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Games, Games, Games

Die Gamescom, eine der wichtigsten Spielemessen der Welt, findet im Jahr 2020 erstmals nur digital statt. Vielleicht sind auch Sie und Ihr Kind dabei!? Computerspiele sind in vielen Familien Thema und häufig Anlass für Konflikte. Auf Elternguide.online gibt es jede Menge Beiträge, in denen Sie Anregungen für den Umgang mit Games in der Familie bekommen. Eine kleine Auswahl:

Eltern fragen – wir antworten: Worauf sollte ich achten, wenn mein Sohn Videospiele spielt?

Kinder und Jugendliche spielen gern – auch Computer- und Onlinegames. Was es dabei zu beachten gilt, erkärt Medienpädagoge Fabian Wörz im Video.

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„Nur noch diese eine Runde!“ – Games in der Familie

Hier finden Sie gesammelt Tipps für den Umgang mit Computerspielen in Ihrer Familie. Den Beitrag gibt es zum Lesen und als Audiodatei.

„Aber Mama, das Spiel ist überhaupt nicht schlimm!“ – Altersbeschränkungen bei Games

Welches Spiel ist für mein Kind geeignet? In diesem Beitrag erfahren Sie die Hintergründe von Altersbeschränkungen und worauf Sie bei der Auswahl von Spielen sonst noch achten sollten.

Wenn der Freundeskreis aus Avataren besteht – Kommunikation in Online-Games

Computerspiele sind eine sehr kommunikative Tätigkeit, weil sich Gamer häufig online zum Spielen treffen. Das birgt natürlich auch Risiken. Mehr dazu können Sie in diesem Beitrag nachlesen.

© photothek.net

Mein Kind will eine Spielkonsole – was nun?

Wenn nicht übers Handy oder den Computer gespielt wird, kommt eine Spielekonsole zum Einsatz. Die steht auf vielen Wunschzetteln ganz oben. Lesen Sie hier unseren Beitrag zu Spielekonsolen.

Mit Online-Gaming Fähigkeiten verbessern

Immer mehr Menschen wird bewusst, dass Computerspiele viele positive Wirkungen haben. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Beiträgen zum Thema. Auf unserer Seite finden Sie außerdem Beschreibungen der bei Kindern und Jugendlichen beliebtesten Computer- und Handyspiele, wie z. B. Minecraft, Brawl Stars und Fortnite, Erklärungen von Spieleplattformen wie Twitch und Steam, Artikel zu Gefahren wie Gewalt in Games, Extremistische Ansprachen über Spieleforen oder Computerspielsucht und vieles mehr.

Counter-Strike – der bekannteste Ego-Shooter

Counter-Strike ist ein strategisches Ego-Shooter-Spiel, bei dem Teams als Anti-Terror-Einheit oder Terroristen gegeneinander antreten. Als Multiplayer-Spiel ist es seit rund 20 Jahren auf der ganzen Welt beliebt – auch schon bei jungen Gamern.

Kurz gefasst:

  • Online-Spiel über PC, allein oder in Gruppen
  • ab 16 Jahren freigegeben (USK)
  • beinhaltet die Darstellung von Gewalt und realistischen Waffen
  • aktuelle Version Counter-Strike: Global Offensive gibt es kostenlos – allerdings mit In-Game-Käufen 

Was ist Counter-Strike?

Alle Versionen des Spiels funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Zwei Teams treten gegeneinander an und versuchen entweder die gegnerischen Teammitglieder mit ihren Waffen auszuschalten oder das jeweilige Ziel zu erfüllen. Dabei müssen Anti-Terror-Einheiten meist Geiseln retten und Terroristen Bomben zünden. Aktuell wird die Version CS: Global Offensive (CS:GO) gespielt.

Counter-Strike ist ein Egoshooter, wie z. B. auch Call of Duty. Das bedeutet, dass Spielende die Spielwelt aus der Ich-Perspektive sehen. Dabei ist meistens nur die eigene Waffe zu sehen, mit der man auf gegnerische Spielende zielt. 

Das Spiel wirkt auf den ersten Blick so, als ginge es nur um Gewalt. Dabei stehen Strategie und Taktik im Vordergrund. Spielende müssen sich mit Team-Mitgliedern ständig austauschen und durchdachte Pläne schmieden, um zu gewinnen. Die Gamer finden sich in Gemeinschaften, sogenannten Clans, weltweit zusammen und treten in Wettkämpfen gegeneinander an. 

Was fasziniert Jugendliche daran?

Counter-Strike erinnert an “Räuber und Gendarm”. Die Spielenden schlüpfen in verschiedene Rollen und müssen sich gegen andere beweisen. Das finden besonders Jugendliche reizvoll. Zum Wettkampf-Aspekt kommt die Möglichkeit der Gemeinschaftsbildung dazu. Sie kommen in Clans zusammen, trainieren gemeinsam und treten in professionellen Wettkämpfen gegen andere an. Es geht in der Regel darum, durch besondere Leistungen Anerkennung von anderen zu bekommen. Jugendliche wollen ihre Fähigkeiten austesten und miteinander vergleichen. Dabei spielen Altersbeschränkungen oder Verbote eher selten eine Rolle oder können ein Spiel sogar besonders attraktiv machen.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Auch wenn das Erschießen in Counter-Strike vergleichsweise wenig realistisch dargestellt wird, wirken Umgebungen, Spielende und Waffen sehr echt. Solche Gewaltdarstellungen können negative Folgen insbesondere für jüngere Spielende haben. Wenn sie diese noch nicht richtig einschätzen und verarbeiten können, können sie ihnen Angst machen. Deswegen ist es wichtig die Altersbeschränkung (USK: 16) ernst zu nehmen.

Während des Spielens wird oft über ein Headset oder im Chat miteinander kommuniziert. Dabei ist die Sprache oft sehr rau und beleidigend. Auch in Online-Foren, in denen sich Spielende außerhalb von Counter-Strike austauschen, gibt es oft Kommunikation, die nicht für Kinder und Jugendliche geeignet ist.

Dazu kommt der Drang, immer besser zu werden. Gerade der Einstieg ist bei Counter-Strike schwierig und kann schnell zu Frustration führen. Im schlimmsten Fall kann es zu Computerspielsucht kommen. Im Zusammenhang mit dem Wettbewerbscharakter spielen auch In-Game-Käufe eine Rolle. So können etwa Waffen dazu gekauft werden.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter stellt klar, dass das Spiel extreme Gewalt und Blut enthält. Obwohl das Spiel insgesamt realistisch wirkt, wurde darauf geachtet, dass zumindest das Erschießen klar von der Realität abgegrenzt wurde. So lösen sich besiegte Gegner beispielsweise in Luft auf.

Was sollten Eltern beachten?

Jugendliche, die ein solches Spiel, das nicht für ihr Alter geeignet ist, unbedingt spielen wollen, finden meistens trotzdem einen Weg. Achten Sie als Eltern dennoch auf das USK-Alterskennzeichen und erklären Sie Ihrem Kind, warum dies zum Schutz von Kindern und Jugendlichen wichtig ist. Gleichzeitig ist es hilfreich, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Gerade wenn das Spiel im Freundeskreis beliebt ist, kann dies dazu beitragen, dass verantwortungsvoll miteinander gespielt wird und gemeinsame Regeln für alle gelten.

Sollte Ihr Kind Counter-Strike spielen, weil es bereits 16 Jahre alt ist oder Sie es für reif genug halten, sollten Sie unbedingt mit ihm über seine Spielerfahrung sprechen. So kann Ihr Sohn oder Ihre Tochter das im Spiel Erlebte reflektieren und besser verarbeiten. Dabei ist auch die Kommunikation mit anderen Mitspielenden entscheidend. Fragen Sie Ihr Kind, über was im Chat gesprochen wird und wie es das findet.

Egoshooter und Gewalt

Bei der Frage, ob Mediennutzung gewalttätig machen kann, wird oft über Computerspiele diskutiert, vor allem über die sogenannten Egoshooter. Eltern, Lehrkräfte und auch einige Wissenschaftler befürchten eine direkte und negative Wirkung auf Kinder und Jugendliche. Die größte Sorge: Die Inhalte könnten zu echten Gewalttaten inspirieren. Nachgewiesen werden konnte das bisher nicht. Ein Spiel allein macht nicht aggressiv oder gewalttätig.

Gewalthaltige Computerspiele aus der Ich-Perspektive

In Spielen, in denen es darum geht, andere Spielfiguren mit Gewalt auszuschalten, schauen Gamer aus der Perspektive ihrer Spielfigur auf die Spielwelt. Bei diesen Ego-Shootern sieht es also so aus, als würde man selbst mit einer Waffe durch eine 3D-Welt laufen und schießen. Berühmte Shooter sind Counter-Strike, Battlefield, Call of Duty oder Fortnite. Dieses Spielgenre ist enorm erfolgreich und aus der Szene nicht mehr weg zu denken. Fortnite gilt als besonders heikel, weil sich hier Elemente aus Ego-Shootern mit kindlichen und freundlichen Grafiken mischen und es deshalb schon junge Gamer anspricht.

Jugendliche sollen vor negativen Einflüssen geschützt werden

Man geht davon aus, dass gewalthaltige Spiele eine negative Wirkung auf Kinder und Jugendliche haben können. Deshalb prüft die USK als Teil des Jugendmedienschutzes alle Spiele legt und Altersgrenzen fest. Je älter ein Kind ist, desto besser kann es zwischen Spiel und Realität unterscheiden. 

Beim Thema Gewaltdarstellung prüft die USK unter anderem, ob das Spiel düster und bedrohlich oder eher hell und positiv wirkt, ob die Spielfiguren wie Menschen aussehen und man rotes Blut sieht, ob sich die Gamer mit der Figur identifizieren können und ob kriegerische Handlungen verherrlicht oder auch kritisiert werden. Je nachdem, wie viele Kriterien zusammenkommen, wird entschieden, ab welchem Alter Kindern und Jugendlichen das Spiel zugänglich gemacht werden darf. Allerdings sind Spiele mit einer höheren Alterseinstufung teilweise besonders reizvoll für Jugendliche, weil sie ihre Grenzen austesten möchten.

Computerspiele allein machen nicht gewalttätig

Computerspiele können, wie andere Medien auch, in Extremfällen negative Auswirkungen haben, wenn sie z. B. zu viel genutzt werden und es keinen Ausgleich zur Mediennutzung gibt. 

Die Kommunikation in Gamer-Foren und Chats ist teilweise ziemlich hart und gemein und kann Ihr Kind ängstigen. Das heißt aber nicht, dass das bei Ihrem Kind dazu kommen muss. Denn solche Wirkungen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, weil sich jeder Mensch anders in bestimmten Situationen verhält. Kinder und Jugendliche, die auch sonst zu Gewalt neigen, oft allein sind und keine anderen Interessen haben, sind gefährdeter als andere. Niemand wird wegen eines Spiels mit Gewaltinhalten aggressiv oder gewalttätig.

Was Eltern beachten sollten

Die Jugendfreigabe sollte eingehalten werden. Je älter Ihr Kind ist und je weniger Einblick Sie in seine Mediennutzung haben, desto schwieriger ist das für Sie. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Kind im Gespräch bleiben. Fragen Sie nach, was faszinierend daran ist, und hinterfragen Sie Gewaltdarstellungen. Vielleicht erklärt Ihnen Ihr Kind, dass es in dem Spiel auch um Geschicklichkeit, sportliche Ziele, Rätsel oder gemeinsames Lösen von Problemen geht. Meistens geht es nicht nur um Gewalt allein, sonst würde es auch schnell langweilig werden. Lassen Sie sich das Spiel erzählen oder zeigen. Auch Sie sollten Ihrem Kind erklären, warum Sie darauf bestehen, dass es nur altersgemäße Spiele spielen darf.

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus, wenn Ihr Kind vorgibt, dass die anderen ein Spiel trotz Altersbeschränkung schon spielen dürfen. Vielleicht können Sie gemeinsam Regeln vereinbaren, die auch für den besten Freund gelten.

Mehr Informationen gibt es beim Elternratgeber der USK.

Brett- und Gesellschaftsspiele online

Spielen mit Freunden oder der Familie macht Spaß. Online-Spiele sind gerade in Zeiten von Corona eine schöne Möglichkeit, gemeinsam etwas mit Freunden und anderen Familienmitgliedern zu unternehmen, ohne sich treffen zu müssen. Hier eine kleine Orientierung für Eltern und Großeltern, um sich in der Welt der Online-Spiele zurechtzufinden.

Kurz gefasst:

  • viele Online-Spiele sind kostenlos
  • über einen Einladungslink lassen sich andere Personen zum Spiel hinzufügen
  • teilweise Registrierung über E-Mail Adresse oder Herunterladen einer App notwendig
  • Risiken auf kostenlosen Online-Spieleseiten: nicht altersgerechte Werbung, Kontaktaufnahme durch Fremde möglich

Der Austausch mit Freunden und Familienmitgliedern ist für Kinder sehr wichtig. Nebenbei können Spiele das Allgemeinwissen verbessern, das strategische Denken, die Teamfähigkeit und die Kreativität fördern oder ganz einfach nur Spaß machen! Viele Online-Spiele sind kostenlos und sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Computer über den Browser spielbar.

Beliebte Online-Gesellschaftsspiele

Pen-and-Paper-Spiele: Eine Videoverbindung über Computer oder Smartphone als technische Voraussetzung für einen gemeinsamen Spieleabend reicht aus: Jeder Mitspieler nimmt sich Block und Stift und es können gemeinsam wie gewohnt sogenannte Pen-and-Paper-Spiele gespielt werden. Darunter zählen Spiele, für die man nur wenig Material braucht wie Stadt-Land-Fluss oder Schiffe versenken. Alternativ kann man sie auch bei stadtlandflussonline.net oder battleship-game.org spielen.

Spiele-Apps: Von Uno über Monopoly – viele bekannte Karten- und Brettspiele sind heutzutage auch als App im PlayStore oder AppStore für ein paar Euro zu erwerben. Die Wissensspiel-App Quizduell, bei der man gegen die eigenen Freunde antreten kann, erfreut sich seit einigen Jahren an großer Beliebtheit. Je nach App können Werbeclips den Spielprozess wenig bis erheblich unterbrechen. Probieren Sie eine App am besten vor dem geplanten Online-Spieleabend aus.

Brett- und Kartenspiele: Verschiedene Klassiker wie Dame, Backgammon und Memory bietet die englische Seite Playingcards.io kostenlos an. Ganz ohne Anmeldung ist es hier möglich, Mitspieler über einen Link einzuladen. Auf schach-spielen.eu kann man entweder gegen den Computer oder über einen Einladungs-Link mit einem Freund oder einer Freundin spielen. Brettspiele zum Ausdrucken gibt es auf Print & Play von Asmodee.

Zeichnen und Raten: Auf skribbl.io zeichnet eine Person auf dem Bildschirm ein Wort, das die Mitspieler live verfolgen und so schnell wie möglich erraten müssen. Beim Einrichten des Spiels die Sprache auf Deutsch (German) stellen, Freunde per Link einladen und los geht’s!

Strategiespiele wie Siedler von Catan oder Risiko gibt es ebenfalls als Gratis-App und lassen sich mit allen Freunden spielen, die sich mit ihrer E-Mail-Adresse registriert haben. Erweiterungen und Premium-Version müssen jedoch bezahlt werden. Die kostenlose Basis-Version von Siedler von Catan lässt sich auch über den Web-Browser auf catanuniverse.com spielen.

Risiken auf Spieleseiten

Besonders bei kostenlosen Online-Spielen kann es schnell zum Kontakt mit fremden Spielerinnen und Spielern kommen. Cybergrooming ist eine mögliche Gefahr. Eltern sollten daher vor allem jüngere Kinder bei ihren ersten Erfahrungen mit Online-Spielen begleiten. Dabei können Eltern gleichzeitig auf versteckte Kosten, z. B. durch In-App Käufe achten,Informationen zum Datenschutz und zum Betreiber der Seite checken und wenn möglich entsprechende Sicherheitseinstellungen vornehmen.

Auf vielen Spieleseiten ist mit Werbung und Pop-Up-Fenstern von externen Seiten zu rechnen, die mit dem Spiel nichts zu tun haben. Dies könnenauch Werbung für nicht altersgerechte Spiele oder Websites mit nicht kinderfreundlichen Inhalten sein. Auf dem an Kinder gerichtete Portal Spielaffe.de gibt es diese Gefahr zwar weniger, allerdings kann der große Anteil an Werbung für andere Spiele auch hier als sehr störend empfunden werden. Fragwürdig ist die Unterteilung in Kategorien wie z. B. ‘Mädchen-Spiele’, in der Spiele zum Thema Frisuren, Dekoration und Backen gelistet werden. Solche Geschlechterbilder in Medien können sich problematisch auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Eine Auswahl an kindgerechten Online-Spielen gibt es auch bei Seitenstark.

Die Tricks von Social Media, um Aufmerksamkeit zu gewinnen

Fragen Sie sich manchmal, warum Ihr Kind sein Smartphone einfach nicht zur Seite legt, obwohl Sie es bereits dreimal darum gebeten haben? Vielleicht haben Sie sich sogar selbst schon dabei erwischt, dass Sie nur kurz etwas nachschauen wollten und zehn Minuten später das Handy immer noch in der Hand haben.

Das liegt zum einen an uns selbst: Social-Media-Angebote sind vielfältig und deswegen spannend für Jung und Alt. Zum anderen möchten die Unternehmen, die hinter den Angeboten stehen, dass wir Zeit mit diesen verbringen. Nur wenn viele Menschen deren Angebote intensiv nutzen, rentiert sich das Ganze für sie. Entsprechend spannend ist es einen genauen Blick auf die Mechanismen von Social Media zu werfen.

Unternehmen wollen uns bei der Stange halten

Eine Strategie, Geld zu verdienen, ist es, personalisierte Werbung zu schalten. Je länger wir ein Angebot nutzen, desto mehr Daten kann die App über unsere Nutzungsgewohnheiten und Interessen sammeln. Deshalb sind Apps und Social-Media-Angebote so programmiert, dass wir sie gerne und viel nutzen.

Manchen Menschen fällt es besonders schwer, das Smartphone auch mal zur Seite zu legen. Einige psychologische Tricks können diesen Effekt sogar noch verstärken. Dazu gehören blinkende Lichter und Soundeffekte, die Signalfarbe Rot, das endlose Scrollen, die Swipe-Funktion und einiges mehr.

Apps und Social-Media-Angebote sind Gute-Laune-Macher

Um negative Gefühle oder Langeweile zu vertreiben, lenken wir uns ab. Süßigkeiten sind z. B. beliebte Gute-Laune-Macher. Durch sie werden im Körper Hormone wie Endorphine ausgeschüttet, die uns positiv stimmen. Auch ein Like auf das neueste Selfie macht glücklich.

Gerade für Jugendliche ist das Wissen dazuzugehören und gemocht zu werden wichtig. Sie sind noch dabei, herauszufinden, wer sie sind. Deswegen steht die Rückmeldung von Gleichaltrigen und Vorbildern an oberster Stelle. Positive Rückmeldungen zu einem Foto oder einem Posting machen also glücklich.

Scrollen und Swipen in bestimmten Apps macht außerdem Spaß oder kann spannend sein. Spielerische Elemente können also auch positive Gefühle auslösen, weshalb man das Smartphone immer wieder in die Hand nimmt. Außerdem sind die aktuellen Postings bei TikTok, Instagram, Snapchat & Co. unterhaltsam. Gerade wenn es Menschen nicht so gut geht, sind Apps und Social Media ein beliebter Weg, sich abzulenken und besser zu fühlen. Die Ursache des unangenehmen Gefühls lösen diese Angebote aber nicht.

Aber auch negative Gefühle wie Stress können mit der Mediennutzung verbunden sein. Junge Menschen haben regelrecht Angst, etwas zu verpassen, weil sie z. B. eine Weile ihre Nachrichten nicht gecheckt haben.

Machen uns Medien abhängig?

Von positiven Gefühlen kann man nicht genug bekommen. Das kann dazu führen, dass manche Menschen das Smartphone ständig in der Hand haben und andere Dinge vernachlässigen. Social-Media-Angebote werden wiederum so entwickelt, dass wir sie gerne und viel nutzen. Das kann im Zusammenspiel zu einem „zu viel“ führen. Zur Sucht gehört aber mehr als eine exzessive Nutzung. Von Sucht spricht man erst, wenn das Verhalten über einen langen Zeitraum (etwa ein Jahr) anhält, die betroffene Person keine Strategien hat, um etwas daran zu ändern und alles andere vernachlässigt.

Wenn Sie oder Ihr Kind also viel Zeit mit dem Smartphone verbringen, sollten Sie wissen, dass Social Media und Apps ein bestimmtes Verhalten unterstützen können. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und überlegen Sie gemeinsam Regeln und Strategien für den Umgang mit Medien und für medienfreie Zeiten.

Hier kommen ein paar Tipps :

  • Vereinbaren Sie, dass Sie innerhalb von Messenger-Chats nicht sofort auf eine Nachricht reagieren müssen. Dabei kann auch helfen, die Lesebestätigung und Benachrichtigungstöne zu deaktivieren. So nehmen Sie sich und Ihrem Kind den Druck, immer umgehend zu antworten.
  • Machen Sie sich und Ihrem Kind bewusst, mit welchen Tricks Unternehmen unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie in dem Angebot tun wollen. Legen Sie das Handy zur Seite, wenn Sie sich durch alle Neuigkeiten gescrollt haben.
  • Nutzen Sie Einstellungsmöglichkeiten innerhalb der App, z. B. Zeitbeschränkungen oder das Ausstellen von Push-Mitteilungen, um die Zeit, die Sie mit einem Dienst oder dem Handy verbringen, besser kontrollieren zu können.

Beliebte Spiele: Call of Duty

Call of Duty ist eines der weltweit erfolgreichsten Ego-Shooter-Spiele, das es auch als kostenlose Mobilversion für das Handy gibt. In rasanter Geschwindigkeit kämpft man darin als Soldat gegen andere oder in einem virtuellen Krieg gegen Aliens. Ziel ist es, die Feinde durch Waffengewalt zu vernichten, also zu erschießen (engl. = shoot).

Kurz gefasst:

  • kostenlose Spiele-App für Android und iOS
  • kostenpflichtiges Spiel für Computer und Konsolen – in verschiedenen Versionen
  • Altersbeschränkung: ab 18 Jahren/keine Jugendfreigabe
  • Einzel- oder Mehrspielermodus möglich
  • für Minderjährige problematisch ist die starke Darstellung von Krieg und Gewalt

Worum geht es in Call of Duty?

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Soldaten und  befindet sich an unterschiedlichen, historischen oder ausgedachten Kriegsschauplätzen. Dort liefert er sich ständige Schusswechsel mit Gegnern, von denen möglichst viele getötet werden müssen. Im Mehrspieler-Modus wird im Netzwerk gegen und mit anderen Menschen gespielt.
Seit 2003 gibt es fast jedes Jahr einen neuen Teil der Spielereihe. Es gibt mit der Zeit immer mehr Funktionen oder andere Welten. Die Spiele bauen allerdings nicht aufeinander auf. Zu den beliebtesten Games der Reihe zählen “Black Ops”, “Ghosts” und “Modern Warfare”.

Was fasziniert Jugendliche daran?

Die Faszination – egal ob jugendlicher oder erwachsener Gamer – ist vergleichbar mit dem Anschauen eines Actionfilms, nur dass die Spielenden selbst in die Rolle eines Soldaten schlüpfen und gegen andere kämpfen. Dabei wirkt das Spiel sehr realitätsnah und gleichzeitig ist es eine Simulation. Diese Art zu kämpfen ist für die meisten Gamer in der Realität nicht vorstellbar.

Besonders spannend sind die Herausforderungen im Kampf gegen andere.

Auf Jugendliche – besonders auf Jungen – üben Spiele, die noch nicht für ihr Alter gedacht sind, einen besonderen Reiz aus. Sie wollen sich austesten und ausprobieren oder sich gegenüber Gleichaltrigen beweisen, indem sie solche Spiele spielen oder vorgeben, das zu tun. Nicht immer entspricht das der Wahrheit!

Was ist problematisch an dem Spiel?

Waffengewalt, Giftgas- und Drohnenangriffe, deutlich sichtbares Töten und Blutbäder sind Teil des Spiels. Aufgrund seiner gewalthaltigen Handlung und Atmosphäre ist das Spiel nicht für Kinder und Jugendliche geeignet. Gespielt wird es trotzdem auch von unter 18-Jährigen. Immer wieder werden die Auswirkungen von Computerspielen wie Call of Duty diskutiert. Problematisch ist die Ego-Shooter-Perspektive, wodurch die Ereignisse aus der Sicht der Spielfigur gezeigt werden. Ob dies zu einem höheren Maß an Aggressionen aufgrund einer stärkeren Identifikation mit der Figur auslöst, konnte wissenschaftlich bisher nicht bestätigt werden.

Die Opferperspektive oder die Folgen für die Gesellschaft eines Krieges werden im Spiel an keiner Stelle thematisiert. Es handelt sich dennoch um keine realistische Kriegssimulation.

Was meint der Anbieter?

Das Spiel richtet sich an Erwachsene ab 18 Jahren. Herausgeber ist Activision, einer der weltweit größten Spielehersteller mit Hauptsitz in den USA. Laut seinen Nutzungsbedingungen können Erziehungsberechtigte einem Activision-Konto zustimmen, wenn ihr Kind über 13 Jahre und unter 18 Jahre alt ist. Dabei findet die in Deutschland geltende Alterseinordnung der USK allerdings keine Berücksichtigung.

Was sollten Eltern beachten?

Als Eltern können Sie zwar entscheiden, ob Sie Ihr Kind Spiele spielen lassen, die für ihr Alter laut USK nicht angemessen sind. Sie können am ehesten einschätzen, ob es virtuelle Gewalt von realer Gewalt unterscheiden kann und ob die Kriegsdarstellungen beängstigend auf Ihr Kind wirken können. Dennoch sollten Sie bedenken, dass die Alterseinschränkungen nicht ohne Grund erfolgen. Ein Spiel, das für Minderjährige nicht geeignet ist, sollte nicht von deutlich jüngeren Kindern gespielt werden. Auf Seiten wie spielbar.de oder NRW-Spieleratgeber können Sie auch pädagogische Beurteilungen zu unterschiedlichen Spielen auf deutsch lesen.
Bleiben Sie immer im Gespräch mit Ihrem Kind, so dass Sie wissen, was es spielt und wie es mit Spielen umgeht. Fragen Sie auch nach, was sich Ihr Kind auf YouTube anschaut. Möglicherweise sind Videos über Computerspiele – sogenannte Let’s Plays – dabei, die keine USK-Jugendfreigabe haben.

Nicht immer stimmt es, wenn Kinder von Freunden erzählen, denen es angeblich erlaubt ist, Ego-Shooter wie Call of Duty zu spielen. Tauschen Sie sich dazu mit anderen Eltern aus. Sie müssen für sich und Ihre Familie entscheiden, was das Beste für sie ist.

Sie können Call of Duty übrigens auch über die Familienfreigabe-Funktion oder direkt in den Einstellungen auf dem Smartphones Ihres Kindes sperren, z. B. über die Bildschirmzeit auf Apple-Geräten.

Beliebte Spiele-Apps: Coin Master

Niedliche Tiere und eine bunte Abenteuerwelt machen das Spiel für Kinder interessant, allerdings kommt es auch als virtueller Glückspielautomat daher und ist deshalb nicht für Kinder geeignet.

Kurz gefasst:

  • Spiele-App, in der man Dörfer bauen und diese gegen andere verteidigen muss
  • kostenlos für Android und iOS, aber enthält In-App-Käufe
  • Altersfreigabe nach USK: ab 16 Jahre
  • birgt die Gefahr, Kinder an Glücksspiel heranzuführen

Was ist Coin Master?

In diesem interaktiven Spiel werden für virtuelles Spielgeld (Coins) eigene Dörfer aufgebaut, andere Dörfer geplündert und erobert. Außerdem geht es darum, einen Coin Master, also den Meister der Münzen, anzugreifen und selbst zum Coin Master zu werden. Coins kann man durch die Betätigung eines virtuellen Glücksrads sammeln. Das Glücksrad kann aber nur einige Male pro Stunde gedreht werden. Über In-App-Käufe kann man mehr Coins kaufen. Generell erscheinen in der App ständig Fenster mit Angeboten zum Kauf von Spielelementen. Je weiter man kommt, desto schwieriger wird es ohne In-App-Käufe ins nächste Level aufzusteigen.

Man kann die App mit dem eigenen Facebook-Konto und seinen Facebook-Kontakten verknüpfen, um mit bzw. gegen die eigenen Freunde zu spielen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Coin Master?

Die Spiele-App ist bei Kindern und Jugendlichen vor allem bekannt, weil einige der bekanntesten Youtuber Deutschlands Werbung dafür gemacht haben. Das Spielprinzip, sein Dorf gegen Freunde zu schützen und selbst fremde Dörfer zu erobern, stellt einen großen Spielanreiz dar. Obwohl die Altersempfehlung laut USK bei über 16 Jahren liegt, ist die bunte Welt mit niedlichen Tieren und bunten Grafiken für Jüngere sehr ansprechend. Kinder spielen gerne und das Drehen an einem Glücksrad fasziniert Kinder besonders.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Gerade Jüngere, für die das Spiel nicht geeignet ist, lassen sich schneller von der Werbung beeinflussen und sich zu In-App-Käufen verleiten. Obwohl alle Funktionen des Spiels nur durch die Betätigung eines virtuellen Spielautomaten zu erreichen sind, deklariert der Anbieter die App nicht als Glücksspiel. Er wird deshalb dafür kritisiert, Kinder an Glücksspiel heranzuführen, ohne dies offensichtlich zu machen. Die Verleitung zu In-App-Käufen ist groß, da ständig Fenster mit Angeboten auf dem Bildschirm erscheinen.

Der Zugang zu Glücksspiel ist laut Jugendschutzgesetz erst ab 18 Jahren erlaubt, da damit eine Suchtgefahr verbunden ist. Weil bei Coin Master kein echtes Geld gewonnen werden kann, fallen Onlinespiele dieser Art derzeit nicht in die Zuständigkeit des Jugendschutzgesetzes. Trotzdem kann es nicht nur Minderjährige an Glücksspiel heranführen. Nachdem die App in die Kritik geraten ist, hat Apple die Altersfreigabe in seinem App Store auf 17+ geändert und mit dem Hinweis “Stark ausgeprägt: simuliertes Glücksspiel” versehen.

Problematisch ist auch der Datenschutz in der App. Man kann seinen Spiel-Account und die damit verbundenen personenbezogenen Daten beim Anbieter nicht ohne weiteres löschen. Man muss erst den Anbieter direkt kontaktieren.

Was sagt der Anbieter?

Der Anbieter Moon Active weist in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hin, ist das Spiel nicht für Personen unter 16 Jahren erhältlich ist. Allerdings gibt es keine Altersprüfung. Der Anbieter steht dafür in der Kritik von Glücksspiel-Betreibern finanziert zu werden und somit Minderjährige heranführen zu wollen.

Was sollten Eltern beachten?

Es handelt sich bei der App um simuliertes Glücksspiel, dass für Minderjährige ungeeignet ist. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es darum geht, echtes Geld zu bezahlen, ohne dafür echtes Geld gewinnen zu können.

Seien Sie sich bewusst, dass eine Altersbeschränkung im App Store bzw. im Google Play Store den Zugang für jüngere Kinder nicht verhindert. Mit einem Klick kann das Spiel ohne Altersprüfung frei heruntergeladen werden. Das lässt sich nur auf dem Smartphone selbst bzw. über entsprechende Kindersicherungseinstellungen verhindern. Achten Sie gerade bei jüngeren Kindern darauf, die Möglichkeit von In-App-Käufen für dieses Spiel auf dem Smartphone zu deaktivieren.

Minecraft wird “real” – Die AR-Spieleapp Minecraft Earth

Eines der beliebtesten Spiele bei Kindern und Jugendlichen, Minecraft, gibt es in einer neuen Variante – als Augmented-Reality-Game. Damit lassen sich Welten nicht mehr nur in einer virtuellen Umgebung sondern scheinbar im eigenen Kinderzimmer oder vor der Haustür erschaffen.

Kurz gefasst:

  • kostenlose Spiele-App
  • basiert auf dem Strategiespiel Minecraft
  • spielbar für Geräte ab iOS 10 und Android 8 (bisher noch als Vorabversion)
  • laut USK ab 6 Jahren geeignet (Google Play Store); empfohlen ab 9 Jahren
  • enthält In-App-Käufe

Was ist Minecraft Earth?

“Minecraft – Bau deine Welt” – das Motto des Herstellers von Minecraft gilt auch bei dieser Spielvariante. Mit Minecraft Earth kann man virtuelle Welten in der echten Welt bauen. Die AR-Technik (Augmented Reality) macht das möglich. Man richtet die Kamera des Handys auf seine Umgebung und auf dem Display werden vor dem echten Hintergrund virtuelle Objekte, in diesem Fall die typischen Minecraft-Blöcke und -Bauteile, eingeblendet. Man kann gemeinsam (mit bis zu 39 Mitspielern) oder alleine Welten erschaffen. Ähnlich wie bei Pokémon Go kann man auf Spaziergängen verschiedene Blöcke oder Kreaturen sammeln.

Im Gegensatz zum “normalen” Minecraft sind die Funktionen etwas eingeschränkt. Features wie Herausforderungen und Kämpfe gibt es noch nicht, sind aber angekündigt.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

An diesem neuen Spiel wird Kinder wahrscheinlich begeistern, dass sie selbst erbaute Welten in ihrer realen Umgebung erleben und betrachten können. Dabei können Bauwerke überlebensgroß werden. Auch die Welten anderer lassen sich erkunden. Spaziergänge mit der Familie werden spannender, wenn man unterwegs auf Gegenstände aus Minecraft trifft.

Was ist problematisch an dem Spiel?

Das Augmented Reality-Prinzip birgt Risiken, da sich die Spieler während des Spiels in der realen Welt bewegen (müssen). Der Blick ist jedoch eher auf das Handydisplay gerichtet. Beim Spielen sollte man immer besonders darauf achten, auch die echte Umgebung aufmerksam im Blick zu haben, sodass man sich nicht in gefährliche Situationen begibt oder andere in Gefahr bringt. Besonders in der Nähe von Straßen, Gewässern und in der Dunkelheit sollte man das Spielen vermeiden.

Einige Figuren im Spiel können insbesondere für jüngere Kinder beängstigend sein, z. B. “Creeper”, aggressive grüne Monster, die sich anschleichen und explodieren, um umstehende Wesen zu verletzen und vernichten und die Landschaften zerstören.

Problematisch ist auch das Geschäftsmodell hinter Minecraft Earth. Im Vergleich zum kostenpflichtigen Minecraft kommt man mit der kostenlosen App schnell an Grenzen und kann ohne Geldeinsatz nicht unbegrenzt bauen. Das kann besonders Kinder und Jugendliche dazu verleiten, Geld auszugeben.

Was meint der Anbieter?

Auf der offiziellen Webseite des Anbieters wird auf der Startseite mit einem “Sicherheit zuerst!”-Video in englischer Sprache auf die Risiken der AR-Technik hingewiesen. Zum Schutz der Spieler weist der Anbieter darauf hin, niemals die reale Umgebung aus den Augen zu verlieren. Außerdem finden sich auf der Webseite in englischer Sprache die “Community Standards”, in denen u. a. ein freundliches und respektvolles Miteinander beim Spielen gefordert wird.

Was sollten Eltern beachten?

Minecraft Earth gibt es zur Zeit als Vorab-Variante (Early Access) und befindet sich noch im Entwicklungsmodus. Deshalb kann sie beim Spielen gelegentlich abstürzen. Achten Sie darauf, die App nur vom Originalanbieter Mojave herunterzuladen, um sich keine Viren und Maleware einzufangen.

Vor dem ersten Spielen sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die ersten Schritte entdecken. Dies gilt insbesondere bei jüngeren Kindern. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die erwähnten Risiken durch die AR-Technik. Da man beim Spielen oft an unbekannte Orte gelangt, sollte Ihr Kind stets mit Freunden und nicht bei Dunkelheit losziehen.

Minecraft hat kein klassisches Ende. Das verleitet dazu, endlos weiterspielen zu wollen. Legen Sie daher gemeinsam feste Spielzeiten fest. Regeln Sie außerdem den Umgang mit In-App-Käufen. Hier können Sie Beschränkungen mit Hilfe der Familienfreigabe von Apple oder der Familienmediathek bei Google festlegen.

Beliebte Spiele: “Die Sims” – Das Leben anderer gestalten

Die Sims gehören schon lange zu einem der beliebtesten Computerspiele. Die Reihe begeistert seit etwa 20 Jahren Gamer weltweit – auch Kinder und Jugendliche.

Kurz gefasst:

  • Simulationsspiel für Computer und Konsole
  • Altersempfehlung laut USK: Sims 4 ab 6 Jahren und Sims Mobile ab 12 Jahren
  • PC-Spiel kostenpflichtig, aber als App kostenlos erhältlich (mit In-App-Käufen und Werbung)

Was ist Die Sims?

Im PC- und Konsolenspiel kann man das Leben von den sogenannten Sims gestalten. Als Einzelspieler kreiert man verschiedene Charaktere, bestimmt ihr Aussehen, ihre Eigenschaften und ihr soziales Miteinander. Man baut Städte und Häuser für die Sims und entscheidet, welchen Beruf ein Sim wählt, ob er oder sie Karriere macht und eine Familie gründet. Vieles ist so wie in der realen Welt, nur dass man selbst mehr beeinflussen kann. Es handelt sich um die Simulation des Lebens ohne konkretes Spielziel wie bei vielen anderen Games. Der Antrieb des Spielers ist es, den Sims ein “gutes Leben” zu ermöglichen. Man kann also nicht verlieren oder gewinnen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Die Sims sind ein Rollenspiel, in dem man verschiedene Charaktere kreieren kann. Viele Kinder schlüpfen gern in andere Rollen, um verschiedene Persönlichkeiten auszutesten. Sie können Dinge ausprobieren, die im realen Leben (noch) nicht möglich sind, weil sie z. B. den Erwachsenen vorbehalten sind. Gleichzeitig wirkt das Spiel sehr realistisch, so dass sie Bekanntes entdecken und sich gut in verschiedene Rollen hineinversetzen können.

Die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten lassen keine Langeweile aufkommen und Kinder können ihre Kreativität ausleben. Erfreulich ist, dass man in der neuesten Sims-Version Personen sehr frei kreieren kann, ohne Vorurteile zu bedienen. Es wird z. B. kein Unterschied zwischen weiblich und männlich gemacht. Weibliche Sims können muskulös sein und das gleiche Gehalt in den gleichen Berufen wie Männer verdienen und männliche Sims können sogar schwanger werden.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Das Spielen mit den Sims hat kein klares Ende. Dadurch fällt es Ihrem Kind vielleicht schwer, das Spiel zu unterbrechen. In andere Welten und verschiedene Rollen einzutauchen, ist verlockend. Aber es birgt auch die Gefahr, dass man sich darin verliert – gerade weil der soziale Aspekt eine wichtige Rolle spielt. Ihr Kind kann entscheiden, mit wem die Sims Freundschaften knüpfen, Zeit verbringen und vieles mehr. Im wirklichen Leben ist das nicht immer so einfach.

Die Spielerinnen und Spieler werden auch damit konfrontiert, dass Menschen sterben – denn das passiert auch in der Sims-Welt. Die Art und Weise, wie ein Sim sterben kann, könnte gerade für jüngere Kinder sehr bedrückend sein: Er oder sie kann ertrinken, verbrennen, verhungern oder sogar von einer fleischfressenden Pflanze gegessen werden.

Die mobile Freeplay-Version des Spiels, die man über die bekannten App-Stores kostenfrei installieren kann, enthält In-App-Käufe und Werbung. Nicht jedes Kind weiß damit umzugehen. Es kann verführerisch sein, bestimmte Paket zu kaufen, um schneller bestimmte Dinge zu erreichen.

Was meint der Anbieter?

Eine offizielle Webseite des Spiels mit konkreten Nutzungsbedingungen und Hinweisen zum Datenschutz gibt es nicht. Informationen zu Spielversionen, Ankündigungen, Kaufoptionen und Foren für Fans gibt es auf der Webseite des Spielvertriebs EA (Electronic Arts).

Was sollten Eltern beachten?

Beachten Sie die Altersempfehlungen und lernen Sie das Spiel am besten erst selbst kennen, um einschätzen zu können, ob es für Ihre Tochter oder Ihren Sohn das Richtige ist. Unternehmen Sie dann gemeinsam die ersten Schritte bei der Einrichtung des Spiels. Vielleicht haben Sie Lust, zusammen einige Sims zu erstellen?

Bei Lebenssimulationsspielen sind Werte wie Gemeinschaft, Vertrauen und Toleranz von besonderer Bedeutung. Gerade Die Sims bieten die Möglichkeit, dass Sie mit Ihrem Kind über Rollenbilder, Werte und Vorstellungen sprechen und überlegen, ob es zu Ihren Vorstellungen und denen Ihres Kindes passen.

Da das Spiel ständig weitergespielt werden könnte, sollten Sie zusammen Regeln für die Spieldauer vereinbaren. Besprechen Sie mit Ihrem Kind auch, wie es mit möglichen Kosten und In-App-Käufen umgehen soll. Die mobile Version des Spiels erfordert permanenten Internetzugang und bietet eine Chatfunktion, über die die Kommunikation mit anderen Spielern möglich ist. Weisen Sie Ihr Kind auf Risiken des Kontakts mit Fremden hin oder deaktivieren Sie die Chatfunktion.

Twitch – die Streamingplattform für Gamer

Kennen Sie Let’s Plays? Das sind Videos, in denen sich Menschen beim Spielen von Games z. B. auf YouTube zeigen. Die bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebte Plattform Twitch.tv funktioniert im Prinzip genauso, nur dass man hier live dabei zusehen kann, wie andere spielen.

Kurz gefasst:

  • Streaming-Plattform, hauptsächlich zur Liveübertragung von Videospielen
  • Altersfreigabe: ab 18 Jahre – oder ab 13 Jahre unter Aufsicht eines Elternteils
  • Anmeldung nur für eigene Streams erforderlich
  • kostenlos als App verfügbar sowie als Browser-Version und Anwendung für Spielekonsolen
  • enthält Werbung und verschiedene kostenpflichtige Funktionen

Was ist Twitch?

Twitch ist das größte Livestreaming-Portal, über das Games gestreamt und angeschaut werden können.

Registrierte User können das Spiel, das sie gerade spielen, live für ein Publikum übertragen. Dabei nutzen sie in der Regel Webcam und Mikrofon, um das eigene Spiel gleichzeitig zu kommentieren. Über die Chatfunktion können Spielerinnen und Zuschauer in Echtzeit miteinander kommunizieren. Ein Spiel wird oft von mehr als 10.000 Zuschauenden verfolgt. Wer genügend Zuschauer hat, kann Werbung schalten. Der Erlös daraus wird unter Twitch und dem streamenden Spieler aufgeteilt. Einzelne Kanäle lassen sich auch kostenpflichtig abonnieren und es gibt die Möglichkeit, einem Gamer während des Livestreams Geld zu spenden.

Die am häufigsten auf Twitch gezeigten Spiele sind auch sonst sehr beliebt, zur Zeit z. B. Fortnite, Leagues of Legend, Counterstrike und Minecraft. Auch e-Sport-Ereignisse werden bei Twitch übertragen. Die meisten Inhalte auf Twitch sind von Nutzern, aber es gibt auch professionell produziertes Material. Neben dem Hauptthema Games werden auch andere Inhalte auf Twitch gezeigt. Es gibt Streams zum Programmieren, Zeichnen, Basteln und vielen anderen Dingen aus dem Alltag.

Warum ist Twitch für Jugendliche so spannend?

Bei Twitch können Jugendliche ihr Hobby Computerspiele mit anderen teilen und aus einer anderen Perspektive live miterleben. Sie können sich direkt mit ihren Gaming-Idolen austauschen und ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Spiel verbessern. Für die Gamer ist es interessant, da sie ihre Fähigkeiten zeigen und auch Geld verdienen können.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Twitch erlaubt eine Registrierung ab 13 Jahren, wenn die Eltern die Nutzung der Plattform beaufsichtigen. Eine Überprüfung, ob das bei der Anmeldung angegebene Alter stimmt, findet aber nicht statt.

Ihr Kind kann auf gewaltvolle, angstmachende und sexualisierte Inhalte stoßen, da es keine Altersangaben für Spiele gibt. Aus diesem Grund hat der  Jugendschutz die Plattform als für Kinder und Jugendliche nicht geeignet eingestuft.

Werbung bei Twitch ist nur schwer erkennbar. Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Gamer zu Influencern werden. Persönliche Spiele-Empfehlungen erkennen die jungen Zuschauer oft nicht als Werbung.

Die integrierte Spendenfunktion ist ebenfalls kritisch zu sehen. Wenn Zuschauer ihren Lieblingsspielern während des Livestreams Geld überweisen, wird das vom Gamer gleichzeitig kommentiert. Diese Art der persönlichen Rückmeldung kann vor allem jüngere Zuschauende dazu verleiten, mit den elterlichen Paypal-Kontodaten Geld zu spenden.

Da sich Nutzer, die nur Live-Streams verfolgen, nicht registrieren müssen, besteht vor allem bei jungen Streamern die Gefahr, dass Erwachsene Kontakt aufnehmen und es zu Cybergrooming kommt.

Was sagt der Anbieter?

Die Datenschutzbestimmungen liegen auf Deutsch vor und geben genau wieder, wie und wofür der Dienst personenbezogene Daten erhebt. Die Sicherheitshinweise liegen aber nur auf Englisch vor. Twitch bietet eine Meldefunktion, so dass Personen, die im Stream oder Chat gegen die Community-Richtlinien verstoßen, von anderen Usern gemeldet werden können. Nach Überprüfung durch ein Moderationsteam werden unangemessene Inhalte gelöscht. Twitch Interactive, Inc. existiert seit Juni 2011 und gehört seit 2014 zu Amazon.

Was sollten Eltern beachten?

Aufgrund der angesprochenen Risiken sollten Sie Ihr Kind begleiten, wenn es den Dienst nutzt, oder sich zumindest regelmäßig mit ihm darüber austauschen. Sprechen Sie mit ihm über die Plattform und schauen Sie sich diese gemeinsam an. Recherchieren Sie die Altersfreigaben für die einzelnen Spiele und halten Sie sich daran. Machen Sie Ihr Kind außerdem darauf aufmerksam, dass es als Streamer keine persönlichen Informationen veröffentlichen sollte, da Twitch diese weitergeben kann. Nutzen Sie in den Einstellungen die Möglichkeit, die Kommunikation mit Fremden zu deaktivieren.

Bei jüngeren Jugendlichen sollten Sie überlegen, die Konsole bzw. das jeweilige Endgerät an einen Ort zu stellen, wo Sie es als Elternteil im Blick haben und so jederzeit da sein können, sollte Ihr Kind auf etwas Beängstigendes stoßen.

Das Internetphänomen Game Master: Gibt es ihn wirklich?

Der sogenannte Game Master steht bei Kindern und Jugendlichen seit einer Weile hoch im Kurs. Er taucht in Videos und Kettenbriefen in WhatsApp auf. Doch wer steckt hinter der Figur mit Maske?

Was oder wer ist ein Game Master?

Ein dunkel gekleideter, maskierter Unbekannter kontaktiert YouTuber per WhatsApp oder Brief und stellt ihnen gruselige oder gefährlich Aufgaben, die sie lösen müssen. YouTuber zeigen in ihren Videos, wie sie diesem Game Masters anscheinend hilflos ausgeliefert sind. Erfüllt der YouTuber die gestellte Aufgabe nicht, drohen ihm Strafen. Laut einiger YouTuber nimmt der sogenannte Game Master Kontakt zu seinen “Opfern” auf, z. B. über Social Media oder Zettel vor der Haustür. In einem Fall der YouTuberin Rebekah Wing scheint es, als hätte sich der Game Master in ihre Videos gehackt und spielt dort sein Video ab. Nur wenn Rebekah Wing eine Aufgabe des Game Masters erfüllt, gibt er ihren Kanal wieder frei. Teilweise sind die Aktionen des Game Masters auch grenzüberschreitend. Er taucht angeblich beim jeweiligen YouTuber zu Hause auf oder bricht dort ein und zerstört dessen Eigentum. In einem Video der YouTuber TwoBrokeBoys ist zu sehen, wie der Game Master einen der beiden mit einem Messer bedroht.

Haben Sie schon einmal ein YouTube-Video gesehen, in dem der vermeintliche Game Master auftritt? Dann ist Ihnen bestimmt schnell aufgefallen, dass die Figur sowie die Story drumherum ausgedacht sind. Vermutlich hat sich ein Freund oder Bekannter des YouTubers dunkle Kleidung und eine Maske angezogen. Die Interaktion zwischen YouTuber und Game Master ist gespielt.

Der Reiz für Kinder und Jugendliche

Für Kindern und Jugendlichen ist die Inszenierung des Game Masters oft noch schwer zu durchschauen. Die gefährlichen Aufgaben des Game Masters sind für sie spannend und flößen Angst ein. Je gruseliger ein Video ist, desto mehr Klicks auf YouTube-Videos gibt es in der Regel. Es ist eine kleine Herausforderung für Kinder, sich zu trauen, ein solches Video anzuschauen.

Worauf Eltern achten sollten

Videos des Game Masters sind – wie andere Kettenbriefe oder die Figur Momo auch – darauf ausgelegt, Angst und Grusel unter den jungen Zuschauern zu verbreiten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was hinter dem Phänomen Game Master steckt und dass solche Videos oder Kettenbriefe nicht echt sein können. Stellen Sie sich z. B. gemeinsam die Frage, wie Sie reagieren würden, wenn eine unbekannte Person, ungewollt zu Ihnen nach Hause kommt und ihnen schaden will.

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es mit Ihnen spricht, wenn es unheimliche Kettenbriefe wie die des Game Masters erhält. Zudem sollten diese nicht weitergeleitet, auch zum Schutz anderer Kinder. Um einen Kettenbrief als Quatsch zu enttarnen, hilft es auch, online danach zu suchen. Zu fast jedem Kettenbrief gibt es hier Infos. Und um keine weitere Energie an die ungewollte Nachricht zu verschwenden, gilt zu guter Letzt: Einfach aus dem Smartphone löschen!

Gamescom – “Das Herz der Spielebranche”

Jedes Jahr treffen sich im August in Köln vier Tage lang zahlreiche Besucher zu einer der weltweit wichtigsten Computer- und Videospielmessen. Mit dabei sind auch immer viele gaming-begeisterte Kinder und Jugendliche.

Was ist die Gamescom?

Die Gamescom ist Europas größte Messe für interaktive Unterhaltung. Hier kommen tausende Spielebegeisterte aus der ganzen Welt zusammen. Im Fokus stehen Computer- und Videospiele, deren Entwickler und die Spieler-Community. Auf dem großen Messegelände werden neue Spiele vorgestellt, auf Live-Bühnen Gameplay-Szenen präsentiert, es gibt Vorträge und Shows, Spiele-Ecken, Workshops, Interviews mit Spiele-Entwicklern und vieles mehr. Bei einigen Events kann man nicht nur zuschauen, sondern auch selbst spielen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an der Gamescom?

Der Besuch der Gamescom ist für Heranwachsende in verschiedenen Altersgruppen ein besonderes Erlebnis. Alles dreht sich um Gaming. Man kann vieles entdecken und neue Spiele ausprobieren – wenn man sich denn an den langen Schlangen anstellen möchte.

Für Kinder bis 11 Jahre gibt es einen „Family & Friends“-Bereich, in dem alles auf die Bedürfnisse der Altersgruppe zugeschnitten ist. Dieser Bereich soll möglichst stressfrei sein und bietet besonders viel Abwechslung und Mitmach-Angebote wie z. B. Spielstationen und einen „Junior-Club“, bei dem Kleinkinder von geschulten Betreuerinnen angeleitet werden.

Ein entscheidender Grund, warum Jugendliche unbedingt zur Gamescom möchten, ist die Möglichkeit, ihren Lieblings-YouTuber und Let’s-Player live zu erleben.

Kann ich mein Kind dort alleine lassen?

Ohne erwachsene Aufsicht über die Gamescom zu laufen, ist für viele Kinder der Inbegriff der Selbstständigkeit. Generell gilt, dass Kinder bis zum Alter von drei Jahren keinen Zutritt zur Messe haben. Ist Ihr Kind zwischen vier und elf Jahren alt, muss es sich die ganze Zeit in Begleitung eines Erwachsenen befinden. Tatsächlich sollten Sie sich gut überlegen, ob Ihr Kind schon mit den vielen Reizen auf einer solchen Veranstaltung umgehen kann.

Einige Eltern mit Kindern über elf Jahren fürchten, Ihr Kind könnte auf für sein Alter unangemessene Spiele stoßen, da auf der Gamescom Spiele für jedes Alter präsentiert werden. Beim Einlass bekommt jeder Besucher gegen Vorlage eines Lichtbildausweises ein Altersbändchen mit unterschiedlichen Farben, analog zu den Alterskennzeichnungen der USK (12, 16 oder 18 Jahre). Die USK prüft jedes öffentlich präsentierte Spiel auf der Gamescom, sodass alles mit den entsprechenden Altersgrenzen deutlich ausgezeichnet ist. Bei Spielen mit einer USK 16 oder 18 muss das Standpersonal sicherstellen, dass diese für Kinder tatsächlich nicht sichtbar und zugänglich sind – z. B. durch Sichtschutz oder separate Räume.

Ist Ihr Kind über elf Jahre alt und selbstständig genug, um die Gamescom alleine zu entdecken, sollten Sie trotzdem in jeder Halle einen Treffpunkt mit Uhrzeit vereinbaren, zu dem sich die Familie kurz wiedertrifft. Die Gamescom hat einen großen Besucherandrang, so dass man sich schnell verloren fühlen kann. Stellen Sie außerdem sicher, dass das Smartphone Ihres Kindes genügend Akku hat oder geben Sie ihm einen Zettel mit Ihrem Namen und Ihrer Telefonnummer mit. Das ist auch zu empfehlen, wenn Sie nach gründlicher Überlegung entscheiden, Ihrem Kind (das 12 Jahre oder älter ist) ohne erwachsene Begleitung den Besuch der Gamescom mit Freunden zu erlauben. Vereinbaren Sie zudem eine feste Zeit und einen Ort, an dem Sie Ihr Kind abholen. Bedenken Sie außerdem, dass die Preise für Essen und Trinken auf Messen oft verhältnismäßig hoch sind.

Computerspiele und das Thema Geschlecht

In beliebten Computerspielen wie GTA oder Fortnite muss man virtuell kämpfen und Gewalt anwenden, um zu gewinnen. Besonders Jungs und Männer mögen solche Spiele und man würde sie nicht als “Mädchenspiele” bezeichnen. In vielen Games werden Klischees und Vorurteile über Männer oder Frauen gefördert.

Starker Mann oder sexy Frau

In Spielen wie z. B. Grand Theft Auto oder Star Stable werden typische Geschlechterrollen bedient. Männliche Figuren werden stark, mutig und heldenhaft dargestellt. Weibliche Figuren sind meistens emotional und haben einen sanften Charakter. Mädchen oder Frauen sind oft auch nur Nebenrollen in der Geschichte eines Games. Dabei werden sie häufig auf ihr Aussehen reduziert. Extrem kurze Röcke und große Brüste tragen dazu bei, dass sie als sexuelle Objekte betrachtet werden. Gibt es mal weibliche Charaktere in einem Spiel und man möchte deren Aussehen vor dem Spielbeginn gestalten und den eigenen Vorstellungen anpassen, sind die Möglichkeiten stark begrenzt und entsprechen stets vermeintlich geltenden Schönheitsidealen.

In vielen Spielen nehmen weibliche Charaktere außerdem die Opferrolle ein: Sie sind z. B. die Prinzessin, die gerettet werden muss. Viel seltener gibt es weibliche Figuren als Hauptcharaktere oder gar Frauen als Heldinnen eines Spiels. Sehr bekannt wurde die Figur Lara Croft, die im Spiel aber sehr sexistisch dargestellt wird.

Im Spiel Star Stable geht es ums Reiten. Es können nur weibliche Figuren angelegt werden, wodurch Jungs von vornherein ausgeschlossen werden. Stattdessen wird das Klischee gefördert, dass Reiten reine Mädchensache ist. Die weiblichen Charaktere sind alle klischeehaft dargestellt. Auch wenn es positiv ist, dass ein Gaming-Angebot Mädchen als Computerspiel-Fans anerkennt, ist das Spiel diskriminierend.

Was ist problematisch an diesen Klischees?

Insgesamt kommen Frauen oder Mädchen in der Gaming-Kultur kaum vor, obwohl fast die Hälfte aller Spielenden weiblich sind. Weibliche Gamer werden in Online-Spielen, Gaming-Foren oder YouTube-Kommentaren sogar oft mit sexistischen und frauenfeindlichen Kommentaren konfrontiert. Wenn Mädchen spielen, wird ihr Können oft abgewertet. Auch Kommentare gegen andere sexuelle Orientierungen wie Homosexualität sind nicht selten.

Die vorwiegend stereotype Darstellung weiblicher, aber auch männlicher Figuren verstärkt Sexismus und die Erwartungen an bestimmte Geschlechterrollen. Den gleichen Effekt hat es, wenn weibliche oder männliche Rollen einfach weggelassen werden.

Dabei orientieren sich Kinder und Jugendliche an Medien – auch an Spielen, wenn es um Verhaltensweisen und Meinungen geht. Jugendliche können sich beim Spielen in verschiedene Rollen hineinversetzen, sich ausprobieren und mit anderen kommunizieren. Jungs können z. B. auch in die Rolle einer Frau oder eines Mädchens, Mädchen in die Rollen eines Mannes oder eines Jungen schlüpfen.

Wie Sie Ihr Kind unterstützen können

Die Kategorisierung von Spielen als Jungs- oder Mädchenspiel ist hinderlich. Ganz unabhängig vom Geschlecht sollte Ihr Kind jedes Spiel spielen dürfen, das es interessiert. Natürlich sollten Sie trotzdem auf die Alterseinordnung achten. Bestärken Sie Ihre Tochter darin, Spiele zu spielen, die angeblich für Jungs sind, wenn sie das möchte – und andersherum.

Nutzen Sie den Anlass, mit Ihrem Kind über Rollenerwartungen und -bilder zu sprechen. Ermutigen Sie es dazu, andere Rollen im Spiel auszuprobieren als die üblichen. Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter während eines Spiels mit anderen Gamers kommuniziert, kann das auch zu unangenehmen Reaktionen mit den Mitspielenden führen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Hate-Speech und unterstützen Sie es darin, sich für Respekt und Fairness einzusetzen und sich gegen Beschimpfungen stark zu machen.

Mit Computerspielen die Welt erkunden

Kinder entdecken die Welt und lernen mit der Zeit immer mehr, wie sie funktioniert. Dazu gehören auch Regeln und Werte, wie Menschen miteinander umgehen. Medien helfen ihnen dabei, die Welt zu begreifen. Als Ort für Information und Orientierung beantworten sie viele Fragen des Alltags und unterstützen Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung.

Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder zur Orientierung für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Diese suchen sie sich nicht nur im direkten Umfeld, sondern auch in Filmen oder Sozialen Netzwerken, z. B. bei YouTube oder Instagram. Aber auch Computerspiele können Orientierung geben, denn in ihnen werden Geschichten erzählt und Rollen ausprobiert.

Beim Computerspielen hat man eine Spielfigur, einen Avatar, mit dem man handeln kann, wie man möchte – zumindest soweit es die Programmierung des Spiels zulässt. Denn irgendjemand hat sich überlegt, was möglich ist und bestimmte Spielregeln festgelegt. Im Spiel verstehen schon Kinder und Jugendliche, was passiert, wenn sie in bestimmter Weise handeln. Der Vorteil ist: Hier können sie sich ausprobieren, ohne dass es Folgen für ihr echtes Ich und das reale Umfeld hat. Sie müssen Entscheidungen treffen, die etwas bewirken, aber in einem geschützten Raum. Dabei können teilweise auch die Erfahrungen aus dem “echten Leben” genutzt werden.

Games für die Wertevermittlung

Die meisten Computerspiele funktionieren nicht, ohne dass man sich an Regeln hält – auch wenn sich nicht alle ohne weiteres auf das eigene Leben übertragen lassen.

Das bei Jugendlichen beliebte Minecraft kann im Kreativmodus so gespielt werden, dass Spielerinnen und Spieler gemeinsam an einer Welt bauen. Dafür müssen sie sich vorab auf Regeln einigen, damit die gemeinsame Welt  nicht im Chaos endet. Vielleicht gibt es auch Ideen, wie diese Welt aussehen soll – ob z. B. alle zusammenleben oder jeder sein eigenes Haus hat, ob es eine Bürgermeisterin gibt oder alle zusammen entscheiden. Hier können Kinder und Jugendliche schon lernen, wie Politik funktioniert und warum sie für unser Leben mit anderen Menschen wichtig ist.

In anderen Spielen sind die Rollen der Figuren vorab festgelegt, z. B. bei Monument Valley (Teil 2). In diesem Puzzlespiel (für mobile Geräte) müssen in mehreren Levels abstrakte Welten durchlaufen werden. Die Figuren, eine Mutter und ihr Kind, müssen einen Ausweg finden – mal alleine, mal zu zweit. Das Spiel wird alleine gespielt. Unbewusst werden bestimmte Werte vermittelt, wie das Überwinden von Hürden oder die Unterstützung durch die Mutter. Kinder können erfahren, wie man sich fühlt, wenn man allein ein Hindernis bewältigen muss, aber dabei von der Mutter unterstützt wird.

Gemeinschaft, Vertrauen, Toleranz: Hinter Computerspielen steckt manchmal mehr, als man denkt. Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und achten Sie doch mal darauf, ob darüber bestimmte Werte, wie z. B. Rollenbilder, vermittelt werden. Nutzen Sie das, um mit Ihrem Kind darüber zu sprechen und zu überlegen, ob es zu Ihren und seinen Vorstellungen vom Leben passt.

(Dieser Beitrag beruht teilweise auf den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Arbeit von Karolina Kaczmarczyk, siehe auch hier.)

Beliebte Spiele-Apps: Clash Royale und Clash of Clans

Das Online-Strategiespiel Clash of Clans gibt es schon seit einigen Jahren. Die Weiterentwicklung Clash Royale (seit 2016) ist ebenfalls sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen. Grund dafür ist sicherlich auch, dass die App nichts kostet und dass man gegeneinander spielen kann.

Kurz gefasst

  • beliebte Spiele-Apps von Supercell
  • sogenanntes Echtzeit-Mehrspieler-Strategiespiel
  • kostenlos für Android und iOS, aber dauerhafte Internetverbindung erforderlich
  • enthält In-App-Käufe
  • USK ab 6 Jahren, Mindestalter des Anbieters: 13 Jahre

Was ist Clash of Clans? Was ist Clash Royale?

Clash of Clans und Clash Royale sind sogenannte Echtzeit-Mehrspieler-Strategiespiele. Ihr Kind kann also gleichzeitig mit anderen Spielern mobil und online über die App spielen.

Bei Clash of Clans arbeiten die Spieler in Clans. Das sind Gruppen, in denen sich einzelne Spieler zusammentun und gemeinsam gegen andere Gruppen kämpfen. Die Clans müssen ein eigenes Dorf aufbauen, Truppen trainieren und sich schließlich mit anderen Clans konkurrieren, um „Ressourcen“ zu erbeuten. Das sind zum Beispiel Gold, Juwelen und Elexier. Durch diese Ressourcen kann der eigene Clan besser ausgestattet und geschützt werden. Diese Ressourcen können auch kostenpflichtig erworben werden.

Clash Royale ist die Weiterentwicklung von Clash of Clans und seit 2016 auf dem Markt. Hier sind die Prinzipien Strategie und Sammelkarten miteinander verbunden. Vor jeder Runde werden aus einem Kartendeck acht Karten ausgewählt, die im Spiel geschickt eingesetzt werden müssen. Die Karten beinhalten u.a. Zaubersprüche gegen den Gegner. Gewonnen hat, wer mit den eigenen Einheiten die meisten gegnerischen Haupttürme zerstört hat. Eine Runde dauert nur drei Minuten. Für gewonnene Runden erhält man Gold und Truhen, wodurch man Juwelen oder neue Karten bekommt.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Clash Royale?

Das Spielprinzip ist einfach und schon am Anfang hat man gute Chancen gegen “den Computer” zu gewinnen. Diese Gewinne und Belohnungen schaffen Anreize und motivieren, weiterzuspielen. Clash Royale sorgt außerdem für eine ausgewogene Mischung aus Glück und Taktik.

Auch ohne Einsatz von echtem Geld kann man viel Spaß an Clash Royale und dem Vorgänger Clash of Clans haben. Natürlich ist auch der direkte Vergleich beim Spiel mit “echten” Gegnern spannend.

Vor allem bei Jungs sind die Spiele sehr beliebt.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Auch wenn die einzelnen Spielrunden kurz sind, werden durch Juwelen und Truhen immer wieder Anreize geschaffen, weiterzuspielen. Da es ein Echtzeit-Spiel ist, entwickelt sich das Spiel auch weiter, wenn man gerade nicht spielt. Auch das kann bei einigen Kindern und Jugendlichen dazu führen, dass sie immer weiterspielen wollen.

Gerade ungeduldige Spieler können durch In-App-Käufe im Spiel schneller vorankommen. Das sollten Sie als Eltern im Blick haben bzw. In-App-Käufe in den Smartphone-Einstellungen deaktivieren.

Die Möglichkeit, innerhalb des Spiels mit Mitspielern zu chatten, führt zu Risiken wie Cybermobbing und Cybergrooming.

Kämpferische Elemente sind wichtiger Bestandteil der Spiele, indem z. B. andere Clans und deren Türme zerstört werden. Aufgrund der comicartigen Darstellung ist das für Kinder aber nicht sehr realistisch.

Stiftung Warentest hat 2019 die beiden Spiele darauf getestet, wie kindgerecht sie sind und mit „inakzeptabel“ bewertet.  Es wurden nicht kindgerechte Inhalte gefunden worden: Rechtsextreme Clan-Pseudonyme und Verweise auf Porno-Seiten. Verstöße können aber auch nicht direkt gemeldet werden. Auch in Bezug auf In-App-Käufe und Datenschutz schneiden die Spiele schlecht ab. In dem Spiel gibt es jedoch keine Werbung.

Was meint der Anbieter?

Der Anbieter stellt einen allgemeinen Eltern-Leitfaden auf Deutsch für seine Spiele-Apps bereit. In diesem wird erläutert, wie man Einstellungen vornehmen kann, um z. B. In-App-Käufe zu deaktivieren. Außerdem gibt es Erläuterungen zur Chatsicherheit und Privatsphäre. Gerade was die Chatsicherheit betrifft, gibt es  jedoch keine Blockierungsfunktion. Der Anbieter reagiert lediglich auf anstößige Inhalte.

Was sollten Eltern beachten?

Lassen Sie sich das Spiel und die Faszination daran von Ihrem Kind erklären. Sprechen Sie mit ihm darüber, was Gewalt im Spiel und in der Realität bedeutet.

Vereinbaren Sie Regeln zu Spieldauer und -zeiten. Nutzen Sie Einstellungsmöglichkeiten, um unbeabsichtigte In-App-Käufe zu verhindern und um gegebenenfalls die Nutzungsdauer der App zu beschränken. Denken Sie aber daran, vorher darüber mit Ihrem Kind zu sprechen. Überlegen Sie außerdem, ob es sinnvoll, Push-Mitteilungen für das Spiel zu deaktivieren, so dass Ihr Kind nicht ständig informiert wird, was im Spiel passiert, während es nicht spielt.

Die Chatfunktion im Spiel ist jeweils öffentlich, d. h. alle Spieler können miteinander chatten. Deshalb sollten Sie unbedingt im Vorfeld Gesprächsregeln für den Chat vereinbaren. Klären Sie vor allem, dass über den Chat keine privaten Daten wie Klarnamen, Handynummer usw. rausgegeben werden sollen.
Fragen Sie nach Spieleerlebnissen und seien Sie da, falls Ihr Kind einmal unangenehme Erfahrungen macht.

Weitere Informationen zu den Spielen finden Sie hier: http://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/was-eltern-ueber-beliebte-online-strategiespiele-wie-clash-royale-wissen-sollten/

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