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Gemeinsame Medienzeit im Kleinkindalter

Wenn Ihr Kind mit zwei oder drei Jahren beginnt digitale Medien verstehen und nutzen zu wollen, sollten Sie es dabei nicht allein lassen. Entscheidend ist, dass Sie erleben, wie Ihr Kind damit umgeht, was es schon versteht und was ihm gefällt. Sie entscheiden, welche Inhalte es anschaut und anhört. Informieren Sie sich vorab über geeignete kindgerechte Angebote.

In den ersten Jahren erlebt Ihr Kind durch seine körperliche und geistige Entwicklung viele Veränderungen, deshalb sind Regelmäßigkeiten wichtig. Feste Rituale bieten Verlässlichkeit und Orientierung für Ihr Kind. Das gilt auch für die gemeinsame Nutzung von Medien. Überlegen Sie sich ein festes Zeitfenster am Wochenende und abends vor dem Schlafengehen, an dem Sie zusammen einen Videoclip anschauen oder ein Hörspiel hören. Nehmen Sie sich auch die Zeit, im Anschluss darüber mit Ihrem Kind zu sprechen. Der Austausch ist wichtig, damit es das Gesehene oder Gehörte verarbeiten kann.

Medien als Babysitter?

Kinder schauen Fernsehen | Copyright: Thomas Koehler/photothek.net

Wer kennt das nicht? Wochenende, 6.00 Uhr. Das Kind ist hellwach, Sie aber nicht. Da ist es einfach, mal eben den Fernseher oder das Tablet einzuschalten und wenigstens für ein paar wohlverdiente Minuten Ruhe zu haben – und warum auch nicht? Im Familienalltag gibt es einfach Momente, in denen Tablet oder Fernsehen eine bequeme Möglichkeit sind, kurz durchzuschnaufen. Und es ist so bequem, dass es uns sehr schwer fällt, es nicht zu tun. Solange es nicht zur Gewohnheit wird und wir Medien nicht zulasten des Kindes zweckentfremden, ist es durchaus mal erlaubt. Sie sollten dann aber sicherstellen, dass Ihr Kind nur auf altersgemäße und bekannte Medieninhalte zugreifen kann und es nicht stundenlang allein vor dem Gerät sitzt. Denn gerade in den ersten Jahren braucht Ihr Kind Begleitung bei der Mediennutzung.

Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn

Vater mit Sohn und Tochter mit Smartphone

Copyright: Ute Grabowsky/photothek.net

Gerade in der Pubertät fällt es Ihnen vielleicht manchmal schwer, die eigenen Kinder zu verstehen. Ihre Interessen ändern sich schnell und als Eltern kommt man kaum noch hinterher. Dennoch ist es gerade in Bezug auf die Mediennutzung wichtig, mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben. Zeigen Sie Interesse und versuchen Sie nachzuvollziehen, was Ihre Tochter oder Ihren Sohn an bestimmten Medien(inhalten) reizt. Lassen Sie sich Dinge zeigen und vermeiden Sie Beurteilungen! In einer vertrauensvollen Atmosphäre kommt Ihr Kind dann auch auf Sie zu, wenn es einmal auf unangenehme Medieninhalte trifft.

Über Medien sprechen

Copyright: photothek.de

Versuchen Sie stets auf dem Laufenden zu bleiben über die Medienwelten, Stars und Helden Ihres Kindes, über seine Lieblingsseiten im Netz, die liebsten Computerspiele und Apps. Tauschen Sie sich mit Ihrem Kind über seine medialen Vorlieben aus. Seien Sie erster Ansprechpartner für Ihr Kind – nicht das Internet oder das Fernsehen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was es in den Medien erlebt und helfen Sie ihm, es zu verstehen und zu verarbeiten. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit. Damit stärken Sie auch das Vertrauen zueinander. Gespräche sollten in der Familie einen hohen Stellenwert einnehmen. In einer vertrauensvollen Atmosphäre kommt Ihr Kind dann auch auf Sie zu, wenn es einmal auf unangenehme Medieninhalte trifft.

Suchen Sie gezielt nach geeigneten Medienangeboten

Copyright: U. Grabowsky/photothek.net

Medien können informieren und unterhalten. Sie sollen Freude bereiten und keine Angst machen. Egal ob Video, Audio, Bild, Text oder Spiele – Medien gibt es in vielen unterschiedlichen Formen. Kinder können durch unterschiedliche Angebote lernen, sinnvoll mit Medien umzugehen. Auch mit Computerspielen ist das möglich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien ist wichtig, um vor Gefahren im Netz mehr geschützt zu sein. Dies kann Ihr Kind nur mit Ihrer Hilfe lernen.

Es liegt auch an Ihnen, welche Medien Ihr Kind nutzt und wie es sie nutzt. Helfen Sie ihm dabei! Trauen Sie sich, auch für Sie neue Medien auszuprobieren. Wenn Ihr Kind besonderes Interesse an einem Angebot hat, ist es das Beste, wenn Sie dieses Angebot mit Ihrem Kind gemeinsam entdecken und verstehen lernen.

Für fast jedes Anliegen gibt es das passende Medienangebot. Bei der Suche nach kindgerechten Medieninhalten hilft Ihnen unser Beitrag Woran erkenne ich eine gute Kinderseite?. Oder schauen Sie sich an, welche Angebote in den letzten Jahren den Pädagogischen Medienpreis erhalten haben.

Vermeiden Sie Dauerberieselung durch Medien

Junge mit Laptop beim Essen | Copyright: Ute Grabowsky/photothek.net

Eine Dauerberieselung durch Hintergrundgeräusche und Bilder ist nicht nur für Kinder eher kontraproduktiv. Achten Sie mal darauf, ob Sie selbst bzw. Ihr Kind gerade wirklich zuschaut oder zuhört und wenn nicht, schalten Sie einfach mal ab. Um herauszufinden, ob Ihr Kind dem Inhalt noch aufmerksam folgt, fragen Sie einfach mal danach, was dort gerade passiert.

Mit Medien kreativ werden

Copyright: photothek.de

Medien nutzen heißt mehr als Nachrichten zu schreiben und Filme zu gucken. Als Eltern sollten Sie Ihrem Kind die vielfältigen Möglichkeiten der Mediennutzung zeigen. Regen Sie Ihr Kind zum Selbermachen von Medien an. Lassen Sie es selbst fotografieren, Videos drehen oder Hörspiele erstellen. Begleiten Sie Ihr Kind dabei und gestalten Sie gemeinsam Medieninhalte. Das bietet außerdem die Gelegenheit über die jeweilige Technik, deren Möglichkeiten und Risiken zu sprechen. Lernen Sie auch selbst von Ihrem Kind. Insbesondere im Umgang mit den digitalen Medien kennen sich unsere Kinder oft besser aus und gehen viel offener damit um.

Medien sind auch Lernmittel

Copyright: photothek.net

Ihr Kind sucht im Netz nicht nur Unterhaltung, Tablet und Laptop dienen nicht nur dem Zeitvertreib. Kinder und Jugendliche nutzen Medien auch ganz gezielt zum Lernen und Informieren – ob im Auftrag der Schule oder aus eigenem Interesse. Wenn Ihr Kind das Gefühl hat, Sie glauben ihm nicht, wenn es mit dem Tablet lernt, führt das zu Frust. Dass digitale Medien so faszinierend sind, eröffnet die Chance, Lernen und Spaß zu verbinden. Das sollten Sie unterstützen!

Gerade in der weiterführenden Schule wird es für Kinder und Jugendliche selbstverständlich, digitale Medien für die Schule zu nutzen: Es wird für Vorträge recherchiert oder eine Präsentation am Laptop erstellt. Eventuell nutzt Ihr Kind auch ein Online-Nachhilfeangebot.
Ihr Kind lernt, dass digitale Medien nicht nur der Unterhaltung und Kommunikation dienen und erwirbt wichtige Kompetenzen, die es später wahrscheinlich auch im Beruf brauchen wird.

Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind sicher fühlt!

Am besten ist es natürlich, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Onlinewelten erkunden. Aber das wird nicht immer möglich oder sinnvoll sein.

Mediennutzung sollte in einem geeigneten Umfeld stattfinden. Wenn der Familien-Computer z. B. an einem festen Platz wie dem Arbeitszimmer oder Wohnzimmer steht, wird Ihr Kind direkt verantwortungsvoller damit umgehen. Außerdem können Sie so ein Auge darauf haben, was Ihr Kind im Netz macht und Sie sind ansprechbar, wenn es Hilfe braucht. Wichtig ist aber, dass Ihr Kind sich nicht kontrolliert und zu stark eingegrenzt fühlt. Dies gilt auch für die Nutzung des Smartphones. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es im Internet an den verschiedenen Geräten macht. Richten Sie gemeinsam ein geschütztes Benutzerkonto ein. Dabei können Kinder- und Jugendschutzprogramme oder Apps wie Google Family Link für Kinder und Teenager helfen. Nutzen Sie auch gesonderte Einstellungen an Ihrem Router oder dem Smartphone.

Das Wichtigste ist, dass Sie mit Ihrem Kind über Sicherheit im Netz reden. Sprechen Sie über Sicherheitsrisiken und problematische Inhalte. Wenn Ihnen Inhalte problematisch vorkommen, können Sie diese melden.

Medienumgang schon bei den Kleinsten regeln?

Copyright: Thomas Trutschel/photothek.net

Für die Mediennutzung von Säuglingen und Babies sollten Sie sich als Eltern Regeln geben. Die ganz Kleinen benötigen sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Blickkontakt und eine direkte Ansprache sind wichtig, um eine Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind zu entwickeln. Wenn Sie ständig auf Ihr Smartphone schauen, sind Sie abgelenkt und das merkt Ihr Kind. Solche Regeln sollten Sie auch mit anderen engen Bezugspersonen wie Großeltern, Geschwistern oder den Erzieherinnen in der Kita besprechen, damit diese wissen, was Ihnen in Bezug auf Ihr Kind und seinen Kontakt zu Medien wichtig ist.

Kinder verstehen Medien bis zu einem Alter von etwa eineinhalb Jahren noch nicht. Ganz allmählich begreifen sie, was Medien sind und was darin passiert. Sie eignen sich Medien nach und nach an, indem sie beobachten, erforschen, ausprobieren und nachahmen. Der Zugang zu digitalen Medien sollte nicht gefördert oder gar erzwungen werden. Führen Sie Ihr Kind langsam an analoge Medien wie Kinderbücher heran und erweitern Sie dann das Mediensortiment schrittweise mit kindgerechten Angeboten.

Sorgen Sie für Ausgleich zur Mediennutzung

Für einen angemessenen Medienumgang ist es gut, alternative Freizeitaktivitäten einzuplanen. Mit Gleichaltrigen spielen, Sport treiben, sich draußen austoben sind wichtige Beschäftigungen für Kinder und kommen ihrem Bewegungsdrang entgegen. Ein Instrument spielen oder im Chor singen können ebenfalls ausgleichend und spannend sein.

Copyright: Ute Grabowsky/photothek.net

Planen Sie regelmäßige Unternehmungen mit der Familie ein. Als Ausgleich zur Mediennutzung ist es wichtig, Anreize für Ihre Kinder, auch wenn diese schon älter sind, zu schaffen. Ein besonderer Ausflug am Wochenende mit der ganzen Familie ist eine attraktive Alternative zum Computerspielen! Durch einen Mix an Freizeitaktivitäten können Medien bewusster genutzt werden.

Nutzen Sie Medien auch gemeinsam

Copyright: Janine Schmitz/photothek.net

Nutzen Sie gemeinsam die Medien Ihres Kindes und zeigen Sie damit Interesse an Ihrem Kind und seiner Mediennutzung, seinen Techniken und Inhalten. Surfen Sie zusammen im Internet, spielen Sie ein Computerspiel oder schauen Sie mit Ihrem Kind fern. Und erklären sie ihm hin und wieder was dort passiert. Lassen Sie sich erklären, was Ihre Tochter oder Ihren Sohn an den Inhalten begeistert. So verbringen Sie Zeit mit Ihrem Kind und gleichzeitig bekommen Sie einen Eindruck, wie er oder sie mit Medien umgeht und welche Wirkung diese haben.

Seien Sie sich Ihrer Vorbildfunktion bewusst – von der Geburt Ihres Kindes an!

Als Eltern müssen Sie sich bewusst sein, dass die Kleinsten Medien schon sehr früh wahrnehmen, den Umgang beobachten und nachahmen. Ihr Verhalten im Umgang mit Medien hat also Einfluss darauf, wie Ihr Kind diese später selbst nutzen wird.

Copyright: Thomas Trutschel/photothek.net

Egal ob Sie während gemeinsamer Aktivitäten WhatsApp-Nachrichten checken, Fotos in Sozialen Netzwerken posten oder sich vom Videoclip zwischendurch unterhalten lassen: Achten Sie darauf, wann Sie Medien nutzen und ob Sie in dem Moment vielleicht darauf verzichten könnten. Wenn Sie durch das Smartphone abgelenkt sind, merkt das Ihr Kind. Gerade bei Babies ist die soziale Bindung über die direkte Ansprache, Blickkontakt und Berührung von großer Bedeutung für die Eltern-Kind-Beziehung und die kindliche Entwicklung.

Beobachten Sie, wie lange und häufig Sie Medien nutzen und legen Sie ab und zu das Smartphone zur Seite oder schalten Sie den PC aus. Seien Sie ein Vorbild! Schaffen Sie sich und Ihrem Kind gemeinsame medienfreie Zeiten. Da Medien Teil unseres Alltags sind, sollten sie aber nicht grundsätzlich tabu sein. Führen Sie Ihr Kind langsam an altersgerechte Medienangebote heran und begleiten Sie es bei seinen ersten Medienerfahrungen.

Herausforderungen im Umgang mit Medien

Das Internet ist voll mit hilfreichen und unterhaltenden Angeboten. Über Apps, die mit dem Internet verbunden sind, Videoplattformen und andere Online-Angebote gelangt man aber auch schnell auf Inhalte, die potentielle Gefahren bergen. Altersunangemessene Angebote können Ihrem Kind Angst machen. Einen umfassenden Schutz können auch die besten Maßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes nicht bieten. Sie können Ihrem Kind dennoch einen möglichst sicheren Umgang ermöglichen.

Neun jaehriges Maedchen spielt am Laptop

Copyright: photothek.de

Seien Sie sich als Eltern bewusst, welchen Herausforderungen Ihr Kind im Umgang mit Medien begegnen kann. So können Sie im Ernstfall auf Ihr Kind eingehen und Hilfestellungen anbieten. Sie sollten dabei keine unnötige Angst bei Ihrem Kind schüren. Unterstützen Sie die Entwicklung einer gesunden Skepsis, ebenso wie die Lust an der Mediennutzung!

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind auf altersgerechte Inhalte zugreifen kann. Dabei helfen auch Einstellungsmöglichkeiten am Gerät oder in Apps. Außerdem ist eine Begleitung bei der Mediennutzung gerade bei kleinen Kindern unverzichtbar.

Medienfreiräume sind wichtig

Copyright: Ute Grabowsky/photothek.net

Jugendliche nutzen digitale Medien intensiv und sehr vielfältig. Besonders Soziale Netzwerke, Messenger, YouTube und Streamingdienste sind beliebt. Hier chatten sie mit Freunden, teilen Bilder und Videos, „liken“ und kommentieren Beiträge, stellen sich dar und lassen sich unterhalten. Für Jugendliche sind solche Plattformen ein großer Spielraum, um sich auszuprobieren.

Zur Jugendphase gehört es dazu, sich vom Elternhaus abzugrenzen, Grenzen auszutesten sowie sich persönliche Freiheitsräume zu suchen und zu nutzen. Social Media bietet dafür viele Möglichkeiten. Es ist in Ordnung, wenn Sie Ihr Kind nicht überall beaufsichtigen. Eigenständigkeit der Kinder ist positiv und sollte von Ihnen unterstützt und kritisch begleitet werden. Dazu gehört aber, sie darauf vorzubereiten, indem Sie ihm die Risiken und Chancen digitaler Medien bewusst gemacht und Wege aufgezeigt haben, damit umzugehen.

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