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16.12.2022

App-Berechtigungen: Kamera, Mikrofon und Co

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3 Minuten Lesezeit
6-17 Jahre
Information
Sicherheit
Apps
Social Media
Allgemein
Anleitung
© photothek.net

Um Fotos zu bearbeiten, Sprachanrufe zu tätigen oder Nachrichten zu verschicken benötigen Apps Zugriffsrechte auf Kamera, Bilder, Mikrofon oder Kontakte. Meistens machen diese Berechtigungen Sinn, um die Apps vollständig nutzen zu können. Manchmal ist nicht klar, zu welchem Zweck Apps auf persönliche Daten zurückgreifen möchten. Damit Sie mit Ihrem Kind die App-Berechtigungen überprüfen können, schauen wir uns in diesem Artikel ausgewählte Berechtigungsarten genauer an.

Kamera

So funktioniert diese Berechtigung: Apps wird der Zugriff auf die im Smartphone oder Tablet integrierten Kameras erlaubt, um Foto- und Videoaufnahmen zu machen.

Diese Apps benötigen beispielsweise Zugriff auf die Kamera:

Hier ist diese Funktion optional:

  • Foto- und Videobearbeitung: Apps zur kreativen Bearbeitung von Fotos und Videos. Hier kann auch auf den Bildspeicher zurückgegriffen werden.
  • Entsperren: Ein Smartphone kann per Gesichtserkennung entsperrt werden. Sicherer ist die Verwendung eines Codes oder des Fingerabdrucks, da die Gesichtserkennung durch ein vor die Kamera gehaltenes Foto getäuscht werden kann.

Dieses Risiko gilt es dabei zu beachten:

Es besteht die Gefahr, dass Apps mit Zugriff auf die Kamera eingesetzt werden, um Nutzerinnen und Nutzer ungewollt aufzuzeichnen. Um dies zu verhindern, können Sie z. B. eine Abdeckung mit Schieberegler auf der Kameralinse befestigen.

Mikrofon

So funktioniert diese Berechtigung: Apps wird der Zugriff auf das im Smartphone integrierte Mikrofon gestattet.

Diese Apps benötigen beispielsweise Zugriff auf das Mikrofon:

  • Kommunikation: Apps zum Telefonieren, für Videokonferenzen oder zum Versenden von Sprachnachrichten wie WhatsApp oder Zoom.
  • Sprachassistenz: zum Unterhalten mit Assistenzsystemen wie Alexa, Siri und Co.
  • Audioerkennung: Apps zur Bestimmung von Vogelstimmen wie Birdnet oder Songs wie Shazam.
  • Audio- und Videoproduktion: Audio-Apps zur Aufnahme von Sprachnotizen und Hörspielen sowie Video-Apps zur Vertonung von Videos und Trickfilmen.
  • Schallpegel messen und Musikinstrumente stimmen: Apps zur Kontrolle der Lautstärke oder Tonhöhe.

Hier ist diese Funktion optional:

  • Sprachsteuerung: Apps wie Google Maps oder Suchmaschinen bieten die Möglichkeit an, Befehle mündlich einzugeben. Die Alternative ist die schriftliche Eingabe.

Dieses Risiko gilt es dabei zu beachten:

Apps, die auf das Mikrofon eines Geräts zugreifen dürfen, können diese Funktion zum Abhören nutzen. Gespräche, Geräusche aus Fernsehen und Radio oder Musik – es gibt Apps, die ihre Nutzerinnen und Nutzer rund um die Uhr belauschen und auf Schlüsselwörter analysieren. Die Daten werden für personalisierte Werbung genutzt oder zu unklaren Zwecken weiterverkauft. Die Zustimmung dazu geschieht über die Zustimmungen zu den Nutzungsbedingungen beim Download der App. Für das Abhören verwenden viele Dienste eine Technologie des Herstellers Alphonso. Wer im App Store oder Play Store danach sucht, findet alle Apps, die diese Software verwenden. Wie Sie sich genau vor Lauschangriffen schützen können, erklärt der MDR in einem Beitrag von Brisant.

Kontakte

So funktioniert diese Berechtigung: Apps können auf gespeicherte Kontaktdaten zugreifen, sie ändern, weiterleiten und löschen sowie bestimmte Kontakte suchen. Sie erhalten Informationen darüber, welcher Kontakt wann, wie lange und über welchen Kommunikationsweg kontaktiert wird.

Diese Apps verlangen beispielsweise Zugriff auf die Kontakte:

  • Kommunikation: Apps zum Telefonieren und Nachrichten versenden wie WhatsApp oder Threema. Bei den meisten Messengern kann der Zugriff auf die Kontakte verweigert werden und die App bleibt trotzdem funktionsfähig. In der Chat-Liste stehen dann nur die Telefonnummern und nicht die Namen der Kontakte.
  • Social Media: Apps zur Vernetzung und Verbindung wie BeReal oder TikTok.

Hier ist diese Funktion optional:

  • Navigation und Fahrplanauskunft: Apps zum Ermitteln des schnellsten Weges zur Adresse eines eingespeicherten Kontakts.

Dieses Risiko gilt es dabei zu beachten:

Apps, die auf die Kontaktliste eines Geräts zugreifen dürfen, können diese Funktion zum Sammeln von persönlichen Daten und zum Analysieren von Kontaktverknüpfungen verwenden. Das heißt: über den Zugriff auf Kontakte sammeln Apps Daten von unbeteiligten Menschen, die selbst keine Messenger oder Social-Media-Apps installiert haben. Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Umgang mit persönlichen Daten auch Dritte, nämlich Ihre Kontakte, betrifft.

Weitere Berechtigungen

Folgende Berechtigungsarten sollten Sie außerdem sorgfältig prüfen:

·       den Standort, zum Beispiel zur Verwendung von Navigations-Apps

·       das Telefon, zum Beispiel um Kontakte anzurufen

·       die SMS, zum Beispiel zum Versand eines Codes für die Zwei-Faktor-Authentifizierung

·       den Kalender, zum Beispiel um Termineinladungen zu versenden

·       den Speicher, zum Beispiel um bereits erstellte Bilder und Videos zu bearbeiten

Eine ausführliche Liste über alle Berechtigungsarten von Android-Geräten bietet der AppChecker des Vereins iRights.

Was sollten Eltern beachten?

Erklären Sie Ihrem Kind, was App-Berechtigungen sind, wie es sie einstellen und überprüfen kann. Ermuntern Sie Ihr Kind, sparsam mit seinen Daten umzugehen und sie zu schützen. Machen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind schlau, bevor Sie eine App installieren:

  • Brauchen wir die App wirklich?
  • Wer ist der App-Anbieter?
  • Wie viele Downloads hat die App und wie sind die Nutzerkommentare?
  • Was steht in den Nutzungsbedingungen der App?
  • Wie ist die App in Sachen Datenschutz aufgestellt?
  • Welche Berechtigungen fordert die App ein?
  • Welchen davon müsste ich zustimmen, um die App für meine Zwecke nutzen zu können?
  • Sind alle Berechtigungen nachvollziehbar?

Haben Sie oder Ihr Kind eine Berechtigung erteilt, die Sie nicht nutzen oder kritisch sehen, können Sie die Freigabe jederzeit rückgängig machen. Im Artikel zu App-Berechtigungen finden Sie eine Anleitung zu den Einstellungen von Android- und Apple-Geräten.

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