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19.05.2023

Digitale Beratungsangebote für Jugendliche und Eltern

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3 Minuten Lesezeit
11-17 Jahre
Information
Sicherheit
Social Media
Artikel
Copyright: Ute Grabowsky/photothek.net

Kinder und Jugendliche wenden sich mit ihren Problemen nicht immer an ihre Eltern. Probleme in der Schule, mit Gleichaltrigen oder sich selbst, werden lieber im Freundeskreis besprochen. Sie suchen nach Antworten, Gleichgesinnten im Internet oder behalten es für sich. Doch was ist, wenn die Probleme größer werden und die Betroffenen keinen Ausweg mehr finden? Wenn Sie als Eltern mitbekommen, dass es Ihrem Kind nicht gut geht? Nicht immer ist das Internet ein guter Ratgeber bei Problemen, aber es gibt durchaus sichere und hilfreiche digitale Beratungsangebote für Jugendliche und Eltern.

Was sind digitale Beratungsangebote?

Online-Beratungsangebote bieten Unterstützung bei Problemen und Sorgen wie z. B. Mobbing, Essstörungen oder Depressionen. Einige Angebote richten sich speziell an Kinder und Jugendliche. Betroffene können sich selbstständig Hilfe suchen und sich zu unterschiedlichen Themen anonym und kostenlos über eine Website oder telefonisch beraten lassen. 

Einzelberatung, Gruppenchats und Foren

Viele der Beratungsangebote im Netz bieten neben einer Einzelberatung die Möglichkeit, Probleme in einer Gruppe oder einem Forum zu besprechen. Für eine Einzelfallberatung schreiben Betroffene ihre Probleme direkt an psychologisch ausgebildete Beraterinnen und Berater. In einem solchen Austausch erhalten Jugendliche sofort Hilfe und Unterstützung. Je nach Problem und Bedarf kann dieser Austausch unterschiedlich lang ausfallen. Gruppenangebote finden meist in einem Rhythmus statt, z. B. wöchentlich. Eine regelmäßige Teilnahme ist oft hilfreich, aber nicht zwingend nötig. Manchmal finden sich in solchen Chats auch Gleichgesinnte, die auch außerhalb der Sitzungen füreinander da sind.   Innerhalb von Foren tauschen sich Betroffene mit Peers aus. Peers sind Gleichaltrige. Sie wurden geschult, um im Chat bei Problemen unterstützen zu können. Sie haben zudem immer die Möglichkeit, auf die Hilfe erwachsener Fachkräfte zurückzugreifen. Der Austausch in den Foren wird außerdem moderiert, um Beleidigungen, Trigger oder das Preisgeben von Daten zu vermeiden. 

Gute Beratungsangebote im Internet

Die Beratungs- und Hilfsangebote unterscheiden sich darin, welche Altersgruppe angesprochen wird, welche Themen im Mittelpunkt stehen und auf welchem Weg die Beratung in Anspruch genommen werden kann. Einige Angebote richten sich auch an hilfesuchende Eltern:

  • Die Telefonseelsorge berät Kinder, Jugendliche und Erwachseneonline oder per Telefon zu unterschiedlichen Problemen
  • Die Nummer gegen Kummer bietet, neben einer Jugendberatung, ein Elterntelefon. Dieses können Eltern bei Problemen wie z. B. Überforderung, Sorgen oder Erziehungsproblemen nutzen. 
  • Die ausgebildeten Berater und Beraterinnen der Jugendnotmail sind 365 Tage im Jahr für Jugendliche bis 19 Jahre anonym zu erreichen
  • Das Beratungsangebot jugend.bke-beratung unterstützt Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahre. Auf der Website können sie sich in Einzel- oder Gruppenchats über ihre Probleme und Sorgen austauschen – vom Liebeskummer und Ärger in der Schule bis hin zu größeren Problemen
  • Auf juuuport bekommen Kinder und Jugendliche Hilfe bei Problemen im Netz wie z. B. Cybermobbing oder Cybergrooming
  • Beratung4kids bietet unter anderem einen eigenen Bereich mit Foren für trans Personen, also solche, die mit ihrer Geschlechtsidentität hadern
  • Bei der Youth-Life-Line können sich Jugendliche bis 21 Jahren in akuten Krisen und bei Suizidgefährdung von Gleichaltrigen beraten lassen
  • Auf der Website von u25-deutschland gibt es neben Beratungsangebote, eine Infothek zu Themen wie Essstörung, Suizid, Depression
  • Das Angebot Kid Kit berät junge Menschen bis 18 Jahre bei Sucht, Gewalt oder psychischen Erkrankungen in der Familie. Nacoa berät alle Altersgruppen
  • Bei netz-und-boden.de gibt es Unterstützung für Kinder mit psychisch erkrankten Eltern
  • Auf da-sein.de unterstützen Peers Jugendliche, die sich in Trauer befinden oder selbst an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden
  • Peer-to-Peerberatung gibt es auch bei nethelp4u. Jugendliche beraten Jugendliche unter anderem bei selbstverletzendem Verhalten, Selbstmordgedanken, Drogenproblemen, Depressionen, Essproblemen. Der Hilfsangebot-Finder der Initiative Freunde fürs Leben hilft dabei, das passende Beratungsangebot zu finden. Dabei lässt sich filtern, ob die Beratung telefonisch, online oder vor Ort in Anspruch genommen werden möchte
  • Pausentaste ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, die sich um ihre Familien kümmern
  • In jeglichen Kristen bietet Krisenchat eine Chatberatung von Profis für alle unter 25 Jahren

Digitale Beratungsangebote haben Grenzen 

Hilfsangebote im Netz können einfach und kostenlos angenommen werden. Sie sind leichter zugänglich für junge Menschen als z. B. Beratungsstellen. Die beratenden Personen sind ausgebildet und die Betroffenen bleiben anonym. Eine Kontaktaufnahme kann ein erster und richtiger Schritt sein. Vor allem bei Problemen in der Schule, zu Hause oder mit sich selbst kann es helfen, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen oder den Rat einer objektiven Person zu erhalten. Ein Online-Beratungsangebot ersetzt aber keine Therapie! Bei Suizidgedanken oder psychischen Störungen sollte unbedingt der Rat einer weiteren therapeutischen Fachkraft gesucht werden und sich um eine fortlaufende Therapie bemüht werden. Auch bei rechtlichen oder medizinischen Fragen sollten andere Fachstellen aufgesucht werden.

Was sollten Eltern beachten

Erzählen Sie Ihrem Kind, dass es diese Angebote gibt. Erklären Sie, dass diese im Vergleich zu Gruppen in offenen Foren oder auf Social Media sicherer sind, da geschultes Personal dahintersteht. Vorsicht auch vor sogenannten Psycho-Apps. Diese sind nicht immer hilfreich und können sogar gefährlich werden. Zeigen Sie Ihrem Kind, welche Angebote es bei Problemen und Sorgen bedenkenlos in Anspruch nehmen kann. 

Machen Sie vor allem deutlich, dass es bei Problemen auf Ihre Hilfe zählen kann. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck und fragen Sie unvoreingenommen, wenn Sie das Gefühl haben, es hat Probleme. Ein Problem, das Ihnen klein erscheint, kann sich für Ihr Kind wesentlich schlimmer anfühlen. Sie können sich auch selbst oder gemeinsam online beraten lassen.

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