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Vom Kinderzimmer zu YouTube – Pferdegeschichten in Spielfilmlänge

Spielfiguren und Kuscheltiere sind in vielen Kindergeschichten die Hauptdarsteller. Selbstausgedachte Geschichten nicht nur im eigenen Kinderzimmer zu spielen, sondern sich dabei zu filmen und das auf YouTube zu veröffentlichen, ist angesagt.

Von der “Insel der Pferde” zur “Schleich-WG”

Im Mittelpunkt der YouTube-Kinderzimmergeschichten stehen meistens Pferde-Sammelfiguren. Egal ob Serien mit mehreren Staffeln, Kurzfilme, Musikvideos oder sogar Filme in Spielfilmlänge: Wer bei YouTube den Suchbegriff „Schleich-Pferde“ oder „Modell-Pferde“ eingibt, erhält etliche Treffer mit zehntausenden Klicks. Es steckt viel Zeit und Mühe in den Produktionen, viele Videos haben sogar einen aufwändigen Vorspann und eigene Titelmusik. Die bekanntesten Videos sind von YouTuberinnen zwischen zehn und fünfzehn Jahren. Sie denken sich den Inhalt der Filme, der von der klassischen Reiterhofgeschichte bis hin zur Romanze reicht, selbst aus, sprechen den Text der Figuren ein und filmen und schneiden den Film selbstständig. Sie selbst tauchen meistens nur mit ihrer Stimme und der Hand auf, die die Figur bewegt.

Sind Pferde-YouTuberInnen die neuen Influencer?

Die YouTuberinnen haben große Fangemeinden und sind für ihre Zuschauerinnen auch Vorbilder. Komplimente zu Requisiten, Charakteren und zur Story füllen die Kommentarspalten. Unter den vielen positiven Kommentaren sind kaum negative oder gar beleidigende Kommentare zu finden.

Im Vergleich zu vielen anderen bekannten Influencern spielt das Privatleben keine besondere Rolle. Viele der Mädchen betonen, dass es ihnen in erster Linie darum geht, kreativ zu sein und sich mit anderen über das gemeinsame Hobby auszutauschen. Sie sammeln zum Teil schon seit Jahren kleine Figuren aus Kunststoff. Tiere der Marke Schleich sind die beliebtesten. Deshalb sind die Pferde-Filme gerade für diese Firma eine gute Werbung. Für die YouTuberinnen und ihre Fans sind sie aber vor allem die gemeinsame Leidenschaft.   

Worauf Sie als Eltern achten können

Wenn Ihr Kind selbst Filme mit Sammelfiguren oder anderem Spielzeug drehen möchte, ermutigen sie es ruhig dazu. Überlegen Sie gemeinsam, was Ihr Kind von sich selber zeigen möchte und ob es notwendig ist, das eigene Gesicht zu zeigen oder den Namen preiszugeben. Besprechen Sie, dass jede Person auf YouTube Kommentare zu den Videos abgeben kann, die mitunter auch verletzend sein können. Überlegen Sie, die Kommentarfunktion für hochgeladene Inhalte auszustellen.

Um die persönlichen Daten Ihres Kindes zu schützen, können Sie auch gemeinsam einen YouTube-Account anlegen und Ihre eigenen Daten dafür nutzen.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind auch darüber, dass einige YouTuber mit ihren Kanälen Geld verdienen, indem sie Werbung für bestimmte Produkte machen. Wenn solche Pferdegeschichten viel Aufmerksamkeit bekommen, werden sie auch für Firmen wie Schleich als Werbemarkt interessant.

Internetphänomen Game Master: Gibt es ihn wirklich?

Der sogenannte Game Master steht bei Kindern und Jugendlichen seit einer Weile hoch im Kurs. Er taucht in Videos und Kettenbriefen in WhatsApp auf. Doch wer steckt hinter der Figur mit Maske?

Was oder wer ist ein Game Master?

Ein dunkel gekleideter, maskierter Unbekannter kontaktiert YouTuber per WhatsApp oder Brief und stellt ihnen gruselige oder gefährlich Aufgaben, die sie lösen müssen. YouTuber zeigen in ihren Videos, wie sie diesem Game Masters anscheinend hilflos ausgeliefert sind. Erfüllt der YouTuber die gestellte Aufgabe nicht, drohen ihm Strafen. Laut einiger YouTuber nimmt der sogenannte Game Master Kontakt zu seinen “Opfern” auf, z. B. über Social Media oder Zettel vor der Haustür. In einem Fall der YouTuberin Rebekah Wing scheint es, als hätte sich der Game Master in ihre Videos gehackt und spielt dort sein Video ab. Nur wenn Rebekah Wing eine Aufgabe des Game Masters erfüllt, gibt er ihren Kanal wieder frei. Teilweise sind die Aktionen des Game Masters auch grenzüberschreitend. Er taucht angeblich beim jeweiligen YouTuber zu Hause auf oder bricht dort ein und zerstört dessen Eigentum. In einem Video der YouTuber TwoBrokeBoys ist zu sehen, wie der Game Master einen der beiden mit einem Messer bedroht.

Haben Sie schon einmal ein YouTube-Video gesehen, in dem der vermeintliche Game Master auftritt? Dann ist Ihnen bestimmt schnell aufgefallen, dass die Figur sowie die Story drumherum ausgedacht sind. Vermutlich hat sich ein Freund oder Bekannter des YouTubers dunkle Kleidung und eine Maske angezogen. Die Interaktion zwischen YouTuber und Game Master ist gespielt.

Der Reiz für Kinder und Jugendliche

Für Kindern und Jugendlichen ist die Inszenierung des Game Masters oft noch schwer zu durchschauen. Die gefährlichen Aufgaben des Game Masters sind für sie spannend und flößen Angst ein. Je gruseliger ein Video ist, desto mehr Klicks auf YouTube-Videos gibt es in der Regel. Es ist eine kleine Herausforderung für Kinder, sich zu trauen, ein solches Video anzuschauen.

Worauf Eltern achten sollten

Videos des Game Masters sind – wie andere Kettenbriefe oder die Figur Momo auch – darauf ausgelegt, Angst und Grusel unter den jungen Zuschauern zu verbreiten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was hinter dem Phänomen Game Master steckt und dass solche Videos oder Kettenbriefe nicht echt sein können. Stellen Sie sich z. B. gemeinsam die Frage, wie Sie reagieren würden, wenn eine unbekannte Person, ungewollt zu Ihnen nach Hause kommt und ihnen schaden will.

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es mit Ihnen spricht, wenn es unheimliche Kettenbriefe wie die des Game Masters erhält. Zudem sollten diese nicht weitergeleitet, auch zum Schutz anderer Kinder. Um einen Kettenbrief als Quatsch zu enttarnen, hilft es auch, online danach zu suchen. Zu fast jedem Kettenbrief gibt es hier Infos. Und um keine weitere Energie an die ungewollte Nachricht zu verschwenden, gilt zu guter Letzt: Einfach aus dem Smartphone löschen!

Gewinnspiele bei YouTube & Co.

Der Lieblings-YouTuber Ihres Kindes verlost einen scheinbar tollen Preis und Ihr Kind möchte unbedingt mitmachen? Gewinnspiele sehen auf den ersten Blick sehr verlockend aus. Doch besonders im Netz können diese auch gefälscht und deshalb problematisch sein.

Wieso bieten YouTuber und Influencer Gewinnspiele an?

Die offizielle Begründung lautet meistens “Ich möchte meinen Followern etwas zurückgeben”. Jedoch profitieren viele YouTuber auf andere Art und Weise von Gewinnspielen, indem sie dafür bezahlt werden oder mehr Follower und Likes bekommen.

YouTube selbst erlaubt sogenannte Wettbewerbe auf seiner Plattform (wenn sie nicht als Werbung gekennzeichnet sind). YouTuber sind dafür selbst verantwortlich und müssen die gesetzlichen Regelungen zu Gewinnspielen, Datenschutz usw. einhalten. Außerdem müssen solche Wettbewerbe den Nutzungsregeln von YouTube angepasst sein.

Wieso sind Gewinnspiele in Sozialen Medien auch gefährlich?

Die meisten Gewinnspiele laufen zum Glück recht harmlos ab und zielen nur auf den Zuwachs von Abonnenten und Likes ab. Denn wer mitspielen möchte, muss meistens Follower sein.

Jedoch gibt es auch andere Fälle: Fragt ein Veranstalter persönliche Daten, wie die Handynummer oder Ähnliches ab, ist Vorsicht geboten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine zu persönlichen Angaben für ein Gewinnspiel machen muss. Überlegen Sie gemeinsam, ob der Anbieter bestimmte Dinge tatsächlich wissen muss, um etwas zu verlosen oder ob er nur auf die Daten aus ist.

Woran erkenne ich gefährliche Gewinnspiele?

Das Hauptmerkmal eines Gewinnspiels ist die kostenfreie Teilnahme. Bei Gewinnspielen dürfen lediglich geringe Kosten anfallen, wie etwa die Kosten für eine SMS oder Briefmarke. Wird ein höherer Betrag gefordert, sollten Sie vorsichtig sein.

Das Gewinnspiel sollte ausdrücklich als solches gekennzeichnet und so transparent wie möglich sein. Nehmen Sie nur teil, wenn der Anbieter die Teilnahmbedingungen mit folgenden Inhalten angegeben hat:

  • Name und Kontaktdaten des Veranstalters
  • Teilnahmebedingungen: Eine Anleitung, in der festgehalten wurde, was man tun muss, um teilzunehmen und wann das Gewinnspiel endet.
  • Teilnahmeberechtigung: Eine Erklärung, wer am Gewinnspiel ab welchem Mindestalter teilnehmen kann.
  • Informationen über die Gewinnermittlung: Wie wird der Gewinner ermittelt und anschließend benachrichtigt?
  • Informationen über die Aushändigung des Gewinns: Wie bekommt man den Gewinn und wer trägt die Kosten?
  • Haftungsfragen, Ausschluss des Rechtsweges, Informationen zur vorzeitigen Beendigung des Gewinnspiels

Je mehr Informationen vorhanden sind, desto besser.

Recherchieren Sie, ob der YouTuber oder Influencer bereits Gewinnspiele angeboten hat, diese öffentlich aufgelöst wurden und der Gewinner genannt wurde. Noch besser ist es, wenn irgendwie erkenntlich wird, dass der Gewinn wirklich verschickt wurde.

Der YouTuber RobBubble hat gemeinsam mit dem WDR Beispiele von guten und schlechten YouTube-Gewinnspielen untersucht – zur Reportage.

Hilfe, mein Kind schaut Pornos!

Viele Kinder und Jugendliche kommen im Netz schon früh in Kontakt mit pornografischen Inhalten, zufällig und ohne Absicht genauso wie aus Neugierde und Interesse. Für Eltern kann das erschreckend sein, wenn sie irgendwann mitbekommen, dass ihr Kind Pornos schaut. Warum das nichts Unnormales ist, welche pornografischen Inhalte problematisch sein können und wie Sie damit umgehen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Während Pornos früher vor allem in speziellen Geschäften oder Videotheken zu finden waren, kommt man heute dank Internet ganz leicht dran. Außerdem wird man nicht gesehen und es kostet nicht unbedingt etwas. Das gilt nicht nur für Erwachsene. Kinder und Jugendliche entwickeln spätestens in der Pubertät eine eigene Sexualität. Dafür suchen sie Orientierung und Vorbilder. Da Sex häufig immer noch ein Tabuthema ist, wird gern die Anonymität des Netzes gesucht. Hier können sie sich unbeobachtet schlau machen, bevor die Sexualität mit anderen ausgelebt wird. Doch es ploppen auch ganz unabsichtlich plötzlich aufreizende Nacktbilder von Männern und Frauen auf dem Handydisplay auf, wenn man eigentlich nur eine Serie gucken möchte oder für die Schule im Netz recherchiert. So können Kinder schon früh damit in Kontakt kommen, obwohl das eigentlich gar nicht passieren dürfte.

Schutz vor Pornografie

In Deutschland gibt es den Jugendmedienschutz mit seinem Auftrag, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor Inhalten im Internet zu schützen, die sie gefährden oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. Zu diesen Inhalten gehört auch Pornografie. Dabei wird zwischen einfacher und harter Pornografie unterschieden. Von harter Pornografie wird gesprochen, wenn die gezeigten sexuellen Handlungen z. B. in Verbindung mit Gewalt stehen oder wenn es sich um Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen handelt. Diese sind grundsätzlich verboten! Einfache pornografische Inhalte, bei denen der Sex detailliert dargestellt wird, sind in Deutschland erlaubt, wenn der Zugang dazu klar beschränkt ist. Das bedeutet, dass eine Anmeldung zu diesen Seiten nur über ein geregeltes Verfahren möglich ist; z. B. über das Post-Ident-Verfahren, bei dem der Personalausweis bei einer offiziellen Stelle wie einem Postamt vorgelegt werden muss.

Unter 18-Jährige können also nicht so einfach auf Pornoseiten kommen, wenn diese aus Deutschland kommen. Anders sieht es bei Anbietern aus anderen Ländern aus, deren Seiten teilweise frei zugänglich sind. Hinzu kommt, dass sich auf beliebten Plattformen wie YouTube und Instagram auch Fotos und Videos finden, auf denen Menschen mit wenig Kleidung und in erotischen Posen dargestellt sind. Solche Inhalte sind keine Pornografie und deshalb für alle einsehbar. Sie können aber für manche – vor allem jüngere – Kinder trotzdem unangenehm oder sogar verstörend sein.

Warum Pornos problematisch sein können

Gerade für Jugendliche in der Pubertät sind Pornos reizvoll – auch weil sie verboten sind. Sie sind für solche Reize besonders anfällig und begeben sich auf die Suche nach pornografischen Inhalten oder klicken neugierig auf die Seiten, die ihnen zufällig begegnen. Besonders wenn das Thema Sexualität zu Hause ein Tabu ist und sie nicht mit ihren Eltern darüber sprechen möchten, greifen sie auf das zurück, was sie im Netz finden. Und das ist nicht unbedingt altersgerecht.

Die schnelle Verfügbarkeit solcher Inhalte kann besonders anziehend wirken, wenn man z. B. gerade Ablenkung sucht oder vor seinen Alltagsproblemen fliehen möchte. Aus einer Gewohnheit kann bei manchen Jugendlichen Abhängigkeit werden. Außerdem können sich beim regelmäßigen Anschauen von Pornos Vorstellungen von Sex entwickeln, die nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben. Sex und Pornografie werden mit Liebe und Beziehung gleichgesetzt. Einige Jugendliche bekommen Erwartungen, dass ihr eigenes Liebesleben genauso aussehen muss. Dazu gehört auch die Entwicklung des eigenes Körpers. Das kann Jugendliche stressen, wenn sie selbst sexuell aktiv werden wollen. Oder die Freundin oder der Freund wird unter Druck gesetzt, sich ebenso darzustellen, dabei zu filmen und das Video zu verschicken. Wodurch sie sich dem Risiko des Cybermobbings aussetzen. Mehr zum Thema Sexting erfahren Sie in unserem Beitrag dazu.

Was Sie als Eltern beachten sollten

Sex gehört zu unserem Leben dazu. Tabuisieren Sie das Thema nicht und seien Sie immer offen und gesprächsbereit. Sorgen Sie für eine altersgerechte Aufklärung, wenn Ihr Kind Fragen rund um Liebe und Sexualität stellt.

Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Schritten im Internet und erklären Sie ihm, dass man auf Inhalte stoßen kann, die unangenehm sind. Sollten bestimmte Seiten unabsichtlich erscheinen, sollte Ihr Kind mit Ihnen darüber reden können. Vor allem jüngere Kinder dürfen mit solchen Erfahrungen nicht allein gelassen werden. Ihre Fantasie spielt verrückt und das Gesehene lässt sich nicht richtig einordnen, weil es nichts mit ihrem eigenen Erfahrungsspektrum zu tun hat.

Nutzen Sie Jugendschutzprogramme und Filtermöglichkeiten Ihres Browsers, Smartphones oder Tablets, so dass jugendgefährdende Inhalte erst gar nicht angezeigt werden. Solche technischen Einstellungen können aber immer nur unterstützen, da sie keinen hundertprozentigen Schutz vor solchen Inhalten bieten. Viel wichtiger ist, dass Ihr Kind weiß, dass es im Netz auch solche Inhalte gibt und es Wege kennt, damit umzugehen. Deshalb sollten Sie immer wieder mit ihm darüber sprechen.

Wenn Kinder älter werden und in die Pubertät kommen, brauchen sie aber auch ihren Freiraum und möchten nicht unbedingt mit den Eltern über die Veränderung ihres Körpers sprechen. Ältere Geschwister können gute Gesprächspartner sein. Außerdem gibt es jugendgerechte Aufklärungsseiten im Netz, wie z. B. Loveline.

Wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter Pornos schaut, sprechen Sie ihn oder sie darauf an, aber verurteilen Sie Ihr Kind nicht. Machen Sie ihm klar, dass Pornografie nicht realistisch ist, sondern sich jemand die “Geschichten” ausgedacht hat. Reine Verbote und Filtermaßnahmen werden vor allem bei Jugendlichen nicht helfen. Sie suchen sich ihre Wege, Pornos zu schauen. Verbote wirken eher noch reizvoller. Deshalb ist ein offener Umgang mit dem Thema Sex wirksamer.

Das Internetphänomen Pranks: Von witzig und harmlos bis übermütig und riskant

Jemandem einen Streich spielen, zum Beispiel an der Haustür klingeln und dann einfach weglaufen, das hat wahrscheinlich jeder als Kind gemacht und Spaß daran gehabt. Ähnlich wie das Phänomen Challenges, in dem es darum geht, sich dabei zu filmen, wie man eine Herausforderung meistert und den Clip ins Netz zu stellen, sind Pranks die moderne Variante des Kinderstreichs: Videos von Streichen, die anderen gespielt werden, kann man in großer Anzahl bei YouTube & Co. anschauen. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Text.

Was begeistert Jugendliche an Pranks?

Wenn Kinder älter werden und sie anfangen vorausschauend zu denken, das heißt, sich vorstellen können, was als nächstes geschieht, begeistern sie sich für Streiche und Filme, in denen Menschen Missgeschicke passieren.

Prank ist der englische Begriff für Streich. Viele YouTuberinnen und YouTuber filmen ihre Streiche, die sie Freundinnen oder Freunden, anderen Stars aus sozialen Netzwerken oder auch unbeteiligten Passanten spielen. Viele davon sind meist harmlos und witzig, wie zum Beispiel Telefonstreiche oder das Erschrecken der Freundin oder des Freundes im Schlaf.

Um eine hohe Aufmerksamkeit bei der Community zu erzielen und möglichst viele Klicks zu bekommen, werden Pranks aber teilweise immer gefährlicher und riskanter. Der YouTuber ApoRed ließ bei seinem „Bomben Prank“ eine Tasche in einer Sparkasse fallen und hat gerufen „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas wert ist!“ Einige Passanten hatten große Angst und nachträglich noch Schlafstörungen. ApoRed wurde zu einer Bewährungsstrafe und zu 200 Sozialstunden verurteilt. Der Prozess sollte deutlich machen, dass YouTube auch vom Staat zur Kenntnis genommen wird und dort begangene Straftaten nicht geduldet werden.

Bei diesem Beispiel handelt es sich natürlich um einen extremen Einzelfall, der nicht die Regel darstellt. YouTube hat mittlerweile seine Nutzungsbedingungen verschärft, da immer mehr solcher Videos schwerwiegende Folgen hatten. Es ist nun verboten, Pranks und Challenges, die „das Risiko echter Gefahren oder des Todes“ beinhalten, bei YouTube einzustellen.

Worauf man achten sollte

Tatsächlich ist es so, dass sich Jugendliche eher Prank-Videos anschauen, als sie selbst zu drehen. YouTuber und YouTuberinnen animieren aber gerne dazu, die Inhalte nachzumachen, ob mit Kamera oder nicht, ob harmlos oder nicht. Jugendliche sind sich der Konsequenzen oft gar nicht bewusst. Andere können zu Schaden kommen oder finden es vielleicht gar nicht lustig, dass sie in einem Video vorgeführt werden. Wahrscheinlich wurden sie auch nicht gefragt, ob ein Video von ihnen im Netz veröffentlicht werden darf, so dass Persönlichkeitsrechte missachtet wurden.

Wenn Ihr Kind sich gern solche Videos im Netz anschaut, lassen Sie sich zeigen und erzählen, was sie oder ihn daran begeistert. Machen Sie aber auch deutlich, dass vor allem gefährliche Pranks nicht zum Nachahmen geeignet sind und viele YouTube-Inhalte inszeniert sind, auch wenn sie authentisch wirken. Bleiben Sie offen für lustige und ganz harmlose Challenges oder Pranks der YouTuberInnen und YouTuber Ihres Kindes.

Mehr zum Phänomen Challenges erfahren Sie hier.

Das Internetphänomen Challenges: Von unterhaltsam und für den guten Zweck bis leichtsinnig und gefährlich

Sie zählen zu den beliebtesten YouTube-Genres bei Kindern und Jugendlichen: Pranks und Challenges, Streiche und Herausforderungen. Leute filmen sich zum Beispiel dabei, wie sie die Tänze der Charaktere aus dem Spiel Fortnite nachahmen. Die Videos landen auf YouTube und manche bekommen mehr als eine Million Klicks. Die Fortnite Dance Challenge war im Sommer 2018 ein echter Internet-Hype und alle wurden aufgefordert, an der Herausforderung teilzunehmen.

Challenges können lustig sein und Aufmerksamkeit für eine bestimmte Sache erregen. Es kann aber auch mal gefährlich werden, wenn vor allem Jüngere versuchen, solche Pranks oder Challenges nachzuahmen. Erfahren Sie mehr zu Challenges in diesem Beitrag.

Was steckt hinter dem Internetphänomen Challenge?

Bekannt geworden ist dieses Internetphänomen wahrscheinlich durch die Ice Bucket Challenge vor einigen Jahren, bei welcher etliche Teilnehmende sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf geschüttet haben, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Die Ice Bucket Challenge diente dem guten Zweck, Challenges können aber auch völlig andere Funktionen und Hintergründe haben.

Man kennt sie aus den sozialen Netzwerken. Menschen stellen sich verschiedenen Herausforderungen, nehmen das Ganze per Video auf und laden es dann bei Facebook, Instagram oder YouTube hoch. In der Beschreibung des Posts werden in der Regel weitere Personen nominiert, an der Challenge teilzunehmen. Dadurch gibt es quasi eine Kettenreaktion, so dass man immer mehr Videos einer Challenge im Netz sieht.

Was Jugendliche an Challenges reizt

Heranwachsende finden es spannend, sich mit anderen zu messen und Dinge nachzuahmen. Das muss nicht gleich in einem Video passieren, sondern kann auch im Alltag, zu Hause oder in der Schule sein. Auf dem Schulhof wird getanzt oder versucht, den Wasserflaschen-Flip nachzumachen.

Challenges gehören auch zum Repertoire vieler bekannter YouTuberinnen und YouTuber. Diese Videos dienen der Unterhaltung ihrer Community. In der 24h Instagram Challenge ließ der YouTuber Julien Bam einen ganzen Tag lang seine Follower via Instagram über seinen Tagesverlauf abstimmen. Sie konnten zum Beispiel darüber entscheiden, welche Schuhe er anziehen soll oder ob er sich ein neues Tattoo stechen lassen sollte. Der komplette Tag wurde gefilmt und anschließend auf YouTube hochgeladen.

Challenges haben sich als YouTube-Genre mittlerweile etabliert und bezeichnen eine Reihe von unterschiedlichen Herausforderungen: Ob Zungenbrecher-Challenge, Ekel-Smoothie- Challenge oder die Nicht-Lachen-Challenge, sie sind fester Bestandteil etlicher YouTube-Kanäle.

Wenn Challenges gefährlich werden

Aber nicht jede Challenge ist harmlos oder will auf relevante Themen aufmerksam machen. Es gibt auch gefährliche und riskante Challenges, vor allem wenn Jugendliche zum Nachahmen aufgefordert werden. Die Pro Ana Challenge, die schon seit vielen Jahren im Netz kursiert, fordert vor allem junge Mädchen Schritt für Schritt dazu auf, abzunehmen.

Gleichgesinnte “treffen” und das Ziel, sich selbst etwas zu beweisen oder Aufmerksamkeit bekommen, sind mögliche Motive, warum Jugendliche sich auch auf gefährliche Challenges einlassen. Bei der Tide Pod Challenge filmten sich Jugendliche dabei, wie sie Waschmittelkapseln aßen. Nachdem Personen den Film Bird Box gesehen hatten, versuchten sie mit verbundenen Augen alltägliche Dinge zu meistern. Bei einem Versuch in den USA, diese Challenge zu meistern, kam es zu einem schweren Autounfall einer 17-Jährigen.

Man kann sich vorstellen, dass es manchmal lustig ist zu beobachten, wie jemand gegen eine Laterne läuft, aber einige bringen sich mit diesen Challenges ernsthaft in Gefahr.

YouTube hat deswegen seine Nutzungsbedingungen verschärft. Es ist nun verboten, solche Pranks und Challenges, die „das Risiko echter Gefahren oder des Todes“ beinhalten, auf der Plattform einzustellen. Die Videos der Tide Pod Challenge wurden im Nachhinein bei YouTube gelöscht, Instagram sperrte außerdem den Hashtag #tidepods.

Challenges, ob harmlos oder nicht, stiften Jugendliche zum Nachahmen an. Diese sind sich der Konsequenzen oft gar nicht bewusst.

Wenn Ihr Kind sich gern solche Videos im Netz anschaut, lassen Sie sich diese zeigen und erzählen, was sie oder ihn daran begeistert. Machen Sie aber auch deutlich, dass vor allem gefährliche Challenges nicht zum Nachahmen geeignet sind und viele YouTube-Inhalte inszeniert sind, auch wenn sie authentisch wirken. Bleiben Sie offen für lustige und ganz harmlose Challenges oder Pranks der YouTuberinnen und YouTuber Ihres Kindes.

Kinder-Influencer und Familienkanäle – versteckte Kinderarbeit im Netz?

Eine der bedeutendsten YouTuberinnen in Deutschland ist erst neun Jahre alt (Februar 2019) und heißt Miley. In ihren Videos geht es um Spielsachen, das alltägliche Familienleben und vieles mehr. Mehr als 600.000 Menschen haben den Kanal abonniert, auf dem jede Woche neue Videos veröffentlicht werden.

Außer Miley gibt es noch andere ähnlich erfolgreiche junge Influencerinnen, die sich auch auf Plattformen wie Instagram oder TikTok vermarkten. Ihre Kanäle heißen “Alles Ava”, “Die Spielzeugtester” oder “Ilias Welt”. Sie haben gemeinsam, dass die ganze Familie daran beteiligt ist. Wie bei anderen Influencerinnen und Influencern auch werden häufig Produkte vorgestellt und es wird damit Geld verdient. Mileys Eltern haben sogar ihre Arbeit aufgegeben, um sich den gemeinsamen YouTube-Kanälen widmen zu können. Denn damit ist eine Menge Arbeit verbunden.

Wie man an den Klickzahlen und den Kommentaren unter den Videos sieht, gibt es viele Menschen, die sich gern die Videos der sogenannten Mini-Influencerinnen und Mini-Influencer anschauen. Da es um Spielzeug und das Leben in der Familie geht, fühlen sich besonders Kinder und ihre Eltern angesprochen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer nutzen die Kommentarfunktion, um mit den YouTubern in Kontakt zu treten.

Nur ein Hobby oder schon Arbeit?

Was erstmal harmlos klingt, ist insbesondere dann kritisch zu bewerten, wenn es um den Schutz der beteiligten Kinder und ihre Rechte geht.

In diesen Familienkanälen werden häufig Produkte ausprobiert oder die Kinder dabei gefilmt, wie sie das neueste Spielzeug auspacken. Die Tragweite von dem, was sie in den Videos machen, kann von ihnen noch gar nicht eingeschätzt werden. Die Kinder werden zu Werbeträgern. Meistens sind es die Eltern, die mit den Videos angefangen haben und ihre Kinder einbeziehen. Aus pädagogischer Sicht ist davon auszugehen, dass Kinder daran oft sogar Gefallen finden, weil sie dadurch viel Aufmerksamkeit bekommen und ihre Eltern stolz auf sie sind.

Die jungen YouTuberinnen verbringen ihre Freizeit zu großen Teilen damit, neue Videos zu drehen, um weiterhin angesagt zu bleiben und Geld zu verdienen. Da teilweise die ganze Familie davon lebt, stehen sie deshalb auch unter dem emotionalen Druck, dass das so bleibt. Wahrscheinlich bleibt solchen Kindern wenig Zeit für Gleichaltrige. Dazu kommt, dass alles, was in der Familie passiert, öffentlich wird. Das wird dann bedenklich, wenn die Kinder kaum die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen und Privatheit zu erleben.

Kinder haben aber ein Recht auf Privatsphäre und Freizeit. Da sie sehr jung sind, können sie noch nicht einschätzen, was da mit ihnen passiert. Ab einem sehr frühen Alter wird ihr Leben öffentlich gemacht, was ihnen möglicherweise nicht mehr gefällt, wenn sie älter werden. Deshalb sind auch die Persönlichkeitsrechte, die jedes Kind hat, von Verletzungen betroffen.

Besonders problematisch ist das Phänomen der Kinder-Influencer, wenn die Kanäle die Schwelle zur Kinderarbeit überschreiten.

Man spricht von Kinderarbeit, wenn Kinder für die jeweilige Arbeit zu jung sind, oder wenn die Arbeit gefährlich oder ausbeuterisch ist. Arbeit darf Kinder außerdem nicht davon abhalten, zur Schule zu gehen, oder sie in ihrer Entwicklung schädigen. Mehr zum Thema Kinderarbeit erfahren Sie bei UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Die Grenzen für Kinderarbeit gelten auch im Internet, auch wenn ihre Umsetzung in der Praxis eine neue Herausforderung für die Behörden ist. Einige Kanäle arbeiten mittlerweile z. B. mit Jugendämtern zusammen und müssen genaue Vorgaben einhalten.

Worauf sollten Sie achten?

Wenn Sie sich als Familie gern solche Videos anschauen, sollte Ihnen bewusst sein, dass dahinter meistens Werbeinteressen stecken. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber und lassen Sie vor allem Ihre jüngeren Kinder diese Videos nicht alleine anschauen.

Wenn Ihre Kinder den Wunsch haben, selbst solche Videos zu drehen, sollten Sie ihnen vermitteln, dass dahinter viel Arbeit steckt.

Natürlich haben Kinder das Recht, sich mitzuteilen und gehört zu werden. Sie dürfen ihr Recht auf Mitbestimmung auch kreativ auf Online-Plattformen umsetzen. Selbst Medien zu gestalten, ermöglicht es Kindern, die eigenen Interessen, Themen und Sichtweisen einzubringen und so aktiv an der Medienwelt teilzuhaben. Wenn Ihr Kind YouTube gerne aktiv nutzen möchte, finden Sie in folgendem Artikel ein paar Hinweise, die Ihnen dabei behilflich sein können: Mein Kind will YouTuber werden – was nun?

Als Eltern sollten Sie beides im Blick haben. Machen Sie ein Familienprojekt daraus, indem sie gemeinsam an einem Wochenende ein Video drehen – so lassen sich solche Aktivitäten mit einem kindgerechten Leben vereinbaren. In unserer Reihe Medien selber machen haben wir jede Menge Anregungen dafür und erklären, wie man dabei sogar etwas lernen kann.

“Wie geht das? Dazu gibt es doch bestimmt ein Tutorial!”

Statt in einer Bedienungsanleitung zu blättern, suchen Kinder und Jugendliche lieber das passende Tutorial im Netz. So eine filmische Gebrauchsanleitung gibt es nicht nur für die Bedienung von Geräten, sondern für ganz unterschiedliche Lebensbereiche aus dem Alltag. Es gibt Rezept-Tutorials, in denen vor der Kamera gekocht oder gebacken wird. In anderen Tutorials werden technische Fragen gelöst. Man kann mit solchen Videos neue Sprachen oder ein Instrument spielen lernen und vieles mehr.

Vor allem durch Videoplattformen wie YouTube sind Tutorials bekannt geworden. Typisch für diese Videos ist, dass darin eine Person dem Publikum etwas erklärt – oft indem sie es auch selbst im Video vormacht.
Die Begriffe Tutorial und Erklärvideo werden häufig synonym verwendet. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: In Tutorials wird etwas vorgemacht, nach dem Motto: “Wie funktioniert etwas?”. Typisch sind Haarstyling- oder Tanz-Tutorials. In Erklärvideos dagegen geht es vor allem um die Frage: “Warum funktioniert etwas auf diese Weise?”.

Tutorials – beliebt bei Groß und Klein

Die hilfreichen Videoanleitungen kann man sich dank Smartphone oder Tablet jederzeit und überall anschauen. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären Experten eines bestimmten Fachgebiets auf verständliche Weise ein Thema. Die Videos lassen beliebig oft stoppen und ansehen, was z. B. bei einem Computerspiel, Bastel- oder Beauty-Tutorial praktisch ist. So kann man gleich selbst mitmachen und sich durch das Pausieren für jeden Schritt die Zeit nehmen, die man braucht.

Häufig werden Tutorials von Influencern, also berühmten YouTubern, gemacht. Hierbei, aber auch bei  unbekannteren YouTubern entsteht zwischen YouTuber und Zuschauer während des Tutorials oft eine Beziehung, wodurch das Lernen aufgelockert wird. Der YouTuber erzählt um das Tutorial herum von anderen Dingen, die ihm in den Kopf kommen, schweift vom Thema ab und spricht die Zuschauer oft direkt an (“Hallo ihr Lieben” oder “Du faltest jetzt dieses Blatt nach rechts” oder “Wir gehen jetzt folgendermaßen vor”). Dies passiert oft auf unterhaltsame Art und Weise.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind gerne Tutorials auf Videoplattformen guckt, suchen Sie mal gemeinsam nach Videos. Vielleicht gibt es auch hilfreiche Videos zum Lernen oder Ideen für die Freizeitgestaltung, z. B. Bastelideen oder Tricks mit dem Roller.

Lassen Sie sich zeigen, welche Videos Ihr Kind gern schaut und fragen Sie nach, was sie oder ihn daran fasziniert. Es gibt viele Tutorials, die anscheinend typische Rollenbilder widerspiegeln: YouTuberinnen machen Beauty-Tutorials, männliche YouTuber Tutorials zu Computerspielen, sogenannte Let’s Plays. Das ist ein guter Anlass, um überholte Rollenklischees zu sprechen.

Man sollte sich klar machen, dass die Ersteller von Tutorials nicht immer echte Experten sind und man die Videos und ihre Inhalte überprüfen sollte. In den Kanalinfos erfährt man meistens etwas mehr zu den Machern und kann so die Qualität besser einschätzen.
Sollte etwas einmal nach dem Schauen eines Tutorials immer noch nicht klappen, liegt dies nicht gezwungenermaßen an Ihrem Kind – möglicherweise hat sich auch der Macher des Tutorials geirrt.

Videoplattformen wie YouTube sollten Sie zuerst gemeinsam nutzen, da Ihr Kind hier schnell auf beängstigende oder verstörende Inhalte stoßen kann. Für jüngere Kinder empfehlen wir Einstellungsmöglichkeiten wie den “Eingeschränkten Modus” oder die App YouTube-Kids. Wenn Ihr Kind die Risiken im Netz kennt und sich darin Ihrer Meinung nach bewusst bewegt, sollten Sie ihm auch den Freiraum geben, selbstständig online zu sein.

Krasser Stoff! Ist der erfolgreiche Gangster-Rap wirklich was für Jugendliche?

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag von Dr. Daniel Hajok.

Mit dem Eklat um Farid Bang und Kollegah bei der letzten ECHO-Verleihung ist der Gangster-Rap wieder in die öffentliche Diskussion gelangt. Eltern, die bei ihren Kindern nur allzu oft eine Begeisterung für Hip-Hop beobachten, fragen sich angesichts der monierten krassen Texte, ob das, was heute vor allem via YouTube, Ohrenstöpsel und Konzertbesuche zur Jugend dringt, nicht doch eine ernste Gefahr fürs Heranwachsen ist.

Hip-Hop als Jugendkultur

Mit seinen Wurzeln in den afroamerikanischen Ghettos der USA ging es im Hip-Hop schon in den 1970er-Jahren um ‚harte Themen‘, um gesellschaftliche Missstände, soziale Ungleichheiten und anderes mehr. Künstlerisches Ausdrucksmittel war von Beginn an nicht nur die Wortgewalt des Sprechgesangs (Rap), auch das DJing, Breakdancing und Graffiti förderten den Aufstieg des Hip-Hop zu einer bedeutenden Subkultur, mit der sich zunächst die sozial benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen US-amerikanischer Großstädte identifizierten.
Kommerziellen Erfolg und Popularität über die Landesgrenzen hinaus erreichte Hip-Hop, als die Rapmusik auf Tonträger und ins Radio kam. Schnell wurde so auch die Begeisterung der Jugendlichen in anderen Ländern geweckt: Hip-Hop mauserte sich weltweit zur wichtigsten musikbezogenen Jugendkultur – und ist dies bis heute geblieben. In Deutschland bildete sich die Szene in den 1980er-Jahren heraus. Die Anhängerschaft wuchs in der folgenden Zeit weiter an und in den 1990er-Jahren hatten die ersten Rapper mit deutschsprachigen Texten großen kommerziellen Erfolg.

Gangsta-Rap als erfolgreiches Genre

Viele Eltern sind beim Hören der Texte von Kollegah, Bushido & Co. entsetzt. Dennoch ist Gangsta-Rap längst auch in Deutschland ein sehr bedeutendes und zugleich jugendaffines Hip-Hop-Genre. Stilmerkmale sind eine krasse Sprache und ein von ‚männlicher Härte‘ geprägtes Gebaren der Protagonisten. Zwar dreht sich auch hier einiges um gesellschaftliche Missstände und soziale Ungleichheiten, im Mittelpunkt steht aber oft die Inszenierung der Stars der Szene mit Dingen, die man mit Blick auf die eigenen Kinder nun wirklich nicht will: Gewalt und Kriminalität, Abwertung Schwächerer und Aufwertung des Egos mit Macht und Status an sich.
Die deutschen Gangster-Rapper haben oft Migrationshintergrund und in ‚Problemvierteln‘ unserer Großstädte Ausgrenzung und Desintegration erfahren. Das Identifikationspotenzial ist also für Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen besonders hoch. Der kommerzielle Erfolg des Gangster-Rap geht nicht zuletzt auf die zunehmende Begeisterung bei Jugendlichen aus ‚gutem Hause‘ zurück. Auch hier mögen viele die fetten Beats und die Wortgewalt der von Geld, Autos und Frauen umgebenen Stars. Per Gangster-Rap können sie jederzeit in die faszinierende Welt von ‚Sex and Crime‘ eintauchen und sich so von ihren Eltern abgrenzen.

Wann hört der Spaß auf?

Gangster-Rap bietet unseren Kindern oft sehr fragwürdige Identitätsentwürfe. Er beeinflusst sie aber nicht per se negativ. Ebenso übernehmen die meist jugendlichen Fans die transportierten Werte, etwa von der Macht des Stärkeren und Frauen als Sexobjekt, nicht eins zu eins in ihr Leben. Vielerorts regen die Texte auch zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst an und eröffnen Diskussionen in der Clique zu sozialen Missständen und Kriminalität in problematischen Großstadtmilieus.
Ein besonderes Gefährdungspotenzial hat Gangster-Rap dann, wenn er mit seiner Musik und dem verbalen Kräftemessen der coolen Stars Jugendliche anspricht, in den Texten und Videoclips aber Gewalt, kriminelle Lebensstile, Drogenkonsum, Homophobie und Frauenverachtung als nachahmenswert und Erfolg versprechend darstellt – und eben nicht kritisch hinterfragt werden. In diesen Fällen können Jugendliche durchaus in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigt oder sogar gefährdet werden.

Was können Eltern tun?

Auch beim Gangster-Rap stehen Sie vor der Schwierigkeit, ihren Kindern die Vorlieben nicht unreflektiert ‚madig zu machen‘ und dennoch eine klare eigene Haltung zu zeigen. Um sich dieser bewusst zu werden, sollten Sie sich zunächst fragen: Mit welcher Musik habe ich mich damals von meinen Eltern abgegrenzt? Wie stehe ich zu den Darstellungen von Gewalt, Kriminalität und Diskriminierung? Welche negativen Einflüsse auf die Entwicklung meines Kindes befürchte ich? Kann ich ihrer/seiner Vorliebe auch etwas Positives abgewinnen?
Auf alle Fälle sollten Eltern den Umgang ihrer Schützlinge mit Musik nicht gänzlich aus dem Auge verlieren, ihn sogar zum Anlass für Gespräche nehmen. Was mag mein Kind überhaupt am Gangster-Rap – und was nicht? Wie steht es selbst zu den Texten und den Bildern der Clips? Um den eigenen Kindern die Grenzen des Tolerierten aufzeigen und im Alltag auch durchsetzen zu können, sollten Sie als Eltern auch die wichtigsten gesetzlichen Regeln kennen und von den Möglichkeiten eines angemessenen erzieherischen Umgangs wissen. Hierfür bieten sich z.B. die Aufbereitungen zum Thema durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) an.

 

Zum Autor:
Dr. Daniel Hajok ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler. Er arbeitet als Gutachter, Empiriker, Seminar-/Workshopleiter und Fachautor. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Medien, Gesellschaft und Soziale Arbeit, Kinder- und Jugendmedienschutz, medienpädagogische Forschung und Praxis.

Unboxing – Unterhaltung, Information oder Produktwerbung?

An Weihnachten packen wir nicht nur selbst Geschenke aus, sondern schauen auch immer wieder anderen dabei zu. Das kann richtig Spaß machen. Was befindet sich in der Geschenkverpackung und wie reagiert die Person darauf? Etwas ähnliches passiert in sogenannten Unboxing-Videos das ganze Jahr über. In den Videos zeigen Menschen, wie sie etwas auspacken. Meistens Produkte, die sie zuvor bestellt haben. Auf Videoportalen wie YouTube sind solche Videos besonders beliebt und werden von Millionen von Menschen angeschaut. Doch wer ein Unboxing-Video einmal gesehen hat, wird schnell feststellen, dass die Unterscheidung zwischen Werbung und Unterhaltung dabei nicht immer leicht fällt.

Was ist ein Unboxing-Video?

Unboxing-Videos (to unbox = Auspacken) sind Online-Videos, in denen eine Person ein Produkt aus seinem Originalkarton enthüllt. Dabei zeigt das Video hautnah, wie das bestimmte Produkt der Verpackung entnommen und anschließend bis ins kleinste Detail den Zuschauern vorgestellt, dabei kommentiert und meist ausprobiert wird.

Unboxing-Videos erscheinen häufig im sogenannten Vlogging-Stil und haben Merkmale eines Erklärvideos. Ausgepackt werden in den Videos häufig technische Geräte wie Smartphones, Konsolen oder Tablets, aber auch Spielzeuge, Lebensmittel oder Kleidungsstücke finden in ihnen einen Ort der Präsentation.

Warum faszinieren Unboxing-Videos?

Die Gründe für die Faszination der Unboxing-Videos sind sehr unterschiedlich. Einer der Gründe dürfte sein, dass die Zuschauer von dem Gefühl etwas auspacken zu dürfen nicht genug bekommen und das sogar so sehr, dass sie anderen Menschen dabei zusehen – das spart nebenbei sogar Zeit und Geld. Es geht aber auch darum, einen ersten Eindruck von einem neuen Produkt zu erhalten, für welches die Zuschauer sich interessieren. Aber anders als Werbung des Herstellers, kommentieren und bewerten die „Unboxing-Producer“ auf scheinbar offene und ehrliche Weise. Ein weiteres Motiv ist die Möglichkeit zur Interaktion in einer Community, in der Rückfragen zum Produkt, Kommentare sowie Meinungen geteilt werden können. Dies hilft auch dabei, sich mit einem Produkt zu identifizieren oder sich klar davon abzugrenzen.

Worauf sollten Sie achten, wenn Ihr Kind Unboxing-Videos selbst erstellen will?

Es gibt nicht viel, worauf Sie als Elternteil bei einem Unboxing-Video achten müssen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass ihr Kind ein Original-Produkt und nicht etwa eine Fälschung präsentiert, da der Markeninhaber ein begründetes Interesse daran hat, dass ihm nicht fremde bzw. gefälschte Produkte zugeschrieben werden und somit der Marke schaden könnten. Sollte sich Ihr Kind dafür interessieren, ein Video zu erstellen, dann begleiten Sie es dabei, präsentieren Sie bspw. ein Spiel, von dem Sie überzeugt sind und erfahren Sie die Welt der Spiele mal auf eine ganz andere Weise.

Fazit

Unboxing-Videos bieten viele Möglichkeiten. Von der Faszination des Auspackens, über ein reines Informieren bis hin zur Interaktion können dabei verschiedene Interessen bedient werden. Dennoch sollte stets ein wachsames Auge dabei sein, wenn Kinder sich solcher Videos bedienen oder sie selbst erstellen. Denn Unboxing-Videos sind auch Werbung und Konsumabsichten können schnell ungefiltert an ihr Kind gelangen. Besprechen Sie also das Gesehene und sensibilisieren Sie Ihr Kind für etwaige Werbeabsichten. Wie auch bei vielen weiteren Aktivitäten im Netz, sollten Sie Ihr Kind beim Schauen der Videos begleiten. Wenn Sie das beachten, steht dem Spaß beim Zuschauen nichts im Weg. Packen -äh- probieren Sie es doch auch mal aus!

Ganz nebenbei…

  • Die Informationswebsite Yahoo Tech brachte bereits im Jahr 2006 das erste richtige Unboxing-Video auf den Markt und präsentierte in diesem das Handy Nokia E61.
  • Das Interesse für Unboxing scheint mittlerweile so groß, dass bereits ein privater Fernsehsender darauf aufmerksam wurde und dem ganzen Thema eine eigene Unboxing-Show für Kinder widmet.

Faszination Vlogging – YouTube-Stars ganz privat?

„Crazy Shopping mit Shirin“, „Meine Freundin” oder „Ein Tag – fünf Looks“ – Das sind Titel sogenannter Vlogs bekannter YouTuber. Alle haben mindestens eine Million Aufrufe und sind bei ihren Abonnenten sehr beliebt. Vielleicht schaut auch Ihr Kind regelmäßig die Vlogs seiner Lieblings-YouTuber. Aber was sind eigentlich diese Vlogs und wieso sind sie für viele Kinder und Jugendliche so spannend?

Was ist ein Vlog?

Vlog – das ist zunächst eine Zusammensetzung aus den Wörtern Video und Blog. Bei Blogs handelt es sich um öffentliche Websites, die in regelmäßigen Abständen tagebuchartig von sogenannten Bloggern mit Texten gefüllt werden. Meist behandeln diese ein bestimmtes Thema, das die Blogger selber betrifft. Interessierte können Texte kommentieren und mit den Bloggern in Kontakt treten.

Das Bloggen wird auch von vielen YouTubern betrieben – dann allerdings als eine Art Video-Tagebuch, bei denen die Zuschauer einen ganzen Tag oder sogar eine längere Reise ihrer Stars miterleben können. Auch die Vlogs drehen sich oft um bestimmte Themen, so gibt es Beauty-Vlogs, Gaming-Vlogs oder Reise-Vlogs.

Warum sind Vlogs bei jungen Zuschauern so beliebt?

Die Themen der Vlogger sind für Jugendliche besonders interessant. Vlogs bieten ihnen einerseits die Möglichkeit, etwas über ganz alltägliche Fragen zu lernen andererseits können sie sich in das Leben von bekannten YouTubern hinein träumen. Viele der besonders beliebten YouTuber berichten in ihren Vlogs von ihrem vermeintlich privaten Leben. Der YouTuber Concrafter stellte in seinem Vlog zum Beispiel seine neue Freundin vor. Beliebt sind auch auch sogenannte „Room-Tours“ durch das eigene Haus. Bianca Heinicke von Bibis Beauty Palace berichtete regelmäßig über ihre Schwangerschaft – und im Anschluss daran über ihre neue Rolle als Mutter.

Vlogs werden meist regelmäßig, wöchentlich oder sogar täglich veröffentlicht. Ein Vlog begleitet die Person oft über einige Stunden, Tage oder sogar mehrere Wochen (zum Beispiel bei einer längeren Reise). Die YouTuber kommentieren die Ereignisse und sprechen ihre Abonnenten dabei direkt an. Oft sind die Videos von den YouTubern selbst mit dem Smartphone gedreht, so dass sie besonders authentisch wirken. Allerdings sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Videos meist sehr professionell produziert sind und teilweise ganze Produktionsteams dahinterstehen. Die Vlogs erwecken den Eindruck, dass man am Leben der YouTuber teilhaben kann und es sich um echte Ausschnitte aus ihrem Alltag handelt. Da YouTuber längst nicht mehr nur YouTuber, sondern Stars, Vorbilder und Idole sind, ist das Interesse an ihrem privaten Leben besonders groß.

Worauf sollte man achten?

Tipps und Hinweise zum Umgang mit YouTube finden Sie im Artikel zur Faszination von YouTube-Stars. Wenn Sie mit ihrem Kind über Vlogs sprechen, zeigen Sie Interesse an den YouTubern und ihren Themen. Hinterfragen Sie aber auch, inwiefern die Ausschnitte das tatsächliche Leben der Stars widerspiegeln. Machen Sie Ihr Kind auch darauf aufmerksam, dass die YouTuber mit ihren Vlogs Geld verdienen und durch vermeintliche Einblicke in ihr privates Leben möglichst viele Clicks erreichen wollen.

Dailymotion

YouTube ist das beliebteste Online-Angebot bei Jugendlichen. Aber auch andere Videoportale werden gern genutzt, wie zum Beispiel Dailymotion.

Kurz gefasst

  • weltweit bekanntes Videoportal mit Hauptsitz in Frankreich
  • im Jahr 2005 in Paris gegründet mit weltweit 300 Millionen Nutzer (eigene Angaben)
  • eingebundene Werbung vorhanden
  • als Browserversion verfügbar sowie als App für Android und iOS-Geräte
  • keine eindeutige Altersbeschränkung vorhanden

Was ist das?

Dailymotion zählt zu den bedeutendsten Videoportalen im Netz und bietet eine große Auswahl an Inhalten für jedes Alter. Bei Familien ist es sehr beliebt, weil man hier z.B. alle Pippi-Langstrumpf-Filme sehen kann.

Die Videos auf Dailymotion kann man ohne Account anschauen. Das Portal finanziert sich über Werbung. Deshalb ist auf der Seite und vor vielen Clips Werbung geschaltet.

Man kann sich aber auch via Facebook, einem Google-Account oder per E-Mail auf dem Portal anmelden. Dann kann man einen eigenen Kanal erstellen und dort Videos hochladen oder Kanäle abonnieren bzw. favorisieren, um individuelle, für sich relevante Videos vorgeschlagen zu bekommen. Dailymotion bezeichnet das als den „personalisierten Space“. User können die Videoplattform außerdem nach von Nutzern gegründeten Gruppen, Tags oder Kanälen zu verschiedenen Themen durchsuchen.

Von Dailymotion selbst gibt es keine Angaben zu konkreten Empfehlungen, ab welchem Alter das Videoportal geeignet ist. Laut den Kinderschutz-Hinweisen auf der Webseite sollten User unter 18 Jahren bei der Anmeldung zum Portal das Einverständnis ihrer Eltern einholen. Das Alter wird jedoch bei der Registrierung nicht überprüft. Im Google Play Store ist die App mit der Altersbeschränkung USK 12 versehen und im iTunes App Store ab 17 Jahren empfohlen.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Da es bei Dailymotion Videos für alle Altersklassen gibt, kann Ihr Kind sehr leicht auf Angebote stoßen, die nicht für sein Alter geeignet sind und z. B. ängstigend oder verstörend sein können. Es lässt sich zwar ein Familienfilter aktivieren, doch zu einigen Suchergebnissen werden trotzdem noch Videos angezeigt, die besonders für jüngere Kinder entweder nicht verständlich oder bedenklich sind. Der Filter lässt sich außerdem leicht durch einen Klick deaktivieren. Nach Abspielen eines Videos beginnt automatisch das nächste Video. Dadurch hat man keinen Einfluss darauf, welche Videos angezeigt werden. Das kann leicht dazu führen, dass sich Ihr Kind ein Video nach dem anderen anschaut und kein Ende findet.

Die Webseite ist größtenteils auf deutsch nutzbar, jedoch gibt es auch einige z. B. englische oder französische Inhalte, was die Handhabung des Angebots insbesondere für Kinder schwierig machen kann.

Was sagt der Anbieter?

Auf der Webseite gibt Dailymotion Informationen rund um Kinderschutz in englischer Sprache. Hier wird den Nutzern geraten, keine persönlichen Informationen über das Internet zu teilen. Bei Dailymotion gibt es die Möglichkeit, selbst erstellte Videos nur im privaten Modus mit ausgewählten Nutzern zu teilen. Für alle Videos gibt es eine Meldefunktion.

Was sollten Eltern beachten?

Bei Dailymotion gibt es nur sehr wenige Sicherheitseinstellungen, mit denen Sie Ihr Kind vor ungeeigneten Inhalten schützen können. Möchte Ihr Kind trotzdem Videos bei Dailymotion anschauen, sollten Sie einschätzen können, ob es sich schon über die möglichen Risiken bewusst ist. Lassen Sie sich von Ihrem Kind die Lieblingsvideos zeigen und entdecken Sie gemeinsam die Welt von Dailymotion. So sind Sie auf der sicheren Seite und sofort zur Stelle, sollten es auf etwas Unangenehmes oder Bedenkliches stoßen.

Sollte Ihr Kind selbst Lust haben, eigene Videos zu erstellen und bei Dailymotion hochzuladen, sollten sie es dabei begleiten und die Videos vorerst im privaten Modus veröffentlichen, damit sie nicht für alle Nutzenden zugängig sind. Behalten Sie die rechtlichen Bedingungen im Blick und erklären Sie diese auch Ihrem Kind. Das Erstellen eines Videos – z.B. eines Erklärvideos – kann auch ein tolles Familienerlebnis sein, bei dem Ihr Kind viel lernen kann!

Hoccer – der sichere Messenger

Vielleicht suchen Sie schon seit längerem nach einer Alternative zu WhatsApp & Co, weil Sie die Risiken dieser Apps vermeiden und Ihren Kindern eine sichere Kommunikationsmöglichkeit anbieten möchten? Dann könnte Hoccer etwas für Sie und Ihre Familie sein!

Kurz zusammengefasst:

  • kostenlose Instant-Messenger-App
  • hoher Datenschutz durch verschiedene Funktionen
  • entwickelt von der Hoccer Betriebs GmbH mit Sitz in Berlin
  • Testsieger unter den Messengern im Jahr 2015 bei Stiftung Warentest
  • verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • keine Altersbeschränkung angegeben (laut iTunes App Store ab 4 Jahren, laut Google Play Store USK ab 0 Jahren)

Was ist Hoccer?

Hoccer ist ein typischer Messenger: Man kann mit anderen Nutzern, die die App ebenfalls auf ihrem Handy haben, über Textnachrichten kommunizieren. Es lassen sich Fotos, Videos, Standortdaten und Sprachnachrichten teilen.
Was Hoccer von den meisten anderen Messengern unterscheidet, ist der Datenschutz: die Angabe persönlicher Daten und die Freigabe des Adressbuchs sind für die Nutzung nicht nötig. Eine weitere Besonderheit ist die Nearby-Funktion der App. Darüber lassen sich Daten anonym, also ohne den Austausch von persönlichen Informationen, mit Leuten im Umkreis von ca. 100 Metern teilen. User können sich so an Gesprächen beteiligen, ohne mit den „In der Nähe“-Kontakten befreundet zu sein. Die Standortdaten werden sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht, sobald man die Funktion nicht mehr nutzt. Außerdem lässt sich die App per PIN oder Fingerabdruck vor dem Zugriff Dritter schützen.

Was macht Hoccer so sicher?

Hoccer wirbt für hohe Datensparsamkeit und den Schutz der Privatsphäre. Anders als bei anderen Messengern kann man sich mit einem beliebigen Nutzernamen komplett anonym und ohne Angabe der E-Mail-Adresse oder einer Telefonnummer registrieren. Stattdessen wird bei der Anmeldung eine individuelle Hoccer-ID vergeben. Über einen Code oder eine SMS lassen sich Kontaktanfragen senden, die aktiv angenommen werden müssen. Nur über diesen Weg kann man sich mit einem anderen Nutzer verbinden. Hoccer greift nicht automatisch auf die eigenen Kontakte zu, sondern nur dann, wenn man es zulässt.

Nachrichten werden via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versendet. Das bedeutet, dass allein Absender und Empfänger Zugriff auf den versendeten Inhalt haben. Wenn Sie über Hoccer eine Nachricht versenden, wird diese nach der Zustellung an den Empfänger sofort wieder von den Hoccer-Servern gelöscht.

Sollte man ängstigende oder beleidigende Nachrichten erhalten, kann man diese an Hoccer melden. Dann wird der Absender vorübergehend oder dauerhaft gesperrt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Die Nearby-Funktion ermöglicht theoretisch eine Kontaktaufnahme durch Fremde, wodurch z. B. Cybergrooming denkbar ist.

Das letzte Update der App liegt schon länger zurück (2017). Es ist unklar, ob der Messenger noch aktiv weiterentwickelt wird. Außerdem ist der Entwicklungscode der App nicht öffentlich. Deshalb kann man nicht nachvollziehen, wie genau der Datenschutz funktioniert.

Was sagt der Anbieter?

Wegen dieser Besonderheiten nennen die Betreiber ihre App „Hoccer – der sichere Messenger“. Die Server befinden sich laut eigenen Angaben in Deutschland. Damit unterliegt die App dem deutschem Datenschutzrecht. Insgesamt bemühen sich die Betreiber durch ein umfassendes FAQ auf ihrer Website um viel Transparenz.

Was sollten Eltern beachten?

Diese Besonderheiten und die Tatsache, dass Hoccer eine deutsche App ist, macht sie zu einer denkbaren Alternative für andere Messenger.
Möchten Sie Hoccer in Ihrer Familie und mit Freunden nutzen, sollten Sie sich – gemeinsam mit Ihrem Kind – damit vertraut machen. Wenn Sie die App heruntergeladen haben, begleiten Sie Ihr Kind bei der Anmeldung. Entdecken Sie die Funktionen des Messengers zusammen, um Ihr Kind bei Unsicherheiten unterstützen zu können.

Trotz sicherer Funktionen gibt es über die Kommunikation auch mit diesem Messenger Risiken. Sprechen Sie darüber, was zu tun ist, wenn Ihr Kind z. B. unangenehme oder beleidigende Nachrichten erhält und mit Cybermobbing in Kontakt gerät. Es sollten nur Personen als Kontakte hinzugefügt werden, deren Identität klar ist.

Wenn Videos im Internet das Lexikon ersetzen

Sie sitzen mit der Familie beisammen und unterhalten sich. Das Gespräch kommt auf ein bestimmtes Thema und die Frage nach der Bedeutung von etwas oder wie etwas funktioniert. Der erste Griff Ihres Kindes geht zum Smartphone. Bei YouTube wird die entsprechende Suchanfrage eingegeben und schon wird ein passendes Erklärvideo abgespielt, das die Frage (hoffentlich) beantwortet.

YouTube und Erklärfilmchen sind bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Fragen, bei denen wir früher zum Lexikon gegriffen haben, werden heute mit YouTube und ähnlichen Videoportalen beantwortet. Kinder und Jugendliche nutzen sie für Alltagsfragen genauso wie als Hilfe für Schulaufgaben. Denn die Auswahl an Erklärvideos im Netz ist riesengroß. Dabei handelt es sich um Filme, in denen kurz und knapp ganz unterschiedliche Sachverhalte und Themen behandelt und abstrakte Zusammenhänge erklärt werden. Das Themenspektrum geht von Beauty über Kochen, von Musik über Soziales oder Internet-Themen und vieles mehr.

Was macht Erklärvideos so besonders?

Vielleicht kennen Sie das noch aus Ihrer Schulzeit: Im Unterricht werden Filme zu geschichtlichen Ereignissen oder Ähnlichem gezeigt. Diese Lehrvideos wurden professionell dafür produziert, dass sie in der Schule eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu sind Erklärvideos meist von Laien selbst produziert. Sie richten sich an eine bestimmte Zielgruppe. Typisch ist eine klare und einfache, manchmal auch sehr persönliche Sprache in solchen Videos. Durch selbst gezeichnete Bilder, Fotos und Animationen werden schwierige Themen anschaulich und unterhaltsam dargestellt. Sie werden nicht wie in Lehrvideos sachlich erklärt, sondern es wird eine kurze Geschichte erzählt. Zusammen mit Musik wird das Publikum besonders angesprochen. Man nimmt an, dass man dadurch das Gezeigte besser versteht und sich merken kann. Außerdem kann man die Videos jederzeit, ortsunabhängig und beliebig oft online anschauen und zwischendurch anhalten. Erklärvideos sind meistens nur wenige Minuten lang.

Erklärvideos in der Schule

Inzwischen werden auch solche Erklärfilme im Unterricht eingesetzt. Manche Lehrer drehen sie sogar selbst und stellen sie der Klasse zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler können sich das Video dann zu Hause im eigenen Tempo und so oft wie nötig anschauen. Sie lernen so den Stoff selbst mit Hilfe des Erklärvideos. Im Unterricht bleibt mehr Zeit, Fragen dazu zu stellen und den neuen Stoff zu üben.

Wenn es darum geht, (fremde) Erklärvideos aus dem Internet für die Hausaufgaben zu nutzen, muss man einiges beachten. Wie bei anderen Inhalten im Netz auch sind nicht alle Videos gut und richtig. Viele Filme behandeln das Thema nur sehr oberflächlich. Es ist also sinnvoll, noch vertiefende Texte dazu zu lesen. Um vorab einzuschätzen, wie gut ein Video ist, kann man im Kanal stöbern, ob die Person noch weitere Erklärvideos gemacht und deshalb Erfahrung hat. Außerdem ist es immer gut, noch ein oder zwei andere Videos zu einem Thema anzuschauen.

Am meisten lernt man, wenn man selbst ein Erklärvideo produziert. Das wird inzwischen auch in der Schule gemacht. Man muss überlegen, wie man ein Thema kurz fassen und für das Publikum interessant gestalten kann. Für Kinder und Jugendliche ist es sehr motivierend, sich am Ende das eigene Video mit der ganzen Klasse anzuschauen. Bei der Produktion lernen sie außerdem im Team und organisiert zu arbeiten und trainieren ihr technisches Know-How. Eine gute Anleitung für Kinder gibt es hier.

Was sollten Eltern beachten?

Die einfachste Variante, um an Erklärvideos zu gelangen, ist der Klick auf YouTube — doch die Plattform ist insbesondere für (jüngere) Kinder noch ungeeignet. YouTube bietet Inhalte für jedes Alter und somit wäre es nicht ungewöhnlich, dass Ihr Kind aus Versehen auf etwas stößt, das zunächst geeignet aussah, für sein Alter jedoch bedenklich ist. Erklären Sie das Ihrem Kind und suchen Sie z. B. mithilfe von Kindersuchmaschinen nach Webseiten mit Videoinhalten speziell für Kinder. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, schauen Sie doch die Erklärvideos zusammen mit Ihrem Kind — so lernen Sie vielleicht auch noch etwas dazu!

Videostreaming: Das neue Fernsehen?!

Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, wenn der Tag, an dem eine neue Folge Ihrer Lieblingsserie im Fernsehen lief, näher rückte und Sie alles so geplant haben, um pünktlich vor dem gemeinsamen Familienfernseher im Wohnzimmer zu sitzen? Dieses Szenario gehört dank Mediatheken, Netflix und Co. größtenteils der Vergangenheit an.

Was ist Videostreaming?

Immer mehr Kinder und Jugendliche sehen heute Videos, Filme und Serien online über legale Streaming-Dienste. Dieses nicht-lineare Fernsehen macht es möglich, dann zu schauen, wenn man gerade möchte mit dem Gerät seiner Wahl – ob Smartphone, Computer oder einem internetfähigen Smart-TV.

Das Angebot dafür ist riesengroß: Es gibt kostenpflichtige Online-Videotheken wie Netflix oder Amazon Prime und kostenlose Videostreaming-Plattformen wie YouTube mit von Nutzern selbst produzierten Inhalten. Auch viele Fernsehsender stellen ihre Sendungen kostenlos oder teilweise kostenpflichtig über eigene Mediatheken bereit. Einige Sender bieten außerdem einen Livestream an, so dass man sich – wie beim traditionellen analogen Fernsehen – das aktuell laufende Programm online anschauen kann.

Diese große Auswahl steht natürlich auch Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Wenn sie ein eigenes Smartphone, einen Tablet oder Computer mit Internetzugang oder sogar einen Smart-TV (Fernseher mit Internetanschluss) haben, lässt sich kaum kontrollieren, was und wie viel sie sehen.

Streaming bedeutet, sich Inhalte anschauen zu können, ohne diese auf das eigene Gerät herunterladen und abspeichern zu müssen. Teilweise ist es auch möglich, sich einzelne Filme oder Serien herunterzuladen und sie offline abzuspielen.

Was begeistert Kinder und Jugendliche daran ?

Attraktiv ist die große Vielfalt an aktuellen und ausgewählten Serien, Filmen und Dokumentationen, die theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit angeschaut werden können. Für Kinder und Jugendliche ist es inzwischen normal, sich die Lieblingssendung nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ansehen zu müssen, wie es beim „normalen“ Fernsehen der Fall ist. Außerdem kann man  sich einfach eine neue Folge der Lieblingsserie anschauen, während man z. B. im Bus oder in der Bahn sitzt.

Was sollte man beachten?

Wie auch beim Fernsehprogramm gibt es auf Streaming-Portalen Filme und Videos mit Inhalten, die nicht für Kinder geeignet sind und sie verängstigen können. Aber auch Streaming-Dienste unterliegen dem „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ und müssen die gesetzlichen Freigaben der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) übernehmen. Gibt es für Filme oder Serienfolgen keine FSK-Bewertung, müssen sie die Altersbewertungen selbst vornehmen und sich dabei auch an deutsches Recht halten.

Die Kriterien für selbst vorgenomme Altersfreigaben sind nicht unbedingt ersichtlich. Machen Sie sich deshalb unbedingt über die Möglichkeiten des Kinder-bzw. Jugendschutzes des jeweiligen Streaminganbieters schlau und nutzen Sie die angebotenen Funktionen und Einstellungen wie Passwörter und PINs. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Beschreibungen der Dienste Netflix und Amazon Prime Video.

Legen Sie bestimmte Zeitfenster fest, in denen geschaut werden darf. Die Medienzeit sollte immer nur eine von vielen anderen, nicht-medienbezogenen Aktivitäten sein. Wenn Sie nicht sicher sind, wie viel Zeit Ihr Kind vor dem Fernseher oder Laptop verbringen sollte, finden Sie hier auf der Website mehr Informationen.

Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Lieblingsserien oder Filmen und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Je nach Alter Ihres Kindes sollten Sie Filme und Videos zusammen anschauen, sodass Ihr Kind für den Fall, dass es doch etwas Gruseliges oder Bedenkliches darin gibt, nicht damit allein gelassen ist.

Der Filmabend mit der ganzen Familie kann auch ein schönes gemeinsames Erlebnis und Ritual sein. Hier können Sie gemeinsam Spaß haben und bekommen mit, wie Ihr Kind auf bestimmte Inhalte reagiert.

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