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Chatroulette, Omegle und Co. – Wenn Kinder im Videochat Fremde treffen

Webseiten, über die man per Videochat andere Menschen kennenlernen kann, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dazu haben sicherlich die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie beigetragen. Durch offene Portale wie Chatroulette und Omegle ist es möglich, neue Menschen kennenzulernen. Obwohl die Webseiten häufig mit Pornografie, Cybergrooming und fragwürdigem Datenschutz in Verbindung gebracht werden, halten sich immer mehr junge Menschen dort auf.  

Zufällige Videochats mit Fremden im Netz

Plattformen wie Omegle und Chatroulette verbinden per Zufallsgenerator User von der ganzen Welt miteinander. Diese können sich über die Webcam sehen und miteinander chatten. Eine Registrierung ist dafür nicht notwendig. Personen können sich einloggen, ohne ihren Namen oder andere Daten preiszugeben. Chats können bei Omegle nach Wunschthemen zugeteilt werden und ein laufender Chat mit einem Klick beendet werden, so dass sofort ein neuer Kontakt zugeteilt wird. Mehr als zwei Millionen Menschen kommunizieren weltweit über diese Webseiten miteinander. Dadurch ist der Pool an möglichen Kontakten unerschöpflich. Omegle ist ab 13 Jahren erlaubt, Chatroulette sogar erst ab 18 Jahren. Da das Alter oder die erforderliche Einverständniserklärung der Eltern jedoch nicht kontrolliert werden, nutzen auch Jüngere die Anwendungen. 

TikTok-Hype um Omegle 

Vor allem die Plattform Omegle ist unter Jugendlichen beliebt. Auf TikTok werden Videos von Chats auf Omegle richtig gehyped und unter einem eigenen Hashtag geteilt. Influencer und Influencerinnen erzählen auf YouTube von ihren verrückten Erfahrungen mit Omegle. Viele Jugendliche geben als Wunschthema “TikTok” an und hoffen so ihre großen Idole auf Omegle zu treffen. Für junge Menschen sind die Plattformen eine Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen und Leute kennen zu lernen. Dinge, die in Zeiten von Corona stark eingeschränkt sind. Sie gehen alleine oder gemeinsam mit Freunden online und chatten mit Fremden aus verschiedenen Ländern. Oftmals erleben sie dort lustige, komische und verrückte Dinge. Das kann spannend sein und Spaß machen – und lenkt von Sorgen und Problemen ab. 

Gefahren und Risiken der Plattformen

Plattformen wie Chatroulette und Co. sind bekannt dafür, dass die gezeigten Inhalte oft alles andere als jugendfrei sind. Die Anonymität ist hoch und die Hemmschwelle deshalb niedrig. Viele Menschen nutzen die Videochats,um ihren Frust abzubauen, extreme Meinungen zu teilen oder sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. So passiert es oft, dass vor allem Männer sich nackt vor der Kamera zeigen. Auch Beleidigungen und Diskiminierung sind an der Tagesordnung. Das kann vor allem junge Menschen verstören und verunsichern. Chatroulette droht bei Verstoß gegen die Community-Richtlinien mit strikten Maßnahmen. Die Vergangenheit zeigte jedoch, dass die Anonymität der Nutzenden eine Fahndung fast unmöglich macht. Omegle gibt an, dass die Videochats zwar moderiert werden, doch warnt selbst auf ihrer Webseite vor “Predators”. Gemeint sind Menschen mit bösen Absichten, die die Plattform nutzen, um mit jungen Menschen in Kontakt zu treten. Gefahren wie Cybergrooming, sexuelle Belästigung oder digitale Gewalt sind nicht auszuschließen. Der unzureichende Datenschutz stellt ein weiteres Risiko dar. So können Nutzende Chatverläufe speichern oder einen Screenshot machen. Das passiert meist ohne die Einwilligung der betroffenen Personen. Durch eine weitere Anwendung lässt sich außerdem mit ein wenig Geschick die IP-Adresse der Nutzenden herausfinden. So kann es passieren, dass der anonyme Kontakt nicht anonym bleibt.

Wie Sie Ihr Kind schützen können

Wenn Ihr Kind den Wunsch äußert diese Plattformen zu nutzen oder das bereits tut, reagieren Sie nicht mit Unverständnis und strikten Verboten. Auch wenn Sie der Meinung sind, dass die Webseiten nicht geeignet sind, könnte ein Verbot den Reiz daran noch steigern. So könnte es passieren, dass Ihr Kind heimlich im Internet mit Fremden chattet. Versuchen Sie Verständnis für die Faszination solcher Angebote aufzubringen und sprechen Sie offen darüber. Klären Sie Ihr Kind über Risiken wie sexuelle Belästigung, Mobbing und Cybergrooming auf. Wichtig ist, dass Ihrem Kind bewusst ist, dass es sich um einen öffentlichen Raum handelt, zu dem jeder Zugriff hat. Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zum Umgang mit solchen Webseiten. Geben Sie Ihrem Kind das Gefühl mit Ihnen reden zu können, sollte es unangenehme Erfahrungen machen oder Fragen haben. Chatroulette und Co. sind trotz Vorsichtsmaßnahmen nicht für Kinder geeignet. Versuchen Sie mit Ihrem Kind über Alternativen zu sprechen, so dass es trotzdem neue Kontakte knüpfen kann. Für jüngere Kinder können Angebote auf Kinderseiten eine Alternative sein z. B. über kindersache.de oder seitenstark.de.

Freundschaften in der Online-Welt

Kinder und Jugendliche lernen neue Freundinnen und Freunde nicht nur auf dem Spielplatz, in der Schule oder beim Sportverein kennen. Sie treffen sie in Online-Games oder bei Instagram und bleiben über WhatsApp und Discord in Kontakt.

Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft: Bekanntschaften aus Social Media können anders aussehen als Freundschaften aus der Nachbarschaft oder Schule. Die Nähe zum Influencer fühlt sich vielleicht für einige wie eine Freundschaft an, ist aber eher eine “Fanschaft”.

Wie Online-Freundschaften entstehen

Online-Freundschaften entstehen über das Internet und werden dort größtenteils gepflegt. Sie kommen beispielsweise durch gemeinsame Interessen zustande. In Online-Spielen oder über Social-Media-Kanäle lernen sich Kinder und Jugendliche mit ähnlichen Interessen und Hobbies kennen und kommen miteinander ins Gespräch. Vor allem wer spezielle Interessen hat, kann über das Internet Gleichgesinnte finden und sich mit Ihnen über das geteilte Hobby austauschen. 

Bei beliebten Games wie z. B. Fortnite können sich die Spielenden über einen Chat austauschen. Dort werden neben Taktiken und Strategien zum Spiel auch oft persönliche Dinge besprochen. Durch das regelmäßige Spielen miteinander, baut sich eine Bindung auf und es entsteht schnell das Gefühl von Freundschaft. Wenn Sie verstehen möchten, wie sich Gamer über ein Spiel anfreunden, hören Sie in den Podcast von zwei jungen Spielern rein.

Online-Freundschaften sind nicht unbedingt oberflächlicher als Kontakte in der realen Welt. Für eher verschlossene oder unsichere Kinder kann es ein guter Weg sein, online Kontakt zu anderen aufzunehmen. Es kann dazu führen, dass sie sich mehr öffnen. Äußerlichkeiten wie Kleidung spielen oftmals keine Rolle. Die Kommunikation ist leichter und durch das gemeinsame Interesse kommen sie leichter ins Gespräch. 

Wie online Freundschaften gepflegt werden

Egal, wo Freundschaften entstanden sind, gepflegt werden sie meistens über den Messenger oder Social Media. Bei Gamern wird sehr gern Discord genutzt. WhatsApp & Co. sind für Jugendliche, die sich nicht online kennengelernt haben, wichtig, um außerhalb persönlicher Treffen Kontakt zu halten. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Kommunikation über Medien – was Jugendlichen wichtig ist. Vor allem während der Pandemie müssen sich viele Kontakte auf den digitalen Austausch beschränken und Freundschaften spielen sich größtenteils online ab. 

Wie Sie mit Risiken bei Online-Freundschaften umgehen

Online-Freundschaften bieten die Möglichkeit mit Menschen auf der ganzen Welt befreundet zu sein und erweitern den Horizont Ihres Kindes. Doch birgt der digitale Kontakt auch Risiken. 

Ihr Kind weiß nicht genau, wer sich hinter dem neuen Freund oder neuen Freundin wirklich verbirgt und welche Absichten die Person hat. Es besteht die Gefahr von Cybergrooming. Auch Menschen mit politischen Interessen oder extremistische Gruppen nutzen den Kontakt zu jungen Menschen, um Einfluss zu gewinnen. Durch Fotos und unbedachte Nachrichten können Fremde außerdem an sensible Informationen Ihres Kindes kommen. Informationen wie der volle Name oder die Adresse können in die falschen Hände geraten und missbraucht werden. 

Wegen dieser möglichen Gefahren ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind bei der Mediennutzung begleiten. Je nach Alter sollten Sie dabei sein, wenn es im Netz surft oder zumindest für Fragen und Probleme ansprechbar sein. Zeigen Sie Interesse und vermitteln Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass er oder sie auf Ihre Unterstützung zählen kann. Zwar sollten Sie über Risiken aufklären, doch bleiben Sie positiv, gegenüber den neuen Kontakten Ihres Kindes. So wird Ihr Kind auch bei peinlichen Problemen oder dem Wunsch nach einem Treffen zu Ihnen kommen. 

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Risiken wie Cybergrooming auf und machen Sie ihm bewusst, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, auf den jede Person Zugriff hat. Das kann das gesunde Misstrauen Ihres Kindes gegenüber Fremden stärken.

Machen Sie gemeinsam Regeln im Umgang mit Online-Freundschaften aus. So könnten Sie vereinbaren, dass weder Informationen zu Adresse, Nachnamen oder der Adresse der Schule, noch private Bilder im Internet geteilt werden. Gehen Sie außerdem sicher, dass die Standortfunktionen auf dem Gerät Ihres Kindes deaktiviert sind. 

Bevor es zu einem Treffen kommt, könnte Ihr Kind vorerst mit seinen oder ihren Freunden über ein Videotelefonie-Tool kommunizieren. So können Sie sicher gehen, dass sich niemand anderes hinter dem Profil verbirgt. 

Wenn eine “echte” Verabredung geplant ist, vereinbaren Sie einen Treffpunkt an einem öffentlichen Ort wie z. B. in einem Café. Jüngere Kinder sollten bei dem ersten Treffen außerdem von den Eltern begleitet werden. 

Online-Freundschaften sind eine gute Möglichkeit für Ihr Kind, sich mit anderen Kindern über seine oder ihre Interessen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Doch ermuntern Sie Kind, nicht nur digitale Freundschaften zu führen. Auch der reale Kontakt zu Gleichaltrigen ist wichtig. 

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