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14.11.2025

Cybergrooming – wenn Fremde übers Netz Kontakt zu Kindern suchen

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3 Minuten Lesezeit
6-17 Jahre
Information
Kommunikation
Sicherheit
Social Media
Artikel
Photothek

Ganz klar, Sie kennen die Freund*innen Ihres Kindes aus der Schule oder dem Sportverein. Doch wie sieht es mit Bekannten aus, mit denen Ihr Kind nur über das Internet Kontakt hat? Ob beim Online-Gaming, in Video-Chats oder über Social Media – überall dort, wo Kinder und Jugendliche miteinander kommunizieren, können sie mit Personen in Kontakt kommen, die negative Absichten haben. Laut JIM-Studie 2025 machten fast ein Drittel der befragten 12-19-Jährigen Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Netz.

Was ist Cybergrooming?

Plattformen wie Instagram, TikTok oder Discord, auf denen Kinder und Jugendliche gern unterwegs sind, ziehen auch Nutzer*innen mit pädokriminellen Neigungen an. Das ist kriminelles Verhalten, das sich gegen Minderjährige richtet. Erwachsene sprechen Kinder mit dem Ziel an, sie sexuell zu belästigen oder sogar zu missbrauchen. Diese gezielte Ansprache im Netz wird Cybergrooming genannt.

Wie gehen Täter*innen vor?

Die Strategien sind vielfältig – sie zielen jedoch immer darauf ab, das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen zu gewinnen und Kontrolle über die Kommunikation zu erlangen.

  • Kontaktaufnahme: Häufig beginnt alles scheinbar harmlos. Täter*innen verwenden oft Fake-Profile und geben sich als Gleichaltrige aus. Oder sie locken mit dem Versprechen der „Berühmtheit“ und treten als vermeintliche Talentsucher*innen oder Modelagent*innen auf
  • Manipulation: Täter*innen liken und kommentieren die Inhalte von Kindern und Jugendlichen. Sie machen ihnen Komplimenten oder digitale „Geschenke“ wie Skins in Online-Games – mit dem Ziel, ihr Vertrauen zu erschleichen und sie zu manipulieren.
  • Private Informationen: Typischerweise wollen Täter*innen sehr viel über das Kind oder den Jugendlichen erfahren, geben selbst jedoch kaum Persönliches preis.
  • Sexuelle Übergriffe: Manche fragen gezielt nach sexuellen Erfahrungen oder berichten offen über ihre eigenen Vorlieben.

Was sind Warnsignale?

Ein deutliches Warnsignal ist, wenn die fremde Person den Chat in einen privaten Messenger wie WhatsApp oder Telegram verlagern möchte – denn dort kann niemand mitlesen. Dieser Chat soll unbedingt geheim bleiben. In solchen privaten Unterhaltungen wird gezielt Vertrauen aufgebaut, das später ausgenutzt werden kann. Oft folgt dann die Bitte um intime Fotos oder Videos. Diese können anschließend zur Erpressung verwendet werden. Täter*innen akzeptieren kein „Nein“: Weigern Kinder und Jugendliche sich, werden sie unter Druck gesetzt und ihnen wird z. B. mit Kontaktabbruch oder der Veröffentlichung von intimen Bildern gedroht. Über private Chats versuchen manche Täter*innen, ein persönliches Treffen zu vereinbaren.

In diesem Video des Kinderschutzbunds erfahren Sie mehr zu dem problematischen Phänomen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=BYEIHX0JH48&t=2s

Wie schütze ich mein Kind vor Cybergrooming?

  • Bei der Mediennutzung begleiten: Machen Sie die ersten Schritte auf Social Media gemeinsam mit Ihrem Kind. Ihr Kind lernt auf diese Weise die verschiedenen Funktionen und Verhaltensregeln kennen.
  • Offene Gespräche führen: Kommen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind zu seiner Mediennutzung in den Austausch. Wenn Ihr Kind weiß, dass es mit Ihnen offen sprechen kann, wendet es sich eher an Sie, wenn es auf Probleme im Netz stößt.
  • Auf Risiken hinweisen: Damit Ihr Kind früh über die Gefahren Bescheid weiß und sie rechtzeitig erkennen kann, sprechen Sie ganz offen und sachlich darüber. Zeigen Sie auf, wann ein Chat gefährlich wird und wie es sich verhalten kann.
  • Sicherheitsfunktionen nutzen: Wählen Sie altersgerechte Medien aus, richten Sie das Smartphone gemeinsam sicher ein und schützen Sie Ihr Kind durch Jugendschutzmaßnahmen vor problematischen Inhalten.
  • Privatsphäre im Blick haben: Private Informationen wie der volle Name, Geburtsdatum, Adresse oder gar private Bilder sollte Ihr Kind nie öffentlich stellen oder unbekannten Personen anvertrauen. Gehen Sie gemeinsam und regelmäßig mit Ihrem Kind die Privatsphäre-Einstellungen der genutzten Plattformen und Apps durch.
  • Gesundes Misstrauen fördern: Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, in dem man nie genau weiß, wer auf der anderen Seite sitzt. Ihr Kind sollte Kontaktanfragen von Fremden ablehnen, unbekannte Nutzer*innen blockieren oder melden. Ermutigen Sie Ihr Kind, auf sein Bauchgefühl zu hören und bei unangenehmen oder beängstigenden Nachrichten den Kontakt sofort abzubrechen. Bei Flirt-und Dating-Apps ist besondere Vorsicht geboten – hier fehlt oft eine gute Moderation. Wichtig: Die Ortungsfunktion sollte immer deaktiviert sein.
  • Bezugspersonen mit einbeziehen: Medienerziehung ist nicht nur Sache der Eltern. Vielleicht vertraut sich Ihr Kind gerne den Großeltern, Pat*innen, Verwandten oder guten Freund*innen der Familie an. Sprechen Sie auch mit anderen Familienmitgliedern über das Thema und beziehen Sie sie in die Medienerziehung ein.

Weitere Tipps, wie Sie Ihr Kind vor sexueller Gewalt in sozialen Netzwerken schützen, finden Sie hier.

Was tun, wenn mein Kind betroffen ist?

Kinder und Jugendliche sind besonders neugierig. Deshalb vergessen sie schon mal alle Warnungen und können in eine Falle tappen. Machen Sie Ihrem Kind unbedingt klar, dass auch in solchen Fällen die Schuld ausschließlich bei den Täter*innen liegt. Cybergrooming – auch der Versuch – ist in Deutschland strafbar. Sollte Ihr Kind sexuell belästigt werden, seien Sie für Ihr Kind da und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Melden Sie die Täter*innen auf der jeweiligen Plattform oder bei Meldestellen. Sichern Sie Beweise durch Screenshots von Chatverlauf und Profil und erstatten Sie unbedingt Anzeige bei der Polizei! Doch Vorsicht bei Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen. Diese zu besitzen, ist strafbar. Informationen zum Umgang mit Missbrauchsdarstellungen im Netz hat die Internet-Beschwerdestelle in diesem PDF zusammengefasst. Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie in diesem Artikel.

Hilfe, Beratung und Informationen finden Kinder und Jugendliche hier:

Für Eltern gibt es folgende Anlaufstellen:

Weitere digitale Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern finden Sie hier.

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