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Gewalt in Medien – nur für Jungs reizvoll?

Kinder haben schon früh Kontakt zu Gewalt in den Medien. Nicht immer wird sie brutal dargestellt, sondern kann auch unterschwellig und eher witzig verpackt auftreten, z. B. wenn in Zeichentrickserien eine Figur der anderen auf den Kopf haut und es dabei lustig gongt.

Medieninhalte, in denen Action und Gewalt vorkommt, sprechen Jungen anscheinend mehr an als Mädchen. Das Verhalten von Mädchen und Jungen wird teilweise auch unterschiedlich wahrgenommen: Manche meinen, Jungs seien von Natur aus stürmischer und neigen dazu, Konflikte mit Gewalt zu lösen.

Veraltete Rollenbilder in der Gesellschaft

Erziehung und Medien tragen dazu bei, dass Gewalt eher ein Thema für Jungs ist. Wenn Jungen zu Gewalt neigen – egal wie ausgeprägt – wird das als weniger problematisch wahrgenommen als bei Mädchen. Bis vor wenigen Jahrzehnten mussten Jungen immer stark sein und sollten keine Gefühle zeigen. Manche Menschen denken das auch heute noch.

Mittlerweile ist hier ein Wandel erkennbar:  In vielen Familien spielt das Geschlecht bei der Auswahl von Büchern, Spielsachen und Medien keine Rolle mehr. So wird das ausgesucht, was zum Charakter und zu den Interessen des Kindes passt. Doch es gibt trotzdem noch einige Familien, in denen es normal, dass nur Jungs ein Bobbycar oder Actionfiguren zum Spielen bekommen, während Mädchen mit Puppen spielen. So ist es dann auch bei der Mediennutzung. Jungen dürfen schon früh actionreiche Cartoons von Superhelden schauen, für die manche Mädchen kein Interesse zeigen.

Computerspiele, in denen gegen andere gekämpft wird, wie z. B. Fortnite oder GTA, werden mehr von Jungen als von Mädchen gespielt. Sie bevorzugen eher Rollenspiele wie “Die Sims” oder bunte Handyspiele wie “Candy Crush”. Das liegt zum Teil auch an den Figuren im Spiel. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Computerspiele und das Thema Geschlecht.

Vielfältige Rollenbilder unterstützen

Wenn gewalttätiges Verhalten unter Jungen zu einem gewissen Grad akzeptiert ist, lernen sie weniger, wie man auf andere Weise Konflikte lösen kann. Wenn soziale Eigenschaften wie das Füreinanderdasein vor allem bei Mädchen belohnt wird, möchten Jungs sich anders verhalten, um nicht “mädchenhaft” zu wirken. Bei Erwachsenen, die in der Kindheit solche Erfahrungen gemacht haben, kann das zu sozialen und mitunter psychischen Problemen im Umgang mit den eigenen Gefühlen führen.

Als Eltern können Sie dazu beitragen, dass Ihr Kind weniger mit Klischees aufwächst.  Achten Sie bewusst auf das Verhalten Ihres Kindes und unterstützen Sie vielfältige Rollenbilder durch die Auswahl der Medien. Suchen Sie aktiv nach Geschichten mit alternativen Rollenbildern von Mädchen und Jungen. Ab dem Grundschulalter wird die Geschlechtsidentität immer wichtiger für ein Kind. Deshalb sollte es vielfältige Angebote zur Orientierung in seiner Entwicklung bekommen.

Lassen Sie Kampfszenen und ungerechtes Verhalten in Filmen, Serien oder Büchern nicht unkommentiert. Reden Sie über Gewalt und machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass dies kein gewünschtes Verhalten ist. Sprechen Sie darüber, warum das gezeigte Verhalten in der Realität problematisch wäre. So können sie das gezeigte Verhalten besser einordnen.

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