Ob in Büchern, Serien, Filmen oder Hörgeschichten – Kinder erlernen Rollenbilder durch Medien. Denn Kinder identifizieren sich mit Figuren, die ihnen gefallen. Oft werden dabei klassische Bilder vermittelt, wie etwa von starken Helden und schönen Prinzessinnen. An diesen Rollenbildern orientieren sich Kinder, um eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Spätestens ab dem Grundschulalter wird das Geschlecht für die Identität von Kindern immer wichtiger. In vielen Kinderfilmen und Serien werden Mädchen und Jungen noch immer unterschiedlich dargestellt. Studien wie die MaLisa-Fortschrittsstudie (2021) zeigen: Im Kinderfernsehen sind männliche Figuren weiterhin häufiger sichtbar als weibliche. Besonders deutlich ist das bei Tier-, Fantasie-, Roboter- und Maschinenfiguren – sie werden nach wie vor überwiegend männlich dargestellt. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen: Der Anteil weiblicher Figuren im deutschen Kinderfernsehen ist gestiegen und lag 2020 bei 44 Prozent. Doch wenn Medien immer wieder ähnliche Geschichten erzählen – der mutige Junge rettet alle, das Mädchen ist vor allem schön oder fürsorglich – kann das Kinder einengen.
Trans und non-binäre Menschen kommen in Kinderfilmen und -serien bislang nur sehr selten vor. Meist erzählen Kindermedien weiterhin von Mädchen und Jungen innerhalb eines zweigeschlechtlichen Rollenbildes. Internationale Untersuchungen wie die Studie See Jane 2024 zeigen: LGBTQIA+ Figuren machen im populären Kinderfernsehen mit ein bis zwei Prozent nur einen sehr kleinen Anteil aus; nonbinäre Figuren sind nahezu unsichtbar. Dabei können vielfältige Figuren Kindern helfen zu verstehen, dass es unterschiedliche Arten gibt, Geschlecht, Familie und Identität zu leben.
Auch bei der Darstellung der Körper und Rollen bleiben viele Medienangebote einseitig. Weibliche Figuren werden häufiger jung, schlank, schön oder fürsorglich gezeigt. Männliche Figuren treten muskulös, stark und sportlich auf und erleben öfter Abenteuer oder erklären die Welt. In Familiengeschichten werden bei Kindererziehung und Hausarbeit weiterhin eher Frauen gezeigt, während Männer häufiger in beruflichen oder öffentlichen Rollen erscheinen. Wenn Kinder und Jugendliche immer wieder einseitige Schönheits- und Körperbilder sehen, kann sie das verunsichern – besonders, wenn sie diese Bilder als „normal“ wahrnehmen und sich damit vergleichen. Studien zeigen: Das kann die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken.
Berufe helfen Kindern, sich ihre eigene Zukunft vorzustellen. Dabei orientieren sie sich auch an Figuren aus Büchern, Serien, Filmen oder Hörgeschichten. In vielen Geschichten sind Berufe jedoch immer noch stereotyp verteilt: Frauen kümmern sich häufiger um Kinder, Familie oder Pflege. Männer lösen Probleme, erleben Abenteuer oder treten als Experten auf.
So kann der Eindruck entstehen: Manche Berufe passen eher zu Mädchen, andere eher zu Jungen. Dabei ist die Arbeitswelt heute viel bunter. Eine Mutter kann Ingenieurin, Ärztin oder Wissenschaftlerin sein; ein Vater kann Erzieher, Pfleger oder Hausmann sein. Solche Beispiele sind wichtig, weil Berufswünsche oft schon früh durch Rollenbilder beeinflusst werden. Außerdem entstehen durch Technik und Digitalisierung ständig neue Berufe, die in Kinderbüchern und Serien bisher kaum vorkommen. Wenn ein Junge dann trotzdem Feuerwehrmann oder ein Mädchen Ballerina werden möchte, ist das natürlich auch völlig in Ordnung.
In vielen Bilderbüchern bestehen Familien aus einer Frau, einem Mann und ein bis zwei Kindern. Väter kommen oft nur als Nebenfigur vor. Dabei ist das tradierte Mutter-Vater-Kind-Modell, in dem die Mutter sich um die Kinder kümmert und der Vater zur Arbeit geht, heute nur ein Familientyp von vielen. Viele Kinder haben mehrere Bezugspersonen, die sich um sie kümmern. Dazu zählen zum Beispiel die neuen Partner*innen der (getrennt-lebenden) Eltern. Auch Regenbogenfamilien mit queeren Eltern werden in Kindermedien selten abgebildet. Und wo kommen eigentlich die Erwachsenen vor, die nicht in einer Partnerschaft leben, sich aber trotzdem gern um die Kinder ihrer Freund*innen oder Familienmitglieder kümmern?
Wenn Ihnen fragwürdige Geschlechterdarstellungen auffallen, sprechen Sie diese ruhig an: Wer darf in der Geschichte stark sein? Wer kümmert sich? Wer entscheidet? So lernen Kinder, Rollenbilder zu hinterfragen.
Kinder brauchen unterschiedliche Vorbilder. Ein vielfältiges Medienangebot zeigt ihnen verschiedene Möglichkeiten, wie Menschen leben, fühlen und handeln können. Geschichten, die typische Rollenbilder aufbrechen, stärken Kinder darin, sich selbst anzunehmen und anderen offen, tolerant und respektvoll zu begegnen. Wir haben einige Medientipps für Sie zusammengestellt, die vielfältige Geschlechterrollen und unterschiedliche Familienformen zeigen:
Vielfältige Familien
Ich bin ich: Selbstbild und Geschlechtsidentität
Raus aus der Geschlechter-Schublade
Starke Freund*innenschaften und vielfältige Vorbilder
Mehr Medienempfehlungen finden Sie in diesem Artikel und z. B. bei den Regenbogenfamilien München und bei PINKSTINKS. Wenn Sie mehr zum Thema Geschlecht in Kindermedien wissen möchten, empfehlen wir diese Elternbroschüre zum Umgang mit Geschlechterrollen.