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Influencer ist nicht gleich Influencer

Besonders 12- bis 17-Jährige verbringen oft mehrere Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen wie YouTube, Snapchat, TikTok oder Instagram. Dabei sehen sie sich Inhalte von Menschen an, die sie zwar nicht persönlich kennen, aber trotzdem eine Menge über sie wissen. Auch wenn der Begriff Influencer nach starkem Einfluss klingt, entscheidet sich Ihr Kind aus bestimmten Gründen und aktiv dafür, jemandem zu folgen und seine Videos anzuschauen. Bestimmte Influencer sind dabei unterschiedlich wichtig oder von dauerhaftem Interesse.

Influencer berichten in Bildern oder Videos von ihrem vermeintlichen Alltagsleben oder beschäftigen sich mit Themen wie Mode, Beauty oder Gaming. Influencer bieten Orientierung, wenn es z. B. um die eigene Identitätssuche geht, aber auch so etwas wie Freundschaft. Man kann zwischen verschiedenen Influencer-Typen unterscheiden:

Influencer-Typen nach Followerzahlen

Die einfachste Einteilung ist die nach der Anzahl der Follower, die sagt, wie groß die Reichweite eines Influencers ist. Auch Influencer mit geringer Reichweite sind für Unternehmen bedeutsam, um mit ihnen zu werben. Die gängigsten Begriffe sind folgende:

Mega-Influencer, Super-Influencer oder Hero-Influencer
Diese Influencer haben Millionen­-Reichweiten und bekommen die höchste Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. Sie sind die Stars der Szene, so z. B. Bibi oder Lisa und Lena.

Star-Influencer oder Promi-Influencer
So nennt man Influencer, die als Sportler, Film- oder Popstar prominent geworden sind und auch außerhalb von Social Media eine große Fan-Community haben.

Makro-Influencer oder Everyday-Influencer
Sie haben eine geringere, aber immer noch große Reichweite mit ca. 50.000 Follower. Sie gelten als Vorbilder in ihrer Szene und setzen oft neue Trends.

Aber auch Mikro- oder Nano-Influencer haben starken Einfluss. Sie sind bei bestimmten Themen Experten, z. B. Blogger oder Youtuber mit Kanälen zu speziellen Themen. Sie gelten auf ihrem Gebiet als sehr glaubwürdig und haben eine treue Anhängerschaft. Aufstrebende bzw. Rising-Influencer gelten als die kommenden Talente, mit einer noch geringen Reichweite.

Influencer-Typen nach Art ihres Auftretens

Influencer lassen sich auch nach den Themen und der Art und Weise, wie sie auftreten, unterscheiden:

Stil-Inspiratoren
Sie zelebrieren Lifestyle im Bereich Beauty, Autos, Fashion, Essen und Reisen. Dem Nutzer ermöglichen sie Tagträumerei, bleiben aber gleichzeitig durch ihre Interaktion nahbar.

Coaches
Sie sind Mentoren, d. h. nehmen den Follower an die Hand, bieten Orientierung und konkrete Ratschläge. Themen können von Do-it-yourself über Lifehacks und Lebensberatung bis hin zu jedem Hobby und Nischeninteresse reichen.

Experten
Zwar bedienen sie oft nur eine kleine Nische als Mikro-Influencer, sind darin aber eine große Autorität. Sie bieten durch ihre große Kompetenz den Followern wertvolle Orientierung zu einem bestimmten Thema.

Erklärer
Ihnen geht es darum, Alltags-, Politik- und Wissenschaftsthemen verständlich zu machen und anderen nahe zu bringen. Außerdem haben ihre Follower die Möglichkeit, sich dank ihnen eine eigene Meinung zu bilden. Ihre Glaubwürdigkeit ziehen sie aus ihrer Überzeugung.

Selbstdarsteller und Unterhalter
Sie sind lustig und kurzweilig. Beim Anschauen ihrer Videos kann man kurz dem Alltag entfliehen. Mit Einfallsreichtum und viel Charakter bieten sie gute Unterhaltung.

Missionare
Diese Vorbilder vertreten bestimmte Ideale aus dem Alltag, der Politik oder der Lebensführung, die sie befolgen.

Fragen Sie Ihr Kind danach, was es an der einen oder anderen Person begeistert und interessiert. Vielleicht finden auch Sie Inspiration bei einem Influencer!

Selbstwahrnehmung in Zeiten von Instagram & Co.

Perfekte Haut, glänzende Haare, Modelfigur – das ist ein für viele Jugendliche vertrautes Bild aus der schillernden Instagram-Welt. Vor allem junge Mädchen nehmen den dort vorgelebten Lifestyle oder das Aussehen als Vorbild und empfinden es als Ideal. Was das für ihre Selbstwahrnehmung bedeutet und wie Sie Ihr Kind darin unterstützen können, sich wohl im eigenen Körper zu fühlen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Die Scheinwelt Instagram

Viele der bei Instagram geposteten Fotos entsprechen nicht der Realität. Ob Mitschülerin oder Beauty-Bloggerin – jeder möchte den eigenen Followern möglichst beneidenswerte Fotos präsentieren. Dafür werden die von Instagram bereitgestellten Filter genutzt, mit denen die Haut glatter, die Sonne strahlender und die Haare glänzender wirken. Mit speziellen Apps können sogar die Nase kleiner oder die Taille schmaler gemacht werden

Vor allem Influencer präsentieren sich und ihr Leben in sozialen Netzwerken als nahezu makellos und perfekt. Ihre Follower nehmen diese Darstellung als authentisch wahr und eifern ihnen nach. Das kann sich durch den Wunsch nach den neuesten Sneakern äußern oder durch Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Denn die Instagram-Welt hat nur wenig mit der Realität zu tun, da „normale“ Körper kaum präsent und daher für Jugendliche nicht erstrebenswert sind. Teenager werden dem Druck ausgesetzt, dieser schiefen Wirklichkeit nahezukommen.

Um Teil der Community zu sein, entsteht zudem der Druck, eigene Fotos auf Instagram zu posten. Die Anzahl an Likes und Kommentaren gilt für viele junge Menschen als Bestätigung ihrer Person. Die Selbstzweifel steigen, wenn das gepostete Foto nur wenige oder gar keine Likes erhält.

Einfluss auf Jugendliche und ihr Selbstbewusstsein

Verschiedene Studien haben ergeben, dass sich Jugendliche, die Instagram nutzen, in ihrem Körper besonders häufig unwohl fühlen. Auch Snapchat wird deshalb kritisiert. Jugendliche werden nicht nur in sozialen Netzwerken mit perfekten Fremdbildern konfrontiert, sondern auch durch Fernsehformate wie “Germany’s Next Topmodel” oder durch Werbung. Zu ihren Vorbildern in sozialen Netzwerken fühlen sich Jugendliche allerdings besonders stark persönlich verbunden.

Die verzerrten Körperbilder in den sozialen Netzwerken werden viel kritisiert. Es gibt starke Bemühungen, Körper in den Medien in all ihren Formen zu präsentieren, z. B. indem sich Menschen auf Instagram und Co. unter Hashtags wie #fürmehrrealitätaufinstagram oder #teambodylove ungeschminkt und natürlich zeigen. Die Bilder sind nicht bearbeitet. So wird versucht, vor allem jungen Menschen ein realistisches Körperbild zu vermitteln und ihnen Mut zu machen, den eigenen Körper zu akzeptieren.

Darüber hinaus gibt es Forderungen, bearbeitete Bilder in Zukunft als solche markieren zu müssen, um deutlich zu machen, dass diese eben nicht der Realität entsprechen.

Wie Sie als Eltern Ihr Kind unterstützen können

Bleiben Sie mit Ihrem Kind über seine Vorbilder im Gespräch. Schauen Sie sich gemeinsam Bilder auf Instagram an und fragen Sie nach, was genau es an den Bildern toll findet. Machen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn auf bearbeitete Bilder aufmerksam und hinterfragen Sie, inwiefern diese realistisch sein können. Zeigen Sie vielleicht auch Kanäle, die gezielt versuchen, realistische Fotos hochzuladen. Suchen Sie gemeinsam nach Kanälen oder Hastags, die weniger Stereotypen entsprechen, sondern die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Das gibt Ihrem Kind unterschiedliche Anreize für die eigene Persönlichkeitsentwicklung.

Nutzen Sie gemeinsam aus Spaß eine Fotobearbeitungsapp und verändern Sie ein Foto von sich oder Ihrem Kind mit Hilfe von Filtern. So realisiert Ihr Kind auch, wie einfach es ist, ein Bild zu verändern oder gar zu manipulieren. Ganz unabhängig von Medien können Sie Ihr Kind täglich darin unterstützen, den eigenen Körper zu akzeptieren und zu lieben und so das Selbstwertgefühl stärken.

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