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TikTok

Lisa und Lena – die Zwillinge wären heute nicht so berühmt, wenn sie nicht über die App musical.ly mit ihren Playback-Videos so viele Menschen erreicht hätten. Der Nachfolger TikTok (seit 2018) bietet neben kurzen Playback- oder Lipsynch-Videos noch mehr: kreative Kurzvideos aller Art.

Kurz gefasst:

  • kostenloses Social-Media-Videoportal
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • Verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne einer Challenge weitergeführt.

Die Videos einiger TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um selbst Videos zu erstellen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Aus der einstigen Playback-App ist eine bunte Videoplattform geworden, auf der sich Jugendliche ausprobieren, miteinander messen, vergleichen und darstellen können – mit Challenges, Video-Memes und vielem mehr.

Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Es gibt eine Reihe von Problemen, die Sie und Ihr Kind vor der Nutzung der App berücksichtigen sollten:

  • Kinder ab 13 Jahren brauchen für die Anmeldung das Einverständnis der Eltern. Das Alter wird bei der Registrierung aber nicht überprüft.
  • Die Voreinstellungen der App sind gerade für Heranwachsende unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.
  • Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Jugendliche mit für sie ungeeigneten Inhalten in Berührung kommen können. Da die Beiträge nicht moderiert werden, können kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es ist ein hohes Risiko von Cybergrooming und Cybermobbing vorhanden.
  • Die Nutzer haben keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da sie sonst gegen die Bild- und Urheberrechte verstoßen. Sind andere Personen im Video zu sehen, sollte man diese auch immer um Erlaubnis fragen. TikTok erhält außerdem die Rechte an den veröffentlichten Videos.
  • Der Anbieter Bytedance finanziert sich über Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker zudem ihr Guthaben aufladen. Davon lassen sich Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.
  • Manche Challenges, die in sozialen Netzwerken kursieren, können gefährlich werden. TikTok blockiert solche Inhalte nicht.
  • Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

TikTok ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst. Es gibt allerdings nur wenige Sicherheitseinstellungen, obwohl die App laut Anbieter für Kinder ab 13 Jahren geeignet ist. TikTok verweist nach der Registrierung mittels eines roten Punktes auf die Einstellungen. Eine Erklärung dazu liefert der Dienst aber nicht. Immerhin gibt es Tipps für Eltern im “Safety Center” der Webseite. So lassen sich z. B. Userkonten melden und/oder blockieren.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei TikTok anmelden möchte, fragen Sie nach seiner Motivation. Richten Sie gemeinsam einen Account ein und probieren Sie gemeinsam die ersten Schritte aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.

Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann. Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.

Eltern fragen – wir antworten: Warum kann ich mein Kind (3 Jahre) nicht allein Kinderserien schauen lassen?

Wenn die Kleinsten Videos schauen, müssen sie von ihren Eltern begleitet werden. Warum das wichtig ist, erklärt Medienpädagogin Melanie Endler.

 

 

Gesichtserkennung im Internet – Praktischer Nutzen vs. Privatsphäre

Man kennt es in Deutschland vor allem aus Kriminalfilmen im Fernsehen: Der Zeuge eines Verbrechens schaut sich eine Kartei mit Fotos möglicher Täter durch, um eine Person anhand ihres Gesichts zu identifizieren. In einer solchen Kartei sind die Gesichter von Menschen gespeichert, die schon einmal straffällig wurden. In den USA ist das bereits Realität: Das Gesicht jedes zweiten Erwachsenen ist in staatlichen Datenbanken gespeichert. Und auch in Deutschland breitet sich die Technik immer mehr auf den Alltag vieler Menschen aus. Um in Zukunft Gefährder und Terroristen im öffentlichen Raum identifizieren zu können, wurden z. B. am Berliner Bahnhof Südkreuz zu Testzwecken für einen festgelegten Zeitraum Kameras mit Gesichtserkennungssoftware installiert.

Doch nicht nur staatliche Stellen oder Behörden nutzen die Möglichkeiten der Gesichtserkennung. In immer mehr Bereichen des Alltags findet die Technologie Einzug. So wirbt das Technologieunternehmen Apple bei den neuesten iPhones mit dem Slogan: “Face ID – Dein Gesicht ist dein Passwort”. Per Gesichtsscan können Sie Ihr iPhone entsperren und auch beim Herunterladen von Apps reicht es, sein Gesicht vor das Smartphone zu halten. Dies soll technisch auch funktionieren, wenn man z. B. einen Hut oder eine Sonnenbrille trägt. Das ist praktisch und klingt erstmal auch sehr sicher. Kein lästiges Eintippen von Passcodes oder -mustern mehr. Außerdem ist das eigene Gesicht einzigartig, wie soll also eine fremde Person das Smartphone entsperren können? Es hat sich allerdings gezeigt, dass die Technologie durchaus noch verbesserungswürdig ist. Teilweise konnten andere Familienmitglieder das iPhone aufgrund ähnlicher Merkmale ihrer Gesichter problemlos entsperren.

Auch bei der Google Fotos App kann man theoretisch Bilder nach Personen durchsuchen lassen. Diese Option ist jedoch nicht in allen Ländern möglich. Die Google Bildersuche ermöglicht es zudem, ein Foto dort hochzuladen und die Datenbank nach ähnlichen Fotos zu durchsuchen. Wer die Personen auf den Bildern sind, erfährt man von Google nicht. Diese Informationen kann man aber u. a. auf den Seiten finden, auf denen das Bild eingebunden ist.

Auch beim sozialen Netzwerk Facebook gibt es ein solches Feature, das bei der Veröffentlichung heiß diskutiert wurde. Vielleicht haben Sie einmal die Meldung erhalten, dass Sie auf dem Foto eines anderen Nutzers erkannt wurden? Dann ist die Gesichtserkennung der Plattform bei Ihnen aktiv. Beim Hochladen eines Fotos scannt Facebook das Bild und möchte vom Nutzer wissen, ob es sich um die richtige Person handelt. Auf diese Weise kann man leichter auf Bildern erkannt und markiert werden. Das ist praktisch, jedoch müssen sie für die Nutzung der Funktion auch der Verarbeitung der notwendigen Daten zustimmen. Falls Sie nicht möchten, dass ihre Fotos und Videos zu diesen Zwecken automatisch analysiert und ausgewertet werden, können sie die Gesichtserkennung deaktivieren.

Die Gesichtserkennung kann einen großen Eingriff in die Privatsphäre darstellen. Auf Bildern im Internet erkannt werden zu können bedeutet, dass z. B. auch völlig fremde Personen Ihre Kontaktdaten erhalten, weil Sie unter Umständen im Hintergrund eines fremden Fotos zu sehen sind. Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie durch das Nutzen dieses Features ähnlich wie durch Fingerabdrücke Informationen von sich preisgeben, die für jeden Menschen einzigartig sind. Sie können auch nicht verändert werden.

Überlegen Sie sich deshalb gut, an welchen Stellen Sie die Gesichtserkennung verwenden wollen und welche Daten Sie lieber für sich behalten.

Medien selber machen: Tutorials

Wir haben schon über die Beliebtheit von Tutorials bei Kindern und Jugendlichen geschrieben. Den Beitrag finden Sie hier. Es muss nicht dabei bleiben, sich diese Filmchen nur anzuschauen. Man kann sich auch selbst trauen, ein Tutorial zu produzieren.

Tutorials rund um “Medien selber machen”

Kinder und Jugendliche sind neugierig und haben Spaß daran, Neues zu lernen und hinter die Kulissen zu schauen. Sie zu ermutigen, selbst zum Macher von Videos oder Hörspielen zu werden, schult nicht nur die Medienkompetenz Ihres Kindes, sondern auch viele weitere Fähigkeiten wie Kreativität und die Arbeit an einem Projekt. Wer einmal erfährt, welche Arbeit hinter einem Film steckt, schaut anders auf Filme. Gerade in Zeiten von Fake News sensibilisiert es Kinder für einen kritischen Umgang mit Medien. Auf verschiedenen Videoplattformen finden Sie Tutorials, die dabei helfen, ein eigenes (Video-)Projekt umzusetzen. Videoplattformen wie YouTube sind jedoch nicht uneingeschränkt für jüngere Kinder geeignet, weshalb sie in Begleitung der Eltern genutzt werden sollten. Abseits von Videoplattformen finden Sie Tutorials z. B. auch beim Online-Angebot des Bayerischen Rundfunks: So geht Medien.

Tutorials selber machen

Videos selbst zu erstellen, kann viel Spaß machen! Wie auch bei der Produktion von Kinofilmen, muss man bestimmte Schritte beachten

  • Entwickeln Sie zuerst gemeinsam mit Ihrem Kind einen Drehplan, so dass während des eigentlichen Filmdrehs klar ist, was passiert und wer wofür zuständig ist (Kamera, Darsteller, Regie usw.):
    • Am Anfang steht eine gute Idee: Worum soll es im Tutorial gehen? Vielleicht nehmen Sie ein Thema, bei dem sich Ihr Kind und Sie noch nicht so gut auskennen. Durch die intensive gemeinsame Beschäftigung mit einem Thema sind Sie am Ende selbst die Experten.
    • Für das Drehbuch und ggf. eine Unterteilung in Szenen hilft es, die “W”-Fragen zu beantworten: Wer, wo, wie? Warum gibt es dieses Tutorial? Im Drehplan sollten auch organisatorische Dinge aufgeschrieben werden wie Drehorte, Drehzeit, benötigte Ausstattung und Technik.
  • Beim Filmdreh sollten Sie darauf achten, dass Licht und Ton gleichbleibend gut sind und es keine Störungen gibt. Natürlich braucht man auch eine Kamera. Ist keine vorhanden, reicht auch eine Fotokamera oder ein Handy, eventuell mit Stativ, damit die Bilder nicht verwackeln. Am besten sehen und hören Sie sich immer direkt im Anschluss an den Dreh einer Szene an, ob sie gut geworden ist. Gegebenenfalls kann man den Dreh direkt wiederholen.
  • Für den anschließenden Filmschnitt können Sie sich kostenlose Software im Internet herunterladen. In dieser kann man meistens auch Texte, Geräusche, Musik und andere Effekte ergänzen.
  • Zur Veröffentlichung des Videos wählen Sie bestenfalls Plattformen, die für Kinder und Jugendliche geeignet sind wie z. B. JUKI auf Kindersache

Worauf sollte man achten?

Achten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind darauf, keine persönlichen Informationen im Video preiszugeben und nur den Vornamen der Protagonisten zu nennen. Auch Hintergründe können oft Hinweise auf z. B. den Wohnort geben. Alle Personen, die im Video zu sehen sind, sollten ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben. Bei der Auswahl der Musik ist darauf zu achten, dass sie lizenzfrei zu nutzen ist. Hier gibt es eine Liste mit Webseiten, auf denen man solche Musik finden kann.

“Wie geht das? Dazu gibt es doch bestimmt ein Tutorial!”

Statt in einer Bedienungsanleitung zu blättern, suchen Kinder und Jugendliche lieber das passende Tutorial im Netz. So eine filmische Gebrauchsanleitung gibt es nicht nur für die Bedienung von Geräten, sondern für ganz unterschiedliche Lebensbereiche aus dem Alltag. Es gibt Rezept-Tutorials, in denen vor der Kamera gekocht oder gebacken wird. In anderen Tutorials werden technische Fragen gelöst. Man kann mit solchen Videos neue Sprachen oder ein Instrument spielen lernen und vieles mehr.

Vor allem durch Videoplattformen wie YouTube sind Tutorials bekannt geworden. Typisch für diese Videos ist, dass darin eine Person dem Publikum etwas erklärt – oft indem sie es auch selbst im Video vormacht.
Die Begriffe Tutorial und Erklärvideo werden häufig synonym verwendet. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: In Tutorials wird etwas vorgemacht, nach dem Motto: “Wie funktioniert etwas?”. Typisch sind Haarstyling- oder Tanz-Tutorials. In Erklärvideos dagegen geht es vor allem um die Frage: “Warum funktioniert etwas auf diese Weise?”.

Tutorials – beliebt bei Groß und Klein

Die hilfreichen Videoanleitungen kann man sich dank Smartphone oder Tablet jederzeit und überall anschauen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären Experten eines bestimmten Fachgebiets auf verständliche Weise ein Thema. Die Videos lassen beliebig oft stoppen und ansehen, was z. B. bei einem Computerspiel, Bastel- oder Beauty-Tutorial praktisch ist. So kann man gleich selbst mitmachen und sich durch das Pausieren für jeden Schritt die Zeit nehmen, die man braucht.

Häufig werden Tutorials von Influencern, also berühmten YouTubern, gemacht. Hierbei, aber auch bei  unbekannteren YouTubern entsteht zwischen YouTuber und Zuschauer während des Tutorials oft eine Beziehung, wodurch das Lernen aufgelockert wird. Der YouTuber erzählt um das Tutorial herum von anderen Dingen, die ihm in den Kopf kommen, schweift vom Thema ab und spricht die Zuschauer oft direkt an (“Hallo ihr Lieben” oder “Du faltest jetzt dieses Blatt nach rechts” oder “Wir gehen jetzt folgendermaßen vor”). Dies passiert oft auf unterhaltsame Art und Weise.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind gerne Tutorials auf Videoplattformen guckt, suchen Sie mal gemeinsam nach Videos. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Videos zum Lernen oder Ideen für die Freizeitgestaltung, z. B. Bastelideen oder Tricks mit dem Roller.

Lassen Sie sich zeigen, welche Videos Ihr Kind gern schaut und fragen Sie nach, was sie oder ihn daran fasziniert. Es gibt viele Tutorials, die anscheinend typische Rollenbilder widerspiegeln: YouTuberinnen machen Beauty-Tutorials, männliche YouTuber Tutorials zu Computerspielen, sogenannte Let’s Plays. Das ist ein guter Anlass, um überholte Rollenklischees zu sprechen.

Man sollte sich klar machen, dass die Ersteller von Tutorials nicht immer echte Experten sind und man die Videos und ihre Inhalte überprüfen sollte. In den Kanalinfos erfährt man meistens etwas mehr zu den Machern und kann so die Qualität besser einschätzen.
Sollte etwas einmal nach dem Schauen eines Tutorials immer noch nicht klappen, liegt dies nicht gezwungenermaßen an Ihrem Kind – möglicherweise hat sich auch der Macher des Tutorials geirrt.

Videoplattformen wie YouTube sollten Sie zuerst gemeinsam nutzen, da Ihr Kind hier schnell auf beängstigende oder verstörende Inhalte stoßen kann. Für jüngere Kinder empfehlen wir Einstellungsmöglichkeiten wie den “Eingeschränkten Modus” oder die App YouTube-Kids. Wenn Ihr Kind die Risiken im Netz kennt und sich darin Ihrer Meinung nach bewusst bewegt, sollten Sie ihm auch den Freiraum geben, selbstständig online zu sein.

Krasser Stoff! Ist der erfolgreiche Gangster-Rap wirklich was für Jugendliche?

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Dr. Daniel Hajok.

Mit dem Eklat um Farid Bang und Kollegah bei der letzten ECHO-Verleihung ist der Gangster-Rap wieder in die öffentliche Diskussion gelangt. Eltern, die bei ihren Kindern nur allzu oft eine Begeisterung für Hip-Hop beobachten, fragen sich angesichts der monierten krassen Texte, ob das, was heute vor allem via YouTube, Ohrenstöpsel und Konzertbesuche zur Jugend dringt, nicht doch eine ernste Gefahr fürs Heranwachsen ist.

Hip-Hop als Jugendkultur

Mit seinen Wurzeln in den afroamerikanischen Ghettos der USA ging es im Hip-Hop schon in den 1970er-Jahren um ‚harte Themen‘, um gesellschaftliche Missstände, soziale Ungleichheiten und anderes mehr. Künstlerisches Ausdrucksmittel war von Beginn an nicht nur die Wortgewalt des Sprechgesangs (Rap), auch das DJing, Breakdancing und Graffiti förderten den Aufstieg des Hip-Hop zu einer bedeutenden Subkultur, mit der sich zunächst die sozial benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen US-amerikanischer Großstädte identifizierten.
Kommerziellen Erfolg und Popularität über die Landesgrenzen hinaus erreichte Hip-Hop, als die Rapmusik auf Tonträger und ins Radio kam. Schnell wurde so auch die Begeisterung der Jugendlichen in anderen Ländern geweckt: Hip-Hop mauserte sich weltweit zur wichtigsten musikbezogenen Jugendkultur – und ist dies bis heute geblieben. In Deutschland bildete sich die Szene in den 1980er-Jahren heraus. Die Anhängerschaft wuchs in der folgenden Zeit weiter an und in den 1990er-Jahren hatten die ersten Rapper mit deutschsprachigen Texten großen kommerziellen Erfolg.

Gangsta-Rap als erfolgreiches Genre

Viele Eltern sind beim Hören der Texte von Kollegah, Bushido & Co. entsetzt. Dennoch ist Gangsta-Rap längst auch in Deutschland ein sehr bedeutendes und zugleich jugendaffines Hip-Hop-Genre. Stilmerkmale sind eine krasse Sprache und ein von ‚männlicher Härte‘ geprägtes Gebaren der Protagonisten. Zwar dreht sich auch hier einiges um gesellschaftliche Missstände und soziale Ungleichheiten, im Mittelpunkt steht aber oft die Inszenierung der Stars der Szene mit Dingen, die man mit Blick auf die eigenen Kinder nun wirklich nicht will: Gewalt und Kriminalität, Abwertung Schwächerer und Aufwertung des Egos mit Macht und Status an sich.
Die deutschen Gangster-Rapper haben oft Migrationshintergrund und in ‚Problemvierteln‘ unserer Großstädte Ausgrenzung und Desintegration erfahren. Das Identifikationspotenzial ist also für Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen besonders hoch. Der kommerzielle Erfolg des Gangster-Rap geht nicht zuletzt auf die zunehmende Begeisterung bei Jugendlichen aus ‚gutem Hause‘ zurück. Auch hier mögen viele die fetten Beats und die Wortgewalt der von Geld, Autos und Frauen umgebenen Stars. Per Gangster-Rap können sie jederzeit in die faszinierende Welt von ‚Sex and Crime‘ eintauchen und sich so von ihren Eltern abgrenzen.

Wann hört der Spaß auf?

Gangster-Rap bietet unseren Kindern oft sehr fragwürdige Identitätsentwürfe. Er beeinflusst sie aber nicht per se negativ. Ebenso übernehmen die meist jugendlichen Fans die transportierten Werte, etwa von der Macht des Stärkeren und Frauen als Sexobjekt, nicht eins zu eins in ihr Leben. Vielerorts regen die Texte auch zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst an und eröffnen Diskussionen in der Clique zu sozialen Missständen und Kriminalität in problematischen Großstadtmilieus.
Ein besonderes Gefährdungspotenzial hat Gangster-Rap dann, wenn er mit seiner Musik und dem verbalen Kräftemessen der coolen Stars Jugendliche anspricht, in den Texten und Videoclips aber Gewalt, kriminelle Lebensstile, Drogenkonsum, Homophobie und Frauenverachtung als nachahmenswert und Erfolg versprechend darstellt – und eben nicht kritisch hinterfragt werden. In diesen Fällen können Jugendliche durchaus in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigt oder sogar gefährdet werden.

Was können Eltern tun?

Auch beim Gangster-Rap stehen Sie vor der Schwierigkeit, ihren Kindern die Vorlieben nicht unreflektiert ‚madig zu machen‘ und dennoch eine klare eigene Haltung zu zeigen. Um sich dieser bewusst zu werden, sollten Sie sich zunächst fragen: Mit welcher Musik habe ich mich damals von meinen Eltern abgegrenzt? Wie stehe ich zu den Darstellungen von Gewalt, Kriminalität und Diskriminierung? Welche negativen Einflüsse auf die Entwicklung meines Kindes befürchte ich? Kann ich ihrer/seiner Vorliebe auch etwas Positives abgewinnen?
Auf alle Fälle sollten Eltern den Umgang ihrer Schützlinge mit Musik nicht gänzlich aus dem Auge verlieren, ihn sogar zum Anlass für Gespräche nehmen. Was mag mein Kind überhaupt am Gangster-Rap – und was nicht? Wie steht es selbst zu den Texten und den Bildern der Clips? Um den eigenen Kindern die Grenzen des Tolerierten aufzeigen und im Alltag auch durchsetzen zu können, sollten Sie als Eltern auch die wichtigsten gesetzlichen Regeln kennen und von den Möglichkeiten eines angemessenen erzieherischen Umgangs wissen. Hierfür bieten sich z.B. die Aufbereitungen zum Thema durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) an.

 

Zum Autor:
Dr. Daniel Hajok ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler. Er arbeitet als Gutachter, Empiriker, Seminar-/Workshopleiter und Fachautor. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Medien, Gesellschaft und Soziale Arbeit, Kinder- und Jugendmedienschutz, medienpädagogische Forschung und Praxis.

Unboxing – Unterhaltung, Information oder Produktwerbung?

An Weihnachten packen wir nicht nur selbst Geschenke aus, sondern schauen auch immer wieder anderen dabei zu. Das kann richtig Spaß machen. Was befindet sich in der Geschenkverpackung und wie reagiert die Person darauf? Etwas ähnliches passiert in sogenannten Unboxing-Videos das ganze Jahr über. In den Videos zeigen Menschen, wie sie etwas auspacken. Meistens Produkte, die sie zuvor bestellt haben. Auf Videoportalen wie YouTube sind solche Videos besonders beliebt und werden von Millionen von Menschen angeschaut. Doch wer ein Unboxing-Video einmal gesehen hat, wird schnell feststellen, dass die Unterscheidung zwischen Werbung und Unterhaltung dabei nicht immer leicht fällt.

Was ist ein Unboxing-Video?

Unboxing-Videos (to unbox = Auspacken) sind Online-Videos, in denen eine Person ein Produkt aus seinem Originalkarton enthüllt. Dabei zeigt das Video hautnah, wie das bestimmte Produkt der Verpackung entnommen und anschließend bis ins kleinste Detail den Zuschauern vorgestellt, dabei kommentiert und meist ausprobiert wird.

Unboxing-Videos erscheinen häufig im sogenannten Vlogging-Stil und haben Merkmale eines Erklärvideos. Ausgepackt werden in den Videos häufig technische Geräte wie Smartphones, Konsolen oder Tablets, aber auch Spielzeuge, Lebensmittel oder Kleidungsstücke finden in ihnen einen Ort der Präsentation.

Warum faszinieren Unboxing-Videos?

Die Gründe für die Faszination der Unboxing-Videos sind sehr unterschiedlich. Einer der Gründe dürfte sein, dass die Zuschauer von dem Gefühl etwas auspacken zu dürfen nicht genug bekommen und das sogar so sehr, dass sie anderen Menschen dabei zusehen – das spart nebenbei sogar Zeit und Geld. Es geht aber auch darum, einen ersten Eindruck von einem neuen Produkt zu erhalten, für welches die Zuschauer sich interessieren. Aber anders als Werbung des Herstellers, kommentieren und bewerten die „Unboxing-Producer“ auf scheinbar offene und ehrliche Weise. Ein weiteres Motiv ist die Möglichkeit zur Interaktion in einer Community, in der Rückfragen zum Produkt, Kommentare sowie Meinungen geteilt werden können. Dies hilft auch dabei, sich mit einem Produkt zu identifizieren oder sich klar davon abzugrenzen.

Worauf sollten Sie achten, wenn Ihr Kind Unboxing-Videos selbst erstellen will?

Es gibt nicht viel, worauf Sie als Elternteil bei einem Unboxing-Video achten müssen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass ihr Kind ein Original-Produkt und nicht etwa eine Fälschung präsentiert, da der Markeninhaber ein begründetes Interesse daran hat, dass ihm nicht fremde bzw. gefälschte Produkte zugeschrieben werden und somit der Marke schaden könnten. Sollte sich Ihr Kind dafür interessieren, ein Video zu erstellen, dann begleiten Sie es dabei, präsentieren Sie bspw. ein Spiel, von dem Sie überzeugt sind und erfahren Sie die Welt der Spiele mal auf eine ganz andere Weise.

Fazit

Unboxing-Videos bieten viele Möglichkeiten. Von der Faszination des Auspackens, über ein reines Informieren bis hin zur Interaktion können dabei verschiedene Interessen bedient werden. Dennoch sollte stets ein wachsames Auge dabei sein, wenn Kinder sich solcher Videos bedienen oder sie selbst erstellen. Denn Unboxing-Videos sind auch Werbung und Konsumabsichten können schnell ungefiltert an ihr Kind gelangen. Besprechen Sie also das Gesehene und sensibilisieren Sie Ihr Kind für etwaige Werbeabsichten. Wie auch bei vielen weiteren Aktivitäten im Netz, sollten Sie Ihr Kind beim Schauen der Videos begleiten. Wenn Sie das beachten, steht dem Spaß beim Zuschauen nichts im Weg. Packen -äh- probieren Sie es doch auch mal aus!

Ganz nebenbei…

  • Die Informationswebsite Yahoo Tech brachte bereits im Jahr 2006 das erste richtige Unboxing-Video auf den Markt und präsentierte in diesem das Handy Nokia E61.
  • Das Interesse für Unboxing scheint mittlerweile so groß, dass bereits ein privater Fernsehsender darauf aufmerksam wurde und dem ganzen Thema eine eigene Unboxing-Show für Kinder widmet.

Faszination Vlogging – YouTube-Stars ganz privat?

„Crazy Shopping mit Shirin“, „Meine Freundin” oder „Ein Tag – fünf Looks“ – Das sind Titel sogenannter Vlogs bekannter YouTuber. Alle haben mindestens eine Million Aufrufe und sind bei ihren Abonnenten sehr beliebt. Vielleicht schaut auch Ihr Kind regelmäßig die Vlogs seiner Lieblings-YouTuber. Aber was sind eigentlich diese Vlogs und wieso sind sie für viele Kinder und Jugendliche so spannend?

Was ist ein Vlog?

Vlog – das ist zunächst eine Zusammensetzung aus den Wörtern Video und Blog. Bei Blogs handelt es sich um öffentliche Websites, die in regelmäßigen Abständen tagebuchartig von sogenannten Bloggern mit Texten gefüllt werden. Meist behandeln diese ein bestimmtes Thema, das die Blogger selber betrifft. Interessierte können Texte kommentieren und mit den Bloggern in Kontakt treten.

Das Bloggen wird auch von vielen YouTubern betrieben – dann allerdings als eine Art Video-Tagebuch, bei denen die Zuschauer einen ganzen Tag oder sogar eine längere Reise ihrer Stars miterleben können. Auch die Vlogs drehen sich oft um bestimmte Themen, so gibt es Beauty-Vlogs, Gaming-Vlogs oder Reise-Vlogs.

Warum sind Vlogs bei jungen Zuschauern so beliebt?

Die Themen der Vlogger sind für Jugendliche besonders interessant. Vlogs bieten ihnen einerseits die Möglichkeit, etwas über ganz alltägliche Fragen zu lernen andererseits können sie sich in das Leben von bekannten YouTubern hinein träumen. Viele der besonders beliebten YouTuber berichten in ihren Vlogs von ihrem vermeintlich privaten Leben. Der YouTuber Concrafter stellte in seinem Vlog zum Beispiel seine neue Freundin vor. Beliebt sind auch auch sogenannte „Room-Tours“ durch das eigene Haus. Bianca Heinicke von Bibis Beauty Palace berichtete regelmäßig über ihre Schwangerschaft – und im Anschluss daran über ihre neue Rolle als Mutter.

Vlogs werden meist regelmäßig, wöchentlich oder sogar täglich veröffentlicht. Ein Vlog begleitet die Person oft über einige Stunden, Tage oder sogar mehrere Wochen (zum Beispiel bei einer längeren Reise). Die YouTuber kommentieren die Ereignisse und sprechen ihre Abonnenten dabei direkt an. Oft sind die Videos von den YouTubern selbst mit dem Smartphone gedreht, so dass sie besonders authentisch wirken. Allerdings sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Videos meist sehr professionell produziert sind und teilweise ganze Produktionsteams dahinterstehen. Die Vlogs erwecken den Eindruck, dass man am Leben der YouTuber teilhaben kann und es sich um echte Ausschnitte aus ihrem Alltag handelt. Da YouTuber längst nicht mehr nur YouTuber, sondern Stars, Vorbilder und Idole sind, ist das Interesse an ihrem privaten Leben besonders groß.

Worauf sollte man achten?

Tipps und Hinweise zum Umgang mit YouTube finden Sie im Artikel zur Faszination von YouTube-Stars. Wenn Sie mit ihrem Kind über Vlogs sprechen, zeigen Sie Interesse an den YouTubern und ihren Themen. Hinterfragen Sie aber auch, inwiefern die Ausschnitte das tatsächliche Leben der Stars widerspiegeln. Machen Sie Ihr Kind auch darauf aufmerksam, dass die YouTuber mit ihren Vlogs Geld verdienen und durch vermeintliche Einblicke in ihr privates Leben möglichst viele Clicks erreichen wollen.

Medien selber machen – Erklärvideos

In vielen Familien ist es normal, sich Unbekanntes mit Hilfe von Videos erklären zu lassen: Wie deaktiviere ich nochmal die Ortung bei meinem Smartphone? Wie schreibe ich eine Erörterung oder wie koche ich die besten Spaghetti Bolognese? YouTube ist voll mit sogenannten Erklärvideos. Wie solche Videos beim Lernen helfen, erfahren Sie in unserem Beitrag “Wenn Videos im Internet das Lexikon ersetzen”.

Dank Smartphone ist es gar nicht schwer, mit der ganzen Familie selbst ein solches Erklärvideo zu drehen. Erstmal muss natürlich das Thema stehen. Vielleicht gibt es gerade etwas Interessantes aus dem Schulunterricht Ihres Kindes, das man kurz, knapp und spannend in einem Video erklären möchte. Wenn in Ihrer Familie gern gekocht wird, lassen sich auch Rezepte in einem Erklärvideo beschreiben. Oder man möchte die besten Fotos aus dem letzten Urlaub zu einem Film machen.

Ein Erklärvideo kann unterschiedlich aussehen. Wir stellen zwei Möglichkeiten vor, die sich zu Hause leicht umsetzen lassen:

  1. In einer Fotoshow werden ausgewählte Fotos nacheinander zusammengefügt, mit Ton und Musik hinterlegt, mit Texten und Stickern ergänzt. Das lässt sich sehr einfach zum Beispiel mit Adobe Spark Video machen. Das Programm gibt es als kostenlose App oder man kann sein Adobe-Video direkt am Computer online erstellen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich bei Adobe registriert.
  2. Wenn Ihr Kind gerne malt, ist das vielleicht das geeignete Format! Man kann die Erklärungen zeichnen und dabei filmen oder man malt einzelne Elemente auf, schneidet sie aus und schiebt sie dann nacheinander ins Bild. Diese Technik wird auch Legetrick genannt. Zuvor ausgeschnittene Figuren, Symbole und Wörter werden dabei auf einem Hintergrund bewegt und von oben gefilmt. Der Film kann dabei entweder am Stück aufgenommen werden (so dass zu sehen ist wie eine Person oder ihre Hand die einzelnen Elemente ins Bild schiebt) oder durch Einzelbildanimation. Dabei wird nach jeder Veränderung am Bild ein neues Foto gemacht. Die vielen Einzelfotos werden am Ende aneinandergereiht (das geht mittlerweile ganz einfach per App), so dass ein bewegter Film entsteht. Bei solchen Filmen spricht man auch von Stop Motion.

Wenn Sie gemeinsam überlegt haben, wie das Thema in welcher Art von Erklärfilm erzählt werden soll, kann es losgehen! Die Handykamera (oder auch eine andere Digitalkamera) kann in der Hand gehalten oder auf ein Stativ gesetzt werden, je nachdem, ob man von oben oder von der Seite filmt. Man kann einzelne Clips drehen oder die Kamera die ganze Zeit laufen lassen. In jedem Fall müssen die Clips hinterher “geschnitten” und zusammengefügt werden. Dafür gibt es bestimmte Apps, in denen sich auch Texte, Geräusche usw. ergänzen lassen. Für iOS-Geräte empfehlen wir iMovie, für Android-Geräte PowerDirector. Man muss nicht unbedingt während des Filmdrehs sprechen, sondern kann das hinterher ebenfalls über die App mit dem Smartphone machen.

Videos selber machen, ist immer Teamarbeit. Jemand muss filmen, jemand anderes ist dafür zuständig, zu malen oder Gegenstände zu bewegen. Vielleicht gibt es auch Personen, die Dinge erklären sollen. Hier kann also die ganze Familie mitmachen!

Trickfilmen im Netz

Das Erstellen eines eigenen Trickfilms macht großen Spaß, ist aber auch zeitintensiv und man benötigt das passende technische Equipment wie ein Stativ und ein Tablet. Zum Trickfilmstudio im Kinderzimmer gibt es Alternativen im Netz, mit denen Ihr Kind am Computer den eigenen Trickfilm erstellen kann.

Mit ein paar Klicks zum eigenen Trickfilm

Mit einem Online-Trickfilmstudios kann man schnell einen eigenen Film erstellen. In einem Vorschaufenster lassen sich die einzelnen Bilder, die später hintereinander abgespielt werden, bearbeiten. Je Bild werden nur sehr kleine Veränderungen der Figuren und Objekte vorgenommen, damit beim Abspielen die Bewegungen flüssig erscheinen. Per Mausklick können alle Objekte kleiner und größer gezogen und verschoben werden. Es gibt drei Online-Trickfilmstudios, die alle zum Trickfilmen im Netz einladen und zum Teil unterschiedliche Funktionen haben.

Juki

Im Trickstudio von JUKI auf Kindersache gibt es eine Vielzahl an bunten Figuren und Hintergründen. Hier kann Ihr Kind auch Musik einfügen und die Aktionen mit Geräuschen hinterlegen; egal ob Schnarchen, Schritte oder Schluckauf. Es gibt sogar Elemente, die sich bewegen: Mit fallendem Laub oder prasselndem Regen hat Ihr Kind die Möglichkeit, die Jahreszeit im eigenen Trickfilm zu bestimmen.

Trickino

Bei Trickino kann nicht nur auf vorhandene Figuren und Gegenstände zugegriffen werden, sondern Ihr Kind kann im Zeichenstudio auch selber Objekte zeichnen, die dann auch andere Kinder für ihren Trickfilm nutzen können. Im Animationsstudio wird schließlich der Trickfilm erstellt. Bei Tickino hat Ihr Kind zusätzlich die Möglichkeit, Audios hochzuladen und sogar auf mehreren Tonspuren zu bearbeiten.

Trixmisch oder trixmix.tv

Diese Seite entstand aus einem Trickfilmprojekt mit Schülerinnen und Schülern: Trickmisch – Das mobile Sprachlabor. Sie haben selbst Figuren und Objekte gezeichnet und mit der Legetrick-Technik Trickfilme erstellt. Bei trixmix.tv können alle Kinder einen eigenen Trickfilm online erstellen.

Ihr Kind kann hier unendlich viele Zeichnungen nutzen: vom Ofenrohr, über den Rasenmäher bis hin zum Schraubenzieher. Die Icons sind nach Themen sortiert, außerdem gibt es eine Suchfunktion. Natürlich gibt es ebenfalls eine große Anzahl an farbenfrohen Hintergrundbildern und einige Audios und Geräusche, die eingefügt werden können.

Auf allen vorgestellten Seiten kann Ihr Kind den eigenen Trickfilm veröffentlichen und sich ebenfalls die Werke anderer Kinder anschauen. Insgesamt bieten die Plattformen eine einfache, aber trotzdem kreative Alternative zu dem klassischen Trickfilmen. Vielleicht ist das ein guter Einstieg, bevor es mit dem Filmen im eigenen Kinderzimmer losgeht.

Aufgepasst! – Tauschbörsen im Internet

Die Nachbarin hat neulich davon erzählt: In ihrem Briefkasten fand sie eine Abmahnung, in der steht, dass sie 3.000,- € Schadensersatz zahlen soll. Angeblich wurde über den Internetanschluss der Familie illegal ein Spiel heruntergeladen, das es normalerweise nur in Online-Shops zu kaufen gibt.

Erwachsene, Jugendliche und bereits Kinder nutzen das Internet, um an Musik, Spiele oder Filme zu gelangen. Es gibt viele Streaming-Plattformen und Online-Shops, bei denen man gegen Bezahlung Zugriff auf ein großes Medienangebot hat. Doch auch denjenigen, die nicht dafür zahlen möchten, bietet das Internet Möglichkeiten. Sie tauschen ohne Geld Dateien mit anderen Nutzern über ein Netzwerk aus.

Was sind Tauschbörsen und wie erkennt man sie?

Tauschbörsen (auch bekannt als „Filesharing“- oder „Peer-to-Peer“-Systeme) sind Computerprogramme, mit denen man online digitale Inhalte wie Spiele oder Musik mit anderen Nutzern teilen kann. Dafür installiert man sich ein kostenloses Programm auf dem Computer. Das ist erstmal nicht verboten. Aber sich Spiele, Musik oder Ähnliches herunterzuladen, die urheberrechtlich geschützt sind, ist nicht erlaubt!

Die meisten kreativen Werke sind urheberrechtlich geschützt. Das heißt, wer das Werk geschaffen hat, darf entscheiden, was damit gemacht wird. Wenn man nicht die Erlaubnis vom Urheber (oder anderen Rechteinhabern) hat, ein Werk zu nutzen, ist es nicht erlaubt, diese Inhalte zu vervielfältigen oder herunterzuladen.

Es gibt Tauschbörsen, bei denen nicht deutlich wird, woher die einzelnen Inhalte stammen und wer die Rechte daran hat. Bevor man also von Tauschbörsen Inhalte herunterlädt, sollte man sich diese nach folgenden Punkten genau angucken. Treffen einige davon zu, lässt man besser die Finger davon.

  • Das Angebot ist kostenlos, obwohl man es anderswo kaufen müsste.
  • Die technische Qualität ist schlecht.
  • Der Betreiber des Angebots ist unklar oder es ist eine unseriöse Adresse angegeben.
  • Man soll eine spezielle Download-Software herunterladen.
  • Es gibt aggressive Werbung auf der Seite.
  • Es werden Inhalte angeboten, die noch nicht offiziell veröffentlicht wurden, z. B. ein Film wird noch nicht im Kino gezeigt.

Umgang mit Tauschbörsen und Abmahnungen

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind (heimlich) Musik, Spiele oder andere Inhalte über eine illegale Tauschbörse bezieht oder anbietet. Dann sollten Sie unbedingt mit ihm darüber reden und erklären, dass dies verboten ist. Es kann sogar strafrechtliche Konsequenzen haben, wie eine Abmahnung mit (teils hohen) Gebühren.

Sollten Sie bereits einen solchen Brief erhalten haben, gehen Sie nicht einfach darauf ein, aber ignorieren sie ihn auch nicht. Wenden Sie sich an einen Anwalt oder die Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe und lassen Sie sich beraten. Nicht immer sind die Forderungen angemessen.

Dateien illegaler Tauschbörsen können auch Schadsoftware oder Viren verbreiten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach legalen Streaming-Angeboten im Netz recherchieren und diese nutzen. Sie können auch nach Angeboten suchen, die unter eine „Creative Commons“-Lizenz fallen. Das sind sogenannte „freie Inhalte“, bei denen der Urheber selbst seinem Werk erweiterte Verwendungsrechte einräumt. Nähere Informationen hierzu finden Sie z. B. bei iRights info  und Klicksafe.

Dailymotion

YouTube ist das beliebteste Online-Angebot bei Jugendlichen. Aber auch andere Videoportale werden gern genutzt, wie zum Beispiel Dailymotion.

Kurz gefasst

  • weltweit bekanntes Videoportal mit Hauptsitz in Frankreich
  • im Jahr 2005 in Paris gegründet mit weltweit 300 Millionen Nutzer (eigene Angaben)
  • eingebundene Werbung vorhanden
  • als Browserversion verfügbar sowie als App für Android und iOS-Geräte
  • keine eindeutige Altersbeschränkung vorhanden

Was ist das?

Dailymotion zählt zu den bedeutendsten Videoportalen im Netz und bietet eine große Auswahl an Inhalten für jedes Alter. Bei Familien ist es sehr beliebt, weil man hier z.B. alle Pippi-Langstrumpf-Filme sehen kann.

Die Videos auf Dailymotion kann man ohne Account anschauen. Das Portal finanziert sich über Werbung. Deshalb ist auf der Seite und vor vielen Clips Werbung geschaltet.

Man kann sich aber auch via Facebook, einem Google-Account oder per E-Mail auf dem Portal anmelden. Dann kann man einen eigenen Kanal erstellen und dort Videos hochladen oder Kanäle abonnieren bzw. favorisieren, um individuelle, für sich relevante Videos vorgeschlagen zu bekommen. Dailymotion bezeichnet das als den „personalisierten Space“. User können die Videoplattform außerdem nach von Nutzern gegründeten Gruppen, Tags oder Kanälen zu verschiedenen Themen durchsuchen.

Von Dailymotion selbst gibt es keine Angaben zu konkreten Empfehlungen, ab welchem Alter das Videoportal geeignet ist. Laut den Kinderschutz-Hinweisen auf der Webseite sollten User unter 18 Jahren bei der Anmeldung zum Portal das Einverständnis ihrer Eltern einholen. Das Alter wird jedoch bei der Registrierung nicht überprüft. Im Google Play Store ist die App mit der Altersbeschränkung USK 12 versehen und im iTunes App Store ab 17 Jahren empfohlen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Da es bei Dailymotion Videos für alle Altersklassen gibt, kann Ihr Kind sehr leicht auf Angebote stoßen, die nicht für sein Alter geeignet sind und z. B. ängstigend oder verstörend sein können. Es lässt sich zwar ein Familienfilter aktivieren, doch zu einigen Suchergebnissen werden trotzdem noch Videos angezeigt, die besonders für jüngere Kinder entweder nicht verständlich oder bedenklich sind. Der Filter lässt sich außerdem leicht durch einen Klick deaktivieren. Nach Abspielen eines Videos beginnt automatisch das nächste Video. Dadurch hat man keinen Einfluss darauf, welche Videos angezeigt werden. Das kann leicht dazu führen, dass sich Ihr Kind ein Video nach dem anderen anschaut und kein Ende findet.

Die Webseite ist größtenteils auf deutsch nutzbar, jedoch gibt es auch einige z. B. englische oder französische Inhalte, was die Handhabung des Angebots insbesondere für Kinder schwierig machen kann.

Was sagt der Anbieter?

Auf der Webseite gibt Dailymotion Informationen rund um Kinderschutz in englischer Sprache. Hier wird den Nutzern geraten, keine persönlichen Informationen über das Internet zu teilen. Bei Dailymotion gibt es die Möglichkeit, selbst erstellte Videos nur im privaten Modus mit ausgewählten Nutzern zu teilen. Für alle Videos gibt es eine Meldefunktion.

Was sollten Eltern beachten?

Bei Dailymotion gibt es nur sehr wenige Sicherheitseinstellungen, mit denen Sie Ihr Kind vor ungeeigneten Inhalten schützen können. Möchte Ihr Kind trotzdem Videos bei Dailymotion anschauen, sollten Sie einschätzen können, ob es sich schon über die möglichen Risiken bewusst ist. Lassen Sie sich von Ihrem Kind die Lieblingsvideos zeigen und entdecken Sie gemeinsam die Welt von Dailymotion. So sind Sie auf der sicheren Seite und sofort zur Stelle, sollten es auf etwas Unangenehmes oder Bedenkliches stoßen.

Sollte Ihr Kind selbst Lust haben, eigene Videos zu erstellen und bei Dailymotion hochzuladen, sollten sie es dabei begleiten und die Videos vorerst im privaten Modus veröffentlichen, damit sie nicht für alle Nutzenden zugängig sind. Behalten Sie die rechtlichen Bedingungen im Blick und erklären Sie diese auch Ihrem Kind. Das Erstellen eines Videos – z.B. eines Erklärvideos – kann auch ein tolles Familienerlebnis sein, bei dem Ihr Kind viel lernen kann!

Wenn Videos im Internet das Lexikon ersetzen

Sie sitzen mit der Familie beisammen und unterhalten sich. Das Gespräch kommt auf ein bestimmtes Thema und die Frage nach der Bedeutung von etwas oder wie etwas funktioniert. Der erste Griff Ihres Kindes geht zum Smartphone. Bei YouTube wird die entsprechende Suchanfrage eingegeben und schon wird ein passendes Erklärvideo abgespielt, das die Frage (hoffentlich) beantwortet.

YouTube und Erklärfilmchen sind bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Fragen, bei denen wir früher zum Lexikon gegriffen haben, werden heute mit YouTube und ähnlichen Videoportalen beantwortet. Kinder und Jugendliche nutzen sie für Alltagsfragen genauso wie als Hilfe für Schulaufgaben. Denn die Auswahl an Erklärvideos im Netz ist riesengroß. Dabei handelt es sich um Filme, in denen kurz und knapp ganz unterschiedliche Sachverhalte und Themen behandelt und abstrakte Zusammenhänge erklärt werden. Das Themenspektrum geht von Beauty über Kochen, von Musik über Soziales oder Internet-Themen und vieles mehr.

Was macht Erklärvideos so besonders?

Vielleicht kennen Sie das noch aus Ihrer Schulzeit: Im Unterricht werden Filme zu geschichtlichen Ereignissen oder Ähnlichem gezeigt. Diese Lehrvideos wurden professionell dafür produziert, dass sie in der Schule eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu sind Erklärvideos meist von Laien selbst produziert. Sie richten sich an eine bestimmte Zielgruppe. Typisch ist eine klare und einfache, manchmal auch sehr persönliche Sprache in solchen Videos. Durch selbst gezeichnete Bilder, Fotos und Animationen werden schwierige Themen anschaulich und unterhaltsam dargestellt. Sie werden nicht wie in Lehrvideos sachlich erklärt, sondern es wird eine kurze Geschichte erzählt. Zusammen mit Musik wird das Publikum besonders angesprochen. Man nimmt an, dass man dadurch das Gezeigte besser versteht und sich merken kann. Außerdem kann man die Videos jederzeit, ortsunabhängig und beliebig oft online anschauen und zwischendurch anhalten. Erklärvideos sind meistens nur wenige Minuten lang.

Erklärvideos in der Schule

Inzwischen werden auch solche Erklärfilme im Unterricht eingesetzt. Manche Lehrer drehen sie sogar selbst und stellen sie der Klasse zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler können sich das Video dann zu Hause im eigenen Tempo und so oft wie nötig anschauen. Sie lernen so den Stoff selbst mit Hilfe des Erklärvideos. Im Unterricht bleibt mehr Zeit, Fragen dazu zu stellen und den neuen Stoff zu üben.

Wenn es darum geht, (fremde) Erklärvideos aus dem Internet für die Hausaufgaben zu nutzen, muss man einiges beachten. Wie bei anderen Inhalten im Netz auch sind nicht alle Videos gut und richtig. Viele Filme behandeln das Thema nur sehr oberflächlich. Es ist also sinnvoll, noch vertiefende Texte dazu zu lesen. Um vorab einzuschätzen, wie gut ein Video ist, kann man im Kanal stöbern, ob die Person noch weitere Erklärvideos gemacht und deshalb Erfahrung hat. Außerdem ist es immer gut, noch ein oder zwei andere Videos zu einem Thema anzuschauen.

Am meisten lernt man, wenn man selbst ein Erklärvideo produziert. Das wird inzwischen auch in der Schule gemacht. Man muss überlegen, wie man ein Thema kurz fassen und für das Publikum interessant gestalten kann. Für Kinder und Jugendliche ist es sehr motivierend, sich am Ende das eigene Video mit der ganzen Klasse anzuschauen. Bei der Produktion lernen sie außerdem im Team und organisiert zu arbeiten und trainieren ihr technisches Know-How. Eine gute Anleitung für Kinder gibt es hier.

Was sollten Eltern beachten?

Die einfachste Variante, um an Erklärvideos zu gelangen, ist der Klick auf YouTube — doch die Plattform ist insbesondere für (jüngere) Kinder noch ungeeignet. YouTube bietet Inhalte für jedes Alter und somit wäre es nicht ungewöhnlich, dass Ihr Kind aus Versehen auf etwas stößt, das zunächst geeignet aussah, für sein Alter jedoch bedenklich ist. Erklären Sie das Ihrem Kind und suchen Sie z. B. mithilfe von Kindersuchmaschinen nach Webseiten mit Videoinhalten speziell für Kinder. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, schauen Sie doch die Erklärvideos zusammen mit Ihrem Kind — so lernen Sie vielleicht auch noch etwas dazu!

Musical.ly heißt jetzt Tik Tok

„Musical.ly gibt es nicht mehr!“ Diese Meldung dürfte viele vor allem weibliche Teenies, bei denen die App besonders beliebt ist, schockiert haben. Aber so richtig stimmt das gar nicht.

Die chinesische Firma Bytedance hat Musical.ly im Dezember 2017 aufgekauft. Anfang August 2018 wurde sie mit dem chinesischen Pendant TikTok zusammengelegt. Musical.ly ist also nicht Geschichte, sondern lediglich sein Name ist es. Wer ein Update durchgeführt hat, findet nun statt dem pinken Musical.ly-Logo die App „TikTok inklusive Musical.ly“ auf seinem Smartphone.

Bei Musical.ly drehte sich fast alles um Musik – diese grundlegende Funktion bleibt auch erhalten. Mit der Namensänderung sollen aber weitere Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Längere Videos, andere Themen: Beauty, Reise und Sport sollen stärker berücksichtigt werden. Damit will die App weg von dem reinen Sing- und Tanzimage.

Musical.ly stand immer wieder stark in der Kritik. Die einfache Kontaktaufnahme durch Fremde und das Erstellen von Fake-Accounts bereitete vielen Eltern Sorgen. Bytedance will die App in dieser Hinsicht sicherer machen: Anstößige Inhalte und Kommentare sollen durch Algorithmen schneller erkannt und gesperrt werden können. Das „Safety Center“, das in der App aufgerufen werden kann, soll in Zukunft auch Tipps für Eltern bereithalten und Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre vereinfachen.

Ob die Sicherheit für die User so tatsächlich erhöht wird, lässt sich noch stark bezweifeln. Unabhängig von der Kontaktaufnahme durch Fremde bleiben weitere Risiken bestehen.

Insgesamt ändert sich für Sie als Eltern durch die Zusammenlegung der Apps wohl kaum etwas. Sprechen Sie weiterhin mit Ihrem Kind über die Risiken, die nun TikTok bereithält.

Medien selber machen: Trickfilme und Stop Motion

Gerade Kinder im Kita- und Grundschulalter mögen Trickfilme besonders. Und das Schöne ist, es braucht nicht viel, um zu Hause selbst welche zu machen: Smartphone oder Tablet, Bastelpapier und Stifte und schon wird das Kinderzimmer zum Filmstudio.

Trickfilme beruhen auf der Stop Motion-Technik. Man kennt das zum Beispiel vom Daumenkino. Viele Bilder, die sich nur in Details unterscheiden, werden schnell hintereinander gezeigt. Man nimmt die kleinen Änderungen auf jedem einzelnen Bild insgesamt als Bewegung wahr. Auch der Vor- und Abspann vom Sandmännchen und die Geschichten von “Shaun das Schaf” sind mit dieser Technik produziert.

Ihr Kind malt oder bastelt gern oder spielt es lieber mit Duplo und Lego? Solche Dinge lassen sich wunderbar auch für die Produktion des ersten eigenen Films nutzen. Dann kann’s ja losgehen!

  1. Denken Sie sich gemeinsam mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter eine kurze Geschichte aus. Die Geschichte sollte einfach und schnell zu erzählen sein und eine überschaubare Anzahl an Figuren haben. Diese Figuren können dann aufgemalt und ausgeschnitten oder auch geknetet werden. Oder Sie verwenden Figuren, die im Kinderzimmer vorhanden sind: Lego oder Playmobil, kleine Tiere und andere. Fast alles ist möglich!
  2. Neben den Figuren und anderen Gegenständen, mit denen die Geschichte erzählt wird, braucht man nun noch die Technik zum Filmen. Am besten nutzen Sie dafür ein Smartphone oder ein Tablet mit einer entsprechenden App. Empfehlenswert sind Stop Motion Studio (für Android und iOS; in der Grundversion kostenlos) oder iStop Motion (nur für iOS; kostenlos). Man kann direkt in der App nacheinander die Fotos aufnehmen. Automatisch wird daraus der Film, den man am Ende noch bearbeiten kann. Das Smartphone oder Tablet sollte stabil stehen. Ein Stativ oder eine Tablethalterung sind dabei besonders hilfreich. Sie können aber auch aus Büchern und anderen Gegenständen eine Fixierung bauen.
  3. Dann geht es an die Vorbereitung des Drehorts. Wenn Sie einen Legetrickfilm mit gemalten oder gebastelten Figuren machen, wird von oben gefilmt – quasi zweidimensional. Dann brauchen Sie einen Untergrund, auf dem die Figuren bewegt werden. Dieser kann farbig sein oder einen bestimmten Hintergrund abbilden. Wenn ein Film mit Legofiguren o. Ä. geplant ist, sollte seitlich von oben gefilmt werden. Dann kann man sich eine kleine Filmkulisse ausdenken und diese aus Gegenständen und farbigem Papier zusammenbauen. Auch Legohäuser und andere Spielgeräte können dafür verwendet werden. Wichtig ist immer, dass die Kamera einen guten Abstand zur Kulisse hat, so dass alle Figuren Platz haben, man sie gut bewegen kann und auf dem Display alles sichtbar ist. Achten Sie auch auf die Lichtverhältnisse und darauf, dass sich diese nicht ändern.
  4. … und Action! Etwas Geduld ist beim “Filmdreh” gefragt, denn man braucht viele Fotos, um nur einen kurzen Film zu machen. Man sollte mit etwa acht Bildern für eine Sekunde Film rechnen. Auf jedem Bild muss eine Kleinigkeit verändert werden. Wenn z. B. ein Legomännchen winkt, muss man den Arm jedes Mal eine kleines Stück nach oben bewegen. Natürlich ist es möglich, dass parallel auch andere Figuren oder Gegenstände bewegt werden. Am besten ist es, wenn eine Person die Kamera übernimmt, also die Fotos macht und eine andere die Figuren bewegt. Eine dritte Person kann darauf achten, dass alles richtig gemacht wird und ansagen, wann was gemacht wird – sie ist der Regisseur oder die Regisseurin. Am besten schaut man sich immer direkt auf dem Display an, ob die Fotos gelungen sind.
  5. Nach dem Filmdreh geht es an die Nachproduktion. Dabei können Titel, Texte, Musik und vieles andere hinzugefügt werden. Bilder können gelöscht, verschoben oder ihre Anzeigedauer geändert werden. Wenn man den Figuren eine Stimme geben möchte – sie also nicht stumm bleiben sollen – können hinterher die Dialoge mit verteilten Rollen eingesprochen werden.
  6. Präsentation und Veröffentlichung: Was ist ein Film ohne Premiere? Auch das können Sie mit Ihren Kindern zelebrieren – mit Limo und Popcorn in einem abgedunkelten Raum. Vielleicht werden auch noch Oma und Opa und die Nachbarskinder dazu eingeladen! Zusätzlich ist eine Veröffentlichung auf einer Kinderplattform wie JUKI auf Kindersache oder trickino.de denkbar.

Und jetzt… viel Spaß beim Ausprobieren!

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