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Internetguide für Eltern
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TikTok

Ursprünglich ging es bei musical.ly und deren Nachfolger TikTok (seit 2018) um kurze Playback- oder Lipsynch-Videos. Heute ist TikTok viel mehr: eine App für kreative Kurzvideos aller Art, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Erfahren Sie hier, was genau dahinter steckt, Jugendliche daran begeistert und worauf man bei der Nutzung der App unbedingt achten sollte.

Kurz gefasst

  • kostenloses Social-Media-Videoportal
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • Verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne einer Challenge weitergeführt.

Die Videos einiger TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um bestimmten Personen zu folgen, Clips zu erstellen, mit Spezialeffekten, Filtern und Hashtags zu unterlegen und mit anderen zu teilen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Aus der einstigen Playback-App ist eine bunte Videoplattform geworden, auf der sich Jugendliche ausprobieren, miteinander messen, vergleichen und darstellen können – mit Challenges, Video-Memes und vielem mehr.

Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein. Die über musical.ly (später TikTok) berühmt gewordenen Zwillinge Lisa und Lena haben ihren Account mit 16 Jahren aufgegeben und sind jetzt vor allem bei Instagram zu finden. Dennoch zeigen die Downloadzahlen, dass TikTok derzeit in der Altersgruppe der 13- bis 19-Jährigen besonders beliebt zu sein scheint.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Laut Anbieter können sich Kinder ab 13 Jahren bei TikTok anmelden – mit Einverständnis ihrer Eltern. Das Alter wird bei der Registrierung zwar abgefragt, der Wahrheitsgehalt aber nicht überprüft.

Die Voreinstellungen der App sind gerade für Kinder und Jugendliche unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.

Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Kinder und Jugendliche mit für sie ungeeigneten Inhalten in Berührung kommen können. Da die Beiträge nicht moderiert werden, können auch kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es ist ein hohes Risiko von Cybergrooming und Cybermobbing vorhanden.

Oft wird übersehen, dass Nutzerinnen und Nutzer keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten haben. Der Anbieter TikTok erhält außerdem die Rechte an den entstehenden Videos und kann sie weiter verwenden. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da die Veröffentlichung gegen die Bild- und Urheberrechte verstößt. Sind andere Personen im Video zu sehen, sollte man diese immer um Erlaubnis fragen, um ihr Recht am eigenen Bild zu wahren.

Man sollte sich außerdem darüber im Klaren sein, dass der Anbieter Zugriff auf die persönlichen Daten hat bzw. diese an Dritte gelangen können. Die Informationen zu Urheberrecht, Datenschutz und Nutzungsbedingungen der App sind zudem nur in englischer Sprache verfügbar.

Mit TikTok möchte der Anbieter Bytedance Geld verdienen. Deshalb gibt es in der App Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker ihr Guthaben aufladen und in virtuelle Münzen umwandeln. Davon lassen sich Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.

So kreativ einige Challenges sind, so kritisch müssen sie auch gesehen werden: Bei der „Waist Challenge“ z. B. luden Mädchen Videos hoch, in denen sie ihren Po und eine möglichst schmale Taille präsentierten. Vor allem jüngere Nutzerinnen (und Nutzer) erkennen wahrscheinlich noch nicht die Problematik dahinter und orientieren sich an diesen übertriebenen Schönheitsidealen. TikTok blockiert solche Inhalte nicht, deshalb besteht das Risiko von Cybergrooming oder Cybermobbing.

Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

TikTok ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst. Es gibt allerdings nur wenige Sicherheitseinstellungen. TikTok verweist nach der Registrierung mittels eines roten Punktes auf die Einstellungen. Eine Erklärung dazu liefert der Dienst aber nicht. Immerhin gibt es Tipps für Eltern im “Safety Center” der Webseite. So lassen sich z. B. Userkonten, Videos, Chats oder Kommentare melden und/oder blockieren, wenn man unangemessene Kommentare oder Nachrichten erhält.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei Tik Tok anmelden möchte, fragen Sie nach, was die Motivation dafür ist. Lernen Sie die App zusammen kennen und richten Sie gemeinsam einen Account ein. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.

Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann.

Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.