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Mediennutzung im Lockdown

Digitaler Unterricht am Vormittag, zwischendurch ein Videoanruf mit der Freundin und Computerspielen als Abendprogramm – so oder so ähnlich dürfte der Alltag in vielen Familien aussehen. Wenn Schule und Sportverein geschlossen sind und Kontakte eingeschränkt werden müssen, verbringen Kinder und Jugendliche mehr Zeit mit Medien. Wie Sie Ihr Kind auch im Lockdown sinnvoll bei der Mediennutzung begleiten können, erklären wir in diesem Beitrag.

Gesteigerte Mediennutzung während der Pandemie

Im Lockdown fallen viele medienfreie Aktivitäten aus oder werden ins Internet verlegt: Der Unterricht findet nicht im Klassenzimmer sondern per Videokonferenz statt. Anstelle von Nachhilfe helfen Erklärvideos bei den Schulaufgaben. Das Fußballtraining fällt aus und wird durch ein Sport-Video auf YouTube ersetzt. Statt Freunde zu treffen, spielen Kinder und Jugendliche Computerspiele oder verbringen ihre Zeit mit TikTok, Instagram und Co. So kommen schnell viele Stunden täglich zusammen, die Ihr Kind vor Bildschirmen verbringt. Festgelegte Regeln zur Medienzeit werden nicht mehr eingehalten. Als Eltern haben sie vielleicht Sorge, dass Ihr Kind zu viel am Handy hängt und seine Mediennutzung exzessiv und problematisch werden.

Mediennutzung als Krisenbewältigung

Medien während des Lockdowns mehr zu nutzen, ist ganz normal und trifft auf Sie wahrscheinlich genauso zu wie auf Ihr Kind. Wenn Sie darüber hinaus das Gefühl haben, Ihr Kind hängt zu viel am Smartphone oder der Spielekonsole, sollten Sie es offen darauf ansprechen. Es ist gut möglich, dass Sie überrascht werden, wie kompetent und bewusst Ihr Kind Medien nutzt, um die aktuelle Situation zu meistern. Wenn es beispielsweise viel Zeit mit sozialen Netzwerken verbringt, ist das wahrscheinlich sein Weg, trotzdem mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Auch TikTok-Videos von Influencern aus anderen Ländern können helfen, sich in Kontakt mit der Welt „da draußen“ zu fühlen.

Medienzeiten anpassen…

Vielleicht haben Sie in der Familie feste Medienzeiten vereinbart und diese beispielsweise in einem Mediennutzungsvertrag festgehalten. In der aktuellen Situation ist es wichtig, die Vereinbarungen anzupassen oder überhaupt welche festzuhalten. Unterscheiden Sie dabei zwischen Lern- und Freizeit. Denn die Zeit, die Ihr Kind mit Erklärvideos für die Schule verbringt, sollte nicht von der Zeit abgezogen werden, in der es Videos zur Unterhaltung schauen darf. Das ist umso wichtiger, da auf vielen Plattformen, die Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit nutzen, inzwischen auch Lerninhalte zu finden sind, z. B. auf TikTok oder YouTube. Verbindliche Absprachen können Ihrem Kind dabei helfen sich beim Lernen nicht von lustigen Inhalten ablenken zu lassen, sondern diese nach den Schulaufgaben entspannt zu genießen. Seien Sie sich dabei auch Ihrer Vorbildfunktion bewusst: Erklären Sie Ihrem Kind, wann Sie Smartphone und Computer für die Arbeit nutzen und wann zur Unterhaltung. Verbindliche Regeln, die Sie gemeinsam festlegen und an die sich alle Familienmitglieder halten, schaffen Klarheit und Vertrauen.

 … und für Ausgleich sorgenGleichzeitig ist es wichtig, auch konkret bildschirmfreie Zeiten einzuplanen, um digitalen Stress zu vermeiden. Ein Spieleabend in der Familie oder gemeinsames Kochen sind ein schöner Ausgleich zum abendlichen Computerspielen oder Netflix gucken. Bewegung an der frischen Luft bei einem Ausflug am Wochenende tut allen in der Familie gut und schafft schöne Erinnerungen. Aber auch mit Medien lässt sich die Zeit abwechslungsreich gestalten: Wenn Ihr Kind gerne bastelt, können Sie YouTube für die Suche nach kreativen DIY-Projekten nutzen, oder beim Hörspiel- oder Podcasthören gemeinsam puzzlen. Eine Sammlung von kreativen Medienprojekten haben wir hier für Sie zusammengestellt. 

Schule zu Hause – Bildung im Fernsehen

Wenn die Schulen geschlossen haben, muss zu Hause gelernt werden. Doch nicht in jeder Familie geht das so einfach: Zum Beispiel weil es nur einen Computer gibt, den der große Bruder benutzt, um an einer Videokonferenz mit seiner Klasse teilzunehmen. Oder, weil das Internet zu Hause zu schlecht ist, um im Internet Schulaufgaben zu lösen. Sie müssen selbst im Homeoffice arbeiten und können Ihrem Kind nicht die ganze Zeit beim Lernen helfen. Außerdem können Sie nicht alles wissen, was in der Schule gerade durchgenommen wird.

Es gibt aber in den meisten Familien mindestens einen Fernseher und oft auch Smartphones und Tablets. Damit jedes Kind zu Hause lernen kann, haben die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihr Programm im Januar 2021 umgestellt und das Angebot in den Mediatheken und auf ihren YouTube-Kanälen erweitert.

Vormittags gibt’s Schulfernsehen

Einige Sender zeigen von Montag bis Freitag mehrere Stunden Bildungsprogramm:

  • Im WDR (Westdeutscher Rundfunk) gibt es morgens (ab 7.20 Uhr) Clips von Planet Schule, z. B. “Deutsch mit Socke” für Vorschul- und Grundschulkinder, “Elli online” zum Thema Medienerziehung oder “Die Klangkiste” zu Musik für die Klassenstufen 3 bis 7 und einiges mehr. Später (gegen 11.25 Uhr) kommt für Grundschulkinder jeden Tag “Die Sendung mit der Maus” und eine Folge von “Der etwas André Unterricht”.
  • Bei ARD-alpha können sich die älteren Schülerinnen und Schüler bei GRIPS auf ihren Schulabschluss in Chemie, Mathe, Deutsch oder anderen Fächern vorbereiten. Den ganzen Vormittag gibt es weitere Sendungen zu unterschiedlichen Themen und Fächern, ob Sprache, Technik oder Gesellschaft und Politik.

Eigenes Bildungsprogramm mit den Mediatheken zusammenstellen

Noch größer ist das Angebot auf den Internetseiten und in den Mediatheken der Sender. Hier kann man nach Themen, Interessen, Altersgruppen und Schulstufen suchen und die passenden Sendungen anschauen. Auf einigen Seiten gibt es sogar noch zusätzliches Lernmaterial.

  • Unter #Zeit für Wissen oder #Zeit für schlaue Snacks gibt es in der Mediathek des Kika (dem Kinderkanal von ARD und ZDF) – auch für Kita-Kinder. Außerdem bietet der Kika auf seiner Internetseite Informationsangebote für Eltern rund um Homeschooling und Homeoffice.
  • Beim MDR heißt das Lernangebot #Gernelernen und ist sowohl auf der Mediathek als auch auf der Website von MDR Wissen zu finden.
  • In der ZDFmediathek gibt es ein “Virtuelles Klassenzimmer” mit Lernvideos ab dem Vorschulalter. Ergänzend dazu bietet der umfangreiche Bereich Terra X plus Schule für Schüler und Schülerinnen sowie Eltern und Lehrende Filme, die das Lernen unterstützen können – nach Fächern und Themen geordnet. 
  • Das multimediale Schulfernsehen von SWR und WDRPlanet Schule” ist nicht neu, aber sicherlich eines der umfangreichsten. Sehr übersichtlich bietet es neben Filmen auch viele weitere Lernangebote.
  • Das Lern- und Bildungsprogramm des WDR findet man zusätzlich auf einem eigenen Kinder-Bereich der Website. Dort gibt es auch Lerninhalte für jüngere Kinder, die noch nicht zur Schule gehen.
  • Schule daheim” vom BR (Bayerischen Rundfunk) ist ebenfalls ein sehr breites und gut sortiertes Angebot. Außerdem gibt es auf dem Portal alphalernen neben Videos viele weitere Lernmaterialien für alle Fächer und Klassenstufen. Der YouTube-Kanal des Angebots ist ebenfalls zu empfehlen.

Sie können viele der Inhalte gesammelt über die ARD-Mediathek abrufen und müssen sich nicht durch alle Mediatheken einzeln klicken. Dort gibt es die Rubrik „Zu Hause lernen“, wo Sendungen nach Klassenstufen sortiert sind. 

Unabhängig von Fernsehsendern gibt es die Bildungsmediathek Mundo, die von allen Bundesländern betrieben wird. Sie hilft Eltern und Lehrenden, aus den vielen kostenlosen Lernangeboten, die es im Internet gibt, die passenden herauszusuchen.

Was noch wichtig zu wissen ist

Bei einigen Angeboten sind die Altersempfehlungen nicht gut erkennbar, deshalb sollten Sie sich diese vorher anschauen. Nicht alle Videos orientieren sich an den Lehrplänen der Schulen, können aber trotzdem interessant für Ihr Kind sein, wenn es gerne lernt und die Aufgaben von der Schule vielleicht nicht ausreichen. 

Wer einen Smart-TV zu Hause hat, also einen Fernseher, der ans Internet angeschlossen ist, kann über das Gerät auf die Mediatheken der Sender zugreifen.

Viele Inhalte haben die Sender zusätzlich in ihren YouTube-Kanälen. Sie lassen sich also auch übers Smartphone oder Tablet anschauen. Sie können passende Inhalte gemeinsam mit Ihrem Kind heraussuchen und jederzeit nutzen.

Einige Sender bieten auf ihrer Internetseite nicht nur Videos, sondern auch Podcasts zum Lernen an. Dann ist es nicht nötig, die ganze Zeit in einen Bildschirm zu schauen, sondern Ihr Kind kann sich mit Kopfhörern auf das Sofa oder ins Kinderzimmer zurückziehen.

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