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Medien – voll unsozial?

“Bloß kein Smartphone in der Schule! Sonst gucken die Kinder in den Pausen nur auf ihre Displays, statt miteinander zu spielen und zu sprechen.” Obwohl man von sozialen Medien spricht, gibt es die Angst, dass Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene immer weniger direkt miteinander sprechen, weil sie die ganze Zeit mit ihren Smartphones beschäftigt sind.

Machen Medien wirklich unsozial?

Für viele ist es bereits normal, beim gemeinsamen Treffen mit Freunden ab und zu auf das Smartphone zu linsen. Gleichzeitig haben vielleicht auch Sie Ihr Kind schon einmal ermahnt, nicht so lange am Handy oder der Spielkonsole zu daddeln, statt bei dem schönen Wetter draußen mit Freunden zu spielen.

Das Problem ist aber nicht das Gerät selbst, sondern unser Umgang damit! Es bietet so viele Möglichkeiten, dass wir gelegentlich unser direktes Umfeld vergessen, wenn wir das Smartphone in der Hand haben. Gleichzeitig nutzen wir soziale Medien, um uns mit Menschen, die uns gerade nicht gegenüberstehen, auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Also machen Medien eigentlich gar nicht unsozial. Wir sollten Kindern und Jugendlichen nur einen besseren Umgang damit vorleben.

Man kann beobachten, dass in Jugendgruppen scheinbar jeder für sich auf dem Smartphone rumdaddelt. Wenn man genau hinschaut, kann man aber feststellen, dass sie dabei durchaus miteinander sprechen. Es ist für uns Erwachsene nur ungewohnt. Vielleicht sollten wir akzeptieren, dass Jugendliche heute anders miteinander umgehen. In unserer Kindheit gab es schließlich keine Smartphones! Auch die Kommunikation über Messenger wie WhatsApp ist für Jugendliche sehr wichtig, denn sie brauchen den sozialen Austausch für ihre Entwicklung.

Ein anderer Aspekt ist der soziale Umgang im Netz. Wenn man sich beim “Sprechen” nicht gegenüber steht, gehen manche Dinge verloren oder man geht einfach anders miteinander um. Erfahren Sie mehr dazu in unseren Beiträgen zu Hetze im Netz und Kommunikation mit Emojis. Auch Cybermobbing kann eine unangenehme Folge des Umgangs miteinander über Social Media sein.

Auf die Nutzung kommt es an

Wir sollten besser darauf achten, was uns im Kontakt miteinander wichtig ist. Vielleicht stört es die Freundin nicht, wenn ich zwischendurch im Gespräch mit ihr auf mein Smartphone gucke. Wenn doch, sollte man das ansprechen und Regeln vereinbaren. Das gilt auch für den Medienumgang in der Familie. Eine Möglichkeit ist die gemeinsame Erstellung eines Mediennutzungsvertrags, der nicht nur Regeln zu Zeiten, sondern auch zum sozialen Miteinander in Bezug auf Medien enthält.

Wenn Sie sich als Eltern wünschen, dass Ihr Kind im Gespräch mit Ihnen und anderen, das Handy in der Tasche lässt, sollten Sie als gutes Beispiel vorangehen.

Das Sozialverhalten innerhalb der Medien sollte sich nicht grundsätzlich von dem außerhalb unterscheiden. Was man sich im persönlichen Miteinander wünscht, kann auch auf das Netz übertragen werden. Es ist toll, dass man über Social Media mit Menschen so einfach in Kontakt bleiben kann, aber das erfordert auch ein bisschen Mühe. Auch in der WhatsApp-Gruppe sollte es Regeln geben, damit die Kommunikation nicht in Stress ausartet.

Wenn Kinder und Jugendliche sich online via Messenger oder sozialen Plattformen vernetzen, können sie dort lernen, sich auszutauschen, auszudrücken und darzustellen. Auch die digitale Kommunikation ist eine Form von Interaktion.

Da Unternehmen hinter den verschiedenen Social-Media-Plattformen stehen und diese mit unserer Kommunikation Geld verdienen möchten, darf man den eigenen Schutz der Privatsphäre bei der Nutzung dieser Apps nicht aus den Augen verlieren.

Discord und Teamspeak – was ist das eigentlich?

Sie selbst nutzen wahrscheinlich WhatsApp oder einen anderen Messenger, um mit Ihrer Familie und Freunden zu schreiben, Emojis und Fotos zu verschicken. Gamer nutzen noch ganz andere Programme, über die sie am Laptop oder mit dem Smartphone während des Spielens mit anderen in Kontakt stehen. Sie heißen Discord oder Teamspeak.

Kurz gefasst:

  • Messenger-Dienste, die vor allem im Gaming-Bereich verwendet werden
  • USK-Altersfreigabe: ab 12 Jahren
  • Teamspeak ist kostenpflichtig, Discord ist in der Basisvariante kostenlos
  • als App oder Browseranwendung nutzbar

Was ist Teamspeak?

Die Plattform gibt es seit dem Jahr 2001. Schon damals wurde sie bei Online-Rollenspielen genutzt. Teamspeak bietet verschiedene Funktionen. Um über Teamspeak zu kommunizieren, verbindet sich jeder Benutzer mit einem Server. Dafür muss man im Regelfall eine monatliche Gebühr zahlen. Spieler können über diese Chat-Software parallel zum Gaming miteinander schreiben und telefonieren. Man kann mit nur einer Person kommunizieren, aber auch in Gruppen miteinander chatten und Dateien austauschen.

Die Teamspeak-App ist kostenpflichtig. Die Nutzung des Webclients kostet nichts. Wenn man ein Spiel auf einem eigenen Server spielen und Teamspeak nutzen möchte, kauft man sich virtuellen Teamspeak-Server.

Was ist Discord?

Discord ist seit dem Jahr 2015 kostenlos für alle Plattformen verfügbar. Das Angebot steht in Konkurrenz zu Teamspeak sowie anderen Betreibern von Kommunikationstools, da sich die Funktionen ähneln. Gerade gaming-interessierte Jugendliche nutzen Discord alternativ zu WhatsApp.

Auch bei Discord steht die parallele Nutzung während des Online-Spielens im Vordergrund. Sie können mit anderen Personen privat und in Gruppen telefonieren und chatten. Auch Videoanrufe und das Verschicken von Emojis sind möglich. Es gibt eine kostenpflichtige Premium-Variante (“Nitro”), die weitere Features bietet und Mediendateien schneller verschickt.

Was fasziniert Jugendliche an dem Angebot?

Das Spielen von Online-Games ist für Kinder besonders reizvoll, wenn es gemeinsam mit Freunden oder anderen Mitspielenden stattfindet. Es macht ihnen Spaß, sich mit anderen zu messen. Da das Spielen meistens alleine vor einem Bildschirm stattfindet, kann der Wunsch entstehen, sich mit anderen austauschen zu wollen. Dafür sind Teamspeak und Discord zwei gute Optionen. Durch die Möglichkeit Kanäle öffentlich oder privat anzulegen, ist Kommunikation auf unterschiedlicher Ebene möglich – zum privaten Austausch ebenso wie zur Information.

Was sollte man bei den Angeboten beachten?

Wenn Ihr Kind Gamer ist und eines der Programme nutzen möchte, sollten Sie gemeinsam entscheiden, welches geeignet ist. Recherchieren Sie zu den beiden Angeboten und probieren Sie diese, wenn möglich, vorher aus. Da beide Angebote persönliche Daten erheben, sollten Sie sich auch über die aktuellen Datenschutzregelungen schlau machen.

Von Discord nimmt man an, dass sich darüber Menschen mit rechtsextremer Gesinnung austauschen. Diese Gefahr sollten Sie im Blick haben, falls Ihr Sohn oder Ihre Tochter das Tool nutzen möchte. Wobei nicht auszuschließen ist, dass auch andere Internetprogramme zu solchen Zwecken genutzt werden.

Was meint der Anbieter?

Discord gibt an, keine Daten an Dritte zu verkaufen. Eine langfristige Datenspeicherung findet nach eigener Aussage nicht statt.

Was sollten Eltern beachten?

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die verantwortungsvolle Nutzung solcher Programme und welche Gefahren damit verbunden sind. Persönliche Daten sollten im Chat nicht an fremde Personen weitergegeben werden. Es ist zudem möglich, mit unbekannten Personen in Kontakt zu kommen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, wenn es dabei mit unangenehmen oder ängstigenden Inhalten in Kontakt kommt.

Was ist eigentlich… Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?

Eltern und Kinder kommunizieren nicht nur persönlich miteinander, sondern auch über das Smartphone. Täglich werden Text- und Sprachnachrichten, Fotos und Videos verschickt. Am liebsten wird dafür WhatsApp genutzt. Seit April 2016 benutzt die App die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Aber was ist das eigentlich?

Was passiert, wenn ich mit dem Smartphone Nachrichten schreibe?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Mama und Ben benutzen beide WhatsApp. Mama schreibt eine Nachricht an Ben: „Hallo Ben, ist die Schule schon zu Ende?“. Wenn Mama die Nachricht abschickt, wird sie als erstes an die Server von WhatsApp gesendet. Von dort wird die Nachricht dann an Ben weitergeleitet. Im Anschluss kann er die Nachricht auf seinem Smartphone lesen. Im Vergleich zur Briefpost geschieht der Austausch online in nur wenigen Sekunden.

Was ist (Ende-zu-Ende-)Verschlüsselung?

Wenn eine Nachricht verschlüsselt wird, kann der Inhalt nicht mehr gelesen werden. Erst mit dem passenden Schlüssel kann die Nachricht wieder hergestellt werden. Man kann das mit einem Brief vergleichen, das mit einem Schloss versehen ist. Nur die Person mit dem richtigen Schlüssel kann den Brief öffnen, um zu lesen was darin steht. Wenn Mama also eine verschlüsselte Nachricht an Ben schickt, kann niemand außer ihm lesen, was in dieser Nachricht steht. Das ist wichtig, weil auf dem Weg von Mamas Smartphone zu den WhatsApp-Servern und von dort weiter zu Bens Smartphone viel passieren kann. Die Nachricht könnte unterwegs z. B. von Hackern und Überwachungsdiensten mitgelesen werden. Um das zu verhindern und das Briefgeheimnis zu wahren, sollten Nachrichten verschlüsselt werden. Es können übrigens nicht nur Textnachrichten verschlüsselt werden, sondern auch Sprache, Anrufe, Fotos und Videos.
Bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist Mamas Nachricht auf dem ganzen Weg zu Bens Smartphone verschlüsselt. Der Inhalt kann nur auf den Geräten von Mama und Ben gelesen werden. Nur sie haben den notwendigen Schlüssel. Die gesamte Verschlüsselung läuft dabei automatisch ab. Man sollte am besten Anwendungen benutzen, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden. Vor allem bei den Messenger-Apps für das Smartphone gibt es eine große Auswahl. Darunter sind viele gute Alternativen zu WhatsApp, die ebenfalls Ende-zu-Ende verschlüsseln und zudem die Daten der Nutzer schützen, z. B. Threema, Telegram oder Hoccer. Oft sind allerdings Gruppennachrichten nicht verschlüsselt.

Wann ist Verschlüsselung sinnvoll?

Es ist generell sinnvoll, Informationen verschlüsselt über das Internet zu senden. Besonders dann, wenn es um sensible Informationen wie Namen, Adressen und Bankdaten geht. Bei dem Besuch von Webseiten ist es zu empfehlen, sie immer über „https://“ aufzurufen. Das „s“ hinter dem „http“ steht für „sicher“ (engl.: secure). Es bedeutet, dass die Informationen verschlüsselt ausgetauscht werden. Nicht alle Webseiten bieten diese Sicherheit an. Zahlungsdaten und andere wichtige Informationen sollten ausschließlich bei Webseiten eingegeben werden, die über „https“ aufgerufen werden können. Mit minimalem Aufwand lassen sich auch E-Mails mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versehen. Dafür ist es sinnvoll, nach einer Anleitung für das verwendete Mailprogramm zu suchen.

Snapchat

Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst zum Versenden von Fotos und kurzen Videos. Die Besonderheit: Das lustige Selfie mit den Hasenohren „verschwindet“ nach kurzer Zeit vom Smartphone des Empfängers.

Kurz gefasst:

  • kostenlose Messenger-App für Android oder iOS
  • kreative Storys mit Freunden teilen: Bilder, Videos, witzige Emoticons und Filter
  • Inhalte sind nur kurzzeitig sichtbar, es sei denn sie werden bewusst archiviert und gespeichert
  • laut Anbieter ab 13 Jahren erlaubt
  • Risiken: Screenshots von Inhalten möglich, Ortungsfunktion ermöglicht Nachverfolgung

Was ist Snapchat?

Mit Snapchat kann man Fotos und kurze Videos als Nachricht oder als Story an seine Kontakte versenden. Diese Snaps, also Schnappschüsse, sind nur für eine bestimmte Zeit sichtbar und „zerstören“ sich danach selbst. Snapchat ist eine der beliebtesten Apps bei Jugendlichen ab ca. 13 Jahren. Die Fotos und Videos können mit unzähligen Filtern bearbeitet werden. Mit der „Memorys-Funktion“ können Nutzer bestimmte Inhalte auch abspeichern.

Neben den privaten Storys von Freunden findet man auch Inhalte von Stars, Marken und News. Nutzer können über die sogenannten „Snap-Codes“ sowie auch über ihre Handynummer gefunden werden, wenn dies in den Einstellungen nicht deaktiviert wird.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche besonders an Snapchat?

Teenager nutzen Snapchat sehr gern, um sich mit ihren Freunden auszutauschen. Dazu werden statt Text einfach Bilder und Videos versendet. Die Nutzung der Spaßfilter und dass die Nachrichten nach kurzer Zeit wieder verschwinden, macht den Reiz der App aus.

Die Kommunikation über Snapchat erscheint Jugendlichen privater, da hier – im Gegensatz zu Instagram – nur mit Einzelnen oder in Gruppen Inhalte  ausgetauscht werden. Das eigene Profil beinhaltet nur Bilder und Videos, keine sonstigen Angaben.

Mit der Kartenfunktion „Snap Map“ kann man sehen, wo sich die Kontakte gerade aufhalten. Da man selbst und die Kontakte als Avatare erscheinen, wirkt die “Snap Map” wie ein Spiel.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Alle Inhalte auf Snapchat zerstören sich nicht wirklich selbst, sondern man kann sie nach einer bestimmten Zeit nur nicht mehr anschauen. Theoretisch sind sie mit etwas technischem Knowhow auf dem Gerät wieder herzustellen. Man kann auch einfach einen Screenshot eines Bildes machen – darüber wird der Versender des Bildes allerdings informiert. Trotzdem kann es dann problematisch werden, wenn Kinder und Jugendliche sehr persönliche – vielleicht sogar intime – Bilder und Videos von sich versenden und diese eventuell z. B. über Cybermobbing gegen sie verwendet werden.

Durch die Vielzahl der versendeten Inhalte ist die Kontrolle dieser  und der befreundeten Profile schwierig. Kinder und Jugendliche sollten daher genau wissen, wie sie die Melde- und Blockierfunktionen nutzen können. Das ist z. B. im Falle der unerwünschten Kontaktaufnahme besonders sinnvoll. Unter anderem deswegen kann es auch problematisch sein, die Funktion “Snap Map” frei zu geben.

Auch bestimmte Inhalte können für Jugendliche problematisch sein. Das sind nicht nur Bilder und Videos, deren Inhalte für sie nicht geeignet sind, sondern z. B. auch Werbung oder die Snaps von Marken und Produkten.

Was meint der Anbieter?

Wie bei jedem Anbieter müssen sich Nutzende an die Regeln der Plattform halten. Die Nutzung von Snapchat ist dabei nur Jugendlichen ab 13 Jahren erlaubt. Es erfolgt aber keine Prüfung der Angaben.

Generell ist es verboten, nicht jugendfreie Inhalte wie pornografische Bilder zu verbreiten oder zu bewerben. Minderjährige dürfen keine Nacktbilder oder sexuell aufreizende Inhalte von sich posten oder versenden. Sicherheitsprobleme können innerhalb des Sicherheitscenters des Dienstes gemeldet werden. Außerdem ist es möglich andere Nutzer zu blockieren und zu melden.

Snapchat sammelt jede Menge Daten von seinen Nutzern und erläutert das sehr offen in seinen Datenschutzbestimmungen – auch dass Daten teilweise an Dritte weitergegeben werden. Die Daten, die man über Snapchat versendet, werden bei der Übertragung verschlüsselt.

Was sollten Eltern beachten?

Eine gute Übersicht zum sicheren Umgang mit Snapchat findet sich hier.

Wenn Kinder und Jugendliche Snapchat nutzen, sollten Eltern unbedingt besprechen, wer die geteilten Inhalte sehen kann und wer nicht. Gehen Sie gemeinsam die Einstellungen durch! Erklären Sie, dass Bilder vom Empfänger per Screenshot abgespeichert werden können. Es ist dringend zu empfehlen, dass Jugendliche nur Freunde zu ihrer Liste hinzufügen, die sie tatsächlich kennen.

Sprechen Sie auch über die Funktion “Snap Map”: Was bedeutet die Sichtbarmachung des eigenen Standorts, welche Folgen und Risiken gehen damit einher und wird die Funktion überhaupt gebraucht? Das Teilen des Standortes kann auch unbewusst passieren (beim Öffnen der App). Dies kann im sogenannten „Geistmodus“ (Ghost Mode) verhindert werden. Auch kann der App die Berechtigung entzogen werden, auf den Standort zuzugreifen.

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