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Digitale Schnitzeljagd mit Actionbound

Kennen Sie noch Schnitzeljagden aus Ihrer Kindheit? Wer heute ein Smartphone mit einer passenden App wie Actionbound dabei hat, kann die Schnitzeljagd um digitale Möglichkeiten erweitern. 

Kurz gefasst: 

  • App für iOS und Android zum Durchführen von Schnitzeljagden, Stadtrundgängen und Rallyes 
  • keine Altersbeschränkung; geeignet für Kinder ab ca. 10 Jahren 
  • für die private Nutzung kostenlos 
  • Registrierung erforderlich, wenn eigene Bounds erstellt werden 

Was ist Actionbound? 

Actionbound kann mit Familie oder Freundeskreis gespielt werden, z. B. als Rallye für den Kindergeburtstag oder im Urlaub zur Erkundung eines neuen Orts. Actionbound kann allein oder als Gruppe gespielt werden.  

Mit Actionbound können digitale Schnitzeljagden – die sogenannten Bounds – mithilfe von Tablet oder Smartphone gespielt werden. Beim Spielen erscheinen Hinweise, Rätsel, Herausforderungen und Medieninhalte direkt auf dem Bildschirm. Die Bounds enthalten abwechslungsreiche Spielelemente wie GPS-Locations, QR-Codes und Mini-Games. Bei der Nutzung des GPS zeigt das Tablet oder Smartphone den Spielerinnen und Spieler den Weg durch das Anzeigen eines Richtungspfeils.  

Selbst kreativ werden mit Actionbound 

Bounds werden entweder von anderen Actionbound-Nutzenden erstellt und veröffentlicht oder es kann selbst ein neuer Bound angelegt werden. Zu Themen wie Natur, Kultur, Freizeitaktivitäten oder Sehenswürdigkeiten finden sich in der App zahlreiche Bounds. So wird z. B. der Stadtrundgang zu einem spannenden Erlebnis. 

Eigene Bounds können am Computer über den Internetbrowser im Bound-Creator erstellt werden. Dafür ist eine kostenfreie Registrierung bei Actionbound nötig. Das Erstellen eines Bounds ist ganz einfach. Es lassen sich Bilder, Videos und Audios integrieren, Quizfragen und Aufgaben stellen und QR-Codes anlegen. Wer seinen Bound mit ausgewählten Personen teilen möchte, kann die Funktion „geheime Bounds“ wählen. Dafür zahlen Erstellende sieben Euro pro Bound (Stand: Juli 2022). 

Hier gelangen Sie direkt zum Angebot: actionbound.com

Was sollten Eltern beachten? 

Actionbound lässt sich auch mit jüngeren Kindern nutzen. In diesem Fall sollten Sie Ihr Kind aber in die Nutzung einführen oder besser noch, Ihr Kind dabei begleiten. Achten Sie beim Erstellen eines Bounds darauf, viele Bilder und wenig Text zu verwenden. 

Die Erstellung eines Bounds kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Bitte planen Sie auch die Zeit ein, die Sie mit der Durchführung der Rallye oder der Schnitzeljagd verbringen möchten. Wenn Ihr Kind schon älter ist, kann es ein schönes Erlebnis sein, zusammen einen Bound zu gestalten. Beachten Sie, dass in der kostenlosen Version alle Bounds öffentlich zu sehen sind. Seien Sie beim Erstellen sparsam mit sensiblen Daten wie Kinderfotos und personenbezogenen Angaben. Wenn Sie den Bound sehr persönlich gestalten möchten, lohnt sich die kostenpflichte Option „geheime Bounds“. 

Sie können mit Ihrem Kind auch bereits bestehende Bounds zu vielen verschiedenen Themen spielen. Wählen Sie über die Suchfunktion in der App eine geeignete Schnitzeljagd in der Nähe Ihres Standortes aus. Bedenken Sie, dass hier die Inhalte nicht genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Überprüfen Sie, dass der Bound zur Altersgruppe Ihres Kindes passt.  

Actionbound ist eine App aus Deutschland, deshalb unterliegen Ihre Daten dem Europäischen Datenschutz.  

Anime – Trickfilmkultur aus Japan

Nils HolgerssonBiene Maja, und Heidi sind Zeichentrickserien, die vielen Erwachsene vertraut sind. Vielleicht schauen Sie diese Filme und Serien aktuell mit Ihren Kindern oder kennen sie noch aus Ihrer eigenen Kindheit. Aber Serien wie NarutoOne PieceAttack on Titan oder Death Note sind weniger bekannt. Alle diese Formate stammen aus Japan und werden dort Anime genannt. 

Was sind Anime?

Anime sind in einem zweidimensionalen Stil gemalte japanische Serien und Filme. In Deutschland nennen wir diesen Stil Zeichentrick. Animes haben ihren Ursprung in Japan und sind schon einige Zeit Bestandteil des japanischen Kulturguts. Animes sind oft Verfilmungen von Mangas (Comics). Diese haben ihre eigene charakteristische Darstellung, von großen Köpfen mit großen emotionsreichen Augen. Serien sind meistens 12 oder 24 Folgen lang und bekommen nur eine zweite Staffel, wenn sie sehr erfolgreich waren.

Die japanischen Animes sind mit dem westlichen Zeichentrick (Cartoons) von Disney schwer zu vergleichen. Denn im Vergleich zu vielen westlichen Trickfilmen kommen Musikeinlagen, lustige Tiere und Slapstick-Humor in Animesdeutlich seltener vor. Anime werden nicht wie Disney Filme in 3D animiert und sind nicht nur Kinderserien. Denn Anime werden für alle Altersklassen produziert, viele sind nicht für Kinder geeignet und erzählen dramatischen und actionreichen Geschichten. 

Eintauchen in japanische Kultur

Animes bedienen sich einer Vielfalt an Genres, von Liebesgeschichten undSportdramen über Realityschows bis zu Horrorfilmen ist alles vertreten. Besonders Fantasy und Science-Fiction können Animes sehr gut darstellen. Es gibt Anime, die mehr für Jungen und mehr für Mädchen ausgelegt sind. Dadurch, dass sie für das japanische Publikum produziert werden findet man Bezüge zur japanischen Kultur. Oft geht es in Animes um traditionell japanische Künste, Themen aus dem Buddhismus und der japanischen Geschichte und Mythologie.  

Seitdem Animes im deutschen Fernsehen gespielt werden, werden sie mit deutschen Stimmen synchronisiert. Viele Fans schauen Animes aber auch in der originalen japanischen Version mit deutschen Untertiteln. Hier lernen sie automatisch japanische Worte und Sätze dazu.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Die Anime- und Manga-Gemeinschaft ist sehr groß und es gibt viele Online-Foren und DiscordGruppen, in denen Jugendliche ihre Lieblings-Anime besprechen, Fanart malen oder sich für Anime- und Manga-Conventions verabreden. Auf diesen verkleiden sich viele Fans als ihre Lieblings-Anime-Charaktere. Diese nennen sich Cosplayer. Manche Anime-Serien beachten Sitten und Tabus anderer Kulturen nicht In solchen Animes wird Japan teils sehr utopisch dargestellt. Hier ist es hilfreich, sich vorher über die Serien zu informieren. Wenn Sie oder Ihr Kind auf eine von diesen Serien treffen sollten, merken Sie es meist in der ersten Folge.  

Was kann problematisch sein und wie können Eltern mit Animes umgehen?

  • Animes sind im Großen und Ganzen genau wie andere Serien und Filme zu handhaben. Sie haben Altersfreigaben, Inhaltsangaben und es gibt sehr gute und sehr schlechte Serien. 
  • Beachten Sie, dass es Anime-Serien gibt, die sich deutlichen (Rollen-)Klischees bedienen, unrealistische Körper und Persönlichkeiten abbilden.
  • Bleiben Sie mit Ihrem Kind unvoreingenommen im Austausch über seine medialen Vorbilder und möglicher Geschlechterstereotype.
  • Viele Seiten im Netzbieten Anime übersetzt oder mit Untertiteln an. Prüfen Sie, auf welcher Webseite Ihr Kind Animes schaut, da nicht alle legal sind. Greifen Sie lieber auf vertrauenswürdige Webseiten und Plattformen zurück, wie: CrunchyrollNetflix oder Amazon Prime.
  • Animes zu schauen kann zu einem zeitintensiven Hobby werden das mit einer hohen Bildschirmzeit einhergeht. Achten Sie auf die Medienzeit Ihres Kindes und besprechen Sie gemeinsam in der Familie Regeln zum Umgang mit audiovisuellen Medien.

Medienerziehung in den ersten Lebensjahren 

„Mama, kann ich Video schauen?“, „Ich will Tablet spielen, Papa!“ – Medien faszinieren kleine Kinder und sind bereits früh Teil ihres Alltags. In den ersten Lebensjahren legen Eltern den Grundstein für den Umgang mit Medien. Die Medienerziehung orientiert sich an den generellen Werten in der Familie. 

Kleine Kinder langsam an Medien heranführen 

Babys und Kleinkinder haben noch kein großes Interesse an Medien. Sie suchen den Kontakt zu den Eltern und erkunden die Welt mit allen Sinnen. Entwicklungsschritte wie essen, laufen und sprechen lernen stehen im Vordergrund. Da Eltern sich häufig Medien zuwenden, etwa dem Smartphone, bekommen nach und nach auch kleine Kindern Interesse daran. 

Gezielte Mediennutzung, wie etwa das Anschauen eines Bilderbuches oder das Videotelefonat mit Oma und Opa, findet bei Kleinkindern in der Regel in Begleitung von Erwachsenen statt. Mehr und mehr fordern Kinder solche gemeinsame Medienzeit auch ein. 

Geeignete Medien für Kleinkinder 

Neben dem gemeinsamen Anschauen von Bilderbüchern haben Kleinkinder Spaß an Musik und Hörgeschichten; nebenbei können sie spielen oder sich entspannen. Angebote wie Kinderradio-Sendungen und Hörboxen sind kindgerecht und ein guter Einstieg in die Vielfalt der Medienwelt.  

Bewegte Bilder und hektische Geräusche kann das kindliche Gehirn noch nicht gut verarbeiten. Erst mit etwa drei Jahren können Kinder verfilmte Geschichten verstehen. Dennoch schaut Ihr Kind vielleicht schon früher gemeinsam mit älteren Kindern Serien auf dem Tablet oder ähnliches. Achten Sie darauf, was sich Ihr Kind anschaut. Am besten ist es, wenn Sie dabei sind, aufkommende Fragen beantworten können oder mitbekommen, wenn Ihr Kind Angst bekommt. Kinder im Kindergartenalter schauen begeistert Sendungen mit ihren Lieblingsfiguren wie Peppa Wutz, Bobo Siebenschläfer oder Feuerwehrmann Sam. Mit kindgerechten Apps und Spielen können Kinder selbst aktiv werden. Solche Apps sind überschaubar, fördern die Kreativität und können beim Lernen unterstützen.  

Egal ob Audio, Video oder Spiele: wählen Sie kurze, einfache und altersgerechte Inhalte aus. Kleine Kinder sollten Medien so wenig wie möglich allein nutzen, denn sie sind keine Babysitter. Wenn Sie und Ihr Kind bestimmte Inhalte bereits kennen, kann es einer Hörgeschichte auch mal alleine lauschen und sich eine Folge der Lieblingsserie anschauen, ohne dass Sie daneben sitzen.  

Vorbild sein von Anfang an 

„Darf ich dein Handy?“ – Kinder lernen durch Beobachten und machen nach, was ihre Bezugspersonen tun. Auch bei der Mediennutzung sind Sie das wichtigste Vorbild für Ihr Kind. Legen Sie das Smartphone beim Spielen mit Ihrem Kind zur Seite. Genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind und nehmen Sie Auszeiten vom Bildschirm. Leben Sie einen bewussten und reflektierten Umgang mit Medien vor. Auch Kinder haben bereits Persönlichkeitsrechte. Fragen Sie Ihr Kind, ob es damit einverstanden ist, Fotos von ihm per Messenger zu versenden und stellen Sie möglichst keine Kinderfotos ins Netz. 

Altersgerechte Inhalte auswählen 

„Das war mir zu gruselig!“ – Kinder können oft noch schwer zwischen Fiktion und Realität unterscheiden und Gefahren noch nicht zuverlässig einschätzen. Manche Medieninhalte sind für Kinder ungeeignet.  

  • Beachten Sie die Alterseinstufungen von Filmen, Apps und Spielen. Machen Sie sich bewusst, dass Alterskennzeichnungen von USK, FSK und Co. dem Jugendschutz dienen und keine pädagogischen Empfehlungen sind. Was genau dahintersteckt, erfahren Sie in diesem Artikel
  • Schützen Sie Ihr Kind vor gefährdenden Inhalten und wählen Sie altersgerechte Angebote nach dem Entwicklungsstand Ihres Kindes aus. 
  • Empfehlungen für geeignete Filme und Videos finden Sie zum Beispiel auf der Webseite von Flimmo. Der Spieleratgeber NRW gibt ausführliche Hintergrundinformationen zu Games und liefert pädagogische Ratschläge.  
  • Vorsicht vor In-App-Käufen und Co: Nutzen Sie die Einstellungsmöglichkeiten von Medienangeboten und machen Sie Ihre Geräte kindersicher

Medienregeln in der Familie vereinbaren 

„Nur noch eine Folge!“ – Kinder in den ersten Lebensjahren können ihre Mediennutzung noch nicht selbst steuern, sie brauchen Grenzen.  

  • Setzen Sie Medien bewusst und sparsam ein und erweitern Sie das Angebot langsam. Achten Sie auf die Bildschirmzeit
  • Nutzen Sie Medien weitestgehend gemeinsam und beobachten Sie, wie Ihr Kind darauf reagiert. 
  • Führen Sie schon früh Regeln im Umgang mit Medien ein und achten Sie darauf, diese auch einzuhalten. Ein kurzer Clip zum Entspannen nach dem Kindergarten, ein Hörspiel zum Einschlafen – solche Rituale schaffen Orientierung.  
  • In besonderen Situationen wie langen Autofahrten oder bei einem Krankenhausaufenthalt können andere Regeln gelten. Das ist in Ordnung! 
  • Zeigen Sie Interesse für die Medienwelt Ihres Kindes. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Erlebte und helfen Sie ihm, Medieninhalte richtig einzuordnen.  
  • Werden Sie zusammen aktiv: malen Sie etwas am Tablet, gestalten Sie lustige Fotos und Videos oder komponieren Sie mit Apps Musik. Haben Sie gemeinsam Spaß mit Medien! 

Basierend auf einer Langzeitstudie des JFF – Institut für Medienpädagogik zur Bedeutung digitaler Medien in Familien mit jungen Kindern gibt es jetzt einen Flyer rund um das Thema Medienerziehung in den ersten Lebensjahren. 

Hilfe, ich verstehe mein Kind nicht mehr! – Wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Sprachen sprechen

Welche Wörter haben Sie benutzt, als Sie jünger waren und wie fanden das Ihre Eltern? Überlegen Sie mal! Denn es ist vollkommen normal, dass Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen, weil es Wörter benutzt, die Sie nicht kennen oder verstehen.

Abgrenzung von der Erwachsenenwelt

Unsere Sprache ist geprägt von der Welt der Erwachsenen. Jugendliche haben das starke Bedürfnis, eine eigene Identität auszubilden, selbstständig zu werden und sich von Erwachsenen abzugrenzen. Das kommt auch in der sogenannten Jugendsprache zum Ausdruck, mit der sie eine eigene Welt erschaffen. Mit eigener Sprache, oder zumindest eigenen Begriffen, schaffen sie etwas Eigenes und Jugendtypisches. Das verbindet und schafft Selbstvertrauen. Den “veralteten” Slang der Eltern zu verwenden, würde altmodisch und uncool klingen.

Jugendslang ist geprägt von der Sprache im Netz

In jeder neuen Generation, in bestimmten Jugendszenen und sogar an unterschiedlichen Orten verändert sich Jugendsprache und es gibt andere Wörter und Ausdrücke. Typisch ist, dass Jugendliche einfacher sprechen als Erwachsene. Dabei benutzen sie manchmal auch ungewöhnliche oder ungewohnte Begriffe. Die Sprache ist weniger “richtig”, weil Jugendliche spontaner sprechen. Dafür transportiert sie wesentlich mehr Gefühle und Stimmungen.

Auch die Kommunikation im Netz hat einen starken Einfluss darauf, wie Jugendliche sprechen oder schreiben. Im Messenger-Chat zum Beispiel werden Emojis verwendet, die Sprache wird deutlich verkürzt und ist oft fehlerhaft. Begriffe aus der Gamer- und Rapper-Szene, von Influencerinnen und vor allem aus dem im Netz dominierenden Englisch werden übernommen. Viele Begriffe spiegeln sich in Hashtags wider, wie zum Beispiel #staywoke zur Sichtbarkeit von sozialer Ungleichheit. Welche Sprache Jugendliche gebrauchen, ist abhängig davon, wo sie sich im Internet bewegen und welcher Trend gerade angesagt ist. Damit zeigen sie, welcher Jugendkultur sie sich zugehörig fühlen und welchen medialen Vorbildern sie nacheifern.

Kennen Sie diese Begriffe?

Checken Sie doch mal Ihr Wissen rund um die Sprache Ihres Kindes aus. Folgende Wörter werden im Jahr 2022 besonders gern benutzt. Am Ende des Beitrags finden Sie die Auflösung.

  • woke
  • sheesh
  • purge-watching
  • nh
  • cringe
  • Ehrenmann/Ehrenfrau
  • flexen
  • POV

Umgang mit der Sprache Jugendlicher

Es gibt also keinen ernsthaften Grund, sich Sorgen zu machen, wenn Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen. Respektieren Sie den Wunsch nach Abgrenzung und haben Sie grundsätzlich Verständnis dafür, wenn Ihr Kind andere Wörter benutzt als Sie. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich alles von ihm sagen lassen müssen. Gerade wenn die Sprache unanständig, verletzend oder beleidigend ist. Sagen Sie das Ihrem Kind. Verdeutlichen Sie ihm, warum er auch mit anderen nicht so sprechen soll und vereinbaren Sie, wenn nötig, Regeln zum Umgang miteinander.

Sie sind und bleiben der Erwachsene, von dem sich Ihr Kind unterscheiden möchte. Versuchen Sie deshalb nicht, sich sprachlich anzunähern. Das wird Ihr Kind eher als Eindringen in seine Intimsphäre empfinden. Sprechen Sie so, wie Sie es immer tun. Trotzdem können Sie sich gelegentlich über die phantasievollen Wortschöpfungen Ihres Kindes freuen und nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen!

(mehr …)

Rollenklischees in Jugendmedien

Gaming-Videos auf YouTube, Beautytipps auf Instagram, Krimis im Fernsehen und Tanzvideos auf TikTok – das sind einige der Medienformate, die Jugendliche aktuell am liebsten nutzen. Doch nicht alles ist bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt. Beauty und Tanzen sind Mädchenkram, Krimis und Games finden Jungs toll – oder?

Alte Rollenbilder in Neuen Medien

Smartphones, Tablets & Co.: Die Medien, die Jugendliche heute am meisten nutzen sind mit dem Internet verbunden und werden oft als „Neue Medien“ bezeichnet. Doch die Rollenbilder, die ihnen im Netz begegnen, sind oftmals überhaupt nicht neu. Gerade auf Social Media dominieren Rollenklischees. Jungen und Männer bedienen meist verschiedenste Themen wie Politik, Sport, Games oder Comedy. Als Fitfluencer präsentieren sie ihre Muskeln, spielen in Prank-Videos derbe Streiche oder zeigen in Speedruns ihre Leistung in Computerspielen. Mädchen und Frauen präsentieren eher Themen aus dem privaten und häuslichen Bereich wie Hobbys, Lifestyle und Beauty. Sie präsentieren Schmink-Tipps wie die YouTuberin Bibi, teilen leckere Kochrezepte und geben in ausführlichen Vlogs Einblick in ihren Alltag.

Social Media und Geschlechterstereotype

Die Vorstellung darüber, was typisch „männlich“ und typisch „weiblich“ ist, wird gesellschaftlich geprägt und auch über Medien vermittelt. Stereotype Geschlechterdarstellung kann traditionelle Ansichten von Jugendlicher verstärken: Eine Studie von Plan International wies 2019 einen Zusammenhang zwischen der intensiven Nutzung sozialer Medien und der Akzeptanz veralteter Geschlechterklischees nach. Je stärker die befragten Jugendlichen YouTube, Instagram und Facebook nutzten, desto eher stimmten sie der Aussage zu, dass Frauen sich hauptsächlich um Haushalt und Kinder kümmern sollten. Auch dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer, war für die Intensivnutzenden eher in Ordnung. Je nachdem welche Inhalte junge Menschen nutzen, kann Social Media stereotype Vorstellungen von Geschlecht manifestieren. Soziale Plattformen haben jedoch mehr zu bieten als Rollenklischees: Wer gezielt danach sucht, findet vielfältige Angebote auf Social Media jenseits von klassischen Geschlechterrollen.

Mediale Vorbilder und Schönheitsideale

Eine der wichtigsten Aufgaben im Jugendalter ist die Entwicklung einer eigenen Identität. Jugendliche orientieren sich dabei oft stark an ihren medialen Vorbildern wie Influencer*innen, Serienfiguren oder Musikstars. Ihre Idole vermitteln häufig nicht nur Geschlechterstereotype, sondern auch unrealistische Schönheitsideale. Vor allem während der Pubertät, wenn der Körper sich verändert, sind Jugendliche für solche Schönheitsbilder besonders empfänglich. Eine glatte Haut, eine schlanke Figur oder ein trainierter Körper sind deshalb Ziele, die viele Jugendliche anstreben. Durch Inszenierung und Filter bei Selfies können sie diesem Ideal digital immer näherkommen. Positive Rückmeldungen auf bearbeitete Bilder geben zunächst Selbstvertrauen. Später kann jedoch schnell Unzufriedenheit mit dem eigenen, “unbearbeiteten” Aussehen entstehen.

Tipps für Eltern

Jugendliche probieren sich gerne aus und das geht am besten, wenn sie unterschiedliche Vorbilder haben. Lassen Sie sich von Ihrem Kind zeigen, welche Personen aus Serien, Internet und sozialen Medien es toll findet und fragen Sie nach den Gründen für diese Faszination.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind stark an Geschlechterklischees orientiert, stärken Sie sein Selbstwertgefühl und zeigen Sie Alternativen auf. Schauen Sie sich gemeinsam Beispiele an, die körperliche Vielfalt und diverse Rollenmodelle zeigen:

  • Auf sozialen Medien vernetzen sich User*innen unter Hashtags wie #bodypositivity und #bodyneutrality, um stereotype Schönheitsideale aufzubrechen.
  • In Kino, Fernsehen und auf Streaming-Plattformen gibt es immer mehr Filme und Serien, die divers besetzt sind und vielfältige Lebensentwürfe zeigen. Beispiele sind die deutsche Jugendserie DRUCK (ZDF funk) oder die britische Fernsehserie Sex Education (Netflix).
  • In der Welt der Games dominieren Geschlechterstereotype. Aber auch hier werden die Angebote immer diverser. Einige Spiele bieten eine breite Auswahl von Spielfiguren verschiedener Geschlechter oder sexuellen Orientierungen an, zum Beispiel Stardew Valley, Animal Crossing: New Horizons oder Minecraft.

Fake News, Verschwörungen und Desinformationen – Was heißt das eigentlich?

Falschmeldungen, Fake News, Alternative Fakten und Verschwörungstheorien –  diese Begriffe hören wir seit einigen Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Nachrichten. Sie meinen aber nicht unbedingt das Gleiche. Deshalb erklären wir hier, was die Begriffe unterscheidet.

Desinformation

Mit Desinformation sind all jene Nachrichten und Fakten gemeint, die nachweislich falsch oder irreführend sind. Häufig wirken sie wahr, weil sie in eine Geschichte verpackt sind. Deshalb kann es schnell passieren, dass man darauf hereinfällt. Desinformationen werden absichtlich gestreut, um eine bestimmte Stimmung zu verbreiten – beispielsweise gegen bestimmte Menschen oder politische Maßnahmen. Desinformation ist vor allem in Krisenzeiten, wie der Corona-Pandemie oder dem Ukraine-Krieg, ein Problem.

Fake News

“Fake News” ist ein Begriff, der oft umgangssprachlich für Desinformation verwendet wird. Er wird jedoch auch politisch eingesetzt, um andere politische Positionen oder Personen herabzusetzen. Manchmal wird er auch für Kritik an klassischen Medien genutzt.

Falschinformationen

Dagegen ist eine Falschinformation eine fehlerhafte oder unwahre Information, die ohne Absicht verbreitet wird. Früher gab es gelegentlich sogenannte „Zeitungsenten“: Dabei wurde eine Meldung in der Zeitung veröffentlicht, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hat. Die Zeitung hat in einer späteren Ausgabe darauf hingewiesen.

Satire

Satire kennen Sie vielleicht von Sendungen wie der heute show oder von Memes. Es ist eine künstlerische Ausdrucksform. Obwohl bei Satire oft ähnliche Stilmittel wie bei Desinformation verwendet werden (z. B. Übertreibung oder Vereinfachung von Sachverhalten) gehört sie nicht zur Desinformation. Satire möchte nicht absichtlich täuschen, sondern Missstände oder Probleme deutlich machen.

Propaganda

Mit Propaganda sind alle Aktionen und Methoden gemeint, mit denen zielgerichtet Anschauungen, Ideen oder Informationen (darunter auch Desinformation) verbreitet werden, um die öffentliche Meinung in einer bestimmten Art und Weise politisch zu beeinflussen bzw. zu manipulieren. Dazu zählen auch Plakate u. ä.

Verschwörungserzählungen

Verschwörungserzählungen beruhen auf der Auffassung, dass hinter politischen Maßnahmen oder bestimmten Ereignissen planmäßige Verschwörungen stehen. Sehr bekannt ist die Verschwörung, dass der 11. September von den Amerikanern selbst ausgelöst wurde. Damit hätten die USA eine Rechtfertigung gehabt, in den Irak einzumarschieren und den Machthaber zu stürzen.

Verschwörungstheorien eignen sich dazu, für komplizierte Zusammenhänge einfache Erklärungen zu finden. Es wird ein einfaches Weltbild entwickelt, das auf Klischees oder Stereotypen beruht. Personen und Sachverhalte werden klar eingeteilt – in Gut und Böse, richtig oder falsch.

Wie Sie und Ihre Kinder Falschmeldungen bzw. Desinformationen erkennen und damit umgehen können, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Thema.

Virtueller Elternabend am 14. September 2022 von 17 bis 18 Uhr

#DenkenFragenPosten: Was müssen Eltern beachten, wenn sie Fotos von Kindern im Netz teilen?

Kaum ist ein Kinderfoto gemacht, wird es auch schon über Messenger oder Social Media Dienste mit Familie und Freunden geteilt – das ist gängige Praxis in vielen Familien geworden. Es wirft aber auch einige Fragen auf: Wann verletzt das Teilen von Bildern und Daten die Rechte von Kindern, zum Beispiel ihr Recht auf Privatsphäre, auf Schutz oder auf Mitbestimmung? Was müssen Eltern beachten, wenn sie Bilder teilen wollen? Wir möchten im Elternabend gemeinsam aus kinderrechtlicher Perspektive auf die Praxis des “Sharentings” („Share“ + „Parenting“) schauen und Tipps erarbeiten, wie Kindheit im Internet stattfinden kann, ohne das Kinderrechte verletzt werden.

Seien Sie live dabei und stellen Sie Ihre Fragen an unsere Expertinnen – wir geben Antworten und stehen für den Austausch zur Verfügung!

Informationen und Anmeldung

Datum: 14.09.2022 | Zeit: 17 bis 18 Uhr
Ablauf: Medienpädagogischer Input mit Möglichkeiten zum offenen Austausch
Referentin: Sophie Pohle (DKHW)
Moderation: Lidia de Reese (FSM e.V.)
Plattform: Der virtuelle Elternabend wird über das Tool „Zoom“ realisiert.
Datenschutzhinweis: Zoom ist ein Service der Zoom Video Communications Inc., die ihren Sitz in den USA hat. Wir nutzen Zoom über den deutschen Betreiber easymeet24. Serverstandort von easymeet24 ist Europa. Weiterhin haben wir innerhalb des Dienstes Zoom die Konfigurationen mit dem höchsten Daten- und Sicherheitsschutz gewählt.
Bitte nehmen Sie auch von unserer Datenschutzerklärung Kenntnis.

Anmeldung:

    Hiermit melde ich mich zum virtuellen Elternabend von Elternguide.online am 14.09.2022 um 17.00 Uhr verbindlich an.

    * = Pflichtangabe
    Die erhobenen Daten dienen ausschließlich der Verarbeitung Ihrer Anfrage und werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Daten werden nach Abschluss der Bearbeitung und Durchführung des Webinars gelöscht. Mit dem Absenden der Nachricht willigen Sie in die diesbezügliche Datenverarbeitung ein.
    Bitte nehmen Sie auch von unserer Datenschutzerklärung Kenntnis.

    RTL+

    Das Streamingportal RTL+ bietet die Möglichkeit, Sendungen der Mediengruppe RTL nach ihrer Ausstrahlung sieben Tage lang kostenlos anzusehen – einige auch länger darüber hinaus. Premium-Mitgliedern stehen zudem eigens produzierte Inhalte und weitere Funktionen zur Verfügung. Finanziert werden die kostenfreien Inhalte über Werbeeinblendungen. Eltern haben die Möglichkeit, ein Profil für ihr Kind anzulegen, sodass es altersgerechte Serien, Filme und Shows werbefrei streamen kann.  

    Kurz gefasst:

    • Streaming-Angebot der Mediengruppe RTL Deutschland
    • Inhalte aus dem TV-Programm und Eigenproduktionen
    • mit oder ohne Premium-Mitgliedschaft nutzbar
    • Premium ab 4,99 € / Monat, Premium Duo ab 7,99€ / Monat
    • Anlegen von Profilen mit Altersbeschränkung möglich
    • geeignet für Kinder ab 3 Jahren

    Was bietet RTL+?

    RTL+ ist das Video-on-Demand-Angebot der Mediengruppe RTL. Nach Anlegen eines Accounts können mit dem Paket RTL+ Free Sendungen bestimmter Kanäle live gestreamt oder sieben Tage nachträglich angeschaut werden. Premium-Mitgliedern stehen außerdem Sendungen und weitere Formate dauerhaft im Archiv zur Verfügung. Seit 2019 bietet die Plattform eigens produzierte Filme und Serien an, die RTL+ Originals. Die kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft eröffnet Zugang zur mobilen App, zu den Eigenproduktionen und die Möglichkeit, Inhalte vor der TV-Ausstrahlung anzusehen. Das Paket Premium Duo bietet zusätzlich Werbefreiheit, parallele Streams und einige Inhalte in englischer Originalversion. 

    Alle registrierten User können bis zu drei Profile anlegen. Diese lassen sich in Erwachsenen- und Kinderprofile unterscheiden. Kinder haben über ihr eigenes Profil nur Zugang zu dem Bereich Family und Kids. So können Sie sicher gehen, dass Ihr Kind nur Zugriff auf altersgerechte Inhalte hat. Die Formate im Family und Kids-Bereich können außerdem werbefrei gestreamt werden. 

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

    Das Angebot von RTL+vereint das Fernsehprogramm mehrerer Sender miteinander und bietet somit gleichermaßen etwas für kleinere Kinder und Jugendliche. Beim jüngeren Publikum sind vor allem die Kinderkanäle Super RTL und Toggo beliebt. Neben neuen Produktionen werden dort auch Klassiker wieJanoschs TraumstundeFünf Freunde oder Benjamin Blümchen ausgestrahlt. Verpasste Sendungen können durch RTL+ von den Kindern problemlos nachgeschaut werden. Sie haben außerdem mit RTL+ Kids ihren eigenen Bereich, in dem die Formate in verschiedene Kategorien und Genres sortiert sind. So ist es für Kinder leicht sich zurecht zu finden und selbstständig auszuwählen. 

    Was müssen Eltern wissen?

    Wenn Sie sich kostenfrei bei RTL+ registrieren, haben Sie die Möglichkeit Ihrem Kind ein eigenes Profil anzulegen, über das es nur altersgerechte Formate anschauen kann. Premium-Mitglieder können zudem eine Jugendschutz-PIN einrichten, die für alle Profile gültig ist. Ab welcher Altersbeschränkung die PIN wirksam werden soll, können Sie selbst festlegen.

    Registrierte Personen ohne Mitgliedschaft können keine PIN anlegen, haben aber die Möglichkeit, das unabhängige und kostenlose Jugendschutzprogramm JusProg zu installieren. Ob Sendungen und Filme für das Alter Ihres Kindes geeignet sind und wie es die gezeigten Inhalte verarbeitet, können Sie über den Programmratgeber Flimmo erfahren. 

    Neben den angeschauten Inhalten sollten Sie im Blick haben, wie viel Zeit Ihr Kind vor dem Bildschirm und mit Medien insgesamt verbringt. Vereinbaren Sie deshalb feste Zeiten oder bestimmte Sendungen, die Ihr Kind anschauen darf. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie viel Zeit angemessen ist, können Sie in unserem Beitrag zu Medienzeit weitere Informationen und Anregungen finden.

    Das Spiel mit der Zeit: Gaming-Trend Speedrun

    Eine Spielfigur springt von Level zu Level, der Vorwärts-Button ist durchgehend gedrückt, alle Aufgaben sind in Windeseile erledigt und schwupps – schon ist das Spiel beendet. Haben Sie das schon einmal beobachtet? In einem Let’s-Play-Video oder vielleicht sogar bei Ihrem Kind?  

    Was ist ein Speedrun?

    Das Wort Speedrun kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Wörtern speed für Schnelligkeit und run für Durchlauf zusammen. Das Hauptziel ist das schnelle Durchspielen eines beliebigen Videospiels. Besonders Jump ’n‘ Run-Spiele wie das Nintendo-Spiel Super Mario, aber auch Ego-Shooter wie Half Lifeoder Adventure-Games wie Pokémon sind Beispiele für Speedruns. Wichtig ist es nicht nur, ein Spiel in Rekordzeit zu beenden, sondern auch den Spielverlauf aufzunehmen und den Videobeweis mit der Online-Community zu teilen. Ob Gaming-Stars oder Jugendliche – viele Spielerinnen und Spieler teilen Mitschnitte ihrer Speedruns online oder laden ihre Community zu Livestreams ein, zum Beispiel über Twitch.

    Abschnitte überspringen, Hindernisse umgehen, Wände durchschreiten – was genau erlaubt ist, entscheidet die Community. Verschiedene Kategorien mit Regeln sorgen für einen fairen Wettkampf. Hier einige Beispiele:

    • Glitch (englisch für Programmierfehler): die Schwächen in der Programmierung eines Spiels dürfen ausgenutzt werden
    • 100%: das Spiel muss mit der Erfüllung aller Aufgaben gespielt werden
    • Low%: nur das Mindestmaß an Aufgaben muss erfüllt werden
    • Any%: egal wie – nur der Endpunkt eines Spiels, der Abspann, muss erreicht werden

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

    Der größte Reiz von Speedruns ist es, ein Game aus einer anderen Perspektive zu erleben. Dabei erforschen Kinder und Jugendliche Mechanismen und Regeln, um damit neue Spielfähigkeiten zu entwickeln. So kann auch das Lieblingsspiel oder der 20 Jahre alte Klassiker wieder eine neue Herausforderung darstellen. Jugendlichen und Kindern macht es Spaß, kreative Lösungswege zu finden und Taktiken auszutüfteln. Sich mit anderen zu messen ist spannend und schafft Anerkennung durch Freundeskreis und Community. 

    Was kann problematisch sein?

    Wer einen guten Speedrun schaffen möchte, muss sehr geduldig sein und fleißig üben. Immer wieder dasselbe Spiel durchzuspielen und dabei Fähigkeiten zu perfektionieren, kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und zu exzessiver Mediennutzung führen. Es kann Kinder und Jugendliche frustrieren, wenn sie nicht so schnell vorankommen, wie sie möchten oder andere stets ihre Rekordzeit überbieten.

    Tipps für Eltern zum Umgang mit Speedruns

    • Bleiben Sie mit Ihrem Kind über Gaming im Gespräch.
    • Zeigen Sie Interesse für die Lieblingsspiele Ihres Kindes und schauen Sie sich gemeinsam Speedruns an.
    • Seien Sie sich der medialen Vorbilder Ihres Kindes bewusst, sowohl der Spielfiguren im Spiel als auch der Speedrunner und Speedrunnerinnen in der Gaming-Szene.
    • Legen Sie gemeinsam angemessene Medienzeiten für Ihr Kind fest und vereinbaren Sie zum Beispiel einen Mediennutzungsvertrag.
    • Beobachten Sie Ihr Kind und reagieren Sie, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind zu extremer Mediennutzung neigt.

    YouTube Kids

    YouTube Kids ist die kindgerechte kleine Schwester von YouTube. Die Plattform bietet eine große Sammlung altersgerechter Videos für Kinder. Sie wurde speziell für Familien entwickelt.

    Kurz gefasst:

    • kostenlose App für Android und iOS
    • geschlossene YouTube-App und Website mit speziellen Kinderinhalten für das Vorschul- und Grundschulalter
    • Sicherheits- und Kontrollfunktionen durch die Eltern
    • Werbung im Angebot
    •  

    Was ist YouTube Kids?

    YouTube Kids ist ein spezielles Angebot für Kinder. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die durch einen speziellen Algorithmus kindgerechte Inhalte herausfiltert und in die App oder Webseite einspielt. Zu Beginn der Nutzung können Eltern zwischen drei Altersstufen wählen: Vorschulalter (bis vier Jahre), Jünger (von 5 – 8 Jahre) und Älter (von 9 – 12 Jahre).

    Die Inhalte sind in vier Kategorien unterteilt: Serien, Musik, Lernen und Erkunden. Es finden sich weitere spannende Inhalte rund um Themen wie Musik, Gaming, Wissenschaft oder Basteln. Auch die bekannten Freundinnen und Freunde der Kleinen sind auf YouTube Kids vorhanden: Der kleine Drache Kokosnuss, Bibi und Tina, das Sandmännchen.

    YouTube Kids ist so gestaltet, dass Kinder die Plattform einfach bedienen können. Mit großen Abbildungen und einer Sprachsuche können auch Kinder, die noch nicht lesen können, die Webseite nutzen. Die Inhalte von YouTube Kids lassen sich über Systeme wie Chromecast, Apple TV und Spielekonsole auch auf einen Smart-TV streamen. Das Hochladen eigener Videos wie beim „richtigen“ YouTube ist nicht möglich.

    Was begeistert Kinder an dem Angebot?

    Kinder mögen – wie Erwachsene auch – Unterhaltungsangebote. Sie können in der App ihre Lieblingsfiguren und -geschichten quasi zu jeder Zeit abrufen. Somit ermöglicht YouTube Kids eine gewisse Form der Eigenständigkeit – sofern Eltern es erlauben. So können Inhalte z. B. eigenständig gesucht und angesehen werden.

    Auch ist es möglich Videos und Kanäle von dem YouTube-Account der Eltern auf dem ihres Kindes zu teilen. Das sind Videos, die normalerweise nicht auf YouTube Kids zu finden sind.

    Was ist problematisch an dem Angebot?

    Das Angebot basiert auf einem Algorithmus. Das heißt, dass Inhalte nicht durch Menschen ausgewählt und nicht alle auf ihre Qualität überprüft werden, sondern dass es sich um einen technischen Auswahlprozess handelt. Dabei können Fehler auftreten. Seit Start des Angebots sind z. B. zahlreiche Angebote aufgetaucht, die anfangs kindgerecht erschienen, sich aber später als beängstigend herausstellten.

    Zusätzlich spielt der Algorithmus Videos mit großer Reichweite und großen Abrufzahlen zuerst und sehr prominent aus. So sind z. B. neben den bekannten und beliebten Trickfilmfiguren besonders auch Kinder-Influencer oder Familien-YouTube-Kanäle beliebt, die oftmals auch Produktplatzierungen o. Ä. enthalten. Nicht zuletzt enthält das kostenlose Angebot offensichtlich Werbung, die der Zielgruppe angepasst ist. Nur mit einem Abonnement von YouTube Premium ist auch der YouTube-Kids-Kanal ohne Werbung anzusehen. Positiv ist jedoch, dass sich aus dem Angebot heraus keine anderen Websites öffnen lassen.

    Was sagt der Anbieter?

    Es kann zu Fehlern bei der Auswahl der Videos kommen. Kein System ist perfekt. Daher wird der Algorithmus stetig verbessert und es finden manuelle Überprüfungen statt. Eltern werden explizit dazu aufgerufen, Videos zu melden, wenn diese problematisch erscheinen. Um als Eltern eine noch bessere Kontrolle zu erhalten, können alle Such- und Vorschlagsfunktionen ausgeschaltet werden, so dass nur die Angebote auf der Startoberfläche zugänglich sind. Weitere Tipps für Eltern zu den Jugendschutzeinstellungen gibt YouTube Kids auf seiner Webseite.

    Der Anbieter weist explizit darauf hin, dass YouTube Kids die elterliche Kontrolle und Begleitung ihrer Kinder nicht ersetzt. Eltern sollten gemeinsam Videos auswählen und in der Nähe bleiben.

    Was sollten Eltern beachten?

    Sie sollten möglichst gemeinsam mit Ihrem Kind Videos anschauen, so dass Sie erkennen können, mit welchen Inhalten es gut zurechtkommt und welche nicht für Ihr Kind geeignet sind.

    Da Funktionen wie das Hochladen, Teilen oder Bewerten von Videos nicht zur Verfügung stehen, ist YouTube Kidssicherer als seine große Schwester YouTube. Eltern haben die Möglichkeit, ihr eigenes Passwort zu erstellen, um in der App auf die Einstellungen zugreifen zu können.

    Für mehr Kontrolle wurden spezielle Einstellungen eingefügt, die per Passwort geschützt sind:

    • Sucheinstellungen: Ist die Suchfunktion aktiviert, kann auf Millionen von Videos für die ganze Familie zugegriffen werden. Ist sie deaktiviert, wird die Nutzung der App eingeschränkt. Dann sehen Kinder nur Videos auf der Startseite der App. Sie werden entsprechend der bisher gesehenen Videos und der Alterseinstellung vom System ausgewählt. Der Verlauf kann jeweils gelöscht werden.
    • Mit dem eingebauten Timer kann die Dauer, die Ihr Kind vor dem Bildschirm verbringt, beschränkt werden. Wenn die eingestellte Zeit vorbei ist, weist die App Kinder darauf hin und sperrt sich von selbst.

    Probieren Sie die App erst einmal ohne Ihr Kind aus und entscheiden Sie dann, ob sie für Sie und Ihre Familie geeignet ist!

    Bei medien-kindersicher gibt es eine ausführliche Anleitung zur Einrichtung von YouTube Kids.

    TikTok und der Krieg

    Die Social-Media-Plattform TikTok ist vor allem bekannt für ihre lustigen Musik- und Tanzvideos. Die Smartphone-Clips dauern meist nicht länger als eine Minute und verschwinden nach einmal scrollen wieder. Unter Inhalten aus dem Freundeskreis, von Influencerinnen und Musikern mischen sich auch Inhalte, die TikTok automatisch für den eigenen Feed generiert. Wie zum Beispiel Videos vom aktuellen Krieg in der Ukraine. Durch den speziellen Algorithmus von TikTok werden Clips aus dem Kriegsgeschehen, aber auch Propaganda und Fake-Videos ungefiltert auf die Smartphones von Kindern und Jugendlichen gespült. 

    Was ist zu sehen?

    Brutale Bilder, Panzervideos, brennende Häuser oder Fluchtgeschichten – einmal scrollen und Kinder und Jugendliche sehen auf TikTok Videos, die ohne Kontext gepostet wurden und eindeutig etwas mit Krieg zu tun haben. Die Betroffenen in den Videos sind oft genauso alt wie die Nutzenden selbst: Jugendliche, die aus der Ich-Perspektive aus Bunkern, von Bombenangriffen und von der Flucht erzählen. Doch was ist echt und was ist falsch? Desinformationen, Fake-Live-Streams und Kriegspropaganda werden über TikTok geteilt. Inszenierte Videos, die nur für Likes, Klicks oder mit der Bitte um Spenden gepostet werden, drehen ihre Runden. Bots werden eingesetzt, um Beiträge zu kommentieren und die Stimmung aufzuheizen.

    Was ist problematisch?

    TikTok dient Kindern und Jugendlichen als Informationsquelle, über Hashtag lassen sich leicht weitere Videos zum Thema suchen. Da die tatsächlichen Quellen meist nicht angezeigt werden ist es für Kinder und Jugendliche herausfordernd, die Flut an ungeprüften Inhalten richtig einzuschätzen. Es besteht außerdem die Gefahr des Doomscrollings, also das Geraten in eine Spirale schlechter Nachrichten. 

    Durch den Algorithmus werden Kinder und Jugendliche ungefragt mit “expliziten” Inhalten konfrontiert, die sie vielleicht gar nicht sehen möchten und die für sie ungeeignet sind. Schnitt und Musik von Fake-Videos schüren mitunter starke Emotionen und es ist schwer, Distanz zu bewahren. 

    Russland nutzt die Plattform zu Propagandazwecken, das Wort “Krieg” ist in russischen Medien im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg verboten. Der ukrainische Präsident ruft seine Landsleute dazu auf, durch TikTok über den Krieg zu informieren. Der Krieg findet also auch über TikTok statt und die Plattform eignet sich perfekt zur Meinungsbeeinflussung. 

    Was sagt TikTok dazu?

    TikTok reagiert auf die aktuellen Entwicklungen und setzt Maßnahmen zum Schutz der Community ein. Aktuell werden immer mehr Inhalte staatlich kontrollierter Medien gekennzeichnet, unter anderem aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Außerdem geht TikTok stärker gegen Falschinformationen vor. Die Videoplattform arbeitet mit unabhängigen Fakten-Checkern zusammen, die kontinuierlich die Richtigkeit von Inhalten überprüfen und kennzeichnen, Konten sperren und Videos löschen. Auf ihrer “Entdecken” Seite gibt TikTok Tipps, wie Nutzende ihre digitalen Kompetenzen stärken können.

    Was können Eltern tun?

    Der Übergang von banaler Unterhaltung zum Schrecken des Kriegs geschieht auf TikTok rasant. Auf lustige Tanzvideos folgen Panzerbilder. Das kann Ihr Kind überfordern. Zu verhindern, dass Ihr Kind solche Videos zugespielt bekommt, ist nicht möglich. 

    • Begleiten Sie deshalb Ihr Kind bei der Nutzung von TikTok.
    • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was ihm auf TikTok begegnen kann.
    • Bestärken Sie Ihr Kind darin, sofort wegzuklicken, wenn es ein Video nicht sehen möchte.
    • Klären Sie Ihr Kind über den speziellen Algorithmus von TikTok auf. Liken, teilen und ein Video zu Ende anschauen tragen dazu bei, ähnliche Videos im Feed angezeigt zu bekommen. 
    • Unterstützen Sie Ihr Kind in der Entwicklung seiner Medienkompetenz und beim Erkennen von Fake-News.
    • Analysieren Sie gemeinsam TikTok-Videos: Was wird in dem Video gezeigt? Wissen wir, ob das Gezeigte echt ist? Werden Quellen angegeben? Wie berichten seriöse Nachrichtendienste darüber? 
    • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, was den eigenen Medienkonsum und den Umgang mit Quellen anbelangt. 

    Der Krieg in der Ukraine und die Darstellung dessen in den Medien kann nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene überfordernd sein. Bleiben Sie sie selbst und sprechen Sie über Ihre Gefühle im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Beitrag Kinder und Nachrichten vom Krieg.

    Trash TV – Unterhaltung ohne Limit?

    Diese Formate kennen Sie bestimmt: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, “Der Bachelor” oder “Germanys next Topmodel”. Sogenannte Trash TV-Sendungen sind nach wie vor beliebt und feiern jedes Jahr den Beginn einer neuen Staffel. Ob im Fernsehen oder über Online-Plattformen – die Angebote sind zahlreich und werden immer skurriler, um den gewünschten Unterhaltungsfaktor zu liefern. Offene Begeisterung, heimliches Vergnügen oder niveaulose Zeitverschwendung? Beim Thema Trash TV sind die Meinungen gespalten.

    Was ist Trash TV? 

    Das Wort Trash TV kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt so viel wie “geschmackloses Fernsehen”. Trash TV in Deutschland hat seinen Ursprung mit dem Aufkommen privater Fernsehsender wie SAT.1 oder RTL in den 1980er-Jahren. In einer Zeit immer größerer Medienkonkurrenz sorgten leichte Unterhaltungssendungen dafür, das Publikum für sich zu gewinnen und die Einschaltquoten zu erhöhen. Die Produktion von Trash-TV-Formaten bedient sich bewährten Mustern und ist günstig.

    Vor allem das Format Scripted Reality (zu Deutsch: “als Drehbuch geschriebene Realität”) boomt. Die inszenierten Geschichten und Figuren wirken wie aus dem Leben gegriffen und sollen den Zuschauenden das Gefühl vermitteln, dass die Geschehnisse echt sind. Streit, Liebeskummer, Betrug und Verrat sind nur einige Beispiele für beliebte Themen. In Wirklichkeit wird die Handlung vorher festgelegt und von Schauspielerinnen und Schauspielern umgesetzt. 

    Hier ein paar Beispiele für Trash-TV-Formate:

    • Doku Soaps (Berlin – Tag & Nacht, Goodbye Deutschland! Die Auswanderer)
    • Castingshows (Germanys Next Topmodel, Deutschland sucht den Superstar)
    • Spielshows (Ich bin ein Star – holt mich hier raus, Das Sommerhaus der Stars)
    • Kennenlernshows (Der Bachelor & Die Bachelorette, Love Island)
    • Gerichtsverfahren (Richterin Barbara Salesch, Das Jugendgericht)
    • Fiktive Reportagen (Auf Streife, Die Trovatos – Detektive decken auf)

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Trash TV?

    Die 16. Staffel von Germany’s Next Topmodel im Jahr 2021 wurde durchschnittlich von rund 2,46 Millionen Menschen angeschaut, wobei die meisten von ihnen zwischen 3 und 14 Jahre alt sind. Was macht Trash-TV für junge Menschen so attraktiv? 

    Als Abwechslung zum gewöhnlichen Alltag bieten Trash-TV-Serien eine Welt voller aufregender Gefühle, Dramen und Zumutungen. Viele Jugendliche finden diese Art von Unterhaltung faszinierend und spannend – also perfekt gegen Langeweile.

    Ein weiteres Phänomen bezeichnet die Wissenschaft als Eskapismus. Der Begriff kommt vom englischen Wort escape und heißt übersetzt “flüchten”. Beim Eskapismus nutzen Menschen Medienkonsum als Flucht vor der Realität. Einschalten um abzuschalten lautet hier das Motto, denn beim Konsumieren muss nicht viel nachgedacht werden. Nach einem anstrengenden Schul- oder Arbeitstag bietet Trash TV dem rauchenden Kopf eine wohlverdiente Pause, Sorgen und Probleme geraten in den Hintergrund.

    Trash TV bietet immer ein aktuelles Gesprächsthema, ob auf dem Schulhof oder über Messenger. Auch in den sozialen Medien wie Instagram oder Twitter sind Trash-TV-Formate mit ihren Kanälen präsent. In den Kommentaren ist ordentlich was los und Fans haben hier die Möglichkeit ihren Gedanken, Theorien oder dem Unmut zur Sendung freien Lauf zu lassen. Der Austausch und das Gemeinschaftsgefühl machen den Konsum von Trash-Sendungen für Kinder und Jugendliche interessant.  

    Was ist problematisch an diesem Angebot?

    Trash-TV-Formate überschreiten häufig Grenzen zum Zwecke der Unterhaltung. Die Sendungen zeigen mitunter problematische Verhaltensweisen wie Mobbing, Gewalt oder Homophobie. Auch Menschen- und Tierrechte werden in einigen Shows ignoriert oder bewusst verletzt. Die Figuren gehen mitunter ruppig miteinander um und steigern sich zuweilen übertrieben in Gefühle und Konflikte hinein. 

    Viele Shows und Sendungen vermitteln Kindern und Jugendlichen ein einseitiges Weltbild, stereotype Rollenbilder oder überhöhte Körperideale. Besonders wenn Kinder und Jugendliche sich mit den Hauptfiguren identifizieren und mit ihnen mitfiebern, können falsche Vorbilder entstehen. 

    Trash-TV-Formaten fehlt es meist an eindeutigen Kennzeichnungen, dass die Personen frei erfunden sind. Jungen Zuschauenden kann es dadurch schwerfallen, Fiktion und Realität auseinanderzuhalten. Auch wenn die Studie schon etwas zurückliegt, so gaben im Jahr 2011 nur 22% der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren an, sich der Fiktion in Trash-TV-Sendungen bewusst zu sein. 

    Was sollten Eltern beachten?

    Besonders Kinder können Trash-TV-Formate noch nicht richtig einschätzen. Sie brauchen die Unterstützung der Eltern, um ein Bewusstsein zu entwickeln, welche Inhalte der Wahrheit entsprechen und welche nicht. Das Anschauen von Trash-TV-Sendungen zu verbieten macht nur wenig Sinn, denn damit werden Neugier und Interesse erst recht geweckt. Wichtiger ist es, mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben. Fragen Sie nach, was es an den gesehenen Sendungen spannend findet. Klären Sie Ihr Kind darüber auf, dass es sich dabei um ein vorgeschriebenes Drehbuch mit absichtlich hergestellten Konflikten handelt. Auch Behind the scenes-Videos über die Hintergründe von Sendungen helfen dabei, die Machart der Formate zu verstehen. Ein gemeinsamer Fernsehabend mit den Lieblingsformaten Ihres Kindes kann helfen, um sowohl über die Faszination Trash TV als auch über Problematiken zu sprechen und sie zu reflektieren. 

    YouTube

    Fernsehen ist tot – zumindest, wenn man die junge Generation fragt. Kinder und Jugendliche schauen heute YouTube auf dem Handy oder Tablet. Aber was genau ist das eigentlich?

    Kurz gefasst:

    • weltweit größtes kostenfreies Videoportal
    • Videos von professionellen Kanälen, YouTubern, Medien und privaten Nutzern
    • Mindestalter laut Anbieter ab 16 Jahren (13 mit Erlaubnis der Eltern), jüngere Kinder: YouTube Kids
    • Vorsicht: Vielzahl an Inhalten und damit auch das Risiko nicht altersgerechter Videos oder Kommentare

    Was ist YouTube?

    YouTube ist aktuell das größte und beliebteste Videoportal der Welt. Kinder und Jugendliche können unzählige Videos zu vielfältigen Themen und von verschiedenen Produzenten anschauen. Sie können aber auch eigene Videos hochladen, die Videos anderer bewerten und kommentieren sowie sich mit anderen Nutzern in der Community austauschen.

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche besonders an dem Angebot?

    YouTube bietet für jeden Geschmack etwas: Kinder und Jugendliche finden unzählige Videos, Themen und Kanäle für alle Altersgruppen und Interessen. Die Inhalte stammen aus der ganzen Welt, es gibt Videos von professionellen Kanälen (Musikvideos, Shows, Kinderserien, Prominente, erfolgreiche YouTuber). Aber auch private Nutzer laden Videos rund um Computerspiele (z. B. Let’s Play Videos), Tutorials zum Nachmachen, witzige Challenges und Einblicke in ihren Alltag hoch.

    Viele Kinder und Jugendliche identifizieren sich mit YouTube-Stars und abonnieren Kanäle, die ihnen gefallen. Dort schauen sie 60-sekündige Smartphone-Videos bei YouTube Shorts, die gängigen 10-Minuten-Videos oder ganze Filme und Serien mit einem YouTube-Premium-Abo. Über die Funktion YouTube Live finden professionelle Livestreams von Veranstaltungen statt, aber auch Privatpersonen können schon mit einfacher Technik live streamen.

    “YouTuber” sehen manche Kinder und Jugendliche als einen Berufswunsch an und möchten gerne einen eigenen Videokanal starten. Grundsätzlich ist das eine tolle Möglichkeit, sich kreativ auszuleben. Jedoch gibt es auch einige Dinge, die beachtet werden müssen. Deshalb haben wir für Sie in diesem Beitrag das Wichtigste dazu zusammengefasst:Mein Kind will YouTuber werden

    Was ist problematisch an dem Angebot?

    Es handelt sich um eine weltweite Nutzercommunity, mit einer riesigen Bandbreite an Inhalten, sekündlich neu hochgeladenen Videos und unzählige Kommentare. Daher besteht das potenzielle Risiko, dass Jugendliche Inhalten begegnen, die nicht für sie geeignet oder sogar entwicklungsbeeinträchtigend sein können. Videos können bspw. gewalthaltige, anstößige, verstörende Inhalte zeigen, zu riskantem Verhalten anregen, versteckte Werbung enthalten oder einfach nicht altersentsprechend für junge Nutzerinnen und Nutzer sein. Auch die Kommentare unter den Videos können Gewalt, Hass, Beleidigungen oder Belästigungen enthalten.

    Wenn Heranwachsende ihre eigenen Videos produzieren, besteht das Risiko, dass sie persönliche Informationen von sich oder auch von Freunden und Familienmitgliedern preisgeben. Wenn andere ungefragt im Video zu sehen sind, kann eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild vorliegen. Kinder und Jugendliche können bei der Verwendung von Musik oder anderen Videoausschnitten gegen das Urheberrecht verstoßen.

    Das Portal ist kostenfrei und enthält Werbung und kommerzielle Inhalte, bspw. vor oder zwischen Videos geschaltete Werbespots. Gesponserte Inhalte oder Produktplatzierungen können für Heranwachsende unter Umständen schwer zu erkennen und durchschauen sein. Auch bei Gewinnspielen auf YouTube ist Vorsicht geboten.

    Was meint der Anbieter?

    YouTube ist eine Tochterfirma des Google-Konzerns. Wer Videos hochladen, abonnieren oder kommentieren möchte, benötigt einen Google-Account. Das Mindestalter für die Nutzung liegt in Deutschland bei 16 Jahren. Eine Ausnahmeregelung gilt, wenn ein Elternteil seinem mindestens 13-jährigen Kind die Nutzung des Dienstes über Family Link erlaubt hat. Grundsätzlich benötigen alle Minderjährigen die Erlaubnis der Eltern.

    YouTube klärt die Nutzer mit den Community-Richtlinien über angemessene Inhalte und ein respektvolles Miteinander auf. Der Anbieter ist grundsätzlich nicht verantwortlich für die Inhalte der hochgeladenen Videos, löscht jedoch Videos, die den Richtlinien widersprechen. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ist Pornografie auf YouTube verboten. Dasselbe gilt für Inhalte, die selbstverletzendes Verhalten fördern oder die das emotionale und körperliche Wohlbefinden Minderjähriger gefährden. Bestimmte Videos sind daher nur für angemeldete Nutzer sichtbar, die 18 Jahre oder älter sind. Auch wenn YouTube selbst verschiedene Tools verwendet, um unangemessene Inhalte herauszufiltern, ist auch das Feedback der Nutzenden wichtig. Sie haben die Möglichkeit, Inhalte zu melden, sodass diese möglicherweise gelöscht oder sogar strafrechtlich verfolgt werden können.

    YouTube setzt Upload-Filter ein, die beim Hochladen prüfen, ob Bilder, Musik oder Videos darin urheberrechtlich geschützt sind. Damit handelt YouTube nach der EU-Urheberrechtsreform von 2019. Die Videoplattform informiert: Nur wer die Genehmigung des Rechteinhabers hat, darf urheberrechtlich geschütztes Material nutzen.

    Was sollten Eltern beachten?

    Da YouTube eine unübersichtliche Vielfalt an Videos bietet, sollten Sie Ihr Kind nicht alleine damit lassen. Begleiten Sie es bei den ersten Schritten und besprechen Sie die Möglichkeit, Inhalte zu melden. Lassen Sie Ihr Kind erste Erfahrungen auf YouTube Kids sammeln, wo es einen sicheren Rahmen gibt.

    Wenn Sie sich dafür entscheiden, dass Ihr Kind reif genug für das “richtige” YouTube ist, machen Sie zunächst Gebrauch vom eingeschränkten Modus, der bestimmte Inhalte ausblendet, z. B. Gewalt oder Nacktheit. Eltern können den eingeschränkten Modus aktivieren, damit ihre Kinder derartige Inhalte möglichst nicht sehen können.

    Seien Sie offen, wenn Ihr Kind selbst Videos produzieren möchte. Es ist zunächst eine tolle Möglichkeit, kreativ zu werden. Besprechen Sie dennoch, welche Themen und Inhalte in den Videos vorkommen werden. Das betrifft auch, ob und wie viele persönliche Informationen andere Nutzer dadurch von ihnen erfahren könnten. Diskutieren Sie unbedingt die Möglichkeit, Videos auf privat oder nicht gelistet zu stellen. Damit können andere diese Videos entweder gar nicht sehen (“privat”), oder die Videos kann nur sehen, wer den Link zu ihnen hat (“nicht gelistet”) – sie werden dann in der Suche nicht angezeigt.

    Musikvideos im Netz

    Durch Internetplattformen, wie Youtube und TikTok, wird Kindern und Jugendlichen eine große Bandbreite an verschiedenen Musikvideos geboten. Das bietet Wahlmöglichkeiten und Teilhabe an Musik aus der ganzen Welt. Musikvideos können jedoch falsche Vorstellungen von Rollenbildern bei Kindern und Jugendlichen auslösen. Was gilt es also zu beachten?

    Musikvideos – damals und heute

    In den 1970er Jahren wurden Musikvideos hauptsächlich zu Werbezwecken genutzt und produziert, um die Sängerinnen und Sänger, die den Song performen vorzustellen. Eines der ersten Musikvideos war das Promotionvideo zu Bohemian Rhapsody von Queen aus dem Jahr 1975. Die heutigen Musikvideos zeigen nicht nur Bilder, die zu der Musik passen. In den Clips werden viele verschiedene Geschichten erzählt. Dabei kann es um Mode, Liebe, Trends, kulturelle oder gesellschaftspolitische Themen gehen. Von Rap, Pop, Funk, klassischer Musik oder Techno ist alles dabei. Durch Musikvideos werden auf verschiedenste Art und Weise Geschichten vermittelt. Manche Musikvideos werden mit Menschen gedreht, die in den Clips vorkommen. Andere Videos werden mit Computertechnik produziert und die Personen werden animiert. Es gibt auch abstrakte Clips, in welchen gar keine Menschen gezeigt werden.

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche an Musikvideos?

    Musik hören gehört bei Kindern und Jugendlichen zu den drei wichtigsten und am häufigsten genutzten Medienaktivitäten. Youtube bietet dafür eine große Auswahl an Musik und Videos. In der 2019 veröffentlichten JIM-Studie geben 63 Prozent der Kinder und Jugendlich im Alter zwischen 12 bis 19 Jahren an, dass Youtube das beliebteste Internetangebot ist. Außerdem wurde in der Studie deutlich, dass Kinder und Jugendliche auf der Plattform vor allem Musikvideos streamen. Musikvideos können das Tor in eine andere Welt sein, in der Kinder und Jugendliche eine große Auswahl an Geschichten und Darstellungen ihrer Lieblingslieder haben.

    Vermittlung falscher Rollenbilder

    Oft fällt Kindern und Jugendlichen nicht auf, wie unterschiedlich Männer und Frauen in verschieden Musikvideos dargestellt werden. Es ist häufig der Fall, das Frauen auf ihren Körper reduziert werden –ihre Körper werden gezeigt und in vielen Einstellungen sieht man nicht mal das Gesicht. Männer werden gerade im Rap und HipHop in starken Machtpositionen gezeigt und cool oder aggressiv dargestellt. Kinder und Jugendliche nehmen diese klischeehafte Darstellung von Männern und Frauen in Musikvideos nicht bewusst war. Dadurch kann es passieren, dass es als Normalität wahrgenommen wird und Jugendliche danach streben, wie ihre Vorbilder in den Musikvideos zu werden und diese Klischees verinnerlichen.

    Was sollten Eltern beachten?

    Schauen Sie auch mal genauer hin. Achten Sie auf den Songtext und hinterfragen Sie, was das Musikvideo ausdrückt. Sprechen Sie mit ihren Kindern über Musikvideos und fragen, was es an den Clips gut findet. Lassen Sie sich von Ihrem Kind erklären, welche Musik es gerne hört und warum. Sprechen Sie darüber, dass Musikvideos eine Form des Geschichten Erzählens ist und sprechen Sie mit Ihren Kindern über die möglichen Klischees in Musikvideos. Bleiben Sie offen für die Musikinteressen Ihres Kindes. Tauschen Sie sich mit ihrem Kind aus und verbieten Sie keine Musikvideos, denn das bringt oftmals keine Erfolge und ist auch aus pädagogischer Sicht kritisch zu betrachten. Gleichzeitig können Sie gerade bei jüngeren Kindern, sofern Musikvideos Thema sind, die Jugendschutzeinstellung bei den Streamingportalen überprüfen und ggf. anpassen.

    Das Internetphänomen Challenges: Von unterhaltsam und für den guten Zweck bis leichtsinnig und gefährlich

    Sie zählen zu den beliebtesten Online-Formaten bei Kindern und Jugendlichen: Pranks und Challenges – Streiche und Herausforderungen. Leute filmen sich z. B. dabei, wie sie die Tänze der Charaktere aus dem Spiel Fortnite nachahmen. Oder bei der #CelebLookAlike-Challenge werden Freunde gefragt, wer welcher bekannten Person ähnlich sieht. 

    Challenges gibt es auf fast allen sozialen Netzwerken. Besonders beliebt sind sie bei TikTok. Challenges können lustig sein und Aufmerksamkeit für eine bestimmte Sache erregen. Es kann aber auch mal gefährlich werden, wenn vor allem Jüngere versuchen, bestimmte Challenges nachzuahmen. 

    Was steckt hinter dem Internetphänomen Challenge?

    Bekannt geworden ist dieses Internetphänomen wahrscheinlich durch die Ice-Bucket-Challenge, bei der Teilnehmende sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf geschüttet haben, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Die Ice-Bucket-Challenge diente einem guten Zweck. Challenges können aber auch andere Funktionen und Hintergründe haben. Menschen stellen sich verschiedenen Herausforderungen, nehmen das Ganze per Video auf und laden es dann in den Sozialen Netzwerken hoch.  

    Von TikTok sind Challenges nicht mehr wegzudenken. Während anfänglich vor allem Tänze oder bestimmte Lieder nachgeahmt wurden, gibt es heute keine Grenzen mehr. Die Idee hinter sogenannten Hashtag-Challenges ist es, die eigene Interpretation der Challenge zu posten und das Video ebenfalls mit dem Hashtag zu versehen. Diese Videos gehen innerhalb von Stunden viral und werden von Usern und Userinnen auf der ganzen Welt geteilt und nachgemacht. Das nutzen auch Unternehmen, die Hashtag-Challenges anstoßen, um mehr Bekanntheit bei jungen Menschen zu bekommen.  

    Einige Challenges dienen der reinen Unterhaltung. Bei der #LevelUpChallenge werden Haustiere dabei gefilmt, wie sie gewissen Hürden überwinden müssen. Andere Challenges verfolgen einen guten Zweck, wie die Challenge #cleansnap. Hier sollte ein durch Müll verschmutzter Ort vor und nach dem Aufräumen gefilmt werden. TikTok spendete für jedes hochgeladene Video an den Umweltschutzverein Wings of the ocean. 

    Was Jugendliche an Challenges reizt

    Heranwachsende finden es spannend, sich mit anderen zu messen und Dinge nachzuahmen. Das muss nicht gleich in einem Video passieren, sondern kann auch im Alltag, zu Hause oder in der Schule sein. Auf dem Schulhof wird getanzt oder versucht, den Wasserflaschen-Flip nachzumachen. 

    Bestimmte Challenges können jungen Nutzerinnen und Nutzern ein starkes Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit vermitteln. Durch Likes und Kommentare geben sie sich gegenseitig Feedback und nehmen Kontakt zueinander auf. Auch Anerkennung und Nervenkitzel sind für junge Menschen Gründe, Challenges mitzumachen. 

    Challenges gehören zum festen Bestandteil vieler Social-Media-Communities und werden auch von Influencerinnen und Influencern mitgemacht. Das animiert ihre jungen Follower, sich anzuschließen und dem Trend zu folgen.  

    Wenn Challenges gefährlich werden

    Nicht jede Challenge ist harmlos. Es gibt auch gefährliche und riskante Challenges. Das wird zum Problem, wenn Jugendliche zum Nachahmen aufgefordert werden, die sich der Gefahr nicht bewusst sind. Challenges, die dazu auffordern abzunehmen oder Dinge zu essen, die nicht dazu gedacht sind, sind nur zwei Beispiele. 

    Gleichgesinnte “treffen” und das Ziel, sich selbst etwas zu beweisen oder Aufmerksamkeit bekommen, sind Gründe, warum Jugendliche sich auch auf gefährliche Challenges einlassen. Hinter diesen gefährlichen Challenges stecken häufig sogenannte Hoaxes. Das sind ausgedachte Geschichten, die als Challenge verbreitet werden. Kinder und Jugendliche werden zu riskanten Aktivitäten animiert, weil sonst angeblich etwas Schlimmes passieren würde. Gefährlich sind am Ende die Hoax-Challenges selbst. Lesen Sie mehr dazu in unserem Beitrag zu Kettenbriefen.  

    Tipps zum Umgang mit Challenges 

    Social-Media-Anbieter löschen gelegentlich gefährliche Inhalte, aber das verhindert nicht, dass andere riskante Challenges zum Trend werden. Auf YouTube und TikTok ist es verboten, solche Pranks und Challenges einzustellen. Bei TikTok erhalten User direkt eine Warnung, wenn vermeintliche riskante Challenge-Videos im Feed auftauchen. Außerdem gibt es Aufklärungsvideos dazu. 

    Die wichtigsten Tipps im Überblick: 

    • Wenn sich Ihr Kind gern solche Videos im Netz anschaut, lassen Sie sich diese zeigen und erzählen, was es daran begeistert.  
    • Deutlich machen, dass einige Challenges nicht zum Nachahmen geeignet und viele Inhalte inszeniert sind; erklären, warum manche Challenges gefährlich sind (Verletzungen aber auch psychische Beeinträchtigungen) 
    • Über Arten von Challenges sprechen (unbekannte Dinge essen, von denen man nicht weiß, wie sie sich auswirken, riskante sportliche Stunts, Experimente mit Feuer bspw.), aber keine konkreten Challenges nennen 
    • Vorsicht und Bedacht beim Warnen von anderen Eltern vor Challenges; diese dabei nicht weiterbreiten, alarmistische Warnungen können Angst auslösen, anstatt zu helfen 

    Bleiben Sie offen für lustige, harmlose oder sogar hilfreiche Challenges. Vielleicht möchten Sie sich auch gemeinsam mit der ganzen Familie an solche Herausforderungen wagen

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