschichte, sondern lediglich sein Name ist es. Wer ein Update durchgeführt hat, findet nun statt dem pinken Musical.ly-Logo die App „TikTok inklusive Musical.ly“ auf seinem Smartphone.

Bei Musical.ly drehte sich fast alles um Musik – diese grundlegende Funktion bleibt auch erhalten. Mit der Namensänderung sollen aber weitere Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Längere Videos, andere Themen: Beauty, Reise und Sport sollen stärker berücksichtigt werden. Damit will die App weg von dem reinen Sing- und Tanzimage.

Musical.ly stand immer wieder stark in der Kritik. Die einfache Kontaktaufnahme durch Fremde und das Erstellen von Fake-Accounts bereitete vielen Eltern Sorgen. Bytedance will die App in dieser Hinsicht sicherer machen: Anstößige Inhalte und Kommentare sollen durch Algorithmen schneller erkannt und gesperrt werden können. Das „Safety Center“, das in der App aufgerufen werden kann, soll in Zukunft auch Tipps für Eltern bereithalten und Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre vereinfachen.

Ob die Sicherheit für die User so tatsächlich erhöht wird, lässt sich noch stark bezweifeln. Unabhängig von der Kontaktaufnahme durch Fremde bleiben weitere Risiken bestehen.

Insgesamt ändert sich für Sie als Eltern durch die Zusammenlegung der Apps wohl kaum etwas. Sprechen Sie weiterhin mit Ihrem Kind über die Risiken, die nun TikTok bereithält.

Cybergrooming

Ganz klar – Sie kennen die Freunde und Freundinnen Ihres Kindes aus der Schule oder dem Sportverein, persönlich oder zumindest der Namen nach. Doch wie sieht es mit Bekannten aus, mit denen Ihr Kind nur über das Internet in Kontakt steht?

Wissen Sie über diese Personen nichts, sollten Sie unbedingt Ihr Kind danach fragen und sich darüber austauschen. Denn überall dort, wo Kinder und Jugendliche miteinander kommunizieren, können sie mit Personen in Kontakt kommen, die negative Absichten haben. Das Internet bietet einen anonymen Raum und Platz für falsche Profile. Beschimpfungen, Bedrohungen und Beleidigungen kommen nicht selten vor. Die scheinbare Anonymität nutzen manche Menschen aus.

Was ist Cybergrooming?

Alle Portale, auf denen sich Kinder und Jugendliche gern tummeln (z. B. Instagram oder YouNow), ziehen auch Nutzer mit pädokriminellen Neigungen an, das heißt kriminelles Verhalten, das sich gegen Kinder richtet. Das macht vielen Eltern große Sorgen. Erwachsene bzw. den Täter sprechen Kinder möglicherweise mit dem Ziel an, sie sexuell zu belästigen und/oder zu missbrauchen. Diese gezielte Ansprache nennt man Cybergrooming.

Die Täter gehen dabei unterschiedlich vor: sie fragen z. B. ganz konkret nach sexuellen Erfahrungen des Kindes und Jugendlichen oder erstellen Beiträge mit Beschreibungen sexueller Vorlieben. Oder sie erschleichen sich Schritt für Schritt das Vertrauen der Kinder, indem sie sich z. B. als jünger ausgeben oder in die Rolle eines Talentsuchers oder Modelagenten schlüpfen. Danach verlagert sich das Schreiben von Nachrichten oder gar der Austausch von Bildern zumeist in private Räume – also z. B. Einzelnachrichten in Messenger-Diensten wie WhatsApp. Das ist besonders problematisch, da diese nicht für andere einsehbar sind. Einmal in privaten Nachrichten angekommen, wird zunächst eine Art Vertrauen aufgebaut, das später ausgenutzt wird, etwa durch das Einfordern von Nacktbildern. Diese werden in der Folge dann zu Zwecken der Erpressung genutzt. Es wird z. B. damit gedroht, die Bilder zu veröffentlichen, wenn nicht noch mehr Fotos geschickt werden. Oder das Vertrauen wird zur Anbahnung eines persönlichen Treffen genutzt.

Wie schütze ich mein Kind vor Cybergrooming?

  • Machen Sie die ersten Schritte in Sozialen Netzwerken oder Online-Chats gemeinsam mit Ihrem Kind. Ihr Kind lernt auf diese Weise die verschiedenen Funktionen und Verhaltensregeln kennen. Außerdem wissen Sie nun, wo sich Ihr Kind im Internet aufhält.
  • Damit Ihr Kind früh über die Gefahren Bescheid weiß und sie rechtzeitig erkennen kann, sprechen Sie mögliche Gefahren ganz offen und sachlich an. Das fördert auch das Vertrauen des Kindes, sodass es sich im Falle eines Problems stets ohne Scham an Sie wenden kann. 
  • Weisen Sie auf Folgendes hin: Gesundes Misstrauen im Internet ist unbedingt notwendig. Der Chat-Partner ist nicht immer der, für den er sich ausgibt!
  • Kontaktanfragen von Fremden sollten nicht bestätigt werden. Unbekannte Nutzer können außerdem blockiert oder gemeldet werden.
  • Private Informationen wie der volle Name, Geburtsdatum, Adresse oder gar private Bilder sollte Ihr Kind nie öffentlich stellen oder unbekannten Personen anvertrauen. Was einmal im Internet steht oder versendet wurde, kann nie oder nur sehr schwer gelöscht werden!
  • Gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und regelmäßig die Privatsphäre-Einstellungen der Sozialen Netzwerke, die es nutzt, durch und besprechen Sie diese.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es seinem Bauchgefühl vertrauen kann. Kommen Ihrem Kind Chat-Inhalte oder Aufforderungen komisch oder beängstigend vor, sollte es den Kontakt abbrechen und sich sogleich an Sie oder einen anderen Erwachsenen wenden.
  • Ältere Jugendliche können auf Flirt-und Dating-Apps aktiv sein. Hier gilt besondere Vorsicht vor sexueller Belästigung, da es keine Moderation des Anbieters gibt und die Sicherheitseinstellungen oft unzureichend sind. Durch Ortungsfunktionen lässt sich zudem der Radius eingrenzen, indem sich Ihr Kind befindet.
  • Trotz allen Warnungen kommt es vor, dass Kinder und Jugendliche (und auch Erwachsene) dem Reiz des Mediums erliegen. Machen Sie Ihrem Kind unbedingt klar, dass auch in solchen Fällen die Schuld ausschließlich beim Täter liegt.
  • Sollte Ihr Kind sexuell belästigt werden, seien Sie für Ihr Kind da und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Melden Sie den Täter oder die Täterin auf der jeweiligen Plattform, sichern Sie Beweise z. B. durch Screenshots und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.   

Hilfe, Beratung und Informationen finden Sie auch hier:

Für Kinder und Jugendliche bei…

Für Eltern bei…

Ask.fm

Fragen über Fragen – die Plattform Ask.fm möchte Antworten auf die vielen Fragen des Alltags stellen.

Kurz gefasst:

  • kostenlose Frage-und Antwort-Online-Plattform
  • erlaubt ab 13 Jahren
  • das soziale Netzwerk enthält Werbung 
  • Registrierung über die Portale Facebook, Twitter, Instagram oder vk.com (soziales Netzwerk aus Russland)
  • Zugriff über Browser-Version oder mobile iOS & Android-App
  • Plattform bietet hohes Risiko für Cybermobbing und sexuelle Belästigung

Was ist ask.fm?

ask.fm ist ein soziales Netzwerk, bei dem sich Nutzer gegenseitig ganz beliebige und individuelle Fragen stellen können. Es ist eine weltweite Community und in 49 Sprachen abrufbar. Die Fragen und Antworten sind auf dem jeweiligen Profil öffentlich für jeden einsehbar, das heißt für registrierte, aber auch für nicht-registrierte Mitglieder. Antworten können in Form von Text, Fotos und Videos gegeben werden. Fragen können entweder anonym ohne Mitgliedskonto verfasst werden oder mit Benutzer-bzw. Klarnamen gestellt werden. Auch dann lässt sich ein Häckchen bei „anonym fragen“ setzen. Durch das öffentliche Frage-Antwort-Spiel ist es möglich, auch mit Fremden zu kommunizieren.

Nutzer können sich untereinander folgen und bekommen so die neuen Post der anderen Person auf dem eigenen Feed angezeigt.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche besonders an dem Angebot?

Soziale Netzwerke bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich auszuprobieren, sich zu präsentieren und ihre Wirkung auf andere Personen zu testen. Insbesondere die Plattform ask.fm lässt sich auch mit einer Art digitalem „Freundesbuch“ vergleichen – das Prinzip des Frage-Antwort-Spiels ist in vielen Generationen schon sehr beliebt gewesen und hat sich nun auch ins Netz verlagert. Das Interesse und die Aufmerksamkeit an der eigenen Person kann für Kinder und Jugendliche reizvoll sein. Auch die Möglichkeit, anderen Nutzern anonym Fragen stellen zu können, erweckt den Eindruck, scheinbar mutiger und ehrlicher Fragen stellen zu können.

Was ist problematisch an dem Angebot?

ask.fm steht in Verbindung mit Cybermobbing und darauf folgenden Selbstmorden von Jugendlichen. Durch die Möglichkeit des anonymen Postings, also Schreiben und Kommentieren von Beiträgen ohne Nennung eines Namens oder Profils, sinkt die Hemmschwelle für Cybermobbing und es wird Tätern leicht gemacht, unerkannt andere Nutzer zu beleidigen, zu belästigen, zu nötigen oder sexuell zu bedrängen.

Die Erstellung eines Profils und gerade die Beantwortung von Fragen können dazu verleiten, persönliche Daten von sich preiszugeben, die daraufhin für jeden sichtbar sind. Nutzer müssen sich darüber bewusst sein, dass ihr Profil sowie ihre Posts auch über das Netzwerk ask.fm hinaus für die Öffentlichkeit zugänglich sind und das mögliche Publikum nicht überschaubar ist. Suchmaschinen wie Google, Partner von ask.fm sowie andere Dritte können außerdem Daten von ask.fm übermittelt bekommen. Die Verknüpfung des Profils mit Facebook, Instagram, Twitter oder vk.com bergen auch Datenschutzrisiken.

Zudem lassen sich die Sicherheits-und Nutzungseinstellungen leicht umgehen. ask.fm dürfen Jugendliche offiziell erst ab einem Alter von 13 Jahren nutzen und bei Minderjährigkeit nur mit Einverständnis der Eltern. Dies wird jedoch in keiner Weise überprüft.

Likes und Follower machen das eigene Profil attraktiver. Zudem haben sich in der Vergangenheit zu diesem Zweck Geschenke sammeln lassen, die im Profil angezeigt wurden. Diese Geschenke waren jedoch kostenpflichtig! Zudem wurden sie teilweise im Tausch für ein sexuell behaftetes Bild oder einer Videoantwort angeboten.

Was meint der Anbieter?

Nach eigener Aussage des Anbieters sollen Nutzer die Plattform nach folgender Goldenen Regel benutzen: Behandele andere Nutzer so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

ask.fm weist mittels eines extra eingerichteten „Sicherheitscenters“ (https://safety.ask.fm/?lang=de auf Gefahren und Risiken hin.

Es gibt einige Funktionen, mit denen ask.fm Schutzmaßnahmen und Hilfemöglichkeiten für Nutzer anbietet:

  • Melde- und Blockierfunktion von unangebrachten Aktivitäten, Inhalten oder Profilen
  • die Option „anonyme Fragen zulassen“ deaktivieren
  • Anleitungen zum sicheren Umgang mit eigenen Inhalten auf ask.fm, zur Privatsphäre oder Löschung des Kontos

Nicht-registrierte Nutzer müssen zudem beim Stellen einer Frage ein Häkchen bei „Ich stimme ASKfm Nutzungbedingungen zu und bin mindestens 13 Jahre alt. Ich verspreche höflich zu sein :)“ bestätigen.

Was sollten Eltern beachten?

Sollte Ihr Kind ask.fm nutzen wollen, sollten Sie vorab mit ihm besprechen, was genau es auf dort sucht. Dadurch schaffen und fördern Sie das Vertrauen Ihres Kindes, sodass es sich an Sie wendet, wenn es etwas Unangenehmes erlebt.

Gehen Sie außerdem gemeinsam die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen durch. Weisen Sie Ihr Kind auf die Risiken der Plattform hin und erklären Sie Ihrem Kind, warum es keine persönlichen Daten auf dem sozialen Netzwerk angeben sollte. Wie in jedem sozialen Netzwerk gilt auch hier: Erst denken, dann posten! Überlegen Sie sich zusammen einen Spitznamen für Ihr Kind, der keine Rückschlüsse auf die Identität Ihres Kindes zulässt. Ihr Kind sollte auch über folgende Funktionen Bescheid wissen:

  • das Zulassen von anonymen Fragen lässt sich deaktivieren
  • unangenehmes, unangemessenes oder problematisches Verhalten von Nutzern kann (auch anonym) gemeldet werden
  • Nutzer können blockiert werden
  • das Anzeigen von Antworten im Stream lässt sich deaktivieren (so erhält man weniger Aufmerksamkeit von beliebigen Nutzern)
  • Allgemein gilt: Fragen können auch unbeantwortet bleiben!

Signal

Haben Sie auch schon von den Bedenken gegenüber Whatsapp und anderen Messenger-Diensten gehört? Signal möchte eine sichere Alternative sein.

Kurz gefasst:

  • kostenloser Messenger-Dienst, der hinsichtlich des Datenschutzes als sehr sicher gilt
  • Registrierung via Handynummer
  • Chats, Gruppenchats, sowie verschlüsselte Sprachanrufe und Videotelefonie möglich
  • Leitung der Nachrichten über Server mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
  • Altersfreigabe ab 13 Jahren

Was ist Signal?

Signal ist ein Messenger Dienst ähnlich WhatsApp. Mit Signal können Sie oder Ihre Kinder mit einem Kontakt oder einer ganzen Gruppe chatten. Sie können Bilder, Audiofiles, Videos oder Emojis versenden, Sprachanrufe oder Videoanrufe tätigen. Dabei werden alle Nachrichten mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert, ähnlich wie bei dem Messenger Threema. Das heißt, dass Nachrichten, aber auch Anrufe, nur vom Empfänger entschlüsselt werden können. Auch Gruppenunterhaltungen können auf diese Weise verschlüsselt werden. Um andere Nutzerinnen und Nutzer zu finden, verlangt Signal Zugriff auf das Adressbuch. Nach Angaben des Anbieters werden Kontaktdaten aber von Signal anonymisiert, auf Signals Servern abgeglichen und anschließend wieder gelöscht. Signal ist quelloffen, das heißt jeder interessierte Nutzer, jede interessierte Nutzerin kann die Verschlüsselungsverfahren einsehen. Viele Experten haben diese bereits überprüft.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Die Nutzerzahlen von Signal werden nicht veröffentlicht. Es lässt sich jedoch vermuten, dass dem Messenger nur wenig Beachtung von Jugendlichen geschenkt wird. Den wenigstens Jugendlichen sind die Sicherheitsrisiken anderer Messenger bewusst. Hier muss zunächst aufgeklärt werden, um Begeisterung für Alternativen zu wecken.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Bei einer hohen Nutzung der App entstehen natürlich ähnliche Gefahren, wie auch bei anderen Messengern. Cybermobbing und Sexting sind nicht auszuschließen. Hinsichtlich der Sicherheit Ihrer privaten Daten besteht aber ein wesentlich geringeres Risiko als zum Beispiel bei WhatsApp.

Was meint der Anbieter?

Vertraulich, quelloffen, einfach und schnell: Mit diesen Worten beschreibt der Anbieter seinen Messenger und setzt damit auf hohe Sicherheitsstandards, ohne auf Funktionen oder Geschwindigkeit verzichten zu müssen. Die App wird von Edward Snowden empfohlen, womit Signal einen wichtigen Fürsprecher hat.

Laut Anbieter ist das Mindestalter für die Nutzung 13 Jahre. Die USK gibt eine Empehlung ab 0 Jahren, doch auch im Applestore muss man für die Nutzung älter als 12 Jahre sein.

Was sollten Eltern beachten?

Wie auch bei anderen Messenger-Diensten sollten Sie als Eltern vor allem für eine verantwortungsbewusste Nutzung von Messenger-Diensten allgemein sensibilisieren. Machen Sie auf mögliche Gefahren der Kommunikation über Messenger-Dienste aufmerksam, thematisieren Sie aber auch die Vorteile von Signal und anderen, sicheren Messengern.

Telegram

Kurz gefasst:

  • kostenloser Messenger-Dienst
  • Registrierung via Handynummer
  • Anlegen eines Nutzernamens, über den andere einen als Kontakt finden
  • Chats und Gruppenchats möglich
  • Geheime Chats (Nachrichten werden verschlüsselt direkt von Gerät zu Gerät übertragen)
  • Synchronisation der Chats auf verschiedenen Geräten (Smartphone, Tablet, Desktop)
  • Mögliche Gefahren:
    • Chats, sowie Kontakte aus dem Adressbuch werden automatisch auf den Servern gespeichert
    • Teilen von Bildern oder Videos, die durch Dritte weitergegeben werden
    • Sexting
    • (Cyber-)Mobbing
    • Unerwünschte Kontaktaufnahme durch Fremde
  • Altersfreigabe: 12 Jahre

Was ist Telegram?

Telegram ist ein kostenfreier Messenger Dienst, der mit einer besonders hohen Sicherheit wirbt. Auch bei Telegram müssen sich Nutzerinnen und Nutzer mit einer Handynummer registrieren, es ist aber ebenfalls möglich sich einen Benutzernamen anzulegen. Wie bei anderen Messenger-Diensten kann das eigene Profil individuell angepasst werden. Chats können mit einzelnen aber auch mit einer Gruppe von bis zu hundert Personen eingerichtet werden. Auch bei Telegram lassen sich Bilder, Videos, Audiodateien und Emojis versenden. Das besondere bei Telegram sind die „Geheimen Chats“, bei welchen Nachrichten nicht auf den Servern des Anbieters gespeichert werden. Damit soll verhindert werden, dass Nachrichten in irgendeiner Form abgefangen und mitgelesen werden können. Des Weiteren gibt es die „Selbstzerstörungsfunktion“. Nach einer festgelegten Zeit verschwindet eine Nachricht automatisch bei Sender und Empfänger. Eine weitere Funktion, die Telegram bietet, sind sogenannte Kanäle. Über Kanäle können Nachrichten an unbegrenzt viele Nutzer versendet werden, schreiben darf aber nur der Kanalersteller und die  Administratoren. Kanäle können hinsichtlich ihrer Funktion mit E-Mail-Verteilern verglichen werden.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Wie auch bei WhatsApp ermöglicht Telegram eine schnelle und kostenlose Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu treten. Darüber hinaus ist die App zumindest in Teilen sicherer und bietet Funktionen, die WhatsApp und andere Messenger-Dienste nicht aufweisen. Anhand der JIM Studie 2017 wird aber auch deutlich, dass Telegram oder andere, sicherere Messenger-Dienste von Jugendlichen nicht oder kaum genutzt werden. So wird WhatsApp bei den 12- bis 19-Jährigen mit über 80% zu der wichtigsten App erklärt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Trotz Verschlüsselungen und geheimen Nachrichten bleibt die App nicht ganz unproblematisch. Da die Funktionen von Telegram letztlich die gleichen sind wie bei WhatsApp und das Kommunizieren im Mittelpunkt steht, können Gefahren wie Sexting und Cybermobbing nicht ausgeschlossen werden. Versendete Bilder oder Videos können vom Empfänger ebenfalls weitergeleitet werden. Die Registrierung mit einem Nutzernamen stellt ein besonderes Risiko dar: Diese sind öffentlich, sodass auch Personen, die die Handynummer nicht haben, Kontakt aufnehmen können. Der Messenger-Dienst benötigt außerdem Zugriff auf das Adressbuch und Kontakte werden auf Telegram-Servern dauerhaft gespeichert.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter wirbt mit Datenschutz und Privatsphäre. Neben den Verschlüsselungen gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die App mit Code oder Fingerabdruck extra zu sichern. Telegram ist außerdem Open-Source, das heißt dass jeder den Quellcode und das Kommunikationsprotokoll einsehen kann. Die App soll außerdem immer kosten- und werbefrei bleiben.

Was sollten Eltern beachten?

Wie auch bei anderen Messenger-Diensten sollten Sie vor allem für eine verantwortungsbewusste Nutzung von Telegram und Messenger-Diensten allgemein sensibilisieren. Als Eltern sollten Sie auf mögliche Gefahren aufmerksam machen. Womöglich ist eine Registrierung mit öffentlichem Nutzernamen beispielsweise nicht ratsam. Es sollten aber auch die Vorteile von Telegram und anderen sichereren Messenger-Diensten, vor allem gegenüber WhatsApp, besprochen werden, da es sich bei Telegram zumindest hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz um eine echte Alternative handelt.

Threema

Datenschutz ist wichtig und sollte Ihren Kindern früh beigebracht werden. Einer der sicherstens Messenger-Dienste ist Threema.

Kurz gefasst:

  • kostenpflichtiger Messenger-Dienst aus der Schweiz (einmalige Kosten abhängig vom Betriebssystem, ca. 3€)
  • Registrierung via Handynummer optional, Anonymität möglich
  • Chats, Gruppenchats, Sprachanrufe und Abstimmungen möglich
  • Alle Nachrichten werden nur auf dem jeweiligen Gerät und auf keinem Server gespeichert
  • Altersfreigabe: Offiziell ab 0 Jahren (fragwürdig)

Was ist Threema?

Threema ist ein kostenpflichtiger Messenger-Dienst, ähnlich WhatsApp. Dieser ist aber so konzipiert, dass keine Datenspur entsteht: Alle Chats, Gruppen und Kontakte werden mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versendet, d.h. Nachrichten aber auch Anrufe können nur vom Empfänger entschlüsselt werden. Außerdem werden Nachrichten nach der Zustellung vom Server gelöscht. Kontakte und sogenannte Meta-Daten werden nur auf Ihrem Gerät gesichert. Der Dienst bietet ansonsten die üblichen Funktionen an: Chats und Gruppenchats, aber auch verschlüsselte Sprachanrufe sind möglich. Zudem gibt es die Möglichkeit, Abstimmungen durchzuführen.

Bei Threema können Bilder, Videos, Audio-Dateien und Emojis versendet werden. Mit Threema Web kann der Messenger vom PC aus genutzt werden. Eine Besonderheit ist, dass bei Registrierung jedem Nutzenden eine zufällige Threema-ID zugeordnet wird. Die Verknüpfung mit einer Handynummer oder E-Mail-Adresse ist möglich aber nicht verpflichtend. Dadurch kann der Messenger auch vollkommen anonym genutzt werden.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Threema hat weit geringere Nutzerzahlen als WhatsApp. Und das, obwohl es ähnliche Funktionen bietet und der Schutz der Daten und der Privatsphäre besser geregelt ist. Ob und wie Threema Jugendliche fasziniert ist schwer zu sagen, da das Angebot bisher nur von wenigen Jugendlichen genutzt wird. Da fast jeder WhatsApp nutzt, erscheint es Jugendlichen nicht nötig, sich nach Alternativen umzusehen. Vor allem, wenn sie über die Sicherheitslücken von WhatsApp nicht Bescheid wissen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Bei einer hohen Nutzung der App entstehen ähnliche Gefahren, wie bei allen Messengern. Cybermobbing und Sexting sind nicht auszuschließen. Hinsichtlich der Sicherheit und des Datenschutzes muss man sich bei Threema jedoch kaum Sorge machen, denn alle Nachrichten werden verschlüsselt übertragen. Weder Kontakte noch Meta-Daten werden auf einem Server zwischengespeichert. Der Quellcode ist jedoch nicht frei zugänglich, wie zum Beispiel bei Telegram der Fall ist. Dadurch ist eine unabhängige Überprüfung der Sicherheit des Programms nicht möglich.

Was meint der Anbieter?

Auf der Website wirbt Threema mit einer garantierten Privatsphäre und der besten Verschlüsselung. Fragwürdig ist jedoch die Altersfreigabe von 0 Jahren. Trotz hoher Sicherheit bleiben Risiken und Gefahren, die die Nutzung von Messenger-Diensten generell und vor allem für Kinder und Jugendliche mit sich bringen. Nutzer unter 16 Jahren benötigen theoretisch die Zustimmung ihrer Eltern, um Threema zu nutzen, was jedoch nicht überprüft wird.

Was sollten Eltern beachten?

Wie auch bei anderen Messenger-Diensten sollten Sie als Eltern vor allem für eine verantwortungsbewusste Nutzung sensibilisieren. Machen Sie auf mögliche Gefahren von Messenger-Diensten aufmerksam, thematisieren Sie aber auch die Vorteile von Threema und anderen, sichereren Messengern gegenüber WhatsApp. Eine Alternative ist zum Beispiel auch Signal. Bitte nutzen Sie auch die Sicherheitseinstellungen im Messenger selbst, z.B. das Blockieren von unbekannten Kontakten.

jugend.support – Hilfe bei Stress im Netz

jugend.support ist eine Plattform für Jugendliche ab 12 Jahren mit Informationen, Beratungs- und Meldemöglichkeiten rund um Fragen zu Risiken im Internet. Dieser Film erklärt genau, was dahinter steckt:

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https://www.youtube.com/watch?v=AkzFh_1k9Ag_%_

Kurz gefasst:

  • Angebot speziell für Jugendliche rund um Gefahren der Internetnutzung
  • breite Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten bei Stress im Netz
  • Viele Partner mit speziellen Kenntnissen und Aufgaben unterstützen Jugendliche mit ihrem Expertenwissen und beraten bei Problemen

Was ist jugend.support?

jugend.support ist ein Angebot speziell für Jugendliche und deren kritische Fragen und Probleme im Internet. Egal, ob Fake Profile, Datenklau, Cybermobbing und Cybergrooming: fast alle wichtigen Themen werden kurz erklärt und es gibt zahlreiche Tipps und Infos, wie man mit den Herausforderungen umgehen kann. Außerdem können Jugendliche sich an eine Beratungsstelle wenden: Nummer gegen Kummer, juuuport und die Telefonseelsorge sind Ansprechstelle und Partner des Angebots.

Wenn Jugendlichen ein Inhalt auf Apps oder Internetseiten etc. auffällt, der nicht für junge Menschen geeignet ist, weil er sie z. B. verängstigt, kann dieser direkt auf jugend.support gemeldet werden. Der Inhalt wird dann direkt von einem der Partner www.internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net überprüft.

Was sollten Eltern beachten?

jugend.support richtet sich ausschließlich an Jugendliche (ab 12 Jahren), nicht an jüngere Kinder. Sie als Eltern müssen und sollen nicht alles wissen, was Ihr Kind tut und es ist gut, wenn es sich eigenständig Unterstützung und Hilfe sucht. Trotzdem sollten Sie immer als Ansprechpartner für Ihr Kind da sein und es bei allen Fragen, Risiken und Herausforderungen unterstützen. Dieses Vertrauensverhältnis ist auch noch sehr wichtig, wenn Ihr Kind schon älter ist!

Cybermobbing

Fast jeder kennt den Begriff Cybermobbing. Gemeint ist damit das Beleidigen, Bloßstellen oder Bedrohen von Personen über Internet und Smartphone mit Hilfe von Snapchat, WhatsApp, Instagram und anderen Diensten. Aber nicht jede Nachricht oder jeder Post auf einem Social-Media-Profil mit dem Inhalt „Martin ist doof!“ gefährdet die Entwicklung Ihres Kindes.

Für Jugendliche ist die Welt nicht klar in „virtuelle Welt“ einerseits und „reale Welt“ andererseits getrennt. Beide Welten gehören zusammen. Auch das Schreiben im virtuellen Raum via WhatsApp, Instagram usw. ist also real. Sich über das Smartphone zu schreiben, ist prinzipiell nichts anderes als von Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen. Deshalb ist Mobbing in der Regeln gleichzeitig Cybermobbing.

Eine Reihe von Schikanen kann ihre Ursache und ihren Beginn z. B. im Sportunterricht haben, in einer WhatsApp-Gruppe geäußert werden und sich verschlimmern und auf dem Schulhof fortgesetzt werden. Das kann dann auch Auswirkungen in den Klassenraum hinein haben.

Wichtige Komponenten von Cybermobbing

  • Es werden digitale Medien und Social-Media-Plattformen wie Apps, Foren, Blogs u. a. genutzt.
  • Beim Mobbing wird für oft davon ausgegangen, dass dem Opfer bewusst Schaden zugefügt werden soll. Das muss jedoch bei Cybermobbing nicht immer gegeben sein. Oft merken die „Mobber“ gar nicht, dass sie zu weit gegangen sind. Selbst wenn man sagt „Das war doch alles nur Spaß“ kann das negative Folgen haben.
  • Gerade weil ein Inhalt im Internet dauerhaft vorhanden sein kann, reicht eine Veröffentlichung als einmalige Tat aus, um langfristig Schaden anzurichten.
  • Im Internet ist es nicht so, dass der Stärkere gewinnt. Das liegt daran, dass man auch anonym Beleidigungen posten kann. Man weiß manchmal gar nicht, wer einen mobbt.
  • Es ist viel einfacher jemanden mit einer Smartphone-Nachricht zu beleidigen, als ihm eine Beleidigung direkt ins Gesicht zu sagen und die Reaktion mitzubekommen.

Arten von Cybermobbing

  • Unter Schikane versteht man einen Angriff in Form einer Beleidigung oder Drohung. Auch Stalking zählt dazu, z. B. eine SMS mit dem Text „Du dummes Opfer, wir machen Dich fertig!“ oder wiederholte E-Mails, auch nachdem das Opfer die Kommunikation zu beenden wünschte.
  • Als Verunglimpfung bezeichnet man Aktivitäten, die dem Ansehen des Opfers schaden. Dazu gehören die Verbreitung von Gerüchten und Lügen, z. B. auch (ggf. manipulierte) Fotos, die das Opfer in ein ungünstiges Licht rücken.
  • Identitätsdiebstahl/Betrug bezieht sich auf Handlungen, bei denen sich ein Angreifer oder eine Angreiferin als das Opfer ausgibt. Das kann geschehen, indem man online unter dem Namen des Opfers kommuniziert oder gleich dessen Online-Identität übernimmt, z. B. durch das Beschaffen der Zugangsdaten.
  • Bei Intimsphäreverletzungen/Verrat verbreitet die Täterin oder der Täter privates, bisweilen intimes Wissen über das Opfer. Dazu gehört die Weitergabe von z. B. Fotos aus der Umkleide, von der Toilette oder auch von sogenannten „Sextings“ (erotische oder pornografische Aufnahmen, die man nur dem eigenen Partner schickte).
  • Bei der Ausgrenzung geht es darum, das Opfer aus gemeinsamen Online-Aktivitäten auszuschließen, z. B. bei Gruppen in Sozialen Netzwerken, Messenger-Programmen oder Online-Spielen.
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https://www.youtube.com/watch?v=idDgeMkJqH4_%_

Mehr Informationen für Eltern: http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/

Quelle: http://www.medien-in-die-schule.de/unterrichtseinheiten/jugend-und-handy/modul-2-cybermobbing-und-anderes-problematisches-verhalten/

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