Elternguide Logo

JusProg – das digitale Jugendschutzprogramm

Viele Kinder surfen schon mit jungen Jahren selbstständig im Internet. Wenn Sie als Eltern daneben sitzen, bekommen Sie mit, welche Webseiten und Inhalte Ihr Kind sieht. Gerade ältere Kinder – etwa ab der weiterführenden Schule – sollten aber auch selbstbestimmt im Internet unterwegs sein dürfen. Oftmals ist es nur ein Klick und Kinder werden auf eine andere, vielleicht weniger kinderfreundliche Seite geleitet. Programme wie JusProg sollen dabei helfen, Kinder und Jugendliche im Netz besser zu schützen

Kurz gefasst:

  • staatlich anerkanntes, digitales Jugendschutzprogramm 
  • kostenlos und ohne Registrierung
  • lässt sich auf verschiedenen Geräten installieren
  • datenschutzfreundlich und werbefrei
  • individuelle Einschränkungen für unterschiedliche Altersstufen

Was kann das?

Die Software filtert aufgerufene Webadressen und blockiert nicht-altersgerechte Seiten im Internet. JusProg läuft während des Surfens im Hintergrund: Ist eine Webseite als nicht altersgerecht im System verzeichnet, wird sie geblockt. Eltern geben das Alter des Kindes vorher an. 

JusProg kann auf den meisten Endgeräten von iOS und Android installiert werden. Neben den gelisteten Webadressen können weitere Seiten manuell gesperrt oder freigegeben werden. Auf einem Gerät lassen sich mehrere Nutzerprofile anlegen, sodass Eltern und Kinder an einem Computer surfen können und das Schutzniveau individuell an das Alter des Familienmitglieds angepasst ist. So sieht z. B. ein Kind Inhalte für unter 12-Jährige, während das ältere Geschwisterkind Webseiten ab 16 Jahren besuchen kann. Das Programm wurde von Stiftung Warentest mit „gut“ bewertet.

Was meint der Anbieter?

Das System von JusProg basiert auf Negativ- (Blocklist) und Positivlisten (Passlist), auf denen verschiedene Webseiten vermerkt sind. Die Anbieter garantieren selbst keine hundertprozentige Sicherheit, da das Internet zu groß ist und zu schnell wächst, als dass alle Seiten gelistet sein können. Vor allem nicht-deutsche Internetseiten und Inhalte auf Social-Media-Kanälen sind nicht ausreichend geschützt. Eltern sollten deshalb Webseiten, die sie als nicht altersgerecht empfinden, manuell sperren. Kindern von 0 bis 12 Jahren werden nur Webseiten angezeigt, die sich auf der Whitelist der Kindersuchmaschine fragFinn.de befinden. Nicht bekannte Webadressen werden automatisch geblockt. Bei Kindern ab 12 Jahren ist es etwas anders: Für sie werden alle Seiten, die nicht im System vermerkt sind, automatisch freigeschaltet.

Die Anbieter weisen darauf hin, dass freigegebene Seiten lediglich als kindertauglich und nicht entwicklungsschädigend eingestuft wurden. Anders als bei den Kindersuchmaschinen wie fragFinn handelt es sich nicht um Empfehlungen für das jeweilige Alter. Eltern müssen selbst einschätzen bzw. andere Empfehlungen recherchieren, ob die Inhalte für ihr Kind geeignet sind. Auf der Elternseite des Angebots erhalten Sie nähere Informationen.

Was sollten Eltern beachten?

JusProg ist ein gutes Angebot, das einen besseren Jugendschutz im Netz unterstützen kann. Es ist vor allem bei jüngeren Kindern sinnvoll. Ab 12 Jahren ist der Surfraum mit JusProg relativ ungeschützt. Internetseiten wie Google, Facebook, Twitter und Instagram sind für das System schwer zu filtern und müssen manuell eingestellt werden. Oftmals bieten die Seiten selbst Jugendschutzfilter an, die sich leicht aktivieren lassen.

Ihnen als Elternteil sollte bewusst sein, dass ein Jugendschutzprogramm wie JusProg die Begleitung der Mediennutzung Ihres Kindes nicht ersetzt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über das eigene Medienverhalten und vereinbaren Sie Regeln für die Mediennutzung in der Familie. Wenn Sie die ersten Schritte im Netz gut begleitet und Ihrem Kind erklärt haben, worauf es dabei achten sollte, wird es sich später auch alleine einigermaßen sicher online bewegen können bzw. weiß besser mit Gefahren im Netz umzugehen. Beispielsweise wendet sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn an Sie oder andere Vertrauenspersonen, wenn es auf Probleme stößt.Wenn Sie sich für die Nutzung von JusProg entscheiden, geben Sie Ihrem Kind nicht das Gefühl, dass Sie ihm oder ihr nicht vertrauen. Erklären Sie Ihrem Kind, warum JusProg bestimmte Seiten blockiert und entscheiden Sie gemeinsam, wann Ihr Kind für einen offeneren Internetzugang bereit ist.

Meinungsbildung im Netz – Safer Internet Day 2021

Der Safer Internet Day findet jedes Jahr im Februar statt und steht für Online-Sicherheit und ein besseres Internet für Kinder und Jugendliche. An diesem weltweiten Aktionstag finden online und offline Veranstaltungen statt, die dazu beitragen sollen, dass alle das Internet sicher nutzen können. In Deutschland werden die Angebote bei klicksafe gebündelt.

Im Jahr 2021 steht der SID unter dem Motto “Was glaube ich? – Meinungsbildung zwischen Fakt und Fake“ – ein Thema, das auch auf dem Elternguide immer wieder eine Rolle spielt. Die wichtigsten Artikel haben wir für Sie zusammengefasst:

Meinungsmache im Netz – Was steckt dahinter?

Alles fake? Falschmeldungen erkennen

Nachrichten, die als echte Meldung getarnt sind, gibt es mittlerweile in Unmengen. Sie sollen unsere Meinung über bestimmte Dinge beeinflussen. Wichtig ist, erkennen zu können, was echt und was nur geschwindelt ist! Besonders bei sogenannten Deep Fakes ist das schwierig. Das sind Bilder oder Videos, die technisch so verändert werden, dass sie absolut echt wirken.

Hetze im Netz

[Dieser Beitrag ist auch als eingesprochene Audiofassung verfügbar.]

Hate bzw. Hetze wird ebenfalls zur Meinungsmache genutzt. Wenn diejenigen, die ihre Meinung äußern, in Kommentaren fertig gemacht werden, trauen sie sich bald nicht mehr, etwas zu sagen. Oder die heftigen Kommentare selbst führen dazu, dass Menschen in ihrer Meinung beeinflusst werden. Ganz bewusst machen das sogenannte Trolle, denen wir einen eigenen Artikel gewidmet haben: Trolle und Hater – Anonyme Angriffe im Netz.

Verschwörungsmythen

Eine besondere Form von Meinungsmache sind Verschwörungserzählungen. Wenn Dinge schwer zu begreifen sind, wie z. B. aktuell das Coronavirus, verbreiten sich solche Unwahrheiten oder Halbwahrheiten besonders schnell und können dazu führen, dass Fakten und damit verbundene Regeln nicht mehr ernst genommen werden.

Extremismus im Netz

Es gibt extreme politische Meinungen, die gegen unser Grundgesetz verstoßen. Sie richten sich oft gegen bestimmte Menschengruppen. Schon junge Menschen sollen über beliebte Social-Media-Kanäle beeinflusst werden, sich ihrer Meinung anzuschließen.

Dark Social

Solche Extremisten nutzen teilweise versteckte Kommunikationswege, um ihr Gedankengut zu verbreiten. Das kann gefährlich sein!

Gangsterrap

Besonders Jugendliche identifizieren sich mit Rappern und ihren Texten. Aber nicht alle sind harmlos. Einige Texte richten sich gegen bestimmte Menschengruppen oder vermitteln fragwürdige Werte. Man sollte also genau hinhören!

Wie können Kinder und Jugendliche unterstützt werden, Meinungsmache zu erkennen und ihr zu begegnen?

Medienkompetenz

Um Meinungsmache zu erkennen, ist Wissen und Know-How wichtig. Vieles davon lässt sich unter Medienkompetenz zusammenfassen. Hier erklären wir, was genau sich hinter dem Begriff verbirgt.

Nachrichten für Kinder und Jugendliche

Fake News und andere Meinungsmache im Internet ist oft einfach formuliert und kann deshalb auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Wenn Sie mit Ihrem Kind altersgerechte Nachrichten schauen, weiß es über vieles Bescheid und kann Falschmeldungen besser von der Wahrheit unterscheiden.

YouTube erklärt mir die Welt

Auch auf dem beliebten Videoportal gibt es viele informative Inhalte. Gerade Schülerinnen und Schüler nutzen sie gerne zum Lernen. Doch nicht alle Videos sind gut recherchiert und sachlich richtig. Ihr Kind sollte wissen, wie es gute Videos erkennt.

Eltern fragen: Wie kann ich mein Kind vor Hate Speech schützen?

In diesem Video spricht unser Experte Fabian darüber, was Sie als Eltern tun können, wenn Ihr Kind im Netz mit Hate Speech konfrontiert wird.

Kinderbeteiligung im Netz

Auch Kinder haben schon eine eigene Meinung und sollten diese äußern können. Vor allem sollten sie wissen, wie sie das Netz sicher nutzen können, um sich zu informieren und zu beteiligen.

Von Likes bis zur Bewegung

Jugendliche können Meinungsmache mit einer eigenen starken Meinung entgegentreten. Der Artikel erklärt, welche Möglichkeiten es für junge Menschen gibt, sich einzumischen und zu engagieren.

Sicher ist sicher: Passwörter im Netz

Konten bei Instagram, TikTok oder Amazon werden mit Passwörtern gesichert. So sollen Fremde keinen Zugriff auf sensible Daten wie Adresse, Kontonummer usw. erhalten oder im Namen anderer etwas posten oder Sachen bestellen. Manche Passwörter sind allerdings so einfach, dass sie mit technischer Hilfe von Kriminellen einfach “geknackt” werden können. Kinder sollten lernen, wie sichere Passwörter aussehen, sobald sie digitale Geräte nutzen oder im Netz unterwegs sind.

Kriterien für ein sicheres Passwort  

Ein sicheres Passwort hat mindestens 12 Zeichen und besteht aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Vermeiden Sie persönliche Passwörter wie die Geburtsdaten Ihrer Kinder, denn sie sind mit etwas Recherche leicht herauszufinden. Zahlenfolgen (zum Beispiel „12345“), alphabetische Buchstabenfolgen (wie „abcdefg“) oder eine Folge benachbarter Tasten auf der Tastatur (wie „qwertz“) sind ebenfalls nicht sicher. Am besten eignen sich Wörter, die in keinem Wörterbuch stehen und nichts mit Ihnen oder dem Dienst, bei dem Sie sich anmelden möchten, zu tun haben.

Bauen Sie sich eine Eselsbrücke  

Ein sicheres Passwort zu erstellen und sich auf Dauer daran zu erinnern, ist gar nicht so einfach. Dabei hilft eine Eselsbrücke. Denken Sie sich einen Satz aus, den Sie sich gut merken können, beispielsweise „Elternguide.online informiert und unterstützt Eltern auch im Jahr 2020!“.  Wenn Sie nur die Anfangsbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen des Satzes herausnehmen, entsteht folgendes Passwort: „Eoi+uEaiJ2020!“ Diese Zeichenfolge ist sicher und Sie vergessen sie nicht so schnell. Wenn Ihnen kein eigener Satz einfällt, können Sie auch an ein Sprichwort denken, zum Beispiel: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte!“. Oder Sie nutzen den Passwort-Generator von Data-Kids, der Ihnen und Ihrem Kind beim Erstellen von solchen sicheren Passwörtern hilft!

Mit Passwortmanagern den Überblick behalten

Ein Passwort sollte regelmäßig geändert werden. Es wird empfohlen, für verschiedene Plattformen jeweils ein eigenes Passwort zu verwenden, da es immer mal zu Datenlecks und dem Diebstahl von Nutzerdaten kommen kann. Hacker könnten auf alle Accounts zugreifen, wenn immer das gleiche Passwort verwendet wurde.  

Wenn Sie sich nicht so viele verschiedene Passwörter merken können oder wollen, nutzen Sie am besten einen Passwortmanager. Damit lassen sich Passwörter verwalten und verschlüsselt speichern. Sie müssen sich dann nur noch ein einziges Passwort für den Manager merken. Mit dem Passwort-Schlüssel-Automat können sich Eltern und Kinder Passwörter-Schlüssel ausdenken, die man nicht so schnell vergessen kann.

Auf der Internetseite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik können Sie mehr zu sicheren Themen nachlesen und anschauen.

Kommunikationsrisiken im Netz

Wenn man miteinander spricht, erscheint uns das erst einmal nicht gefährlich. Kommunikation findet heute auch digital statt und das birgt verschiedene Risiken. Anlässlich des Safer Internet Day 2020 möchten wir Ihnen zeigen, wie Sie und Ihre Familie trotz Kommunikationsrisiken digitale Medien sicher nutzen können.

In Bildern sprechen: Wenn wir Nachrichten per Messenger schreiben, verwenden wir nicht nur Buchstaben, sondern sehr gern auch sogenannte Emojis. Man sollte allerdings darauf achten, dass es dabei nicht zu Missverständnissen kommt. Mehr erfahren Sie in unserem Beitrag Kommunikations mit Emojis.

Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir tauschen uns in den verschiedenen Situationen miteinander aus – auch beim Gaming. Computerspielen geschieht oft gemeinsam, auch wenn man dabei an unterschiedlichen Orten sitzt. Kommuniziert wird über ein Headset oder die Chatfunktion innerhalb eines Spiels. Nicht immer weiß man, wer da am anderen Ende mit einem spricht. Wenn möglich, sollte man fremde Kontakte blockieren. Was es sonst noch zu beachten gibt, können Sie in unserem Beitrag Kommunikation in Online-Games nachlesen.

Die Kontaktaufnahme durch Fremde ist deshalb riskant, weil man die Absichten der Person nicht kennt und nicht weiß, wer da eigentlich mit uns kommuniziert. Ist es wirklich der gleichaltrige Spielerfreund? Wenn fremde Erwachsene über verschiedene Social-Media-Dienste Kinder oder Jugendliche anschreiben, um sexuelle Kontakte anzubahnen, spricht man von Cybergrooming. Ein ernst zu nehmendes Risiko, das Sie minimieren können, wenn Sie wissen, was Ihr Kind online macht. Sprechen Sie mit ihm über mögliche Risiken, klären Sie es über Privatsphäre-Einstellungen und Blockierungsmöglichkeiten innerhalb von Apps auf und seien Sie vor allem immer ansprechbar!

Manchmal kann auch die Kommunikation mit Freunden und Bekannten problematisch werden. Unter Jugendlichen besteht z. B. über Chatgruppen die Gefahr von Cybermobbing. Hilfreich ist es, wenn Regeln zum Umgang in Messenger-Chats vereinbart werden. Tauschen Sie sich dazu mit anderen Eltern und den Lehrern Ihres Kindes aus. Sprechen Sie ebenso mit Ihrem Kind darüber, wie es mit Beleidigungen und fiesen Kommentaren umgehen sollte. Auch Hetze im Netz kann den Spaß verderben, Videos und Fotos ins Netz zu stellen. Sich genau zu überlegen, was man postet oder teilt, ist der erste Schritt zu einem sicheren Surfvergnügen.

Noch mehr zu Kommunikationsrisiken und wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie in diesen Beiträgen:

Projektpartner
Unterstützer