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Jugendliche im digitalen Stress

Das Smartphone brummt in der Tasche und wenn Sie draufschauen, warten 15 neue Nachrichten in der Familiengruppe und eine Sprachnachricht der besten Freundin auf eine Antwort. Das kann schon mal nerven oder sogar stressig sein – auch für Kinder und Jugendliche, wenn sie ein eigenes Smartphone haben. In einer neuen Studie wurde herausgefunden, dass sich viele 11- bis 17-Jährigen von der Nutzung digitaler Geräte gestresst fühlen. Aber wie kommt das?

Was steckt hinter digitalem Stress?

Die meisten Jugendlichen – aber auch viele Erwachsene – gehen davon aus, dass sie auf Nachrichten bei WhatsApp, Instagram und Co. innerhalb weniger Minuten eine Antwort bekommen oder reagieren müssen. Diese Erwartung auf beiden Seiten kann zu Stress führen, weil man denkt, immer erreichbar sein zu müssen.

Für Kinder und Jugendliche gehört es dazu, sich ständig mit seinen Freundinnen und Freunden via Messenger-Apps oder über soziale Netzwerke auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Damit ist aber auch ein sozialer Druck verbunden. Wenn man sich z. B. in Gruppenchats nicht beteiligt, fürchten vor allem jüngere Jugendliche, auch auf dem Schulhof ausgeschlossen zu werden. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich der Nachrichtenflut zu entziehen.

Schon morgens nach dem Aufwachen geht bei vielen Jugendlichen als Erstes die Hand ganz automatisch zum Smartphone. Das passiert auch zu anderen Zeiten – oft ganz unbewusst oder aus Langeweile.

Gleichzeitig sind viele Jugendliche genervt, dass ihre Freundinnen und Freunde ständig auf das Handy schauen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Andersherum können sie selbst nur schwer den Blick vom Handy lösen und checken das Smartphone ständig auf eingegangene Nachrichten. Wenn eine rote Zahl am App-Symbol auf dem Display erscheint, ist man aufgeregt und neugierig. Es ist ein kleines Glücksgefühl, das man so oft wie möglich haben möchte und auch deshalb ständig aufs Handy schaut.

Digitaler Stress hängt vor allem mit ständiger Erreichbarkeit, Ablenkung und Kontrolle zusammen. Ältere Jugendliche sind sich dem Problem aber oft schon bewusst und versuchen, eigene Lösungen dafür zu finden.

Strategien gegen digitalen Stress

Im Zeitalter von Smartphones, mobilem Internet und Messengern kann wohl fast jede oder jeder etwas mit dem Begriff digitaler Stress anfangen. Viele Kinder und Jugendliche stört es, dass auch ihre Eltern zu oft auf das Smartphone gucken. Wenn Sie sich selbst von Ihrem Smartphone gestresst fühlen, sprechen Sie offen mit Ihrem Kind darüber, dass Sie nachvollziehen können, wenn es das Smartphone nicht aus der Hand legen kann.

Finden Sie zusammen mit der ganzen Familie Strategien, um den Stress zu verringern. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf, um die Zeit am Handy zu reduzieren. An diese Regeln, wie zum Beispiel ein Handyverbot beim gemeinsamen Essen, müssen sich dann natürlich auch die Erwachsenen halten!

Es kann außerdem nützlich sein, regelmäßig für eine begrenzte Zeit den Flugmodus einzuschalten, um sich ganz bewusst der Nachrichtenflut zu entziehen. Oder Sie verabreden eine “digitale Diät”, bei der alle Familienmitglieder einige Zeit komplett auf digitale Medien und Internet verzichten. Wenn Sie stattdessen als Familie etwas Schönes zusammen unternehmen, fällt der Verzicht vielleicht nicht ganz so schwer!

Eltern fragen – wir antworten: Warum kann ich mein Kind (3 Jahre) nicht allein Kinderserien schauen lassen?

Wenn die Kleinsten Videos schauen, müssen sie von ihren Eltern begleitet werden. Warum das wichtig ist, erklärt Medienpädagogin Melanie Endler.

 

 

Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen?
Sie können sie dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht dabei nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z.B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist zum Beispiel, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie immer mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat.

Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen sie welche Medien nutzen und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

Je nach Alter sollten Sie zusammen mit dem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Wichtig ist, dass Ihr Kind das auch selbst versteht. So fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarte Medienzeit Murmeln als Hilfe für Ihr Kind einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit legt man entsprechend viele Murmeln weg. Auch eine Sanduhr kann als Unterstützung dienen.

Medienzeit kontrollieren mit Apps

Es gibt auch Apps, mit denen man die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren kann. Sie heißen Quality Time (für Android, kostenlos), Offtime (für Android kostenlos, für iOS ca. 3,- €), App-Detox (für Android, kostenlos), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Die Apps Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem man durch Nichtnutzung des Handys einen Baum wachsen lässt oder sich eine Galaxie aufbaut.

Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

Wenn Sie ein iPhone oder iPad haben, können Sie auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern.

Dailymotion

YouTube ist das beliebteste Online-Angebot bei Jugendlichen. Aber auch andere Videoportale werden gern genutzt, wie zum Beispiel Dailymotion.

Kurz gefasst

  • weltweit bekanntes Videoportal mit Hauptsitz in Frankreich
  • im Jahr 2005 in Paris gegründet mit weltweit 300 Millionen Nutzer (eigene Angaben)
  • eingebundene Werbung vorhanden
  • als Browserversion verfügbar sowie als App für Android und iOS-Geräte
  • keine eindeutige Altersbeschränkung vorhanden

Was ist das?

Dailymotion zählt zu den bedeutendsten Videoportalen im Netz und bietet eine große Auswahl an Inhalten für jedes Alter. Bei Familien ist es sehr beliebt, weil man hier z.B. alle Pippi-Langstrumpf-Filme sehen kann.

Die Videos auf Dailymotion kann man ohne Account anschauen. Das Portal finanziert sich über Werbung. Deshalb ist auf der Seite und vor vielen Clips Werbung geschaltet.

Man kann sich aber auch via Facebook, einem Google-Account oder per E-Mail auf dem Portal anmelden. Dann kann man einen eigenen Kanal erstellen und dort Videos hochladen oder Kanäle abonnieren bzw. favorisieren, um individuelle, für sich relevante Videos vorgeschlagen zu bekommen. Dailymotion bezeichnet das als den „personalisierten Space“. User können die Videoplattform außerdem nach von Nutzern gegründeten Gruppen, Tags oder Kanälen zu verschiedenen Themen durchsuchen.

Von Dailymotion selbst gibt es keine Angaben zu konkreten Empfehlungen, ab welchem Alter das Videoportal geeignet ist. Laut den Kinderschutz-Hinweisen auf der Webseite sollten User unter 18 Jahren bei der Anmeldung zum Portal das Einverständnis ihrer Eltern einholen. Das Alter wird jedoch bei der Registrierung nicht überprüft. Im Google Play Store ist die App mit der Altersbeschränkung USK 12 versehen und im iTunes App Store ab 17 Jahren empfohlen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Da es bei Dailymotion Videos für alle Altersklassen gibt, kann Ihr Kind sehr leicht auf Angebote stoßen, die nicht für sein Alter geeignet sind und z. B. ängstigend oder verstörend sein können. Es lässt sich zwar ein Familienfilter aktivieren, doch zu einigen Suchergebnissen werden trotzdem noch Videos angezeigt, die besonders für jüngere Kinder entweder nicht verständlich oder bedenklich sind. Der Filter lässt sich außerdem leicht durch einen Klick deaktivieren. Nach Abspielen eines Videos beginnt automatisch das nächste Video. Dadurch hat man keinen Einfluss darauf, welche Videos angezeigt werden. Das kann leicht dazu führen, dass sich Ihr Kind ein Video nach dem anderen anschaut und kein Ende findet.

Die Webseite ist größtenteils auf deutsch nutzbar, jedoch gibt es auch einige z. B. englische oder französische Inhalte, was die Handhabung des Angebots insbesondere für Kinder schwierig machen kann.

Was sagt der Anbieter?

Auf der Webseite gibt Dailymotion Informationen rund um Kinderschutz in englischer Sprache. Hier wird den Nutzern geraten, keine persönlichen Informationen über das Internet zu teilen. Bei Dailymotion gibt es die Möglichkeit, selbst erstellte Videos nur im privaten Modus mit ausgewählten Nutzern zu teilen. Für alle Videos gibt es eine Meldefunktion.

Was sollten Eltern beachten?

Bei Dailymotion gibt es nur sehr wenige Sicherheitseinstellungen, mit denen Sie Ihr Kind vor ungeeigneten Inhalten schützen können. Möchte Ihr Kind trotzdem Videos bei Dailymotion anschauen, sollten Sie einschätzen können, ob es sich schon über die möglichen Risiken bewusst ist. Lassen Sie sich von Ihrem Kind die Lieblingsvideos zeigen und entdecken Sie gemeinsam die Welt von Dailymotion. So sind Sie auf der sicheren Seite und sofort zur Stelle, sollten es auf etwas Unangenehmes oder Bedenkliches stoßen.

Sollte Ihr Kind selbst Lust haben, eigene Videos zu erstellen und bei Dailymotion hochzuladen, sollten sie es dabei begleiten und die Videos vorerst im privaten Modus veröffentlichen, damit sie nicht für alle Nutzenden zugängig sind. Behalten Sie die rechtlichen Bedingungen im Blick und erklären Sie diese auch Ihrem Kind. Das Erstellen eines Videos – z.B. eines Erklärvideos – kann auch ein tolles Familienerlebnis sein, bei dem Ihr Kind viel lernen kann!

Amazon Prime Video

Für viele ist der Online-Versandhändler Amazon aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Menschen nutzen auch seinen digitalen Videostreaming-Dienst Prime Video, umgangssprachlich auch Amazon Prime genannt (wobei hierunter mehrere Angebote fallen).

Kurz gefasst:

  • Videostreaming-Dienst im Internet
  • Vielzahl an Filmen und Serien abrufbar
  • Voraussetzung zur Nutzung ist ein Amazon-Konto und Internet-kompatibles Gerät
  • Angebot für 7,99 € monatlich oder 69,00 € jährlich erhältlich
  • integrierte Jugendschutz-Optionen

Was ist Prime Video?

Wie auch bei anderen Videostreaming-Diensten bietet Prime Video die Möglichkeit, eine Vielzahl an Filmen und Serien zeitlich und örtlich ungebunden zu kaufen, auszuleihen und anzuschauen. Dafür meldet man sich kostenpflichtig bei amazon.de mit einem eigenen Benutzerkonto an. Das Teilen einer Mitgliedschaft ist bei Prime Video nicht möglich.
Die Filme und Serien lassen sich über einen Webbrowser oder andere internetfähige Geräte (wie z. B. ein Smart-TV Gerät, Spielekonsole oder Smartphone) und der Prime-Video-App ansehen. Dass man für einige Filme und Serien nochmals extra zahlt, liegt daran, dass viele neue Titel erst einmal nicht umsonst erhältlich sind.

Die meisten Videos sind mit den gesetzlichen Alterseinstufungen der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) gekennzeichnet. Es gibt einen eigenen Bereich für Kinderinhalte. Die dort zu findenden Serien und Filme sind neben anderen Kategorisierungen in die Altersgruppen 2-5 Jahre, 6-8 Jahre und 9-11 Jahre unterteilt. Um Videoinhalte mit FSK18-Einstufungen anschauen zu können, muss man die eigene Volljährigkeit mithilfe des Ausweises oder Reisepasses und einer Bankverbindung nachweisen.

Prime Video bietet darüber hinaus einige Sicherheitseinstellungen für Ihr Kind. Dafür legt man eine fünfstellige Prime Video-PIN für das eigene Benutzerkonto an.
Mittels der Prime Video-Kindersicherung lassen sich Beschränkungen für Videoinhalte festlegen, die auf dem verbundenen Gerät gekauft oder abgespielt werden können. Außerdem kann man die Option Kaufbeschränkungen durch einen PIN für Einkäufe nutzen, sodass das Kind nicht eigenständig den Kauf von Prime Video-Filmen und Serien vornehmen kann. Darüber hinaus gibt es Wiedergabebeschränkungen, mit denen man das Abspielen von Videos aus bestimmten Alterskategorien blockieren kann.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Ganz egal, wie alt man ist – bei Prime Video finden sich angesagte Serien und Filme für jeden. Stellt man keine Kindersicherung ein, so haben Minderjährige unbegrenzten Zugriff auf Inhalte, die nicht für ihr Alter geeignet sind und sie ängstigen und überfordern können. Viele Serien und Filme haben ein FSK-Alterskennzeichen, aber nicht alle. Diese können Kinder und Jugendliche ungehindert ansehen, da die Kindersicherung bei diesen nicht greift.
Wie bei vielen Streaming-Angeboten ist der Reiz des ständigen Weiterschauens auch bei Prime Video sehr hoch. Darauf sollten Sie Ihr Kind aufmerksam machen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Was sagt der Anbieter?

Nach eigenen Angaben verwendet Prime Video die Einstufungen der FSK als Grundlage für die Kindersicherungseinstellungen. Liegen für z. B. sehr neue Filme oder Serienfolgen keine FSK-Einschätzungen vor, so gibt es auf der Webseite keine Angaben darüber, ob und nach welchen Kriterien die Alterseinstufungen selbst oder von Drittanbietern vorgenommen werden.

Was sollten Eltern beachten?

Sie möchten Prime Video in Ihren Familienalltag integrieren? Dann sollten Sie auf die Altersfreigaben der Filme und Serien achten, die Kinder-bzw. Jugendschutzoptionen entsprechend einstellen und PIN-Codes verwenden. Um sicher zu gehen, dass die Inhalte wirklich für Ihr Kind geeignet sind, schauen Sie die Filme oder Serien, die Ihr Kind sehen möchte, vorab an.
Sich zusammen einen Film ansehen, kann ein schönes Familienerlebnis sein. Gerade bei jüngeren Kindern (mind. bis zehn Jahren) ist das grundsätzlich zu empfehlen, sodass sich Ihr Kind bei gruseligen oder bedenklichen Inhalten nicht allein gelassen fühlt.
Achten Sie außerdem darauf, dass Prime Video und die Mediennutzung überhaupt nur eine Aktivität von vielen anderen Freizeitbeschäftigungen für Ihr Kind sein sollte.
In  unserer Videoreihe „Sie fragen – wir antworten“ erklärt unsere Medienpädagogin Melanie Endler, warum man Kinder beim Serienschauen nicht alleine lassen sollte:

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Mehr Videos finden Sie hier.

Netflix: Ein gutes Familienangebot?

Netflix gehört zu einem der beliebtesten Streamingportale in deutschen Familien. Was genau hinter dem Angebot steckt und was es Wichtiges zu wissen gibt, wenn Ihr Kind Filme oder Serien bei Netflix ansehen möchte, erfahren Sie hier.

Kurz gefasst

  • große Videoplattform eines US-amerikanischen Unternehmens (Netflix, Inc.)
  • in Deutschland verfügbar seit Dezember 2014
  • kostet zwischen 7,99 € und 13,99 € im Monat (jeweils für mehrere Profile verfügbar)
  • Jugendschutzoptionen verfügbar

Was ist Netflix?

Netflix ist ein Videostreaming-Dienst, bei dem man mit einem eigenen Benutzeraccount uneingeschränkten Zugriff auf eine riesige Auswahl von Filmen und Serien hat. Netflix hat die Nutzungsrechte dafür und produziert teilweise sogar selbst Filme und Serien. Wer sich diese ansehen möchte, muss monatlich zwischen 7,99 € und 13,99 € zahlen. Wer mehr bezahlt, kann die Filme und Videos auf verschiedenen Geräten mit dem gleichen Account ansehen. Wenn man angemeldet ist, erhält man Vorschläge für Serien und Filme, die den eigenen Geschmack treffen sollen. Der dafür zuständige Algorithmus errechnet das aus dem Sehverhalten der einzelnen Nutzerinnen und Nutzer.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Netflix bietet Inhalte für jedes Alter. Für die Filme und Serien übernimmt der Streaming-Dienst die vorhandene FSK-Freigabe. Gibt es für Filme oder Serienfolgen keine FSK-Bewertung, werden die Altersbewertungen selbst vorgenommen,  dabei muss sich Netflix an deutsches Recht halten.
Aufgrund des großen Angebots  gibt es auch unzählige Inhalte für ältere Jugendliche (ab 16 Jahren) und Erwachsene (ab 18 Jahren), die für Kinder und Jugendliche verängstigend und problematisch sein können. Kindersicherungen lassen sich mittels Eingabe eines PINs  für ausgewählte Alterseinstufungen oder bestimmte Film-/Serientitel einrichten. Hier muss man aber darauf achten, dass sie für alle Profile gelten, auf die die Kinder Zugriff haben. Ansonsten muss vorher erst das richtige Profil ausgewählt werden. Profile sind aber nicht mit einem Passwort geschützt.
Anders als beim analogen, linearen Fernsehen kann man theoretisch unbegrenzt  immer weiterschauen. Der Reiz, sehr viel Zeit auf  Netflix zu verbringen, ist daher hoch. Bei Serien wird automatisch eine Folge nach der nächsten gezeigt. Hier ist Eigenverantwortung gefragt, die eigene Sehzeit zu begrenzen. Was manchem Erwachsenen schon schwer fällt, ist für Kinder und auch Jugendliche noch schwieriger zu kontrollieren.

Was meint der Anbieter?

Netflix zeigt die jeweilige Altersfreigabe für Filme/Serien an verschiedenen Stellen an, auf der Überblicksseite zum Film, bei den Detailinformationen oder als Einblendung zu Beginn beim Abspielen. Der Dienst stellt die Möglichkeit einer PIN zur Kindersicherung bereit. Zu der Problematik, dass Profile selbst nicht durch Passwörter geschützt sind, verweist Netflix auf die Verantwortung der Eltern, deren Aufgabe es sei, sicherzustellen, dass das Kind das richtige Profil verwendet. Hier wird vor allem auf den Kids-Bereich mit kindgerechten Inhalten hingewiesen, der speziell für Profile für jüngere oder ältere Kinder angelegt ist.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Sie Netflix mit Ihrer Familie nutzen möchten, sollten Sie auf die Altersfreigaben der Filme und Serien achten, die Kinder- bzw. Jugendschutz-Optionen verwenden und entsprechende Profile und PIN-Einstellungen anlegen. Als Eltern können Sie direkt sogenannte Kinder-Profile erstellen für kleine und für ältere Kinder. Hier werden automatisch nur Inhalte des Kids-Bereich (Altersstufen 0, 6 und nur einige ab 12 Jahren) angezeigt. Das Design des Kids-Bereich ist kindgerecht und erlaubt keine Suche nach oder das Anschauen von Filmen/Serien ab 16 oder 18 Jahren.

Legen Sie bestimmte Zeitfenster fest, in denen Netflix geschaut werden darf. Die Medienzeit sollte immer nur eine von vielen anderen, nicht-medienbezogenen Aktivitäten sein. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie viel Zeit Ihr Kind vor dem Fernseher oder Laptop verbringen sollte, schauen Sie sich unser Video „Wie viel Medienzeit ist zu viel?“ an.

Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Lieblingsserien oder Filmen und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Je nach Alter Ihres Kindes sollten Sie zusammen Filme und Videos schauen, sodass Ihr Kind für den Fall, dass sich doch etwas Gruseliges oder Bedenkliches in Filmen auffindet, nicht damit allein gelassen ist.

Videostreaming: Das neue Fernsehen?!

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, wenn der Tag, an dem eine neue Folge Ihrer Lieblingsserie im Fernsehen lief, näher rückte und Sie alles so geplant haben, um pünktlich vor dem gemeinsamen Familienfernseher im Wohnzimmer zu sitzen? Dieses Szenario gehört dank Mediatheken, Netflix und Co. größtenteils der Vergangenheit an.

Was ist Videostreaming?

Immer mehr Kinder und Jugendliche sehen heute Videos, Filme und Serien online über legale Streaming-Dienste. Dieses nicht-lineare Fernsehen macht es möglich, dann zu schauen, wenn man gerade möchte mit dem Gerät seiner Wahl – ob Smartphone, Computer oder einem internetfähigen Smart-TV.

Das Angebot dafür ist riesengroß: Es gibt kostenpflichtige Online-Videotheken wie Netflix oder Amazon Prime und kostenlose Videostreaming-Plattformen wie YouTube mit von Nutzern selbst produzierten Inhalten. Auch viele Fernsehsender stellen ihre Sendungen kostenlos oder teilweise kostenpflichtig über eigene Mediatheken bereit. Einige Sender bieten außerdem einen Livestream an, so dass man sich – wie beim traditionellen analogen Fernsehen – das aktuell laufende Programm online anschauen kann.

Diese große Auswahl steht natürlich auch Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Wenn sie ein eigenes Smartphone, einen Tablet oder Computer mit Internetzugang oder sogar einen Smart-TV (Fernseher mit Internetanschluss) haben, lässt sich kaum kontrollieren, was und wie viel sie sehen.

Streaming bedeutet, sich Inhalte anschauen zu können, ohne diese auf das eigene Gerät herunterladen und abspeichern zu müssen. Teilweise ist es auch möglich, sich einzelne Filme oder Serien herunterzuladen und sie offline abzuspielen.

Was begeistert Kinder und Jugendliche daran ?

Attraktiv ist die große Vielfalt an aktuellen und ausgewählten Serien, Filmen und Dokumentationen, die theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit angeschaut werden können. Für Kinder und Jugendliche ist es inzwischen normal, sich die Lieblingssendung nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ansehen zu müssen, wie es beim „normalen“ Fernsehen der Fall ist. Außerdem kann man  sich einfach eine neue Folge der Lieblingsserie anschauen, während man z. B. im Bus oder in der Bahn sitzt.

Was sollte man beachten?

Wie auch beim Fernsehprogramm gibt es auf Streaming-Portalen Filme und Videos mit Inhalten, die nicht für Kinder geeignet sind und sie verängstigen können. Aber auch Streaming-Dienste unterliegen dem „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ und müssen die gesetzlichen Freigaben der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) übernehmen. Gibt es für Filme oder Serienfolgen keine FSK-Bewertung, müssen sie die Altersbewertungen selbst vornehmen und sich dabei auch an deutsches Recht halten.

Die Kriterien für selbst vorgenomme Altersfreigaben sind nicht unbedingt ersichtlich. Machen Sie sich deshalb unbedingt über die Möglichkeiten des Kinder-bzw. Jugendschutzes des jeweiligen Streaminganbieters schlau und nutzen Sie die angebotenen Funktionen und Einstellungen wie Passwörter und PINs. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Beschreibungen der Dienste Netflix und Amazon Prime Video.

Legen Sie bestimmte Zeitfenster fest, in denen geschaut werden darf. Die Medienzeit sollte immer nur eine von vielen anderen, nicht-medienbezogenen Aktivitäten sein. Wenn Sie nicht sicher sind, wie viel Zeit Ihr Kind vor dem Fernseher oder Laptop verbringen sollte, finden Sie hier auf der Website mehr Informationen.

Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Lieblingsserien oder Filmen und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Je nach Alter Ihres Kindes sollten Sie Filme und Videos zusammen anschauen, sodass Ihr Kind für den Fall, dass es doch etwas Gruseliges oder Bedenkliches darin gibt, nicht damit allein gelassen ist.

Der Filmabend mit der ganzen Familie kann auch ein schönes gemeinsames Erlebnis und Ritual sein. Hier können Sie gemeinsam Spaß haben und bekommen mit, wie Ihr Kind auf bestimmte Inhalte reagiert.

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