Elternguide Logo

“Wie geht das? Dazu gibt es doch bestimmt ein Tutorial!”

Statt in einer Bedienungsanleitung zu blättern, suchen Kinder und Jugendliche lieber das passende Tutorial im Netz. So eine filmische Gebrauchsanleitung gibt es nicht nur für die Bedienung von Geräten, sondern für ganz unterschiedliche Lebensbereiche aus dem Alltag. Es gibt Rezept-Tutorials, in denen vor der Kamera gekocht oder gebacken wird. In anderen Tutorials werden technische Fragen gelöst. Man kann mit solchen Videos neue Sprachen oder ein Instrument spielen lernen und vieles mehr.

Vor allem durch Videoplattformen wie YouTube sind Tutorials bekannt geworden. Typisch für diese Videos ist, dass darin eine Person dem Publikum etwas erklärt – oft indem sie es auch selbst im Video vormacht.
Die Begriffe Tutorial und Erklärvideo werden häufig synonym verwendet. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: In Tutorials wird etwas vorgemacht, nach dem Motto: “Wie funktioniert etwas?”. Typisch sind Haarstyling- oder Tanz-Tutorials. In Erklärvideos dagegen geht es vor allem um die Frage: “Warum funktioniert etwas auf diese Weise?”.

Tutorials – beliebt bei Groß und Klein

Die hilfreichen Videoanleitungen kann man sich dank Smartphone oder Tablet jederzeit und überall anschauen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären Experten eines bestimmten Fachgebiets auf verständliche Weise ein Thema. Die Videos lassen beliebig oft stoppen und ansehen, was z. B. bei einem Computerspiel, Bastel- oder Beauty-Tutorial praktisch ist. So kann man gleich selbst mitmachen und sich durch das Pausieren für jeden Schritt die Zeit nehmen, die man braucht.

Häufig werden Tutorials von Influencern, also berühmten YouTubern, gemacht. Hierbei, aber auch bei  unbekannteren YouTubern entsteht zwischen YouTuber und Zuschauer während des Tutorials oft eine Beziehung, wodurch das Lernen aufgelockert wird. Der YouTuber erzählt um das Tutorial herum von anderen Dingen, die ihm in den Kopf kommen, schweift vom Thema ab und spricht die Zuschauer oft direkt an (“Hallo ihr Lieben” oder “Du faltest jetzt dieses Blatt nach rechts” oder “Wir gehen jetzt folgendermaßen vor”). Dies passiert oft auf unterhaltsame Art und Weise.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind gerne Tutorials auf Videoplattformen guckt, suchen Sie mal gemeinsam nach Videos. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Videos zum Lernen oder Ideen für die Freizeitgestaltung, z. B. Bastelideen oder Tricks mit dem Roller.

Lassen Sie sich zeigen, welche Videos Ihr Kind gern schaut und fragen Sie nach, was sie oder ihn daran fasziniert. Es gibt viele Tutorials, die anscheinend typische Rollenbilder widerspiegeln: YouTuberinnen machen Beauty-Tutorials, männliche YouTuber Tutorials zu Computerspielen, sogenannte Let’s Plays. Das ist ein guter Anlass, um überholte Rollenklischees zu sprechen.

Man sollte sich klar machen, dass die Ersteller von Tutorials nicht immer echte Experten sind und man die Videos und ihre Inhalte überprüfen sollte. In den Kanalinfos erfährt man meistens etwas mehr zu den Machern und kann so die Qualität besser einschätzen.
Sollte etwas einmal nach dem Schauen eines Tutorials immer noch nicht klappen, liegt dies nicht gezwungenermaßen an Ihrem Kind – möglicherweise hat sich auch der Macher des Tutorials geirrt.

Videoplattformen wie YouTube sollten Sie zuerst gemeinsam nutzen, da Ihr Kind hier schnell auf beängstigende oder verstörende Inhalte stoßen kann. Für jüngere Kinder empfehlen wir Einstellungsmöglichkeiten wie den “Eingeschränkten Modus” oder die App YouTube-Kids. Wenn Ihr Kind die Risiken im Netz kennt und sich darin Ihrer Meinung nach bewusst bewegt, sollten Sie ihm auch den Freiraum geben, selbstständig online zu sein.

„Was denken andere wohl wirklich über mich?“ – Die App Tellonym soll Antworten geben

Gerade Teenager messen der Meinung von Gleichaltrigen große Bedeutung bei. Das erklärt wahrscheinlich die Beliebtheit einer App wie Tellonym. Doch neben wertschätzenden und netten Kommentaren können deren Nutzerinnen und Nutzer von anderen anonym beleidigt und beschimpft werden. Nutzt Ihr Kind diese App, sollten Sie sich über deren Handhabung und damit verbundenen Risiken wie z. B. Cybermobbing informieren.

Kurz gefasst

  • Soziales Netzwerk mit Firmensitz in Berlin
  • anonyme Bewertungs- und Frageplattform
  • laut USK ab 12 Jahren
  • kostenlos, enthält jedoch Werbung
  • hohes Potential für Cybermobbing vorhanden
  • verfügbar als App für die Betriebssysteme iOS und Android sowie als Webbrowser
  • Angaben zu Nutzerzahlen variieren von 2 bis 8 Millionen

Was ist das?

„Tellonym ist der ehrlichste Ort im Internet. Finde heraus, was deine Freunde von dir halten, beantworte anonyme Fragen und frage andere Dinge, die du dich zuvor nie getraut hast!“

Mit diesem Slogan wirbt die App Tellonym in den App-Stores um neue Nutzer. Bei Tellonym holt man sich von Freunden und Fremden anonym Feedback und Bewertungen ab. Gerade für Teenager ist die App attraktiv.

Die Anmeldung erfolgt über die eigene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, woraufhin man einen Link zum Weiterversenden an Freunden und Bekannte erhält. Diese könnten dann – auch anonym – einen Kommentar auf dem eigenen Profil hinterlassen, ohne sich extra registrieren zu müssen. Kommentare sind vorerst nur für denjenigen sichtbar, der sie erhält. Antwortet dieser darauf, so erscheint der Kommentar öffentlich im eigenen Profil. Neben positiven Kommentaren wie Komplimenten kommt es auch zu negativen, sogenannten „Tells“, in denen Nutzer andere Nutzer beleidigen oder sexuell bedrängen.

Um auf einfache Weise zu sehen, was auf den Profilen anderer Tellonymer passiert, kann man anderen Nutzern folgen. Das geht auch anonym, indem man nach dem Klick auf „Folgen“ innerhalb von drei Sekunden nochmal auf den Button „anonym“ klickt. Die Followerzahl passt sich trotzdem sichtbar an. Es gibt auch die Möglichkeit, das eigene Konto mit Instagram, Twitter oder Snapchat zu verbinden oder sein Konto mit den eigenen Telefonkontakten zu synchronisieren. Damit wird jedoch sehr in die Privatsphäre eingegriffen, weshalb aus Datenschutzgründen von der Aktivierung dieser Funktion abzuraten ist.

Was ist problematisch?

Zur Altersempfehlung der App gibt es je nach Anbieter unterschiedliche Angaben (USK: 12 Jahre, iTunes Play Store: 17+ Jahre). Laut den AGB bei Tellonym selbst benötigt man bei Minderjährigkeit zur Anmeldung die elterliche Erlaubnis und muss mindestens 13 Jahre alt sein. Registriert man sich bei der App, muss man jedoch lediglich zwischen „Ich bin 16 oder älter“ bzw. „Ich bin jünger als 16“ wählen. Gibt man an, unter 16 Jahre alt zu sein, wird das elterliche Einverständnis eingefordert, aber nicht überprüft. Als Eltern können Sie am besten einschätzen, ob Ihr Kind der Umgang und die Risiken der App bereits zuzutrauen ist.

Am bedenklichsten ist die Gefahr des Cybermobbings über die App. Da man Tells anonym verfassen kann, also unter dem Schutz, nicht erkannt zu werden, sinkt bei einigen Nutzerinnen und Nutzern die Hemmschwelle, andere anzugreifen, zu beleidigen oder mit sexuellen Kommentaren zu belästigen.

Was sagt der Anbieter?

Die Anbieter von Tellonym sind sich der Problematik des Cybermobbings bewusst und geben Eltern auf ihrer Webseite Tipps zum Schutz vor Angriffen. So kann der Empfang von komplett anonymen Nachrichten von nicht-registrierten Usern deaktiviert werden. Bestimmte Wörter sowie Absender bestimmter Nachrichten lassen sich blockieren. Dies ist jedoch nicht zu 100% möglich, wenn der Absender oder die Absenderin nicht bei Tellonym registriert ist. Deshalb empfiehlt es sich, den Empfang von anonymen Nachrichten nicht-registrierter User komplett zu deaktivieren. Nachrichten kann man auch melden, wenn sie gegen die AGB von Tellomym verstoßen. Laut eigener Aussage werden gemeldete Beiträge geprüft und gegebenenfalls gelöscht.

Allgemein soll jede verschickte Nachricht einen Filter durchlaufen – wie genau dieser arbeitet, bleibt jedoch unklar. Tellonym weist auf die Schwierigkeit einer guten Balance zwischen Zensur und Schutz hin.

Was sollten Eltern beachten?

Ihr Kind möchte die App nutzen oder ist bereits begeisterter Tellonymer? Horchen Sie bei ihm nach, aus welchen Gründen es die App nutzen möchte und ob es sich der möglichen Risiken bewusst ist. Gerade wenn Ihr Kind jünger als 16 Jahre ist, sollten Sie die App gemeinsam mit kennenlernen, sich die Sicherheitseinstellungen ansehen und anpassen. Gute und bildliche Anweisungen dazu finden Sie bei Klicksafe.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es tun kann, wenn es mit Cybermobbing oder ähnlichem in Kontakt gerät und unangenehme oder beleidigende Nachrichten erhält.

Telegram

Kurz gefasst:

  • kostenloser Messenger-Dienst
  • Registrierung via Handynummer
  • Anlegen eines Nutzernamens, über den andere einen als Kontakt finden
  • Chats und Gruppenchats möglich
  • Geheime Chats (Nachrichten werden verschlüsselt direkt von Gerät zu Gerät übertragen)
  • Synchronisation der Chats auf verschiedenen Geräten (Smartphone, Tablet, Desktop)
  • Mögliche Gefahren:
    • Chats, sowie Kontakte aus dem Adressbuch werden automatisch auf den Servern gespeichert
    • Teilen von Bildern oder Videos, die durch Dritte weitergegeben werden
    • Sexting
    • (Cyber-)Mobbing
    • Unerwünschte Kontaktaufnahme durch Fremde
  • Altersfreigabe: 12 Jahre

Was ist Telegram?

Telegram ist ein kostenfreier Messenger Dienst, der mit einer besonders hohen Sicherheit wirbt. Auch bei Telegram müssen sich Nutzerinnen und Nutzer mit einer Handynummer registrieren, es ist aber ebenfalls möglich sich einen Benutzernamen anzulegen. Wie bei anderen Messenger-Diensten kann das eigene Profil individuell angepasst werden. Chats können mit einzelnen aber auch mit einer Gruppe von bis zu hundert Personen eingerichtet werden. Auch bei Telegram lassen sich Bilder, Videos, Audiodateien und Emojis versenden. Das besondere bei Telegram sind die „Geheimen Chats“, bei welchen Nachrichten nicht auf den Servern des Anbieters gespeichert werden. Damit soll verhindert werden, dass Nachrichten in irgendeiner Form abgefangen und mitgelesen werden können. Des Weiteren gibt es die „Selbstzerstörungsfunktion“. Nach einer festgelegten Zeit verschwindet eine Nachricht automatisch bei Sender und Empfänger. Eine weitere Funktion, die Telegram bietet, sind sogenannte Kanäle. Über Kanäle können Nachrichten an unbegrenzt viele Nutzer versendet werden, schreiben darf aber nur der Kanalersteller und die  Administratoren. Kanäle können hinsichtlich ihrer Funktion mit E-Mail-Verteilern verglichen werden.

Was fasziniert Jugendliche besonders an dem Angebot?

Wie auch bei WhatsApp ermöglicht Telegram eine schnelle und kostenlose Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu treten. Darüber hinaus ist die App zumindest in Teilen sicherer und bietet Funktionen, die WhatsApp und andere Messenger-Dienste nicht aufweisen. Anhand der JIM Studie 2017 wird aber auch deutlich, dass Telegram oder andere, sicherere Messenger-Dienste von Jugendlichen nicht oder kaum genutzt werden. So wird WhatsApp bei den 12- bis 19-Jährigen mit über 80% zu der wichtigsten App erklärt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Trotz Verschlüsselungen und geheimen Nachrichten bleibt die App nicht ganz unproblematisch. Da die Funktionen von Telegram letztlich die gleichen sind wie bei WhatsApp und das Kommunizieren im Mittelpunkt steht, können Gefahren wie Sexting und Cybermobbing nicht ausgeschlossen werden. Versendete Bilder oder Videos können vom Empfänger ebenfalls weitergeleitet werden. Die Registrierung mit einem Nutzernamen stellt ein besonderes Risiko dar: Diese sind öffentlich, sodass auch Personen, die die Handynummer nicht haben, Kontakt aufnehmen können. Der Messenger-Dienst benötigt außerdem Zugriff auf das Adressbuch und Kontakte werden auf Telegram-Servern dauerhaft gespeichert.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter wirbt mit Datenschutz und Privatsphäre. Neben den Verschlüsselungen gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die App mit Code oder Fingerabdruck extra zu sichern. Telegram ist außerdem Open-Source, das heißt dass jeder den Quellcode und das Kommunikationsprotokoll einsehen kann. Die App soll außerdem immer kosten- und werbefrei bleiben.

Was sollten Eltern beachten?

Wie auch bei anderen Messenger-Diensten sollten Sie vor allem für eine verantwortungsbewusste Nutzung von Telegram und Messenger-Diensten allgemein sensibilisieren. Als Eltern sollten Sie auf mögliche Gefahren aufmerksam machen. Womöglich ist eine Registrierung mit öffentlichem Nutzernamen beispielsweise nicht ratsam. Es sollten aber auch die Vorteile von Telegram und anderen sichereren Messenger-Diensten, vor allem gegenüber WhatsApp, besprochen werden, da es sich bei Telegram zumindest hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz um eine echte Alternative handelt.

Eltern fragen – wir antworten: Sollte der Dauerkonsum auf YouTube unterbunden werden?

Ständig hängt Mirkos Sohn auf YouTube rum. Er fragt sich, was sein Kind an der Videoplattform so fasziniert. Unser Medienpädagoge Björn Schreiber gibt ein paar erste Antworten.

Die JIM-Studie

Die JIM-Studie wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) durchgeführt. Jährlich werden hier Daten zum Medienumgang und der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren veröffentlicht. Dafür werden jedes Jahr ungefähr 1.200 Jugendliche in ganz Deutschland telefonisch befragt. Die groben Themengebiete sind vielfältig: Medienausstattung, Freizeitaktivitäten, Informationsverhalten, Internetnutzung, Apps und Spiele und digitale Medien in der Schule. Auch das Thema Mobbing wird behandelt.

Falls Sie die Studie interessiert, finden Sie diese auf der Webseite des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs). Neben der JIM-Studie gibt es noch die KIM– und miniKIM-Studie, die die Mediennutzung von (jüngeren) Kindern untersuchen sowie die FIM-Studie zur Mediennutzung in der Familie.

jugend.support – Hilfe bei Stress im Netz

jugend.support ist eine Plattform für Jugendliche ab 12 Jahren mit Informationen, Beratungs- und Meldemöglichkeiten rund um Fragen zu Risiken im Internet. Dieser Film erklärt genau, was dahinter steckt:

_%_Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=AkzFh_1k9Ag_%_

Kurz gefasst:

  • Angebot speziell für Jugendliche rund um Gefahren der Internetnutzung
  • breite Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten bei Stress im Netz
  • Viele Partner mit speziellen Kenntnissen und Aufgaben unterstützen Jugendliche mit ihrem Expertenwissen und beraten bei Problemen

Was ist jugend.support?

jugend.support ist ein Angebot speziell für Jugendliche und deren kritische Fragen und Probleme im Internet. Egal, ob Fake Profile, Datenklau, Cybermobbing und Cybergrooming: fast alle wichtigen Themen werden kurz erklärt und es gibt zahlreiche Tipps und Infos, wie man mit den Herausforderungen umgehen kann. Außerdem können Jugendliche sich an eine Beratungsstelle wenden: Nummer gegen Kummer, juuuport und die Telefonseelsorge sind Ansprechstelle und Partner des Angebots.

Wenn Jugendlichen ein Inhalt auf Apps oder Internetseiten etc. auffällt, der nicht für junge Menschen geeignet ist, weil er sie z. B. verängstigt, kann dieser direkt auf jugend.support gemeldet werden. Der Inhalt wird dann direkt von einem der Partner www.internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net überprüft.

Was sollten Eltern beachten?

jugend.support richtet sich ausschließlich an Jugendliche (ab 12 Jahren), nicht an jüngere Kinder. Sie als Eltern müssen und sollen nicht alles wissen, was Ihr Kind tut und es ist gut, wenn es sich eigenständig Unterstützung und Hilfe sucht. Trotzdem sollten Sie immer als Ansprechpartner für Ihr Kind da sein und es bei allen Fragen, Risiken und Herausforderungen unterstützen. Dieses Vertrauensverhältnis ist auch noch sehr wichtig, wenn Ihr Kind schon älter ist!

Projektpartner
Unterstützer