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Reiten, chatten, Rätsel lösen mit Star Stable

Ein Online-Spiel zum Thema Pferde – nur für Mädchen!?

Jungs spielen gerne Fußball und Fifa – Mädchen mögen Pferde und spielen gerne Star Stable. So einfach ist es glücklicherweise nicht. Die Entwickler des Online-Rollenspiels Star Stable scheinen jedoch diese Ansicht zu vertreten und haben das Spiel besonders auf „Pferdemädchen“ ausgelegt. Und das Spiel erfreut sich großer Beliebtheit.

Kurz gefasst

  • Online-Rollenspiel für den Computer
  • Erstellung eines Accounts notwendig
  • Spielende kreieren einen eigenen Charakter und ein Pferd
  • ab Level fünf kostenpflichtig
  • Charaktere sind ausschließlich weiblich

Worum geht’s?

Star Stable ist ein Online-Rollenspiel für den Computer. Die Spielenden reiten mit einem Pferd über eine Insel und treffen dabei auf andere Reiterinnen, mit denen sie über einen Chat kommunizieren können. Durch das Erfüllen von Aufträgen, Lösen von Rätseln und durch Turniere erhält man Zugang zu neuer Kleidung und besserer Reitausrüstung. Bis zum fünften Level ist das Spiel kostenlos, anschließend gibt es verschiedene Bezahlmodelle für die Vollversion: Für drei Monate kostet das Spiel 15,99 €, mit der einmaligen Zahlung von 89,99 € kann man unbegrenzt Star Stable spielen.

Was begeistert Kinder an dem Angebot?

Star Stable bietet eine große virtuelle Welt, die man als Charakter entdecken kann. Der Spielverlauf kann selbst gestaltet werden. Die Charaktere, in die Ihr Kind schlüpfen kann, sowie dessen Pferde können individuell angepasst werden und erscheinen einzigartig. Gerade Mädchen, die sich bereits für Pferde interessieren, können hier ihre Liebe zu den Tieren ausleben. Die Grafik ist ansprechend und realitätsnah, so dass sie das Gefühl bekommen können, selbst auf einem Pferd zu sitzen. Schöne Landschaften und Farben schaffen ein Wohlgefühl.

Das Pferdespiel hat bereits eine große Community. Auch auf YouTube gibt es etliche Let’s Play-Formate zu Star Stable, bei denen Spielerinnen Tipps geben und ihr eigenes Spielen unterhaltsam kommentieren.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Das Spiel erfordert das Erstellen eines Accounts. Nachdem man die ersten Level kostenlos spielen durfte, möchten Kinder gern weiterspielen und sind eventuell dazu bereit, für die kostenpflichtige Vollversion zu zahlen. Außerdem gibt es eine virtuelle Währung, die sogenannten Star Coins. Diese erhält man zum Beispiel, indem man Aufgaben erledigt. Ungeduldige Spielende können diese aber auch im Shop von Star Stable direkt kaufen.

Star Stable bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, seinen Charakter und das Pferd nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, z. B. Haarfarbe und Make-Up. Die Option, einen männlichen oder geschlechtsneutralen Charakter zu erstellen, fehlt. Auch wenn Pferde bei Mädchen besonders beliebt sind, wird so das Mitspielen von Jungen von Anfang an ausgeschlossen. Das Spiel vermittelt, dass Pferde und Reiten nichts für Jungs sind. Damit greift Star Stable auf klassische Geschlechterrollen zurück, wodurch sich sowohl Jungen als auch Mädchen diskriminiert fühlen können.

Die Chatfunktion birgt das Risiko von Cybermobbing und Cybergrooming, da darüber unbekannte Personen in Kontakt mit Ihrem Kind treten können, die möglicherweise keine guten Absichten haben. Lesen Sie unsere Beiträge dazu! Auch eine unangemessene Sprache, wie Hate Speech, kann in solchen Chats auftreten und unangenehm für Ihr Kind sein.

Was meint der Anbieter?

Auf Star Stable haben die Spielemacher Informationen für Eltern bereitgestellt. Darin betonen sie die positiven Aspekte des Spiels, wie das Erlernen sozialer Fähigkeiten und die Entwicklung eines Verantwortungsbewusstseins durch den Umgang mit virtueller Währung. Es wird darauf verwiesen, dass Eltern ihre Kinder über mögliche Risiken und Gefahren des Internets aufklären sollten. Dafür wurden die Star Stable-Regeln gesondert aufgeführt. Eine Altersempfehlung gibt es nicht.

Um einen Account zu erstellen, muss Ihr Kind eine E-Mail-Adresse sowie das Geburtsdatum angeben. Unter 18-Jährigen sollen vorab die Erlaubnis der Eltern einholen, was nur durch die Angabe eine Eltern-E-Mail-Adresse abgesichert werden muss. Man kann allerdings auch einfach angeben, schon mind. 18 Jahre alt zu sein.

Die Spielemacher betonen, mit persönlichen Daten von Kindern besonders sensibel umzugehen und sich an die Richtlinien der Organisation PRIVO-Cert™ Safe Harbor zu halten, welche sich dem Schutz online gesammelter persönlicher Daten von Kindern widmet. Außerdem heißt es, werden weder derzeitig noch in der Zukunft Informationen oder Details zum Konto an Dritte weitergegeben.

Was sollten Eltern beachten?

Da es keine konkrete Altersempfehlung gibt, sollten Sie sich das Spiel vor dem ersten Spielen durch Ihr Kind selbst anschauen. So können Sie einschätzen, ob Ihr Kind schon mit den Inhalten, Funktionen und schnellen Bildern zurechtkommt.

Sprechen Sie mit ihm oder ihr auch über mögliche anfallende Kosten, wenn es Gefallen am Spiel findet. Klären Sie gleich zu Beginn, wie Sie damit umgehen. Machen Sie darüber hinaus deutlich, dass die Währung Star Coins durch reales Geld gekauft werden muss.

Sprechen Sie außerdem über Gefahren wie Hate Speech oder Cybergrooming, die durch das Spielen und Chatten mit anderen Usern bestehen.

Star Stable bietet neben dem Online-Spiel auch Apps für das Handy, mit denen man noch mehr in die Welt der Pferde abtauchen kann. Setzen Sie Zeitlimits, damit Ihr Kind sich nicht vollkommen in der virtuellen Welt verliert. Mehr Tipps dazu gibt es in unserem Beitrag: Games in der Familie.

Versuchen Sie Ihrem Kind verständlich zu machen, dass Pferde und Reiten nicht nur ein Thema für Mädchen ist. Sollte Ihr Sohn das Spiel spielen wollen, ermutigen Sie ihn trotz der einseitigen Perspektive der Spielemacher dazu, das Spiel zu spielen.

Google Family Link – die Smartphonenutzung von Kindern kontrollieren?

Haben Sie Sorge, dass Ihr Kind, sobald es ein eigenes Smartphone hat, zu viel Zeit damit verbringt und auf Inhalte zugreift, die nicht altersgemäß sind? Die App Google Family Link für Eltern möchte Abhilfe schaffen und bietet einige Möglichkeiten, die Handynutzung Ihres Kindes zu regulieren.

Kurz gefasst:

  • Kinderkontos für Google-Dienste erstellen und verwalten
  • Die App ist kostenlos für iOS und Android
  • Zielgruppe der App sind Eltern
  • Einrichtung verschiedener Accounts je nach Alter, aber auch Kontrolle und “Überwachung” der kindlichen Handynutzung

Was ist Google Family Link für Eltern?

Mit Google Family Link können Eltern für Kinder unter 16 Jahren einen eingeschränkten Google-Account einrichten und die Smartphone-Nutzung Ihres Kindes im Blick behalten, wenn es sich um ein Android-Gerät handelt.

Über die App lassen sich unter anderem Nutzungszeiten für das Smartphone festlegen, der Zugriff auf bestimmte Apps beschränken oder In-App-Käufe sperren. Man kann damit nachvollziehen, welche Apps das Kind wie oft verwendet. Auch die Nutzung des Handys selbst lässt sich einschränken und das Handy des Kindes kann mit der App geortet werden. Die Einstellungen lassen sich auch online – ohne Smartphone – über ein Google-Konto der Eltern vornehmen.

Seit dem Update im September 2019 hat die App noch weitere Funktionen: Nun können Eltern die maximale Nutzungsdauer für jede App einzeln bestimmen. Außerdem ist es möglich, nach Ablauf der festgelegten maximalen Nutzungsdauer eine Bonuszeit draufzulegen (in Schritten von 5 Minuten).

Was kann problematisch an Google Family Link sein?

Aus Elternsicht sind die angebotenen Funktionen sinnvoll, weil verhindert werden kann, dass Kinder zu viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen oder dass ungeeignete Apps genutzt werden. Kritisch zu sehen ist die App, wenn sie nicht zum Schutz der Kinder eingesetzt wird, sondern um sie zu kontrollieren oder gar zu überwachen. Deshalb sollte die Nutzung der App vorher unbedingt mit dem Kind besprochen werden!

Da es eine Google-App ist, kann sie vorrangig für Google-Dienste und Android-Geräte genutzt werden. Andere Apps lassen sich darüber nicht steuern. Hinzu kommt, dass Google Family Link selbst keine unangemessenen oder jugendgefährdenden Inhalte blockiert, sondern ganze Angebote zulässt oder freigibt – je nach Einstellung, die Sie als Eltern getroffen haben. Es kann z. B. sein, dass Ihr Kind trotz App bei YouTube Videos vorgeschlagen bekommt, die Gewalt beinhalten. Um Inhalte bei YouTube einzuschränken, müssen Sie in der YouTube-App selbst Filtereinstellungen vornehmen. Auch Werbung innerhalb der Google-Apps kann mit der Google Family Link nicht ausgeschaltet werden.

Google ist dafür bekannt, dass es viele Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer sammelt. Mit der Einrichtung eines Kinderkontos werden also auch ihre Nutzungsdaten gesammelt. Verschiedene Google-Konten und Smartphones müssen bei der Nutzung der App miteinander verbunden werden. Was genau mit den gesammelten Daten passiert, ist unklar.

Was sagt der Anbieter?

Für Google stellt Family Link eine Unterstützung der Medienerziehung in der Familie dar, da gemeinsame Nutzungsregeln vereinbart und über die App kontrolliert werden können. Es soll ermöglicht werden, Kinder bei der Handynutzung zu beaufsichtigen.

Auch wenn keine unangemessenen Inhalte mit der App gefiltert werden können, werden Eltern gezielt auf Filtermöglichkeiten bestimmter Dienste, wie die SafeSearch-Funktion in der Google-Suche, den Jugendschutzfilter im Google-Browser Chrome oder den eingeschränkten Modus von YouTube, hingewiesen. Mehr dazu in der Hilfe von Google.

Was sollten Eltern beachten?

Überlegen Sie genau, ob die Nutzung einer solchen App für Ihre Familie das Richtige ist. Bei jüngeren Kindern kann es sinnvoll sein, ein gewisses Maß an Kontrolle auszuüben. Egal, wofür Sie sich entscheiden, ist dies ein guter Anlass, sich gemeinsam Nutzungsregeln für Smartphone & Co. zu überlegen.

Die Verwendung von Google Family Link erfordert immer, dass das Handy Ihres Kindes Internetzugang hat. Möglicherweise ist das nicht gegeben oder Ihr Kind soll nicht ständig online sein.
Wenn Sie sich für die Nutzung entscheiden, sollten Sie die App zusammen mit Ihrem Kind installieren und einrichten. Sprechen Sie  darüber, welche Funktionen sinnvoll sind, um die Nutzungsregeln einzuhalten. Welche Einstellungen sind nicht notwendig, weil Ihr Kind schon reif genug ist, selbst darauf zu achten? Besprechen Sie sich in regelmäßigen Abständen, ob die App und ihre Einstellungen noch sinnvoll sind oder sie deaktiviert werden können. Wenn Sie die App für mehrere Handys nutzen wollen, können Sie verschiedene Unterkonten je nach Alter des Kindes einrichten.

Auch was die Datennutzung durch Google angeht, sollten Sie die Einstellungen genau prüfen. Bei der Datenspeicherung sind automatisch bestimmte Funktionen aktiviert, die Sie ausschalten können. Lesen Sie mehr zu Installation und Einrichtung der App bei mobilsicher.de.

TikTok

Die Social-Media-Stars und Zwillinge Lisa und Lena wären heute nicht so berühmt, wenn sie nicht über die App musical.ly mit ihren Playback-Videos so viele Menschen erreicht hätten. Der Nachfolger TikTok (seit 2018) bietet neben kurzen Playback- oder Lipsynch-Videos noch mehr: kreative Kurzvideos aller Art.

Kurz gefasst:

  • kostenloses Social-Media-Videoportal
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • Verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz sowie Einschränkung der Meinungsfreiheit

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne einer Challenge weitergeführt.

Die Videos einiger TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um selbst Videos zu erstellen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Aus der einstigen Playback-App ist eine bunte Videoplattform geworden, auf der sich Jugendliche ausprobieren, miteinander messen, vergleichen und darstellen können – mit Challenges, Video-Memes und vielem mehr.

Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Es gibt eine Reihe von Problemen, die Sie und Ihr Kind vor der Nutzung der App berücksichtigen sollten:

  • Kinder ab 13 Jahren brauchen für die Anmeldung das Einverständnis der Eltern. Das Alter wird bei der Registrierung aber nicht überprüft.
  • Die Voreinstellungen der App sind gerade für Heranwachsende unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.
  • Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Jugendliche mit für sie ungeeigneten Inhalten in Berührung kommen können. Da die Beiträge nicht moderiert werden, können kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es ist ein hohes Risiko von Cybergrooming und Cybermobbing vorhanden.
  • Die Nutzer haben keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da sie sonst gegen die Bild- und Urheberrechte verstoßen. Sind andere Personen im Video zu sehen, sollte man diese auch immer um Erlaubnis fragen. TikTok erhält außerdem die Rechte an den veröffentlichten Videos.
  • Der Anbieter Bytedance finanziert sich über Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker zudem ihr Guthaben aufladen. Davon lassen sich Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.
  • Manche Challenges, die in sozialen Netzwerken kursieren, können gefährlich werden. TikTok blockiert solche Inhalte nicht.
  • Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

TikTok ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst. Es gibt allerdings nur wenige Sicherheitseinstellungen, obwohl die App laut Anbieter für Kinder ab 13 Jahren geeignet ist. TikTok verweist nach der Registrierung mittels eines roten Punktes auf die Einstellungen. Eine Erklärung dazu liefert der Dienst aber nicht. Immerhin gibt es Tipps für Eltern im “Safety Center” der Webseite. So lassen sich z. B. Userkonten melden und/oder blockieren.

TikTok steht wegen seiner Moderationsregeln stark in der Kritik, denn offenbar wird stark kontrolliert, welche Videos die Nutzer sehen können.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei TikTok anmelden möchte, fragen Sie nach seiner Motivation. Richten Sie gemeinsam einen Account ein und probieren Sie gemeinsam die ersten Schritte aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.

Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann. Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.

Jugendliche im digitalen Stress

Das Smartphone brummt in der Tasche und wenn Sie draufschauen, warten 15 neue Nachrichten in der Familiengruppe und eine Sprachnachricht der besten Freundin auf eine Antwort. Das kann schon mal nerven oder sogar stressig sein – auch für Kinder und Jugendliche, wenn sie ein eigenes Smartphone haben. In einer neuen Studie wurde herausgefunden, dass sich viele 11- bis 17-Jährigen von der Nutzung digitaler Geräte gestresst fühlen. Aber wie kommt das?

Was steckt hinter digitalem Stress?

Die meisten Jugendlichen – aber auch viele Erwachsene – gehen davon aus, dass sie auf Nachrichten bei WhatsApp, Instagram und Co. innerhalb weniger Minuten eine Antwort bekommen oder reagieren müssen. Diese Erwartung auf beiden Seiten kann zu Stress führen, weil man denkt, immer erreichbar sein zu müssen.

Für Kinder und Jugendliche gehört es dazu, sich ständig mit seinen Freundinnen und Freunden via Messenger-Apps oder über soziale Netzwerke auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Damit ist aber auch ein sozialer Druck verbunden. Wenn man sich z. B. in Gruppenchats nicht beteiligt, fürchten vor allem jüngere Jugendliche, auch auf dem Schulhof ausgeschlossen zu werden. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich der Nachrichtenflut zu entziehen.

Schon morgens nach dem Aufwachen geht bei vielen Jugendlichen als Erstes die Hand ganz automatisch zum Smartphone. Das passiert auch zu anderen Zeiten – oft ganz unbewusst oder aus Langeweile.

Gleichzeitig sind viele Jugendliche genervt, dass ihre Freundinnen und Freunde ständig auf das Handy schauen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Andersherum können sie selbst nur schwer den Blick vom Handy lösen und checken das Smartphone ständig auf eingegangene Nachrichten. Wenn eine rote Zahl am App-Symbol auf dem Display erscheint, ist man aufgeregt und neugierig. Es ist ein kleines Glücksgefühl, das man so oft wie möglich haben möchte und auch deshalb ständig aufs Handy schaut.

Digitaler Stress hängt vor allem mit ständiger Erreichbarkeit, Ablenkung und Kontrolle zusammen. Ältere Jugendliche sind sich dem Problem aber oft schon bewusst und versuchen, eigene Lösungen dafür zu finden.

Strategien gegen digitalen Stress

Im Zeitalter von Smartphones, mobilem Internet und Messengern kann wohl fast jede oder jeder etwas mit dem Begriff digitaler Stress anfangen. Viele Kinder und Jugendliche stört es, dass auch ihre Eltern zu oft auf das Smartphone gucken. Wenn Sie sich selbst von Ihrem Smartphone gestresst fühlen, sprechen Sie offen mit Ihrem Kind darüber, dass Sie nachvollziehen können, wenn es das Smartphone nicht aus der Hand legen kann.

Finden Sie zusammen mit der ganzen Familie Strategien, um den Stress zu verringern. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf, um die Zeit am Handy zu reduzieren. An diese Regeln, wie zum Beispiel ein Handyverbot beim gemeinsamen Essen, müssen sich dann natürlich auch die Erwachsenen halten!

Es kann außerdem nützlich sein, regelmäßig für eine begrenzte Zeit den Flugmodus einzuschalten, um sich ganz bewusst der Nachrichtenflut zu entziehen. Oder Sie verabreden eine “digitale Diät”, bei der alle Familienmitglieder einige Zeit komplett auf digitale Medien und Internet verzichten. Wenn Sie stattdessen als Familie etwas Schönes zusammen unternehmen, fällt der Verzicht vielleicht nicht ganz so schwer!

Von A wie Amazon Music bis S wie Spotify – Musik hören über das Internet

Musik über Spotify oder Deezer zu hören anstatt das Radio anzuschalten, ist in vielen Haushalten ganz normal. Auch Kinder und Jugendliche nutzen solche Angebote gern über ihr Smartphone. Der praktische Musikplayer im Hosentaschenformat ist inzwischen ein treuer Begleiter im Alltag geworden. Welche Dienste es gibt und was es zu beachten gilt, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Musikstreaming – was ist das eigentlich?

Viele Kinder kennen gar keine CDs oder MP3-Player mehr. Stattdessen werden Musik und andere Audioinhalte wie z. B. Hörbücher heute über sogenannte Streamingdienste gehört. Die Musik liegt nicht mehr als Datei oder Tonträger vor, sondern man mietet oder abonniert sie, so wie eine Zeitung oder ein Fahrrad.

Man schließt das Abo bei einem bestimmten Anbieter ab. Bezahlt wird nicht für einen einzelnen Song oder ein spezielles Album, sondern dafür, Musik hören zu dürfen. Man greift per Internet und App des Anbieters auf dessen Musikdatenbank zu. So kann man immer aus Millionen von Liedern und anderen Inhalten auswählen, ohne diese kaufen zu müssen. Man kann nach einzelnen Songs suchen, sich ganze Alben eines bestimmten Künstlers anhören, sich thematische Playlists z. B. zum Entspannen anhören oder sich Musik nach den eigenen Vorlieben vorschlagen lassen.

Sobald man das Abo kündigt, kann man nicht mehr auf die Musikstücke zugreifen.

Der richtige Anbieter

Den richtigen Anbieter zu finden, erscheint auf den ersten Blick schwierig. Viele Musikerinnen und Musiker leben von ihren Liedern und stellen sie daher nur in Ausnahmefällen kostenlos zu Verfügung. Deshalb bezahlt man ein Abo. Die meisten Dienste, die Musik kostenlos und ohne Werbeeinblendungen anbieten, missachten also die Rechte der Künstler und sind illegal. Deshalb sollte man besser auf bekannte und vielgenutzte Streamingdienste zurückgreifen.

Das Angebot an Musikstreaming-Diensten ist groß. Welcher Streamingdienst für Ihre Familie der Beste ist, sollten Sie gemeinsam überlegen und austesten: Wie ist das Angebot an Musik und kindgerechten Inhalten? Wie ist die Bedienbarkeit der App und welche Funktionen gibt es? Darf der Dienst etwas kosten und wenn ja, wieviel? Können Sie Werbeeinblendungen zwischen den Musiktiteln akzeptieren? Kann man auch ohne Internetzugang Musik hören? Mit wie vielen Geräten kann man über ein Abo Musik hören?

Wichtig zu wissen!

Beachten Sie, dass jeder Streamingdienst eine Registrierung erfordert. Wenn man einen kostenlosen Account nutzt, wird man immer wieder darauf hingewiesen, ein Upgrade zu machen und muss mit Werbeeinblendungen leben. Wenn Ihr Kind einen solchen Account allein nutzt, sollten Sie es darauf aufmerksam machen, nicht auf solche Hinweise zu klicken.

Für die meisten Dienste gilt: Bei den kostenlosen Accounts gibt es Werbeunterbrechungen, und Songs können nicht einfach übersprungen werden. Musik hören ohne Internetzugang ist nur mit einem Premium-Account möglich.

Die kostenpflichtigen Abos lassen sich über mehrere Geräte nutzen, allerdings nicht unbedingt gleichzeitig. Eine gute Wahl, wenn mehrere Personen einen Account nutzen möchten, sind Familienabos. Damit sind in der Regel mehrere Geräte gleichzeitig über einen Account verbunden und es lassen sich z. B. einzelne Playlisten für jedes Familienmitglied anlegen.

Spotify

Spotify ist einer der bekanntesten Streaming-Anbieter. Er bietet mit einem Umfang von 35 Millionen Titeln eine sehr große Auswahl. Das Angebot kann kostenlos oder ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Spotify bietet verschiedene Angebote und Vergünstigungen, z. B. für Familien (Spotify Premium Family). Eine Besonderheit stellen die gut personalisierten Musikvorschläge dar.

Deezer

Auch Deezer bietet bis zu 35 Millionen Titel und kann sowohl kostenlos als auch kostenpflichtig ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Bei Deezer gibt es ebenfalls Vergünstigungen für Familien.

Besonders beliebt bei diesem Dienst ist die „Flow“-Option, die stundenlanges und pausenloses Musikhören ermöglicht und sich dabei an den Vorlieben des Nutzers orientiert.

Amazon Music (Unlimited)

Amazon Music Unlimited bietet 40 Millionen Titel. Zugang bekommt man kostenlos nur mit einem Testaccount für 30 Tage. Wer einen Amazon Prime-Account hat oder Amazon Echo nutzt, kann auf einen Teil der Musikdatenbank zugreifen. Vollen Zugriff bekommt man nur mit Music Unlimited für (zusätzlich) 9,99 € im Monat. Wer Musik, Hörbücher oder ähnliches über Amazon kauft, kann sie über die Amazon Music App speichern und hat dann auch offline Zugriff darauf.

Apple Music

Apple Music bietet mit 45 Millionen Titel die größte Auswahl. Der Dienst kann ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Weitere Angebote für Familien sind verfügbar. Ein kleiner Nachteil ist, dass die App für Android-Nutzer nur eingeschränkt nutzbar ist.

Soundcloud

Eine Alternative zu den klassischen Musikstreamingdiensten ist Soundcloud. Der Anbieter hat keine Verträge mit den großen Plattenfirmen. Soundcloud richtet sich als Plattform an Künstlerinnen und Künstler, die dort selber ihre Musik veröffentlichen. Deswegen findet man bei Soundcloud eher – aber nicht nur – weniger bekannte Künstler.

Aktuelle Chartmusik ist die Ausnahme. Dennoch bietet der Dienst eine riesige Auswahl an – nach eigenen Angaben über 150 Millionen Titel. Davon kann man einiges mit dem kostenlosen Account hören. Möchte man auf die gesamte Musik zugreifen, zahlt man mit monatlich 5,99 € bis 9,99 € – ähnlich viel wie bei den anderen Musikstreamingdiensten. Eine schöne Sache an Soundcloud ist, dass man hier auch eigene Musikstücke oder Audios hochladen und veröffentlichen kann.

Gehören Smartphones in die Schule?

Die Smartphone-Nutzung ist nicht nur in der Familie ein wichtiges Thema. Auch bei der Frage, ob das Handy in die Schule gehört oder nicht, wird heiß diskutiert. Einerseits geht es darum, ob Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones mitbringen und zu welchen Zeiten sie diese privat nutzen dürfen. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Geräte im Unterricht sinnvoll genutzt werden können und sollen. Dabei muss auch die rechtliche Lage betrachtet werden.

Worüber wird diskutiert?

Jeder Schüler über 12 Jahre hat heute ein eigenes Smartphone. Bei den Jüngeren ist es mindestens jedes zweite Schulkind. Das Handy ist für Kinder und Jugendliche ein wichtiges Kommunikations- und Unterhaltungsmedium, mit dem sie auch für ihre Eltern jederzeit erreichbar sind. Auch Smartwatches, die in vielerlei Hinsicht die gleichen Funktionen erfüllen wie Smartphones, werden immer populärer. Doch mit den mobilen Geräten sind auch Risiken verbunden.

Es gibt berechtigte Sorgen, vor allem von solchen Eltern und Lehrkräften, die ein Handyverbot an Schulen befürworten: Wenn Handys genutzt werden können, wird in den Pausen gedaddelt, anstatt sich zu bewegen und miteinander zu quatschen, so die Befürchtung. Außerdem könnte Cybermobbing befördert werden, weil z. B. Fotos und Videos von Mitschülerinnen oder Mitschülern gemacht und diese direkt untereinander verschickt werden können. Und im Unterricht können die Schüler abgelenkt werden, wenn das Handy greifbar nah ist.

Die Möglichkeit, ihre Kinder immer erreichen zu können, spricht für Sie als Eltern vielleicht eher dafür, das Handy in der Schule zu erlauben. Aus Sicht der Lehrkräfte kann es aber schwierig sein, wenn Eltern ihre Kinder z. B. mitten im Unterricht anrufen.

Dabei lässt sich das Handy auch für Lehrer positiv in den Unterricht einbringen. Viele Schulen haben nicht genügend Geld für eine moderne technische Ausstattung. Da ist es doch eigentlich praktisch, dass jedes Kind einen eigenen “Taschencomputer” besitzt, mit dessen Bedienung es sich auch noch gut auskennt. Neben der schnellen Internetrecherche können Smartphones kreativ für die Präsentation eines Themas und andere sinnvolle Zwecke genutzt werden. Die Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen und damit verbundene Chancen und Risiken können zum Thema gemacht und diskutiert werden. Smartphones bieten also viele kreative, didaktische und pädagogische Möglichkeiten, die in der Schule gefördert werden sollten.

Wie ist die Gesetzeslage?

Unabhängig von den Chancen und Risiken, die das Smartphone im Unterricht und an der Schule mit sich bringt, gibt es einen gesetzlichen Rahmen, der den Umgang mit Smartphones im Schulkontext regelt. Da Schulpolitik Ländersache ist, legt jedes Bundesland einzeln fest, wie der Umgang mit Handys in den eigenen Schulen laufen soll. Zusätzlich werden an den Schulen selbst oder bei einzelnen Schulträgern eigene Regeln getroffen, die mit dem Schulgesetz des jeweiligen Bundeslandes vereinbar sein müssen. Informieren Sie sich, welche Regeln in Ihrem Bundesland und an der Schule Ihres Kindes konkret gelten. Sprechen Sie die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer Ihres Kindes darauf an. Auf der Seite von Handysektor gibt es einen Überblick zu den Regelungen der einzelnen Bundesländer (Stand September 2016).

Wenn Smartphones in der Schule, dann nur so

Sollten Smartphones auch während des Schulalltags an der Schule Ihres Kindes erlaubt sein, ist es für Sie als Eltern wichtig, den Umgang mit personenbezogenen Daten zu hinterfragen. Dies stellt Schulen nämlich vor eine große Herausforderung. Wenn Ihr Kind im Rahmen des Unterrichts mit dem Smartphone ein Videoprojekt erstellt, stellen sich verschiedene Fragen: Wer ist auf den Bildern zu sehen? Ist es nur Ihr Kind oder sind auch andere Kinder zu sehen? Sind die Kinder damit einverstanden, dass sich diese Dateien auf dem Gerät Ihres Kindes befinden? Liegen die Einverständniserklärungen der anderen Eltern vor? Was passiert mit dem Video? und so weiter. Weitere Informationen dazu finden Sie z. B. in unserem Beitrag zu Smartphonesicherheit und auf klicksafe.de.

Ein anderes Problem, das eng mit der Nutzung von Smartphones an Schulen verbunden ist, ist der ständige Vergleich der Schüler untereinander. Nicht alle Smartphones sind gleich. Einige Kinder haben vielleicht ein teureres Modell oder bekommen regelmäßig ein neues, während andere das alte Gerät von Mama nutzen. Darin steckt viel Potential für Streitigkeiten untereinander, z. B. für den Missbrauch des Smartphones als Statussymbol. Darüber sollten Sie mit Ihrem Kind und auch mit anderen Eltern sprechen.

Eine einfache Antwort auf die Frage, ob Smartphones in der Schule sinnvoll sind oder nicht, kann es also nicht geben. Schulen, Lehrkräfte, Sie als Eltern, und Ihre Kinder stehen hier vor Herausforderungen, die Sie nur gemeinsam lösen können. Wenn Sie mehr dazu nachlesen möchten, empfehlen wir den Faktencheck zur Sendung “Hart aber fair” vom September 2018.

Mein Freund, der Influencer – Kinder und Jugendliche und ihre Beziehung zu Stars

Erinnern Sie sich, wie Sie früher mit der Hauptfigur Ihrer Lieblingsserie mitgelitten haben, wenn sie etwas Schreckliches erlebt hat? Ist es so, dass der Nachrichten-Sprecher Sie jeden Abend um die gleiche Uhrzeit begrüßt und Sie innerlich zurückgrüßen? Bei Ihrem Kind ist es vielleicht die Influencerin, der mit dem Smartphone kurz vor dem Schlafengehen noch ein Besuch abgestattet wird, um “Gute Nacht!” zu sagen. All dies sind Beispiele für sogenannte „Parasoziale Beziehungen“, die jeder von uns eingeht.

Was macht Beziehungen zu Stars aus?

Typisch für diese Art von Beziehung ist, dass sie immer einseitig sind und die Beziehung imaginär bleibt. Sie ist also nicht wie eine Eltern-Kind-Beziehung, in der beide Seiten aktiv sind und man sich mal in den Arm nehmen kann. Ein emotionales Band, so wie z. B. bei der Serienfigur oder dem liebsten Nachrichtensprecher, ist trotzdem da. Früher kannte man das vor allem vom Fernsehen, heute spielt das Internet eine große Rolle – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Influencer lassen ihr Publikum oft aktiv an ihrem Leben teilhaben – über Videos, Instagram-Stories oder Live-Chats können Teenager ihrem Idol ganz nahe sein. Es werden auch private Informationen gepostet. Zum Beispiel ließ Bibi ihre Follower an der Geburt ihres Kindes teilhaben. Durch diese scheinbare Nähe entsteht auf der Seite ihrer Follower oft ein Gefühl von Freundschaft.

Vor allem für Jugendliche sind solche parasozialen Beziehungen auch hilfreich: Gerade in der Pubertät können sie bei Unsicherheit als Vorbild dienen. Sie können helfen, die eigene Identität zu finden und zu festigen. Und sie können eine Orientierungshilfe sein, auch bei ernsten Themen wie der ersten Liebe, die ihre Kinder vielleicht nicht so gerne mit den eigenen Eltern besprechen wollen.

Man sollte allerdings darauf achten, dass sich Kinder und Jugendliche nicht in diese Medienwelt und ihre Figuren flüchten und keine “echten” sozialen Beziehungen mehr aufbauen, denn die Interaktion mit “echten” Personen – Familienangehörigen und Gleichaltrigen – ist wichtig für die Entwicklung.

Worauf sollten Eltern achten?

Eine parasoziale Beziehung ist etwas total Normales. Wichtig ist, dass Ihrem Kind klar ist, dass diese Beziehungen keinen Ersatz für Freundschaften darstellen. Außerdem sollte ein kritischer Blick auf die liebsten Social-Media-Stars nie fehlen. Hier kommen Sie als Elternteil ins Spiel – zeigen Sie Interesse an den Vorbildern Ihrer Kinder, und diskutieren Sie die positiven und negativen Seiten dieser Beziehungen. Und wenn es Ihnen schwerfällt, die parasoziale Beziehung Ihres Kindes zu einem Internet-Star nachzuempfinden – erinnern Sie sich an Ihre eigene Jugend und Ihre eigenen Idole. Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Kinder-Influencer und Familienkanäle – versteckte Kinderarbeit im Netz?

Eine der bedeutendsten YouTuberinnen in Deutschland ist erst neun Jahre alt (Februar 2019) und heißt Miley. In ihren Videos geht es um Spielsachen, das alltägliche Familienleben und vieles mehr. Mehr als 600.000 Menschen haben den Kanal abonniert, auf dem jede Woche neue Videos veröffentlicht werden.

Außer Miley gibt es noch andere ähnlich erfolgreiche junge Influencerinnen, die sich auch auf Plattformen wie Instagram oder TikTok vermarkten. Ihre Kanäle heißen “Alles Ava”, “Die Spielzeugtester” oder “Ilias Welt”. Sie haben gemeinsam, dass die ganze Familie daran beteiligt ist. Wie bei anderen Influencerinnen und Influencern auch werden häufig Produkte vorgestellt und es wird damit Geld verdient. Mileys Eltern haben sogar ihre Arbeit aufgegeben, um sich den gemeinsamen YouTube-Kanälen widmen zu können. Denn damit ist eine Menge Arbeit verbunden.

Wie man an den Klickzahlen und den Kommentaren unter den Videos sieht, gibt es viele Menschen, die sich gern die Videos der sogenannten Mini-Influencerinnen und Mini-Influencer anschauen. Da es um Spielzeug und das Leben in der Familie geht, fühlen sich besonders Kinder und ihre Eltern angesprochen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer nutzen die Kommentarfunktion, um mit den YouTubern in Kontakt zu treten.

Nur ein Hobby oder schon Arbeit?

Was erstmal harmlos klingt, ist insbesondere dann kritisch zu bewerten, wenn es um den Schutz der beteiligten Kinder und ihre Rechte geht.

In diesen Familienkanälen werden häufig Produkte ausprobiert oder die Kinder dabei gefilmt, wie sie das neueste Spielzeug auspacken. Die Tragweite von dem, was sie in den Videos machen, kann von ihnen noch gar nicht eingeschätzt werden. Die Kinder werden zu Werbeträgern. Meistens sind es die Eltern, die mit den Videos angefangen haben und ihre Kinder einbeziehen. Aus pädagogischer Sicht ist davon auszugehen, dass Kinder daran oft sogar Gefallen finden, weil sie dadurch viel Aufmerksamkeit bekommen und ihre Eltern stolz auf sie sind.

Die jungen YouTuberinnen verbringen ihre Freizeit zu großen Teilen damit, neue Videos zu drehen, um weiterhin angesagt zu bleiben und Geld zu verdienen. Da teilweise die ganze Familie davon lebt, stehen sie deshalb auch unter dem emotionalen Druck, dass das so bleibt. Wahrscheinlich bleibt solchen Kindern wenig Zeit für Gleichaltrige. Dazu kommt, dass alles, was in der Familie passiert, öffentlich wird. Das wird dann bedenklich, wenn die Kinder kaum die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen und Privatheit zu erleben.

Kinder haben aber ein Recht auf Privatsphäre und Freizeit. Da sie sehr jung sind, können sie noch nicht einschätzen, was da mit ihnen passiert. Ab einem sehr frühen Alter wird ihr Leben öffentlich gemacht, was ihnen möglicherweise nicht mehr gefällt, wenn sie älter werden. Deshalb sind auch die Persönlichkeitsrechte, die jedes Kind hat, von Verletzungen betroffen.

Besonders problematisch ist das Phänomen der Kinder-Influencer, wenn die Kanäle die Schwelle zur Kinderarbeit überschreiten.

Man spricht von Kinderarbeit, wenn Kinder für die jeweilige Arbeit zu jung sind, oder wenn die Arbeit gefährlich oder ausbeuterisch ist. Arbeit darf Kinder außerdem nicht davon abhalten, zur Schule zu gehen, oder sie in ihrer Entwicklung schädigen. Mehr zum Thema Kinderarbeit erfahren Sie bei UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Die Grenzen für Kinderarbeit gelten auch im Internet, auch wenn ihre Umsetzung in der Praxis eine neue Herausforderung für die Behörden ist. Einige Kanäle arbeiten mittlerweile z. B. mit Jugendämtern zusammen und müssen genaue Vorgaben einhalten.

Worauf sollten Sie achten?

Wenn Sie sich als Familie gern solche Videos anschauen, sollte Ihnen bewusst sein, dass dahinter meistens Werbeinteressen stecken. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber und lassen Sie vor allem Ihre jüngeren Kinder diese Videos nicht alleine anschauen.

Wenn Ihre Kinder den Wunsch haben, selbst solche Videos zu drehen, sollten Sie ihnen vermitteln, dass dahinter viel Arbeit steckt.

Natürlich haben Kinder das Recht, sich mitzuteilen und gehört zu werden. Sie dürfen ihr Recht auf Mitbestimmung auch kreativ auf Online-Plattformen umsetzen. Selbst Medien zu gestalten, ermöglicht es Kindern, die eigenen Interessen, Themen und Sichtweisen einzubringen und so aktiv an der Medienwelt teilzuhaben. Wenn Ihr Kind YouTube gerne aktiv nutzen möchte, finden Sie in folgendem Artikel ein paar Hinweise, die Ihnen dabei behilflich sein können: Mein Kind will YouTuber werden – was nun?

Als Eltern sollten Sie beides im Blick haben. Machen Sie ein Familienprojekt daraus, indem sie gemeinsam an einem Wochenende ein Video drehen – so lassen sich solche Aktivitäten mit einem kindgerechten Leben vereinbaren. In unserer Reihe Medien selber machen haben wir jede Menge Anregungen dafür und erklären, wie man dabei sogar etwas lernen kann.

Eltern fragen – wir antworten: Warum kann ich mein Kind (3 Jahre) nicht allein Kinderserien schauen lassen?

Wenn die Kleinsten Videos schauen, müssen sie von ihren Eltern begleitet werden. Warum das wichtig ist, erklärt Medienpädagogin Melanie Endler.

 

 

Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen?
Sie können sie dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht dabei nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z.B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist zum Beispiel, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie immer mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat.

Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen sie welche Medien nutzen und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

Je nach Alter sollten Sie zusammen mit dem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Wichtig ist, dass Ihr Kind das auch selbst versteht. So fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarte Medienzeit Murmeln als Hilfe für Ihr Kind einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit legt man entsprechend viele Murmeln weg. Auch eine Sanduhr kann als Unterstützung dienen.

Medienzeit kontrollieren mit Apps

Es gibt auch Apps, mit denen man die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren kann. Sie heißen Quality Time (für Android, kostenlos), Offtime (für Android kostenlos, für iOS ca. 3,- €), App-Detox (für Android, kostenlos), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Die Apps Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem man durch Nichtnutzung des Handys einen Baum wachsen lässt oder sich eine Galaxie aufbaut.

Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

Wenn Sie ein iPhone oder iPad haben, können Sie auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern.

Pokémon GO – auf der Jagd nach den Monstern

Auch wenn der Hype um Pokémon GO aus dem Sommer 2016 inzwischen abgeklungen ist, gibt es noch immer viele begeisterte Spieler und immer neue dieser kleinen Monster, genannt Pokémon. Vielleicht kennen Sie Pikachu, Glumanda und Shiggi aus Ihrer eigenen Kindheit – von Sammelkarten oder dem Videospiel.

Kurz gefasst

  • kostenlose Spiele-App, aber In-App-Käufe möglich
  • in vielen Sprachen spielbar; in Deutschland seit Juli 2016
  • verfügbar für die Betriebssysteme iOS und Android
  • Altersempfehlung laut USK ab 6 Jahren, laut iTunes App Store ab 9 Jahren, laut Spieleratgeber NRW ab 12 Jahren

Was ist Pokémon GO?

Bei Pokémon GO wird der Spieler zum Trainer. Er oder sie sammelt Pokémon überall in der Umgebung. Diese werden weiterentwickelt, trainiert und können im Kampf gegeneinander antreten.

Pokemon GO ist eine sogenannte ortsbasierte Spiele-App, die nur mit einer Internetverbindung, eingeschaltetem GPS und Kamerazugriff funktioniert. Auf dem Handydisplay wird die Umgebung als virtuelle Karte angezeigt. Auf dieser erscheinen die kleinen Monster, wenn man sich mit seinem Smartphone (im Freien) bewegt. Außerdem gibt es an manchen Orten sogenannte Pokéstopps, wo man die zum Fangen der Pokémons wichtigen Pokébälle und anderes Zubehör einsammeln kann oder Arenen, in denen Pokémons verschiedener Spieler gegeneinander antreten.

Um bestimmte Pokémons zu finden, muss der Spieler an bestimmte Orte gehen. Denn die zahlreichen und unterschiedlichen Monster sind je nach Stärke und Eigenschaften an verschiedenen Orten anzutreffen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Pokémon GO?

Die Verschmelzung von Realität und Spiel begeistert sicherlich nicht nur Kinder und Jugendliche. Computerspielen ist mit Pokémon GO ganz einfach mit dem Smartphone auch draußen und gemeinsam möglich. Man kann das Smartphone jederzeit aus der Tasche holen und nach neuen Monstern in der unmittelbaren Umgebung suchen. Es ist wie eine spannende Schatzsuche oder vertreibt die Langeweile z. B. beim Warten auf den Bus.

Auch die verschiedene Ebenen des Spiels machen es kurzweilig und für Kinder attraktiv: das Sammeln und Weiterentwickeln von Monstern, das Gegeneinander-Kämpfen,  das Miteinander-Messen durch Levelaufstieg, und die ständige Weiterentwicklung des Spiels mit neuen Gadgets und neuen Pokémons.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Da unterwegs theoretisch überall Pokémon auftauchen könnten, neigen Nutzer der App dazu, den Blick immer auf das Handydisplay gerichtet zu haben und der Straßenverkehr nicht richtig beachtet wird.

Die App kann auch dazu verleiten, unbekannte Orte alleine aufzusuchen oder bei Nacht loszulaufen, um bestimmte Pokémon zu fangen. Machen Sie hier feste Spielregeln aus. Ihr Kind sollte immer in Begleitung eines befreundeten Spielers auf die Suche gehen und ein Erziehungsberechtigter sollte stets über die besuchten Orte Bescheid wissen.

Da es immer neue Pokémon gibt, endet das Spiel quasi nie. Je mehr und stärkere Pokémon man hat, desto höher ist das eigene Spielerlevel. Spieler, vor allem Kinder und Jugendlichen, vergleichen sich miteinander und wollen besser sein als der andere. Deshalb verleitet die App, immer weiterspielen zu wollen. In den Spielregeln sollten Sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Kind festlegen, wie lange und wie oft es die App aufrufen darf.

In Bezug auf den Datenschutz ist Pokémon GO einiger Kritik ausgesetzt. Damit Ihr Kind die App nutzen und auf Pokémon-Suche gehen kann, muss der GPS-Empfang auf dem Smartphone ständig aktiviert sein. Man muss der App viele weitere Berechtigungen erteilen, u. a. den Zugriff auf die SD-Karte und die Kamera. Es ist nicht klar, inwiefern der Hersteller all diese Daten nutzt oder in Zukunft nutzen könnte.

Das Spiel finanziert sich über In-App-Käufe. Man erwirbt virtuelle Poké-Münzen für echtes Geld und kann dafür mehr oder weniger wichtige Gegenstände erhalten. Um Ihr Kind nicht in Versuchung zu bringen, lassen sich In-App-Käufe jedoch durch Sie als Erziehungsberechtigte bei iOS deaktivieren oder bei Android per Passwort schützen. Denn auch ohne diese In-App-Käufe macht das Spiel Spaß!

Das Spiel wurde 2019 von Stiftung Warentest unter die Lupe genommen und als einziges der getesteten Spiele mit der zweitbesten Kategorie „Bedenklich“ bewertet, wohingegen alle anderen ein „Inakzeptabel“ erhielten. Das einzige Problem ist der Datenschutz: Der Name des Mobilfunkanbieters sowie Nutzungsstatistiken werden an Dritte weitergegeben und die Datenschutzerklärung ist für Kinder nicht verständlich.

Was meint der Anbieter?

Auf der offiziellen Webseite des Herstellers und beim Starten der App wird u. a. auf die oben genannten Problematiken hingewiesen und es werden Tipps gegeben (“Sicherheitshinweise zu Pokémon GO”). Außerdem wird Erziehungsberechtigten empfohlen, die Kindersicherung in den Einstellungen von Handys zu nutzen. Hiermit lassen sich Spielzeit und In-App-Käufe einschränken.

Was sollten Eltern beachten?

Ihr Kind möchte unbedingt auf die Jagd nach Pokémon gehen? Hier stehen Sie vor der Aufgabe, einzuschätzen, ob Ihr Kind sich der angesprochenen Risiken bewusst ist. Neben Datenschutzfragen (insbesondere die ständige Standortbestimmung) gehört dazu, ob Ihr Kind das Prinzip der “Erweiterten Realität” (Augmented Reality) – also die Verschmelzung von Realität und Spiel – bereits versteht.

Laden Sie immer nur die Original-App (von Niantic) herunter. Apps von Drittanbietern sind oft mit Schadsoftware infiziert.

Sie als Erziehungsberechtigte müssen für Kinder unter 13 Jahren ein eigenes Kinder-Konto einrichten. Es ist empfehlenswert, einen neuen Account anzulegen und kein vorhandenes Google-Konto zu nutzen.

Entdecken Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Kind das Spiel und vereinbaren Sie Regeln für die Spieldauer, den erlaubten Spielradius und In-App-Käufe. Tun Sie sich mit befreundeten Familien zusammen und lassen Sie Ihr Kind nicht alleine losziehen. Vielleicht ist das Spiel eine gute Gelegenheit für einen gemeinsamen Pokémon-Spaziergang an der frischen Luft!

Die Smartwatch als Einstieg in die digitale Welt?

Steht auf dem Wunschzettel Ihres Kindes für den Geburtstag oder Weihnachten eine Smartwatch? Vielleicht ist der Wunsch schon in Erfüllung gegangen, denn in immer mehr Familien gibt es die schlauen Armbanduhren. Das Angebot an Smartwatches wächst und ihr Funktionsumfang auch.

Was ist eine Smartwatch?

Sie sieht aus wie eine digitale Armbanduhr, hat jedoch sehr viel mehr zu bieten. Die Uhr ist eigentlich ein kleiner Computer, der mit dem eigenen Smartphone verbunden wird. Es gibt aber auch Smartwatches, die ohne Smartphone funktionieren. Man kann darauf Textnachrichten lesen, ohne erst nach dem Smartphone in der Tasche kramen zu müssen. Man lässt sich damit zum nächsten Kino navigieren, kann mit der Uhr seine Schritte zählen lassen und vieles mehr. Außerdem verfügt die Uhr über einen Lautsprecher und ein Mikrofon, sodass man auch ohne Smartphone über das Handgelenk telefonieren kann.

Für Kinder gibt es spezielle Smartwatches mit eingeschränktem Funktionsumfang (Textnachrichten senden und empfangen, GPS-Tracking, Lernspiele, Fotofunktion usw.) – mit oder ohne Verbindung zum Internet (über eine integrierte SIM-Karte). Hersteller bewerben diese Uhren als Einstieg in das digitale Leben und als gutes Kommunikationsmittel zwischen Eltern und Kind.

Was macht den Reiz der Smartwatch aus?

Gerade für jüngere Kinder können sie eine praktische Alternative zum Smartphone sein. Die schlauen Uhren sind in der Regel einfach zu bedienen und bieten die wichtigsten Funktionen. Für Kinder steht der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund: sie können mit der Uhr spielen oder mit Freunden chatten (sofern es eine SIM-Karte hat und die Eltern die Telefonnummern der Freunde vorab dafür freigegeben haben).

Nicht zu missachten, ist jedoch die mögliche Kontrolle durch die Eltern. Durch die Ortungsfunktion wissen Mama und Papa, wo sich ihr Kind gerade aufhält, es ist jederzeit erreichbar und sie können kontrollieren, mit welchen Personen das Kind kommuniziert. Im Internet surfen ist nicht mit allen Kinder-Smartwatches möglich, da sie nicht zwingend über eine Internetverbindung verfügen. Dies gibt Eltern die Sicherheit, dass ihr Kind auf keine bedenklichen Inhalte stoßen kann.

Was sollte man bei Smartwatches beachten?

Einerseits können die Uhren einen guten Einstieg in die Welt der digitalen Geräte bieten, da sie nicht unbedingt eine Verbindung zum Internet haben müssen, aber für Kinder viele attraktive Funktionen wie Spiele und Kamera mitbringen. Ihr Kind lernt mit einem eigenen Gerät umzugehen, ohne dass es schon ein teures Smartphone sein muss.

Andererseits gibt es Funktionen, die in die Privatsphäre des Kindes eindringen. Die Funktion des GPS-Trackings erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Denn so wissen Sie jederzeit, wo sich Ihr Kind gerade aufhält. Aber Sie sollten sich klarmachen, dass auch Ihr Kind ein Recht auf freie Entfaltung hat – wenn auch in einem geschützten Rahmen. Sich mit dem Älterwerden zunehmend frei zu bewegen und eigene Erfahrungen zu machen, ist wichtig für Ihr Kind. Das Aktivieren der Ortungsfunktion kann einen Übergriff in die Freiheit Ihres Kindes darstellen und zu einem Vertrauensbruch führen. Denken Sie an Ihre eigene Kindheit zurück und schenken Sie Ihrem Kind Vertrauen.

Sollten Sie sich zusammen für die Anschaffung einer Kinder-Smartwatch entscheiden, dann lernen Sie die Uhr gemeinsam mit Ihrem Kind kennen und nehmen Sie die Einstellungen zusammen vor. Die Kontrollfunktionen sollten nur in Notfällen und mit Wissen Ihres Kindes aktiviert werden. Machen Sie sich außerdem zur Datenschutzerklärung, den AGB und den Nutzungsbedingungen schlau! Smartwatches gelten immer mehr als Datenräuber. Hacker können möglicherweise auf einfache Weise Zugriff auf die Uhren erlangen.

Medien selber machen: Tutorials

Wir haben schon über die Beliebtheit von Tutorials bei Kindern und Jugendlichen geschrieben. Den Beitrag finden Sie hier. Es muss nicht dabei bleiben, sich diese Filmchen nur anzuschauen. Man kann sich auch selbst trauen, ein Tutorial zu produzieren.

Tutorials rund um “Medien selber machen”

Kinder und Jugendliche sind neugierig und haben Spaß daran, Neues zu lernen und hinter die Kulissen zu schauen. Sie zu ermutigen, selbst zum Macher von Videos oder Hörspielen zu werden, schult nicht nur die Medienkompetenz Ihres Kindes, sondern auch viele weitere Fähigkeiten wie Kreativität und die Arbeit an einem Projekt. Wer einmal erfährt, welche Arbeit hinter einem Film steckt, schaut anders auf Filme. Gerade in Zeiten von Fake News sensibilisiert es Kinder für einen kritischen Umgang mit Medien. Auf verschiedenen Videoplattformen finden Sie Tutorials, die dabei helfen, ein eigenes (Video-)Projekt umzusetzen. Videoplattformen wie YouTube sind jedoch nicht uneingeschränkt für jüngere Kinder geeignet, weshalb sie in Begleitung der Eltern genutzt werden sollten. Abseits von Videoplattformen finden Sie Tutorials z. B. auch beim Online-Angebot des Bayerischen Rundfunks: So geht Medien.

Tutorials selber machen

Videos selbst zu erstellen, kann viel Spaß machen! Wie auch bei der Produktion von Kinofilmen, muss man bestimmte Schritte beachten

  • Entwickeln Sie zuerst gemeinsam mit Ihrem Kind einen Drehplan, so dass während des eigentlichen Filmdrehs klar ist, was passiert und wer wofür zuständig ist (Kamera, Darsteller, Regie usw.):
    • Am Anfang steht eine gute Idee: Worum soll es im Tutorial gehen? Vielleicht nehmen Sie ein Thema, bei dem sich Ihr Kind und Sie noch nicht so gut auskennen. Durch die intensive gemeinsame Beschäftigung mit einem Thema sind Sie am Ende selbst die Experten.
    • Für das Drehbuch und ggf. eine Unterteilung in Szenen hilft es, die “W”-Fragen zu beantworten: Wer, wo, wie? Warum gibt es dieses Tutorial? Im Drehplan sollten auch organisatorische Dinge aufgeschrieben werden wie Drehorte, Drehzeit, benötigte Ausstattung und Technik.
  • Beim Filmdreh sollten Sie darauf achten, dass Licht und Ton gleichbleibend gut sind und es keine Störungen gibt. Natürlich braucht man auch eine Kamera. Ist keine vorhanden, reicht auch eine Fotokamera oder ein Handy, eventuell mit Stativ, damit die Bilder nicht verwackeln. Am besten sehen und hören Sie sich immer direkt im Anschluss an den Dreh einer Szene an, ob sie gut geworden ist. Gegebenenfalls kann man den Dreh direkt wiederholen.
  • Für den anschließenden Filmschnitt können Sie sich kostenlose Software im Internet herunterladen. In dieser kann man meistens auch Texte, Geräusche, Musik und andere Effekte ergänzen.
  • Zur Veröffentlichung des Videos wählen Sie bestenfalls Plattformen, die für Kinder und Jugendliche geeignet sind wie z. B. JUKI auf Kindersache

Worauf sollte man achten?

Achten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind darauf, keine persönlichen Informationen im Video preiszugeben und nur den Vornamen der Protagonisten zu nennen. Auch Hintergründe können oft Hinweise auf z. B. den Wohnort geben. Alle Personen, die im Video zu sehen sind, sollten ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben. Bei der Auswahl der Musik ist darauf zu achten, dass sie lizenzfrei zu nutzen ist. Hier gibt es eine Liste mit Webseiten, auf denen man solche Musik finden kann.

“Wie geht das? Dazu gibt es doch bestimmt ein Tutorial!”

Statt in einer Bedienungsanleitung zu blättern, suchen Kinder und Jugendliche lieber das passende Tutorial im Netz. So eine filmische Gebrauchsanleitung gibt es nicht nur für die Bedienung von Geräten, sondern für ganz unterschiedliche Lebensbereiche aus dem Alltag. Es gibt Rezept-Tutorials, in denen vor der Kamera gekocht oder gebacken wird. In anderen Tutorials werden technische Fragen gelöst. Man kann mit solchen Videos neue Sprachen oder ein Instrument spielen lernen und vieles mehr.

Vor allem durch Videoplattformen wie YouTube sind Tutorials bekannt geworden. Typisch für diese Videos ist, dass darin eine Person dem Publikum etwas erklärt – oft indem sie es auch selbst im Video vormacht.
Die Begriffe Tutorial und Erklärvideo werden häufig synonym verwendet. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: In Tutorials wird etwas vorgemacht, nach dem Motto: “Wie funktioniert etwas?”. Typisch sind Haarstyling- oder Tanz-Tutorials. In Erklärvideos dagegen geht es vor allem um die Frage: “Warum funktioniert etwas auf diese Weise?”.

Tutorials – beliebt bei Groß und Klein

Die hilfreichen Videoanleitungen kann man sich dank Smartphone oder Tablet jederzeit und überall anschauen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären Experten eines bestimmten Fachgebiets auf verständliche Weise ein Thema. Die Videos lassen beliebig oft stoppen und ansehen, was z. B. bei einem Computerspiel, Bastel- oder Beauty-Tutorial praktisch ist. So kann man gleich selbst mitmachen und sich durch das Pausieren für jeden Schritt die Zeit nehmen, die man braucht.

Häufig werden Tutorials von Influencern, also berühmten YouTubern, gemacht. Hierbei, aber auch bei  unbekannteren YouTubern entsteht zwischen YouTuber und Zuschauer während des Tutorials oft eine Beziehung, wodurch das Lernen aufgelockert wird. Der YouTuber erzählt um das Tutorial herum von anderen Dingen, die ihm in den Kopf kommen, schweift vom Thema ab und spricht die Zuschauer oft direkt an (“Hallo ihr Lieben” oder “Du faltest jetzt dieses Blatt nach rechts” oder “Wir gehen jetzt folgendermaßen vor”). Dies passiert oft auf unterhaltsame Art und Weise.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind gerne Tutorials auf Videoplattformen guckt, suchen Sie mal gemeinsam nach Videos. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Videos zum Lernen oder Ideen für die Freizeitgestaltung, z. B. Bastelideen oder Tricks mit dem Roller.

Lassen Sie sich zeigen, welche Videos Ihr Kind gern schaut und fragen Sie nach, was sie oder ihn daran fasziniert. Es gibt viele Tutorials, die anscheinend typische Rollenbilder widerspiegeln: YouTuberinnen machen Beauty-Tutorials, männliche YouTuber Tutorials zu Computerspielen, sogenannte Let’s Plays. Das ist ein guter Anlass, um überholte Rollenklischees zu sprechen.

Man sollte sich klar machen, dass die Ersteller von Tutorials nicht immer echte Experten sind und man die Videos und ihre Inhalte überprüfen sollte. In den Kanalinfos erfährt man meistens etwas mehr zu den Machern und kann so die Qualität besser einschätzen.
Sollte etwas einmal nach dem Schauen eines Tutorials immer noch nicht klappen, liegt dies nicht gezwungenermaßen an Ihrem Kind – möglicherweise hat sich auch der Macher des Tutorials geirrt.

Videoplattformen wie YouTube sollten Sie zuerst gemeinsam nutzen, da Ihr Kind hier schnell auf beängstigende oder verstörende Inhalte stoßen kann. Für jüngere Kinder empfehlen wir Einstellungsmöglichkeiten wie den “Eingeschränkten Modus” oder die App YouTube-Kids. Wenn Ihr Kind die Risiken im Netz kennt und sich darin Ihrer Meinung nach bewusst bewegt, sollten Sie ihm auch den Freiraum geben, selbstständig online zu sein.

Spieleseiten im Netz – Zwischen Spaß, Spiel und Werbung

Digitale Spiele sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung bei Kindern und Jugendlichen. Bereits viele 10- bis 12-Jährige benutzen das Internet insbesondere als Quelle für Online-Spiele. Die verschiedenen Spieleseiten im Netz, auf denen Kinder teils kostenlos, teils kostenpflichtig spielen können, stellen dabei ein zweischneidiges Schwert dar: Auf der einen Seite können räumliches Denken, Erinnerungsbildung, feinmotorische Fähigkeiten und strategische Planung erhöht und beim gemeinsamen Spiel die Teamfähigkeit gefördert werden. Andererseits bergen Multiplayer-Spiele aber auch die Gefahr von Mobbing.

Außerdem verstoßen viele Kinderspielportale gegen Richtlinien des Jugendschutzes. Häufig wird die Unerfahrenheit der Kinder ausgenutzt: Sie werden mit Werbung konfrontiert, die in das Layout der Websites eingebettet oder anderweitig getarnt ist. Auch durch Verlinkungen zu Partnerwebsites, gewalthaltige Spiele und fehlende Filterfunktionen oder Chatmoderationen kann es zu ungewollten Konfrontationen kommen.

Die Website Spielaffe.de, betrieben von der Ströer Media Brands GmbH, die sich selbst als die meistbesuchte Online-Spieleseite Deutschlands bezeichnet, schaltet zum Beispiel großflächige Werbung, die in das Layout der Website eingebunden ist. Direkt unter den Spielbeschreibungen finden sich Buttons, mit denen die Spielerfahrung mit einem Klick auf Google +, Facebook, Twitter, LinkedIn oder Pinterest geteilt werden kann. Spielaffe arbeitet mit über 110 Werbedienstleistern entweder selbst zusammen, oder hat Kunden, die mit diesen Firmen zusammenarbeiten. Laut eigener Aussage finanziert sich die Website „ausschließlich über Werbeeinnahmen“. Auch kostenpflichtige Downloadangebote finden sich auf der Plattform.

Der Chat mit anderen Nutzern ist erst nach vorheriger Registrierung möglich, die einerseits durch Abfrage einer E-Mail-Adresse und eines Spitznamens möglich ist, andererseits aber auch durch die Verknüpfung mit einem Facebook-Konto. Auch hier lauern datenschutzrechtliche Gefahren.

Auf der Website Spielzwerg findet sich zwar auf den ersten Blick keine Werbung, allerdings ebenso wenig ein Impressum oder Informationen für Eltern. Einzig ein Verweis auf den Betreiber führt zu der Famobi GmbH, die selbst angibt, den Dienst GoogleAds zu benutzen, d. h. auch hier werden Daten gesammelt.

Die dritte beliebte Website Spielkarussel wird von der niederländischen Jaludo Holding BV betrieben. Auch hier ist die Werbung großflächig ins Layout eingebettet. Die Registrierung kann durch eine Verknüpfung mit einem Facebook-Konto erfolgen. Alternativ müssen außer dem Namen auch das Geschlecht und das Geburtsdatum angegeben werden.

Keine der drei Websites klärt vor einer Registrierung das Einverständnis der Eltern ab.
Viele der angebotenen Spiele arbeiten auch mit Geschlechtsstereotypen – besitzen häufig auch eine Kategorie „Mädchenspiele“, die sich meistens mit Haushalt- oder Beauty-Themen auseinandersetzt. Keine der drei Websites wird bei einer Suche mit der Kindersuchmaschine fragFINN.de direkt angezeigt. Mit der Suchmaschine fragFINN lassen sich sonst für Kinder unbedenkliche Websites finden.

Trotz aller Risiken werden die genannten Seiten von Kindern und Jugendlichen gerne genutzt – wohl nicht zuletzt wegen der großen Auswahl an Spielen. Die fragwürdigen Werbe- und Datenpraktiken sind für Kinder nicht offensichtlich und werden daher wohl nicht wahrgenommen.

Als Eltern sollten Sie dennoch versuchen, die Faszination Ihrer Kinder an diesen Seiten zu verstehen und Interesse zeigen, ohne die Gefahren zu ignorieren. Vereinbaren Sie Regeln für die Nutzung, installieren sie Werbeblocker und informieren Sie sich über die Angebote und das Urteil von Pädagoginnen und Pädagogen. Online-Angebote wie die Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien  oder die Seitenstark-Community bieten hier Hilfe. Pädagogisch wertvolle Angebote finden Sie u.a. über fragFINN und die Blinde Kuh.

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