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Umgang mit Fotos von Schulkindern im Netz

Es ist aufregend und schön zu verfolgen, wie das eigene Kind wächst und sich entwickelt. Dank Smartphone lässt sich das Großwerden permanent dokumentieren und mit anderen teilen. Dabei sollten Sie aber im Sinne Ihres Kindes einiges beachten. Die Beantwortung der folgenden Fragen hilft Ihnen zu entscheiden, wie Sie mit Fotos von Ihrem Kind im Schulalter umgehen. 

Wie soll mein Kind in der Öffentlichkeit dargestellt werden?

Ihr Kind ist es wahrscheinlich von klein auf gewohnt, fotografiert zu werden. Vielleicht mag es das, vielleicht aber auch nicht immer und nicht in jeder Situation. Achten Sie darauf, wann und wie Sie Ihr Kind fotografieren, vor allem, wenn Sie das Foto mit anderen teilen möchten. Wenn es darum geht, ein Fotos weiterzuleiten, sollte auch Ihr Kind damit einverstanden sein. Überlegen Sie, ob Sie gewollt hätten, dass bestimmte Kinderfotos von Ihnen im Netz kursieren.

Kinder sollten auf Fotos immer bekleidet und nicht in einer lächerlichen oder gar peinlichen Situation zu sehen sein. Sind noch andere Kinder auf dem Foto zu erkennen, müssen Sie das Einverständnis der Eltern einholen. 

Überlegen Sie, ob es immer nötig ist, dass man das Gesicht Ihres Kindes sieht. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, wie man kreative Kinderfotos machen kann, ohne dass das Kind ganz genau zu erkennen ist.

Darf ich allein entscheiden, wie mein Kind im Netz dargestellt wird?

Auch Kinder haben Rechte. Sie können und sollen mitentscheiden, wenn es um sie selbst und ihr Wohlergehen geht. Fotos im Netz können die Privatsphäre von Kindern verletzen. Als Schulkind ist Ihr Sohn oder Ihre Tochter alt genug zu verstehen, was es heißt, wenn Fotos im Internet verbreitet werden. Sprechen Sie mit ihm oder ihr darüber und entscheiden Sie nicht über seinen oder ihren Kopf hinweg. Ohne das Einverständnis Ihres Kindes sollten Sie kein Foto von ihm veröffentlichen!

Wenn Ihr Kind später Fotos über das eigene Smartphone macht und teilt, sollte es Bescheid wissen, welche Konsequenzen das haben kann. Klären Sie Ihr Kind rechtzeitig auf und gehen Sie als Vorbild selbst sensibel mit der Verbreitung von Fotos um.

Wie können Fotos meines Kindes verbreitet werden?

Es geht einerseits um die Frage des Kanals, über den Kinderfotos geteilt werden können und welche Berechtigungen andere Menschen haben, diese Fotos zu sehen. Es gibt Plattformen, auf denen Kinderfotos z. B. von Facebook-Profilen gesammelt und anderen zur Verfügung gestellt werden. Fremde Menschen können diese Fotos dann für ihre Zwecke nutzen – im schlimmsten Fall handelt es sich um Pädophile.

Je mehr Menschen die Fotos Ihres Kindes sehen können, z. B. über die Status-Funktion bei WhatsApp, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie einfach kopiert und weitergeleitet werden und so in falsche Hände geraten können. Nutzen Sie deshalb die Privatsphäre-Einstellungen auf dem Smartphone und in der jeweiligen App, so dass nur ein eingeschränkter Kreis die Fotos sehen kann.

Achten Sie andererseits unbedingt darauf, dass Kinderfotos nicht in Kombination mit weiteren Informationen wie dem vollen Namen, Wohnort usw. veröffentlicht werden. Mit dem ersten Foto im Netz bekommt Ihr Kind eine digitale Identität, die im Laufe der Jahre immer ausgeprägter wird. Ihr Kind kann das später nicht mehr rückgängig machen.

Wie möchte ich, dass andere mit Fotos meines Kindes umgehen?

Wenn Oma und Opa nicht in der Nähe wohnen, ist es schön, wenn sie trotzdem mitbekommen, wie ihr Enkelkind groß wird. Das geht per Foto über WhatsApp und Co. ganz einfach. Trotzdem sollten Sie Regeln mit Familie und Freunden vereinbaren, wenn Sie Fotos über das Smartphone teilen. Sie können überlegen, sich auf einen Messenger wie Signal zu einigen, bei dem Fotos nicht automatisch in der Fotogalerie des Empfänger-Handys gespeichert werden. Möglicherweise verständigen Sie sich auch darauf, Fotos, auf denen das Gesicht Ihres Kindes zu sehen ist, gar nicht zu teilen, sondern nur persönlich zu zeigen.

Private Kommunikation mit Instagram Threads?

Für viele Jugendliche ist es normal, andere durch Bilder und Videos in sozialen Netzwerken in ihren Alltag blicken zu lassen. Manche Momente sind allerdings so persönlich, dass man sie nicht mit allen Instagram-Freunden und -Followern teilen möchte, sondern nur mit ausgewählten Menschen. Dafür hat Instagram die Filterfunktion für “enge Freunde” und mit Instagram Threads eine dazu passende Messenger-App entwickelt.

Kurz gefasst:

  • kostenlose Messenger-App für iOS und Android
  • Verbindung mit dem eigenen Instagram-Konto
  • funktioniert auf dem Smartphone auch ohne Installation von Instagram
  • Fotos, Stories und Direktnachrichten werden nur mit ausgewählten Personen geteilt
  • Mindestalter laut AGB: 13 Jahre

Was kann Instagram Threads?

Mit Instagram Threads wird die Kommunikation auf den selbst bestimmten engen Freundeskreis beschränkt. Beim Aufrufen der App wird direkt die Kamera geöffnet. Die App erinnert so stark an Snapchat. Mit ausgewählten Freunden lassen sich Fotos, Stories sowie der eigene Status teilen und Nachrichten austauschen. Beste Freunde können sich per Kurzwahl mit nur einem Klick Fotos senden. Ein besonderes Feature ist der Auto-Status, den die App aus den eigenen Standort- und Bewegungsdaten automatisch erstellen kann. Dadurch wird Freunden angezeigt, ob man z. B. gerade zu Hause, im Urlaub oder in der Innenstadt am Pizza essen ist.

Ein Vorteil von Threads ist, dass man es auch ohne die originale Instagram-App auf dem Smartphone nutzen kann, wenn man nur ab und zu in seine Instagram-Nachrichten schauen möchte.

Was fasziniert Jugendliche daran?

Die App ist auf das Verschicken von Nachrichten und Fotos mit Freunden reduziert. Es lassen sich eben kurz Nachrichten checken, ohne dass man von den neuesten Bildern und Stories all seiner abonnierten Instagram-Profilen abgelenkt wird. Es geht eher um das Teilen von Fotos und Nachrichten mit engeren Kontakten.

Instagram wird nicht nur von jungen Menschen genutzt, sondern auch von vielen Erwachsenen und allen möglichen Stars und Unternehmen. Dadurch sind Jugendliche nicht wirklich “unter sich” – mit Threads aber schon.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Obwohl die App mehr Privatsphäre verspricht, weil man darüber nur mit “engen Freunden” kommuniziert, verzichtet man gleichzeitig darauf, wenn man den Auto-Status aktiviert. Entscheidet sich Ihr Kind dazu, sammelt die App permanent Daten darüber, wo sich Ihr Kind aufhält, wie schnell es sich bewegt und wie sein Akkustand aktuell ist. Dann wissen nicht nur die App-Anbieter, sondern auch alle in der Freundesliste, wo man gerade ist.

Viele Influencer und Influencerinnen haben die “enge Freunde”-Funktion als Möglichkeit des Geldverdienens entdeckt. Leute können dafür bezahlen, in ihre Liste aufgenommen zu werden und erhalten dann exklusive und/oder private Inhalte ihrer Instagram-Lieblinge. Mit Freundschaft und Privatsphäre hat das nichts zu tun, sondern es geht nur ums Geldverdienen.

Was meint der Anbieter?

Mit dem Einverständnis der Eltern dürfen Kinder ein Instagram-Konto einrichten, wenn sie 13 Jahre alt sind. Die Standort- und Bewegungsdaten, die es für den Auto-Status braucht, werden laut Instagram nicht für Werbezwecke verwendet. Sie werden aber die ganze Zeit über erhoben, selbst wenn die App gerade nicht genutzt wird.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Sie sich dazu entscheiden, der Nutzung von Instagram Threads zuzustimmen, sollten Sie das Konto zusammen mit Ihrem Kind und die Einstellungen gemeinsam durchgehen. Sprechen Sie darüber, welche Folgen das Teilen des eigenen Standorts in Stories oder im Status haben kann und legen Sie in den Einstellungen fest, auf welche Daten die App Zugriff haben darf und auf welche nicht.

Die App bringt nur dann einen Mehrwert, wenn man über sie wirklich nur mit guten Freunden kommuniziert. Ihr Kind sollte unbedingt nur Menschen in die Liste der “engen Freunde” aufnehmen, die es auch kennt. Legen Sie gemeinsam Regeln fest, welche Inhalte Ihr Kind teilen sollte und welche nicht. Sie können sich an unseren “Rechtlichen Hinweisen für die Social-Media-Nutzung” orientieren.

Versuchen Sie nachzuvollziehen, warum es Ihrem Kind wichtig ist, einen Status oder bestimmte persönliche Informationen zu teilen. Besprechen Sie die Gefahren und Risiken, damit Ihr Kind diese auch verstehen kann. Das offene Gespräch darüber ist wichtig, damit Ihr Kind weiß, dass es sich Ihnen anvertrauen kann, falls es zu Belästigung, verstörenden Inhalten und Cybermobbing kommt.

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