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Extremismus im Netz

Jugendliche sind dabei, eine eigene Identität zu entwickeln. Dazu gehört, sich eine Meinung zu allem möglichen zu bilden. Sie stellen sich Fragen, auf die es nicht immer einfache Antworten gibt. Das kann sehr verwirrend sein. Manche Jugendliche sehnen sich deshalb besonders nach Klarheit. Einfache Antworten, klare Strukturen und Regeln – genau das wollen ihnen Extremisten mit ihren Vorstellungen bieten, die nur schwarz oder weiß sind, aber keine Grautöne kennen.

Extremisten nutzen beliebte Onlinekanäle, um junge Menschen zu erreichen

Ihr Weltbild vermitteln Extremisten meistens durch vereinfachte Inhalte und kurze Aussagen. Sie nutzen aktuelle Netztrends, wie unterhaltsame Videos und Bilder, um vor allem junge Menschen mit ihren extremen politischen Aussagen zu erreichen. Dazu gehören z. B. Memes, in denen eine Botschaft einprägsam über ein angeblich lustiges Bild verbreitet wird. Am liebsten werden solche Inhalte über beliebte soziale Netzwerke wie YouTube, WhatsApp oder Facebook geteilt. Oft werden auch Falschmeldungen dazu genutzt, Menschen zu verunsichern und sie politisch in eine Richtung zu drängen. Bestimmte Inhalte sind aber, vor allem für junge Menschen, auf den ersten Blick nicht unbedingt als extremistisch zu erkennen.

Rechtsextremisten und Islamisten nutzen ähnliche Strategien

Besonders aktiv im Internet sind Rechtsextremisten und Islamisten. Wenn ihre Propaganda klar erkennbar ist, kann sie von den Betreibern der Plattformen meistens schnell gelöscht werden. Deshalb weichen die Extremisten auf weniger bekannte und weniger stark kontrollierte Online-Angebote wie etwa die russische Plattform vk.com aus. Ein Großteil der Kommunikation findet auch gar nicht öffentlich sichtbar statt, sondern in geschlossenen Gruppen, z. B. bei Telegram oder Facebook.

Sowohl Rechtsextremisten als auch Islamisten sehen sich gerne in der Opferrolle. Sie geben vor, vom eigenen oder anderen Staaten unterdrückt zu werden. Rechtsextremisten in Deutschland sprechen oft von der sogenannten „Lügenpresse“. Sie werfen den Medien vor, von der Regierung gesteuert zu sein, weshalb rechtsextreme Meinungen keine Stimme hätten. Beide Gruppen äußern auch Kritik am Kapitalismus. Das ist besonders gefährlich, da Aspekte der Kritik durchaus berechtigt sind und auch von vielen jungen Menschen geteilt werden. Das nutzen Extremisten, um sie für ihre Sache zu gewinnen. In jüngerer Zeit werden aus beiden Lagern vermehrt wieder antisemitische (also gegen Juden gerichtete) Verschwörungstheorien verbreitet. Diese Verschwörungstheorien tauchen mittlerweile auch unter bei Jugendlichen beliebten Musikern auf – z. B. in einigen Liedern des deutschen Rappers Kollegah.

Was können Sie als Eltern tun?

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie mit Ihren Kindern darüber sprechen, was sie beschäftigt. Welche Themen werden im Freundeskreis besonders heiß diskutiert? Welche Bilder und Videos schauen sie sich an und teilen sie mit anderen? Thematisieren Sie auch die Ziele, die bestimmte Gruppierungen verfolgen, wenn sie Inhalte mit extremen politischen Aussagen ins Netz stellen.

Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass jeder seine Meinung im Netz kundtun kann und das das leider auch Menschen mit schlechten Absichten tun. Deshalb darf man nicht allen Inhalten einfach trauen, sondern muss sie hinterfragen. Auf der Seite knowyourmeme.com lassen sich bekannte Memes inklusive ihrer Geschichte nachschlagen (leider ist die Seite nur in englischer Sprache verfügbar). Mimikama.at ist eine gute Anlaufstelle, um Meldungen aus Sozialen Netzwerken wie Facebook auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Sollten Sie oder Ihr Kind auf offensichtlich extremistische Inhalte stoßen, können Sie diese direkt bei den Plattformbetreibern melden. Bei großen Angeboten wie Facebook und YouTube ist das mit wenigen Klicks erledigt. Sie können ganz allgemein auch die Internetbeschwerdestelle nutzen. In besonders schweren Fällen kann es sinnvoll sein, sich direkt an die Polizei zu wenden. In den meisten Bundesländern geht das mittlerweile online über eine sogenannte Internetwache.

Alles Fake? Falschmeldungen erkennen

„Doch Mama, das hab ich im Internet gelesen!“ – „Wenn das so viele liken, muss ja auch was dran sein…“ – „Da ist ein Foto dabei, das ist ja ein Beweis.“

Kennen Sie solche Diskussionen um Nachrichten, bei denen die Meinung darüber, ob dies tatsächlich stimmen kann oder nicht, in der Familie deutlich auseinander gehen? Im Internet und in sozialen Netzwerken begegnen uns täglich unzählige Nachrichten, Meldungen und Geschichten. Sie stammen aus den Fersehnachrichten, der Tageszeitung, von Prominenten oder Sportvereinen, aber natürlich auch von den vielen Internetnutzern selbst. Darunter mischen sich auch Nachrichtenseiten und Absender, die gezielt mit Lügen oder Halbwahrheiten manipulieren möchten. Sie streuen bewusst Falschmeldungen, Gerüchte oder hasserfüllte Meldungen, die uns verunsichern sollen.

Nicht nur Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, vertrauenswürdige Beiträge von gefälschten Meldungen, sogenannten „Fake News“, zu unterscheiden. Denn häufig sind verbreitete Falschmeldungen als seriöse Nachrichten „getarnt“ und wirken sehr echt. Das kann problematisch sein, wenn es sich um politische Beiträge mit extremistischen oder populistischen Hintergrund handelt (diese richten sich oft gegen Fremde und Geflüchtete), wenn Verschwörungstheorien verbreitet werden oder bei Inhalten, die vor allem jüngere Kinder verunsichern oder ängstigen können.

Doch wie können Kinder und Jugendliche erkennen, ob sie einer Meldung oder einem Beitrag vertrauen können?

Wir haben Tipps zusammengestellt, mit denen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ins Gespräch kommen und Nachrichtenmeldungen hinterfragen können:

  • Fakten und Quellen checken: Wer steckt eigentlich dahinter, gibt es ein Impressum? Findet sich die Meldung bei verschiedenen Quellen? Wie aktuell ist die Nachricht?
  • Wirken Inhalt und Sprache seriös? Es lohnt ein Blick auf Schreibweise und verwendete Begriffe: Findet sich emotionale Sprache, viele Großbuchstaben, Schlüsselwörter wie „Lügenpresse“, handelt es sich vielleicht um Satire?
  • Passen Fotos und Videos zum Inhalt der Nachricht, sind sie aktuell?
  • Nutzen Sie Suchmaschinen für Kinder und kindgerechte Nachrichtenportale
  • Im Netz entdecken:
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