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Hetze im Netz

Social Media und Messenger-Apps wie Instagram, TikTok und WhatsApp sind bei Jugendlichen besonders beliebt. Hier posten sie regelmäßig Beiträge und beschäftigen sich mit Themen, die sie interessieren und bewegen. Natürlich sind nicht immer alle bei allen Themen einer Meinung. Genauso wie im analogen Leben kommt es auch im Internet gelegentlich zu Streitigkeiten, Konflikten und Diskussionen unter Jugendlichen. Meistens ist das harmlos und für Sie als Eltern besteht kein Grund zur Sorge.

Was ist Hate Speech?

Das Internet kann allerdings auch dazu beitragen, dass Hemmschwellen für Anfeindungen und Diskriminierungen sinken. Vielen Menschen fällt es offenbar leichter, etwas Abwertendes zu schreiben, als es persönlich zu sagen. Die Betroffenen fühlen sich dann meist sehr hilflos. Denn, was einmal im Netz gepostet wird, verbreitet sich meist rasend schnell und unkontrolliert. Hetze im Netz kann viele Gesichter haben: Während bei Cybermobbing meistens eine Person im Fokus von persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen steht, werden bei sogenannten Hassreden in der Regel gleich ganze Teile der Gesellschaft angegriffen und z. B. aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion, Sexualität oder Herkunft diskriminiert. Hasskommentare und Beleidigungen gegen Einzelne oder ganze Gruppen sind nicht nur respektlos und für die Betroffenen sehr belastend, sondern können sogar eine Straftat darstellen (- wie auf der Seite no-hate-speech.de verständlich erklärt wird). Das ist vielen Jugendlichen allerdings nicht bewusst.

Was kann man tun?

Umso wichtiger ist es, dass Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind über Diskriminierung im Netz und deren Folgen auseinandersetzen. Oft ist es Jugendlichen unangenehm, wenn sie selbst betroffen sind und im Netz beleidigt und angefeindet werden. Wenn es bei Ihnen zu Hause üblich ist, offen über alles zu sprechen, wird sich Ihr Kind im Fall der Fälle vertrauensvoll an Sie wenden. Thematisieren Sie mit Ihrem Kind ein respektvolles Miteinander im Netz. Online sollten die gleichen Regeln für den Umgang mit anderen gelten, wie offline: Fairness, Offenheit und Wertschätzung.

Es gibt zahlreiche Informations- und Hilfsangebote zum Thema Hetze im Netz, u. a.

Die Initiative #NichtEgal richtet sich direkt an junge Menschen und unterstützt sie dabei, aktiv Hass im Netz entgegenzutreten und sich für eine offene und gewinnbringende Diskussionskultur im Netz stark zu machen.

Bingewatching bei Kindern und Jugendlichen

Kennen Sie das? Sie wollten eigentlich nur eine Folge Ihrer Lieblingsserie schauen und dann sind es drei geworden, weil es gerade so spannend war. Auch Ihrem Kind geht es manchmal so: Es hat gerade so viel Spaß am Fernsehen und Computerspielen, dass es die Zeit vergisst. Mit “Bingewatching” ist das Schauen von mehreren Folgen einer Serie am Stück gemeint und das gibt es auch bei Kindern. Binge bedeutet auf Deutsch „Exzess“ und Viewing „schauen“.

Streamingdienste machen Bingewatching leicht

Für manche Erwachsene ist Bingewatching sogar ein Hobby. Streamingdienste wie Prime Video, Netflix oder auch YouTube haben ihr Angebot darauf eingestellt. Serien gibt es oft als ganze Staffel, so dass die Nutzenden ganz einfach ein Video nach dem anderen anschauen können. Aus Unternehmenssicht ist das ganz logisch: Sie haben ein Interesse daran, Nutzer so lange wie möglich auf ihrer Plattform zu halten.

Es gibt immer mehr Mediatheken-Apps speziell für Kinder oder Streaming-Apps mit Kinderprofilen. Besonders beliebt sind YouTube Kids, Netflix, Prime Video und Disney+. Deshalb ist es kein Wunder, dass Bingewatching auch bei Kindern und Jugendlichen vorkommt, weil es ihnen noch schwerer fällt, den Fernseher oder das Tablet auszuschalten.

Was führt zum Bingewatching?

Kinder und Jugendliche lassen sich von ihren Lieblingsfiguren und -geschichten schnell mitreißen, so dass sie sich kaum davon lösen können. Einige vergessen einfach, abzuschalten und schauen deshalb mehr als vereinbart. Vor allem jüngere Kinder können ihre Bedürfnisse und ihre Mediennutzung noch nicht so gut selbst regeln. Sie sind deshalb leichter verführbar, immer weiter zu schauen.

Manchmal fehlt es auch einfach an alternativen Beschäftigungen. Kinder wissen nicht, was sie außer Fernsehen tun sollen. Außerdem ist es einfach, sich nur berieseln zu lassen, anstatt selbst aktiv zu sein, sich selbst Geschichten auszudenken, etwas zu malen oder anderes.

Wie können Eltern mit Bingewatching umgehen?

Einiges können Sie beim Profil Ihres Kindes auf der Streaming-Seite selbst einstellen. Sie können z. B. den automatischen Start der nächsten Folge deaktivieren oder bei einigen Diensten eine Zeitbegrenzung festlegen. Wenn Sie bestimmte Folgen downloaden, wird Ihr Kind nicht auf weitere Serien aufmerksam und es fällt ihm leichter abzuschalten, wenn die vereinbarte Sehzeit vorüber ist. Sie sollten aktiv werden, sobald Ihr Kind gestresst oder genervt reagiert, wenn es nicht weiter schauen kann.

Gestalten Sie gemeinsam Mediennutzungsregeln, insbesondere feste Zeitfenster, und achten Sie darauf, dass diese eingehalten werden. Solange Ihr Kind noch nicht selbstverantwortlich mit Medien umgehen kann, unterstützen und begleiten Sie es dabei. Setzen Sie die Lieblingsserie nicht als Strafe oder Belohnung ein und etablieren Sie alternative Angebote zur Mediennutzung.

Wenn Ihr Kind sehr emotional an die Serie gebunden ist, können Sie sich gemeinsam auch auf andere Weise damit beschäftigen. Ihr Kind kann die Serienwelt mit Spielzeug, durch Malen oder im Spiel mit Freunden zu sich holen und die Geschichten weitererzählen. So erlebt Ihr Kind seine Lieblingsserie noch mehr und kann sie selbst mitgestalten.

Ältere Kinder und Jugendliche sollten Sie auch gelegentlich zugestehen, wenn es sich in stressigen Phasen mit Fernsehen ablenken möchten. Achten Sie nur darauf, dass Bingewatching nicht ständig gegen Stress eingesetzt wird.

Die Tricks von Social Media, um Aufmerksamkeit zu gewinnen

Fragen Sie sich manchmal, warum Ihr Kind sein Smartphone einfach nicht zur Seite legt, obwohl Sie es bereits dreimal darum gebeten haben? Vielleicht haben Sie sich sogar selbst schon dabei erwischt, dass Sie nur kurz etwas nachschauen wollten und zehn Minuten später das Handy immer noch in der Hand haben.

Das liegt zum einen an uns selbst: Social-Media-Angebote sind vielfältig und deswegen spannend für Jung und Alt. Zum anderen möchten die Unternehmen, die hinter den Angeboten stehen, dass wir Zeit mit diesen verbringen. Nur wenn viele Menschen deren Angebote intensiv nutzen, rentiert sich das Ganze für sie. Entsprechend spannend ist es einen genauen Blick auf die Mechanismen von Social Media zu werfen.

Unternehmen wollen uns bei der Stange halten

Eine Strategie, Geld zu verdienen, ist es, personalisierte Werbung zu schalten. Je länger wir ein Angebot nutzen, desto mehr Daten kann die App über unsere Nutzungsgewohnheiten und Interessen sammeln. Deshalb sind Apps und Social-Media-Angebote so programmiert, dass wir sie gerne und viel nutzen.

Manchen Menschen fällt es besonders schwer, das Smartphone auch mal zur Seite zu legen. Einige psychologische Tricks können diesen Effekt sogar noch verstärken. Dazu gehören blinkende Lichter und Soundeffekte, die Signalfarbe Rot, das endlose Scrollen, die Swipe-Funktion und einiges mehr.

Apps und Social-Media-Angebote sind Gute-Laune-Macher

Um negative Gefühle oder Langeweile zu vertreiben, lenken wir uns ab. Süßigkeiten sind z. B. beliebte Gute-Laune-Macher. Durch sie werden im Körper Hormone wie Endorphine ausgeschüttet, die uns positiv stimmen. Auch ein Like auf das neueste Selfie macht glücklich.

Gerade für Jugendliche ist das Wissen dazuzugehören und gemocht zu werden wichtig. Sie sind noch dabei, herauszufinden, wer sie sind. Deswegen steht die Rückmeldung von Gleichaltrigen und Vorbildern an oberster Stelle. Positive Rückmeldungen zu einem Foto oder einem Posting machen also glücklich.

Scrollen und Swipen in bestimmten Apps macht außerdem Spaß oder kann spannend sein. Spielerische Elemente können also auch positive Gefühle auslösen, weshalb man das Smartphone immer wieder in die Hand nimmt. Außerdem sind die aktuellen Postings bei TikTok, Instagram, Snapchat & Co. unterhaltsam. Gerade wenn es Menschen nicht so gut geht, sind Apps und Social Media ein beliebter Weg, sich abzulenken und besser zu fühlen. Die Ursache des unangenehmen Gefühls lösen diese Angebote aber nicht.

Aber auch negative Gefühle wie Stress können mit der Mediennutzung verbunden sein. Junge Menschen haben regelrecht Angst, etwas zu verpassen, weil sie z. B. eine Weile ihre Nachrichten nicht gecheckt haben.

Machen uns Medien abhängig?

Von positiven Gefühlen kann man nicht genug bekommen. Das kann dazu führen, dass manche Menschen das Smartphone ständig in der Hand haben und andere Dinge vernachlässigen. Social-Media-Angebote werden wiederum so entwickelt, dass wir sie gerne und viel nutzen. Das kann im Zusammenspiel zu einem „zu viel“ führen. Zur Sucht gehört aber mehr als eine exzessive Nutzung. Von Sucht spricht man erst, wenn das Verhalten über einen langen Zeitraum (etwa ein Jahr) anhält, die betroffene Person keine Strategien hat, um etwas daran zu ändern und alles andere vernachlässigt.

Wenn Sie oder Ihr Kind also viel Zeit mit dem Smartphone verbringen, sollten Sie wissen, dass Social Media und Apps ein bestimmtes Verhalten unterstützen können. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und überlegen Sie gemeinsam Regeln und Strategien für den Umgang mit Medien und für medienfreie Zeiten.

Hier kommen ein paar Tipps :

  • Vereinbaren Sie, dass Sie innerhalb von Messenger-Chats nicht sofort auf eine Nachricht reagieren müssen. Dabei kann auch helfen, die Lesebestätigung und Benachrichtigungstöne zu deaktivieren. So nehmen Sie sich und Ihrem Kind den Druck, immer umgehend zu antworten.
  • Machen Sie sich und Ihrem Kind bewusst, mit welchen Tricks Unternehmen unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie in dem Angebot tun wollen. Legen Sie das Handy zur Seite, wenn Sie sich durch alle Neuigkeiten gescrollt haben.
  • Nutzen Sie Einstellungsmöglichkeiten innerhalb der App, z. B. Zeitbeschränkungen oder das Ausstellen von Push-Mitteilungen, um die Zeit, die Sie mit einem Dienst oder dem Handy verbringen, besser kontrollieren zu können.

Hilfe, mein Kind schaut Pornos!

Viele Kinder und Jugendliche kommen im Netz schon früh in Kontakt mit pornografischen Inhalten, zufällig und ohne Absicht genauso wie aus Neugierde und Interesse. Für Eltern kann das erschreckend sein, wenn sie irgendwann mitbekommen, dass ihr Kind Pornos schaut. Warum das nichts Unnormales ist, welche pornografischen Inhalte problematisch sein können und wie Sie damit umgehen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Während Pornos früher vor allem in speziellen Geschäften oder Videotheken zu finden waren, kommt man heute dank Internet ganz leicht dran. Außerdem wird man nicht gesehen und es kostet nicht unbedingt etwas. Das gilt nicht nur für Erwachsene. Kinder und Jugendliche entwickeln spätestens in der Pubertät eine eigene Sexualität. Dafür suchen sie Orientierung und Vorbilder. Da Sex häufig immer noch ein Tabuthema ist, wird gern die Anonymität des Netzes gesucht. Hier können sie sich unbeobachtet schlau machen, bevor die Sexualität mit anderen ausgelebt wird. Doch es ploppen auch ganz unabsichtlich plötzlich aufreizende Nacktbilder von Männern und Frauen auf dem Handydisplay auf, wenn man eigentlich nur eine Serie gucken möchte oder für die Schule im Netz recherchiert. So können Kinder schon früh damit in Kontakt kommen, obwohl das eigentlich gar nicht passieren dürfte.

Schutz vor Pornografie

In Deutschland gibt es den Jugendmedienschutz mit seinem Auftrag, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor Inhalten im Internet zu schützen, die sie gefährden oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. Zu diesen Inhalten gehört auch Pornografie. Dabei wird zwischen einfacher und harter Pornografie unterschieden. Von harter Pornografie wird gesprochen, wenn die gezeigten sexuellen Handlungen z. B. in Verbindung mit Gewalt stehen oder wenn es sich um Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen handelt. Diese sind grundsätzlich verboten! Einfache pornografische Inhalte, bei denen der Sex detailliert dargestellt wird, sind in Deutschland erlaubt, wenn der Zugang dazu klar beschränkt ist. Das bedeutet, dass eine Anmeldung zu diesen Seiten nur über ein geregeltes Verfahren möglich ist; z. B. über das Post-Ident-Verfahren, bei dem der Personalausweis bei einer offiziellen Stelle wie einem Postamt vorgelegt werden muss.

Unter 18-Jährige können also nicht so einfach auf Pornoseiten kommen, wenn diese aus Deutschland kommen. Anders sieht es bei Anbietern aus anderen Ländern aus, deren Seiten teilweise frei zugänglich sind. Hinzu kommt, dass sich auf beliebten Plattformen wie YouTube und Instagram auch Fotos und Videos finden, auf denen Menschen mit wenig Kleidung und in erotischen Posen dargestellt sind. Solche Inhalte sind keine Pornografie und deshalb für alle einsehbar. Sie können aber für manche – vor allem jüngere – Kinder trotzdem unangenehm oder sogar verstörend sein.

Warum Pornos problematisch sein können

Gerade für Jugendliche in der Pubertät sind Pornos reizvoll – auch weil sie verboten sind. Sie sind für solche Reize besonders anfällig und begeben sich auf die Suche nach pornografischen Inhalten oder klicken neugierig auf die Seiten, die ihnen zufällig begegnen. Besonders wenn das Thema Sexualität zu Hause ein Tabu ist und sie nicht mit ihren Eltern darüber sprechen möchten, greifen sie auf das zurück, was sie im Netz finden. Und das ist nicht unbedingt altersgerecht.

Die schnelle Verfügbarkeit solcher Inhalte kann besonders anziehend wirken, wenn man z. B. gerade Ablenkung sucht oder vor seinen Alltagsproblemen fliehen möchte. Aus einer Gewohnheit kann bei manchen Jugendlichen Abhängigkeit werden. Außerdem können sich beim regelmäßigen Anschauen von Pornos Vorstellungen von Sex entwickeln, die nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben. Sex und Pornografie werden mit Liebe und Beziehung gleichgesetzt. Einige Jugendliche bekommen Erwartungen, dass ihr eigenes Liebesleben genauso aussehen muss. Dazu gehört auch die Entwicklung des eigenes Körpers. Das kann Jugendliche stressen, wenn sie selbst sexuell aktiv werden wollen. Oder die Freundin oder der Freund wird unter Druck gesetzt, sich ebenso darzustellen, dabei zu filmen und das Video zu verschicken. Wodurch sie sich dem Risiko des Cybermobbings aussetzen. Mehr zum Thema Sexting erfahren Sie in unserem Beitrag dazu.

Was Sie als Eltern beachten sollten

Sex gehört zu unserem Leben dazu. Tabuisieren Sie das Thema nicht und seien Sie immer offen und gesprächsbereit. Sorgen Sie für eine altersgerechte Aufklärung, wenn Ihr Kind Fragen rund um Liebe und Sexualität stellt.

Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Schritten im Internet und erklären Sie ihm, dass man auf Inhalte stoßen kann, die unangenehm sind. Sollten bestimmte Seiten unabsichtlich erscheinen, sollte Ihr Kind mit Ihnen darüber reden können. Vor allem jüngere Kinder dürfen mit solchen Erfahrungen nicht allein gelassen werden. Ihre Fantasie spielt verrückt und das Gesehene lässt sich nicht richtig einordnen, weil es nichts mit ihrem eigenen Erfahrungsspektrum zu tun hat.

Nutzen Sie Jugendschutzprogramme und Filtermöglichkeiten Ihres Browsers, Smartphones oder Tablets, so dass jugendgefährdende Inhalte erst gar nicht angezeigt werden. Solche technischen Einstellungen können aber immer nur unterstützen, da sie keinen hundertprozentigen Schutz vor solchen Inhalten bieten. Viel wichtiger ist, dass Ihr Kind weiß, dass es im Netz auch solche Inhalte gibt und es Wege kennt, damit umzugehen. Deshalb sollten Sie immer wieder mit ihm darüber sprechen.

Wenn Kinder älter werden und in die Pubertät kommen, brauchen sie aber auch ihren Freiraum und möchten nicht unbedingt mit den Eltern über die Veränderung ihres Körpers sprechen. Ältere Geschwister können gute Gesprächspartner sein. Außerdem gibt es jugendgerechte Aufklärungsseiten im Netz, wie z. B. Loveline.

Wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter Pornos schaut, sprechen Sie ihn oder sie darauf an, aber verurteilen Sie Ihr Kind nicht. Machen Sie ihm klar, dass Pornografie nicht realistisch ist, sondern sich jemand die “Geschichten” ausgedacht hat. Reine Verbote und Filtermaßnahmen werden vor allem bei Jugendlichen nicht helfen. Sie suchen sich ihre Wege, Pornos zu schauen. Verbote wirken eher noch reizvoller. Deshalb ist ein offener Umgang mit dem Thema Sex wirksamer.

Mein Freund, der Influencer – Kinder und Jugendliche und ihre Beziehung zu Stars

Erinnern Sie sich, wie Sie früher mit der Hauptfigur Ihrer Lieblingsserie mitgelitten haben, wenn sie etwas Schreckliches erlebt hat? Ist es so, dass der Nachrichten-Sprecher Sie jeden Abend um die gleiche Uhrzeit begrüßt und Sie innerlich zurückgrüßen? Bei Ihrem Kind ist es vielleicht die Influencerin, der mit dem Smartphone kurz vor dem Schlafengehen noch ein Besuch abgestattet wird, um „Gute Nacht!” zu sagen. All dies sind Beispiele für sogenannte „Parasoziale Beziehungen“, die jeder von uns eingeht.

Was macht Beziehungen zu Stars aus?

Typisch für diese Art von Beziehung ist, dass sie immer einseitig sind und die Beziehung imaginär bleibt. Sie ist also nicht wie eine Eltern-Kind-Beziehung, in der beide Seiten aktiv sind und man sich mal in den Arm nehmen kann. Ein emotionales Band, so wie z. B. bei der Serienfigur oder dem liebsten Nachrichtensprecher, ist trotzdem da. Früher kannte man das vor allem vom Fernsehen, heute spielt das Internet eine große Rolle – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Influencer lassen ihr Publikum oft aktiv an ihrem Leben teilhaben – über Videos, Instagram-Stories oder Live-Chats können Teenager ihrem Idol ganz nahe sein. Es werden auch private Informationen gepostet. Zum Beispiel ließ Bibi ihre Follower an der Geburt ihres Kindes teilhaben. Durch diese scheinbare Nähe entsteht auf der Seite ihrer Follower oft ein Gefühl von Freundschaft.

Vor allem für Jugendliche sind solche parasozialen Beziehungen auch hilfreich: Gerade in der Pubertät können sie bei Unsicherheit als Vorbild dienen. Sie können helfen, die eigene Identität zu finden und zu festigen. Und sie können eine Orientierungshilfe sein, auch bei ernsten Themen wie der ersten Liebe, die ihre Kinder vielleicht nicht so gerne mit den eigenen Eltern besprechen wollen.

Man sollte allerdings darauf achten, dass sich Kinder und Jugendliche nicht in diese Medienwelt und ihre Figuren flüchten und keine „echten” sozialen Beziehungen mehr aufbauen, denn die Interaktion mit „echten” Personen – Familienangehörigen und Gleichaltrigen – ist wichtig für die Entwicklung.

Worauf sollten Eltern achten?

Eine parasoziale Beziehung ist etwas total Normales. Wichtig ist, dass Ihrem Kind klar ist, dass diese Beziehungen keinen Ersatz für Freundschaften darstellen. Außerdem sollte ein kritischer Blick auf die liebsten Social-Media-Stars nie fehlen. Hier kommen Sie als Elternteil ins Spiel – zeigen Sie Interesse an den Vorbildern Ihrer Kinder, und diskutieren Sie die positiven und negativen Seiten dieser Beziehungen. Und wenn es Ihnen schwerfällt, die parasoziale Beziehung Ihres Kindes zu einem Internet-Star nachzuempfinden – erinnern Sie sich an Ihre eigene Jugend und Ihre eigenen Idole. Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Gesichtserkennung im Internet – Praktischer Nutzen vs. Privatsphäre

Man kennt es in Deutschland vor allem aus Kriminalfilmen im Fernsehen: Der Zeuge eines Verbrechens schaut sich eine Kartei mit Fotos möglicher Täter durch, um eine Person anhand ihres Gesichts zu identifizieren. In einer solchen Kartei sind die Gesichter von Menschen gespeichert, die schon einmal straffällig wurden. In den USA ist das bereits Realität: Das Gesicht jedes zweiten Erwachsenen ist in staatlichen Datenbanken gespeichert. Und auch in Deutschland breitet sich die Technik immer mehr auf den Alltag vieler Menschen aus. Um in Zukunft Gefährder und Terroristen im öffentlichen Raum identifizieren zu können, wurden z. B. am Berliner Bahnhof Südkreuz zu Testzwecken für einen festgelegten Zeitraum Kameras mit Gesichtserkennungssoftware installiert.

Doch nicht nur staatliche Stellen oder Behörden nutzen die Möglichkeiten der Gesichtserkennung. In immer mehr Bereichen des Alltags findet die Technologie Einzug. So wirbt das Technologieunternehmen Apple bei den neuesten iPhones mit dem Slogan: “Face ID – Dein Gesicht ist dein Passwort”. Per Gesichtsscan können Sie Ihr iPhone entsperren und auch beim Herunterladen von Apps reicht es, sein Gesicht vor das Smartphone zu halten. Dies soll technisch auch funktionieren, wenn man z. B. einen Hut oder eine Sonnenbrille trägt. Das ist praktisch und klingt erstmal auch sehr sicher. Kein lästiges Eintippen von Passcodes oder -mustern mehr. Außerdem ist das eigene Gesicht einzigartig, wie soll also eine fremde Person das Smartphone entsperren können? Es hat sich allerdings gezeigt, dass die Technologie durchaus noch verbesserungswürdig ist. Teilweise konnten andere Familienmitglieder das iPhone aufgrund ähnlicher Merkmale ihrer Gesichter problemlos entsperren.

Auch bei der Google Fotos App kann man theoretisch Bilder nach Personen durchsuchen lassen. Diese Option ist jedoch nicht in allen Ländern möglich. Die Google Bildersuche ermöglicht es zudem, ein Foto dort hochzuladen und die Datenbank nach ähnlichen Fotos zu durchsuchen. Wer die Personen auf den Bildern sind, erfährt man von Google nicht. Diese Informationen kann man aber u. a. auf den Seiten finden, auf denen das Bild eingebunden ist.

Auch beim sozialen Netzwerk Facebook gibt es ein solches Feature, das bei der Veröffentlichung heiß diskutiert wurde. Vielleicht haben Sie einmal die Meldung erhalten, dass Sie auf dem Foto eines anderen Nutzers erkannt wurden? Dann ist die Gesichtserkennung der Plattform bei Ihnen aktiv. Beim Hochladen eines Fotos scannt Facebook das Bild und möchte vom Nutzer wissen, ob es sich um die richtige Person handelt. Auf diese Weise kann man leichter auf Bildern erkannt und markiert werden. Das ist praktisch, jedoch müssen sie für die Nutzung der Funktion auch der Verarbeitung der notwendigen Daten zustimmen. Falls Sie nicht möchten, dass ihre Fotos und Videos zu diesen Zwecken automatisch analysiert und ausgewertet werden, können sie die Gesichtserkennung deaktivieren.

Die Gesichtserkennung kann einen großen Eingriff in die Privatsphäre darstellen. Auf Bildern im Internet erkannt werden zu können bedeutet, dass z. B. auch völlig fremde Personen Ihre Kontaktdaten erhalten, weil Sie unter Umständen im Hintergrund eines fremden Fotos zu sehen sind. Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie durch das Nutzen dieses Features ähnlich wie durch Fingerabdrücke Informationen von sich preisgeben, die für jeden Menschen einzigartig sind. Sie können auch nicht verändert werden.

Überlegen Sie sich deshalb gut, an welchen Stellen Sie die Gesichtserkennung verwenden wollen und welche Daten Sie lieber für sich behalten.

Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen?
Sie können sie dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht dabei nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z.B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist zum Beispiel, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie immer mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat.

Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen sie welche Medien nutzen und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

Je nach Alter sollten Sie zusammen mit dem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Wichtig ist, dass Ihr Kind das auch selbst versteht. So fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarte Medienzeit Murmeln als Hilfe für Ihr Kind einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit legt man entsprechend viele Murmeln weg. Auch eine Sanduhr kann als Unterstützung dienen.

Medienzeit kontrollieren mit Apps

Es gibt auch Apps, mit denen man die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren kann. Sie heißen Quality Time (für Android, kostenlos), Offtime (für Android kostenlos, für iOS ca. 3,- €), App-Detox (für Android, kostenlos), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Die Apps Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem man durch Nichtnutzung des Handys einen Baum wachsen lässt oder sich eine Galaxie aufbaut.

Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

Wenn Sie ein iPhone oder iPad haben, können Sie auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern.

“Wie geht das? Dazu gibt es doch bestimmt ein Tutorial!”

Statt in einer Bedienungsanleitung zu blättern, suchen Kinder und Jugendliche lieber das passende Tutorial im Netz. So eine filmische Gebrauchsanleitung gibt es nicht nur für die Bedienung von Geräten, sondern für ganz unterschiedliche Lebensbereiche aus dem Alltag. Es gibt Rezept-Tutorials, in denen vor der Kamera gekocht oder gebacken wird. In anderen Tutorials werden technische Fragen gelöst. Man kann mit solchen Videos neue Sprachen oder ein Instrument spielen lernen und vieles mehr.

Vor allem durch Videoplattformen wie YouTube sind Tutorials bekannt geworden. Typisch für diese Videos ist, dass darin eine Person dem Publikum etwas erklärt – oft indem sie es auch selbst im Video vormacht.
Die Begriffe Tutorial und Erklärvideo werden häufig synonym verwendet. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: In Tutorials wird etwas vorgemacht, nach dem Motto: “Wie funktioniert etwas?”. Typisch sind Haarstyling- oder Tanz-Tutorials. In Erklärvideos dagegen geht es vor allem um die Frage: “Warum funktioniert etwas auf diese Weise?”.

Tutorials – beliebt bei Groß und Klein

Die hilfreichen Videoanleitungen kann man sich dank Smartphone oder Tablet jederzeit und überall anschauen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären Experten eines bestimmten Fachgebiets auf verständliche Weise ein Thema. Die Videos lassen beliebig oft stoppen und ansehen, was z. B. bei einem Computerspiel, Bastel- oder Beauty-Tutorial praktisch ist. So kann man gleich selbst mitmachen und sich durch das Pausieren für jeden Schritt die Zeit nehmen, die man braucht.

Häufig werden Tutorials von Influencern, also berühmten YouTubern, gemacht. Hierbei, aber auch bei  unbekannteren YouTubern entsteht zwischen YouTuber und Zuschauer während des Tutorials oft eine Beziehung, wodurch das Lernen aufgelockert wird. Der YouTuber erzählt um das Tutorial herum von anderen Dingen, die ihm in den Kopf kommen, schweift vom Thema ab und spricht die Zuschauer oft direkt an (“Hallo ihr Lieben” oder “Du faltest jetzt dieses Blatt nach rechts” oder “Wir gehen jetzt folgendermaßen vor”). Dies passiert oft auf unterhaltsame Art und Weise.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind gerne Tutorials auf Videoplattformen guckt, suchen Sie mal gemeinsam nach Videos. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Videos zum Lernen oder Ideen für die Freizeitgestaltung, z. B. Bastelideen oder Tricks mit dem Roller.

Lassen Sie sich zeigen, welche Videos Ihr Kind gern schaut und fragen Sie nach, was sie oder ihn daran fasziniert. Es gibt viele Tutorials, die anscheinend typische Rollenbilder widerspiegeln: YouTuberinnen machen Beauty-Tutorials, männliche YouTuber Tutorials zu Computerspielen, sogenannte Let’s Plays. Das ist ein guter Anlass, um überholte Rollenklischees zu sprechen.

Man sollte sich klar machen, dass die Ersteller von Tutorials nicht immer echte Experten sind und man die Videos und ihre Inhalte überprüfen sollte. In den Kanalinfos erfährt man meistens etwas mehr zu den Machern und kann so die Qualität besser einschätzen.
Sollte etwas einmal nach dem Schauen eines Tutorials immer noch nicht klappen, liegt dies nicht gezwungenermaßen an Ihrem Kind – möglicherweise hat sich auch der Macher des Tutorials geirrt.

Videoplattformen wie YouTube sollten Sie zuerst gemeinsam nutzen, da Ihr Kind hier schnell auf beängstigende oder verstörende Inhalte stoßen kann. Für jüngere Kinder empfehlen wir Einstellungsmöglichkeiten wie den “Eingeschränkten Modus” oder die App YouTube-Kids. Wenn Ihr Kind die Risiken im Netz kennt und sich darin Ihrer Meinung nach bewusst bewegt, sollten Sie ihm auch den Freiraum geben, selbstständig online zu sein.

Krasser Stoff! Ist der erfolgreiche Gangster-Rap wirklich was für Jugendliche?

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Dr. Daniel Hajok.

Mit dem Eklat um Farid Bang und Kollegah bei der letzten ECHO-Verleihung ist der Gangster-Rap wieder in die öffentliche Diskussion gelangt. Eltern, die bei ihren Kindern nur allzu oft eine Begeisterung für Hip-Hop beobachten, fragen sich angesichts der monierten krassen Texte, ob das, was heute vor allem via YouTube, Ohrenstöpsel und Konzertbesuche zur Jugend dringt, nicht doch eine ernste Gefahr fürs Heranwachsen ist.

Hip-Hop als Jugendkultur

Mit seinen Wurzeln in den afroamerikanischen Ghettos der USA ging es im Hip-Hop schon in den 1970er-Jahren um ‚harte Themen‘, um gesellschaftliche Missstände, soziale Ungleichheiten und anderes mehr. Künstlerisches Ausdrucksmittel war von Beginn an nicht nur die Wortgewalt des Sprechgesangs (Rap), auch das DJing, Breakdancing und Graffiti förderten den Aufstieg des Hip-Hop zu einer bedeutenden Subkultur, mit der sich zunächst die sozial benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen US-amerikanischer Großstädte identifizierten.
Kommerziellen Erfolg und Popularität über die Landesgrenzen hinaus erreichte Hip-Hop, als die Rapmusik auf Tonträger und ins Radio kam. Schnell wurde so auch die Begeisterung der Jugendlichen in anderen Ländern geweckt: Hip-Hop mauserte sich weltweit zur wichtigsten musikbezogenen Jugendkultur – und ist dies bis heute geblieben. In Deutschland bildete sich die Szene in den 1980er-Jahren heraus. Die Anhängerschaft wuchs in der folgenden Zeit weiter an und in den 1990er-Jahren hatten die ersten Rapper mit deutschsprachigen Texten großen kommerziellen Erfolg.

Gangsta-Rap als erfolgreiches Genre

Viele Eltern sind beim Hören der Texte von Kollegah, Bushido & Co. entsetzt. Dennoch ist Gangsta-Rap längst auch in Deutschland ein sehr bedeutendes und zugleich jugendaffines Hip-Hop-Genre. Stilmerkmale sind eine krasse Sprache und ein von ‚männlicher Härte‘ geprägtes Gebaren der Protagonisten. Zwar dreht sich auch hier einiges um gesellschaftliche Missstände und soziale Ungleichheiten, im Mittelpunkt steht aber oft die Inszenierung der Stars der Szene mit Dingen, die man mit Blick auf die eigenen Kinder nun wirklich nicht will: Gewalt und Kriminalität, Abwertung Schwächerer und Aufwertung des Egos mit Macht und Status an sich.
Die deutschen Gangster-Rapper haben oft Migrationshintergrund und in ‚Problemvierteln‘ unserer Großstädte Ausgrenzung und Desintegration erfahren. Das Identifikationspotenzial ist also für Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen besonders hoch. Der kommerzielle Erfolg des Gangster-Rap geht nicht zuletzt auf die zunehmende Begeisterung bei Jugendlichen aus ‚gutem Hause‘ zurück. Auch hier mögen viele die fetten Beats und die Wortgewalt der von Geld, Autos und Frauen umgebenen Stars. Per Gangster-Rap können sie jederzeit in die faszinierende Welt von ‚Sex and Crime‘ eintauchen und sich so von ihren Eltern abgrenzen.

Wann hört der Spaß auf?

Gangster-Rap bietet unseren Kindern oft sehr fragwürdige Identitätsentwürfe. Er beeinflusst sie aber nicht per se negativ. Ebenso übernehmen die meist jugendlichen Fans die transportierten Werte, etwa von der Macht des Stärkeren und Frauen als Sexobjekt, nicht eins zu eins in ihr Leben. Vielerorts regen die Texte auch zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst an und eröffnen Diskussionen in der Clique zu sozialen Missständen und Kriminalität in problematischen Großstadtmilieus.
Ein besonderes Gefährdungspotenzial hat Gangster-Rap dann, wenn er mit seiner Musik und dem verbalen Kräftemessen der coolen Stars Jugendliche anspricht, in den Texten und Videoclips aber Gewalt, kriminelle Lebensstile, Drogenkonsum, Homophobie und Frauenverachtung als nachahmenswert und Erfolg versprechend darstellt – und eben nicht kritisch hinterfragt werden. In diesen Fällen können Jugendliche durchaus in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigt oder sogar gefährdet werden.

Was können Eltern tun?

Auch beim Gangster-Rap stehen Sie vor der Schwierigkeit, ihren Kindern die Vorlieben nicht unreflektiert ‚madig zu machen‘ und dennoch eine klare eigene Haltung zu zeigen. Um sich dieser bewusst zu werden, sollten Sie sich zunächst fragen: Mit welcher Musik habe ich mich damals von meinen Eltern abgegrenzt? Wie stehe ich zu den Darstellungen von Gewalt, Kriminalität und Diskriminierung? Welche negativen Einflüsse auf die Entwicklung meines Kindes befürchte ich? Kann ich ihrer/seiner Vorliebe auch etwas Positives abgewinnen?
Auf alle Fälle sollten Eltern den Umgang ihrer Schützlinge mit Musik nicht gänzlich aus dem Auge verlieren, ihn sogar zum Anlass für Gespräche nehmen. Was mag mein Kind überhaupt am Gangster-Rap – und was nicht? Wie steht es selbst zu den Texten und den Bildern der Clips? Um den eigenen Kindern die Grenzen des Tolerierten aufzeigen und im Alltag auch durchsetzen zu können, sollten Sie als Eltern auch die wichtigsten gesetzlichen Regeln kennen und von den Möglichkeiten eines angemessenen erzieherischen Umgangs wissen. Hierfür bieten sich z.B. die Aufbereitungen zum Thema durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) an.

 

Zum Autor:
Dr. Daniel Hajok ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler. Er arbeitet als Gutachter, Empiriker, Seminar-/Workshopleiter und Fachautor. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Medien, Gesellschaft und Soziale Arbeit, Kinder- und Jugendmedienschutz, medienpädagogische Forschung und Praxis.

Unboxing – Unterhaltung, Information oder Produktwerbung?

An Weihnachten packen wir nicht nur selbst Geschenke aus, sondern schauen auch immer wieder anderen dabei zu. Das kann richtig Spaß machen. Was befindet sich in der Geschenkverpackung und wie reagiert die Person darauf? Etwas ähnliches passiert in sogenannten Unboxing-Videos das ganze Jahr über. In den Videos zeigen Menschen, wie sie etwas auspacken. Meistens Produkte, die sie zuvor bestellt haben. Auf Videoportalen wie YouTube sind solche Videos besonders beliebt und werden von Millionen von Menschen angeschaut. Doch wer ein Unboxing-Video einmal gesehen hat, wird schnell feststellen, dass die Unterscheidung zwischen Werbung und Unterhaltung dabei nicht immer leicht fällt.

Was ist ein Unboxing-Video?

Unboxing-Videos (to unbox = Auspacken) sind Online-Videos, in denen eine Person ein Produkt aus seinem Originalkarton enthüllt. Dabei zeigt das Video hautnah, wie das bestimmte Produkt der Verpackung entnommen und anschließend bis ins kleinste Detail den Zuschauern vorgestellt, dabei kommentiert und meist ausprobiert wird.

Unboxing-Videos erscheinen häufig im sogenannten Vlogging-Stil und haben Merkmale eines Erklärvideos. Ausgepackt werden in den Videos häufig technische Geräte wie Smartphones, Konsolen oder Tablets, aber auch Spielzeuge, Lebensmittel oder Kleidungsstücke finden in ihnen einen Ort der Präsentation.

Warum faszinieren Unboxing-Videos?

Die Gründe für die Faszination der Unboxing-Videos sind sehr unterschiedlich. Einer der Gründe dürfte sein, dass die Zuschauer von dem Gefühl etwas auspacken zu dürfen nicht genug bekommen und das sogar so sehr, dass sie anderen Menschen dabei zusehen – das spart nebenbei sogar Zeit und Geld. Es geht aber auch darum, einen ersten Eindruck von einem neuen Produkt zu erhalten, für welches die Zuschauer sich interessieren. Aber anders als Werbung des Herstellers, kommentieren und bewerten die „Unboxing-Producer“ auf scheinbar offene und ehrliche Weise. Ein weiteres Motiv ist die Möglichkeit zur Interaktion in einer Community, in der Rückfragen zum Produkt, Kommentare sowie Meinungen geteilt werden können. Dies hilft auch dabei, sich mit einem Produkt zu identifizieren oder sich klar davon abzugrenzen.

Worauf sollten Sie achten, wenn Ihr Kind Unboxing-Videos selbst erstellen will?

Es gibt nicht viel, worauf Sie als Elternteil bei einem Unboxing-Video achten müssen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass ihr Kind ein Original-Produkt und nicht etwa eine Fälschung präsentiert, da der Markeninhaber ein begründetes Interesse daran hat, dass ihm nicht fremde bzw. gefälschte Produkte zugeschrieben werden und somit der Marke schaden könnten. Sollte sich Ihr Kind dafür interessieren, ein Video zu erstellen, dann begleiten Sie es dabei, präsentieren Sie bspw. ein Spiel, von dem Sie überzeugt sind und erfahren Sie die Welt der Spiele mal auf eine ganz andere Weise.

Fazit

Unboxing-Videos bieten viele Möglichkeiten. Von der Faszination des Auspackens, über ein reines Informieren bis hin zur Interaktion können dabei verschiedene Interessen bedient werden. Dennoch sollte stets ein wachsames Auge dabei sein, wenn Kinder sich solcher Videos bedienen oder sie selbst erstellen. Denn Unboxing-Videos sind auch Werbung und Konsumabsichten können schnell ungefiltert an ihr Kind gelangen. Besprechen Sie also das Gesehene und sensibilisieren Sie Ihr Kind für etwaige Werbeabsichten. Viele Influencerinnen und Influencer bezeichnen das Erstellen von ihren Videos auch als Beruf, da sie für das Zeigen und Ausprobieren der Produkte von Unternehmen bezahlt werden. Wie auch bei vielen weiteren Aktivitäten im Netz, sollten Sie Ihr Kind beim Schauen der Videos begleiten. Wenn Sie das beachten, steht dem Spaß beim Zuschauen nichts im Weg. Packen -äh- probieren Sie es doch auch mal aus!

Ganz nebenbei…

  • Die Informationswebsite Yahoo Tech brachte bereits im Jahr 2006 das erste richtige Unboxing-Video auf den Markt und präsentierte in diesem das Handy Nokia E61.
  • Das Interesse für Unboxing scheint mittlerweile so groß, dass bereits ein privater Fernsehsender darauf aufmerksam wurde und dem ganzen Thema eine eigene Unboxing-Show für Kinder widmet.

Kinder und Jugendliche brauchen Schutz – auch im Umgang mit Medien

Sie als Eltern sorgen für Ihre Kinder und möchten sie vor schlechten Einflüssen schützen. Wussten Sie, dass Ihnen dabei auch unser Grundgesetz hilft?
Es bestimmt, dass der Staat die Persönlichkeitsrechte aller Menschen zu schützen hat. Bei Kindern und Jugendlichen zählt dazu, sie vor Einflüssen von Medien zu schützen, die für ihre Entwicklung schlecht oder gefährlich sein können. Die genauen Regelungen des Jugendmedienschutzes sind in verschiedenen Gesetzen festgelegt, vor allem im Jugendschutzgesetz und im Jugendmedienschutzstaatsvertrag.

Das Grundgesetz legt auch fest, dass Sie als Eltern letztlich entscheiden, was für Ihr Kind das Beste ist. Das bedeutet, dass Eltern ihren Kindern auch entgegen den Regeln des Jugendmedienschutzes Zugang zu Medien verschaffen dürfen. Für Sie ist der Jugendmedienschutz also eine Hilfe, an der Sie sich orientieren können, wenn es um den Umgang mit Medien in der Familie geht.

Altersfreigaben

Als Orientierungsrahmen hat der Jugendmedienschutz Richtlinien, an die sich die Medienschaffenden und die Händler halten sollen. Gleichzeitig sind sie aber auch für Familien hilfreich. Dazu zählen z. B. die Altersfreigaben für Medien, die seit Jahrzehnten aus dem Kinobereich bekannt sind, die es aber auch für DVDs und Computerspiele gibt. Die vorgesehenen Altersfreigaben sind „freigegeben ohne Altersbeschränkung“, „ab 6“, „ab 12“, „ab 16 Jahren“ und „keine Jugendfreigabe“. Im Fernsehen sind die Altersfreigaben an einer Ansage wie dieser zu erkennen: „Die folgende Sendung ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.“

Wichtig ist, dass Altersfreigaben keine Altersempfehlungen sind. „Frei ab 12 Jahren“ bedeutet nicht, dass ein Computerspiel für Zwölfjährige besonders geeignet ist, sondern lediglich, dass das Spiel die Entwicklung dieser Altersgruppe nicht beeinträchtigt oder gefährdet.

In der Familie können Sie die Altersfreigaben für Filme oder Computerspiele sehr gut als Gesprächsanlass nutzen, um mit Ihren Kindern zu besprechen, was ihnen an einem Medium gefällt und wie sie mit schwierigen Inhalten umgehen. Sie haben bei solchen Gesprächen die Chance, zu erkennen, was Ihr Kind tatsächlich überfordert oder es verängstigt und können dann entsprechend reagieren.

Jugendmedienschutz im Internet

Im Internet ist es mit dem Jugendmedienschutz schwieriger als bei anderen Medien, weil das Internet ein weltweites Medium ist, deren Inhalte man nicht durch nationale Gesetze ausreichend kontrollieren kann. Filterprogramme sperren jugendgefährdende Inhalte auf den heimischen Geräten. Es gibt dabei aber keinen hundertprozentigen Schutz. Außerdem werden andere Risiken wie die Kommunikation der Nutzer untereinander nicht ausreichend abgedeckt. Filterprogramme können daher den Internetumgang in der Familie zwar unterstützen, aber Sie sollten sich nicht ausschließlich auf diese verlassen. Achten Sie darauf, die Sicherheits- und Alterseinstellungen der Angebote und Dienste wie Suchmaschinen, Videoplattformen oder innerhalb von Apps kennenzulernen und entsprechend des Alters Ihres Kindes zu nutzen. Sollten Sie im Internet auf illegale oder jugendgefährdende Internetinhalte stoßen, können Sie diese bei der FSM-Beschwerdestelle melden. Die Mitarbeiter überprüfen diese auf einen möglichen Verstoß und leiten die notwendigen Schritte ein.

Hilfreich ist es, Kindern geeignete und altersgerechte Internetangebote vorzustellen und Sie dabei anzuleiten, solche Angebote selbst zu finden. Dabei sind Kindersuchmaschinen wie blinde-kuh.de und fragFINN.de eine große Hilfe. Besonders in Familien mit jüngeren Kindern ist es ratsam, eine der Kindersuchmaschinen als Startseite einzurichten, so dass sich Kinder nach dem Starten des Browsers in einer vertrauten Umgebung befinden, in der sie selbstständig nach altersgerechten Seiten suchen können. Auch Empfehlungsdienste für pädagogisch geprüfte Kinderseiten wie gutes-aufwachsen-mit-medien.de, klick-tipps.net oder seitenstark.de sind für Eltern und Kinder gute Startpunkte, um sichere und pädagogisch wertvolle Angebote im Netz zu finden.

„Was denken andere wohl wirklich über mich?“ – Die App Tellonym soll Antworten geben

Gerade Teenager messen der Meinung von Gleichaltrigen große Bedeutung bei. Das erklärt wahrscheinlich die Beliebtheit einer App wie Tellonym. Doch neben wertschätzenden und netten Kommentaren können deren Nutzerinnen und Nutzer von anderen anonym beleidigt und beschimpft werden. Nutzt Ihr Kind diese App, sollten Sie sich über deren Handhabung und damit verbundenen Risiken wie z. B. Cybermobbing informieren.

Kurz gefasst:

  • Soziales Netzwerk mit Firmensitz in Berlin
  • anonyme Bewertungs- und Frageplattform
  • laut USK ab 12 Jahren
  • kostenlos, enthält jedoch Werbung
  • hohes Potential für Cybermobbing vorhanden
  • verfügbar als App für die Betriebssysteme iOS und Android sowie als Webbrowser
  • Angaben zu Nutzerzahlen variieren von 2 bis 8 Millionen

Was ist das?

„Tellonym ist der ehrlichste Ort im Internet. Finde heraus, was deine Freunde von dir halten, beantworte anonyme Fragen und frage andere Dinge, die du dich zuvor nie getraut hast!“

Mit diesem Slogan wirbt die App Tellonym in den App-Stores um neue Nutzer. Bei Tellonym holt man sich von Freunden und Fremden anonym Feedback und Bewertungen ab. Gerade für Teenager ist die App attraktiv.

Die Anmeldung erfolgt über die eigene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, woraufhin man einen Link zum Weiterversenden an Freunden und Bekannte erhält. Diese könnten dann – auch anonym – einen Kommentar auf dem eigenen Profil hinterlassen, ohne sich extra registrieren zu müssen. Kommentare sind vorerst nur für denjenigen sichtbar, der sie erhält. Antwortet dieser darauf, so erscheint der Kommentar öffentlich im eigenen Profil. Neben positiven Kommentaren wie Komplimenten kommt es auch zu negativen, sogenannten „Tells“, in denen Nutzer andere Nutzer beleidigen oder sexuell bedrängen.

Um auf einfache Weise zu sehen, was auf den Profilen anderer Tellonymer passiert, kann man anderen Nutzern folgen. Das geht auch anonym, indem man nach dem Klick auf „Folgen“ innerhalb von drei Sekunden nochmal auf den Button „anonym“ klickt. Die Followerzahl passt sich trotzdem sichtbar an. Es gibt auch die Möglichkeit, das eigene Konto mit Instagram, Twitter oder Snapchat zu verbinden oder sein Konto mit den eigenen Telefonkontakten zu synchronisieren. Damit wird jedoch sehr in die Privatsphäre eingegriffen, weshalb aus Datenschutzgründen von der Aktivierung dieser Funktion abzuraten ist.

Was ist problematisch?

Zur Altersempfehlung der App gibt es je nach Anbieter unterschiedliche Angaben (USK: 12 Jahre, iTunes Play Store: 17+ Jahre). Laut den AGB bei Tellonym selbst benötigt man bei Minderjährigkeit zur Anmeldung die elterliche Erlaubnis und muss mindestens 13 Jahre alt sein. Registriert man sich bei der App, muss man jedoch lediglich zwischen „Ich bin 16 oder älter“ bzw. „Ich bin jünger als 16“ wählen. Gibt man an, unter 16 Jahre alt zu sein, wird das elterliche Einverständnis eingefordert, aber nicht überprüft. Als Eltern können Sie am besten einschätzen, ob Ihr Kind der Umgang und die Risiken der App bereits zuzutrauen ist.

Am bedenklichsten ist die Gefahr des Cybermobbings über die App. Da man Tells anonym verfassen kann, also unter dem Schutz, nicht erkannt zu werden, sinkt bei einigen Nutzerinnen und Nutzern die Hemmschwelle, andere anzugreifen, zu beleidigen oder mit sexuellen Kommentaren zu belästigen.

Was sagt der Anbieter?

Die Anbieter von Tellonym sind sich der Problematik des Cybermobbings bewusst und geben Eltern auf ihrer Webseite Tipps zum Schutz vor Angriffen. So kann der Empfang von komplett anonymen Nachrichten von nicht-registrierten Usern deaktiviert werden. Bestimmte Wörter sowie Absender bestimmter Nachrichten lassen sich blockieren. Dies ist jedoch nicht zu 100% möglich, wenn der Absender oder die Absenderin nicht bei Tellonym registriert ist. Deshalb empfiehlt es sich, den Empfang von anonymen Nachrichten nicht-registrierter User komplett zu deaktivieren. Nachrichten kann man auch melden, wenn sie gegen die AGB von Tellomym verstoßen. Laut eigener Aussage werden gemeldete Beiträge geprüft und gegebenenfalls gelöscht.

Allgemein soll jede verschickte Nachricht einen Filter durchlaufen – wie genau dieser arbeitet, bleibt jedoch unklar. Tellonym weist auf die Schwierigkeit einer guten Balance zwischen Zensur und Schutz hin.

Was sollten Eltern beachten?

Ihr Kind möchte die App nutzen oder ist bereits begeisterter Tellonymer? Horchen Sie bei ihm nach, aus welchen Gründen es die App nutzen möchte und ob es sich der möglichen Risiken bewusst ist. Gerade wenn Ihr Kind jünger als 16 Jahre ist, sollten Sie die App gemeinsam mit kennenlernen, sich die Sicherheitseinstellungen ansehen und anpassen. Gute und bildliche Anweisungen dazu finden Sie bei Klicksafe.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es tun kann, wenn es mit Cybermobbing oder ähnlichem in Kontakt gerät und unangenehme oder beleidigende Nachrichten erhält.

Amazon Prime Video

Für viele ist der Online-Versandhändler Amazon aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Menschen nutzen auch seinen digitalen Videostreaming-Dienst Prime Video, umgangssprachlich auch Amazon Prime genannt (wobei hierunter mehrere Angebote fallen).

Kurz gefasst:

  • Videostreaming-Dienst im Internet
  • Vielzahl an Filmen und Serien abrufbar
  • Voraussetzung zur Nutzung ist ein Amazon-Konto und Internet-kompatibles Gerät
  • Angebot für 7,99 € monatlich oder 69,00 € jährlich erhältlich
  • integrierte Jugendschutz-Optionen

Was ist Prime Video?

Wie auch bei anderen Videostreaming-Diensten bietet Prime Video die Möglichkeit, eine Vielzahl an Filmen und Serien zeitlich und örtlich ungebunden zu kaufen, auszuleihen und anzuschauen. Dafür meldet man sich kostenpflichtig bei amazon.de mit einem eigenen Benutzerkonto an. Das Teilen einer Mitgliedschaft ist bei Prime Video nicht möglich.
Die Filme und Serien lassen sich über einen Webbrowser oder andere internetfähige Geräte (wie z. B. ein Smart-TV Gerät, Spielekonsole oder Smartphone) und der Prime-Video-App ansehen. Dass man für einige Filme und Serien nochmals extra zahlt, liegt daran, dass viele neue Titel erst einmal nicht umsonst erhältlich sind.

Die meisten Videos sind mit den gesetzlichen Alterseinstufungen der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) gekennzeichnet. Es gibt einen eigenen Bereich für Kinderinhalte. Die dort zu findenden Serien und Filme sind neben anderen Kategorisierungen in die Altersgruppen 2-5 Jahre, 6-8 Jahre und 9-11 Jahre unterteilt. Um Videoinhalte mit FSK18-Einstufungen anschauen zu können, muss man die eigene Volljährigkeit mithilfe des Ausweises oder Reisepasses und einer Bankverbindung nachweisen.

Prime Video bietet darüber hinaus einige Sicherheitseinstellungen für Ihr Kind. Dafür legt man eine fünfstellige Prime Video-PIN für das eigene Benutzerkonto an.
Mittels der Prime Video-Kindersicherung lassen sich Beschränkungen für Videoinhalte festlegen, die auf dem verbundenen Gerät gekauft oder abgespielt werden können. Außerdem kann man die Option Kaufbeschränkungen durch einen PIN für Einkäufe nutzen, sodass das Kind nicht eigenständig den Kauf von Prime Video-Filmen und Serien vornehmen kann. Darüber hinaus gibt es Wiedergabebeschränkungen, mit denen man das Abspielen von Videos aus bestimmten Alterskategorien blockieren kann.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Ganz egal, wie alt man ist – bei Prime Video finden sich angesagte Serien und Filme für jeden. Stellt man keine Kindersicherung ein, so haben Minderjährige unbegrenzten Zugriff auf Inhalte, die nicht für ihr Alter geeignet sind und sie ängstigen und überfordern können. Viele Serien und Filme haben ein FSK-Alterskennzeichen, aber nicht alle. Diese können Kinder und Jugendliche ungehindert ansehen, da die Kindersicherung bei diesen nicht greift.
Wie bei vielen Streaming-Angeboten ist der Reiz des ständigen Weiterschauens auch bei Prime Video sehr hoch. Darauf sollten Sie Ihr Kind aufmerksam machen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Was sagt der Anbieter?

Nach eigenen Angaben verwendet Prime Video die Einstufungen der FSK als Grundlage für die Kindersicherungseinstellungen. Liegen für z. B. sehr neue Filme oder Serienfolgen keine FSK-Einschätzungen vor, so gibt es auf der Webseite keine Angaben darüber, ob und nach welchen Kriterien die Alterseinstufungen selbst oder von Drittanbietern vorgenommen werden.

Was sollten Eltern beachten?

Sie möchten Prime Video in Ihren Familienalltag integrieren? Dann sollten Sie auf die Altersfreigaben der Filme und Serien achten, die Kinder-bzw. Jugendschutzoptionen entsprechend einstellen und PIN-Codes verwenden. Um sicher zu gehen, dass die Inhalte wirklich für Ihr Kind geeignet sind, schauen Sie die Filme oder Serien, die Ihr Kind sehen möchte, vorab an.
Sich zusammen einen Film ansehen, kann ein schönes Familienerlebnis sein. Gerade bei jüngeren Kindern (mind. bis zehn Jahren) ist das grundsätzlich zu empfehlen, sodass sich Ihr Kind bei gruseligen oder bedenklichen Inhalten nicht allein gelassen fühlt.
Achten Sie außerdem darauf, dass Prime Video und die Mediennutzung überhaupt nur eine Aktivität von vielen anderen Freizeitbeschäftigungen für Ihr Kind sein sollte.
In  unserer Videoreihe „Sie fragen – wir antworten“ erklärt unsere Medienpädagogin Melanie Endler, warum man Kinder beim Serienschauen nicht alleine lassen sollte:

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https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=kLyG6-nQXAk_%_

Mehr Videos finden Sie hier.

Videostreaming: Das neue Fernsehen?!

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, wenn der Tag, an dem eine neue Folge Ihrer Lieblingsserie im Fernsehen lief, näher rückte und Sie alles so geplant haben, um pünktlich vor dem gemeinsamen Familienfernseher im Wohnzimmer zu sitzen? Dieses Szenario gehört dank Mediatheken, Netflix und Co. größtenteils der Vergangenheit an.

Was ist Videostreaming?

Immer mehr Kinder und Jugendliche sehen heute Videos, Filme und Serien online über legale Streaming-Dienste. Dieses nicht-lineare Fernsehen macht es möglich, dann zu schauen, wenn man gerade möchte mit dem Gerät seiner Wahl – ob Smartphone, Computer oder einem internetfähigen Smart-TV.

Das Angebot dafür ist riesengroß: Es gibt kostenpflichtige Online-Videotheken wie Netflix oder Amazon Prime und kostenlose Videostreaming-Plattformen wie YouTube mit von Nutzern selbst produzierten Inhalten. Auch viele Fernsehsender stellen ihre Sendungen kostenlos oder teilweise kostenpflichtig über eigene Mediatheken bereit. Einige Sender bieten außerdem einen Livestream an, so dass man sich – wie beim traditionellen analogen Fernsehen – das aktuell laufende Programm online anschauen kann.

Diese große Auswahl steht natürlich auch Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Wenn sie ein eigenes Smartphone, einen Tablet oder Computer mit Internetzugang oder sogar einen Smart-TV (Fernseher mit Internetanschluss) haben, lässt sich kaum kontrollieren, was und wie viel sie sehen.

Streaming bedeutet, sich Inhalte anschauen zu können, ohne diese auf das eigene Gerät herunterladen und abspeichern zu müssen. Teilweise ist es auch möglich, sich einzelne Filme oder Serien herunterzuladen und sie offline abzuspielen.

Was begeistert Kinder und Jugendliche daran ?

Attraktiv ist die große Vielfalt an aktuellen und ausgewählten Serien, Filmen und Dokumentationen, die theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit angeschaut werden können. Für Kinder und Jugendliche ist es inzwischen normal, sich die Lieblingssendung nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ansehen zu müssen, wie es beim „normalen“ Fernsehen der Fall ist. Außerdem kann man  sich einfach eine neue Folge der Lieblingsserie anschauen, während man z. B. im Bus oder in der Bahn sitzt.

Was sollte man beachten?

Wie auch beim Fernsehprogramm gibt es auf Streaming-Portalen Filme und Videos mit Inhalten, die nicht für Kinder geeignet sind und sie verängstigen können. Aber auch Streaming-Dienste unterliegen dem „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ und müssen die gesetzlichen Freigaben der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) übernehmen. Gibt es für Filme oder Serienfolgen keine FSK-Bewertung, müssen sie die Altersbewertungen selbst vornehmen und sich dabei auch an deutsches Recht halten.

Die Kriterien für selbst vorgenomme Altersfreigaben sind nicht unbedingt ersichtlich. Machen Sie sich deshalb unbedingt über die Möglichkeiten des Kinder-bzw. Jugendschutzes des jeweiligen Streaminganbieters schlau und nutzen Sie die angebotenen Funktionen und Einstellungen wie Passwörter und PINs. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Beschreibungen der Dienste Netflix und Amazon Prime Video.

Legen Sie bestimmte Zeitfenster fest, in denen geschaut werden darf. Die Medienzeit sollte immer nur eine von vielen anderen, nicht-medienbezogenen Aktivitäten sein. Wenn Sie nicht sicher sind, wie viel Zeit Ihr Kind vor dem Fernseher oder Laptop verbringen sollte, finden Sie hier auf der Website mehr Informationen.

Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Lieblingsserien oder Filmen und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Je nach Alter Ihres Kindes sollten Sie Filme und Videos zusammen anschauen, sodass Ihr Kind für den Fall, dass es doch etwas Gruseliges oder Bedenkliches darin gibt, nicht damit allein gelassen ist.

Der Filmabend mit der ganzen Familie kann auch ein schönes gemeinsames Erlebnis und Ritual sein. Hier können Sie gemeinsam Spaß haben und bekommen mit, wie Ihr Kind auf bestimmte Inhalte reagiert.

Beliebte Spiele: Fortnite

Fortnite gehört seit einiger Zeit zu den beliebtesten Spielen unter Jugendlichen. Dass das Spiel erst ab 12 Jahren freigegeben ist, interessiert die jüngeren Spieler wohl kaum.

Kurz gefasst:

  • Videospiel von EPIC Games
  • Mindestalter laut Anbieter und nach USK: 12 Jahre
  • kostenlose App für Android und iOS oder kostenpflichtige Spielversion für Computer und Konsolen
  • enthält In-App-Käufe

Was ist Fortnite?

Fortnite ist ein sogenanntes Battle-Royale-Spiel, in dem gegeneinander gekämpft wird. Es gibt aktuell drei Spielvarianten: Im kostenpflichtigen Modus „Save The World“ muss man mit anderen Spielern eine Festung aufbauen, um die letzten menschlichen Überlebenden vor Zombies zu schützen. Weitaus bekannter und beliebter ist die kostenlose Variante „Fortnite Battle Royale“, in der es darum geht, alle Mitspieler zu töten, um selbst zu überleben. Es gibt auch einen Kreativmodus, der in unserem Beitrag Kreativ mit Fortnite und Minecraft vorgestellt wird.

Auch wenn Waffengewalt die einzige Handlungsoption ist, enthält Fortnite keine detaillierten Gewaltszenen. Im Spiel selbst fließt kein Blut und es gibt keine Leichen zu sehen. Sobald man stirbt, wird man aus der Welt teleportiert und kann erst in der nächsten Runde von vorne starten. Auch die Cartoon-Optik des Spiels verharmlost die Gewaltszenen.

Fortnite können Jugendliche alleine oder mit bis zu drei Mitspielern spielen. Dabei unterhalten sie sich über Headsets. Fortnite Battle Royale gibt es als kostenlose App für mobile Geräte.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an diesem Angebot?

Vor allem Kinder und Jugendliche sind von Fortnite fasziniert. Selten hat ein Spiel einen so großen Hype ausgelöst, sicherlich auch weil es kostenlos und über verschiedene Plattformen spielbar ist. Besonders für Anfänger ist es leicht, in das Spiel einzusteigen, da keine Vorkenntnisse nötig sind. Wenn mit Freunden gemeinsam gespielt wird, kommt die Absprache und Interaktion innerhalb eines Teams dazu. Diese Faktoren erzeugen eine Mischung aus Sucht und Emotionalität, wenn eine Runde beispielsweise kurz vor dem Ende verloren wird. Die witzigen Details wie die Freudentänze der Spielfiguren erweitern den Spielspaß.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Wegen der Altersfreigabe ab 12 Jahren ist Fortnite stark in der Kritik. Die Gewaltszenen werden zwar comichaft und verharmlost dargestellt, dennoch ist es Ziel des Spiel, sich gegenseitig umzubringen. Besonders Kinder und Jugendliche könnten dieses Bewusstsein sehr schnell verlieren.

Da sich die Figuren in Fortnite schnell „umbringen“ lassen, kann schon in kurzer Zeit Frust entstehen, wenn es den eigenen Helden trifft. Fortnite ist zudem sehr stressig, da man ständig auf der Hut sein und seine Umgebung nach Bedrohungen abscannen muss. Manche Kinder sind sehr anfällig für solchen Stress und könnten sich dadurch schnell überfordert fühlen.

Um Fortnite spielen zu können, musst man einen Account bei EPIC Games anlegen. Dafür ist die Angabe einer E-Mail-Adresse und notwendig. Das Alter wird nicht abgefragt.
Bei Fortnite spielt man weltweit gegen andere Spielerinnen und Spieler jedes Alters. Der Spielechat lässt sich nicht ausschalten und man kann nicht auswählen, gegen wen man spielt.

Das Spiel ermöglicht den Kauf von virtueller Währung, sogenannten V-Bucks. Damit können virtuelle Gegenstände wie Outfits, Siegestänze oder auch ein Zugang zu wöchentlichen Herausforderungen gekauft werden. Diese Gegenstände und Funktionen sind für das Spiel zwar nicht notwendig, aber gerade für Kinder und Jugendliche spannend. Die Zusatzpakete kosten aktuell zwischen 9,99 und 99,99 €.

Stiftung Warentest nahm Fortnite 2019 unter die Lupe und bewertete das Spiel mit „Inakzeptabel“. Grund dafür ist, dass beim Spielen andere Mitspieler erschossen werden, sodass es sich nicht um kindgerechte Inhalte handelt. Zudem fanden sich rechtsextreme Nutzernamen und sehr teure In-App-Käufe. Werbung findet sich jedoch keine.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter informiert über die USK-Einordnung des Spiels und gibt Eltern Hinweise zum Umgang mit Fortnite. Zum Problem der In-App-Käufe äußert sich EPIC Games nicht.

Was sollten Eltern beachten?

Kinder unter 12 Jahren sollten das Spiel auf keinen Fall spielen. Wenn Ihr Kind älter ist und den Wunsch hat, Fortnite zu spielen, sehen Sie sich das Spiel selbst vorher an und entscheiden Sie, ob es reif genug dafür ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum es Fortnite spielen möchte. Spielen Sie gemeinsam und lassen sich erklären, worum es geht.

Versuchen Sie auch Ihrem Kind bewusst zu machen, dass es in Fortnite um Gewalt geht und sie diese nicht unterschätzen dürfen. Das heißt aber nicht, dass Computerspiele unbedingt gewalttätig machen.

Seien Sie als Ansprechpartner da, wenn Ihr Kind auf unangemessene Inhalte oder unangenehme Mitspieler stößt. Spieler, die sich unangebracht verhalten, können über das Spielmenü gemeldet werden.

Vereinbaren Sie Regeln und Spielzeiten. Da es keine Pause-Funktion bei Fortnite gibt, würden Sie Ihrem Kind mit der Ansage „Nur noch 5 Minuten“ keinen Gefallen tun. Vereinbaren Sie deshalb eine Rundenanzahl. Einzelne Runden in Fortnite dauern im Schnitt 10 bis 25 Minuten.

Problematisch ist die Kommunikation mit Fremden via Headset. Um mitzubekommen, wer auf welche Weise mit Ihrem Kind kommuniziert, sollten Sie die alternative Tonausgabe über den Fernseher aktivieren. Diese Einstellungsmöglichkeit finden Sie in den Settings der jeweiligen Konsole.

In einem Artikel, der auf ZEITonline erschienen ist, erklärt ein Vater, wie Fortnite funktioniert und was ihn und seine Kinder daran begeistert.

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