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Klick, Wisch, Like – Gekauft? Werbung in den Medien erkennen und hinterfragen

Ob im Fernsehen, an der Bushaltestelle oder im Internet – Werbung gehört zu unserem Alltag dazu. Schon kleine Kinder sehen Werbespots im Fernsehen oder begegnen ihr im Supermarkt, wo es viele Produkte rund um kindliche Medienhelden wie Elsa, Sandmann & Co. zu kaufen gibt. Auf Websites und Videoplattformen kommen vor allem ältere Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Formen von Werbung in Berührung: Influencer tragen in ihren Videos die neuesten Turnschuhe, stellen ein Kosmetikprodukt ihrer Lieblingsmarke vor oder packen die eben gekaufte Spielekonsole in einem Unboxing-Video vor der Kamera aus. Auch in vielen Spiele-Apps gibt es Werbung, die man wegklicken muss, um weiterspielen zu können.

Welche Werbung ist erlaubt?

Medieninhalte für Kinder müssen so gestaltet sein, dass sie Werbung erkennen können und ihre kindliche Unerfahrenheit nicht ausgenutzt wird. Dazu gehört z. B. die klare Trennung von Inhalt und Werbung. Im Fernsehen gibt es einen optischen und akustischen Hinweis zu Beginn und am Ende der Werbung. Eine Kindersendung darf nicht von Werbung unterbrochen werden. Auf Kinderseiten im Netz müssen Werbebanner gekennzeichnet sein und dürfen die Inhalte nicht überlappen oder Kinder in der Nutzung der Seiten behindern. Es darf auch nicht für alle Produkte (wie z. B. für Alkohol) geworben werden, um Kinder zu schützen. 

Anregungen und Tipps

Unterstützen Sie Ihr Kind, Werbung zu erkennen und zu durchschauen. Mit dem Alter steigt auch das Verständnis von Werbung. Ab ungefähr 8 Jahren verstehen Kinder, dass Werbung nicht neutral informiert, sondern zum Kaufen anregen soll.

Vor allem bei Onlinewerbung müssen jüngere Kinder erst lernen, dass Werbung gleichzeitig neben den eigentlichen Inhalten auf einer Internetseite angezeigt wird. 

Werbung innerhalb von Spiele-Apps taucht oft überraschend auf, weshalb Kinder aus Versehen auf Werbeinhalte klicken können. Achten Sie beim Download von kostenfreien Kinderapps darauf, ob diese sogenannte In-Game-Werbung enthalten. Entscheiden Sie, ob das für Ihr Kind problematisch ist. Aufpassen sollten Sie besonders, wenn Werbeinhalte im Spiel dazu verleiten, schneller voranzukommen, wenn die Werbung nicht gekennzeichnet oder vom Spielinhalt getrennt ist oder wenn Kinder beim Spielen behindert werden.

Ältere Kinder und Jugendliche stehen vor der Herausforderung, zu erkennen, ob ihre Idole nur ein Produkt präsentieren oder ob es ihnen um echte Inhalte geht. Denn nicht immer sind Videos von Influencern als Werbung gekennzeichnet, obwohl das vorgeschrieben ist, wenn sie von Unternehmen Geld dafür bekommen. Schauen Sie sich gemeinsam Videos und Instagram-Stories an und achten Sie zusammen auf Hinweise für Werbung und Sponsoring in den geteilten Inhalten.

Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über die verschiedenen Formen von Werbung in Medien. Nur dann kann es einen bewussten und kritischen Umgang mit Werbung und den Kaufentscheidungen im Alltag lernen. Denken Sie dabei auch an Ihre Vorbildfunktion.

Werbung kindgerecht? Hier gibt es Informationen!

  • Ratgeber Kinder und Onlinewerbung: www.kinder-onlinewerbung.de
  • Media Smart, Bildungsinitiative für die Förderung von Werbekompetenz: www.mediasmart.de
  • Kindersuchmaschine www.fragfinn.de: kindgeeignete, von Medienpädagogen redaktionell geprüfte Internetseiten, viele davon sind werbefrei oder erfüllen strenge Kriterien, u. a. bezüglich Werbung und kommerziellen Inhalten

Das Internetphänomen Lisa und Lena

Wenn Sie glauben bei den Namen Lisa und Lena handelt es sich um Mitschülerinnen Ihres Kindes, hören Sie lieber nochmal genauer hin. Denn es kann gut sein, dass eigentlich von Deutschlands bekanntesten Influencerinnen die Rede ist. Die beiden Schwestern Lisa und Lena wurden durch ihre Videos auf der App TikTok – früher musical.ly – berühmt. Millionen junger Menschen folgen ihnen in den sozialen Netzwerken. Doch was genau finden vor allem Teenager so toll an den Zwillingen?

Wer sind Lisa und Lena?

Im Jahr 2016 sind die damals 15-jährigen Zwillinge aus der Nähe von Stuttgart durch ihre Musikvideos auf musical.ly quasi über Nacht bekannt geworden. 2019 verließen Lisa und Lena TikTok und entschieden sich nur noch auf anderen Social-Media-Kanälen aktiv zu sein. Sie begründeten diesen Schritt damit, dass sie neue Wege gehen möchten und langsam aus TikTok herausgewachsen sind. Auch Sicherheitsbedenken und die Kritik rund um TikTok spielten offenbar eine Rolle. Seit Mai 2020 sind sie allerdings zurück auf TikTok.

Auf Plattformen wie Instagram und YouTube setzen sich die Zwillinge auf Bildern im perfekten Licht in Szene und geben in Storys Einblicke in ihren Alltag. Ihre Fans nennen sie auch kurz Leli. Sie haben mittlerweile eine eigene Modemarke und einen Online-Shop für Leli-Fanartikel, für die sie auf ihrem Instagram-Profil werben.

Welche Rolle spielen die TikTok-Stars für Teenager?

Wie sie so schnell so bekannt geworden sind, können sich Lisa und Lena selbst kaum erklären. Innerhalb sehr kurzer Zeit haben sie mit ihren 15-sekündigen Tanzvideos viel Sympathie und Aufmerksamkeit im Internet auf sich gezogen. Vor allem weibliche Teenager sehen in ihnen Vorbilder, weil sie in einem ähnlichen Alter sind. Einige streben ebenfalls danach, Bestätigung durch Likes und Follower zu bekommen. Außerdem sind die Videos unterhaltsam. Sie verbinden Musik und Bewegung. Sich auf diese Weise ausdrücken und einen eigenen Geschmack, ist für Jugendliche attraktiv. Lisa und Lena bieten mit ihren Videos Orientierung und Unterhaltung für Heranwachsende. Dabei erscheinen ihnen die Zwillinge authentisch. Außerdem sind sie schon seit vielen Jahren dabei und bieten verlässliche und vertraute Begleiterinnen – wenn nicht sogar so etwas wie Freundinnen.

Worauf sollten Sie als Eltern achten?

Vielleicht haben Sie das Gefühl gar nicht mehr hinterher zu kommen, wenn Ihr Kind von dem neuen angesagten Influencer auf YouTube oder Instagram spricht. Sie müssen auch nicht alles verstehen. Schauen Sie aber nicht weg, sondern sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Vorbilder. Nur so bleiben Sie auf den Laufenden und können Ansprechpartner für Ihren Sohn oder Ihre Tochter sein, wenn er oder sie z. B. unangenehme Erfahrungen im Netz macht. Sprechen Sie auch darüber, inwiefern das, was in Social Media veröffentlicht wird, tatsächlich authentisch ist. Da Influencing ein Geschäftsmodell ist, geht es bei vielen darum, möglichst viele Menschen zu erreichen und damit Geld zu verdienen. Werbung und inszenierte Inhalte sind keine Seltenheit.

Wenn Ihr Kind durch Vorbilder wie Lisa und Lena selbst einen Social-Media-Kanal hat oder eröffnen möchten, sollten Sie mit ihm auch darüber sprechen, was es postet.

Gewinnspiele bei YouTube & Co.

Der Lieblings-YouTuber Ihres Kindes verlost einen scheinbar tollen Preis und Ihr Kind möchte unbedingt mitmachen? Gewinnspiele sehen auf den ersten Blick sehr verlockend aus. Doch besonders im Netz können diese auch gefälscht und deshalb problematisch sein.

Wieso bieten YouTuber und Influencer Gewinnspiele an?

Die offizielle Begründung lautet meistens “Ich möchte meinen Followern etwas zurückgeben”. Jedoch profitieren viele YouTuber auf andere Art und Weise von Gewinnspielen, indem sie dafür bezahlt werden oder mehr Follower und Likes bekommen.

YouTube selbst erlaubt sogenannte Wettbewerbe auf seiner Plattform (wenn sie nicht als Werbung gekennzeichnet sind). YouTuber sind dafür selbst verantwortlich und müssen die gesetzlichen Regelungen zu Gewinnspielen, Datenschutz usw. einhalten. Außerdem müssen solche Wettbewerbe den Nutzungsregeln von YouTube angepasst sein.

Wieso sind Gewinnspiele in Sozialen Medien auch gefährlich?

Die meisten Gewinnspiele laufen zum Glück recht harmlos ab und zielen nur auf den Zuwachs von Abonnenten und Likes ab. Denn wer mitspielen möchte, muss meistens Follower sein.

Jedoch gibt es auch andere Fälle: Fragt ein Veranstalter persönliche Daten, wie die Handynummer oder Ähnliches ab, ist Vorsicht geboten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine zu persönlichen Angaben für ein Gewinnspiel machen muss. Überlegen Sie gemeinsam, ob der Anbieter bestimmte Dinge tatsächlich wissen muss, um etwas zu verlosen oder ob er nur auf die Daten aus ist.

Woran erkenne ich gefährliche Gewinnspiele?

Das Hauptmerkmal eines Gewinnspiels ist die kostenfreie Teilnahme. Bei Gewinnspielen dürfen lediglich geringe Kosten anfallen, wie etwa die Kosten für eine SMS oder Briefmarke. Wird ein höherer Betrag gefordert, sollten Sie vorsichtig sein.

Das Gewinnspiel sollte ausdrücklich als solches gekennzeichnet und so transparent wie möglich sein. Nehmen Sie nur teil, wenn der Anbieter die Teilnahmbedingungen mit folgenden Inhalten angegeben hat:

  • Name und Kontaktdaten des Veranstalters
  • Teilnahmebedingungen: Eine Anleitung, in der festgehalten wurde, was man tun muss, um teilzunehmen und wann das Gewinnspiel endet.
  • Teilnahmeberechtigung: Eine Erklärung, wer am Gewinnspiel ab welchem Mindestalter teilnehmen kann.
  • Informationen über die Gewinnermittlung: Wie wird der Gewinner ermittelt und anschließend benachrichtigt?
  • Informationen über die Aushändigung des Gewinns: Wie bekommt man den Gewinn und wer trägt die Kosten?
  • Haftungsfragen, Ausschluss des Rechtsweges, Informationen zur vorzeitigen Beendigung des Gewinnspiels

Je mehr Informationen vorhanden sind, desto besser.

Recherchieren Sie, ob der YouTuber oder Influencer bereits Gewinnspiele angeboten hat, diese öffentlich aufgelöst wurden und der Gewinner genannt wurde. Noch besser ist es, wenn irgendwie erkenntlich wird, dass der Gewinn wirklich verschickt wurde.

Der YouTuber RobBubble hat gemeinsam mit dem WDR Beispiele von guten und schlechten YouTube-Gewinnspielen untersucht – zur Reportage.

Nein, das ist keine Krankheit! – Wie Influencer Jugendliche beeinflussen.

Namen wie Lisa und Lena, Melina Sophie oder Julien Bam fallen öfter bei Ihnen zu Hause und Sie wissen ganz sicher, dass es keine Freunde Ihres Kindes sind? Dann schwärmt Ihr Sohn oder Ihre Tochter vermutlich für einen Instagram-Star oder Influencer.
Besonders 12- bis 17-Jährige verbringen oft mehrere Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen wie YouTube, Snapchat oder TikTok. Dabei sehen sie sich Videos und Fotos von Menschen an, die sie zwar nicht persönlich kennen, aber über die sie trotzdem eine Menge wissen. Diese sogenannten „Influencer“ berichten in Bildern oder Videos von ihrem vermeintlichen Alltagsleben und beschäftigen sich mit Themen wie Mode, Beauty oder Gaming. Oft sind Influencer auf mehreren Social-Media-Kanälen aktiv.
Fans bzw. Follower oder Abonnenten werden durch Umfragen oder Aufrufe, einen Beitrag zu kommentieren, eingebunden und haben das Gefühl, mit ihren Stars zu kommunizieren.
Die bekanntesten Influencer haben eine enorme Reichweite von tausenden Followern bis hin zu einem Millionenpublikum: So zählen die Zwillinge „Lisa und Lena“ mehr als 15 Millionen Abonnenten bei Instagram, die YouTuber Bianca „Bibi“ Heinicke von BibisBeautyPalace hat 5,9 Millionen und Julian Bam 5,7 Millionen Abonnenten.

An den Erwachsenen geht dieser Trend häufig vorbei. Influencer sind für viele Jugendliche Vorbilder und haben einen großen Einfluss auf sie – daher auch der Begriff Influencer (englisch für „Beeinflusser“). Sie sind meist selbst im Alter ihrer Fans oder nur ein paar Jahre älter und geben sich scheinbar ganz natürlich, so dass ihre Follower ihnen vertrauen und sich quasi Rat holen wie bei großen Geschwistern.

Werbung und Marketing durch Influencer

Den Wert der großen Reichweite von Influencern und das ihnen entgegengebrachte Vertrauen haben auch Unternehmen erkannt. Was mit Fotos und Videos angefangen hat, ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden und wird zu Marketingzwecken genutzt. So sieht man in den Fotos und Videos der Instagramer oft direkt oder auch nur „nebenbei“ Produkte wie Beautyartikel oder Klamotten bestimmter Marken. Oft nutzen Unternehmen Influencer auch, um die Glaubwürdigkeit und Beliebtheit einer Marke zu steigern. Was wie eine persönliche Empfehlung eines berühmten Influencers aussieht, ist in Wirklichkeit oft nur Werbung.
Die Grenzen zwischen der eigenen Meinung und Werbung verschmelzen und sind nur noch schwer erkennbar. Das liegt vor allem daran, dass viele Influencer ihre Beiträge nicht entsprechend mit „Werbung“ oder „Anzeige“ kennzeichnen, auch wenn das eigentlich Pflicht ist. Es ist unklar, ob der Influencer das entsprechende Produkt selbst gekauft hat oder dafür bezahlt wurde, es in die Kamera zu halten.
Gerade Kinder und Jugendliche erkennen dies in vielen Fällen nicht, da die Werbekompetenz erst noch geschult werden muss, sie ihren Online-Idolen nacheifern wollen und sich leicht von ihnen beeinflussen lassen.
Kleiden sich Influencer beispielsweise auf eine bestimmte Art und Weise, bringen Kinder und Jugendliche diese Marken mit ihren Stars in Verbindung und wollen sich genauso anziehen.
Das Bewusstsein, dass hier keine Authentizität, sondern oftmals Werbung im Vordergrund steht und das Influencer-Dasein nicht mehr länger nur Hobby, sondern ein Vollzeit-Job ist, fehlt vielen Kindern und Jugendlichen noch.
Beachten Sie: Auch Social-Media-Stars, die „nur“ ein paar Tausend Follower haben, können Influencer sein. Die Werbebranche nutzt längst auch diese Micro-Influencer, weil sie damit ganz bestimmte Zielgruppen, z. B. Kinder, gut erreichen können.

Das können Sie tun, wenn ihr Kind „infiziert“ ist

Als Elternteil sollten Sie darüber aufklären, dass Transparenz und Ehrlichkeit bei Influencern oft nicht an erster Stelle stehen und stattdessen das Geldverdienen eine große Rolle spielt.
Erklären Sie Ihrem Kind, dass man auch Stars kritisch hinterfragen sollte und die sozialen Medien nur einen kleinen Teil der Realität widerspiegeln! Um dazu mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen, können Sie erst einmal danach fragen, was es an diesen Personen so fasziniert. Hilfreich ist dabei, sich an die eigene Jugend zu erinnern und sich zu fragen, welche Idole man selbst früher hatte und was an ihnen so toll war. Es ist normal, dass man sich Vorbilder sucht, wenn man dabei ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Regen Sie Ihr Kind an, darüber nachzudenken und stehen Sie als Ansprechperson bereit, wenn es Fragen hat.

Nicht selten entsteht bei Jugendlichen selbst der Wunsch, zum Influencer oder YouTube-Star zu werden. Dann sollten Sie es auf die verschiedene Regeln zu Produktplatzierung und Werbung hinweisen. Die Landesmedienanstalten haben hierfür außerdem einen übersichtlichen Leitfaden erstellt. Hinter dem Dasein als Influencer steckt meist mehr Arbeit als viele zunächst erwarten. Es besteht daher die Gefahr, dass ihr Kind sich überarbeitet. Lesen Sie dazu auch den Artikel: Kinder-Influencer und Familienkanäle – versteckte Kinderarbeit im Netz?

Unsere Kollegen von Klicksafe habe das Phänomen Influencer in einem Video von #Elterninformiert zusammengefasst.

BibisBeautyPalace – warum Jugendliche auf sie abfahren

Wer ist eigentlich diese Bibi, von der Ihre Tochter die ganze Zeit redet? Gibt es sie wirklich? Viele Mädchen warten gespannt, dass YouTuberin Bianca Heinicke alias Bibi von BibisBeautyPalace eine neue Folge von „Instagram bestimmt meinen Tag“ auf YouTube hochlädt. So ein Video erreicht innerhalb von wenigen Tagen Aufrufe in Millionenhöhe. Bibis Fans entscheiden eifrig mit, was Bibi als nächstes tun soll. Wie kommt es, dass YouTuberin Bibi eine so hohe Anzahl von Jugendlichen erreicht und begeistert?

Wer ist diese Bibi?

Die 25-jährige Bibi Heinicke gilt mit aktuell 5.141.532 Abonnenten als eine der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands (Stand: 08.06.2018). Sie ist seit Ende des Jahres 2012 auf YouTube aktiv und startete mit „BibisBeautyPalace“ als Kosmetik- und Mode-Ratgeber. Mittlerweile entwickelte sich ihr Kanal zu einer Art Lifestyle-Kanal mit ganz verschiedenen, alltäglichen Themen. Bibi erklärt in Schmink-und Haartutorials die neusten Trends, gibt Tipps zu typisch pubertären Problemen rund um Liebe und Freundschaft und lässt die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer in sogenannten Vlogs (Videotagebuch) in ihr angebliches Privatleben blicken. Man sieht sie mit ihrem Freund – ebenfalls ein YouTuber – herumalbern, beim Einkaufen und im Urlaub. Sogar die Nachricht ihrer Schwangerschaft verkündet Bibi publikumswirksam in einem eigens gefertigten Spezial-Video auf YouTube.

Bibi gibt sich scheinbar authentisch, ist immer gut gelaunt und lebensfroh. Sie spricht zu ihren Abonnenten wie mit guten Freunden oder Familienmitgliedern. Durch vertraut wirkende Anreden wie „Hallihallo ihr Lieben“ und Verabschiedungssätze wie „Ich hab euch lieb“ wird der Anschein erweckt, dass zwischen Bibi und ihren Fans Nähe und Vertrautheit herrscht. Einen besonderen Eindruck macht das vor allem auf die vielen weiblichen Fans zwischen 10-18 Jahren, die in ihr eine Art große Schwester sehen. Als „Bibinator“ bezeichnen sich die besonders treuen Anhänger. Im Internet existiert sogar ein Selbsttest, mit dem sich herausfinden lässt, ob das eigene Wissen über Bibi schon für die Zuordnung zum Kreis der „Bibinatoren“ reicht.

Von Beruf Influencer

Die gut gelaunte Bibi und der freundschaftliche Umgang mit ihrem Publikum sind gewollt. Dahinter steckt ein Marketingkonzept und es fließt viel Geld. Das Dasein als YouTube-Star Bibi ist Bianca Heinickes Beruf und Geld verdient sie durch Werbung. Man nennt das Influencer-Marketing. Dieses Geschäftsmodell hat sich durch Soziale Netzwerke wie YouTube oder Instagram entwickelt. Dabei wird der große Einfluss (= (engl.) influence) des YouTube-Stars auf Heranwachsende genutzt, um Produkte von bezahlten Kooperationen (wie z. B. Kosmetikfirmen) durch die gezielte Platzierung in Videos zu erwähnen, zu bewerten oder anzupreisen, oft auch ohne Werbekennzeichnung. Wenn Influencer wie Bibi nicht nur auf einem Kanal wie YouTube, sondern ebenso auf Instagram, Snapchat usw. aktiv sind, werden mit dieser verschleierten Werbung noch mehr Menschen erreicht. Auch das ist Teil des Marketingkonzepts. Ebenso wie Bibis Schwangerschaft. Das Thema dominiert die Inhalte all ihrer Kanäle. Es werden sich auch in Zukunft wahrscheinlich viele weitere Anlässe ergeben, ihre Fan-Community an den intimsten Momenten des Lebens teilhaben zu lassen und damit gleichzeitig ganz neue Geschäfts- und Vermarktungsfelder zu erschließen.

Werbung verstehen lernen

Interaktionen mit Zuschauenden sind eine beliebte Werbestrategie. Mit Sätzen wie „Schreibt doch mal eure Meinung in die Kommentare“ werden die Follower zur Interaktion aufgefordert. Auf diese Weise wird der Beitrag der Influencerin bekannter und umso mehr Geld kann sie verdienen. Kinder sollten lernen, dass Werbung nicht immer eindeutig zu erkennen ist. Machen Sie Ihr Kind auf diese versteckte Werbung aufmerksam, damit es einordnen kann, was hinter vielen Videos von YouTubern steckt. Nur so kann es einen reflektierten und medienkompetenten Umgang mit Videoformaten derartiger Form lernen.
Kommen Sie mit Ihrem Kind ins Gespräch und zeigen Sie Interesse an seinem YouTube-Star. Fragen Sie nach, aus welchen Gründen Ihr Kind Bibi oder andere YouTuber toll findet und schauen Sie sich gemeinsam deren Videos an. Nehmen Sie das zum Anlass, um auch andere Dinge anzusprechen: Welche Werte werden in den Videos von BibisBeautyPalace vermittelt? Oft steht der Konsum im Vordergrund und ein leichtfertiger Umgang mit Geld.
Auch die Darstellung von klischeehaften Geschlechterrollen kann in YT-Videos ein Problem sein. Es werden angeblich typische Verhaltensweisen von Mädchen und Jungs aufgezeigt.

Mehr zur Faszination YouTube-Stars bei Kindern und Jugendlichen, können Sie hier nachlesen.

Faszination YouTube-Stars

Bestimmt erinnern Sie sich noch an die Lieblingsstars Ihrer Kindheit. Haben Sie noch all die Bravo-Poster der vergötterten Bands in Kinderzimmern vor Augen? Vielleicht waren Sie sogar in einem Fanclub?

YouTube – Videos rund um die Uhr

Gemeinsam schwärmt es sich besser für einen Star als alleine – das hat sich bis heute nicht geändert. Die Videoplattform YouTube kreiert ganz andere Arten von Stars, als wir sie von früher kennen. Und bei Jungen und Mädchen ab etwa zehn Jahren steht YouTube hoch im Kurs: Sie gehört zu den beliebtesten Internetangeboten bei Kindern und Jugendlichen und mit ihr die Macher der dort zu findenden Videos.

Mit dem Smartphone haben sie die Videos ihrer Stars immer dabei. YouTube macht es möglich, dass sich Ihr Kind sein gewünschtes Programm nach Lust und Laune zusammenstellen kann. Die Person hinter dem Star scheint längst nicht mehr unerreichbar. YouTuber bzw. Inflluencer sind oft Vorbilder für Kinder und gelten als „cool“. Da sie teilweise kaum älter sind und ähnliche Interessen verfolgen, sind sie wie eine digitale Erweiterung des eigenen Freundeskreises. Im Gegensatz zu klassischen Vorbildern und Stars vermitteln YouTuber den Eindruck, sich in ihren Videos ganz normal und authentisch zu verhalten und sich genauso zu geben, wie sie sind. Das kommt bei vielen Kindern gut an und manchmal wünschen sie sich selbst, in die Rolle eines YouTubers oder einer YouTuberin zu schlüpfen.

Der direkte Draht zu den Stars

Die Möglichkeit, direkt unter einem Video Kommentare zu hinterlassen, auf die der YouTuber vielleicht im nächsten Video Bezug nimmt, stellt noch mehr gefühlte Nähe zwischen Star und Fan her. Das versuchen viele YouTuber auch, indem sie in ihren Videos an das Alltagswissen der jungen Zuschauer anknüpfen. Mit verschiedenen Formaten wie Vlogs, einer Art öffentliches Tagebuch in Videoform oder „Follow me around“, bei denen die Zuschauer gefühlt einen ganzen Tag des Stars miterleben, kommt man den YouTube-Stars in ihrer Freizeit anscheinend ganz nah. In sogenannten Let’s Plays können sie ihre Stars beim Computerspielen beobachten und sich Tipps holen.

Nutzer haben oft auch die Möglichkeit, über neue Videos und Themen zu entscheiden, sie können regelmäßig etwas gewinnen und werden auf diversen Social-Media-Kanälen mit Neuigkeiten versorgt, auch wenn gerade kein neues Video veröffentlicht wird.

Auch Ihr Kind bewundert einen oder mehrere YouTube-Stars und würde am liebsten die ganze Zeit Videos schauen? Wir haben ein paar mögliche Regeln zur YouTube-Nutzung in der Familie zusammengestellt.

Es ist gar nicht so einfach zu verstehen, was Kinder und Jugendliche an YouTube und ihren Stars fasziniert. Im Projekt ACT ON! wurden die bei 10- bis 14-Jährigen beliebtesten YouTube-Stars genauer unter die Lupe genommen. Mehr zu den einzelnen YouTubern gibt es auf dem Projektblog von ACT ON! nachzulesen.

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