Blaue Augen soll er haben, eine sportliche Figur und bitte lustig und einfühlsam sein. Der perfekte Freund ist mittlerweile mit wenigen Klicks ganz schnell hergezaubert, zumindest virtuell. Per KI können platonische oder romantische Beziehungen mit einem scheinbar fehlerlosen Gegenüber geführt werden – also Liebesglück ganz ohne Herzschmerz?
Künstliche Intelligenz (KI) kommt immer mehr in unserem Alltag an. Als Suchmaschine, praktische Unterstützung bei Alltagsproblemen – und mittlerweile auch als Ersatz für persönliche Beziehungen. Beim Chatten per Snapchat und WhatsApp gibt es KI-Kontakte im Adressbuch, mit denen wie mit einem menschlichen Gegenüber gechattet werden kann. Apps wie zum Beispiel Anima, Replika oder Romantic AI gehen noch einen Schritt weiter. Hier können künstliche Freund*innen nach den eigenen Wünschen generiert werden. Per Auswahl-Menü gestalten Nutzer*innen Aussehen und Charakter selbst und stellen sich Freund*innen oder Liebes-Partner*innen nach Wunsch zusammen. Die Chatbots sind jederzeit erreichbar, die Nutzer*innen können mit ihnen schreiben, sprechen und teilweise sogar per Video telefonieren.
Ein*e Freund*in, genau nach den eigenen Vorstellungen – für viele Erwachsene, aber auch für Kinder und Jugendliche, klingt das verlockend. Und so ein selbst generierter Chatbot hat auf den ersten Blick viele vermeintliche Vorteile: Der Chatbot ist schnell und einfach hergestellt und sofort ‚einsatzbereit‘ – viel schneller als eine Freundschaft oder Liebesbeziehung im echten Leben aufgebaut werden kann. Ein KI-Bot ist jederzeit erreichbar, hat immer Zeit, ein offenes Ohr und scheinbar Verständnis für (fast) alles. Im Gegensatz zu echten Freund*innen oder Partner*innen wird der Bot nie genervt, gelangweilt, eifersüchtig oder wütend, sondern ist genau das Gegenüber, das wir uns gerade erträumen.
Gerade wenn Kinder und Jugendliche Phasen der Einsamkeit, Konflikte, Probleme oder auch psychische Tiefs durchleben, können Chatbots unter Umständen sogar tatsächlich hilfreiche Antworten und Unterstützung anbieten – bisweilen wird deshalb bereits daran gearbeitet, KI in der Psychotherapie begleitend einzusetzen. Durch die visuelle Gestaltung und die mündlichen Kontaktmöglichkeiten kann sich der Austausch sehr real und menschlich anfühlen und ein ähnlich gutes Gefühl wie in einer Freundschaft vermitteln.
Dennoch ist es keine gute Idee, in Zukunft zwischenmenschliche Beziehungen durch KI-Freundschaften und -Beziehungen zu ersetzen. Denn die scheinbar perfekten Gegenüber haben Grenzen – und auch Haken. So scheint es zunächst verlockend, jemanden zum Zuhören zu haben, der nie widerspricht oder eigene Bedürfnisse äußert. Schnell fehlt dabei aber der echte, empathische Austausch und auch die Persönlichkeit, die andere Menschen ausmachen. Zudem gibt es weitere kritische Punkte:
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diese problematischen Themen und überlegen Sie gemeinsam, für welche Situationen und Themen ein KI-Bot vielleicht ein guter Ansprechpartner ist – wo aber auch eine Grenze ist, ab der die ‚Beziehung‘ problematisch wird. Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sicherheit und Datenschutz wichtig sind und es ein Recht darauf hat. Achten Sie gemeinsam darauf, keine persönlichen Daten preiszugeben. Begleiten Sie Ihr Kind dabei, echte Freundschaften zu entdecken, aufzubauen und zu pflegen. Bestärken Sie Ihr Kind darin, sich bei Unsicherheiten oder Problemen jederzeit an Sie zu wenden.