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Das eigene Game kreieren mit Roblox

Gibt es eine Webseite, die bei Kindern unter 13 Jahren beliebter ist als YouTube? Zumindest in den USA ist das so: Roblox bricht alle Rekorde. Und vielleicht verbringen auch deutsche Kinder bald mehr Zeit beim Online-Game Roblox als auf dem Videoportal.

Kurz gefasst

  • beliebte Spieleplattform aus den USA, empfohlen für Kinder ab 12 Jahren
  • Nutzer können eigene Spiele erstellen und die Spiele anderer Spieler nutzen
  • mit PC, Mac, iOS, Android, Amazon-Geräten und Xbox One spielbar
  • größtenteils kostenlos nutzbar

Was ist Roblox?

Setzt man die beiden Wörter Robots (dt.: Roboter) und Blocks (dt.: Blöcke) zusammen, erhält man den Namen der Spieleplattform Roblox. Hier kann man virtuelle Welten im Lego-Stil kreieren und spielen, was vor allem Kinder unter 15 Jahren begeistert. Roblox ist eine Mischung aus Spielewelt und sozialem Netzwerk und erinnert an Minecraft.

Nach der kostenlosen Registrierung auf Roblox.de erhalten die Spieler eine vorgefertigte Spielfigur (Avatar), die sie nach Belieben anpassen können. Kleidung oder verschiedene Frisuren können zum Teil kostenlos verändert werden. Für einige extra Accessoires muss man Geld in Form der eigenen Währung Robux bezahlen. Funktionen wie das Erstellen von Spielen sowie das Spielen selbst sind kostenlos.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Die vielen jungen Nutzerinnen und Nutzer beweisen den Hype um das Computerspiel. Die Besonderheit, selbst und ganz einfach Spiele zu entwickeln, ist möglich durch das Bau-Tool “Roblox-Studio”, auf das jeder registrierte Nutzer automatisch Zugriff hat. So können virtuelle komplexe Erlebniswelten wie Städte, Freizeitparks oder einfache Bauwerke gestaltet werden. Roblox ist außerdem eine Community. Neben dem gemeinsamen Daddeln können sich die Kinder und Jugendlichen miteinander kreativ austoben und chatten.

Roblox lockt damit, mit den eigenen Spielen Geld zu verdienen: Erstellt Ihr Kind ein Spiel, das bei den anderen gut ankommt und diese Geld dafür investieren, erhält auch der Entwickler mit etwas Glück einen Teil davon.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Bisher liegt noch keine Alterskennzeichnung im Sinne des Jugendmedienschutzes vor.

Wenn auch einiges kostenlos nutzbar ist, sind ein paar Features in Roblox nur gegen Geld erhältlich. Es kann verlockend für Kinder sein, echtes Geld oder eine kostenpflichtige Mitgliedschaft in eine Fantasiewährung zu investieren, um mehr Möglichkeiten im Spiel zu haben.

Da man über Roblox mit anderen Kontakt aufnehmen kann, bestehen Risiken wie z. B. Cybermobbing, Cybergrooming und Hate Speech.

Stiftung Warentest nahm das Spiel 2019 unter die Lupe und bewertete es mit „Inakzeptabel“. Die Inhalte sind nicht kindgerecht und beim Datenschutz erhielt Roblox ebenfalls Abzug. Es fanden sich ein rassistisches Spiel, in dem es darum ging „böse Juden“ zu töten sowie rechtsextreme Nutzernamen und Vorschaubilder für Spiele mit der IS-Flagge.

Das sagt der Anbieter

Der Anbieter betont auf seiner Plattform, Sicherheit und Datenschutz sehr ernst zu nehmen. Nach der Registrierung wird bei Nutzerinnen und Nutzern unter 13 Jahren automatisch ein Konto im „Datenschutzmodus“ erstellt. Mit Hilfe dieses Modus‘ sind einige Funktionen eingeschränkt. Jüngere Kinder haben z. B. keinen Zugriff auf die Plug-ins der sozialen Medien oder einige Benachrichtigungsmeldungen. Moderatoren prüfen, ob hochgeladenes Bild- und Videomaterial den Ansprüchen zu kindgerechten Inhalten genügt. Unangemessene Inhalte werden aktiv gefiltert und gelöscht. Die Menüpunkte “Vertrauen und Sicherheit” sowie “Ratgeber für Eltern” informieren darüber.

Da Kinder selbst Spiele gestalten können, sieht sich Roblox auch als Förderer des technischen Lernens. Die Hersteller wünschen sich ihr Produkt als eine Art Talente-Plattform wie “DSDS” für Programmierer.

Das sollten Eltern beachten

Nehmen Sie die Registrierung und die Erstellung eines Profils gemeinsam mit Ihrem Kind vor und entdecken Sie die Spielewelt zusammen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es an der Plattform begeistert und seien Sie Ansprechpartner bei Fragen oder Sorgen.

Auch wenn Roblox auf den Datenschutz von Heranwachsenden achtet sollten Sie Ihr Kind darauf hinweisen, dass es über die Plattform keine privaten Daten weitergibt. Chat-Möglichkeiten lassen sich einschränken oder sogar deaktivieren und die Sichtbarkeit des Alters ausschalten.

In der riesigen Spiele-Auswahl gibt es auch Angebote wie “Shooter”, die gerade für jüngere Kinder noch nicht geeignet sind. In den Kontoeinschränkungen können Sie einstellen, dass Ihrem Kind nur altersgerechte Spiele angezeigt werden.

Ausführlichere Informationen zu Roblox gibt es beim Spieleratgeber NRW.

Mit Computerspielen die Welt erkunden

Kinder entdecken die Welt und lernen mit der Zeit immer mehr, wie sie funktioniert. Dazu gehören auch Regeln und Werte, wie Menschen miteinander umgehen. Medien helfen ihnen dabei, die Welt zu begreifen. Als Ort für Information und Orientierung beantworten sie viele Fragen des Alltags und unterstützen Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung.

Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder zur Orientierung für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Diese suchen sie sich nicht nur im direkten Umfeld, sondern auch in Filmen oder Sozialen Netzwerken, z. B. bei YouTube oder Instagram. Aber auch Computerspiele können Orientierung geben, denn in ihnen werden Geschichten erzählt und Rollen ausprobiert.

Beim Computerspielen hat man eine Spielfigur, einen Avatar, mit dem man handeln kann, wie man möchte – zumindest soweit es die Programmierung des Spiels zulässt. Denn irgendjemand hat sich überlegt, was möglich ist und bestimmte Spielregeln festgelegt. Im Spiel verstehen schon Kinder und Jugendliche, was passiert, wenn sie in bestimmter Weise handeln. Der Vorteil ist: Hier können sie sich ausprobieren, ohne dass es Folgen für ihr echtes Ich und das reale Umfeld hat. Sie müssen Entscheidungen treffen, die etwas bewirken, aber in einem geschützten Raum. Dabei können teilweise auch die Erfahrungen aus dem “echten Leben” genutzt werden.

Games für die Wertevermittlung

Die meisten Computerspiele funktionieren nicht, ohne dass man sich an Regeln hält – auch wenn sich nicht alle ohne weiteres auf das eigene Leben übertragen lassen.

Das bei Jugendlichen beliebte Minecraft kann im Kreativmodus so gespielt werden, dass Spielerinnen und Spieler gemeinsam an einer Welt bauen. Dafür müssen sie sich vorab auf Regeln einigen, damit die gemeinsame Welt  nicht im Chaos endet. Vielleicht gibt es auch Ideen, wie diese Welt aussehen soll – ob z. B. alle zusammenleben oder jeder sein eigenes Haus hat, ob es eine Bürgermeisterin gibt oder alle zusammen entscheiden. Hier können Kinder und Jugendliche schon lernen, wie Politik funktioniert und warum sie für unser Leben mit anderen Menschen wichtig ist.

In anderen Spielen sind die Rollen der Figuren vorab festgelegt, z. B. bei Monument Valley (Teil 2). In diesem Puzzlespiel (für mobile Geräte) müssen in mehreren Levels abstrakte Welten durchlaufen werden. Die Figuren, eine Mutter und ihr Kind, müssen einen Ausweg finden – mal alleine, mal zu zweit. Das Spiel wird alleine gespielt. Unbewusst werden bestimmte Werte vermittelt, wie das Überwinden von Hürden oder die Unterstützung durch die Mutter. Kinder können erfahren, wie man sich fühlt, wenn man allein ein Hindernis bewältigen muss, aber dabei von der Mutter unterstützt wird.

Gemeinschaft, Vertrauen, Toleranz: Hinter Computerspielen steckt manchmal mehr, als man denkt. Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und achten Sie doch mal darauf, ob darüber bestimmte Werte, wie z. B. Rollenbilder, vermittelt werden. Nutzen Sie das, um mit Ihrem Kind darüber zu sprechen und zu überlegen, ob es zu Ihren und seinen Vorstellungen vom Leben passt.

(Dieser Beitrag beruht teilweise auf den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Arbeit von Karolina Kaczmarczyk, siehe auch hier.)

Beliebte Spiele: Minecraft

Minecraft ist eine Art Lego für den Computer oder das Tablet, bei dem man aus virtuellen Klötzen mit viel Kreativität und Geschick eine eigene Welt erschaffen kann.

Kurz gefasst:

  • Strategiespiel, in dem Rohstoffe gesammelt werden müssen, um daraus eine eigene Welt zu bauen
  • USK-Altersempfehlung ab sechs Jahren
  • online oder offline verfügbar
  • Minecraft gibt es für den Computer für 23,95 €. Die App kostet ca. 8,- € für Android oder iOS

Was ist Minecraft?

Die Spielwelt in Minecraft besteht vor allem aus Würfeln oder Blöcken. Diese sind immer gleich groß und aus verschiedenen Materialen, z. B. Holz oder Erde. Diese Materialien müssen gesammelt werden. In verschiedenen Spielelevels oder sogenannten Modi werden diese Würfel unterschiedlich eingesetzt:

Im Kreativ-Modus kombinieren die Spieler diese Würfel und bauen daraus  Werkzeuge, Rüstungen oder auch Häuser. Damit erschaffen sie sich eine ganz eigene Welt, die sie kreativ gestalten und stetig verändern. Diese Funktion wird inzwischen sogar von Schulen zum Lernen verwendet.

Im Überlebensmodus können die Spielerinnen und Spieler dank der Hilfsmittel gegen Monster kämpfen und sich in der Nacht in der selbstgebauten Hütte verstecken.

Minecraft kann online und gleichzeitig mit anderen, aber auch offline alleine gespielt werden kann.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Minecraft?

Trotz der einfachen Grafik, die nur aus großen Pixeln besteht, ist Minecraft bei Kindern ab ca. zehn Jahren sehr beliebt. Minecraft setzt der Kreativität keine Grenzen. Die Spieler können sich ihre ganz eigene virtuelle Welt schaffen und sind davon begeistert Landschaften und Gebäude zu konstruieren und die dafür benötigten Rohstoffe anzuschaffen. Beim Spielen mit anderen wird die Konkurrenz und Strategie besonders herausgefordert, aber auch das gemeinsame Erstellen von Welten kann viel Spaß sein und erfordert, dass man sich miteinander abstimmt.

Man kann Minecraft auch mit einer Virtual-Reality-Brille erkunden und richtig in die eigene Welt eintauchen.

Was kann problematisch sein an Minecraft?

Auch wenn das Spiel ab einem Alter von sechs Jahren empfohlen wird, kommt es ganz auf den gewählten Spiel-Modus an: Während der Kreativ- und Abenteuermodus relativ harmlos sind, sind Überlebens- und Hardcoremodus mehr auf Angriff aus. Im Spiel wird nichts erklärt und die grundlegenden Spielmechanismen können gerade jüngere Kinder noch überfordern. Da das Spiel keine eigenen Grenzen setzt, z. B. durch verschiedene Levels, verleitet es dazu, endlos zu spielen und sich ganz in der virtuellen Welt zu verlieren.

Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest wurde bemängelt, dass Minecraft keinen Hilfe-Bereich hat und dass die Anreize für In-App-Käufe groß sind.

Was sagt der Anbieter?

Minecraft gehört zu Microsoft. Auf der Webseite gibt es die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen auf Deutsch. Daten werden verarbeitet und zur Produktverbesserung genutzt und unter Umständen auch weitergegeben.

Was sollten Eltern beachten?

Das Spiel soll die Kreativität und Problemlösefähigkeit fördern. In Schweden steht es sogar auf dem Lehrplan. Jedoch gibt es ein paar Dinge, die Sie als Eltern beachten sollten: Jüngere Kinder sollten beim Spielen anfangs begleitet werden und sich eher im Kreativ- oder Abenteuermodus bewegen. Für ältere Kinder kommen später vielleicht auch der Überlebens- oder Hardcore-Modus in Frage.

Wie immer bei der Mediennutzung sollten Sie ein Auge darauf haben, wie viel Zeit Ihr Kind mit dem Spiel verbringt. Achten Sie auf die Einhaltung festgelegter Mediennutzungszeiten und besprechen Sie gemeinsam in der Familie, welche Modi Ihr Kind spielen darf.

 

 

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