Ob Mode, Fitness, Gaming, Wissen oder Lifestyle – Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit auf Social Media und treffen dort auf digitale Vorbilder. Influencer*innen präsentieren Inhalte, die unterhalten, inspirieren oder informieren. Dieser Überblick zeigt Eltern, welche Arten von Influencer*innen es gibt, welche Themen sie bedienen, worauf Jugendliche besonders achten und welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben.
Sie wissen, was auf den Laufstegen, bei den Modelabels und in den Läden gerade los ist: Fashion-Influencer*innen zeigen aktuelle Trends, geben Stylingtipps und kombinieren Kleidung oft mit Beauty-, Sport- oder Lifestyle-Themen. Viele Kinder und Jugendliche nutzen diese Profile als Inspiration für den eigenen Stil, Outfits und Selbstdarstellung.
Potenziell problematisch: unrealistische Schönheits- und Körperideale, hoher Konsumdruck, Werbung für Produkte.
Fitness-Influencer*innen zeigen Workouts, Ernährungstipps und Motivation für einen aktiven Lebensstil. Manche orientieren sich dabei bewusst am Alltag ihrer Follower*innen und geben Anregungen, wie sich Bewegung und gesunde Ernährung in den Tagesablauf integrieren lassen. Sie sprechen sowohl sportlich ambitionierte Jugendliche als auch Einsteiger*innen an.
Potenziell problematisch: übertriebene Körperideale, unrealistische Trainingsziele, Werbung für Produkte oder Nahrungsergänzung.
Vom Sparbuch zum Krypto-Depot: Finfluencer*innen erklären Sparen, Geldanlage, Trading und Kryptowährungen. Sie verbinden Tipps oft mit persönlichen Erfolgsgeschichten und glamourösen Lifestyle-Darstellungen. Ältere Jugendliche stoßen auf diese Kanäle, wenn Taschengeld, Nebenjobs oder erste größere Anschaffungen relevant werden.
Potenziell problematisch: fehlende Qualifikation, unrealistische Gewinnversprechen, Monetarisierung, mögliche finanzielle Verluste.
Politik, Naturwissenschaft, Psychologie oder Geschichte – Wissens-Influencer*innen vermitteln komplexe Themen anschaulich und verständlich. Sie erklären Inhalte kurzweilig, nahbar und oft mit einem Augenzwinkern. Viele Jugendliche nehmen sie nicht nur als Informationsquelle wahr, sondern auch als Vorbilder, die Sprache, Argumentationsweisen oder schulische Interessen beeinflussen.
Potenziell problematisch: begrenzte Tiefe, Fehleranfälligkeit, Monetarisierung, vereinfachte Darstellungen.
Chips und Popcorn raus – Let’s Player*innen spielen Videospiele und kommentieren Strategien, Tipps und Geschichten. Die Gaming-Szene ist männlich geprägt, doch weibliche und queere Let’s Player*innen gewinnen zunehmend an Bedeutung und dienen Kindern und Jugendlichen als Vorbilder.
Potenziell problematisch: Suchtpotenzial, übermäßige Bildschirmzeit, Monetarisierung, Interaktion mit Fremden.
Ob Basteln, Backen oder das eigene Zimmer gestalten – DIY-Influencer*innen zeigen Schritt-für-Schritt-Anleitungen für kreative Projekte. Kinder und Jugendliche können ihre eigenen Fähigkeiten ausprobieren und Ideen nachmachen.
Potenziell problematisch: Nachahmungsrisiko bei gefährlichen Arbeiten, Werbung für Produkte, Monetarisierung.
Sie lassen ihre Follower*innen am scheinbaren Alltag teilhaben: Frühstück zubereiten, shoppen, dekorieren oder Sport treiben – Lifestyle-Influencer*innen zeigen Alltagsinhalte und Unterhaltung. Jugendliche nehmen hier Vorbilder wahr, orientieren sich an Vorlieben und Alltagsritualen.
Potenziell problematisch: unrealistische Alltagserwartungen, Konsumdruck, Werbung, Privatsphäre.
Tanzen, Comedy, Pranks – Unterhaltungs-Influencer*innen bieten kurze, witzige Inhalte. Sie sind Stars auf Peer-Group-Ebene und liefern Unterhaltung, selten aber tiefere Informationen.
Potenziell problematisch: Gewalt- oder Scherzinhalte, Monetarisierung, unkontrollierte Kommentare.
Sie setzen sich für Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Toleranz oder psychische Gesundheit ein. Sinnfluencer*innen motivieren Kinder und Jugendliche, sich gesellschaftlich zu engagieren.
Potenziell problematisch: einseitige Darstellungen, Ideologisierung, mögliche Werbung oder Sponsoring.
Sie filmen Beauty-Tutorials, stellen Produkte vor oder geben Tipps zur Hautpflege. Oft bewerben sie dabei auch eigene Produkte. Für Jugendliche können solche Inhalte hilfreich sein. Gleichzeitig können sie aber auch das Gefühl verstärken, am eigenen Körper ständig etwas verändern zu müssen.
Potenziell problematisch: unrealistische Schönheitsideale, problematische Körperbilder, Werbung, Produktplatzierungen.
Food-Influencer*innen zeigen Rezepte, Food-Trends und Tipps rund ums Essen. Ihre Inhalte sind oft kreativ, unterhaltsam und nah an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Das macht Lust, Neues auszuprobieren und Essen auch als Teil von Lifestyle und Selbstausdruck zu erleben.
Potenziell problematisch: ungesunde Sport- und Ernährungspläne, falsche Gesundheitsversprechen, unrealistische Schönheitsideale, Werbung, Konsumdruck.
Queere Influencer*innen sind in allen Feldern der zuvor genannten Bereiche aktiv und geben Kindern und Jugendlichen Einblicke in unterschiedliche queere Lebensrealitäten. Sie eröffnen neue Perspektiven, können Mut machen, für Diskriminierung sensibilisieren und das Gefühl vermitteln, mit Fragen zu Identität, Liebe oder Zugehörigkeit nicht allein zu sein.
Potenziell problematisch: Werbung, fehlende Einordnung sensibler Themen, einseitige Orientierung an Vorbildern aus sozialen Medien.
Kinder und Jugendliche begegnen queeren Themen häufig über Social Media. Auf TikTok, Instagram, YouTube, Twitch und Co geben queere Influencer*innen Einblicke in ihr Leben: Sie sprechen über Mode, Körperbilder oder Politik, zeigen Reisen, Routinen oder ganz alltägliche Situationen. Sie machen so queere Lebensrealitäten in all ihren Facetten sichtbar. Für viele junge Menschen sind diese Inhalte Teil ihrer alltäglichen Medienwelt – manchmal beiläufig, manchmal sehr bedeutsam.
Queere Influencer*innen bewegen sich in ganz unterschiedlichen Themenfeldern. Sie machen Fitness– oder Beauty-Content, sind politisch aktiv oder erzählen aus ihrem Alltag. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich der LGBTQIA+-Community zugehörig fühlen und dies offen kommunizieren. Sie können zum Beispiel schwul, lesbisch, bi, trans, nicht-binär, intergeschlechtlich oder asexuell sein. Mehr zu den Begriffen finden Sie im Online-Lexikon von kindersache.
Wie stark das Queer-Sein in ihren Profilen im Vordergrund steht, ist sehr unterschiedlich. Manche teilen regelmäßig ihre persönlichen Erfahrungen und besprechen Themen wie Identität, Coming-out, Körperbilder, Liebe und Freundschaft. Dabei thematisieren sie auch Problematisches wie Diskriminierung und setzen sich für mehr gesellschaftliche und politische Sichtbarkeit ein. Für andere ist ihre queere Identität eher ein selbstverständlicher Teil ihrer Person, der ihren Content mitprägt, aber nicht immer eine Rolle spielt.
Natürlich gibt es nicht „den“ oder „die“ queere Influencer*in auf Social Media. Die Community ist groß und die Personen sind sehr unterschiedlich. Fünf sehr bekannte Beispiele sind diese:
Einen Einblick in das Leben als Drag Queen ermöglicht Milo Pochylski als Aria Addams. Auf YouTube, Instagram, TikTok und Twitch teilt er Schmink- und „Get ready“-Videos, bäckt unter dem Motto „Only Bakes“, äußert sich zu allerlei Themen des Alltags oder trifft Gäste. Außerdem war er bereits in der TV-Show Queen of Drags zu sehen.
„Your non-binary sibling“ steht ganz oben auf dem Profil: „Dein nicht-binäres Geschwister“: Gialu.mx ist seit 2020 auf sozialen Medien aktiv, macht Content zu Themen wie Transition, Nicht-Binarität und mentaler Gesundheit und erreicht damit fast 2 Millionen Follower*innen auf TikTok und Instagram. Häufige Themen sind der Weg zur eigenen Identität, Körperbilder, gesellschaftliche Vorurteile, aber auch Themen wie Sport oder Ernährung.
Reisen, Heiraten, Mutter werden – das alles passiert auf dem Profil von Vanessa Borck alias Nessiontour. Zunächst nahm sie ihre Follower*innen mit ins Familienleben mit ihrer ersten Frau und der gemeinsamen Tochter. Nach der Trennung trat sie in einer queeren Datingshow und gemeinsam mit einer Profitänzerin in einer Tanzshow auf und macht ihren Alltag als lesbische Frau sichtbar.
Zum Thema Polyamorie der wohl bekannteste Name im deutschsprachigen Raum ist Saskia Michalski. Vor ca. 100.000 Follower*innen spricht Saskia Michalski über das Leben in offenen Beziehungsmodellen, über den eigenen Weg zur nichtbinären (Geschlechts-)Identität, über Toleranz und auch über die Schwierigkeiten. Auch als Autor*in, Podcaster*in, Speaker*in und Berater*in tritt Saskia Michalski auf.
Seit 2017 tummelt sich Tim Kampmann alias twenty4tim auf allen Kanälen: Er bespielt TikTok, Instagram und YouTube, nimmt an Fernsehshows wie „Ich bin ein Star“ teil und arbeitet als Model oder Sänger. Auf Social Media spielt neben Trends, Pranks und Schlaglichtern in sein Leben vor allem sein Freund Edin eine zentrale Rolle.
Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der sie ihre Identität und ihren Platz in der Welt erst finden müssen. Unter anderem auf Social Media suchen sie nach Orientierung zu allen möglichen Themen: Lebensmodelle und Berufswege, Rollenbilder, Geschlechteridentität und sexuelle Orientierung. Influencer*innen zeigen ihnen dabei ganz unterschiedliche Perspektiven auf. Sie vermitteln Informationen, schaffen Verständnis und sprechen jungen Menschen Selbstbewusstsein zu, ihren eigenen Weg zu gehen. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich selbst der queeren Community zuordnen, aber vielleicht keine Vorbilder oder Ansprechpersonen in ihrem direkten Umfeld haben, können sich hier verstanden fühlen oder Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen.
Aber auch wer selbst nicht queer ist, kann den eigenen Horizont erweitern, Verständnis und Toleranz aufbauen und eigene Positionen finden. Gleichzeitig spielt auch Unterhaltung eine große Rolle. Queere Influencer*innen klären nicht nur auf, sondern sind oft kreativ, witzig, stylish, politisch, spielerisch oder provokant. Jugendliche folgen ihnen nicht unbedingt wegen eines Labels, sondern weil sie ihre Inhalte spannend finden.
Ob queer oder nicht: Wenn Kinder und Jugendliche auf Social Media unterwegs sind und Influencer*innen für sich entdecken, können und sollten Eltern sie dabei begleiten. Zeigen Sie Interesse, stellen Sie Fragen und lassen Sie sich auf die Themen ein, die Ihr Kind beschäftigt. So bleiben Sie im Gespräch, bekommen Einblick in seine Medienwelt und können es in seiner Entwicklung unterstützen.
Social Media folgt eigenen Regeln: Vieles wirkt dort leichter, schöner oder aufregender als im „echten“ Leben. Fotos und Videos sind oft stark bearbeitet, Geschichten verkürzt oder zugespitzt. Außerdem geht es bei vielen Inhalten auch darum, Aufmerksamkeit zu bekommen oder Geld zu verdienen. Eine gewisse Skepsis online ist immer sinnvoll.
Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind darüber, wie es Content einordnen kann: Was ist persönliche Erfahrung, was ist Meinung, was ist Werbung? Machen Sie deutlich, dass es im Netz auch Menschen gibt, deren Aussagen verunsichern, abwerten oder schaden können. Fragen Sie im Zweifel nach, schauen Sie gemeinsam genauer hin und hinterfragen Sie problematische Positionen.
Gerade bei sensiblen Themen wie Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung hat jede Person ihre eigene Geschichte. Mediale Vorbilder können für Kinder und Jugendliche wichtig und stärkend sein. Gleichzeitig brauchen sie Menschen im direkten Umfeld, mit denen sie über ihre Fragen, Gefühle und Erfahrungen sprechen können – Freund*innen, Eltern oder bei schwierigen Fragen auch Fachkräfte aus Beratungsstellen.
Sie schnibbeln und zupfen, braten und backen, rühren und mixen – und lassen uns immer ganz genau reinschauen in ihre Töpfe, Pfannen und Tassen. Bei Foodfluencer*innen dreht sich alles ums Essen und Trinken.
Wo früher noch das dicke Koch- und Backbuch stand, hat sich längst das Smartphone oder Tablet breit gemacht: Statt uns durch 1.000 Seiten Rezepte zu blättern, reichen ein Suchbegriff und wenige Klicks und wir werden nett und kurzweilig durch die Essenszubereitung begleitet. Foodfluencer*innen laden uns auf Social Media in ihre Küchen ein und haben allerlei Ideen, Tipps und Angebote rund um Ernährung für uns. Da gibt es die traditionelle Küche neben neuen veganen Rezepten, exklusive Speisen und solche für den schlanken Geldbeutel. Auch Ernährungstipps zum Abnehmen, zum Muskelaufbau, für mehr Gesundheit, mehr Energie oder schönere Haut sind Teil des Contents. Dabei sind die Influencer*innen so verschieden wie ihre Ernährung: von jung bis älter, von ausgebildeten Köch*innen über erfahrene Freizeit-Gourmets bis zu Neueinsteiger*innen. Hier scheint für alle das richtige Food-Profil dabei zu sein.
Essen ist nicht nur eine Notwendigkeit – es ist immer auch Teil der Identität. Kinder und Jugendliche, die gerade ihre eigene Identität entdecken, finden häufig auch in Foodfluencer*innen Vorbilder und Anregung. Sie möchten vielleicht Neues ausprobieren, sich von den Essgewohnheiten im Elternhaus abnabeln. Manche Jugendliche suchen nach gesunden Rezepten oder wollen einem Trend folgen. Andere wollen abnehmen oder Muskeln aufbauen. Oder sie interessieren sich für vegane oder nachhaltige Ernährung. Foodfluencer*innen machen das sonst manchmal etwas eingestaubte Thema Ernährung in ihren Videos attraktiv und leicht verständlich. Sie sprechen die Sprache ihres jungen Publikums, laden sie in ihr Alltagsleben ein und bieten neben Anleitungen zur Nahrungszubereitung oft auch Weltanschauungen und Lebensweisheiten, nach denen ihre Follower*innen suchen.
Für Eltern ist es oft erstmal eine gute Nachricht, wenn der Nachwuchs sich in der Küche betätigt. Gesundes Frühstück statt Schokoaufstrich – und am Wochenende zaubern die Kinder einen Kuchen auf den Tisch. Wer würde sich da beschweren? Bei aller Freude gilt aber auch bei Foodfluencer*innen: Informieren Sie sich, wer da über den Bildschirm flimmert, schauen Sie den scheinbaren Küchen-Expert*innen gemeinsam zu, tauschen Sie sich aus und behalten Sie die nötige Skepsis.
Manche Foodfluencer*innen sind echte Profis – doch es gibt auch Ernährungs- und Weltanschauungstipps, bei denen man vorsichtig sein sollte. Manche Sport- oder Diät-Pläne gehen viel zu weit oder sind ungesund. Gerade wenn Ernährung als Allheilmittel dargestellt wird, sollten die Alarmglocken läuten. Besonders kritisch ist es, wenn Rezeptideen mit scheinbar perfekten Körpern, Fitnessversprechen oder sehr schlanken Schönheitsidealen verknüpft sind. Zudem können bearbeitete oder KI-generierte Bilder unrealistische Vorstellungen davon verstärken, wie Körper angeblich aussehen sollten.
Zudem verdienen viele Foodfluencer*innen sehr viel Geld mit Werbung – entweder weil sie eigene Produkte verkaufen oder weil sie Kooperationen mit Lebensmittelherstellern eingehen. Für Kinder und Jugendliche ist oft nicht leicht zu erkennen, wo ein ehrlicher Tipp endet und Werbung beginnt. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Influencer*innen und Social-Media-Werbung das Online-Kaufverhalten junger Menschen deutlich beeinflussen können. Prüfen Sie gemeinsam, ob ein Produkt wirklich sinnvoll ist, ob es als Werbung gekennzeichnet ist und ob andere, unabhängige Quellen die Versprechen bestätigen.
Manche Foodfluencer*innen setzen außerdem bewusst auf besonders eklige oder absurde Rezepte und ernten bewusst Hasskommentare. Die Aufregung in den Kommentaren sorgt für Aufmerksamkeit und kann so ihre Reichweite erhöhen. Bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch. Am schönsten ist es, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Kind durch Food-Inhalte stöbern, sich austauschen, Inhalte vergleichen – und danach zusammen in der Küche etwas Neues ausprobieren. Das macht im besten Fall Spaß! Und wenn es ein Reinfall war, war es wenigstens lustig.
Die Welt der Foodfluencer*innen ist groß und unüberschaubar. Wer sich auf die Suche nach guten Inhalten macht, findet vieles – und muss gut prüfen, was davon wirklich funktioniert und schmeckt. Ein paar bekannte Beispiele sind diese:
„Aber sie darf das doch auch!“ Viele Eltern kennen die Situation: Das ältere Kind schaut eine Serie, spielt ein neues Game oder nutzt Social Media – und das jüngere möchte mitmachen. Für Eltern ist das nicht immer leicht, denn sie möchten ihr Kind schützen und gleichzeitig seinen Frust ernst nehmen.
Ältere Geschwister sind wichtige Vorbilder. Gerade die Jüngeren wollen oft genau das erleben, was die Älteren tun. Altersfreigaben oder Entwicklungsunterschiede können sie aber noch nicht gut einordnen. Es wirkt schnell unfair, wenn das ältere Geschwisterkind etwas darf, das ihnen selbst noch nicht erlaubt ist. Dieses Gefühl ist völlig normal und kein Zeichen dafür, dass Sie als Eltern etwas falsch machen. Sie nehmen den Schutz Ihres Kindes ernst. Kinder vergleichen sich miteinander und lernen nach und nach, dass unterschiedliche Regeln sinnvoll sein können.
Viele Kinder geraten nicht aus eigener Suche an ungeeignete Angebote. Häufig passiert das auf dem Sofa, im Auto oder im Wartezimmer. Auch ältere Geschwister oder Freund*innen zeigen manchmal Videos, die noch nicht geeignet sind. Selbst die besten Jugendschutzeinstellungen helfen wenig, wenn einfach mitgeschaut oder -gehört wird. Deshalb lohnt es sich, nicht nur Geräte im Blick zu haben, sondern auch typische Alltagssituationen, in denen Medien gemeinsam genutzt werden.
Regeln werden leichter akzeptiert, wenn Kinder die Gründe dahinter verstehen. Erklären Sie in einfachen Worten, warum bestimmte Filme, Spiele oder Apps noch nicht passen. Sätze wie „Als deine Schwester so alt war wie du, durfte sie das auch noch nicht“ oder „Du wirst älter und bekommst nach und nach mehr Freiheiten“ helfen oft mehr als ein schlichtes „Nein“. Kinder verstehen Regeln oft besser, wenn klar wird, dass sie ihrem Alter und ihren Erfahrungen entsprechen. Sie sollen Medien kennenlernen, aber in einer Form, die sie gut verarbeiten können.
Ältere Geschwister können wichtige Verbündete sein. Sie sollen nicht die Rolle einer Aufsichtsperson übernehmen, können aber lernen, Rücksicht zu nehmen. Sprechen Sie mit ihnen darüber, warum manches für Jüngere noch nicht geeignet ist. Oft reichen kleine Absprachen, etwa Kopfhörer zu nutzen oder bestimmte Inhalte nur dann zu schauen, wenn die Kleineren nicht im Raum sind. Die Verantwortung für den Schutz bleibt dennoch bei den Erwachsenen.
Ganz verhindern lässt sich das nicht. Bleiben Sie dann möglichst ruhig und fragen Sie nach, was Ihr Kind gesehen hat und wie es das erlebt. Ein einzelner solcher Moment ist meist kein Grund zur Sorge. Wenn Ihr Kind jedoch immer wieder von einer Szene erzählt, viele Fragen stellt, schlechter schläft oder verunsichert wirkt, können weitere Gespräche helfen, das Erlebte einzuordnen. Wichtig ist vor allem, dass Ihr Kind weiß, dass es mit allem, was es beschäftigt, jederzeit zu Ihnen kommen kann.
Sie finden keine Antwort auf Ihre Frage? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um die Mediennutzung Ihres Kindes direkt und bequem per Messenger-Service über WhatsApp oder Threema.
Ob in Social-Media-Clips, Memes und Kommentaren oder in Gruppenchats wie Telegram: Kinder und Jugendliche begegnen im Internet vielen Meinungen. Manche Inhalte wirken auf den ersten Blick lustig, spannend oder harmlos. Dahinter können aber extreme Botschaften stecken.
Extremistische Gruppen nutzen solche Wege gezielt, um Jugendliche zu erreichen. Sie geben einfache Antworten auf schwierige Fragen, vermitteln extreme Rollenbilder und schüren Hass gegen bestimmte Menschen oder Gruppen. Gerade weil solche Inhalte oft unterhaltsam oder nah an der Lebenswelt und Sprache Jugendlicher wirken, können sie faszinieren und beeinflussen.
Wenn Ihr Kind plötzlich sehr harte Aussagen macht, bleiben Sie möglichst ruhig. Ein sofortiges Verbot oder ein wütender Streit kann dazu führen, dass Ihr Kind sich verschließt. Fragen Sie nach. Zum Beispiel: „Wer sagt das?“, „Wo hast du das gesehen?“ oder „Was findest du daran überzeugend?“. So erfahren Sie mehr über die Quelle und zeigen Ihrem Kind: Ich interessiere mich für dich, nicht nur für deine Meinung.
Auch Online-Games, Discord oder Twitch können Orte sein, an denen extreme Gruppen Kontakt aufnehmen. Fragen Sie deshalb nicht nur: „Was spielst du?“, sondern auch: „Mit wem schreibst du dort?“ und „Gibt es Gruppen, in denen du aktiv bist?“
Wichtig ist, extreme Aussagen nicht einfach stehen zu lassen. Sagen Sie klar, wenn eine Aussage andere abwertet, bedroht oder menschenfeindlich ist und erklären Sie Ihrem Kind, warum Hate Speech verletzend und gefährlich sein kann. Bleiben Sie aber im Gespräch. Ihr Kind soll merken: Meine Eltern widersprechen mir, aber sie hören mir trotzdem zu.
Schauen Sie gemeinsam auf die Inhalte. Wer hat das Video gemacht? Welche Gefühle soll es auslösen? Gerade Desinformation arbeitet oft mit starken Gefühlen, halben Wahrheiten oder erfundenen Behauptungen. Kinder können lernen, solche Muster zu erkennen. Dabei helfen einfache Fragen wie „Kann das stimmen?“, „Wer profitiert davon?“ oder „Gibt es eine zweite Quelle?“
Sprechen Sie auch über Algorithmen. Wenn Ihr Kind ein Video lange anschaut, teilt oder kommentiert, bekommt es oft mehr ähnliche Inhalte angezeigt. Gemeinsam können Sie Kanäle entfolgen, Inhalte melden, Suchverläufe löschen oder Empfehlungen zurücksetzen. Nutzen Sie außerdem Melde-, Blockier- und Jugendschutzeinstellungen und machen Sie die Geräte Ihres Kindes sicherer. Diese Maßnahmen schützen nicht vollständig, können aber helfen.
Die gute Nachricht ist: Sie als Eltern können viel tun, bevor es ernst wird: Wichtig sind eine vertrauensvolle Beziehung, offene Gespräche und echtes Interesse an der Lebenswelt Ihres Kindes. Fragen Sie nach, welche Themen, Influencer*innen, Spiele, Gruppen oder Kanäle Ihr Kind gerade beschäftigen – ohne sofort zu bewerten oder zu verbieten.
Sprechen Sie regelmäßig über Medieninhalte: Welche Werte werden vermittelt? Zeigen Sie Ihrem Kind bewusst vielfältige Bücher, Serien, Spiele, Social-Media-Kanäle und Vorbilder, die unterschiedliche Lebensweisen, Familienkonstellationen, Geschlechterrollen und Meinungen sichtbar machen.
Hilfe holen, wenn es ernster wird
Wenn Sie merken, dass Ihr Kind sich stark zurückzieht, nur noch extreme Inhalte konsumiert, Hass verbreitet oder Kontakt zu radikalen Gruppen hat, holen Sie sich Hilfe. Wenden Sie sich an Beratungsstellen, Meldestellen oder in schweren Fällen an die Polizei. Sie müssen damit nicht allein bleiben.
Sie finden keine Antwort auf Ihre Frage? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um die Mediennutzung Ihres Kindes direkt und bequem per Messenger-Service über WhatsApp oder Threema.
Ob in Büchern, Serien, Filmen oder Hörgeschichten – Kinder erlernen Rollenbilder durch Medien. Denn Kinder identifizieren sich mit Figuren, die ihnen gefallen. Oft werden dabei klassische Bilder vermittelt, wie etwa von starken Helden und schönen Prinzessinnen. An diesen Rollenbildern orientieren sich Kinder, um eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Spätestens ab dem Grundschulalter wird das Geschlecht für die Identität von Kindern immer wichtiger. In vielen Kinderfilmen und Serien werden Mädchen und Jungen noch immer unterschiedlich dargestellt. Studien wie die MaLisa-Fortschrittsstudie (2021) zeigen: Im Kinderfernsehen sind männliche Figuren weiterhin häufiger sichtbar als weibliche. Besonders deutlich ist das bei Tier-, Fantasie-, Roboter- und Maschinenfiguren – sie werden nach wie vor überwiegend männlich dargestellt. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen: Der Anteil weiblicher Figuren im deutschen Kinderfernsehen ist gestiegen und lag 2020 bei 44 Prozent. Doch wenn Medien immer wieder ähnliche Geschichten erzählen – der mutige Junge rettet alle, das Mädchen ist vor allem schön oder fürsorglich – kann das Kinder einengen.
Trans und non-binäre Menschen kommen in Kinderfilmen und -serien bislang nur sehr selten vor. Meist erzählen Kindermedien weiterhin von Mädchen und Jungen innerhalb eines zweigeschlechtlichen Rollenbildes. Internationale Untersuchungen wie die Studie See Jane 2024 zeigen: LGBTQIA+ Figuren machen im populären Kinderfernsehen mit ein bis zwei Prozent nur einen sehr kleinen Anteil aus; nonbinäre Figuren sind nahezu unsichtbar. Dabei können vielfältige Figuren Kindern helfen zu verstehen, dass es unterschiedliche Arten gibt, Geschlecht, Familie und Identität zu leben.
Auch bei der Darstellung der Körper und Rollen bleiben viele Medienangebote einseitig. Weibliche Figuren werden häufiger jung, schlank, schön oder fürsorglich gezeigt. Männliche Figuren treten muskulös, stark und sportlich auf und erleben öfter Abenteuer oder erklären die Welt. In Familiengeschichten werden bei Kindererziehung und Hausarbeit weiterhin eher Frauen gezeigt, während Männer häufiger in beruflichen oder öffentlichen Rollen erscheinen. Wenn Kinder und Jugendliche immer wieder einseitige Schönheits- und Körperbilder sehen, kann sie das verunsichern – besonders, wenn sie diese Bilder als „normal“ wahrnehmen und sich damit vergleichen. Studien zeigen: Das kann die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken.
Berufe helfen Kindern, sich ihre eigene Zukunft vorzustellen. Dabei orientieren sie sich auch an Figuren aus Büchern, Serien, Filmen oder Hörgeschichten. In vielen Geschichten sind Berufe jedoch immer noch stereotyp verteilt: Frauen kümmern sich häufiger um Kinder, Familie oder Pflege. Männer lösen Probleme, erleben Abenteuer oder treten als Experten auf.
So kann der Eindruck entstehen: Manche Berufe passen eher zu Mädchen, andere eher zu Jungen. Dabei ist die Arbeitswelt heute viel bunter. Eine Mutter kann Ingenieurin, Ärztin oder Wissenschaftlerin sein; ein Vater kann Erzieher, Pfleger oder Hausmann sein. Solche Beispiele sind wichtig, weil Berufswünsche oft schon früh durch Rollenbilder beeinflusst werden. Außerdem entstehen durch Technik und Digitalisierung ständig neue Berufe, die in Kinderbüchern und Serien bisher kaum vorkommen. Wenn ein Junge dann trotzdem Feuerwehrmann oder ein Mädchen Ballerina werden möchte, ist das natürlich auch völlig in Ordnung.
In vielen Bilderbüchern bestehen Familien aus einer Frau, einem Mann und ein bis zwei Kindern. Väter kommen oft nur als Nebenfigur vor. Dabei ist das tradierte Mutter-Vater-Kind-Modell, in dem die Mutter sich um die Kinder kümmert und der Vater zur Arbeit geht, heute nur ein Familientyp von vielen. Viele Kinder haben mehrere Bezugspersonen, die sich um sie kümmern. Dazu zählen zum Beispiel die neuen Partner*innen der (getrennt-lebenden) Eltern. Auch Regenbogenfamilien mit queeren Eltern werden in Kindermedien selten abgebildet. Und wo kommen eigentlich die Erwachsenen vor, die nicht in einer Partnerschaft leben, sich aber trotzdem gern um die Kinder ihrer Freund*innen oder Familienmitglieder kümmern?
Wenn Ihnen fragwürdige Geschlechterdarstellungen auffallen, sprechen Sie diese ruhig an: Wer darf in der Geschichte stark sein? Wer kümmert sich? Wer entscheidet? So lernen Kinder, Rollenbilder zu hinterfragen.
Kinder brauchen unterschiedliche Vorbilder. Ein vielfältiges Medienangebot zeigt ihnen verschiedene Möglichkeiten, wie Menschen leben, fühlen und handeln können. Geschichten, die typische Rollenbilder aufbrechen, stärken Kinder darin, sich selbst anzunehmen und anderen offen, tolerant und respektvoll zu begegnen. Wir haben einige Medientipps für Sie zusammengestellt, die vielfältige Geschlechterrollen und unterschiedliche Familienformen zeigen:
Vielfältige Familien
Ich bin ich: Selbstbild und Geschlechtsidentität
Raus aus der Geschlechter-Schublade
Starke Freund*innenschaften und vielfältige Vorbilder
Mehr Medienempfehlungen finden Sie in diesem Artikel und z. B. bei den Regenbogenfamilien München und bei PINKSTINKS. Wenn Sie mehr zum Thema Geschlecht in Kindermedien wissen möchten, empfehlen wir diese Elternbroschüre zum Umgang mit Geschlechterrollen.
Das neue Lieblingsprofil wirkt freundlich, antwortet auf Kommentare und teilt ständig neue Fotos aus dem Alltag. Für viele Kinder sieht der Account aus wie andere Influencer*innen auf Instagram oder TikTok. Doch hinter manchen Profilen steckt gar kein echter Mensch. Immer mehr Influencer*innen auf Social Media werden mit Künstlicher Intelligenz erstellt.
KI-Influencer*innen sind erfundene Figuren auf Social Media. Bilder, Videos, Stimmen und Texte werden mit Hilfe von KI erstellt oder bearbeitet. Hinter den Profilen stehen meist Unternehmen oder Agenturen. Die Figuren präsentieren sich als Mode-Influencer*innen, Gamer*innen, Musiker*innen oder Lifestyle-Stars und erzählen aus ihrem angeblichen Alltag.
Besonders bekannt ist Lil Miquela aus den USA. Die virtuelle Influencerin veröffentlicht Modefotos, Musik und politische Botschaften und hat Millionen Follower*innen. Auch die deutsche KI-Figur Noonoouri arbeitet mit großen Modemarken zusammen und setzt sich öffentlich für nachhaltige Mode ein.
Mit KI können heute sehr schnell Bilder, Videos oder Texte für Social Media erstellt werden. Trotzdem handeln diese Figuren nicht eigenständig. Inhalte, Texte und Kooperationen werden von Menschen geplant und gesteuert. Für Unternehmen sind solche Figuren attraktiv, weil sie die Inhalte vollständig kontrollieren können. Viele dieser Figuren werden so gestaltet, dass sie auf Social Media besonders viel Aufmerksamkeit bekommen.
Auch rechtspopulistische und extremistische Gruppierungen nutzen KI-Influencer*innen. Die Profile zeigen oft junge, attraktive Personen. Sie verbinden harmlose Lifestyle-Inhalte mit radikalen oder diskriminierenden Botschaften, sie zeigen zum Beispiel Deutschlandflaggen, klassische Familienbilder oder treffen Aussagen gegen Migration. Andere Accounts erfinden eigene Wirklichkeiten und zeigen skurrile Zukunftsbilder. So sollen rechte Weltbilder moderner wirken und sich schrittweise verbreiten.
Es gibt auch Projekte mit positiven Zielen. Manche virtuelle Figuren sollen auf gesellschaftliche Themen aufmerksam machen oder zeigen, was mit KI kreativ möglich ist. Der Account Itskamisworld wurde zum Beispiel entwickelt, um Menschen mit Down-Syndrom sichtbarer zu machen. Trotzdem bleibt wichtig, Inhalte aufmerksam einzuordnen und Werbung erkennen zu können.
Kinder und Jugendliche nutzen Social Media zum Abschalten, Austauschen und Dazugehören. Influencer*innen spielen dabei oft eine wichtige Rolle. Virtuelle Influencer*innen wirken oft besonders perfekt und professionell, reagieren schnell auf Trends und scheinen ständig erreichbar zu sein. Genau das macht sie für viele junge Nutzer*innen interessant.
Vor allem jüngere Kinder hinterfragen oft nicht, wer hinter einem Profil steckt. Wenn ein Account regelmäßig kommentiert, aus dem Alltag erzählt und freundlich auf Nachrichten reagiert, entsteht schnell das Gefühl von Nähe.
Viele Jugendliche merken zwar eher, dass Inhalte künstlich erstellt wurden, stehen dafür aber stärker unter Druck durch Schönheitsideale und Vergleiche auf Social Media. Hohe Follower*innenzahlen, Likes und positive Kommentare verstärken den Eindruck, dass die Figur beliebt und glaubwürdig ist.
Für manche Nutzer*innen ist dabei gar nicht entscheidend, ob eine Figur real ist. Wichtig ist vor allem, ob die Inhalte unterhaltsam, kreativ oder spannend wirken.
Besonders schwierig ist, dass KI-Influencer*innen oft kaum von echten Menschen zu unterscheiden sind.
Mögliche Probleme:
Außerdem sind KI-Inhalte bisher oft nicht eindeutig gekennzeichnet. Es bleibt für Nutzer*innen häufig unklar, ob Bilder, Videos oder Figuren künstlich erstellt wurden.
Begleiten Sie Ihr Kind bei der Nutzung von Social Media und interessieren Sie sich dafür, welchen Profilen es folgt. Schauen Sie sich gemeinsam Profile an und sprechen Sie darüber, wie Inhalte auf Social Media entstehen. Viele KI-generierte Bilder wirken auf den ersten Blick perfekt oder besonders professionell. Manche Inhalte zeigen jedoch kleine Auffälligkeiten:
Kinder müssen nicht jede KI-Fälschung sofort erkennen. Wichtiger ist, nicht alles sofort zu glauben, was auf Social Media echt aussieht.
Sprechen Sie auch darüber, dass viele Influencer*innen mit ihren Inhalten Geld verdienen. Virtuelle Figuren wirken oft wie gute Freund*innen oder geben scheinbar ehrliche Empfehlungen. Dahinter stecken jedoch häufig Werbung und Unternehmen.
Hilfreich können Fragen sein wie:
Gerade jüngere Kinder können virtuelle Figuren schnell für echte Freund*innen halten. Wichtig ist, dass Kinder mit Fragen oder Unsicherheiten offen zu ihren Eltern kommen können.
Nicht jedes Kind braucht sofort ein Smartphone mit Internet und Apps. Für jüngere Kinder kann ein Tastenhandy ein guter erster Schritt sein: Kinder können telefonieren und Nachrichten schreiben, ohne ständig online zu sein. Viele Familien erleben das als entspannten Einstieg, weil Kinder dabei lernen, Verantwortung für ein eigenes Gerät zu übernehmen, zum Beispiel Akku laden, erreichbar sein, auf das Gerät achten und Regeln einhalten.
Manche Familien nutzen als Testphase ein gemeinsames Familiengerät oder ein älteres Smartphone der Eltern, das nur zu bestimmten Zeiten genutzt wird. Viele Kinder kennen digitale Medien schon über Tablets oder Familiengeräte. Das erste eigene Smartphone ist deshalb meist nicht der erste Medienkontakt, sondern der nächste Schritt zu mehr Selbstständigkeit.
Mehr dazu, wie Sie die Reife Ihres Kindes einschätzen können, finden Sie in unserem Eltern-Check-In „Mein Kind bekommt sein erstes Smartphone – worauf sollte ich achten?“.
Wenn es ein Smartphone sein soll, muss es nicht das neueste oder teuerste Modell sein. Für den Einstieg eignet sich ein solides, auch gebrauchtes oder generalüberholtes Smartphone, das noch regelmäßig aktualisiert wird. Für viele Kinder ist das Smartphone ein Statussymbol, Eltern müssen den Wunsch nach einem bestimmten Markenmodell aber nicht erfüllen.
Hilfreich sind außerdem:
Oft ist ein Gerät praktisch, das das gleiche Betriebssystem nutzt wie das Smartphone der Eltern. So fällt es leichter, Sicherheitseinstellungen, Bildschirmzeiten oder Familienfunktionen gemeinsam einzurichten und bei Problemen schnell zu helfen. Manche Familien vereinbaren außerdem, dass sich ältere Kinder an Anschaffung oder Reparaturen beteiligen. Dadurch gehen viele Kinder bewusster mit dem Gerät um.
Für das erste Smartphone kann eine Prepaid-Karte sinnvoll sein. So entstehen keine zusätzlichen Kosten und Kinder lernen, mit einem festen Guthaben umzugehen. Ist das Guthaben leer, kann Ihr Kind Sie allerdings unter Umständen nicht erreichen.
Bei einem Vertrag fallen meist monatlich feste Kosten an, oft mit Telefonie-Flatrate und viel mobilem Internet. Durch In-App-Käufe oder zusätzliches Datenvolumen können aber Zusatzkosten entstehen. Gerade jüngere Kinder verlieren dabei schnell den Überblick. Verträge eignen sich daher eher für Jugendliche mit etwas Smartphone-Erfahrung. Einstellungen wie Kostenlimits, Drittanbietersperren oder ein begrenztes Datenvolumen helfen, unerwartete Rechnungen zu vermeiden.
Wichtig ist nicht nur das Gerät, sondern auch die sichere Einrichtung. Sinnvolle Grundeinstellungen sind zum Beispiel:
Für das erste Smartphone können zusätzlich gesperrte Kontakte oder Kinderversionen von Apps sinnvoll sein. Regelmäßige Updates halten das Smartphone sicherer.
Technische Schutzfunktionen unterstützen, ersetzen aber keine Begleitung. Bleiben Sie mit Ihrem Kind daher über Apps, Chats und Inhalte im Gespräch. Sprechen Sie auch darüber, was Ihr Kind tun kann, wenn ihm online etwas komisch oder unangenehm vorkommt. Ein gemeinsam vereinbarter Mediennutzungsvertrag kann helfen, Regeln zu Nutzungszeiten, handyfreien Zeiten und Verhalten in Chats für alle Familienmitglieder transparent zu machen.
Sie finden keine Antwort auf Ihre Frage? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um die Mediennutzung Ihres Kindes direkt und bequem per Messenger-Service über WhatsApp oder Threema.
Auf TikTok, Instagram und Co. begegnen Kinder und Jugendliche vielen unterschiedlichen Personen, Lebensweisen und Meinungen. Soziale Medien können Vielfalt sichtbar machen und neue Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig gibt es dort auch Diskriminierung, Ausgrenzung und stereotype Schönheits- und Rollenbilder. Junge Menschen können durch einseitige Social-Media-Feeds und reichweitenstarke Influencer*innen beeinflusst werden – oft, ohne es direkt zu merken. In diesem Artikel zeigen wir, worauf Sie achten können und wie Sie ihr Kind dabei unterstützen, Social Media vielfältiger und bewusster zu nutzen.
Social Media bietet Menschen die Möglichkeit, sichtbar zu werden und sich für ihre Anliegen stark zu machen. Sogenannte Sinnfluencer*innen (ein Kofferwort aus “Sinn” und “Influencer*innen”) machen online zum Beispiel auf Barrieren im Alltag aufmerksam oder setzen sich gegen Rassismus, Umweltverschmutzung oder Queerfeindlichkeit ein.
Gleichzeitig sind Menschen, die im Alltag Diskriminierung erleben, auch oft online von Beleidigungen, Ausgrenzung oder Hass betroffen. Das kann bis zu Hate Speech oder Cybermobbing gehen. Auch Plattformen selbst können Menschen ausschließen – manchmal unbeabsichtigt. Das passiert zum Beispiel, wenn Angebote nicht barrierefrei sind. Für Menschen, die nicht gut sehen können oder Schwierigkeiten beim Lesen haben, sind zum Beispiel Vorlesefunktionen, Untertitel oder Bildbeschreibungen wichtig.
Problematisch kann es auch sein, wenn Inhalte zu Themen wie Behinderung, LGBTQIA+ oder Politik durch den Algorithmus automatisch herausgefiltert werden. Dann sind bestimmte Beiträge für manche Nutzer*innen nicht sichtbar. In der Vergangenheit gab es solche Fälle unter anderem bei TikTok; nach Kritik wurden sie wieder zurückgenommen.
Auf Social-Media-Plattformen begegnen uns häufig sich ähnelnde Bilder von Geschlechtern, Familien und Körpern. Dabei werden teilweise sehr gängige oder gar extreme Rollenbilder vermittelt. Das zeigt sich schon bei der Themenwahl: Accounts zu Mode, Beauty, Deko oder Ernährung werden oft von Mädchen und Frauen geführt. Bei Themen wie Technik, Kraftsport oder Finanzen sind dagegen vor allem männliche Personen zu sehen. Das kann Jugendliche beeinflussen: Wer viel Zeit auf Social Media verbringt, begegnet dort häufig stereotypen Rollenbildern, so geht es aus einer Studie der MaLisa-Stiftung hervor . Das kann beeinflussen, wie Jugendliche über Geschlechterrollen denken. Andere Perspektiven und vielfältigere Bilder findet oft erst, wer gezielt danach sucht – zum Beispiel über Hashtags wie #bodypositivity.
Besonders Influencer*innen können zu stereotypen Schönheits- und Rollenbildern beitragen. Viele erfolgreiche Influencerinnen zeigen sich schlank und langhaarig. Influencer präsentieren sich häufig sportlich und muskulös. Für viele Jugendliche sind Influencer*innen wichtige Vorbilder. Sie orientieren sich an ihrem Aussehen, ihren Posen, ihrer Mimik oder Gestik. Typisch sind zum Beispiel bestimmte Selfie-Posen, etwa wenn die Hand scheinbar beiläufig im Haar liegt.
Junge Menschen, die Influencer*innen folgen, vergleichen sich häufig stärker mit deren Aussehen. Um die eigenen Bilder an die Posts ihrer Vorbilder anzugleichen, greifen sie öfter auf Filter und Tricks zurück und orientieren sich dabei an klassischen Schönheitsstandards wie großen Brüsten bei den Mädchen und breiten Schultern bei den Jungen.
Fragen Sie Ihr Kind, wem es auf Social Media folgt und was es an den Inhalten fasziniert. Informieren Sie sich über aktuelle Influencer*innen, zum Beispiel bei FLIMMO. Suchen Sie gemeinsam nach Alternativen abseits von gängigen Rollenbildern. Wichtig ist: Werten Sie die Lieblingsinfluencer*innen Ihres Kindes nicht ab. Für Ihr Kind können diese Idole eine große Bedeutung haben. Schauen Sie sich stattdessen gemeinsam verschiedene Accounts an und sprechen Sie darüber: Wer wird dort gezeigt? Welche Körperbilder, Lifestyles und Meinungen kommen vor? Auf Social Media gibt es viele Inhalte, die Vielfalt sichtbar machen. Man findet sie aber oft erst, wenn man gezielt danach sucht. Beispiele für Instagram sind:
Auch Hashtags wie #inklusion, #diversity, #blackvoicesmatter oder #mentalhealth können helfen, vielfältigere Inhalte zu entdecken. Wenn Sie und Ihr Kind solchen Accounts folgen, verändert sich nach und nach auch der eigene Feed.
Der Klassenchat läuft über WhatsApp, Reels werden auf Instagram geteilt und im Sportverein organisiert man sich über Facebook-Gruppen. Viele Kinder und Jugendliche nutzen täglich mehrere Dienste von Meta, oft ohne zu wissen, dass sie alle zum selben Unternehmen gehören. Für Eltern ist es hilfreich zu verstehen, wie diese Angebote zusammenhängen.
Meta Platforms hieß ursprünglich Facebook Inc. und wurde 2004 gegründet. 2021 benannte sich das Unternehmen in Meta um. Damit wollte der Konzern zeigen, dass er längst mehr als nur Facebook anbietet und verstärkt auf virtuelle Welten und Künstliche Intelligenz setzt.
Zum Unternehmen gehören unter anderem:
Die Apps können kostenlos genutzt werden, finanziert werden sie vor allem über Werbung. Dafür sammelt Meta zahlreiche Informationen darüber, welche Inhalte Nutzer*innen ansehen, liken, kommentieren oder teilen und wie lange sie aktiv sind. Auch Standortdaten, Geräteinformationen oder Interessen fließen dabei ein.
Die verschiedenen Dienste von Meta sind eng miteinander verbunden. Wer WhatsApp, Instagram und Facebook gleichzeitig nutzt, hinterlässt besonders viele Informationen über das eigene Nutzungsverhalten. Daraus erstellt Meta Interessenprofile für personalisierte Werbung und Empfehlungen.
Neben Social Media investiert Meta stark in digitale und virtuelle Welten. Über die VR-Brillen Meta Quest können Nutzer*innen in digitale Spiele- oder Freizeitwelten eintauchen. Meta integriert außerdem KI-Funktionen (Meta AI) direkt in WhatsApp, Instagram und Facebook. Sie können Fragen beantworten, Texte formulieren, Bilder erzeugen oder Inhalte zusammenfassen. Dabei sind auch falsche oder irreführende Antworten möglich.
Die Meta-Dienste erfüllen viele Bedürfnisse gleichzeitig. WhatsApp ist für Jugendliche oft der wichtigste Kommunikationskanal. Klassenchats, Verabredungen oder Freizeitgruppen laufen meist direkt über den Messenger. Wer dort nicht erreichbar ist, verpasst schnell wichtige Informationen oder fühlt sich ausgeschlossen. Instagram bietet Unterhaltung und Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Likes, Kommentare und Follower*innen-Zahlen vermitteln vielen Jugendlichen Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit. Viele Inhalte werden automatisch vorgeschlagen. Reels, Memes, Influencer*innen-Inhalte oder KI-Chatbots sorgen für ständigen Nachschub. Dadurch verbringen Kinder und Jugendliche oft deutlich mehr Zeit in den Apps als geplant.
Meta-Dienste sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Besonders Kindern und Jugendlichen fällt es dadurch oft schwer abschalten. Mögliche Risiken sind unter anderem:
Gerade jüngere Kinder verstehen oft noch nicht, wie Plattformen Inhalte auswählen oder warum bestimmte Beiträge immer wieder angezeigt werden. Auch Werbung oder KI-generierte Inhalte sind für sie häufig schwer zu erkennen.
Meta verweist auf verschiedene Sicherheits- und Jugendschutzfunktionen innerhalb der Apps. Dazu gehören Privatsphäre-Einstellungen, Melde- und Blockierfunktionen sowie Elternaufsicht für einzelne Angebote wie Instagram. Der Konzern betont außerdem, dass KI-Funktionen verantwortungsvoll entwickelt werden sollen. Kritiker*innen bemängeln jedoch weiterhin die umfangreiche Datensammlung und die schwer verständlichen Datenschutz-Einstellungen.
Zusammenhänge sichtbar machen: Erklären Sie Ihrem Kind, dass WhatsApp, Instagram, Facebook und Threads zu demselben Konzern gehören. Viele Funktionen, Werbeanzeigen und Datensammlungen greifen ineinander.
Datenschutz gemeinsam einstellen: Gehen Sie regelmäßig gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen durch. Prüfen Sie unter anderem, wer Inhalte sehen oder Nachrichten senden kann, ob der Standort sichtbar ist und welche Daten für Werbung genutzt werden. Auch öffentliche Profile, Gruppen oder KI-Funktionen sollten regelmäßig überprüft werden.
Über Algorithmen sprechen: Kinder und Jugendliche sollten verstehen, dass Plattformen nicht die wichtigsten Inhalte anzeigen, sondern oft das, was besonders lange Aufmerksamkeit erzeugt. Das können lustige, aber auch provokante oder emotional belastende Inhalte sein.
Werbung und Influencer*innen hinterfragen: Besprechen Sie gemeinsam, wie Influencer*innen Geld verdienen und warum bestimmte Produkte ständig auftauchen. Viele Werbeinhalte wirken persönlich oder spontan, sind aber Teil gezielter Marketingstrategien.
KI-Funktionen kritisch begleiten: Erklären Sie Ihrem Kind, dass KI-Systeme keine echten Freund*innen und keine neutralen Wissensquellen sind. Antworten können falsch sein oder Vorurteile enthalten. Persönliche Informationen sollten nicht in KI-Chats eingegeben werden.
Bildschirmzeiten bewusst gestalten: Endlos-Feeds und Push-Benachrichtigungen erschweren bewusste Medienpausen. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Offline-Zeiten einzuplanen und Benachrichtigungen zu reduzieren.
Gesprächsbereit bleiben: Verbote allein helfen meist wenig. Wichtig ist, dass Ihr Kind bei unangenehmen Erfahrungen Unterstützung bekommt und offen über problematische Inhalte, Konflikte oder Kontakte sprechen kann.
Sie schminken, stylen, trainieren und optimieren sich. Sie tauchen in Kinderserien auf, posieren auf TikTok und Instagram, laufen über rote Teppiche oder präsentieren sich in Dating- und Reality-Shows – und sehen dabei scheinbar immer perfekt aus. Medienfiguren, Influencer*innen, Stars und TV-Gesichter zeigen täglich, wie der „ideale“ Körper angeblich aussehen soll. Das kann bei Kindern und Jugendlichen großen Druck auslösen.
Große Augen, seidige Haare, definierte Muskeln und scheinbar makellose Proportionen: Schon früh begegnen Kindern und Jugendlichen auf Bildschirmen Körperbilder, die mit der Realität wenig zu tun haben. Das beginnt schon im Kinderfernsehen: Disney-Figuren wie Elsa und Tarzan, die Feen aus dem Winx-Club oder Superhelden wie Spiderman sind oft extrem schlank oder sehr sportlich und muskulös gezeichnet.
Kinder lieben solche Filme und Serien meist nicht wegen der Stereotype, sondern weil sie spannend, lustig, emotional oder besonders schön inszeniert sind. Die stark idealisierten Körperbilder nehmen sie dabei eher nebenbei auf. Diese Bilder können sich aber trotzdem einprägen und beeinflussen, was Kinder als „normal“ oder „schön“ empfinden.
Für ältere Kinder und Jugendliche zeigen Formate wie „Germany’s Next Topmodel“ oder Dating-Shows wie „Love Island“ sehr deutlich, worauf es dort ankommt: auf das perfekte Aussehen. Wer den Erwartungen an Körper, Maße und Styling nicht entspricht, hat es schwerer. Erfolg auf dem Laufsteg oder bei der Suche nach Nähe und Beziehung wirkt in solchen Formaten häufig davon abhängig, ob der eigene Körper den gängigen Schönheitsidealen entspricht. Wer nicht dazu passt, wird mitunter öffentlich abgewertet oder scheidet aus. Auf Social Media wird diese Geschichte weitergeführt: Beauty-, Fashion- und Fitness-Influencer*innen zeigen, wie man sich pflegt, schminkt, kleidet, trainiert und ernährt. Manche sprechen auch über Schönheitsoperationen, Abnehmspritzen oder andere Eingriffe. Oft entsteht dabei der Eindruck: Der eigene Körper ist ein Projekt, an dem ständig gearbeitet werden muss, um einem vermeintlichen Ideal möglichst nahe zu kommen.
Jugendliche mögen solche Formate oft, weil sie unterhalten, emotional erzählen und Einblicke in Themen geben, die in ihrem Alltag wichtig sind: Aussehen, Anerkennung, Flirten, Zugehörigkeit und Selbstinszenierung. Außerdem laden sie zum Mitreden ein – in der Schule, im Freundeskreis oder auf Social Media – und werden so schnell Teil gemeinsamer Gespräche und Trends.
Gerade für Kinder und Jugendliche können diese Körperdarstellungen sehr prägend sein. Junge Menschen suchen in ihren Medien nach Vorbildern und Ideen, wie sie selbst sein möchten und wie ihr Leben aussehen kann. Wenn sie dabei ständig von einem bestimmten Körperideal umgeben sind, kann bei ihnen ebenfalls der Wunsch entstehen, so auszusehen. Eventuell gehen sie sogar davon aus, dass persönlicher Wert von perfektem Aussehen abhängt – schließlich ist das die Botschaft, die in vielen TV-Formaten und auf Social-Media-Profilen mitschwingt.
Kinder und Jugendliche können dabei nicht unbedingt erkennen, dass Körperdarstellungen in den Medien auf Perfektion getrimmt sind – durch inszenierte Darstellung und Ausleuchtung, durch Nachbearbeitung und Effekte entsteht eine Illusion, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Hinzu kommt: Viele Inhalte auf Social Media werden inzwischen auch mit KI verändert, ergänzt oder sogar vollständig künstlich erzeugt – und sind dadurch noch schwerer als bearbeitet oder gefälscht zu erkennen.
Einem solchen Ideal nachzueifern kann zu viel Frust und Enttäuschung, zu hohen Ausgaben für scheinbar hilfreiche Beauty-, Trainings- oder Ernährungsprodukte bis hin zu handfesten Problemen wie einer gestörten Körperwahrnehmung, psychischen Problemen oder Essstörungen führen.
Häufig sind die Angebote auch stark geschlechtsspezifisch ausgerichtet – so werden jungen Mädchen vor allem Schmink- und Stylingtipps angezeigt, Jungs dagegen bekommen Muskeln und starke Helden präsentiert. Das verstärkt neben dem generellen Druck auch klischeehafte Vorstellungen von Geschlechterrollen.
Machen Sie sich bewusst, mit welchen Körperdarstellungen Ihr Kind über seine Mediennutzung konfrontiert ist, zum Beispiel über den Elternratgeber für TV-, Streaming- und Social-Media-Angebote FLIMMO. Lassen Sie sich von Ihrem Kind die liebsten Sendungen oder Social-Media-Profile zeigen und schauen Sie gemeinsam, was da vermittelt und gezeigt wird. Sprechen Sie darüber, wie mediale Körperbilder entstehen und warum sie häufig nicht realistisch sind.
Sie können auch gemeinsam Videos ansehen, in denen gezeigt wird, wie „perfekte“ Bilder entstehen. Wenn Ihr Kind versteht, wie Medien funktionieren und warum die Bilder auf den Geräten nicht realistisch sind, ist das ein erster Schritt, um den Druck rauszunehmen. Hilfreich können dabei Aufklärungsangebote wie dieses Video von Funk sein. Mehr dazu, wie Sie mit Schönheitsidealen im Netz umgehen können, erfahren Sie in diesem Artikel.
Schaffen Sie ein Gegengewicht: Nutzen Sie gemeinsame Medienzeit und schauen Sie mit Ihrem Kind bewusst Filme und Serien, die vielfältige Körperbilder zeigen und nicht nur gängige Stereotype bedienen. Auch auf Social Media können Sie gemeinsam Profile entdecken, die andere Perspektiven sichtbar machen – und Ihrem Kind zeigen, dass Körper sehr unterschiedlich aussehen dürfen.
Ganz wichtig ist: Seien Sie sich Ihrer Vorbildrolle bewusst! Gesundes Essverhalten, ein freundlicher Umgang mit dem eigenen Körper und eine Einschätzung des eigenen Wertes, die mehr als Äußerlichkeiten einbezieht, werden auch zuhause geprägt.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind durch bestimmte Körperideale bereits psychisch belastet ist, dass sich sein Essverhalten verändert oder Sie sich unsicher sind – suchen Sie Hilfe. Sprechen Sie mit (Schul-)Psycholog*innen, Kinderärzt*innen oder melden Sie sich bei einer anonymen Beratungsstelle wie der Nummer gegen Kummer.
Eine Nachricht beantworten, kurz durch Social Media scrollen oder etwas nachschauen – das Smartphone gehört für viele Eltern selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig fragen sich viele: Bekommt mein Baby dadurch zu wenig Aufmerksamkeit? Wichtig ist: Es geht nicht um Perfektion, sondern um einen bewussten Umgang.
In den ersten Lebensmonaten lernt Ihr Baby vor allem über den Austausch mit Ihnen. Blickkontakt, Stimme, Mimik und Ihre Reaktionen helfen ihm, die Welt zu verstehen und sich sicher zu fühlen. Wenn Sie auf Signale Ihres Babys eingehen, erlebt es: „Ich werde gesehen und verstanden.“ Das geschieht in vielen kleinen Alltagsmomenten beim Füttern, Wickeln, Tragen oder Spielen. Babys brauchen dabei keine dauerhafte Unterhaltung. Oft reichen kurze Momente gemeinsamer Aufmerksamkeit.
Wenn der Blick häufig aufs Smartphone geht, können gemeinsame Momente unterbrochen werden:
Das passiert meist unbewusst. Babys können noch nicht verstehen, warum der gemeinsame Moment plötzlich endet. Wenn Erwachsene aufs Smartphone schauen, sind Mimik und Reaktionen oft weniger aufmerksam und zugewandt. Häufige Unterbrechungen können Babys verunsichern, besonders wenn sie regelmäßig vorkommen.
Das Smartphone muss im Familienalltag nicht komplett verschwinden. Kurze Handyzeiten sind normal und in der Regel unproblematisch. Gerade mit einem Baby nutzen viele Eltern das Smartphone, um Kontakt zu anderen Erwachsenen zu halten, Informationen zu suchen oder kurz abzuschalten. Auch stressige Tage, Ablenkung und Unterbrechungen gehören zum Alltag mit Kindern. Eltern müssen nicht ständig verfügbar oder aufmerksam sein. Entscheidend ist, dass es immer wieder bewusste Momente von Nähe und Zuwendung gibt.
Schon Babys erleben mit, welchen Platz Smartphones und andere Medien im Familienalltag einnehmen. Wenn Bildschirme ständig präsent sind, wird das schnell zur Normalität. Umso wichtiger ist es, gemeinsame Zeiten ohne Medien bewusst zu gestalten.
Wenn Sie merken, dass Ihr Smartphone Sie häufig ablenkt oder Sie sich im Alltag weniger verbunden fühlen, können kleine Veränderungen helfen. Oft reichen schon feste Momente ohne Smartphone, um gemeinsame Zeit bewusster zu erleben.
Sie finden keine Antwort auf Ihre Frage? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um die Mediennutzung Ihres Kindes direkt und bequem per Messenger-Service über WhatsApp oder Threema. Mehr Infos finden Sie hier.
Gewaltvolle Videos, ungeeignete Inhalte oder Werbung: Viele Eltern machen sich Gedanken darüber, womit ihr Kind in digitalen Medien in Kontakt kommen könnte. Daraus entsteht häufig der Wunsch, Kinder möglichst lange von Smartphones, Tablets oder Fernsehern fernzuhalten. Doch da digitale Medien heute in vielen Lebensbereichen präsent sind, lässt sich der Kontakt damit kaum vermeiden.
Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder möglichst lange ohne digitale Medien aufwachsen. Dahinter steht oft der Wunsch nach einer unbeschwerten Kindheit mit viel Bewegung, freiem Spiel und direktem Kontakt zu anderen Menschen.
Gerade bei kleinen Kindern steht die Entwicklung grundlegender Fähigkeiten im Vordergrund: sprechen lernen, die Umwelt entdecken, Beziehungen aufbauen und eigene Erfahrungen sammeln. Manche Eltern befürchten deshalb, dass digitale Medien zu früh zu viel Raum im Alltag einnehmen könnten. Auch Sorgen über ungeeignete Inhalte, Werbung oder übermäßige Bildschirmzeit spielen eine Rolle.
Kinder erleben schon früh, dass Smartphones, Tablets oder Fernseher für Erwachsene selbstverständlich sind. Sie sehen, wie Nachrichten gelesen, Videos angeschaut oder Fotos verschickt werden. Auch außerhalb der Familie begegnen Kinder Medien bei Freund*innen, bei Verwandten oder später in Kita und Schule. Spätestens im Grundschulalter werden digitale Medien für viele Kinder zu einem Thema im Alltag. Kinder sind neugierig und möchten verstehen, was auf Bildschirmen passiert. Besonders, wenn Medien in ihrem Umfeld so präsent sind.
Wenn Eltern versuchen, Medien komplett zu verbieten, macht gerade dieses Verbot die Medien für Kinder besonders reizvoll. Außerdem lernen Kinder den sicheren Umgang mit Medien nur dann, wenn sie Erfahrungen sammeln können. Denn Medienkompetenz entsteht nicht automatisch, sie entwickelt sich Schritt für Schritt. Kinder müssen lernen, Inhalte zu verstehen, Fragen zu stellen und Erlebnisse einzuordnen. Dabei spielen Gespräche mit Eltern eine wichtige Rolle. Deshalb setzen viele Konzepte der Medienerziehung darauf, Kinder nicht vollständig abzuschirmen, sondern sie bei ersten Medienerfahrungen zu begleiten.
Gerade bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, Medien zunächst gemeinsam zu nutzen. Eltern können passende Inhalte auswählen und erklären, was auf dem Bildschirm passiert. So entstehen gemeinsame Medienerlebnisse, die eingeordnet und besprochen werden können.
So lernen Kinder Medien in einem geschützten Rahmen kennen. Fragen können direkt geklärt werden, und Eltern können reagieren, wenn Kinder etwas nicht verstehen oder sich vor Inhalten erschrecken. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Medienangebote auszuprobieren. Oft reichen wenige, altersgerechte Inhalte aus, die Kinder interessieren und die sie verstehen können. Gleichzeitig bleiben andere Aktivitäten zentral: Spielen, Bewegung, kreative Beschäftigung und Gespräche mit Familie und Freund*innen. Neben Videos oder Spielen können Kinder Medien auch kreativ nutzen, zum Beispiel beim Fotografieren oder beim Aufnehmen kleiner Geschichten.
Medien sind heute Teil des Alltags vieler Familien. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass sie im Familienleben eine große Rolle spielen müssen.
Für viele Familien hilft eine einfache Orientierung:
So lernen Kinder Schritt für Schritt, digitale Medien zu verstehen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Kinder und Jugendliche nutzen ChatGPT inzwischen in vielen Alltagssituationen, etwa für Hausaufgaben, kreative Projekte oder zum Recherchieren. Der KI-Chatbot beantwortet Fragen in wenigen Sekunden und wirkt dabei oft wie ein echter Gesprächspartner. Wir erklären, was hinter dem Tool steckt und worauf Eltern achten sollten.
ChatGPT ist ein KI-Chatbot, der mit großen Mengen an Texten trainiert wurde. Er kann Sprache verstehen und selbst Antworten formulieren. Nutzer*innen geben eine Frage oder Aufgabe ein und erhalten meist innerhalb weniger Sekunden eine Antwort.
Das Tool kann Texte zusammenfassen, erklären oder neu erstellen. Auch Spracheingaben sind möglich. Für Kinder wirkt die Nutzung oft wie ein Gespräch mit einer echten Person, da die Antworten sehr natürlich formuliert sind.
Eltern können gemeinsam mit ihrem Kind Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen prüfen und die Nutzung begleiten.
Hinweis: Seit Januar 2026 ist ChatGPT nicht mehr über WhatsApp verfügbar.
ChatGPT ist leicht zu bedienen und antwortet meist in wenigen Sekunden. Es hilft bei Hausaufgaben, erklärt schwierige Themen oder liefert kreative Ideen für Geschichten und Projekte. Auch Gespräche per Sprache sind möglich. Fragen können mündlich gestellt werden, die Antworten erfolgen über eine natürlich klingende Stimme. Das macht die Nutzung für viele Kinder besonders alltagsnah und unkompliziert.
OpenAI bietet Schutz- und Kontrollfunktionen für Familien an. Eltern und Jugendliche können ihre Konten verknüpfen und verschiedene Einstellungen steuern: Ruhezeiten, sensible Inhalte reduzieren, Gruppenchats einschränken, Bildgenerierung und Audiomodus deaktivieren, Memory (Speicherfunktion) ausschalten und die Datennutzung für Training und Verlauf begrenzen. Für verknüpfte Konten von Jugendlichen gelten strengere Einstellungen. Eltern sehen die Chats nicht, können aber bei möglichen Gefährdungen benachrichtigt werden.
OpenAI setzt außerdem eine Alterserkennung ein, um für Minderjährige automatisch strengere Schutzfunktionen zu aktivieren. Diese Maßnahmen senken Risiken, bieten aber keinen vollständigen Schutz.
Probieren Sie ChatGPT gemeinsam aus: Nutzen Sie das Tool zusammen und sprechen Sie über die Antworten.
Nutzen Sie die Kindersicherung: Aktivieren und kontrollieren Sie die Einstellungen regelmäßig.
Verlassen Sie sich nicht allein auf Technik: Ergänzen Sie Schutzfunktionen durch Gespräche und Begleitung.
Fördern Sie kritisches Denken: Erklären Sie, dass die KI keine sicheren Fakten liefert. Lassen Sie sich von ChatGPT Quellen nennen und prüfen Sie diese gemeinsam mit Ihrem Kind. Auch ein Vergleich mit anderen KI-Angeboten kann sinnvoll sein.
Achten Sie auf Datenschutz: Geben Sie keine persönlichen Daten wie Namen, Adressen oder Fotos ein.
Sprechen Sie über Lernen mit KI: Machen Sie deutlich, dass die KI unterstützen kann, aber nicht die eigene Leistung ersetzt.
Vereinbaren Sie klare Regeln: Legen Sie gemeinsam fest, wann und wie ChatGPT genutzt wird.
Bleiben Sie im Gespräch: Ermutigen Sie Ihr Kind, über Erfahrungen oder Probleme zu sprechen.
Informieren Sie sich regelmäßig: Verfolgen Sie neue Funktionen und Entwicklungen rund um KI-Angebote.
Mit Freund*innen chatten, auf Social Media aktiv sein, sich kreativ ausdrücken – mit dem Smartphone eröffnet sich für Kinder eine neue Welt. Viele Eltern fragen sich, wann ihr Kind alt genug ist für ein eigenes Smartphone. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht, denn entscheidend ist vor allem der Entwicklungsstand des Kindes.
Der Wechsel von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule ist für viele Eltern ein geeigneter Zeitpunkt, ein Smartphone anzuschaffen. Viele Kinder haben einen längeren Schulweg, den sie häufig allein zurücklegen. Über ein Handy oder Smartphone können sie schnell Kontakt aufnehmen. Die ständige Erreichbarkeit sollte jedoch nicht der Hauptgrund sein. Gerade für ältere Kinder und Jugendliche ist der wichtigste Grund für das eigene Smartphone der Kontakt mit ihren Freund*innen. Sie möchten dazugehören und mitreden können, wenn es um angesagte Apps und Social-Media-Trends geht.
Überlegen Sie, ob Ihr Kind schon bereit für ein eigenes Smartphone ist? Dann sollten Sie sich über diese Dinge Gedanken machen:
Ergänzend dazu bietet unsere Checkliste „Wann ist mein Kind reif für ein Smartphone?“ eine ausführlichere Orientierung. Sie geht Schritt für Schritt durch wichtige Kompetenzen.
Gehen Sie die Checkliste allein oder gemeinsam mit Ihrem Kind durch. Je mehr Punkte Sie ankreuzen, desto eher ist Ihr Kind bereit für ein eigenes Smartphone. Sie kennen es jedoch am besten und können seine Medienerfahrung und sein Verantwortungsbewusstsein einschätzen. Für jüngere Kinder eignet sich erstmal ein Handy ohne Internetzugang. Früher oder später wird ein eigenes Smartphone für viele Kinder Teil des Alltags.
Der Zugang zum Internet birgt für Ihr Kind viele Potenziale, aber auch Risiken:
Wie Sie Ihr Kind vor sexueller Gewalt im Internet schützen können, erfahren Sie in dieser Broschüre von klicksafe.
Wählen Sie das erste Smartphone sorgfältig aus und beziehen Sie Kosten, Ausstattungen mit ein. Ein gebrauchtes Handy kann eine gute Wahl sein. Nehmen Sie sich Zeit, das Smartphone in Ruhe einzurichten. Achten Sie auf Altersfreigaben von Apps und aktivieren Sie die Sicherheitseinstellungen am Gerät. Besprechen Sie zusammen, welche Apps Ihr Kind nutzen darf und welche erst einmal nicht. Zu Beginn reicht eventuell ein Prepaid-Vertrag und keine Flatrate. So lernt Ihr Kind, wie viel es das Handy eigentlich benutzt und wie es mit mobilen Daten und WLAN angemessen umgehen kann. Auch Einstellungen im Smartphone können ein Bewusstsein für die Bildschirmzeit schaffen. Weitere Tipps, wie Sie die Handynutzung Ihres Kindes sicherer gestalten können, finden Sie in unserem Beitrag dazu.
Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Schritten mit seinem Smartphone. Klären Sie Ihr Kind immer wieder über mögliche Risiken auf. Sprechen Sie schon vor der Entscheidung für ein eigenes Smartphone mit Ihrem Kind darüber. Hilfreich kann es auch sein, sich mit anderen Eltern abzusprechen. Denn meistens stehen diese vor den gleichen Fragen.
Gestalten Sie gemeinsame Regeln für die Mediennutzung, an die sich alle Familienmitglieder halten. Behalten Sie die Nutzungszeiten Ihres Kindes und Anzeichen für digitalen Stress im Auge.
Informieren Sie sich über kindgerechte Angebote und Apps, wie zum Beispiel die fragFINN-App. Beim Spieleratgeber NRW finden Sie pädagogische Beurteilungen für Handy-Games.
Versuchen Sie mit gutem Beispiel voranzugehen. Missbrauchen Sie nicht das Vertrauen Ihres Kindes, indem Sie das Handy heimlich kontrollieren – ein offenes Gespräch ist der bessere Weg. Wenn Sie unsicher sind oder ernste Probleme auftreten, wenden Sie sich an pädagogische Fachkräfte oder (Online-)Beratungsstellen.
Beim Einstieg in das Thema können kindgerechte Informationen helfen. Das Magazin „Genial digital“ des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) vermittelt Kindern von 8 bis 11 Jahren spielerisch Informationen rund um das Internet und das erste Smartphone.
Weitere kompakte Hinweise finden Sie im Eltern-Check-In „Mein Kind bekommt sein erstes Smartphone – worauf sollte ich achten?“.