Elternguide Logo

Das erste Smartphone

Wann ist mein Kind eigentlich alt genug für ein eigenes Smartphone? Eine pauschale Antwort auf die Frage nach dem geeigneten Alter zu geben, ist nicht einfach. Neben dem Nutzen des Smartphones spielt bei der Entscheidung dafür oder dagegen auch der Entwicklungsstand Ihres Kindes eine Rolle. Sie kennen es am besten und können seine Medienerfahrung und sein allgemeines Verantwortungsbewusstsein einschätzen. 

Über folgende Dinge sollten Sie sich anfangs Gedanken machen:

  • Hat Ihr Kind schon Erfahrung mit einem Smartphone eines Familienmitglieds? 
  • Weiß Ihr Kind, was persönliche Daten sind? 
  • Kann Ihr Kind die Kosten, welche z. B. bei In-App-Käufen entstehen, abschätzen? 
  • Weiß es, welche Regeln bei Chats im Netz gelten? 
  • Hat es ein Verständnis für Sicherheitseinstellungen und App-Berechtigungen? 

Klicksafe hat eine Checkliste erstellt, die Ihnen helfen soll einzuschätzen, ob Ihr Kind schon bereit für ein eigenes Smartphone ist. Wenn Sie unsicher sind, kann auch vorerst ein ganz einfaches Handy ohne Internetanschluss die nötige Sicherheit schaffen. Früher oder später sollten Sie Ihrem Kind das eigene Smartphone zugestehen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Für viele Eltern ist der Wechsel von der Grund- zu einer weiterführenden Schule ein geeigneter Zeitpunkt, ein Smartphone anzuschaffen, weil ihr Kind ab dann wahrscheinlich einen längeren Schulweg hat, den es allein zurücklegt. Sie können mit einem Handy schnell miteinander kommunizieren, wenn nötig.

Die ständige Erreichbarkeit zwischen Ihnen und Ihrem Kind sollte nicht der Hauptgrund für ein Smartphone sein. Gerade für ältere Kinder und Jugendliche ist der wahrscheinlich wichtigste Grund für das eigene Smartphone der Kontakt mit ihren Freunden und mitreden zu können, wenn es z. B. um angesagte Apps geht. Der Einfluss der Gleichaltrigen spielt mit zunehmenden Alter immer mehr eine Rolle.

Worauf sollten Sie beim ersten Smartphone achten?

Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es wichtig ist, behutsam mit den eigenen Daten umzugehen und welche ernsten Probleme sich andernfalls daraus ergeben könnten. Informieren Sie sich selbst oder gemeinsam mit Ihrem Kind zum Thema Datenschutz und Sicherheit im Netz. Besprechen Sie zusammen, welche Apps Ihre Tochter oder Ihr Sohn nutzen darf und welche erst einmal nicht. Achten Sie auf Altersfreigaben von Apps und aktivieren Sie die Sicherheitseinstellungen am Gerät.

Auch Konflikte, z. B. Streit, kann über die Kommunikation im Internet manchmal viel schneller ausarten und falsche Informationen lassen sich einfacher verbreiten – darüber sollte sich Ihr Kind bewusst sein. Probleme wie Kettenbriefe, Sexting und Cybermobbing sollten Sie ausführlich besprechen.

Durch Flatrates, die monatlich neu gebucht werden müssen oder Kostenbegrenzungen enthalten, lässt sich das Nutzungsverhalten eingrenzen. Es ist darüber hinaus möglich, ab einem gewissen Datenverbrauch eine Warnung anzeigen zu lassen. So steigt das Bewusstsein dafür, wie viel das Handy eigentlich in Gebrauch ist. In unserem Elternguide.online finden Sie weitere Tipps, mit welchen Apps Sie die Handynutzung Ihres Kindes sicherer gestalten können.

Hilfreich kann es auch sein, sich mit anderen Eltern abzusprechen. Denn meistens stehen diese vor den gleichen Fragen. Am Wichtigsten ist es, dass Sie Ihr Kind stets begleiten und es gründlich über mögliche Herausforderungen und Risiken aufklären. Deshalb sollten Sie die Entscheidung in Absprache mit Ihrem Kind treffen. 

Versuchen Sie mit gutem Beispiel voranzugehen. Erklären Sie Ihrem Kind auch, wenn Sie Bedenken haben und verabreden Sie Regeln zum Umgang mit dem Gerät. Sie können mit Ihrem Kind auch gemeinsam Regeln vereinbaren und diese schriftlich festhalten. Eine Möglichkeit ist es, gemeinsam einen Mediennutzungsvertrag zu schließen. 

Begleiten Sie Ihr Kind nicht nur in der Anfangszeit, sondern fortwährend bei der Smartphone-Nutzung. Wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben und Entscheidungen für oder gegen bestimmte Apps zu überdenken und auszuhandeln. Missbrauchen Sie jedoch nicht das Vertrauen des Kindes, indem Sie das Handy heimlich kontrollieren – ein offenes Gespräch ist der bessere Weg.

Instagram

Instagram gehört unter Jugendlichen zu den beliebtesten Apps. Dort werden Erlebnisse als Story geteilt, man erfährt, was gerade beim Lieblingsinfluencer los ist, informiert sich über einen Newschannel oder lässt sich einfach unterhalten.

_%_Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=zvLSkQ-yMCo_%_

Kurz gefasst:

  • soziales Netzwerk, das über die kostenlose App genutzt wird
  • Veröffentlichen und Anschauen von Fotos, kurzen Videos und sogenannten Stories
  • Mindestalter: 13 Jahre
  • Gehört zu Facebook
  • Vorsicht: beeinhaltet viel Werbung, Kinder und Jugendliche können mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden, Daten werden an Facebook weitergegeben

Was ist Instagram?

Instagram oder kurz Insta ist mehr als eine Bilder-Plattform. Im Feed (in der App über das Haus-Symbol zu erreichen) sieht man aktuelle Stories von Nutzerinnen und Nutzern, denen man folgt. Diese verschwinden nach 24 Stunden wieder. Außerdem kann man sich hier ihre neuesten geposteten Fotos und Videos anschauen. Benutzer finden hier eine große Vielfalt an Inhalten: Postings von Stars und Sternchen, zu Marken und Produkten, aktuelle Challenges bis hin zu persönlichen Profilen von Freunden. Sie können mit Likes und Kommentaren darauf reagieren.

Eigene Postings lassen sich mit Filtern, Emojis, Schriftarten usw. direkt in der App bearbeiten. In Bildunterschriften werden die eigenen Fotos und Videos mit einem Hashtag Themen zugeordnet. Unter Instagram Reels (unterhalb des Feeds über das Videosymbol zu erreichen) finden sich Kurzvideos im TikTok-Style.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche besonders an Instagram?

Die Beliebtheit von Instagram liegt unter anderem in der Beschränkung auf Fotos und Videos. Verschiedene und kinderleicht zu nutzende Tools helfen dabei, das Beste aus dem eigenen Bild herauszuholen. Gerade Jugendliche wollen sich ins beste Licht rücken und ihre Wirkung auf andere austesten. Außerdem lassen sich mit der App schnell und unkompliziert die schönsten Momente, die man mit Freunden oder der Familie erlebt, dokumentieren und teilen.

Kinder und Jugendliche finden auf Instagram immer neue Inhalte zu ihren Idolen. Sie können quasi rund um die Uhr verfolgen, was diese gerade tun, Bilder kommentieren und liken. Mit Insta lässt sich schnell mal die Wartezeit auf den Bus vertreiben oder man kann unbeobachtet verfolgen, was der Schwarm aus der Nachbarklasse in seiner Freizeit macht.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Wenn man sich bei Instagram mit einer E-Mail-Adresse oder via Facebook-Account registriert hat, sind erst einmal alle Informationen für jeden öffentlich sichtbar. Das betrifft z. B. Name, Profilbild und Beschreibung sowie alle geteilten Fotos und Videos. Stellt man seinen Account auf privat, können Bilder nur noch von den eigenen Followern gesehen werden.

Die App ermöglicht sogenanntes Crossposting. Das bedeutet, dass man ein Foto auch auf anderen Netzwerken wie Facebook teilen kann. Das kann schnell auch unbeabsichtigt passieren.

Über die geposteten Beiträge kann Instagram den Standort von Nutzern bestimmen. Privat eingestellte Konten verhindern das. Zu jedem geposteten Bild kann jedoch manuell nachträglich ein Standort hinzugefügt werden.

Auch bestimmte Inhalte können für Jugendliche problematisch sein. Das sind nicht nur Bilder, deren Inhalte für sie nicht geeignet sind, sondern z. B. auch Werbung. Hier spielen Influencer eine besondere Rolle, die Jugendliche nicht immer erkennen.

Die gemeinsame Datenschutzerklärung von Facebook und Instagram, der jeder Nutzer bei der Registrierung zustimmt, erlaubt das Teilen von Nutzerdaten mit anderen Unternehmen der Facebook-Gruppe und mit Dritten.

Was meint der Anbieter?

Das offizielle Mindestalter für die Nutzung von Instagram liegt bei 13 Jahren, es findet jedoch keine wirksame Alterskontrolle statt. Bis Ihr Kind 18 Jahre als ist, müssen Sie der Nutzung zustimmen. Es gibt umfangreiche Nutzungs- und Einstellungshinweise. Bei Handysektor können Sie die Nutzungsbedingungen in Kurzfassung nachlesen.

Was sollten Eltern beachten?

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, ab welchem Alter und nach welchen Regeln es Instagram nutzen darf. Nicht alle Fotos müssen mit jedem oder auch nur mit Freunden über das Internet geteilt werden!

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, sein Profil direkt nach der Registrierung auf privat umzustellen. Dann kann es nur von vorab bestätigten Followern eingesehen werden. Wenn Ihr Kind die Fotos von Instagram auch auf anderen Netzwerken teilen möchte, sollten dort auch die Privatsphäre-Einstellungen angepasst werden.

Zeigen Sie mit Ihrem Kind die Möglichkeit, andere Nutzer zu blockieren oder zu melden. Es sollte wissen, wann es diese Funktionen einsetzen kann und sollte – z. B. wenn Fremde es via Instagram anschreiben oder jemand Ihr Kind in den Kommentaren beleidigt. Instagram kann über die geposteten Beiträge den Standort herausfinden. Ihr Kind sollte wissen, dass dies Risiken mit sich bringt, z. B. dass man von Fremden aufgefunden werden kann.

Bleiben Sie interessiert und fragen Sie regelmäßig nach, wem Ihr Kind auf Instagram folgt. Seien Sie immer ansprechbar, falls es unangenehme Erfahrungen auf der Plattform macht.

TikTok – die angesagte Kurzvideo-App

TikTok gehört zu den beliebtesten Apps unter Jugendlichen. Sie ist eine Plattform für kreative Kurzvideos aller Art.

Kurz gefasst

  • kostenlose Social-Media-App
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter: 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz sowie Einschränkung der Meinungsfreiheit

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne eines Trends oder einer Challenge weitergeführt. 

Die Videos einiger TikTokerinnen und TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um selbst Videos zu erstellen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

TikTok bringt immer mehr Funktionen heraus, z. B. sich im Duett mit anderen Usern filmen, die Clips anderer weiterführen (Stitch) oder Livestreams. Diese kann man in Echtzeit kommentieren und Fragen an den jeweiligen TikToker stellen. Außerdem nutzen zunehmend auch Unternehmen die Plattform, um darüber zu werben.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. 

Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Die Hürde, ein eigenes Video zu erstellen und zu teilen, ist niedrig: In der App gibt es viele Videoeffekte und eine Musikbibliothek mit beliebten Songs, die sofort verwendet werden können. 

Kinder und Jugendliche schätzen an TikTok, dass es darin weniger um Perfektion und Professionalität gehe, wie auf Instagram oder YouTube, sondern Kreativität und Spaß im Vordergrund stehen. Die Videos sind näher am Alltag und die TikToker werden als nahbarer empfunden. Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein. 

Was ist problematisch an dem Angebot?

Es gibt eine Reihe von Dingen, die Sie und Ihr Kind vor der Nutzung der App berücksichtigen sollten:

  • Kinder ab 13 Jahren brauchen für die Anmeldung das Einverständnis der Eltern. Die Altersangabe wird bei der Registrierung aber nicht nachgeprüft.
  • Die Voreinstellungen der App sind gerade für Heranwachsende unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.
  • Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Jugendliche mit Inhalten in Berührung kommen, die für sie ungeeignet sind. 
  • Wenn Ihr Kind eigene Videos bei TikTok einstellt, muss es mit negativen Reaktionen rechnen. Sogenannter Hate ist unter Jugendlichen auf Social-Media-Plattformen weit verbreitet. 
  • Da die Beiträge nicht moderiert werden, können kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es gibt ein hohes Risiko für Cybermobbing.
  • Die Nutzenden haben keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da sie sonst gegen die Bild- und Urheberrechte verstoßen. Sind andere Personen im Video zu sehen, muss man sie immer um Erlaubnis fragen. TikTok erhält außerdem die Rechte an den veröffentlichten Videos.
  • Der Anbieter Bytedance finanziert sich über Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker zudem ihr Guthaben aufladen. Davon lassen sich z. B. Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.
  • Manche Challenges, die in sozialen Netzwerken kursieren, können gefährlich werden oder befördern problematische Verhaltensweisen wie etwa Essstörungen. TikTok blockiert solche Inhalte nicht.
  • Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

Der chinesische Betreiber Bytedance ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst und passt seine Sicherheitseinstellungen nach und nach an. So wurde zum Beispiel ein Mindestalter (16 Jahre) für das Versenden von Direktnachrichten eingeführt.

In der App wird nach der Registrierung durch einen roten Punkt auf die Einstellungen verwiesen. Im Sicherheitszentrum der TikTok-Website können Eltern Tipps nachlesen.

Der “Begleitete Modus” ermöglicht es Eltern, bestimmte Einstellungen für ein Familienmitglied vorzunehmen. Beispielsweise können Sie angeben, wer Ihrem Kind Nachrichten schicken und wie lange es Videos schauen darf. Generell lassen sich Userkonten melden und/oder blockieren und es gibt einen Filter für beleidigende Kommentare. Allerdings ist fraglich, ob der tatsächlich funktioniert. Algorithmen können den Kontext nicht richtig einordnen und filtern eventuell mehr heraus als nötig oder “übersehen” Kommentare.

TikTok steht wegen seiner Moderationsregeln in der Kritik, denn offenbar wird stark kontrolliert, welche Videos die Nutzenden sehen können.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei TikTok anmelden möchte, fragen Sie nach seiner Motivation. Sehen Sie sich vor dem Download gemeinsam die Nutzungsbedingungen an. Bei Handysektor finden Sie diese in einem kurzen Überblick. Um die App zu erkunden, ist es nicht notwendig, einen Account zu erstellen. Vielleicht ist das für den Anfang eine gute Option für Ihr Kind, um herauszufinden, ob ihm TikTok überhaupt gefällt.

Wenn es irgendwann einen Account geben soll, richten Sie diesen gemeinsam ein und probieren Sie zusammen die ersten Schritte aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann. Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.

Konflikte im Netz

Unter YouTube-Videos oder in sozialen Netzwerken findet man oft Kommentare von Leuten, die sich aufregen, beleidigen oder einfach nur rumpöbeln. Viele Nutzer haben schon Kontakt mit Mobbing gehabt – bei sich oder bei anderen. Nicht nur Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, werden von anderen Internetnutzern fertiggemacht. Gehört das einfach zum Leben dazu?

Hinter Konflikten stecken immer Menschen – auch online

Das Internet kann nichts dafür, dass Menschen aneinander geraten oder sich schaden wollen. Im Netz ist es aber für einige Menschen besonders verlockend, zu betrügen, zu beleidigen oder zu bedrohen. Es fällt ihnen leichter, Konflikte anzuzetteln, wenn sie nicht direkt merken, dass die andere Person leidet. Dabei sind Gemeinheiten nicht weniger schlimm, nur weil sie online stattfinden.

Das Internet ist keineswegs ein rechtsfreier Raum und niemand sollte Angst haben müssen, ins Netz zu gehen. Es gelten die gleichen Regeln und Gesetze wie sonst auch, und es ist wichtig, dass alle diese kennen und einhalten.

Konflikte gibt es überall

Zwischen Menschen kommt es immer mal zu Konflikten, auch Kinder und Jugendliche streiten sich. Das ist ganz normal und so lernen sie, mit Konflikten umzugehen – offline wie online. Allerdings ist es für sie oft schwieriger einzuschätzen, wie weit man gehen kann und ab wann Grenzen überschritten sind. Besonders bei Hassnachrichten und Mobbing sind Kinder und Jugendliche manchmal sehr gemein, ohne dass sie es selbst merken.

Je älter Ihr Kind wird, desto mehr ist es online unterwegs und kann dort auch mit Erwachsenen in Konflikte geraten. Im Teeniealter nutzen Kinder mehr und mehr Plattformen oder Apps, auf denen sie auf Nachrichten, Kommentare und Inhalte stoßen können, die Hass, Hetze und Unwahrheiten verbreiten. Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihr Kind dabei nicht allein lassen und rechtzeitig darauf vorbereiten, wie es damit umgehen kann.

Der Umgang mit Konflikten

Das Wichtigste ist, dass Ihr Kind weiß, dass Sie ansprechbar sind und bei Problemen und Konflikten unterstützen. Kinder und Jugendliche lernen erst nach und nach, Risiken und Gefahren gut einzuschätzen und mit Konflikten umzugehen. Dabei können verschiedene Strategien hilfreich sein:

  • Gewaltfrei kommunizieren. Auch wenn es manchmal schwer fällt, sollte man selbst stets höflich bleiben und den Konflikt damit nicht weiter anheizen.
  • Lieber face-to-face. Online kommt es schnell zu Missverständnissen. Außerdem ist die Hemmschwelle zu Gemeinheiten niedriger. Besser ist, man klärt einen Konflikt in einem direkten Gespräch.
  • Problem benennen.     Es ist wichtig, dass man ein Problem auch als solches bezeichnet, wenn man Beleidigungen, Bedrohungen oder Hass entdeckt.
  • Grenzen setzen. Man muss dem Gegenüber deutlich machen, wann eine Grenze erreicht ist. Manchmal hilft das schon, einen Konflikt einzudämmen.
  • Hilfe holen. Man muss nicht alles alleine schaffen. Man kann sich Freunde, Familie, Lehrkräfte oder auch andere Leute im Netz suchen, die einen unterstützen.
  • Unterstützen. Manchmal bekommt man einen Konflikt mit, ist aber selbst nicht beteiligt. Dann ist es wichtig, Hilfe anzubieten und die betroffene Person zu unterstützen.
  • Widersprechen. Wenn man sich traut, kann man auch diskutieren und widersprechen. Hier bietet sich an, erstmal nur klare Grenzen zu setzen und Probleme zu benennen.
  • Melden. Alle Plattformen im Netz bieten an, dass Inhalte gemeldet werden. Wenn man also Beleidigungen, Hassinhalte, Fake News oder ähnliches sieht, kümmern sich meistens auch die Plattformen darum, wenn man ihnen Bescheid gibt.

Mehr zum Thema “Konflikte im Netz” gibt es bei folgenden Anlaufstellen:
– Umgang mit Hass in Social Media bei der Amadeu-Antonio-Stiftung.
– Mobbing bei Juuuport.
– Umgang mit Betrug und Falschinformationen bei Mimikama.

Mediennutzungsvertrag

Wer darf was und wie lange mit Medien machen? Diese Fragen kommen in jeder Familie früher oder später vor und sorgen nicht selten für Stress und Streit. Regeln zur Mediennutzung können helfen, eine Struktur zu schaffen und Konflikte zu vermeiden. Diese können von Eltern und Kinder gemeinsam besprochen und in einem Vertrag festgehalten werden. Dafür eignet sich das hier vorgestellte Online-Tool für einen Mediennutzungsvertrag – ein Angebot von klicksafe und dem Internet-ABC.

Kurz gefasst:

  • Kostenloses Online-Tool, erreichbar über: www.mediennutzungsvertrag.de
  • Vertrag lässt sich individuell anpassen und personalisieren
  • Auswahl aus vielen Regelvorschlägen
  • Eigene Regeln sind integrierbar
  • Kreative Hintergründe
  • Direkt zum Ausdrucken

Wie funktioniert die Erstellung des Vertrags?

Das Tool führt Sie Schritt für Schritt bis zum fertigen Papier. Sie können aus zwei Altersgruppen wählen (6-12 Jahre und 12+) und sich ein Titeldesign, ein Maskottchen und einen Hintergrund aussuchen. Alle Regeln, die Sie auswählen, werden wie Bausteine automatisch eingefügt, sodass man den Überblick behält. Jeder Baustein kann einzeln bearbeitet werden. Natürlich können Sie auch eigene Regeln einfügen. Am Ende speichern Sie das Dokument, dann kann es zu einem anderen Zeitpunkt ergänzt werden. Sie können auch mehrere Verträge für verschiedene Kinder anlegen.

Tipps und Hintergründe

Nutzen Sie die Bausteine als Vorschlag, um in Ihrer Familie über den Medienumgang ins Gespräch zu kommen. Über einige mögliche Regeln haben Sie vielleicht noch gar nicht nachgedacht, andere sind bereits selbstverständlich. Setzen Sie Schwerpunkte, denn das Tool bietet sehr viele Ideen, die nicht alle umgesetzt werden müssen. Es gibt verschiedene Arten von Regeln:

  • Allgemeine Regeln (wie Umgang mit Konflikten, bedenkliche Inhalte, Umgang mit Geräten)
  • Zeitliche Regelung (Festlegung von Zeitkontingenten)
  • Handy (wie Umgang mit Apps und Daten, handyfreie Orte, Umgang mit Kosten)
  • Internet (wie Sicherheitseinstellungen, Nutzung von Webseiten)
  • Fernsehen (wie altersgerechte Angebote, gemeinsame Nutzung)
  • Spiele (wie gemeinsame Spiele, Fairness)

Ein Vertrag ist nichts anderes als aufgeschriebene Regeln, auf die man sich geeinigt hat. Der Vorteil ist, dass man immer wieder drauf schauen und sich daran erinnern kann.

Eine Besonderheit ist, dass auch Regeln für Eltern festgelegt werden können. Eltern können sich beispielsweise dazu verpflichten, das Handy auch nicht beim Abendessen zu nutzen, oder Medieninhalte für Erwachsene nur in Abwesenheit der Kinder zu nutzen. Denn für Kinder sind Regeln verständlicher, wenn sich alle daran halten müssen und Sie als gutes Beispiel voran gehen.

Mobiles Kinderfernsehen mit der KiKA-Player-App

Videos schauen mit dem Smartphone oder dem Tablet hat viele Vorteile. Man muss sich vor allem nicht nach Programmzeiten im Fernsehen richten. Mit der KiKA-Player-App sucht man sich selbst aus, welche Sendung man gerade schauen möchte.

Kurz gefasst:

  • Kostenlose und werbefreie App für iOS oder Android
  • Geeignet für Kinder von 3 bis 13 Jahren
  • Nutzungsdauer einstellbar
  • Keine Datenweitergabe

Was kann die KiKA-Player-App?

Mit der KiKA-Player-App kann man ein ausgewähltes Programm aus dem Angebot des Kinderkanal auf dem Smartphone schauen. Es richtet sich an Kinder vom Vorschulalter bis ca. 13 Jahren. Mit der Möglichkeit, verschiedene Profile für mehrere Kinder anzulegen, kann die App passende altersgerechte Inhalte vorschlagen. In den Profilen können auch die jeweiligen Lieblingsvideos abgespeichert werden. Eltern können mit dem „AppWecker“ durch ein Passwort die Nutzungszeit festlegen, z. B. auf eine Stunde am Tag. Es gibt zudem die Möglichkeit, die App nur auf Videos zu beschränken, die für Vorschulkinder geeignet sind.

Was fasziniert Kinder daran?

Die Bedienung und die Gestaltung sind besonders kinderfreundlich. Jedes Kind kann seinen eigenen Avatar und die Lieblingsfarbe auswählen. Kinder vom Vorschulalter bis ins Schulalter finden hier die beliebten und altersgerechten Angebote, die sie aus dem KiKA kennen – von Shaun das Schaf über logo! bis zu Schloss Einstein. Der KiKA-Player ist die Erweiterung der KiKANiNCHEN-App, die für “Medieneinsteiger” zwischen ca. 3 bis 5 Jahren gedacht ist.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Bisher funktioniert die KiKA-Player-App nur online. Die Möglichkeit, einzelne Videos herunterzuladen bzw. für die (spätere) Offline-Nutzung zu speichern, wie es bei anderen Mediatheken im Netz der Fall ist, gibt es derzeit nicht. Ständig mit dem Internet verbunden zu sein, kann leicht zur Ablenkung führen. Schon Erwachsenen fällt es manchmal schwer, sich nicht im Internet zu verlieren und dabei die Zeit zu vergessen. Für Kinder ist es meistens noch schwieriger, die Zeit im Blick zu behalten. Immer neue Vorschläge, was man als nächstes ansehen kann, können überfordern und Stress auslösen.

Wer ist der Anbieter?

KiKA ist ein Fernsehprogramm speziell für Kinder von ARD und  ZDF. Damit gehört der Sender zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und kann sich ohne Werbung finanzieren.

Der Kinderkanal versucht sowohl Unterhaltung, Informationen und Kinderrechte für Kinder zugänglich zu machen.

Alle Nutzungsdaten werden anonymisiert, gesammelt und ausgewertet. Persönliche Daten werden mit dieser Voreinstellung nicht an den KiKA oder an Dritte weitergegeben, wenn Sie das nicht ändern. Sie können die Datenauswertung im Erwachsenenbereich der App unter dem Punkt Datenschutz auch vollständig deaktivieren.

Was sollten Eltern beachten?

Achten Sie darauf, dass Sie mit dem WLAN verbunden sind, wenn Sie die App nutzen, denn sie funktioniert nur online.

Entdecken Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Angebot und finden Sie heraus, welche Sendungen ihm am besten gefallen. Legen Sie feste Tageszeiten fest, an denen die Videos geschaut werden dürfen, damit Ihr Kind auch ausreichend medienfreie Zeit mit Ihnen oder mit Gleichaltrigen verbringen kann.

Kindersicherung auf Smartphone oder Tablet mit TimeLimit

Mit der App TimeLimit kann man den Zugriff auf bestimmte Apps auf dem Smartphone einschränken. Das Besondere: Sie können für verschiedene Apps unterschiedliche Nutzungseinstellungen anlegen. Außerdem speichert TimeLimit in der Basisversion keine Daten.

Kurz gefasst:

  • flexible Zeit- und Nutzungseinstellungen für verschiedene Apps auf dem Smartphone/Tablet
  • läuft nur unter Android
  • keine Alterseinschränkung
  • keine Datenspeicherung und keine Werbung
  • in der Basisversion kostenfrei (Vollversion für 1,- € pro Monat)

Was kann die App?

Möglicherweise kennen Sie die App unter dem Namen JoLo-Kindersicherung. In der weiterentwickelten Version heißt sie TimeLimit. Die App lässt sich auf Smartphones und Tablets mit Android installieren. Man installiert sie entweder auf dem Gerät des Kindes oder dem eigenen, wenn das Kind noch kein eigenes Smartphone nutzt. Außerdem ist es möglich, Einstellungen auf dem Gerät des Kindes über das eigene Smartphone zu steuern.

In der App können verschiedene Nutzerprofile angelegt werden, auf die mit einem Passwort zugegriffen werden kann. Man kann über TimeLimit Apps auswählen, die grundsätzlich zur Nutzung oder nur an bestimmten Wochentagen und zu einer bestimmten Zeit freigegeben sind. Wenn also die eingestellte Zeit für die jeweilige App oder das Gerät abgelaufen ist, kann sie oder es nicht mehr benutzt werden. Man kann also genau entscheiden, wann und wie viel etwas genutzt werden darf oder wer eine App verwenden darf, wenn mehrere Personen auf ein Gerät zugreifen.

Die kostenpflichtige Version ermöglicht es, Einstellungen über Gerätegrenzen hinweg vorzunehmen. Sie können entscheiden, ob Sie den lokalen oder vernetzten Modus verwenden, d. h. ob Sie Ihr Handy mit dem Ihres Kindes verbinden. Beim lokalen Modus bleiben alle Daten auf dem Gerät, auf dem die App installiert ist. Beim vernetzten Modus werden Daten über einen Server Ihrer Wahl übertragen. Sie können den Standardserver von TimeLimit verwenden oder – für mehr Kontrolle über Ihre Daten – die Serverkomponente auf einem eigenen Server installieren. Mit einer kostenpflichtigen Zusatzfunktion kann die Nutzungszeit für eine App über mehrere Geräte gezählt werden.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Ein Manko an der App ist, dass sie leider auf einigen Betriebssystemen und Geräten gar nicht oder nicht besonders gut läuft. Eine Installation auf Apple-Geräten ist nicht möglich. Auf Smartphones von Huawei und Wiko funktioniert die App nicht gut.

Zu beachten ist, dass die Energiesparfunktion einiger Smartphones im Hintergrund laufende Apps wie TimeLimit beenden oder deren Autostart verhindern. Auch vorinstallierte Task-Manager, System-Booster u. ä. sollten nicht aktiviert werden, da diese es teilweise ermöglichen, TimeLimit automatisch zu beenden. Im Nachhinein installierte Apps haben weniger Berechtigungen als vorinstallierte Apps und sind daher unproblematisch.

Was sagt der Anbieter?

Laut Aussage des deutschen Anbieters erstellt TimeLimit kein Protokoll über den Gebrauch der einzelnen Apps, so dass die Privatsphäre aller Nutzerinnen und Nutzer geschützt wird. Nach Angaben des Herstellers arbeitet TimeLimit außerdem mit einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung, somit dass der Anbieter die Daten nicht lesen kann.

Was sollten Eltern beachten?

Die Kontrolle der Smartphonenutzung Ihres Kindes sollten Sie sich genau überlegen und davon abhängig machen, wie alt Ihr Kind ist. Mit einer App wie TimeLimit ist keine Überwachung sondern nur die Einschränkung von Nutzungszeiten möglich. Diese sollten Sie vorab gemeinsam mit Ihrem Kind vereinbaren. Sie können auch Teil eines Mediennutzungsvertrag mit der Familie sein. Bildschirmzeiten und andere Regelungen sollten entsprechend des Alters regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Medien selber machen?!

Bilder malen, kneten oder aus Kastanien lustige Figuren basteln… Das sind typische Dinge, die Sie wahrscheinlich auch schon mit Ihren Kindern zu Hause gemacht haben. Aber Medien selber machen?! Typischerweise guckt man die doch nur oder spielt vielleicht mal ein Computerspiel. Dabei ist es gar nicht so schwer, kreativ zu werden und gemeinsam etwas zu produzieren. Und Spaß macht es auch!

Heute gibt es in jedem Haushalt mindestens ein Smartphone. Auch Tablets sind in vielen Familien vorhanden. Diese Geräte bieten unzählige Möglichkeiten zur Medienproduktion, die man einfach mal ausprobieren kann, weil sie meist gar nicht kompliziert sind. Smartphone und Tablet besitzen mindestens eine Kamera und ein eingebautes Mikrofon. In den App-Stores gibt es außerdem jede Menge Apps zur kreativen Gestaltung – für die Bildbearbeitung und zur Erstellung von Fotocollagen, um Trickfilme zu produzieren und Videos zu schneiden, zum Malen und Hörspiele machen und vieles mehr.

Indem man Medien selbst produziert, kann man eine Menge lernen und viel Spaß haben – und zwar Kinder und Erwachsene! Man lernt die technische Handhabung der Geräte und wie bestimmte Medien gemacht sind. Man erfährt, dass es ein bisschen Zeit braucht, bis ein Produkt so aussieht, wie man es sich vorstellt. Dabei ist Medienmachen nicht nur etwas für die Älteren. Schon Kindergartenkinder können einfache Trickfilme drehen oder Fotos bearbeiten. Vielleicht entdecken Sie dabei auch bisher verborgene Talente bei Ihrem Kind.

In den Beiträgen unterhalb dieses Artikels finden Sie unsere Anleitungen zum Medienmachen, um das gemeinsam mit Ihren Kindern auszuprobieren.

Minecraft wird “real” – Die AR-Spieleapp Minecraft Earth

Eines der beliebtesten Spiele bei Kindern und Jugendlichen, Minecraft, gibt es in einer neuen Variante – als Augmented-Reality-Game. Damit lassen sich Welten nicht mehr nur in einer virtuellen Umgebung sondern scheinbar im eigenen Kinderzimmer oder vor der Haustür erschaffen.

Kurz gefasst:

  • kostenlose Spiele-App
  • basiert auf dem Strategiespiel Minecraft
  • spielbar für Geräte ab iOS 10 und Android 8 (bisher noch als Vorabversion)
  • laut USK ab 6 Jahren geeignet (Google Play Store); empfohlen ab 9 Jahren
  • enthält In-App-Käufe

Was ist Minecraft Earth?

“Minecraft – Bau deine Welt” – das Motto des Herstellers von Minecraft gilt auch bei dieser Spielvariante. Mit Minecraft Earth kann man virtuelle Welten in der echten Welt bauen. Die AR-Technik (Augmented Reality) macht das möglich. Man richtet die Kamera des Handys auf seine Umgebung und auf dem Display werden vor dem echten Hintergrund virtuelle Objekte, in diesem Fall die typischen Minecraft-Blöcke und -Bauteile, eingeblendet. Man kann gemeinsam (mit bis zu 39 Mitspielern) oder alleine Welten erschaffen. Ähnlich wie bei Pokémon Go kann man auf Spaziergängen verschiedene Blöcke oder Kreaturen sammeln.

Im Gegensatz zum “normalen” Minecraft sind die Funktionen etwas eingeschränkt. Features wie Herausforderungen und Kämpfe gibt es noch nicht, sind aber angekündigt.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

An diesem neuen Spiel wird Kinder wahrscheinlich begeistern, dass sie selbst erbaute Welten in ihrer realen Umgebung erleben und betrachten können. Dabei können Bauwerke überlebensgroß werden. Auch die Welten anderer lassen sich erkunden. Spaziergänge mit der Familie werden spannender, wenn man unterwegs auf Gegenstände aus Minecraft trifft.

Was ist problematisch an dem Spiel?

Das Augmented Reality-Prinzip birgt Risiken, da sich die Spieler während des Spiels in der realen Welt bewegen (müssen). Der Blick ist jedoch eher auf das Handydisplay gerichtet. Beim Spielen sollte man immer besonders darauf achten, auch die echte Umgebung aufmerksam im Blick zu haben, sodass man sich nicht in gefährliche Situationen begibt oder andere in Gefahr bringt. Besonders in der Nähe von Straßen, Gewässern und in der Dunkelheit sollte man das Spielen vermeiden.

Einige Figuren im Spiel können insbesondere für jüngere Kinder beängstigend sein, z. B. “Creeper”, aggressive grüne Monster, die sich anschleichen und explodieren, um umstehende Wesen zu verletzen und vernichten und die Landschaften zerstören.

Problematisch ist auch das Geschäftsmodell hinter Minecraft Earth. Im Vergleich zum kostenpflichtigen Minecraft kommt man mit der kostenlosen App schnell an Grenzen und kann ohne Geldeinsatz nicht unbegrenzt bauen. Das kann besonders Kinder und Jugendliche dazu verleiten, Geld auszugeben.

Was meint der Anbieter?

Auf der offiziellen Webseite des Anbieters wird auf der Startseite mit einem “Sicherheit zuerst!”-Video in englischer Sprache auf die Risiken der AR-Technik hingewiesen. Zum Schutz der Spieler weist der Anbieter darauf hin, niemals die reale Umgebung aus den Augen zu verlieren. Außerdem finden sich auf der Webseite in englischer Sprache die “Community Standards”, in denen u. a. ein freundliches und respektvolles Miteinander beim Spielen gefordert wird.

Was sollten Eltern beachten?

Minecraft Earth gibt es zur Zeit als Vorab-Variante (Early Access) und befindet sich noch im Entwicklungsmodus. Deshalb kann sie beim Spielen gelegentlich abstürzen. Achten Sie darauf, die App nur vom Originalanbieter Mojave herunterzuladen, um sich keine Viren und Maleware einzufangen.

Vor dem ersten Spielen sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die ersten Schritte entdecken. Dies gilt insbesondere bei jüngeren Kindern. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die erwähnten Risiken durch die AR-Technik. Da man beim Spielen oft an unbekannte Orte gelangt, sollte Ihr Kind stets mit Freunden und nicht bei Dunkelheit losziehen.

Minecraft hat kein klassisches Ende. Das verleitet dazu, endlos weiterspielen zu wollen. Legen Sie daher gemeinsam feste Spielzeiten fest. Regeln Sie außerdem den Umgang mit In-App-Käufen. Hier können Sie Beschränkungen mit Hilfe der Familienfreigabe von Apple oder der Familienmediathek bei Google festlegen.

Alles unter Kontrolle? Wie Parental Control Apps für mehr Sicherheit sorgen wollen

Als Eltern wollen Sie Ihre Kinder vor allen möglichen Gefahren und Risiken schützen – ob auf dem Weg zur Schule, im Straßenverkehr oder im Internet. Sogenannte Parental Control Apps möchten Sie dabei unterstützen: Mit unterschiedlichen Funktionen wollen sie für höhere Sicherheit für Ihr Kind sorgen. Aber: Was ist dran an den Versprechen dieser Apps, welche Funktionen sind sinnvoll und welche Risiken bergen die Apps selbst?

Was können solche Apps?

Einige dieser Apps setzen vor allem darauf, den Standort Ihres Kindes über GPS-Tracking ermitteln zu können. Diese müssen  auf dem Elterngerät und auf dem Smartphone des Kindes installiert, GPS und “Mobile Daten” aktiviert sein. Einige Apps bieten auch die Möglichkeit, virtuelle Grenzen und Zonen festzulegen: Verlässt Ihr Kind eine dieser Zonen, wie z. B. den Schulhof, ertönt bei Ihrem Smartphone ein Signal.

Mit anderen Apps kann man zusätzlich die eingehenden und ausgehenden Telefonate, SMS sowie Bild-, Video und Tonmaterial einsehen. Auch die Social-Media-Aktivitäten und den kompletten Browserverlauf kann man bei bestimmten Anwendungen kontrollieren. Bestimmte Funktionen können außerdem aus der Ferne gesperrt und Inhalte blockiert werden.

Andere Apps, wie z. B. JoLo Kindersicherung, setzen auf den Schutz Ihres Kindes anstatt auf Überwachung. Diese werden auf dem Smartphone des Kindes installiert. Mit dem Setzen eines Passworts können Sie diejenigen Apps auswählen, die Ihr Kind gar nicht nutzen darf oder nur für eine bestimmte Zeit an bestimmten Wochentagen. Auch Inhalte können durch Filter gesperrt werden. Dafür eignet sich z. B. die iPhone-App JusProg. Auch Google Family Link bringt viele dieser Funktionen mit. Die App haben wir in diesem Beitrag genauer unter die Lupe genommen.

Was kann problematisch sein an diesen Apps?

Solche Apps versprechen Ihnen als Eltern mehr Sicherheit für Ihr Kind. Doch die vermeintliche Sicherheit hat teilweise ihren Preis und die Kontroll-Apps geraten nicht umsonst immer wieder in die Kritik. In einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts wurden viele Apps getestet. Das Institut hat vor allem hinsichtlich der Datensicherheit große Bedenken. Die Daten Ihres Kindes werden meist unverschlüsselt auf unbekannten Servern gespeichert – Standort, Tonaufnahmen, aber auch Bilder und Videos können so schnell in die falschen Hände geraten.

Außerdem bedeuten viele dieser Apps einen massiven Eingriff in die Privatsphäre Ihres Kindes. Auch Ihr Kind hat ein Recht darauf und braucht seine Freiheiten und Geheimnisse. Das gehört zu einer kindgerechten Entwicklung dazu. Hätten Sie gewollt, dass Ihre Eltern alles wissen, was Sie mit Ihren Freundinnen oder Freunden austauschen?

Die App vermittelt für Sie vielleicht ein Sicherheitsgefühl, für Ihr Kind kann die ständige Kontrolle aber sehr unangenehm sein. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, Überwachung sei etwas Normales. Zudem ist die Frage, ob die Tatsache, dass Sie einsehen können, was Ihr Kind mit dem Smartphone macht, wirklich zu mehr Sicherheit führt.

Was können Sie als Eltern für den Schutz Ihres Kindes tun?

Suchen Sie deshalb regelmäßig das Gespräch mit Ihrem Kind und sensibilisieren es für mögliche Risiken. Fragen Sie nach und lassen Sie sich zeigen, welche sozialen Netzwerke Ihr Kind nutzt und welche Fotos es zum Beispiel teilt.

Seien Sie dabei offen und lassen Sie sich die Begeisterung für bestimmte Netzwerke und Apps erklären. Geben Sie Ihrem Kind aber auch die Freiheit, Dinge für sich zu behalten.

Wenn Sie solche Apps ausprobieren wollen, sehen Sie sich den Funktionsumfang genau an. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und entscheiden Sie, welche App auch ihm oder ihr ein sicheres Gefühl geben würde.

Möchten Sie Ihr Kind vor gefährlichen Inhalten schützen oder die Zeit am Smartphone begrenzen, bringen oft Smartphones selbst Einstellungsmöglichkeiten wie Filter oder Bildschirmzeit mit. Oder nutzen Sie ausgewiesene Kinder- und Jugendschutzprogramme.

Den Live-Standort Ihres Kindes sehen Sie mit diesen Apps nicht. Statt Überwachung sollten Sie Ihrem Kind Vertrauen entgegenbringen. Besprechen Sie morgens, wann es wo ist. Ihr Kind kann Sie benachrichtigen, wenn sich die Pläne für den Nachmittag kurzfristig ändern – schließlich ist es auch ohne GPS-Tracking über das eigene Smartphone fast immer erreichbar. Ein langer Schulweg kann vielleicht gemeinsam mit einem Nachbarskind bestritten werden. Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Sie nicht wissen, wo es sich aufhält.

Google Family Link – die Smartphonenutzung von Kindern kontrollieren?

Haben Sie Sorge, dass Ihr Kind, sobald es ein eigenes Smartphone hat, zu viel Zeit damit verbringt und auf Inhalte zugreift, die nicht altersgemäß sind?  Die App Google Family Link für Eltern und für Kinder möchte Abhilfe schaffen und bietet einige Möglichkeiten, die Handynutzung des Kindes gemeinsam zu regulieren.

Kurz gefasst:

  • Kinderkontos für Google-Dienste erstellen und verwalten
  • Die App ist kostenlos für iOS und Android
  • Zielgruppe der App sind Eltern
  • Einrichtung verschiedener Accounts je nach Alter, aber auch Kontrolle und “Überwachung” der kindlichen Handynutzung

Was ist Google Family Link für Eltern?

Mit Google Family Link können Eltern für Kinder unter 16 Jahren einen eingeschränkten Google-Account einrichten und die Smartphone-Nutzung Ihres Kindes im Blick behalten, wenn es sich um ein Android-Gerät handelt. Dafür muss Google Family Link für Kinder zunächst auf dem Smartphone Ihres Kindes eingerichtet werden. Auf Ihrem Gerät können Sie über die App Google Family Link für Eltern Einstellungen für das Gerät Ihres Kindes vornehmen.

Über die App lassen sich unter anderem Nutzungszeiten für das Smartphone festlegen, der Zugriff auf bestimmte Apps beschränken oder In-App-Käufe sperren. Man kann damit nachvollziehen, welche Apps das Kind wie oft verwendet. Auch die Nutzung des Handys selbst lässt sich einschränken und das Handy des Kindes kann mit der App geortet werden. Die Einstellungen lassen sich auch online – ohne Smartphone – über ein Google-Konto der Eltern vornehmen.

Seit dem Update im September 2019 hat die App noch weitere Funktionen: Nun können Eltern die maximale Nutzungsdauer für jede App einzeln bestimmen. Außerdem ist es möglich, nach Ablauf der festgelegten maximalen Nutzungsdauer eine Bonuszeit draufzulegen (in Schritten von 5 Minuten).

Was kann problematisch an Google Family Link sein?

Aus Elternsicht sind die angebotenen Funktionen sinnvoll, weil verhindert werden kann, dass Kinder zu viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen oder dass ungeeignete Apps genutzt werden. Kritisch zu sehen ist die App, wenn sie nicht zum Schutz der Kinder eingesetzt wird, sondern um sie zu kontrollieren oder gar zu überwachen. Deshalb sollte die Nutzung der App vorher unbedingt mit dem Kind besprochen und mit ihm gemeinsam eingerichtet werden!

Da es eine Google-App ist, kann sie vorrangig für Google-Dienste und Android-Geräte genutzt werden. Andere Apps lassen sich darüber nicht steuern. Hinzu kommt, dass Google Family Link selbst keine unangemessenen oder jugendgefährdenden Inhalte blockiert, sondern ganze Angebote zulässt oder freigibt – je nach Einstellung, die Sie als Eltern getroffen haben. Es kann z. B. sein, dass Ihr Kind trotz App bei YouTube Videos vorgeschlagen bekommt, die Gewalt beinhalten. Um Inhalte bei YouTube einzuschränken, müssen Sie in der YouTube-App selbst Filtereinstellungen vornehmen. Auch Werbung innerhalb der Google-Apps kann mit der Google Family Link nicht ausgeschaltet werden.

Das Unternehmen Google erhält durch die Einrichtung eines Kinderkontos Zugang zu den Daten und dem gesamten Nutzungsverhalten Ihres Kindes.

Was sagt der Anbieter?

Für Google stellt Family Link eine Unterstützung der Medienerziehung in der Familie dar, da gemeinsame Nutzungsregeln vereinbart und über die App kontrolliert werden können. Es soll ermöglicht werden, Kinder bei der Handynutzung zu beaufsichtigen.

Auch wenn keine unangemessenen Inhalte mit der App gefiltert werden können, werden Eltern gezielt auf Filtermöglichkeiten bestimmter Dienste, wie die SafeSearch-Funktion in der Google-Suche, den Jugendschutzfilter im Google-Browser Chrome oder den eingeschränkten Modus von YouTube, hingewiesen. Mehr dazu in der Hilfe von Google.

Was sollten Eltern beachten?

Überlegen Sie genau, ob die Nutzung einer solchen App für Ihre Familie das Richtige ist. Bei jüngeren Kindern kann es sinnvoll sein, ein gewisses Maß an Kontrolle auszuüben. Egal, wofür Sie sich entscheiden, ist dies ein guter Anlass, sich gemeinsam Nutzungsregeln für Smartphone & Co. zu überlegen.

Die Verwendung von Google Family Link erfordert immer, dass das Handy Ihres Kindes Internetzugang hat. Möglicherweise ist das nicht gegeben oder Ihr Kind soll nicht ständig online sein.
Wenn Sie sich für die Nutzung entscheiden, sollten Sie die App zusammen mit Ihrem Kind installieren und einrichten. Sprechen Sie  darüber, welche Funktionen sinnvoll sind, um die Nutzungsregeln einzuhalten. Welche Einstellungen sind nicht notwendig, weil Ihr Kind schon reif genug ist, selbst darauf zu achten? Besprechen Sie sich in regelmäßigen Abständen, ob die App und ihre Einstellungen noch sinnvoll sind oder sie deaktiviert werden können. Wenn Sie die App für mehrere Handys nutzen wollen, können Sie verschiedene Unterkonten je nach Alter des Kindes einrichten.

Auch was die Datennutzung durch Google angeht, sollten Sie die Einstellungen genau prüfen. Bei der Datenspeicherung sind automatisch bestimmte Funktionen aktiviert, die Sie ausschalten können. Lesen Sie mehr zu Installation und Einrichtung der App bei mobilsicher.de.

Jugendliche im digitalen Stress

Das Smartphone brummt in der Tasche und wenn Sie draufschauen, warten 15 neue Nachrichten in der Familiengruppe und eine Sprachnachricht der besten Freundin auf eine Antwort. Das kann schon mal nerven oder sogar stressig sein – auch für Kinder und Jugendliche, wenn sie ein eigenes Smartphone haben. In einer neuen Studie wurde herausgefunden, dass sich viele 11- bis 17-Jährigen von der Nutzung digitaler Geräte gestresst fühlen. Aber wie kommt das?

Was steckt hinter digitalem Stress?

Die meisten Jugendlichen – aber auch viele Erwachsene – gehen davon aus, dass sie auf Nachrichten bei WhatsApp, Instagram und Co. innerhalb weniger Minuten eine Antwort bekommen oder reagieren müssen. Diese Erwartung auf beiden Seiten kann zu Stress führen, weil man denkt, immer erreichbar sein zu müssen.

Für Kinder und Jugendliche gehört es dazu, sich ständig mit seinen Freundinnen und Freunden via Messenger-Apps oder über soziale Netzwerke auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Damit ist aber auch ein sozialer Druck verbunden. Wenn man sich z. B. in Gruppenchats nicht beteiligt, fürchten vor allem jüngere Jugendliche, auch auf dem Schulhof ausgeschlossen zu werden. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich der Nachrichtenflut zu entziehen.

Schon morgens nach dem Aufwachen geht bei vielen Jugendlichen als Erstes die Hand ganz automatisch zum Smartphone. Das passiert auch zu anderen Zeiten – oft ganz unbewusst oder aus Langeweile.

Gleichzeitig sind viele Jugendliche genervt, dass ihre Freundinnen und Freunde ständig auf das Handy schauen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Andersherum können sie selbst nur schwer den Blick vom Handy lösen und checken das Smartphone ständig auf eingegangene Nachrichten. Wenn eine rote Zahl am App-Symbol auf dem Display erscheint, ist man aufgeregt und neugierig. Es ist ein kleines Glücksgefühl, das man so oft wie möglich haben möchte und auch deshalb ständig aufs Handy schaut.

Digitaler Stress hängt vor allem mit ständiger Erreichbarkeit, Ablenkung und Kontrolle zusammen. Ältere Jugendliche sind sich dem Problem aber oft schon bewusst und versuchen, eigene Lösungen dafür zu finden.

Strategien gegen digitalen Stress

Im Zeitalter von Smartphones, mobilem Internet und Messengern kann wohl fast jede oder jeder etwas mit dem Begriff digitaler Stress anfangen. Viele Kinder und Jugendliche stört es, dass auch ihre Eltern zu oft auf das Smartphone gucken. Wenn Sie sich selbst von Ihrem Smartphone gestresst fühlen, sprechen Sie offen mit Ihrem Kind darüber, dass Sie nachvollziehen können, wenn es das Smartphone nicht aus der Hand legen kann.

Finden Sie zusammen mit der ganzen Familie Strategien, um den Stress zu verringern. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf, um die Zeit am Handy zu reduzieren. An diese Regeln, wie zum Beispiel ein Handyverbot beim gemeinsamen Essen, müssen sich dann natürlich auch die Erwachsenen halten!

Es kann außerdem nützlich sein, regelmäßig für eine begrenzte Zeit den Flugmodus einzuschalten, um sich ganz bewusst der Nachrichtenflut zu entziehen. Oder Sie verabreden eine “digitale Diät”, bei der alle Familienmitglieder einige Zeit komplett auf digitale Medien und Internet verzichten. Wenn Sie stattdessen als Familie etwas Schönes zusammen unternehmen, fällt der Verzicht vielleicht nicht ganz so schwer!

Von A wie Amazon Music bis S wie Spotify – Musik hören über das Internet

Musik über Spotify oder Deezer zu hören anstatt das Radio anzuschalten, ist in vielen Haushalten ganz normal. Auch Kinder und Jugendliche nutzen solche Angebote gern über ihr Smartphone. Der praktische Musikplayer im Hosentaschenformat ist inzwischen ein treuer Begleiter im Alltag geworden. Welche Dienste es gibt und was es zu beachten gilt, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Musikstreaming – was ist das eigentlich?

Viele Kinder kennen gar keine CDs oder MP3-Player mehr. Stattdessen werden Musik und andere Audioinhalte wie z. B. Hörbücher heute über sogenannte Streamingdienste gehört. Die Musik liegt nicht mehr als Datei oder Tonträger vor, sondern man mietet oder abonniert sie, so wie eine Zeitung oder ein Fahrrad.

Man schließt das Abo bei einem bestimmten Anbieter ab. Bezahlt wird nicht für einen einzelnen Song oder ein spezielles Album, sondern dafür, Musik hören zu dürfen. Man greift per Internet und App des Anbieters auf dessen Musikdatenbank zu. So kann man immer aus Millionen von Liedern und anderen Inhalten auswählen, ohne diese kaufen zu müssen. Man kann nach einzelnen Songs suchen, sich ganze Alben eines bestimmten Künstlers anhören, sich thematische Playlists z. B. zum Entspannen anhören oder sich Musik nach den eigenen Vorlieben vorschlagen lassen.

Sobald man das Abo kündigt, kann man nicht mehr auf die Musikstücke zugreifen.

Der richtige Anbieter

Den richtigen Anbieter zu finden, erscheint auf den ersten Blick schwierig. Viele Musikerinnen und Musiker leben von ihren Liedern und stellen sie daher nur in Ausnahmefällen kostenlos zu Verfügung. Deshalb bezahlt man ein Abo. Die meisten Dienste, die Musik kostenlos und ohne Werbeeinblendungen anbieten, missachten also die Rechte der Künstler und sind illegal. Deshalb sollte man besser auf bekannte und vielgenutzte Streamingdienste zurückgreifen.

Das Angebot an Musikstreaming-Diensten ist groß. Welcher Streamingdienst für Ihre Familie der Beste ist, sollten Sie gemeinsam überlegen und austesten: Wie ist das Angebot an Musik und kindgerechten Inhalten? Wie ist die Bedienbarkeit der App und welche Funktionen gibt es? Darf der Dienst etwas kosten und wenn ja, wieviel? Können Sie Werbeeinblendungen zwischen den Musiktiteln akzeptieren? Kann man auch ohne Internetzugang Musik hören? Mit wie vielen Geräten kann man über ein Abo Musik hören?

Wichtig zu wissen!

Beachten Sie, dass jeder Streamingdienst eine Registrierung erfordert. Wenn man einen kostenlosen Account nutzt, wird man immer wieder darauf hingewiesen, ein Upgrade zu machen und muss mit Werbeeinblendungen leben. Wenn Ihr Kind einen solchen Account allein nutzt, sollten Sie es darauf aufmerksam machen, nicht auf solche Hinweise zu klicken.

Für die meisten Dienste gilt: Bei den kostenlosen Accounts gibt es Werbeunterbrechungen, und Songs können nicht einfach übersprungen werden. Musik hören ohne Internetzugang ist nur mit einem Premium-Account möglich.

Die kostenpflichtigen Abos lassen sich über mehrere Geräte nutzen, allerdings nicht unbedingt gleichzeitig. Eine gute Wahl, wenn mehrere Personen einen Account nutzen möchten, sind Familienabos. Damit sind in der Regel mehrere Geräte gleichzeitig über einen Account verbunden und es lassen sich z. B. einzelne Playlisten für jedes Familienmitglied anlegen.

Spotify

Spotify ist einer der bekanntesten Streaming-Anbieter. Er bietet mit einem Umfang von 35 Millionen Titeln eine sehr große Auswahl. Das Angebot kann kostenlos oder ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Spotify bietet verschiedene Angebote und Vergünstigungen, z. B. für Familien (Spotify Premium Family). Eine Besonderheit stellen die gut personalisierten Musikvorschläge dar.

Deezer

Auch Deezer bietet bis zu 35 Millionen Titel und kann sowohl kostenlos als auch kostenpflichtig ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Bei Deezer gibt es ebenfalls Vergünstigungen für Familien.

Besonders beliebt bei diesem Dienst ist die „Flow“-Option, die stundenlanges und pausenloses Musikhören ermöglicht und sich dabei an den Vorlieben des Nutzers orientiert.

Amazon Music (Unlimited)

Amazon Music Unlimited bietet 40 Millionen Titel. Zugang bekommt man kostenlos nur mit einem Testaccount für 30 Tage. Wer einen Amazon Prime-Account hat oder Amazon Echo nutzt, kann auf einen Teil der Musikdatenbank zugreifen. Vollen Zugriff bekommt man nur mit Music Unlimited für (zusätzlich) 9,99 € im Monat. Wer Musik, Hörbücher oder ähnliches über Amazon kauft, kann sie über die Amazon Music App speichern und hat dann auch offline Zugriff darauf.

Apple Music

Apple Music bietet mit 45 Millionen Titel die größte Auswahl. Der Dienst kann ab 9,99 € monatlich genutzt werden. Weitere Angebote für Familien sind verfügbar. Ein kleiner Nachteil ist, dass die App für Android-Nutzer nur eingeschränkt nutzbar ist.

Soundcloud

Eine Alternative zu den klassischen Musikstreamingdiensten ist Soundcloud. Der Anbieter hat keine Verträge mit den großen Plattenfirmen. Soundcloud richtet sich als Plattform an Künstlerinnen und Künstler, die dort selber ihre Musik veröffentlichen. Deswegen findet man bei Soundcloud eher – aber nicht nur – weniger bekannte Künstler.

Aktuelle Chartmusik ist die Ausnahme. Dennoch bietet der Dienst eine riesige Auswahl an – nach eigenen Angaben über 150 Millionen Titel. Davon kann man einiges mit dem kostenlosen Account hören. Möchte man auf die gesamte Musik zugreifen, zahlt man mit monatlich 5,99 € bis 9,99 € – ähnlich viel wie bei den anderen Musikstreamingdiensten. Eine schöne Sache an Soundcloud ist, dass man hier auch eigene Musikstücke oder Audios hochladen und veröffentlichen kann.

Medien selber machen: 360°-Medien und Virtual Reality

Wer denkt, 360°-Fotografie oder Virtual Reality (VR) ist nur etwas für Leute mit viel Geld und der nötigen Technik, der irrt. Man nehme ein bisschen Pappe und Kleber, das eigene Smartphone und schon kann man in ferne Welten und virtuelle Realitäten abtauchen. Wir erklären Ihnen, wie Sie gemeinsam mit Ihren Kindern kostengünstig mit VR & Co. experimentieren können.

Welche Hardware wird benötigt?

Es muss nicht gleich eine teure VR-Brille sein. Für viele Zwecke reicht schon ein Smartphone oder ein Tablet aus. Damit kann man sich nämlich 360°-Fotos anschauen, indem man auf solchen Bildern mit dem Finger über das Bild nach rechts oder links wischt.

Um wirklich in virtuelle Welten abzutauchen, wäre eine VR-Brille aber schon toll! Die lässt sich ganz einfach und für wenig Geld z. B. aus einem Pizzakarton basteln. So eine Brille nennt man Cardboard. Und das Basteln und Bemalen einer solchen, ganz eigenen VR-Brille macht auch noch Spaß! Wie genau das funktioniert, steht in dieser Anleitung. Auf dieser Seite kann man außerdem die für die VR-Brille nötigen optischen Linsen für ein paar Euro bestellen. In die Brille kommt dann das Smartphone und schon geht’s auf Entdeckungsreise!

Assembled Google Cardboard VR mount, CC by 2.0; Urheber: othree (https://www.flickr.com/people/12452841@N00)

Welche Apps und Anwendungen gibt es?

Gerade für das erste Ausprobieren sind die Anwendungen von Google eine tolle Sache! Gibt es einen Ort, zu dem Ihr Kind schon immer mal reisen wollte? Suchen Sie gemeinsam danach bei Google Maps, z. B. die Niagarafälle. Gehen Sie auf “Fotos”. Darunter gibt es auch Fotos in einer 360°-Ansicht, so dass man den Ort von allen Seiten betrachten kann. Wenn Sie Google Street View installiert haben, lassen sich solche Bilder auch in der VR-Ansicht mit einer VR-Brille aus Pappe anschauen. Dafür geht man im Foto auf das Symbol rechts oben, das eine kleine VR-Brille zeigt. Nun teilt sich das Bild und das Smartphone kann in die VR-Brille eingesetzt werden. Auf zu den Niagarafällen!

Mit Google Expeditions können Sie spannende Expeditionen unternehmen, z. B. zu den Dinosauriern oder auf eine Raumstation ins Weltall. Es gibt auch Erkundungstouren, in denen die virtuelle Umgebung mit Texttafeln und Bildern erweitert wurde, so dass man durch Klick auf ein Symbol Informationen bekommt. Man kann sich die Dinosaurier mit dem AR-Modus sogar ins eigene Kinderzimmer holen. AR heißt Augmented Reality, also Erweiterte Realität. Dafür braucht man keine VR-Brille, sondern nur das Smartphone mit eingebauter Kamera, die die Umgebung abfilmt. Auf dem Display erscheinen dann Dinosaurier im eigenen Kinderzimmer!

Bei YouTube gibt es eine große Anzahl an 360°-Videos. Wenn Sie die YouTube-App auf Ihrem Smartphone installiert haben, können Sie mit wenigen Klicks mit Ihrem Kind in den Weltraum reisen oder im karibischen Ozean mit Haien tauchen. Suchen Sie nach 360-Grad-Videos und aktivieren Sie über das Brillen-Symbol den VR-Modus.

360°-Fotos selber machen?!

Mit der App Street View kann man auch eigene 360°-Fotos machen, anschauen und sie mit anderen teilen, um z. B. dem Papa zu zeigen, wie schön es mit Oma im Zoo ist. Dafür tippt man in der App auf das Symbol mit der Fotokamera unten rechts. Dann tippt man noch einmal auf das Symbol und die Kamera öffnet sich. Nun folgt man dem orange-farbenen Punkt und macht so viele Fotos rechts, links, oben und unten, bis keine graue Stelle mehr auf dem Display zu sehen ist. Die App hilft dabei. Wenn man das Häkchen angetippt hat, wird das 360°-Foto fertiggestellt und es lässt sich mit oder ohne VR-Brille anschauen. Das Fotos muss nicht veröffentlicht werden, sondern kann auch privat geteilt werden.
Vielleicht schaffen Sie es ja auch die Realität auszutricksen und eine Person mehrmals auf einem 360°-Foto einzufangen!?

Was gibt es zu beachten?

Es dauert einen Moment, sich an den Blick durch die VR-Brille zu gewöhnen, weil das Gehirn die zwei Bilder, die ein Smartphone im VR-Modus anzeigt, erst übereinander legen muss. Manchmal hilft es, das Smartphone leicht nach links oder rechts zu schieben, damit es passt.

Manche Menschen werden auch “seekrank”, wenn sie eine VR-Brille aufsetzen. Darauf sollten Sie bei Ihrem Kind achten. Am besten wählen Sie für den Anfang solche Inhalte aus, die keine Bewegungen und Schwankungen enthalten. Bei anderen Inhalten kann es helfen, sich mit dem Bild oder Video mitzubewegen.

Gerade weil sich die virtuelle Umgebung mit einer VR-Brille so echt anfühlt, ist das Suchtpotential für Kinder größer als für Erwachsene. Generell wird das Eintauchen in virtuelle Welten mit einer VR-Brille erst ab ca. 13 Jahren empfohlen. Die VR-Erfahrungen Ihres Kindes sollten Sie immer begleiten und zeitlich begrenzen. Tasten Sie sich mit Ihrem Kind langsam an die Technologie heran. Schauen Sie sich zunächst Fotos an, bevor Videos abgespielt werden.

Es gibt viele Inhalte und Spiele für VR-Brillen, die nicht für jedes Alter geeignet sind. So finden sich in den App-Stores z. B. auch Ego-Shooter-Spiele. Wägen Sie ab, welche Apps und Spiele förderlich sind, welche Ihrem Kind aber vielleicht auch Angst machen können.

Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen?
Sie können sie dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht dabei nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z.B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist zum Beispiel, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie immer mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat.

Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen sie welche Medien nutzen und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

Je nach Alter sollten Sie zusammen mit dem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Wichtig ist, dass Ihr Kind das auch selbst versteht. So fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarte Medienzeit Murmeln als Hilfe für Ihr Kind einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit legt man entsprechend viele Murmeln weg. Auch eine Sanduhr kann als Unterstützung dienen.

Medienzeit kontrollieren mit Apps

Es gibt auch Apps, mit denen man die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren kann. Sie heißen Quality Time (für Android, kostenlos), Offtime (für Android kostenlos, für iOS ca. 3,- €), App-Detox (für Android, kostenlos), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Die Apps Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem man durch Nichtnutzung des Handys einen Baum wachsen lässt oder sich eine Galaxie aufbaut.

Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

Wenn Sie ein iPhone oder iPad haben, können Sie auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern.

Projektpartner
Unterstützer