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Schaden WhatsApp & Co. der Sprachentwicklung meines Kindes?

Wenn man hört, wie Jugendliche miteinander reden oder wenn man zufällig einen Chat von ihnen sieht, könnte man meinen, unsere Kinder verlernen, richtig zu sprechen und zu schreiben. Dabei nutzen auch wir Umgangssprache, wenn wir uns in sozialen Netzwerken oder im Messenger mit anderen austauschen. Nicht immer wird im Internet auf Groß- und Kleinschreibung geachtet, “irgendetwas” wird schnell mal zu “was” gekürzt und anstelle von Worten werden Emojis verwendet. Ein typischer Chat zwischen Jugendlichen könnte so aussehen:

Bild: JFF

Wie Medien unsere Sprache verändern

Früher haben Menschen nur von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen können. Wenn das nicht möglich war, schrieb man sich Briefe. Irgendwann führten Erfindungen wie das Telefon dazu, dass Menschen in Echtzeit miteinander sprechen konnten, ohne am selben Ort sein zu müssen. Die Art und Weise, wie wir in einem Gespräch reden, ist dabei anders als in der schriftlichen Sprache. Obwohl wir in der mündlichen Sprache nicht immer die korrekte Zeitform oder Satzstellung nutzen, schreiben wir dadurch nicht schlechter. Denn wir können gut zwischen mündlicher Sprache und schriftlicher Sprache unterscheiden.

Durch Chats und Social Media hat sich unsere Kommunikation und Sprache noch einmal verändert. Anstatt zu sprechen, können wir nun in Echtzeit miteinander schreiben. Wir können z. B. sehen, ob die andere Person die Nachricht liest, gerade dabei ist zu antworten oder auf unsere Antwort wartet. Wir halten unsere Nachrichten dadurch kürzer, schreiben schneller und haben weniger Zeit, um über unsere Worte nachzudenken. In der Online-Kommunikation vermischen sich Elemente der Schriftsprache und der mündlichen Sprache.

Je nach Situation verwenden wir eine bestimmte Sprachform. In einer E-Mail an eine Lehrerin oder Firma verwenden wir andere Formulierungen als in einer Nachricht an eine Freundin oder an den Bruder. Wir passen unsere Sprache ganz automatisch an. Und genauso lernen auch Kinder in einem Schulaufsatz oder einem Bewerbungsschreiben anders zu schreiben als beim Chatten.

Positive Einflüsse auf die Sprachentwicklung

Haben Sie keine Bedenken, dass sich die Kommunikation über Messenger schlecht auf die Sprache Ihres Kindes auswirkt. Achten Sie eher darauf, wie Ihr Kind in verschiedenen Situationen spricht und bieten Sie Zugang zu unterschiedlichen Formaten, in denen Sprache eine Rolle spielt – ob Bücher, Zeitschriften, Reportagen, Serien, Podcasts und natürlich der persönliche Umgang mit anderen Menschen. Denn jedes Kind erwirbt Sprache vor allem durch sein gesamtes Sprachumfeld, also auch durch seine Eltern, durch Bekannte, Freunde, Lehrerinnen und Lehrer usw. Seien Sie im Umgang mit Medien ein gutes Vorbild und lesen, schreiben oder unterhalten Sie sich auch ohne das Handy. Gemeinsame Medienregeln für zu Hause können dabei hilfreich sein.

Hilfe, ich verstehe mein Kind nicht mehr! – Wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Sprachen sprechen

Welche Wörter haben Sie benutzt, als Sie jünger waren und wie fanden das Ihre Eltern? Überlegen Sie mal! Denn es ist vollkommen normal, dass Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen, weil es Wörter benutzt, die Sie nicht kennen oder verstehen.

Abgrenzung von der Erwachsenenwelt

Unsere Sprache ist geprägt von der Welt der Erwachsenen. Jugendliche haben das starke Bedürfnis, eine eigene Identität auszubilden, selbstständig zu werden und sich von Erwachsenen abzugrenzen. Das kommt auch in der sogenannten Jugendsprache zum Ausdruck, mit der sie eine eigene Welt erschaffen. Mit einer eigener Sprache, oder zumindest eigenen Begriffen, schaffen sie etwas Eigenes und Jugendtypisches. Das verbindet und schafft Selbstvertrauen. Den veralteten Slang der Eltern zu verwenden, würde altmodisch und uncool klingen.

Jugendslang ist geprägt von der Sprache im Netz

In jeder neuen Generation, in bestimmten Jugendszenen und sogar an unterschiedlichen Orten verändert sich Jugendsprache und es gibt andere Wörter und Ausdrücke. Typisch ist, dass Jugendliche einfacher sprechen als Erwachsene. Dabei benutzen sie manchmal auch ungewöhnliche oder ungewohnte Begriffe. Die Sprache ist weniger “richtig”, weil Jugendlicher spontaner sprechen. Dafür transportiert sie wesentlich mehr Gefühle und Stimmungen.

Auch die Kommunikation übers Netz hat einen starken Einfluss darauf, wie Jugendliche sprechen oder schreiben. Im Messenger-Chat zum Beispiel werden Emojis verwendet, die Sprache wird deutlich verkürzt und ist oft fehlerhaft. Begriffe aus der Gamer- und Rapper-Szene, von Influencerinnen und vor allem aus dem im Netz dominierenden Englisch werden übernommen.

Kennen Sie diese Begriffe?

Checken Sie doch mal Ihr Wissen rund um die Sprache Ihres Kindes aus. Folgende Wörter wurden im Jahr 2019 besonders gern benutzt. Am Ende des Beitrags finden Sie die Auflösung.

  • Cornern
  • Gönnjamin
  • Kek
  • Lindnern
  • Alman
  • Cringe
  • Habibi

Umgang mit der Sprache Jugendlicher

Es gibt also keinen ernsthaften Grund, sich Sorgen zu machen, wenn Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen. Respektieren Sie den Wunsch nach Abgrenzung und haben Sie grundsätzlich Verständnis dafür, wenn Ihr Kind andere Wörter benutzt als Sie. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich alles von ihm sagen lassen müssen. Gerade wenn die Sprache unanständig, verletzend oder beleidigend ist. Sagen Sie das Ihrem Kind. Verdeutlichen Sie ihm, warum er auch mit anderen nicht so sprechen soll und vereinbaren Sie, wenn nötig, Regeln zum Umgang miteinander.

Sie sind und bleiben der Erwachsene, von dem sich Ihr Kind unterscheiden möchte. Versuchen Sie sich deshalb nicht, sich sprachlich anzunähern. Das wird Ihr Kind eher als Eindringen in seine Intimsphäre empfinden. Sprechen Sie so, wie Sie es immer tun. Trotzdem können Sie sich gelegentlich über die phantasievollen Wortschöpfungen Ihres Kindes freuen und nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen!

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