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Vorsicht In-App-Käufe!

Was sind In-App-Käufe?

Nicht nur beim Installieren einer App können Kosten anfallen. Viele Apps kosten sogar auf den ersten Blick kein Geld. Aber wenn man bestimmte Funktionen nutzen möchte, muss man für sie bezahlen. Das passiert über sogenannte In-App-Käufe. Kinder und Jugendliche kommen damit vor allem bei Spiele-Apps wie z. B. Coin Master in Berührung. Das Herunterladen des Spiels ist kostenlos, um möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Um dann aber im Spiel voranzukommen, müssen beispielsweise Münzen, Spielfigur-Ausstattung (auch in Form sogenannter Lootboxen) oder die Freischaltung von weiteren Levels für echtes Geld erworben werden. Kinder sind besonders anfällig für In-App-Käufe, weil sie im Spiel schnell vorankommen möchten und sich dabei vielleicht auch mit Freunden vergleichen. Oder sie finden es schön, ihre Spielfigur individuell zu gestalten, obwohl es für den Spielverlauf nicht wichtig ist.

Durch ein paar Klicks können so Kosten entstehen, die spätestens auf der nächsten Handy- oder Kreditkartenabrechnung entdeckt werden. Meist handelt es sich dabei eher um kleine Beträge von wenigen Euro. Aber man bekommt keinen Überblick darüber, wie viel man für welche Funktionen ausgegeben hat und so wird es unbemerkt immer mehr. Ein anderer Trick der Anbieter: Auf den ersten Blick muss kein echtes Geld für die Zusatzfunktionen gezahlt werden muss, sondern stattdessen gibt es eine virtuelle Währung.

Checkliste: Worauf sollten Sie achten?

  1. Im Google Play Store oder App Store von Apple wird bei jeder App angegeben, ob sie In-App-Käufe enthält. Achten Sie darauf und weisen Sie auch Ihr Kind darauf hin. Lesen Sie vor dem Download einer App immer die Bewertungen. Denn hier finden Sie bereits Hinweise auf mögliche Erfahrungen mit Kostenfallen innerhalb des Spiels.
  2. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, sich vorher zeigen zu lassen, was es sich kaufen möchte. Achten Sie darauf, ob es sich um einen einmaligen Kauf oder um ein Abonnement handelt. Bringen Sie Ihrem Kind bei, sich alle Informationen zur App genau durchzulesen und nicht einfach schnell auf “weiter” zu klicken.
  3. Mit bestimmten Einstellungen auf dem Handy können In-App-Käufe eingeschränkt werden. Auf dem iPhone oder iPad ist dies über die Funktion Bildschirmzeit möglich. Bei Android-Geräten gehen Sie dazu im Play Store auf “Einstellungen” und aktivieren die Funktion “Authentifizierung für Käufe erforderlich“. Sie können auch die Familienmediathek bei Android-Geräten oder die Familienfreigabe bei Apple-Geräten nutzen, um Käufe Ihres Kindes prinzipiell vorher bestätigen zu müssen und um Käufe innerhalb der Familie zu teilen.
  4. Um einen Überblick über die Ausgaben Ihres Kindes zu haben, können Sie eine Liste führen. So sehen Sie gemeinsam, wie viel Taschengeld im Monat für Apps ausgegeben wird. Eine andere Möglichkeit ist, erst gar keine Zahlungsdaten in den App-Stores zu hinterlegen. So hat Ihr Kind nur Zugriff auf kostenlose Apps. Gerade bei jüngeren Kindern ist  dies eine gute Vorsichtsmaßnahme, allerdings können diese Werbung beinhalten.
    Wichtig ist, dass Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes ernst nehmen. Wenn Ihr Kind Taschengeld bekommt, darf es mitreden, wofür es ausgegeben werden soll. Beraten Sie sich gemeinsam, welche Kosten sinnvoll sind und wie Sie zu hohe Kosten am besten vermeiden können. Eine weitere Möglichkeit, die Kosten zu kontrollieren, ist der Kauf einer Guthabenkarte für den App-Store.

Es sind bereits hohe Kosten entstanden. Was nun?

Manchmal lassen sich bereits getätigte Käufe innerhalb einer Frist zurückrufen, z. B. im iTunes-Account unter der “Kaufübersicht”. Es kann sich auch lohnen, sich an die Hersteller zu wenden, sollte beispielsweise der Kauf eines Abos nicht gut gekennzeichnet worden sein. Was Sie weiterhin tun können, wenn Sie oder Ihr Kind versehentlich in eine Abo-Falle geraten sind, erfahren Sie auf mobilsicher.

Beliebte Spiele-Apps: Clash Royale und Clash of Clans

Das Online-Strategiespiel Clash of Clans gibt es schon seit einigen Jahren. Die Weiterentwicklung Clash Royale (seit 2016) ist ebenfalls sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen. Grund dafür ist sicherlich auch, dass die App nichts kostet und dass man gegeneinander spielen kann.

Kurz gefasst

  • beliebte Spiele-Apps von Supercell
  • sogenanntes Echtzeit-Mehrspieler-Strategiespiel
  • kostenlos für Android und iOS, aber dauerhafte Internetverbindung erforderlich
  • enthält In-App-Käufe
  • USK ab 6 Jahren, Mindestalter des Anbieters: 13 Jahre

Was ist Clash of Clans? Was ist Clash Royale?

Clash of Clans und Clash Royale sind sogenannte Echtzeit-Mehrspieler-Strategiespiele. Ihr Kind kann also gleichzeitig mit anderen Spielern mobil und online über die App spielen.

Bei Clash of Clans arbeiten die Spieler in Clans. Das sind Gruppen, in denen sich einzelne Spieler zusammentun und gemeinsam gegen andere Gruppen kämpfen. Die Clans müssen ein eigenes Dorf aufbauen, Truppen trainieren und sich schließlich mit anderen Clans konkurrieren, um „Ressourcen“ zu erbeuten. Das sind zum Beispiel Gold, Juwelen und Elexier. Durch diese Ressourcen kann der eigene Clan besser ausgestattet und geschützt werden. Diese Ressourcen können auch kostenpflichtig erworben werden.

Clash Royale ist die Weiterentwicklung von Clash of Clans und seit 2016 auf dem Markt. Hier sind die Prinzipien Strategie und Sammelkarten miteinander verbunden. Vor jeder Runde werden aus einem Kartendeck acht Karten ausgewählt, die im Spiel geschickt eingesetzt werden müssen. Die Karten beinhalten u.a. Zaubersprüche gegen den Gegner. Gewonnen hat, wer mit den eigenen Einheiten die meisten gegnerischen Haupttürme zerstört hat. Eine Runde dauert nur drei Minuten. Für gewonnene Runden erhält man Gold und Truhen, wodurch man Juwelen oder neue Karten bekommt.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Clash Royale?

Das Spielprinzip ist einfach und schon am Anfang hat man gute Chancen gegen “den Computer” zu gewinnen. Diese Gewinne und Belohnungen schaffen Anreize und motivieren, weiterzuspielen. Clash Royale sorgt außerdem für eine ausgewogene Mischung aus Glück und Taktik.

Auch ohne Einsatz von echtem Geld kann man viel Spaß an Clash Royale und dem Vorgänger Clash of Clans haben. Natürlich ist auch der direkte Vergleich beim Spiel mit “echten” Gegnern spannend.

Vor allem bei Jungs sind die Spiele sehr beliebt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Auch wenn die einzelnen Spielrunden kurz sind, werden durch Juwelen und Truhen immer wieder Anreize geschaffen, weiterzuspielen. Da es ein Echtzeit-Spiel ist, entwickelt sich das Spiel auch weiter, wenn man gerade nicht spielt. Auch das kann bei einigen Kindern und Jugendlichen dazu führen, dass sie immer weiterspielen wollen.

Gerade ungeduldige Spieler können durch In-App-Käufe im Spiel schneller vorankommen. Das sollten Sie als Eltern im Blick haben bzw. In-App-Käufe in den Smartphone-Einstellungen deaktivieren.

Die Möglichkeit, innerhalb des Spiels mit Mitspielern zu chatten, führt zu Risiken wie Cybermobbing und Cybergrooming.

Kämpferische Elemente sind wichtiger Bestandteil der Spiele, indem z. B. andere Clans und deren Türme zerstört werden. Aufgrund der comicartigen Darstellung ist das für Kinder aber nicht sehr realistisch.

Stiftung Warentest hat 2019 die beiden Spiele darauf getestet, wie kindgerecht sie sind und mit „inakzeptabel“ bewertet.  Es wurden nicht kindgerechte Inhalte gefunden worden: Rechtsextreme Clan-Pseudonyme und Verweise auf Porno-Seiten. Verstöße können aber auch nicht direkt gemeldet werden. Auch in Bezug auf In-App-Käufe und Datenschutz schneiden die Spiele schlecht ab. In dem Spiel gibt es jedoch keine Werbung.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter stellt einen allgemeinen Eltern-Leitfaden auf Deutsch für seine Spiele-Apps bereit. In diesem wird erläutert, wie man Einstellungen vornehmen kann, um z. B. In-App-Käufe zu deaktivieren. Außerdem gibt es Erläuterungen zur Chatsicherheit und Privatsphäre. Gerade was die Chatsicherheit betrifft, gibt es  jedoch keine Blockierungsfunktion. Der Anbieter reagiert lediglich auf anstößige Inhalte.

Was sollten Eltern beachten?

Lassen Sie sich das Spiel und die Faszination daran von Ihrem Kind erklären. Sprechen Sie mit ihm darüber, was Gewalt im Spiel und in der Realität bedeutet.

Vereinbaren Sie Regeln zu Spieldauer und -zeiten. Nutzen Sie Einstellungsmöglichkeiten, um unbeabsichtigte In-App-Käufe zu verhindern und um gegebenenfalls die Nutzungsdauer der App zu beschränken. Denken Sie aber daran, vorher darüber mit Ihrem Kind zu sprechen. Überlegen Sie außerdem, ob es sinnvoll, Push-Mitteilungen für das Spiel zu deaktivieren, so dass Ihr Kind nicht ständig informiert wird, was im Spiel passiert, während es nicht spielt.

Die Chatfunktion im Spiel ist jeweils öffentlich, d. h. alle Spieler können miteinander chatten. Deshalb sollten Sie unbedingt im Vorfeld Gesprächsregeln für den Chat vereinbaren. Klären Sie vor allem, dass über den Chat keine privaten Daten wie Klarnamen, Handynummer usw. rausgegeben werden sollen.
Fragen Sie nach Spieleerlebnissen und seien Sie da, falls Ihr Kind einmal unangenehme Erfahrungen macht.

Weitere Informationen zu den Spielen finden Sie hier: http://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/was-eltern-ueber-beliebte-online-strategiespiele-wie-clash-royale-wissen-sollten/

Was ist eigentlich… eine Lootbox?

Eine Lootbox ist eine spezielle Art von In-App-Käufen. Der Begriff Lootbox lässt sich übersetzen mit “Beutekiste”. Solche eine Kiste kann man in vielen Konsolenspielen oder Spiele-Apps erwerben. Sie ähnelt einer Wundertüte, weil ihr Inhalt vor dem Kauf nicht bekannt ist. Häufig handelt es sich bei diesen kostenpflichtigen In-Game-Käufen um für das Spiel nicht relevante Gegenstände, z. B. ein neues Outfit für die Spielfigur oder zusätzliche Ausrüstung. Ein Spieler kann eine Lootbox gegen echtes Geld oder eine Spielwährung erstehen. Besonders wertvolle Gegenstände sind selten und der Anteil der Nieten ist hoch. Deshalb ist eine Lootbox wie ein Glücksspiel und steht seit einiger Zeit unter kritischer Beobachtung. Es wurde sogar schon überlegt, sie zu verbieten, da Glücksspiele für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugänglich sein dürfen. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) schätzt Lootboxen nicht als Glücksspiel ein, rät jedoch Eltern, sich näher damit zu beschäftigen.

Damit Ihr Kind nicht in die Kostenfalle tappt, sollten Sie mit ihm besprechen, was Lootboxen sind und wie die Spielehersteller damit Geld machen wollen. Am besten probieren Sie ein neues Spiel zusammen mit Ihrem Kind aus, da vorher manchmal nicht zu erkennen ist, ob Lootboxen eine Rolle spielen.

Möchte Ihr Kind unbedingt eine Lootbox kaufen, können Sie dazu Regeln vereinbaren. Genau wie bei der Einteilung der Mediennutzungszeit können Sie in Absprache mit Ihrem Kind einen Teil des Taschengeldes in ein virtuelles Spielgeld umwandeln, das für solche Zwecke genutzt werden kann. So lernt Ihr Kind Stück für Stück den verantwortungsvollen Umgang mit seinem Taschengeld.

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