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Alles unter Kontrolle? Wie Parental Control Apps für mehr Sicherheit sorgen wollen

Als Eltern wollen Sie Ihre Kinder vor allen möglichen Gefahren und Risiken schützen – ob auf dem Weg zur Schule, im Straßenverkehr oder im Internet. Sogenannte Parental Control Apps möchten Sie dabei unterstützen: Mit unterschiedlichen Funktionen wollen sie für höhere Sicherheit für Ihr Kind sorgen. Aber: Was ist dran an den Versprechen dieser Apps, welche Funktionen sind sinnvoll und welche Risiken bergen die Apps selbst?

Was können solche Apps?

Einige dieser Apps setzen vor allem darauf, den Standort Ihres Kindes über GPS-Tracking ermitteln zu können. Diese müssen  auf dem Elterngerät und auf dem Smartphone des Kindes installiert, GPS und “Mobile Daten” aktiviert sein. Einige Apps bieten auch die Möglichkeit, virtuelle Grenzen und Zonen festzulegen: Verlässt Ihr Kind eine dieser Zonen, wie z. B. den Schulhof, ertönt bei Ihrem Smartphone ein Signal.

Mit anderen Apps kann man zusätzlich die eingehenden und ausgehenden Telefonate, SMS sowie Bild-, Video und Tonmaterial einsehen. Auch die Social-Media-Aktivitäten und den kompletten Browserverlauf kann man bei bestimmten Anwendungen kontrollieren. Bestimmte Funktionen können außerdem aus der Ferne gesperrt und Inhalte blockiert werden.

Andere Apps, wie z. B. JoLo Kindersicherung, setzen auf den Schutz Ihres Kindes anstatt auf Überwachung. Diese werden auf dem Smartphone des Kindes installiert. Mit dem Setzen eines Passworts können Sie diejenigen Apps auswählen, die Ihr Kind gar nicht nutzen darf oder nur für eine bestimmte Zeit an bestimmten Wochentagen. Auch Inhalte können durch Filter gesperrt werden. Dafür eignet sich z. B. die iPhone-App JusProg. Auch Google Family Link bringt viele dieser Funktionen mit. Die App haben wir in diesem Beitrag genauer unter die Lupe genommen.

Was kann problematisch sein an diesen Apps?

Solche Apps versprechen Ihnen als Eltern mehr Sicherheit für Ihr Kind. Doch die vermeintliche Sicherheit hat teilweise ihren Preis und die Kontroll-Apps geraten nicht umsonst immer wieder in die Kritik. In einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts wurden viele Apps getestet. Das Institut hat vor allem hinsichtlich der Datensicherheit große Bedenken. Die Daten Ihres Kindes werden meist unverschlüsselt auf unbekannten Servern gespeichert – Standort, Tonaufnahmen, aber auch Bilder und Videos können so schnell in die falschen Hände geraten.

Außerdem bedeuten viele dieser Apps einen massiven Eingriff in die Privatsphäre Ihres Kindes. Auch Ihr Kind hat ein Recht darauf und braucht seine Freiheiten und Geheimnisse. Das gehört zu einer kindgerechten Entwicklung dazu. Hätten Sie gewollt, dass Ihre Eltern alles wissen, was Sie mit Ihren Freundinnen oder Freunden austauschen?

Die App vermittelt für Sie vielleicht ein Sicherheitsgefühl, für Ihr Kind kann die ständige Kontrolle aber sehr unangenehm sein. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, Überwachung sei etwas Normales. Zudem ist die Frage, ob die Tatsache, dass Sie einsehen können, was Ihr Kind mit dem Smartphone macht, wirklich zu mehr Sicherheit führt.

Was können Sie als Eltern für den Schutz Ihres Kindes tun?

Suchen Sie deshalb regelmäßig das Gespräch mit Ihrem Kind und sensibilisieren es für mögliche Risiken. Fragen Sie nach und lassen Sie sich zeigen, welche sozialen Netzwerke Ihr Kind nutzt und welche Fotos es zum Beispiel teilt.

Seien Sie dabei offen und lassen Sie sich die Begeisterung für bestimmte Netzwerke und Apps erklären. Geben Sie Ihrem Kind aber auch die Freiheit, Dinge für sich zu behalten.

Wenn Sie solche Apps ausprobieren wollen, sehen Sie sich den Funktionsumfang genau an. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und entscheiden Sie, welche App auch ihm oder ihr ein sicheres Gefühl geben würde.

Möchten Sie Ihr Kind vor gefährlichen Inhalten schützen oder die Zeit am Smartphone begrenzen, bringen oft Smartphones selbst Einstellungsmöglichkeiten wie Filter oder Bildschirmzeit mit. Oder nutzen Sie ausgewiesene Kinder- und Jugendschutzprogramme.

Den Live-Standort Ihres Kindes sehen Sie mit diesen Apps nicht. Statt Überwachung sollten Sie Ihrem Kind Vertrauen entgegenbringen. Besprechen Sie morgens, wann es wo ist. Ihr Kind kann Sie benachrichtigen, wenn sich die Pläne für den Nachmittag kurzfristig ändern – schließlich ist es auch ohne GPS-Tracking über das eigene Smartphone fast immer erreichbar. Ein langer Schulweg kann vielleicht gemeinsam mit einem Nachbarskind bestritten werden. Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Sie nicht wissen, wo es sich aufhält.

Mein Freund, der Influencer – Kinder und Jugendliche und ihre Beziehung zu Stars

Erinnern Sie sich, wie Sie früher mit der Hauptfigur Ihrer Lieblingsserie mitgelitten haben, wenn sie etwas Schreckliches erlebt hat? Ist es so, dass der Nachrichten-Sprecher Sie jeden Abend um die gleiche Uhrzeit begrüßt und Sie innerlich zurückgrüßen? Bei Ihrem Kind ist es vielleicht die Influencerin, der mit dem Smartphone kurz vor dem Schlafengehen noch ein Besuch abgestattet wird, um “Gute Nacht!” zu sagen. All dies sind Beispiele für sogenannte „Parasoziale Beziehungen“, die jeder von uns eingeht.

Was macht Beziehungen zu Stars aus?

Typisch für diese Art von Beziehung ist, dass sie immer einseitig sind und die Beziehung imaginär bleibt. Sie ist also nicht wie eine Eltern-Kind-Beziehung, in der beide Seiten aktiv sind und man sich mal in den Arm nehmen kann. Ein emotionales Band, so wie z. B. bei der Serienfigur oder dem liebsten Nachrichtensprecher, ist trotzdem da. Früher kannte man das vor allem vom Fernsehen, heute spielt das Internet eine große Rolle – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Influencer lassen ihr Publikum oft aktiv an ihrem Leben teilhaben – über Videos, Instagram-Stories oder Live-Chats können Teenager ihrem Idol ganz nahe sein. Es werden auch private Informationen gepostet. Zum Beispiel ließ Bibi ihre Follower an der Geburt ihres Kindes teilhaben. Durch diese scheinbare Nähe entsteht auf der Seite ihrer Follower oft ein Gefühl von Freundschaft.

Vor allem für Jugendliche sind solche parasozialen Beziehungen auch hilfreich: Gerade in der Pubertät können sie bei Unsicherheit als Vorbild dienen. Sie können helfen, die eigene Identität zu finden und zu festigen. Und sie können eine Orientierungshilfe sein, auch bei ernsten Themen wie der ersten Liebe, die ihre Kinder vielleicht nicht so gerne mit den eigenen Eltern besprechen wollen.

Man sollte allerdings darauf achten, dass sich Kinder und Jugendliche nicht in diese Medienwelt und ihre Figuren flüchten und keine “echten” sozialen Beziehungen mehr aufbauen, denn die Interaktion mit “echten” Personen – Familienangehörigen und Gleichaltrigen – ist wichtig für die Entwicklung.

Worauf sollten Eltern achten?

Eine parasoziale Beziehung ist etwas total Normales. Wichtig ist, dass Ihrem Kind klar ist, dass diese Beziehungen keinen Ersatz für Freundschaften darstellen. Außerdem sollte ein kritischer Blick auf die liebsten Social-Media-Stars nie fehlen. Hier kommen Sie als Elternteil ins Spiel – zeigen Sie Interesse an den Vorbildern Ihrer Kinder, und diskutieren Sie die positiven und negativen Seiten dieser Beziehungen. Und wenn es Ihnen schwerfällt, die parasoziale Beziehung Ihres Kindes zu einem Internet-Star nachzuempfinden – erinnern Sie sich an Ihre eigene Jugend und Ihre eigenen Idole. Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Discord und Teamspeak – was ist das eigentlich?

Sie selbst nutzen wahrscheinlich WhatsApp oder einen anderen Messenger, um mit Ihrer Familie und Freunden zu schreiben, Emojis und Fotos zu verschicken. Gamer nutzen noch ganz andere Programme, über die sie am Laptop oder mit dem Smartphone während des Spielens mit anderen in Kontakt stehen. Sie heißen Discord oder Teamspeak.

Kurz gefasst:

  • Messenger-Dienste, die vor allem im Gaming-Bereich verwendet werden
  • USK-Altersfreigabe: ab 12 Jahren
  • Teamspeak ist kostenpflichtig, Discord ist in der Basisvariante kostenlos
  • als App oder Browseranwendung nutzbar

Was ist Teamspeak?

Die Plattform gibt es seit dem Jahr 2001. Schon damals wurde sie bei Online-Rollenspielen genutzt. Teamspeak bietet verschiedene Funktionen. Um über Teamspeak zu kommunizieren, verbindet sich jeder Benutzer mit einem Server. Dafür muss man im Regelfall eine monatliche Gebühr zahlen. Spieler können über diese Chat-Software parallel zum Gaming miteinander schreiben und telefonieren. Man kann mit nur einer Person kommunizieren, aber auch in Gruppen miteinander chatten und Dateien austauschen.

Die Teamspeak-App ist kostenpflichtig. Die Nutzung des Webclients kostet nichts. Wenn man ein Spiel auf einem eigenen Server spielen und Teamspeak nutzen möchte, kauft man sich virtuellen Teamspeak-Server.

Was ist Discord?

Discord ist seit dem Jahr 2015 kostenlos für alle Plattformen verfügbar. Das Angebot steht in Konkurrenz zu Teamspeak sowie anderen Betreibern von Kommunikationstools, da sich die Funktionen ähneln. Gerade gaming-interessierte Jugendliche nutzen Discord alternativ zu WhatsApp.

Auch bei Discord steht die parallele Nutzung während des Online-Spielens im Vordergrund. Sie können mit anderen Personen privat und in Gruppen telefonieren und chatten. Auch Videoanrufe und das Verschicken von Emojis sind möglich. Es gibt eine kostenpflichtige Premium-Variante (“Nitro”), die weitere Features bietet und Mediendateien schneller verschickt.

Was fasziniert Jugendliche an dem Angebot?

Das Spielen von Online-Games ist für Kinder besonders reizvoll, wenn es gemeinsam mit Freunden oder anderen Mitspielenden stattfindet. Es macht ihnen Spaß, sich mit anderen zu messen. Da das Spielen meistens alleine vor einem Bildschirm stattfindet, kann der Wunsch entstehen, sich mit anderen austauschen zu wollen. Dafür sind Teamspeak und Discord zwei gute Optionen. Durch die Möglichkeit Kanäle öffentlich oder privat anzulegen, ist Kommunikation auf unterschiedlicher Ebene möglich – zum privaten Austausch ebenso wie zur Information.

Was sollte man bei den Angeboten beachten?

Wenn Ihr Kind Gamer ist und eines der Programme nutzen möchte, sollten Sie gemeinsam entscheiden, welches geeignet ist. Recherchieren Sie zu den beiden Angeboten und probieren Sie diese, wenn möglich, vorher aus. Da beide Angebote persönliche Daten erheben, sollten Sie sich auch über die aktuellen Datenschutzregelungen schlau machen.

Von Discord nimmt man an, dass sich darüber Menschen mit rechtsextremer Gesinnung austauschen. Diese Gefahr sollten Sie im Blick haben, falls Ihr Sohn oder Ihre Tochter das Tool nutzen möchte. Wobei nicht auszuschließen ist, dass auch andere Internetprogramme zu solchen Zwecken genutzt werden.

Was meint der Anbieter?

Discord gibt an, keine Daten an Dritte zu verkaufen. Eine langfristige Datenspeicherung findet nach eigener Aussage nicht statt.

Was sollten Eltern beachten?

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die verantwortungsvolle Nutzung solcher Programme und welche Gefahren damit verbunden sind. Persönliche Daten sollten im Chat nicht an fremde Personen weitergegeben werden. Es ist zudem möglich, mit unbekannten Personen in Kontakt zu kommen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, wenn es dabei mit unangenehmen oder ängstigenden Inhalten in Kontakt kommt.

Hoccer – der sichere Messenger

Vielleicht suchen Sie schon seit längerem nach einer Alternative zu WhatsApp & Co, weil Sie die Risiken dieser Apps vermeiden und Ihren Kindern eine sichere Kommunikationsmöglichkeit anbieten möchten? Dann könnte Hoccer etwas für Sie und Ihre Familie sein!

Kurz zusammengefasst:

  • kostenlose Instant-Messenger-App
  • hoher Datenschutz durch verschiedene Funktionen
  • entwickelt von der Hoccer Betriebs GmbH mit Sitz in Berlin
  • Testsieger unter den Messengern im Jahr 2015 bei Stiftung Warentest
  • verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • keine Altersbeschränkung angegeben (laut iTunes App Store ab 4 Jahren, laut Google Play Store USK ab 0 Jahren)

Was ist Hoccer?

Hoccer ist ein typischer Messenger: Man kann mit anderen Nutzern, die die App ebenfalls auf ihrem Handy haben, über Textnachrichten kommunizieren. Es lassen sich Fotos, Videos, Standortdaten und Sprachnachrichten teilen.
Was Hoccer von den meisten anderen Messengern unterscheidet, ist der Datenschutz: die Angabe persönlicher Daten und die Freigabe des Adressbuchs sind für die Nutzung nicht nötig. Eine weitere Besonderheit ist die Nearby-Funktion der App. Darüber lassen sich Daten anonym, also ohne den Austausch von persönlichen Informationen, mit Leuten im Umkreis von ca. 100 Metern teilen. User können sich so an Gesprächen beteiligen, ohne mit den „In der Nähe“-Kontakten befreundet zu sein. Die Standortdaten werden sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht, sobald man die Funktion nicht mehr nutzt. Außerdem lässt sich die App per PIN oder Fingerabdruck vor dem Zugriff Dritter schützen.

Was macht Hoccer so sicher?

Hoccer wirbt für hohe Datensparsamkeit und den Schutz der Privatsphäre. Anders als bei anderen Messengern kann man sich mit einem beliebigen Nutzernamen komplett anonym und ohne Angabe der E-Mail-Adresse oder einer Telefonnummer registrieren. Stattdessen wird bei der Anmeldung eine individuelle Hoccer-ID vergeben. Über einen Code oder eine SMS lassen sich Kontaktanfragen senden, die aktiv angenommen werden müssen. Nur über diesen Weg kann man sich mit einem anderen Nutzer verbinden. Hoccer greift nicht automatisch auf die eigenen Kontakte zu, sondern nur dann, wenn man es zulässt.

Nachrichten werden via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versendet. Das bedeutet, dass allein Absender und Empfänger Zugriff auf den versendeten Inhalt haben. Wenn Sie über Hoccer eine Nachricht versenden, wird diese nach der Zustellung an den Empfänger sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht.

Sollte man ängstigende oder beleidigende Nachrichten erhalten, kann man diese an Hoccer melden. Dann wird der Absender vorübergehend oder dauerhaft gesperrt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Die Nearby-Funktion ermöglicht theoretisch eine Kontaktaufnahme durch Fremde, wodurch z. B. Cybergrooming denkbar ist.

Das letzte Update der App liegt schon länger zurück (2017). Es ist unklar, ob der Messenger noch aktiv weiterentwickelt wird. Außerdem ist der Entwicklungscode der App nicht öffentlich. Deshalb kann man nicht nachvollziehen, wie genau der Datenschutz funktioniert.

Was sagt der Anbieter?

Wegen dieser Besonderheiten nennen die Betreiber ihre App „Hoccer – der sichere Messenger“. Die Server befinden sich laut eigenen Angaben in Deutschland. Damit unterliegt die App dem deutschem Datenschutzrecht. Insgesamt bemühen sich die Betreiber durch ein umfassendes FAQ auf ihrer Website um viel Transparenz.

Was sollten Eltern beachten?

Diese Besonderheiten und die Tatsache, dass Hoccer eine deutsche App ist, macht sie zu einer denkbaren Alternative für andere Messenger.
Möchten Sie Hoccer in Ihrer Familie und mit Freunden nutzen, sollten Sie sich – gemeinsam mit Ihrem Kind – damit vertraut machen. Wenn Sie die App heruntergeladen haben, begleiten Sie Ihr Kind bei der Anmeldung. Entdecken Sie die Funktionen des Messengers zusammen, um Ihr Kind bei Unsicherheiten unterstützen zu können.

Trotz sicherer Funktionen gibt es über die Kommunikation auch mit diesem Messenger Risiken. Sprechen Sie darüber, was zu tun ist, wenn Ihr Kind z. B. unangenehme oder beleidigende Nachrichten erhält und mit Cybermobbing in Kontakt gerät. Es sollten nur Personen als Kontakte hinzugefügt werden, deren Identität klar ist.

Kik

Kik… Kann man da nicht Klamotten kaufen? Kik ist in diesem Fall ein Messenger-Dienst, der Menschen miteinander verbinden möchte. Wer sich nach Alternativen zu WhatsApp und dem Facebook Messenger umgesehen hat, ist vielleicht auch auf dieses beliebte Angebot gestoßen.

Kurz gefasst

  • kostenloser Messenger-Dienst
  • als App für Smartphone und Tablet (iOS und Android) verfügbar
  • über 200 Millionen Nutzer (eigene Angaben des Anbieters)
  • Registrierung lediglich mit Benutzernamen (Telefonnummer ist optional)
  • Anmeldung laut Anbieter ab 13 Jahren, jedoch im Google Playstore mit USK 18 versehen und auf iTunes ab 17 Jahre gekennzeichnet
  • aufgrund der Anonymität der User sehr hohes Risiko von Cybermobbing, Sexting und Cybergrooming vorhanden

Was ist das?

Kik ist ein Messenger-Dienst, über den registrierte User öffentlich und privat miteinander chatten können. Wie bei anderen Angeboten dieser Art stehen verschiedene Funktionen zur Verfügung – wie das Teilen von Fotos, Bildern, Videos und GIFs und die Möglichkeit eines Videochats. Besonders an Kik ist, dass die Registrierung lediglich mit Benutzernamen möglich ist. Man muss seine Telefonnummer nicht angeben, aber es wird empfohlen. Der volle Name, eine E-Mail-Adresse sowie das Geburtsdatum werden zwar abgefragt, es findet aber keine Überprüfung statt, ob man die richtigen Daten angegeben hat. Damit kann man sehr leicht einen anonymen bzw. falschen Account erstellen. Man kann also nie sicher sein, welcher Mensch wirklich hinter einem Profil steckt.
Eine weitere Besonderheit des Messenger ist es, dass man öffentliche oder private Gruppenchats mit bis zu 50 Personen erstellen kann. Öffentliches Chatten funktioniert über die Eingabe von Hashtags. Auch dies kann problematisch sein, da es dadurch leicht ist, mit Fremden in Kontakt zu kommen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Die Plattform macht es durch die anonyme Anmeldung und der Möglichkeit des zufälligen Suchens nach Benutzernamen sehr einfach, dass Kinder und Jugendliche in Kontakt mit fremden Usern kommen und unerwünschte Nachrichten oder Fotos erhalten mit z. B. ängstigenden und/oder sexualisierten Inhalten. Das Risiko von Cybermobbing, Sexting und Cybergrooming kann hier sehr hoch sein.
Überfliegt man die Bewertungen des Angebots in den App-Stores, erhält man den Eindruck, dass viele Nutzer mit sexuellen Anspielungen den Kontakt vor allem zu jüngeren Usern suchen.

Zudem ist unklar, wo genau die Daten, die man über den Messenger versendet, landen. Jugendliche können persönliche Informationen, Bilder und Videos mit anderen Usern teilen, die dann ohne ihr Wissen weiterverbreitet werden können.

Die Anmeldung auf der Plattform ist laut Anbieter ab 13 Jahren möglich. Durch die Angabe eines falschen Geburtsdatums kann man das leicht umgehen.

Was meint der Anbieter?

Mit einigen Sicherheitseinstellungen versucht Kik, die Nutzung des Messenger-Dienstes sicherer zu machen. Auf der Webseite von Kik findet man ein „Safety Center“, über das man Tipps erhält, wie man z. B. das eigene Profil so privat wie möglich halten kann. Man erfährt außerdem, wie andere Nutzer gelöscht, blockiert oder gemeldet werden können. Die Sicherheitshinweise gibt es allerdings nur auf Englisch.

Was sollten Eltern beachten?

Ihr Kind möchte unbedingt Kik verwenden, weil Freunde die App auch nutzen? Überlegen Sie, ob es für Ihr Kind und dessen Freundeskreis Alternativen gibt, die sicherer sind. Führt der Weg nicht an Kik vorbei, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Kind über mögliche Risiken und das Kommunizieren via Messenger sprechen. Recherchieren und überlegen Sie gemeinsam, wie man sich am sichersten auf Messenger-Diensten verhält. Installieren Sie mit Ihrem Kind die App und lernen sie sie zusammen kennen. Besprechen Sie außerdem, was zu tun ist, wenn Ihr Kind mit unangenehmen Nachrichten und Cybermobbing oder ähnlichem in Berührung kommt.

Wenn der Freundeskreis aus Avataren besteht – Kommunikation in Online-Games

Das Kind vor dem Bildschirm, die Spielkonsole in der Hand und auf dem Kopf das Headset … das ist Ihnen ein vertrauter Anblick? Dann ist Ihr Sprössling wohl „Gamer“ und gerne in digitalen Spielewelten unterwegs.

Bei vielen Kindern und Jugendlichen sind solche Spiele beliebt, bei denen man online mit anderen Spielern chatten kann. Auch das derzeit besonders beliebte Spiel Fortnite (USK 12) bietet diese Funktion an. Unabhängig davon, ob man sich im selben Raum befindet, kann man mit Freunden aber auch mit Fremden digitale Gemeinschaften und Teams bilden. Der eigene Avatar (so heißt die Spielfigur in einem Onlinespiel) kann sich mit anderen Avataren bzw. Spielenden live über Textnachrichten oder ein Headset austauschen. Man bespricht Spieltaktiken, gibt sich Tipps, holt sich Lob für eigenes geschicktes Handeln ab oder unterhält sich einfach. Dabei können „digitale“ Freundschaften entstehen. Oder es kommt zu einem Treffen in der Realität, um gemeinsam zu zocken.

Positive Effekte des Chatten in Games

Wenn man miteinander kommuniziert, können soziale Kompetenzen geschult werden. Das ist auch digital möglich – ähnlich wie beim gemeinsamen Abhängen auf dem Schulhof. Jeder hat dabei eine bestimmte Rolle: eine Person bestimmt das Gespräch, eine andere sorgt dafür, dass es keinen Streit gibt, wieder eine andere Person ist der Klassenclown. Egal ob digital oder analog müssen dabei Regeln eingehalten werden. Wenn man nur miteinander sprechen kann, ohne dass man sich dabei sieht, werden sprachliche und kommunikative Fähigkeiten auf besondere Weise geschult: Spielsituationen müssen verständlich erklärt werden, es müssen schnelle Anleitungen gegeben und Absprachen zu weiteren Taktiken getroffen werden.

Risiken bei der virtuellen Kommunikation

Da man nicht unbedingt weiß, wer gerade mit einem kommuniziert, besteht das Risiko von Cybermobbing und Cybergrooming. Da die Chats bei Spielen meist nicht moderiert sind, d. h. keine dritte Person darauf achtet, dass Kommunikationsregeln eingehalten werden und alle Kommentare zugelassen werden, verstärkt sich die Gefahr. Denn man kann nicht sicher sein, welcher Mensch sich wirklich hinter einem Avatar verbirgt. Für die Anmeldung muss man Namen und E-Mail angeben, das Alter wird jedoch nicht abgefragt.
Im „Spielrausch“ besteht auch die Gefahr, dass Ihr Kind unbemerkt private Informationen nach außen gibt. Außerdem kann der Reiz sehr hoch sein, immer weiter spielen zu wollen, um im Kontakt mit seinem Team zu bleiben und dort Anerkennung zu bekommen.

Was sollten Eltern beachten?

Gerade solche Risiken stellen Sie vor die Frage, ob Sie Ihren Kindern solche Spiele erlauben sollen. Verbote machen Dinge aber oft nur interessanter. Zusätzlich zu den Altersfreigaben der USK aufgrund der Spieleinhalte müssen Sie als Eltern einschätzen, ob Ihr Kind schon bereit ist, im Spiel verantwortungsvoll zu chatten bzw. die Risiken einschätzen kann. Dazu hilft es zu beobachten, wie es sich in anderen Gesprächen außerhalb des Internets verhält. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren der Online-Kommunikation und spielen Sie auch mal gemeinsam, sodass auch Sie die Begeisterung dafür verstehen können. Das gemeinsame Erlebnis baut zusätzlich Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Kind auf, sodass es sich an Sie wenden kann, wenn ihm etwas gruselig oder unangenehm vorkommt. Machen Sie sich außerdem über die Einstellungsmöglichkeiten des jeweiligen Spiels schlau. Wenn nicht unbedingt notwendig, lässt sich die Chatfunktion möglicherweise deaktivieren. Bei Fortnite kann beispielsweise u. a. der Voice Chat deaktiviert bzw. einzelne Spieler aus dem Team stummgeschaltet werden.

Mehr zu Risiken in Online-Games finden Sie bei den Kollegen von jugendschutz.net.

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