Ihr Kind lacht über Clips aus dem Dschungelcamp oder verfolgt gespannt, wer bei „Germany’s Next Topmodel“ weiterkommt? Trash-TV gehört für viele Kinder und Jugendliche zum Medienalltag. Die Inhalte begegnen ihnen längst nicht mehr nur im Fernsehen, sondern auch auf TikTok oder YouTube. Wir erklären, was diese Formate so attraktiv macht und worauf Eltern achten sollten.
Der Begriff „Trash-TV“ stammt aus dem Englischen und wird häufig mit „geschmacklosem Fernsehen“ übersetzt. Er beschreibt kein eigenständiges Genre, sondern gilt als umgangssprachliche Unterkategorie des Reality-TV. Während Reality-TV als neutraler Begriff alle Formate mit echten Menschen umfasst, meint Trash-TV gezielt Sendungen, die auf starke Gefühle, extreme Emotionen und inszenierte Konflikte setzen.
Dazu gehören beispielsweise:
Trash-TV entwickelte sich in Deutschland vor allem mit dem Aufkommen privater Fernsehsender. Heute finden sie sich auch auf den bekannten Streamingplattformen. Die Formate lassen sich vergleichsweise günstig produzieren und erreichen ein großes Publikum. Dabei funktionieren nicht alle Sendungen gleich. Manche erzählen erfundene Geschichten, andere begleiten reale Personen. Welche Bilder das Publikum sieht und wie die Beteiligten wirken, entscheiden Produzent*innen durch die Auswahl der Szenen und den Schnitt. So kann ein Eindruck entstehen, der nicht ganz der Realität entspricht.
Bei Trash-TV passiert selten lange nichts. Streit und überraschende Wendungen sorgen dafür, dass viele Jugendliche mitfiebern und überlegen, auf wessen Seite sie stehen. Außerdem sind die Sendungen leicht zugänglich. Wer einschaltet, findet sich meist schnell zurecht. Gerade nach einem anstrengenden Tag kann das angenehm sein. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Probleme anderer Menschen und nicht auf die eigenen.
Für viele Jugendliche endet Trash-TV nicht mit der eigentlichen Sendung. Ausschnitte begegnen ihnen später wieder auf dem Smartphone, wenn sie geteilt oder als Meme weiterverbreitet werden. Aktuelle Folgen liefern Gesprächsstoff in der Schule und auf Social Media. Wer die Sendungen kennt, kann mitreden.
Dass einzelne Formate auch heute noch für Jugendliche relevant sind, zeigt die JIM-Studie 2025: „Germany’s Next Topmodel“ gehörte bei Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren zu den meistgenannten Lieblingssendungen.
Trash-TV ist nicht grundsätzlich problematisch, trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhalte. Viele der Sendungen leben von Konflikten und Menschen, die unter Druck geraten. Kinder und Jugendliche erleben dabei immer wieder, wie Menschen öffentlich bloßgestellt oder gegeneinander ausgespielt werden. Wer solche Szenen oft sieht, kann den Eindruck bekommen, dass ein respektloser Umgang ganz normal ist.
In vielen Formaten geht es außerdem stark um das Aussehen. Menschen werden bewertet, miteinander verglichen oder auf ihr Äußeres reduziert. Gerade in einer Lebensphase, in der Aussehen und Zugehörigkeit wichtig sind, kann das Druck erzeugen. Viele Sendungen vermitteln ein enges Bild davon, wie Menschen aussehen oder leben sollten. Auch Beziehungen und Geschlechterrollen werden häufig vereinfacht dargestellt. Kinder und Jugendliche können dadurch den Eindruck gewinnen, dass bestimmte Schönheitsideale oder Lebensentwürfe normal oder besonders wichtig sind.
Zu sehen ist immer nur ein Ausschnitt des gedrehten Materials. Dadurch wirken Konflikte manchmal größer, als sie tatsächlich waren. Besonders auffällige Szenen werden anschließend auf TikTok, Instagram oder YouTube weiterverbreitet. Ohne den Zusammenhang der ganzen Folge ist dann oft schwer zu verstehen, was eigentlich passiert ist.
Einige Teilnehmende werden später als Influencer*innen aktiv. Sie teilen Einblicke aus ihrem Alltag und werben teilweise für Produkte. Für Kinder und Jugendliche ist dann nicht immer leicht zu erkennen, wann jemand persönliche Erfahrungen teilt und wann Werbung dahintersteckt.
Trash-TV gehört für viele Kinder und Jugendliche zum Medienalltag, aber nicht jede Sendung eignet sich für jedes Alter. Ob eine Sendung passt, hängt auch davon ab, wie gut Ihr Kind das Gesehene einordnen kann. Gerade jüngere Kinder brauchen oft noch Unterstützung dabei, zwischen Unterhaltung und Wirklichkeit zu unterscheiden.