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E-Girls und E-Boys – eine neue Jugendkultur im Internet?

Auf Instagram und vor allem auf der Plattform TikTok verwenden Jugendliche immer wieder den Hashtag #egirl oder #eboy für bestimmte Videoclips. Dort sieht man z. B., wie sich ein Mädchen in ein sogenanntes E-Girl verwandelt. Aber was steckt dahinter und welche Bedeutung hat die Bezeichnung für junge Menschen?

Abgrenzung zu Rollenbildern auf Instagram

Das “E” steht für elektronisch und bezeichnet die Generation junger Menschen, die vor allem in einer digitalen Welt aufgewachsen sind. Sie nutzen Online-Medien und bewegen sich auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube. Mit E-Girl oder E-Boy wird ein bestimmter Stil bezeichnet, sich darzustellen und auszusehen. Oft tragen E-Girls schwarze Kleidung und ein auffälliges Make-Up, wie z. B. gemalte Sommersprossen und Herzchen auf den Wangen. Auch die E-Boys stylen sich teilweise mit leichtem Make-Up oder Nagellack, einige tragen Mittelscheitel und Schmuck. E-Boys grenzen sich vom typischen Männlichkeitsbild ab. Sie lächeln oder zwinkern süß in die Kamera und wollen nicht hart wirken.

Im Gegensatz zu anderen Influencerinnen und Fitness-Bloggern posieren E-Girls und E-Boys nicht an bekannten Orten oder mit der perfekten Strandfigur, sondern meist in ihrem eigenen Zimmer. Dabei nehmen sich selbst nicht so ernst. Einige von ihnen sind nur für den Videoclip auf TikTok, als E-Girl oder E-Boy zurechtgemacht und würden in der Schule nicht so auffällig herumlaufen. Sie nutzen das Internet, um sich auszuprobieren.

Negative Aspekte rund um E-Girls und E-Boys 

Problematisch ist, wenn Mädchen oder Jungen bestimmte Merkmale nachahmen, ohne dass sie verstehen, was damit gemeint ist. Es gibt typische Posen von E-Girls oder E-Boys, die stark sexualisiert wirken, auch wenn sie ironisch gemeint sind. Die Gefahr von Cybergrooming oder Missbrauch der Inhalte von Kriminellen ist durch das Veröffentlichen solcher Videos erhöht. 

Als E-Girl’’ werden manchmal auch abwertend Mädchen oder Frauen in der Gaming-Szene bezeichnet. Sie zeigen sich beim Spielen über einen Stream, wie viele männliche Spieler auch. Aber ihnen wird häufiger vorgeworfen, das nur für Klicks und Aufmerksamkeit zu tun und sich dafür besonders auffällig zu schminken und anzuziehen. Das problematische Verhältnis von Geschlechterrollen im Gaming haben wir in einem anderen Beitrag näher erläutert: Computerspiele und das Thema Geschlecht

Hilfe, mein Kind ist ein E-Boy!

Kinder und Jugendliche sind noch dabei, eine eigene Persönlichkeit auszubilden. Dabei orientieren sie sich an anderen. Vorbilder finden sie in der Familie, dem Freundeskreis, den Medien und anderswo. Gleichzeitig möchten sie sich abgrenzen und individuell sein. Jugendkulturen wie die E-Girl-Szene sind spannend, weil sie wahrscheinlich anders sind als ihr gewohntes Umfeld. 

Lassen Sie Ihrem Kind den Freiraum, sich zu entwickeln, sich zu erfinden und auszuprobieren, aber verlieren Sie nicht den Kontakt. Das ist gerade bei Jugendlichen in der Pubertät ein Drahtseilakt. Stärken Sie Ihr Kind in seinen Interessen und persönlichen Stärken, damit es sich frei entfalten kann. Tauschen Sie sich mit ihm über Jugendkulturen und Trends aus. Haben Sie sich als junger Mensch auch auf eine bestimmte Art und Weise gekleidet, um sich zu einer bestimmten Gruppe dazu zählen? Haben Sie sich darüber mit Stolz identifiziert oder fanden Sie es eher blöd, in eine Kategorie gesteckt zu werden? 

Vielfalt und Rollenbilder in sozialen Medien

Bei TikTok, Instagram und Co. darf jeder mitreden, Fotos, Videos oder anderes mit der Welt teilen und so Social Media mitgestalten. Verschiedenste Menschen und Gruppen können dadurch sichtbar werden und sich für ihre Anliegen stark machen. 

Diskriminierung gibt es auch online

Leider werden Gruppen, die in der realen Welt oft diskriminiert werden, auch im Netz beleidigt und runtergemacht. Das kann bis zu Hate Speech oder Cybermobbing gehen. Einige Plattformen können das – manchmal auch unbeabsichtigt – noch verstärken, etwa weil sie nicht barrierefrei gestaltet sind. Barrierefreie Angebote können auch Menschen nutzen, die z. B.  nicht gut lesen oder nicht sehen können, weil es eine Vorlesefunktion für Texte oder Bildbeschreibungen gibt. 

Wenn Anbieter bestimmte Inhalte automatisch herausfiltern, kann nicht jeder Nutzer sie sehen – auch das kann diskriminierend sein. So eine Filterung gab es in der Vergangenheit u. a. bei TikTok – wurde aber nach Protesten zurückgenommen. 

Andererseits haben viele Menschen durch Social Media erst die Möglichkeit, auf sich und ihre Belange aufmerksam zu machen: Aktivisten setzen sich online für die Rechte von behinderten Menschen ein oder machen deutlich, dass sie gegen Rassismus sind. So haben z. B. viele Menschen ihre Social-Media-Profilbilder geschwärzt, um ein Zeichen gegen Polizeigewalt gegenüber farbigen Menschen in den USA und gegen Rassenhass auf der ganzen Welt zu setzen.

Einseitige Schönheits- und Rollenbilder in Social Media  

In Medien, egal ob in Social Media, Fernsehen oder Zeitschriften, herrscht ein klassisches Bild von Geschlechtern, Familien usw. vor. Das beginnt schon bei der Themenwahl: Die Accounts von Mädchen und Frauen drehen sich in erster Linie um Mode und Beauty, Deko oder Ernährung. Männliche Influencer beschäftigen sich hingegen mit mehr Themen und Genres aus den Bereichen Gesellschaft, Comedy, Games oder Politik. Nur wenn man gezielt nach Hashtags wie Diversity oder Bodypositivity sucht, findet man auch andere Bilder. Jugendliche, die Social Media täglich nutzen, haben traditionellere Rollenbilder von Männern und Frauen bzw. Mädchen und Jungen im Kopf als Jugendliche, die Instagram, YouTube usw. weniger nutzen. 

Influencer*innen als Vorbilder  

Dazu tragen Influencer mit ihrer eher stereotypen Selbstdarstellung bei. Die meisten erfolgreichen Influencerinnen auf Instagram sind schlank und langhaarig. Sie haben eine wichtige Vorbildfunktion für Jugendliche, weshalb sie das Aussehen, die Gestik, Mimik und Posen ihrer Idole nachahmen. Häufig sieht man z. B. Selfies, auf denen die Hand wie beiläufig im Haar liegt. Mädchen, die Influencerinnen folgen, bearbeiten ihre eigenen Bilder stärker als andere und legen größeren Wert darauf, schlank zu sein. Um die eigenen Bilder an die Posts ihrer Vorbilder anzugleichen, greifen Jugendliche auf Filter und Tricks zurück und orientieren sich dabei an traditionellen Schönheitsstandards wie großen Brüsten bei den Mädchen und breiten Schultern bei den Jungen. 

Tipps für mehr Vielfalt in Social Media

Um zu verhindern, dass Ihr Kind glaubt, sich an diese normierten Schönheits- und Rollenbilder anpassen zu müssen, sollten Sie gemeinsam Alternativen besprechen. Achten Sie darauf, die Lieblingsinfluencer Ihres Kindes nicht abzuwerten, denn sie bedeuten ihm wahrscheinlich viel. Versuchen Sie stattdessen, neutral zu bleiben. Sie können sich gemeinsam die Accounts von Influencerinnen und Influencern anschauen, die auf Vielfalt statt stereotype Muster setzen und über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Profilen sprechen.  

In Social Media gibt es etliche Inhalte, die die Vielfalt der Gesellschaft aufzeigen – allerdings stößt man meist nur darauf, wenn man gezielt danach sucht: Auf dem Instagram-Kanal whatsmakes_them_beautiful machen sich Jugendliche gegenseitig Komplimente und fordern sich zu Selbstliebe auf. Bei lebensmutigblog tauschen junge Menschen Erfahrungen zum Thema Inklusion und Anderssein aus. Unter Hashtags wie #bodypositivity und #diversity finden man viele Inhalte rund um die Vielfältigkeit von Menschen. Wenn Sie und Ihr Kind solchen Accounts folgen und diese Hashtags verwenden, können Sie zu mehr Vielfalt in Social Media beitragen.

Gewalt in Medien – nur für Jungs reizvoll?

Kinder haben schon früh Kontakt zu Gewalt in den Medien. Nicht immer wird sie brutal dargestellt, sondern kann auch unterschwellig und eher witzig verpackt auftreten, z. B. wenn in Zeichentrickserien eine Figur der anderen auf den Kopf haut und es dabei lustig gongt.

Medieninhalte, in denen Action und Gewalt vorkommt, sprechen Jungen anscheinend mehr an als Mädchen. Das Verhalten von Mädchen und Jungen wird teilweise auch unterschiedlich wahrgenommen: Manche meinen, Jungs seien von Natur aus stürmischer und neigen dazu, Konflikte mit Gewalt zu lösen.

Veraltete Rollenbilder in der Gesellschaft

Erziehung und Medien tragen dazu bei, dass Gewalt eher ein Thema für Jungs ist. Wenn Jungen zu Gewalt neigen – egal wie ausgeprägt – wird das als weniger problematisch wahrgenommen als bei Mädchen. Bis vor wenigen Jahrzehnten mussten Jungen immer stark sein und sollten keine Gefühle zeigen. Manche Menschen denken das auch heute noch.

Mittlerweile ist hier ein Wandel erkennbar:  In vielen Familien spielt das Geschlecht bei der Auswahl von Büchern, Spielsachen und Medien keine Rolle mehr. So wird das ausgesucht, was zum Charakter und zu den Interessen des Kindes passt. Doch es gibt trotzdem noch einige Familien, in denen es normal, dass nur Jungs ein Bobbycar oder Actionfiguren zum Spielen bekommen, während Mädchen mit Puppen spielen. So ist es dann auch bei der Mediennutzung. Jungen dürfen schon früh actionreiche Cartoons von Superhelden schauen, für die manche Mädchen kein Interesse zeigen.

Computerspiele, in denen gegen andere gekämpft wird, wie z. B. Fortnite oder GTA, werden mehr von Jungen als von Mädchen gespielt. Sie bevorzugen eher Rollenspiele wie “Die Sims” oder bunte Handyspiele wie “Candy Crush”. Das liegt zum Teil auch an den Figuren im Spiel. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Computerspiele und das Thema Geschlecht.

Vielfältige Rollenbilder unterstützen

Wenn gewalttätiges Verhalten unter Jungen zu einem gewissen Grad akzeptiert ist, lernen sie weniger, wie man auf andere Weise Konflikte lösen kann. Wenn soziale Eigenschaften wie das Füreinanderdasein vor allem bei Mädchen belohnt wird, möchten Jungs sich anders verhalten, um nicht “mädchenhaft” zu wirken. Bei Erwachsenen, die in der Kindheit solche Erfahrungen gemacht haben, kann das zu sozialen und mitunter psychischen Problemen im Umgang mit den eigenen Gefühlen führen.

Als Eltern können Sie dazu beitragen, dass Ihr Kind weniger mit Klischees aufwächst.  Achten Sie bewusst auf das Verhalten Ihres Kindes und unterstützen Sie vielfältige Rollenbilder durch die Auswahl der Medien. Suchen Sie aktiv nach Geschichten mit alternativen Rollenbildern von Mädchen und Jungen. Ab dem Grundschulalter wird die Geschlechtsidentität immer wichtiger für ein Kind. Deshalb sollte es vielfältige Angebote zur Orientierung in seiner Entwicklung bekommen.

Lassen Sie Kampfszenen und ungerechtes Verhalten in Filmen, Serien oder Büchern nicht unkommentiert. Reden Sie über Gewalt und machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass dies kein gewünschtes Verhalten ist. Sprechen Sie darüber, warum das gezeigte Verhalten in der Realität problematisch wäre. So können sie das gezeigte Verhalten besser einordnen.

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