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Angst vor Momo & Co. – Echtes Problem oder medialer Hype?

Ob Kettenbriefe oder YouTube-Videos: Momo hat vielleicht auch Ihrem Kind große Angst eingejagt. Wochenlang las man Berichte und Artikel über die gruselige Figur mit den weit aufgerissenen Augen und einem angsteinflößendem Grinsen. So wurden auch Eltern und Lehrkräfte in Panik versetzt und ein echter Momo-Hype entstand. Dazu beigetragen hat die mediale Berichterstattung.

Wer oder was ist eigentlich Momo?

Momo tauchte das erste Mal 2018 bei WhatsApp als Kettenbrief auf. Darin wurden die Leser zu verschiedenen Challenges aufgefordert und angeblich zur Selbstverletzung angestiftet. Ein Foto der gruseligen Figur, die eigentlich eine Skulptur eines japanischen Künstlers ist, löste vor allem bei jüngeren Kindern große Angst aus. Auf den Kettenbrief folgten 2019 dann angebliche WhatsApp-Accounts von Momo, welche direkt mit Kindern und Jugendlichen Kontakt aufnahmen. YouTuber stellten Videos online, in denen Sie anscheinend mit Momo chatteten und sich auf riskante Aufgaben einließen.

Wie haben die Medien darüber berichtet?

Den Anfang machte wahrscheinlich eine Lokalzeitung in England, die einen Facebook-Post einer besorgten Mutter als Anlass nahm, um über Momo zu berichten. Andere Medien griffen das Momo-Phänomen auf. Es folgten Berichte über YouTube-Videos und Kinderserien, in denen Momo plötzlich auftaucht und über den angeblichen Selbstmord-Versuch einer Schülerin, den die Gruselfigur verantwortet haben soll. Eltern, Lehrkräfte und Kinder wurden vor Momo gewarnt.

Warum ist die Berichterstattung problematisch?

Viele Berichte stellten sich im Nachhinein als unwahr oder zumindest stark übertrieben heraus. Informationen wurden kaum auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Falschmeldungen lösten letztlich den Momo-Skandal aus.

Obwohl nie jemand direkt von Momo angeschrieben wurde, stellte die Figur plötzlich eine reale Bedrohung dar. Meldungen wurden weitergeleitet, denn man wollte auch befreundete Eltern oder Nachbarn warnen. Erwachsene fielen auf das herein, wovor sie ihre Kinder eigentlich bewahren wollen: Das Prinzip von Kettenbriefen – das unkritische Weiterleiten von Nachrichten, die nicht auf einen Wahrheitsgehalt geprüft wurden.

Die große mediale Aufmerksamkeit ermutigt auch Nachahmer: Neue Kettenbriefe werden in die Welt gesetzt, WhatsApp-Accounts mit dem Namen Momo erstellt. So bekommt das Thema eine enorm große Aufmerksamkeit und Panik entsteht. Es ist ein Teufelskreis: Immer wieder neue Ereignisse und Berichte, die nicht abbrechen fördern den Momo-Hype weiter.

Auch andere Phänomene und Challenges werden durch die Aufmerksamkeit in den Medien extrem aufgebauscht. Vielleicht haben Sie schon von der sogenannten Blue Whale Challenge gehört – ein Spiel, das Kinder und Jugendliche angeblich in den Selbstmord treibt. Die Existenz dieses Spiels wurde nie bewiesen. Durch ständige Medienberichte wurde die Challenge schließlich auch in Deutschland bekannt.

Wie können Sie als Eltern mit einer solchen Situation umgehen?

Reagieren Sie auf die Angst Ihres Kindes nicht mit Panik, sondern erklären Sie, dass solche Geschichten oft erfunden sind und dass Kettenbriefe die einzige Funktion haben, Empfänger zu ängstigen und unter Druck zu setzen. Machen Sie deutlich, dass es sich bei vielen Berichten um Falschmeldungen handelt und es keinen Grund gibt, sich zu fürchten. Denn warum sollte man vor etwas Angst haben, was es gar nicht gibt?

Erklären Sie Ihrem Kind, was Falschmeldungen sind und wie man diese erkennen kann. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Beitrag zu Fake News.

Seien Sie immer Ansprechpartner für Ihr Kind, auch wenn es um seine Online-Erfahrungen geht! Wenn Sie mitbekommen, dass z. B. in YouTube-Videos Momo, ähnliche angstmachenden Figuren oder problematische Challenges auftauchen, melden Sie diese Inhalte – direkt an YouTube oder  an jugendschutz.net.

Egal, ob Sie von solchen Vorfällen über einen Artikel, eine Facebook-Gruppe, anderen Eltern oder Ihrem Kind erfahren: Leiten Sie die Information nicht einfach weiter! Überprüfen Sie, welche Fakten es zu dem Phänomen gibt und ob die Informationen übertrieben oder realistisch wirken. Sprechen Sie auch mit anderen Eltern darüber, ob die Nachricht stimmen kann.

Steam

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https://www.youtube.com/watch?v=eRObmWWsGq8_%_

Kurz gefasst:

  • internationale Plattform und soziales Netzwerk für Onlinespiele, Softwareprodukte und Filme
  • über den PC oder als App nutzbar
  • freigegeben ab 13 Jahren
  • Zugang zu nicht-kindgerechten Inhalten möglich und Kommunikationsrisiken

Was ist Steam?

Steam ist das größte internationale Portal für Onlinespiele, Softwareprodukte und Filme. Auf der Plattform kann man Spiele spielen und kaufen. Gamer können mit anderen weltweit in Kontakt treten und gemeinsam spielen. Dafür muss man Steam installieren und sich kostenlos anmelden. Das geht mit PC, Mac und Linux. Steam ist außerdem als App erhältlich. Die Webseite dient als Forum zum Austausch über Gaming und zum Teilen von Fan-Inhalten wie Bildern und Videos. Spieler können zudem direkt innerhalb der Spiele miteinander chatten. Im Shop kann man Spiele kaufen, aber auch innerhalb der Spiele gibt es Kaufmöglichkeiten.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Sie finden hier unzählige Spiele, die kostenfrei oder kostenpflichtig sein können. Die Plattform bietet eine große Vielfalt an Spielen und Genres. Jugendlichen macht es besonders Spaß, mit anderen Spielern gemeinsam im Team zu spielen. Außerdem gefällt es ihnen, sich mit anderen über ihre Lieblingsspiele auszutauschen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Durch die große Vielfalt auf der Plattform gibt es auch Spiele, die nicht für Kinder geeignet sind oder sogar problematisch sein können. Bei manchen Spielen wird das Alter vorab abgefragt, es wird jedoch nicht überprüft. In der Community finden sich Spieler und Inhalte aus der ganzen Welt, Jugendliche können also leicht mit Fremden in Kontakt kommen. Dabei können vor allem sogenannte Trolle ein Risiko sein, weil sie andere gezielt provozieren, beleidigen und Falschmeldungen verbreiten. Auch die Beiträge, Bilder oder Videos im Forum oder Chat können unter Umständen nicht für Kinder geeignet sein.

Was meint der Anbieter?

Laut Anbieter können Kinder die Plattform ab 13 Jahren nutzen. Es findet jedoch keine Überprüfung des Alters statt. Spam, Werbung und problematische Inhalte können gemeldet werden. Für Familien wird eine Familienansicht angeboten, in der Eltern genaue Einstellungen und Einschränkungen vornehmen können. Kürzlich gab es eine Änderung zugunsten der Privatsphäre der Nutzenden: Standardmäßig sehen nur die Online-Freunde, welche Spiele man besitzt, wie lange man spielt und welche Spiele auf der Kaufwunschliste stehen. Vorher waren die Daten vieler Nutzenden öffentlich abrufbar, weil nur wenige ihr Profil selbst auf privat gestellt hatten.

Was sollten Eltern beachten?

Aufgrund der Vielzahl an Spielen und Social-Media-Inhalten ist die Nutzung erst für ältere Jugendliche zu empfehlen. Wenn schon Jüngere Steam nutzen möchten, sollte das gut begleitet und gemeinsame Regeln vereinbart werden. Eltern empfehlen wir die Nutzung der Familienansicht. Diese wird mit einer PIN gesichert. In einer Bibliothek lassen sich einzelne Spiele für die Kinder festlegen und freigeben. Auch weitere Features wie die Community oder der Shop müssen bewusst von den Eltern erlaubt werden. Der Spieleratgeber erklärt in diesem Tutorial, wie Sie dabei vorgehen sollten.

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