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19.04.2024

Spiele und Geschäftsmodelle – Games-as-a-Service unter die Lupe genommen

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3 Minuten Lesezeit
6-17 Jahre
Information
Spiele
Artikel
Unsplash/Alex Haney

Die Spieleindustrie entwickelt sich immer weiter und erschafft neue Ideen, um ihre Produkte zu verkaufen. Eine davon ist das Geschäftsmodell „Games-as-a-Service“. Welche Vor- und Nachteile diese Form der Monetarisierung von Spielen hat und was Sie als Eltern dabei beachten sollten, erklären wir in diesem Artikel.

Games-as-a-Service – einzelne Spiele im Abo

Games-as-a-Service bedeutet übersetzt „Spiele als Dienstleistung“. In der Videospielindustrie beschreibt der Begriff ein Geschäftsmodell, bei dem ein Produkt nicht einmalig verkauft, sondern fortlaufend weiterentwickelt und angeboten wird. Dafür erhalten die Spiele konstante Updates, neue Inhalte und Mechaniken, die Spieler*innen jahrelang begeistern sollen. Dies beeinflusst auch, wie die Spiele entwickelt, vermarktet und gespielt werden.

Viele Games-as-a-Service-Spiele sind zunächst kostenlos, bieten aber die Möglichkeit, sich kostenpflichtig kosmetische Items wie besonders prunkvolle Waffen oder aufwendige Kleidung zu kaufen. Oft werden solche Gegenstände auch nur zeitlich begrenzt angeboten oder an bestimmte Bedingungen geknüpft. So müssen Spieler*innen nicht nur Echtgeld ausgeben, sondern das Spiel auch über innerhalb einer vorgegebenen Zeit besonders lange spielen. Ein Beispiel hierfür ist der Battle- oder Season-Pass in beliebten Spielen wie Fortnite.

Ein anderer Games-as-a-Service-Ansatz ist das bekannte Abo-Modell. Spieler*innen schließen ein Abonnement ab, um ein einzelnes Spiel nutzen zu können. Die Einstiegskosten der Spiele halten sich oft in Grenzen, da nur die Abonnement-Kosten anfallen. In der Regel kosten diese Spiele monatlich 10-15 Euro. Hersteller*innen verdienen vor allem Geld mit laufenden Abonnements. Ein altes, aber bis heute sehr beliebtes „Abo-Game“ ist World of Warcraft.

Was daran problematisch sein kann

Games-as-a-Service binden Spieler*innen stark an ein Game oder einen Dienst. Wer nicht bezahlt, muss das entweder durch längere Spielzeiten ausgleichen oder kann bestimmte Items gar nicht erst freischalten. Ein auslaufendes Abo kann wiederum bedeuten, dass Spieler*innen nicht weiter auf die Inhalte zugreifen können.

Vorsicht: Durch ein Abonnement entstehen laufende Kosten. Diese summieren sich mit der Zeit. Wenn das Abonnement für ein Spiel bei 10 Euro monatlich liegt, entstehen jährliche Kosten von 120 Euro. Wenn dann mehr als nur ein Spiel und/oder Dienst abonniert wird, entstehen schnell Kosten, die deutlich über die normale Menge des Taschengelds hinausgehen.

Ein weiterer Aspekt dieses Geschäftsmodells ist die sog. „Sunk Cost Fallacy“, zu Deutsch „Versunkene Kostenfalle“.  Das Kündigen eines Abonnements oder das Wechseln zu einem anderen Spiel kann schwierig sein, da das Gefühl aufkommen kann, dass bereits investierte Zeit und Geld verloren gehen. Dies kann dazu führen, dass Spieler*innen sich verpflichtet fühlen, das Spiel weiter zu nutzen, um die bereits geleisteten Kosten zu rechtfertigen. Auch die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), wenn nicht jede Minute des bezahlten Battle- oder Season Passes ausgefüllt wird, kann entstehen.

Was Eltern beachten sollten

Das Geschäftsmodell bietet viele Vorteile, wie laufend neue Inhalte, geringe Einstiegskosten und auch die flexible Möglichkeit, das Game jederzeit wieder zu kündigen. Gleichzeitig gibt es damit verbundene Risiken, wie eine erhöhte Gefahr der exzessiven Mediennutzung, die potenziell wachsenden Kosten der Spiele und die Tatsache, dass Gamer*innen das Spiel nie wirklich besitzen können.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Vor- und Nachteile von Games-as-a-Service. Schätzen Sie gemeinsam ab, ob und wie viel Ihr Kind das Spiel tatsächlich nutzen möchte.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über das Thema versteckte Kosten und überlegen Sie gemeinsam, wie viel Geld Sie für das Spielen ausgeben können und wollen.
  • Finden Sie gemeinsam Regelungen für einen gesunden Medienkonsum, wie verbindliche Absprachen zur Spielzeit. Dabei kann zum Beispiel ein Mediennutzungsvertrag helfen.
  • Wenn Sie ein Spiel erlauben, achten Sie auf den Jugendschutz und gebrauchen Sie die technischen Einstellungsmöglichkeiten. Häufig gibt es bei den Games die Möglichkeit, ein Kinderkonto einzurichten, auf dem nicht altersgerechte Inhalte ausgeblendet/entfernt oder Budgets festgelegt werden können. Informationen zu verschiedenen Spielen und Diensten finden Sie auf der Webseite medien-kindersicher.de.
  • Das “Games-as-a-Service“-Modell wird überwiegend bei Onlinegames eingesetzt. Dabei können Kommunikationsrisiken für Ihr Kind entstehen, zum Beispiel durch Hate Speech.

Bedenken Sie, dass viele „Games-as-a-Service“-Spiele auf das Multiplayer-Erlebnis ausgerichtet sind. Sie dienen oft als virtueller Treffpunkt, an dem gemeinsame Interessen ausgetauscht und Freundschaften gepflegt werden können. Ein Verbot dieser Spiele ohne angemessene Kommunikation und Verständnis für die Bedeutung dieser sozialen Verbindungen kann das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern belasten. Diskutieren Sie offen mit Ihrem Kind über die Gründe für ein mögliches Verbot und potenzielle Alternativen. Das kann helfen, die sozialen Bedürfnisse Ihres Kindes zu berücksichtigen, während diese gleichzeitig sicher und geschützt bleiben.

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