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Jugend und Medien: Einblicke aus der JIM-Studie 2025

Die JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) liefert Einblicke in die Mediennutzung Jugendlicher (12 bis 19 Jahre) in Deutschland. Sie wird jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführt. Hier fassen wir die wichtigsten Ergebnisse so zusammen, dass Eltern ihre Kinder besser unterstützen können.

Digitaler Alltag: Geräte, Zeit und Mediennutzung

Fast alle Jugendlichen (98 %) besitzen ein Smartphone, das sie täglich nutzen. Im Durchschnitt verbringen sie rund vier Stunden täglich am Gerät, bei älteren Jugendlichen sind es über viereinhalb Stunden. Entscheidend ist nicht nur die Dauer, sondern auch die Art der Inhalte, die Jugendliche konsumieren. Diese Nutzungszeit umfasst sowohl schulische Aufgaben als auch Freizeitaktivitäten. Besonders ab 16 Jahren nutzen viele ihr Smartphone nahezu durchgehend. Auch wenn ihnen bewusst ist, wie wichtig Pausen sind, fällt es vielen schwer, die Nutzung eigenständig zu regulieren.

Social Media-Plattformen und Messenger bleiben weiterhin die wichtigsten Kanäle, um zu kommunizieren, sich zu informieren und den Alltag zu organisieren.

KI im Alltag: Chancen und Herausforderungen

Zum ersten Mal liegt der Fokus der Studie 2025 auf dem Thema Künstliche Intelligenz (KI): 91 Prozent der Jugendlichen verwenden mindestens ein KI-Tool. Besonders oft wird KI für die Schule und Hausaufgaben genutzt, etwa zur schnellen Informationssuche. Aber auch für die Antwort auf Fragen, die Jugendliche bewegen oder um herauszufinden, wie etwas geht, setzen Jugendliche KI ein.

Schon jüngere Jugendliche verwenden KI regelmäßig. Deshalb sollten Eltern die Themen KI-Nutzung, Quellenkritik und den verantwortungsvollen Umgang mit Informationen gemeinsam mit ihren Kindern besprechen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wofür sich welche KI-Anwendungen eignen und, dass KI-Chatbots nicht den Austausch mit anderen Menschen ersetzen.

Risiken und problematische Erfahrungen

Die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche negative Erlebnisse machen: Etwa ein Viertel kennt Fälle von Mobbing in ihrem Umfeld, 9 Prozent sind selbst betroffen. Die Kommunikationsrisiken von Social Media und Smartphone bleiben hoch. Zusätzlich belasten der ständige Druck erreichbar zu sein, Cyber-Kontakte und problematische Inhalte viele Jugendliche.

Praktische Tipps für Eltern

  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über die Nutzung von Smartphone und Internet: Wie viel Zeit ist gesund? Was macht Ihr Kind online? Welche Wünsche hat Ihr Kind im Hinblick auf Bildschirmzeit und Mediennutzung? Wie können Sie Ihr Kind unterstützen?
  • Vereinbaren Sie gemeinsam feste Zeiten mit Ruhe- und Handy-freien Phasen, um zu lange Bildschirmzeiten zu vermeiden.
  • Erklären Sie, wie die KI‑Antworten entstehen, und hinterfragen Sie gemeinsam die Qualität von Quellen.
  • Achten Sie auf Anzeichen von Mobbing, Hetze oder Überforderung, und bleiben Sie im Gespräch.
  • Fördern Sie Medienkompetenz und kritisches Denken: Nicht alles, was online steht, ist zuverlässig.

Neben diesem Überblick empfehlen wir auch die miniKIM-Studie zur Mediennutzung von Kleinkindern und die KIM-Studie 2022 für jüngere Kinder.

Weitere ausführliche Informationen zur JIM-Studie 2025 finden Sie auf der Website des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest und bei Handysektor.

Hilfe, ich verstehe mein Kind nicht mehr! – Wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Sprachen sprechen

Welche Wörter haben Sie benutzt, als Sie jünger waren – und wie fanden das Ihre Eltern? Überlegen Sie mal! Denn es ist vollkommen normal, dass Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen, weil es Wörter benutzt, die Sie nicht kennen oder gebrauchen.

Abgrenzung von der Erwachsenenwelt

Unsere Sprache ist geprägt von der Welt der Erwachsenen. Jugendliche haben das starke Bedürfnis, eine eigene Identität auszubilden, selbstständig zu werden und sich von Erwachsenen abzugrenzen. Das kommt auch in der sogenannten Jugendsprache zum Ausdruck, mit der sie eine eigene Welt erschaffen. Mit eigener Sprache, oder zumindest eigenen Begriffen, schaffen sie etwas Eigenes und Jugendtypisches. Das verbindet und schafft Selbstvertrauen. Den “veralteten” Slang der Eltern zu verwenden, würde altmodisch und uncool klingen.

Jugendslang ist geprägt von der Sprache im Netz

In jeder neuen Generation, in bestimmten Jugendszenen und sogar an unterschiedlichen Orten verändert sich Jugendsprache und es gibt andere Wörter und Ausdrücke. Typisch ist, dass Jugendliche einfacher sprechen als Erwachsene. Dabei benutzen sie manchmal auch ungewöhnliche oder ungewohnte Begriffe. Die Sprache ist weniger “richtig”, weil Jugendliche spontaner sprechen. Dafür transportiert sie wesentlich mehr Gefühle und Stimmungen.

Auch die Kommunikation im Netz hat einen starken Einfluss darauf, wie Jugendliche sprechen oder schreiben. Im Messenger-Chat zum Beispiel werden Emojis, GIFs, Sticker und Memes verwendet. Die Sprache wird deutlich verkürzt und ist oft fehlerhaft. Begriffe aus der Gaming– und Rap-Szene, von Influencer*innen und vor allem aus dem im Netz dominierenden Englisch werden übernommen. Viele Begriffe spiegeln sich in Hashtags wider. Welche Sprache Jugendliche gebrauchen, ist abhängig davon, wo sie sich im Internet bewegen und welcher Trend gerade angesagt ist. Damit zeigen sie, welcher Jugendkultur sie sich zugehörig fühlen und welchen medialen Vorbildern sie nacheifern.

Kennen Sie diese Begriffe?

Checken Sie doch mal Ihr Wissen rund um die Sprache Ihres Kindes aus. Folgende Wörter sind im Jahr 2025 besonders beliebt. Am Ende des Beitrags finden Sie die Auflösung.

  • das crazy
  • goonen
  • checkst du
  • Digga(h)
  • Schere
  • tuff
  • Rede
  • lowkey
  • tot

Umgang mit der Sprache Jugendlicher

Es gibt also keinen ernsthaften Grund, sich Sorgen zu machen, wenn Sie Ihr Kind manchmal nicht verstehen. Respektieren Sie den Wunsch nach Abgrenzung und haben Sie grundsätzlich Verständnis dafür, wenn Ihr Kind andere Wörter benutzt als Sie. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich alles von ihm sagen lassen müssen. Gerade wenn die Sprache unanständig, verletzend oder beleidigend ist. Sagen Sie das Ihrem Kind. Verdeutlichen Sie ihm, warum es auch mit anderen nicht so sprechen soll, und vereinbaren Sie, wenn nötig, Regeln zum Umgang miteinander. Auch in der Online-Kommunikation kann der Einsatz von Jugendsprache problematisch sein, etwa beim Trashtalk in Online-Spielen oder bei Cybermobbing. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über einen respektvollen Umgang im Internet. Die gleichen Regeln, die offline für ein faires und wertschätzendes Miteinander gelten, sollten auch online beachtet werden: Fairness, Offenheit und Respekt.

Sie sind und bleiben die oder der Erwachsene, von der oder dem sich Ihr Kind unterscheiden möchte. Versuchen Sie deshalb nicht, sich sprachlich anzunähern. Das wird Ihr Kind eher als Eindringen in seine Intimsphäre empfinden. Sprechen Sie so, wie Sie es immer tun. Trotzdem können Sie sich gelegentlich über die fantasievollen Wortschöpfungen Ihres Kindes freuen und nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen!

Auflösungen:

  • DAS CRAZY (Deutsch: „Das [ist] verrückt“) ist vergleichbar mit „Aha, cool“ oder „Okay“ und wird als Ausdruck verwendet, um ein Gespräch am Laufen zu halten
  • CHECKST DU ersetzt die Nachfrage „Verstehst du das?“
  • GOONEN meint eine langanhaltende Selbstbefriedigung
  • DIGGA(H) hat sich im Slang längst durchgesetzt und heißt freundschaftlich so viel wie „Bruder“, „Bro“. Es wird als lockere Anrede für einen Kumpel genutzt, aber auch als Ausruf verwendet
  • SCHERE steht beim Online-Spielen für ein Schuldeingeständnis
  • TUFF ist ein Synonym für „cool“ oder „krass“ und beschreibt etwas sehr Beeindruckendes
  • REDE ist ein zustimmender Ausruf und meint so viel wie: „Das denke ich auch!“
  • LOWKEY wird genutzt, um Meinungen, Vorlieben oder Gefühle zurückhaltend zu äußern und ist vergleichbar mit „ein bisschen“ oder „insgeheim“
  • TOT drückt aus, dass etwas langweilig, peinlich oder komplett daneben ist

TikTok – die angesagte Kurzvideo-App

Ob Tanztrends, Comedy oder kleine Alltagsmomente – TikTok begeistert Jugendliche weltweit. Die Plattform lädt dazu ein, kreativ zu werden, Neues auszuprobieren und mit anderen in Kontakt zu kommen. Für viele Jugendliche ist sie längst mehr als nur Unterhaltung, sie ist Teil ihres Alltags.

Kurz gefasst

  • Kostenlose Social-Media-App
  • Unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Alterskennzeichen: USK ab 12 Jahren (Google Play Store)
  • Hinweise zur Nutzung: Chats, Standortweitergabe und In-App-Käufe
  • Laut Anbieter ab 13 Jahren mit Einverständnis der Eltern; ab 16 Jahren für Direktnachrichten, Duette und Stitches
  • „Für dich“-Feed mit algorithmisch empfohlenen Videos und „Folge ich“-Feed mit abonnierten Profilen
  • Spezielle Sicherheitsfeatures für Minderjährige

Was ist TikTok?

TikTok kombiniert Social Media und Video-App. Nutzer*innen wählen aus einer Bibliothek bekannter Songs, Audios oder Filmzitate, filmen Playback dazu oder erstellen eigene Clips. Die Videos dauern meist nur wenige Sekunden bis Minuten, inzwischen sind auch Clips bis zu zehn Minuten möglich. Manche Videos lösen Hypes aus, werden nachgeahmt oder als Challenges weitergeführt.

Öffentliche Videos lassen sich über den Browser anschauen, für eigene Uploads ist ein Account nötig. TikTok bietet viele Zusatzfunktionen: Duette (gemeinsames Filmen), Stitches (Clips anderer weiterführen), Livestreams und den TikTok Shop. Auch Unternehmen und Influencer*innen nutzen die Plattform für Werbung.

Was begeistert Kinder und Jugendliche daran?

Jugendliche schätzen TikTok für Spaß, Austausch und Selbstpräsentation. Die App ist niedrigschwellig: Mit Effekten, Musikbibliothek und einfachen Schnittmöglichkeiten lassen sich schnell eigene Videos erstellen. Anders als auf Instagram oder YouTube geht es weniger um Perfektion und mehr um Kreativität und Alltag. Die Videos wirken authentisch, TikToker*innen werden oft als nahbare Vorbilder wahrgenommen.

TikTok motiviert junge Nutzer*innen, eigene Ideen umzusetzen: Tanzmoves, Comedy, Experimente, Tutorials oder Rollenspiele. Viele lernen dabei, Inhalte zu planen, kleine Storyboards zu entwickeln und Musik mit visuellen Effekten zu kombinieren.

Was kann problematisch sein?

  • Alter und Registrierung: Anmeldung ab 13 Jahren mit elterlichem Einverständnis. Altersangaben werden nicht überprüft, viele Jüngere nutzen die App.
  • Inhalte: Gefahr durch Hate Speech, Desinformation, manipulative politische Inhalte, Verschwörungsmythen oder Fake-Videos.
  • Kommunikation: Risiko von Cybermobbing, Cybergrooming oder Belästigung, besonders bei eigenen Uploads ohne Schutzfunktionen.
  • Kommentare und Bildfunktion: In den Kommentaren können Bilder gepostet werden. Diese Funktion wird bereits für sexualisierte Inhalte, Age-Baiting (Vortäuschen eines falschen Alters) und manipulative Reichweitentaktiken genutzt.
  • Urheberrechte: Song- und Filmausschnitte dürfen nicht außerhalb der App geteilt werden. TikTok erhält Nutzungsrechte an veröffentlichten Videos. Personen im Video müssen vorher zustimmen.
  • Werbung und Einnahmen: Anzeigen ähneln oft normalen Videos. Nutzer*innen ab 18 Jahren können Geld durch virtuelle Geschenke, Livestreams, den „Creator Marketplace“ oder TikTok Shop verdienen.
  • Filtereffekte: Der „Teenage-Filter“ vermittelt unrealistische Schönheitsideale und kann zu ungesunden Vergleichen führen.
  • Challenges: Können gefährlich werden oder problematische Verhaltensweisen wie etwa Essstörungen fördern.
  • Private Nachrichten und Sprachnachrichten: Nutzer*innen können Direktnachrichten (DMs) und Sprachnachrichten (bis 60 Sekunden) senden. Gruppenchats erlauben bis zu neun Bilder oder Videos. Diese Funktionen erweitern die Kommunikation, bergen aber Risiken wie Belästigung, sexualisierte Inhalte oder Manipulation.
  • Datenschutz: Nutzer*innendaten werden teils außerhalb der EU verarbeitet, etwa in China oder Irland, was weiterhin datenschutzrechtliche Kritik hervorruft.

Was sagt der Anbieter?

TikTok entwickelt seine Sicherheitsfunktionen kontinuierlich:

  • Begleiteter Modus: Eltern können Nutzungszeit, Nachrichtenempfang und Inhaltsfilter steuern.
  • Private Konten: Für 13- bis 15-Jährige automatisch privat; Kommentare eingeschränkt, Downloads deaktiviert.
  • Inhaltsfilter: 13- bis 17-Jährige werden vor Inhalten für Erwachsene geschützt.
  • Direktnachrichten: Mindestalter 16 Jahre; DMs und Sprachnachrichten unter 16 Jahren deaktiviert.
  • Duette, Stitches, Livestreams: Unter 16 Jahren nicht möglich.
  • Kommentare: Filter-, Blockier- und Meldefunktionen verfügbar.
  • Feed-Steuerung: Neustart-Option für den „Für-dich“-Feed, um Inhalte zurückzusetzen.

Trotz dieser Maßnahmen bleibt der Feed algorithmusgesteuert. Inhalte können gefiltert werden, z. B. Videos von Menschen mit Beeinträchtigungen oder solche, die in einzelnen Ländern zensiert werden. Die Endlosschleifen der App können zudem zu starkem Nutzungsdruck führen.

Was sollten Eltern beachten?

Motivation klären: Fragen Sie Ihr Kind, warum es TikTok nutzen möchte –Unterhaltung, Kreativität oder Austausch? Erklären Sie, dass Likes, Follower*innen und Kommentare die Selbstwahrnehmung beeinflussen können.

Schrittweise Einführung: Erkunden Sie die App zunächst gemeinsam über den Browser, ohne Account. Richten Sie ihn später zusammen ein, geben Sie das Geburtsjahr unbedingt korrekt ein – nur so greifen die jugendschutzrelevanten Sicherheitsfunktionen. Prüfen Sie die Einstellungen Schritt für Schritt: Privatsphäre, Kommentare, Zeitlimits.

Sicherheitsfunktionen nutzen: Aktivieren Sie den Begleiteten Modus, private Konten, eingeschränkte Kommentare und Inhaltsfilter. Deaktivieren Sie Livestreams, Duette und Stitches unter 16 Jahren. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf medien-kindersicher.de helfen dabei, alle wichtigen Einstellungen korrekt einzurichten.

Regeln für private Nachrichten: Legen Sie gemeinsam fest, wer DMs oder Sprachnachrichten senden darf. Deaktivieren Sie diese Funktion bei Bedarf vollständig. Gruppenchats nur mit bekannten Personen erlauben.

Privatsphäre schützen: Erklären Sie, niemals persönliche Daten wie Name, Schule oder Adresse zu teilen. Zeigen Sie, wie Gesichter mit Stickern oder Hintergründen verdeckt werden können. Weisen Sie auf mögliche biometrische Datenerfassung durch Filter hin.

Zeitmanagement und Balance: Vereinbaren Sie feste Bildschirmzeiten, planen Sie Pausen ein und fördern Sie Aktivitäten außerhalb der App. Begleiten Sie Ihr Kind aktiv, statt nur zu kontrollieren.

Reflektierter Umgang mit Inhalten: Diskutieren Sie Werbung, Filter, Influencer*innen und Trends. Zeigen Sie, wie Inhalte gemeldet oder blockiert werden. Nutzen Sie die Neustart-Funktion, um Empfehlungen kritisch zu hinterfragen.

Kommunikation fördern: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich bei Cybermobbing oder Belästigung zu melden. Üben Sie gemeinsam das Melden und Blockieren. Sprechen Sie über respektvolles Kommentieren und digitale Empathie. Mehr Informationen bietet der Leitfaden für Eltern von TikTok (in Zusammenarbeit mit der FSM).

Kritisches Denken stärken: Erklären Sie, wie Algorithmen funktionieren, welche Möglichkeiten zum Geldverdienen bestehen und wie Inhalte manipulativ wirken können. So lernt Ihr Kind, Informationen kritisch zu prüfen.

Begleiten statt überwachen: Schauen Sie gelegentlich gemeinsam Videos an, reflektieren Sie Regeln und passen Sie diese bei Bedarf an. Vertrauen ist die wichtigste Basis.

Cybergrooming – wenn Fremde übers Netz Kontakt zu Kindern suchen

Ganz klar, Sie kennen die Freund*innen Ihres Kindes aus der Schule oder dem Sportverein. Doch wie sieht es mit Bekannten aus, mit denen Ihr Kind nur über das Internet Kontakt hat? Ob beim Online-Gaming, in Video-Chats oder über Social Media – überall dort, wo Kinder und Jugendliche miteinander kommunizieren, können sie mit Personen in Kontakt kommen, die negative Absichten haben. Laut JIM-Studie 2024 machten fast ein Drittel der befragten 12-19-Jährigen Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Netz.

Was ist Cybergrooming?

Plattformen wie Instagram, TikTok oder Discord, auf denen Kinder und Jugendliche gern unterwegs sind, ziehen auch Nutzer*innen mit pädokriminellen Neigungen an. Das ist kriminelles Verhalten, das sich gegen Minderjährige richtet. Erwachsene sprechen Kinder mit dem Ziel an, sie sexuell zu belästigen oder sogar zu missbrauchen. Diese gezielte Ansprache im Netz wird Cybergrooming genannt.

Wie gehen Täter*innen vor?

Die Strategien sind vielfältig – sie zielen jedoch immer darauf ab, das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen zu gewinnen und Kontrolle über die Kommunikation zu erlangen.

  • Kontaktaufnahme: Häufig beginnt alles scheinbar harmlos. Täter*innen verwenden oft Fake-Profile und geben sich als Gleichaltrige aus. Oder sie locken mit dem Versprechen der „Berühmtheit“ und treten als vermeintliche Talentsucher*innen oder Modelagent*innen auf
  • Manipulation: Täter*innen liken und kommentieren die Inhalte von Kindern und Jugendlichen. Sie machen ihnen Komplimenten oder digitale „Geschenke“ wie Skins in Online-Games – mit dem Ziel, ihr Vertrauen zu erschleichen und sie zu manipulieren.
  • Private Informationen: Typischerweise wollen Täter*innen sehr viel über das Kind oder den Jugendlichen erfahren, geben selbst jedoch kaum Persönliches preis.
  • Sexuelle Übergriffe: Manche fragen gezielt nach sexuellen Erfahrungen oder berichten offen über ihre eigenen Vorlieben.

Was sind Warnsignale?

Ein deutliches Warnsignal ist, wenn die fremde Person den Chat in einen privaten Messenger wie WhatsApp oder Telegram verlagern möchte – denn dort kann niemand mitlesen. Dieser Chat soll unbedingt geheim bleiben. In solchen privaten Unterhaltungen wird gezielt Vertrauen aufgebaut, das später ausgenutzt werden kann. Oft folgt dann die Bitte um intime Fotos oder Videos. Diese können anschließend zur Erpressung verwendet werden. Täter*innen akzeptieren kein „Nein“: Weigern Kinder und Jugendliche sich, werden sie unter Druck gesetzt und ihnen wird z. B. mit Kontaktabbruch oder der Veröffentlichung von intimen Bildern gedroht. Über private Chats versuchen manche Täter*innen, ein persönliches Treffen zu vereinbaren.

In diesem Video des Kinderschutzbunds erfahren Sie mehr zu dem problematischen Phänomen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=BYEIHX0JH48&t=2s

Wie schütze ich mein Kind vor Cybergrooming?

  • Bei der Mediennutzung begleiten: Machen Sie die ersten Schritte auf Social Media gemeinsam mit Ihrem Kind. Ihr Kind lernt auf diese Weise die verschiedenen Funktionen und Verhaltensregeln kennen.
  • Offene Gespräche führen: Kommen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind zu seiner Mediennutzung in den Austausch. Wenn Ihr Kind weiß, dass es mit Ihnen offen sprechen kann, wendet es sich eher an Sie, wenn es auf Probleme im Netz stößt.
  • Auf Risiken hinweisen: Damit Ihr Kind früh über die Gefahren Bescheid weiß und sie rechtzeitig erkennen kann, sprechen Sie ganz offen und sachlich darüber. Zeigen Sie auf, wann ein Chat gefährlich wird und wie es sich verhalten kann.
  • Sicherheitsfunktionen nutzen: Wählen Sie altersgerechte Medien aus, richten Sie das Smartphone gemeinsam sicher ein und schützen Sie Ihr Kind durch Jugendschutzmaßnahmen vor problematischen Inhalten.
  • Privatsphäre im Blick haben: Private Informationen wie der volle Name, Geburtsdatum, Adresse oder gar private Bilder sollte Ihr Kind nie öffentlich stellen oder unbekannten Personen anvertrauen. Gehen Sie gemeinsam und regelmäßig mit Ihrem Kind die Privatsphäre-Einstellungen der genutzten Plattformen und Apps durch.
  • Gesundes Misstrauen fördern: Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, in dem man nie genau weiß, wer auf der anderen Seite sitzt. Ihr Kind sollte Kontaktanfragen von Fremden ablehnen, unbekannte Nutzer*innen blockieren oder melden. Ermutigen Sie Ihr Kind, auf sein Bauchgefühl zu hören und bei unangenehmen oder beängstigenden Nachrichten den Kontakt sofort abzubrechen. Bei Flirt-und Dating-Apps ist besondere Vorsicht geboten – hier fehlt oft eine gute Moderation. Wichtig: Die Ortungsfunktion sollte immer deaktiviert sein.
  • Bezugspersonen mit einbeziehen: Medienerziehung ist nicht nur Sache der Eltern. Vielleicht vertraut sich Ihr Kind gerne den Großeltern, Pat*innen, Verwandten oder guten Freund*innen der Familie an. Sprechen Sie auch mit anderen Familienmitgliedern über das Thema und beziehen Sie sie in die Medienerziehung ein.

Weitere Tipps, wie Sie Ihr Kind vor sexueller Gewalt in sozialen Netzwerken schützen, finden Sie hier.

Was tun, wenn mein Kind betroffen ist?

Kinder und Jugendliche sind besonders neugierig. Deshalb vergessen sie schon mal alle Warnungen und können in eine Falle tappen. Machen Sie Ihrem Kind unbedingt klar, dass auch in solchen Fällen die Schuld ausschließlich bei den Täter*innen liegt. Cybergrooming – auch der Versuch – ist in Deutschland strafbar. Sollte Ihr Kind sexuell belästigt werden, seien Sie für Ihr Kind da und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Melden Sie die Täter*innen auf der jeweiligen Plattform oder bei Meldestellen. Sichern Sie Beweise durch Screenshots von Chatverlauf und Profil und erstatten Sie unbedingt Anzeige bei der Polizei! Doch Vorsicht bei Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen. Diese zu besitzen, ist strafbar. Informationen zum Umgang mit Missbrauchsdarstellungen im Netz hat die Internet-Beschwerdestelle in diesem PDF zusammengefasst. Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie in diesem Artikel.

Hilfe, Beratung und Informationen finden Kinder und Jugendliche hier:

Für Eltern gibt es folgende Anlaufstellen:

Weitere digitale Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern finden Sie hier.

Eltern-Check-In: Ab wann sollte mein Kind ein eigenes Tablet bekommen?

Ein eigenes Tablet kann für Kinder spannend sein: Spiele spielen, Bücher lesen, kreativ werden oder Lern-Apps nutzen. Viele Eltern fragen sich jedoch: Wann lohnt es sich, ein eigenes Gerät zu geben – und wann reicht das Familien-Tablet?

Familiengerät oder eigenes Tablet?

In den ersten Jahren ist ein gemeinsames Tablet sinnvoll. Ihr Kind kann so Inhalte ausprobieren, während Sie begleiten, erklären und einschränken, was es sieht und macht. Ein Familiengerät ist oft ausreichend, um erste Erfahrungen mit Apps, Videos oder Spielen zu sammeln und die Mediennutzung gemeinsam zu reflektieren.

Ein eigenes Tablet wird sinnvoll, wenn Ihr Kind regelmäßig unabhängig Medien nutzen möchte, eigene Interessen verfolgen will oder Lern-Apps verwendet, die persönliche Konten erfordern. Bei Kindern ab etwa 6 bis 7 Jahren kann ein eigenes Gerät sinnvoll sein, wenn Sie die Nutzung klar regeln und begleiten.

Reife und Selbstständigkeit entscheiden

Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Reife Ihres Kindes: Kann es Regeln einhalten? Weiß es, wie man sicher im Netz surft? Kann es Inhalte reflektieren und zwischen Spielen, Lernen und Unterhaltung unterscheiden? Erst wenn diese Kompetenzen vorhanden sind, lohnt sich ein eigenes Gerät.

Das passende Gerät

Ein Tablet für Kinder sollte robust, intuitiv bedienbar und nicht zu teuer sein. Gute Einstiegsmöglichkeiten sind einfache Geräte mit stabiler Hülle und kinderfreundlicher Oberfläche. Prüfen Sie, ob Lern-Apps, Hörbücher oder kreative Tools sinnvoll sind und ob In-App-Käufe und Werbung deaktiviert werden können.

Sicher und begleitet nutzen

Egal ob Familien- oder eigenes Gerät: Legen Sie gemeinsam Nutzungszeiten, Inhalte und Regeln fest. Kindersicherungen, Familienkonten und Jugendschutz-Apps helfen, die Mediennutzung zu steuern. Reflektieren Sie gemeinsam: Wie lange darf Ihr Kind das Tablet nutzen? Welche Inhalte sind erlaubt?

Medienkompetenz fördern

Ein eigenes Tablet kann die digitale Selbstständigkeit fördern, wenn Sie begleiten: Funktionen erklären, Lern-Apps gemeinsam ausprobieren und kritisch über Werbung, Algorithmen und Inhalte sprechen. So lernt Ihr Kind, Medien bewusst und reflektiert zu nutzen.

Sie finden keine Antwort auf Ihre Frage? Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen rund um die Mediennutzung Ihres Kindes direkt und bequem per Messenger-Service über WhatsApp oder Threema. Mehr Infos finden Sie hier.

Eltern-Check-In: Was tun, wenn mein Kind online Gewaltvideos sieht?

Es kann passieren, dass Kinder oder Jugendliche online auf Inhalte mit Gewaltdarstellungen stoßen. Beim Scrollen auf Social Media, auf Video-Plattformen oder wenn solche Videos in Gruppenchats im Messenger geteilt werden. Dabei kann es sich um Prügeleien, Misshandlungen, Unfälle oder drastisches Bildmaterial aus Kriegsgebieten handeln. Solche Inhalte können Kinder oder Jugendliche verängstigen und verstören. Sie verletzten außerdem das Recht am eigenen Bild der Betroffenen und können sogar strafbar sein.

Was zu tun ist: Nicht weiter teilen, sondern melden

Auf keinen Fall sollten solche Inhalte weiterverbreitet werden. So lässt sich verhindern, dass noch mehr Menschen den Inhalt sehen. Wenn es sich um illegale Aufnahmen handelt, kann die Veröffentlichung und Weiterverbreitung sogar strafrechtliche Folgen haben.

Jugendliche können wir auch ermutigen, noch mehr zu tun, indem sie solche Inhalte nicht ignorieren, sondern aktiv melden. Schauen Sie gemeinsam, wo auf den genutzten Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok oder YouTube die Meldefunktion zu finden ist. Denn laut Nutzungsbedingungen sind gewalthaltige und grausame Inhalte nicht erlaubt und sollten gelöscht werden. Auch auf WhatsApp können Nachrichten oder Personen gemeldet werden.

Die Online-Beratungsplattform für junge Menschen Juuuport bietet sogar eine eigene Meldemöglichkeit für Jugendliche, z. B. für Gewaltvideos, Extremismus oder Hate Speech. Die Internet-Beschwerdestellen FSM, eco und jugendschutz.net kümmern sich dann um diese Beschwerden.

Aufklärung und Schutz

Gewalt spielt auch eine Rolle bei fiktionalen Medieninhalten, wie Filmen, Serien oder Spielen. Inhalte, die für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene leicht zu verarbeiten sind, können junge Kinder verängstigen. Deshalb gibt es für Gewaltdarstellungen in den Medien Altersbeschränkungen, die durch den Jugendmedienschutz geregelt sind. Die Alterskennzeichen von Filmen oder Computerspielen zeigen Ihnen als Eltern, ab welchem Alter die dargestellten Inhalte geeignet sind.

Online können Kinder und Jugendliche aber auch auf reale Gewaltdarstellungen stoßen. Ein Erfahrungsbericht von Juuuport zeigt anschaulich, wie unterschiedlich Jugendliche mit Gewaltvideos online umgehen, und kann Ihnen den Gesprächseinstieg erleichtern.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über mögliche negative Erfahrungen online-. Zeigen Sie die Melde- und Blockierfunktionen auf den relevanten Plattformen und besprechen Sie, wie Algorithmen Inhalte auswählen. Erklären Sie auch, wie man diese Inhalte „pflegen“ oder zurücksetzen kann, damit das Online-Erlebnis Ihres Kindes sicherer und gesünder bleibt. Sprechen Sie darüber, was es bedeutet, wenn Fotos oder Videos mit einer „Warnung vor sensiblen Inhalten“ versehen wurden und was Ihr Kind dann tun soll. Informieren Sie sich auch über die rechtlichen Regelungen des Jugendmedienschutzes sowie über technische Schutzmöglichkeiten über Apps und Einstellungen für Ihr Kind auf Geräten oder in einzelnen Diensten.

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WhatsApp – die Nummer 1 der Messenger-Apps

WhatsApp ist der beliebteste Messenger, auch bei Kindern und Jugendlichen. Fast jede*r nutzt ihn, um Nachrichten zu verschicken, Anrufe zu tätigen oder Statusmeldungen zu teilen. Für Eltern ist es wichtig, die Funktionen, Risiken und Entwicklungen zu kennen, besonders seit KI-Funktionen in die App integriert sind.

Kurz gefasst:

  • Kostenfreie Messenger-App für Android, iOS und Web
  • Funktionen: Chats, Sprachnachrichten, Anrufe, Videotelefonie, Dateien, Kontakte, Standort teilen, Gruppenchats, zentrale Suchfunktion
  • Alterskennzeichen: USK ab 12 Jahren (Google Play Store)
  • Hinweise zur Nutzung: Inhalte für verschiedene Altersgruppen, Chats
  • laut Anbieter ab 13 Jahren erlaubt
  • Zusätzliche Features: KI-Integration (Meta AI), Influencer*innen-Kanäle, eigene Channels, selbstlöschende Nachrichten, Chat-Sperren

Was ist WhatsApp?

WhatsApp ist ein kostenloser Messenger, der über die Handynummer registriert wird. Kontakte müssen im Adressbuch auf dem Smartphone freigegeben werden, damit Nachrichten, Fotos, Videos, Sprachnachrichten, Dateien oder der Standort verschickt werden können. Auch Gruppenanrufe und Videotelefonie sind möglich.

Besonders praktisch sind selbstlöschende Nachrichten, die nach sieben Tagen verschwinden, und Fotos oder Videos, die nur einmal angesehen werden können. Chats lassen sich mit einem Code oder Fingerabdruck sperren. Gruppenadministrator*innen dürfen Nachrichten anderer löschen, so lassen sich Inhalte besser moderieren.

Die Suchfunktion hilft, schnell bestimmte Nachrichten, Links oder Medien über alle Chats hinweg zu finden. Das macht den Messenger übersichtlich, kann aber auch dazu verleiten, alte Gespräche oder private Inhalte wieder hervorzuholen, die eigentlich vergessen waren.

Seit der Integration von Meta AI unterstützt eine KI die Nutzer*innen beim Formulieren von Nachrichten, beim Zusammenfassen langer Chats und schlägt Emojis oder Antworten vor. Außerdem kann sie Fragen beantworten, ähnlich wie ein Chatbot. Die Nutzung dieser Funktionen ist optional, die Nutzer*innen entscheiden selbst, ob sie sie einsetzen möchten. Unter „Aktuelles“ finden sich Kanäle (Channels), auf denen Influencer*innen, Promis, Marken oder journalistische Medien wie Tagesschau Inhalte posten. Auch Kinder und Jugendliche können eigene Channels erstellen, beispielsweise für Schulprojekte oder Freundesgruppen.

Was fasziniert Jugendliche daran?

WhatsApp ist schnell, einfach und immer verfügbar. Jugendliche nutzen es, um in Kontakt zu bleiben, Hausaufgaben abzusprechen oder einfach dazuzugehören. Über Statusmeldungen und Profilbilder teilen sie Eindrücke aus ihrem Alltag, ähnlich wie auf Instagram.

Die neuen Kanäle machen WhatsApp noch attraktiver. Jugendliche folgen dort Influencer*innen und erhalten Trends, Challenges oder Tipps direkt in der App. Eigene Channels fördern Kreativität und Organisation, können aber auch den Wunsch nach Reichweite oder Anerkennung verstärken.

Auch die KI-Funktionen faszinieren: Ein automatischer Schreibassistent, der Texte vorschlägt, spart Zeit und wirkt praktisch. Jugendliche sollten jedoch verstehen, dass diese KI kein neutraler Gesprächspartner ist, sondern aus ihren Eingaben lernt.

Was kann problematisch sein?

Die Lesebestätigung („blaue Häkchen“) kann Druck erzeugen, sofort zu antworten. Große Gruppen, wie Klassenchats, sind oft unübersichtlich und können zu Konflikten oder Stress führen. Schnell geteilte Fotos, Videos oder Sprachnachrichten lassen sich leicht weiterleiten, was Mobbing oder peinlichen Situationen begünstigen kann.

Ein weiteres Risiko ist die Datenverarbeitung durch Meta. WhatsApp sammelt viele Informationen: Kontakte, Profil- und Standortdaten, Geräte- und Nutzungsinformationen. Diese können für personalisierte Werbung oder zum Training der KI verwendet werden.

Die Integration von Meta AI bringt zusätzliche Herausforderungen. Viele Nutzer*innen wissen nicht, welche Daten die KI verarbeitet oder speichert. Auch emotionale Bindungen zu Chatbots können entstehen, vor allem, wenn Kinder über persönliche Themen sprechen. Solche Gespräche wirken oft menschlich, sind es aber nicht.

Kanäle von Influencer*innen können Inhalte zeigen, die für Kinder ungeeignet sind. Werbung, Idealisierungen und einseitige Darstellungen sind häufig; oft ohne klare Kennzeichnung.

Was meint der Anbieter?

WhatsApp gehört zum Meta-Konzern. Der Anbieter betont, dass Chats Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Das schützt Nachrichten vor dem Mitlesen, aber nur, solange keine Cloud-Backups aktiviert sind.

Meta AI soll laut Anbieter die Nutzung erleichtern und personalisierte Ergebnisse liefern. Gleichzeitig bedeutet das: Die KI lernt aus den Daten der Nutzer*innen. In den Einstellungen können Eltern prüfen, ob die KI-Funktionen aktiv sind. Auf manchen Geräten ist das nur für Nutzer*innen unter 18 sichtbar. Die Nutzung lässt sich einschränken oder ablehnen, soweit das Gerät und die App es erlauben.

Was Eltern beachten sollten

Kinder unter 16 Jahren dürfen WhatsApp nur mit Zustimmung der Eltern nutzen. Sprechen Sie gemeinsam über den verantwortungsvollen Umgang: Welche Informationen dürfen geteilt werden? Wer darf Nachrichten sehen?

Thematisieren Sie Risiken wie Mobbing, nicht altersgerechte oder gefährliche Inhalte (z. B. pornografisches Material), „Fake News” oder emotionale Bindungen an KI-Chatbots. Ermutigen Sie Ihr Kind, sich Hilfe zu holen, wenn es unangenehme Erfahrungen macht.

Stellen Sie gemeinsam die Datenschutzeinstellungen ein. Achten Sie dabei auf die Privatsphäre Ihres Kindes und lassen Sie Ihrem Kind den Freiraum, den es braucht. Der Privatsphäre-Check (Einstellungen » Datenschutz » Privatsphäre-Check) zeigt auf einen Blick, welche Einstellungen aktiv sind und wer was sehen darf. Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden Sie unter www.medien-kindersicher.de.

Ihr Kind sollte nur Kontakte zulassen, die es auch im echten Leben kennt. Besprechen Sie den verantwortungsvollen Umgang mit eigenen Channels und Inhalten von Influencer*innen. Seien Sie selbst ein Vorbild für respektvolle Kommunikation.

Erklären Sie, dass KI-Antworten nicht immer richtig sind und keine echten Gespräche ersetzen. Bleiben Sie im Gespräch und zeigen Sie Interesse an der digitalen Welt Ihres Kindes – ohne Misstrauen, aber mit Bewusstsein.

Wer Messenger mit stärkerem Datenschutz sucht, kann auf Signal, Threema oder NYZZU ausweichen.

Wenn Jugendschutzeinstellungen umgangen werden

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben sich intensiv eingelesen, lange diskutiert, aufwendig Kinderschutzprogramme auf den Geräten des Nachwuchses installiert – nur um dann festzustellen, dass trotzdem nächtelang unbegrenzt YouTube läuft. Denn die Tricks, wie FamilyLink und Co umgangen werden können, verbreiten sich auf dem Schulhof und im Netz manchmal schneller als Kopfläuse. Und lassen uns Eltern eher ratlos zurück.

Surfen trotz Kinderschutz-App – wie geht das?

FamilyLink oder Apple Kindersicherung, JusProg oder Kidgonet – wenn Kinder beginnen, Medien selbständig zu nutzen, machen sich Eltern oft viele Gedanken über Nutzungszeiten und Sicherheit. Die Lösung sind dann häufig technische Beschränkungen wie Kinderschutz-Apps, die Zeitlimits setzen oder Inhalte filtern. Doch nicht selten stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass die Apps und Einstellungen zwar Sie als Eltern ruhig schlafen lassen – für Ihr Kind aber kaum ein Hindernis darstellen, trotzdem nach Lust und Laune zu surfen. Es installiert Apps neu oder öffnet einen Browser, der nicht erkannt werden kann, klickt sich über Links und Umwege in YouTube oder stellt einfach die Uhrzeit oder Zeitzone am Gerät um. Manche Kinder installieren sich gar VPN-Dienste, nutzen Tarn-Apps oder legen sich selbst Gast-Accounts auf ihren Geräten an, um vor den ungeliebten Kinderschutz-Einstellungen versteckt zu sein.

Bei Eltern wirft das viele Fragen auf. Wie gut sind Kinderschutzprogramme wirklich? Wie können Regeln durchgesetzt werden? Und vor allem: Wie können Kinder bei der Mediennutzung gut geschützt werden, wenn schon die Apps umgangen werden können?

Warum ist es für Kinder so leicht, die Apps zu umgehen?

Für Kinder ist das Umgehen der Kinderschutz-Einstellungen natürlich eine Herausforderung und beinahe ein Sport. Wer sich einige Male geärgert hat, dass die Bildschirmzeit gerade im schlechtesten Moment zu Ende war, sucht vielleicht nach Ideen, sie auszutricksen. Und fündig werden Kinder und Jugendliche schnell. Das Internet, speziell YouTube, ist voll mit Ideen und Anleitungen, wie die Begrenzungen, Sperren und Einstellungen umgangen und ausgetrickst werden können.

Viele dieser „Umwege“ können von Ihnen als Eltern verhindert werden, indem Sie die Einstellungen der Kinderschutz-Programme rigoroser einstellen oder auf dem Gerät des Kindes weniger Gestaltungsfreiheit zulassen. So können Sie zum Beispiel Adminrechte so vergeben, dass Ihr Kind gar nichts ohne Ihre Zustimmung herunterladen und installieren kann. In vielen Geräten und Accounts können Sie Eltern-PINs vergeben, sodass nur Sie die Einstellungen ändern können. Und auch für die Spielekonsolen gibt es mittlerweile geprüfte und sehr sichere Jugendschutzeinstellungen, mit denen Sie die Nutzungsrechte und -zeiten so einstellen können, dass wenig Spielraum für ‚Umwege‘ bleibt. So hat die USK die Jugendschutzprogramme der Xbox und Switch geprüft und für geeignet und sicher befunden.

Nicht nur Spiele,Apps und Geräte lassen sich sichern, auch den Router können Sie kindersicher einrichten – und vieles mehr. Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden Sie unter medien-kindersicher.de.

Wie können Eltern dem Konflikt begegnen?

Doch natürlich soll Jugendschutz auch kein Wettrennen um technische Möglichkeiten sein. Besser ist es, Medienerziehung zweigleisig zu gestalten. Lösungen des Jugendmedienschutzes sind nach wie vor ein nützliches Tool, um Kinder vor schwierigen oder gefährlichen Inhalten zu schützen. Familien sollten sich aber nie ausschließlich auf technische Filter verlassen. Und das nicht nur, weil kein Filter einen hundertprozentigen Schutz garantieren kann. Kinder wachsen in Medienwelten hinein und sie müssen in jungem Alter nicht nur vor Überforderung geschützt werden, sondern vor allem einen guten und kompetenten Umgang erlernen.

Viel wichtiger als die installierten Begrenzungen ist deshalb, Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten:

  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wo Gefahren lauern, warum zu viel Mediennutzung, nicht altersgemäße Inhalte oder intensives Nutzen von Social Media problematisch sein können.
  • Legen Sie Regeln und Einstellungen der Apps gemeinsam fest, so dass Ihr Kind sie versteht und selbst dahintersteht. Dabei kann ein Mediennutzungsvertrag helfen.
  • Falls Ihr Kind eine Sperre umgeht, fragen Sie nach, was sein Ziel dabei war.
  • Erklären Sie ihm, warum die Schutzeinstellungen wichtig für Ihr Kind sind.
  • Verhandeln Sie mit Ihrem Kind und passen Sie die Medienregeln und Einstellungen bei Bedarf gemeinsam an.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind auf, welche Konsequenzen das Umgehen der Kinderschutz-Apps für seine Medienregeln hat.
  • Bleiben Sie in Kontakt über die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes – und über Ihre Bedenken.

Wenn Ihr Kind reflektiert, kompetent und mit vertrauensvollen Eltern an der Seite Medien nutzt, hat sich die Frage, ob App-Beschränkungen heimlich umgangen werden müssen, vielleicht sogar schon erledigt. Weitere Tipps für den Familienalltag mit Parental Control Apps finden Sie in diesem Artikel.

Eltern-Check-In: Wie viel Bildschirmzeit ist in den Ferien okay?

Diese Frage stellen sich viele Eltern zu Beginn der Ferienwochen. Eine Antwort darauf ist gar nicht so leicht zu geben. Es gibt keine Zeitangaben, die für alle gelten. Eine angemessene Bildschirmzeit hängt von Alter, Entwicklungsstand sowie den Bedürfnissen Ihres Kindes ab – es ist also eine individuelle Entscheidung. Der Austausch mit anderen Eltern kann helfen, aber kein Kind und keine Familie ist gleich und dementsprechend können sich Medienregeln unterscheiden.

Wie viel – aber vor allem auch was und warum!

Gestalten Sie Regeln für Bildschirm- und Medienzeiten abhängig davon, welche Medien Ihr Kind nutzt und wie gut es damit umgehen kann.

Gemeinsame Mediennutzung und Gespräche über die Erlebnisse helfen Ihnen dabei, dies gut einschätzen zu können. Auch die Nutzungsform sollte eine Rolle spielen: Also wie verbringt Ihr Kind die Zeit? Informiert es sich über ein Thema, das es aktuell besonders interessiert? Werden Spiele gespielt, Serien geschaut oder endlos durch Social-Media-Feeds gescrollt? Ist es dabei allein?

Medien bieten uns die Möglichkeit, uns zu informieren, inspirieren zu lassen, in den Austausch mit anderen zu gehen, vom hektischen Alltag abzulenken – aber sie können uns auch stressen oder gar belasten. Gerade in den Ferien kann Erholung vom häufig vollgepackten und eng strukturierten Alltag vmit Schule, Sportvereinen oder Musikstunden guttun. Durch Mediennutzung kann sich Ihr Kind entspannen und mit Freund*innen in Kontakt bleiben. Jedoch ist dabei ein Ausgleich wichtig, wie etwa Spielen drinnen und draußen, Sport, Basteln oder Zeit mit Freund*innen und der Familie verbringen.

Gemeinsam Regeln finden

Die Akzeptanz von Medienregeln ist größer, wenn sie gemeinsam mit Ihrem Kind getroffen werden. Sprechen Sie zusammen darüber, welche Medien und Inhalte Ihr Kind wann, wie und warum nutzt. Denken Sie auch über Ihre eigene Mediennutzung nach, denn Eltern wirken als Vorbilder. Stellen Sie so gemeinsame Medienregeln für die ganze Familie auf. Abweichungen in den Ferien oder an Wochenenden sind okay! Regeln müssen zur Entwicklung und den Bedürfnissen Ihres Kindes sowie und zu Ihrem Familienalltag passen, damit sie eingehalten werden können.

Mehr zu Medienregeln und Bildschirmzeit finden Sie in diesen Elternguide.online Artikeln und Videos:

https://www.elternguide.online/regeln-fuer-die-mediennutzung-in-der-familie/

https://www.elternguide.online/medienregeln-fuer-schulkinder/

https://www.elternguide.online/der-staendige-streit-um-medienzeiten-ab-wann-ist-es-zu-viel/

https://www.elternguide.online/wann-ist-viel-zu-viel-zwischen-sucht-und-extremer-mediennutzung/

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https://youtu.be/bPw7vqI2fxA

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Eltern-Check-In: Mein Kind bekommt sein erstes Smartphone – worauf sollte ich achten?

Das erste eigene Smartphone ist ein wichtiger Meilenstein im Leben Ihres Kindes. Eltern stellen sich im Vorfeld viele Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Smartphone? Welches Gerät eignet sich und was gilt es noch alles zu beachten?

Reife ist entscheidend

Es gibt keine allgemeingültige Regel, die ein bestimmtes Alter als angemessen für das erste Smartphone empfiehlt. Häufig wird der Wechsel auf die weiterführende Schule als Anlass genommen, Kinder mit dem ersten Smartphone auszustatten. Ob Ihr Kind bereit für ein Smartphones ist, wissen Sie als Eltern am besten. Entscheidender als das Erreichen eines bestimmten Alters ist die Reife Ihres Kindes sowie seine Kompetenzen und Medienerfahrungen. Eine Entscheidungshilfe kann diese Checkliste von klicksafe sein.

Welches Gerät darf es sein? –  Robust, einfach und nicht unbedingt teuer

Es bietet sich an, zum Einstieg ein Smartphone mit stabilem Gehäuse und/oder Schutzhülle anzuschaffen. Ein Gerät mit intuitiver, einfacher Bedienung ist sinnvoll. So versteht Ihr Kind die Funktionen des Smartphones schnell und kann es leichter bedienen. Es muss nicht das neuste und teuerste Modell sein, für den Einstieg eignet sich ein solides, gerne auch gebrauchtes Modell. Es empfiehlt sich, Preis und Leistung im Blick zu haben.

Schutz und Sicherheit

Nicht alle Smartphone-Funktionen und Apps sind geeignet für junge Nutzer*innen. Empfehlenswert ist daher ein Gerät mit Möglichkeiten für Kindersicherungen und Familienfreigaben, etwa für Bildschirmzeiten und App-Beschränkungen. Wählen Sie altersgerechte Apps aus und passen Sie die App-Einstellungen an. Regelmäßige Updates und sichere, aktuelle Software sind ebenfalls wichtig. Außerdem sollten Sie sich mit dem Gerät auskennen. So können Sie eine verlässliche Ansprechperson für Ihr Kind sein und Sicherheit geben. Testen Sie das Smartphone gemeinsam mit Ihrem Kind, so gehen Sie sicher, dass es geeignet ist. Begleiten Sie Ihr Kind bei den ersten Schritten und klären Sie es über mögliche Risiken auf.

Mehr zum Thema erstes Smartphone finden Sie hier.

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Selbstermächtigung im Netz: Wenn junge Frauen Schimpfwörter als Stärke nutzen

Sie tragen Goldketten, bunte Gelnägel und auffällige Kleidung, sie sind laut und präsent – und sie bezeichnen sich selbst als „Fotze“ oder „Bitch“. Für viele junge Frauen, häufig Medienstars oder Musikerinnen, ist das eine bewusste Strategie, solche Schimpfwörter demonstrativ neu zu definieren und so Stärke zu zeigen. Für viele ist das nicht sofort nachvollziehbar oder wirkt wie eine Grenzüberschreitung.

Warum sich junge Frauen Schimpfwörter aneignen

Lena Meyer-Landrut singt über sich selbst als „Skinny Bitch“, Rapperin Ikkimel nennt ihr ganzes Album „FOTZE“ und in Sozialen Netzwerken greifen Mädchen und junge Frauen dieses Muster auf: Sie bezeichnen sich als „fotzig“, tragen die Wörter auf Kleidung oder Schmuck oder schreiben sie in ihre Profile.

Neu ist das Phänomen nicht: Schon in den 1990er-Jahren sorgte Rapperin „Lady Bitch Ray“ für Aufsehen, weil sie Schimpfwörter offensiv zur Selbstbezeichnung nutzte. Das Ziel: Wörter zurückerobern, die lange vor allem abwertend und von Männern verwendet wurden. Je selbstbewusster Frauen sie einsetzen, desto weniger wirken sie abwertend. Die Begriffe werden zur Provokation, verlieren aber nicht automatisch ihre Wut und Beleidigungswirkung.

Was macht das mit Kindern und Jugendlichen?

Für Heranwachsende sind Musiker*innen und Stars Vorbilder. Sie beobachten, wie man auftreten kann, und lernen Rollen, Grenzen und eigene Handlungsmöglichkeiten kennen. Solche Frauen, die Raum beanspruchen und Worte neu definieren, können wichtige Vorbilder sein.

Gleichzeitig ist die ständige Nutzung drastischer Schimpfwörter medial wirksam, im persönlichen Umgang aber nicht immer angemessen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, ihre Vorbilder kritisch einzuordnen und eigene Grenzen zu ziehen, wie sie sich beispielsweise kleiden, verhalten oder ausdrücken möchten.

Was kann problematisch sein?

Die Rückeroberung von Schimpfwörtern ist eine feministische Strategie, sie funktioniert aber nicht für alle. Manche Jugendliche fühlen sich unter Druck gesetzt, ebenfalls provokant zu sprechen oder sich so zu inszenieren. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Wörter weiterhin verletzend eingesetzt werden, vor allem außerhalb des feministischen Kontexts.

Viele Stars bedienen trotz starker Worte klassische Schönheitsideale, etwa durch sexualisierte Auftritte oder Schönheitsoperationen. Hier verschwimmen Selbstermächtigung und Anpassung, was für Jugendliche schwer zu durchschauen ist. Kinder sollten auch verstehen, dass Provokation und Inszenierung oft ein Geschäftsmodell sind. Stars verdienen damit Geld.

Was Eltern beachten sollten

Für Eltern ist die Verwendung starker Schimpfwörter oft erst einmal schockierend. Begriffe wie „Fotze“ waren zu ihrer eigenen Jugend tabu. Doch Sie sollten sich bewusst machen: Jede Generation provoziert mit neuen Begriffen. Während früher schon ein „Scheiße“ Eltern überraschen konnte, ist es heute eben „Bitch“. Das signalisiert keinen Werteverfall.

Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Kind und bringen Sie dabei Ihre eigene Perspektive ein: Besprechen Sie, was Ihr Kind an den Medienfiguren oder an dieser Sprache fasziniert. Lassen Sie sich den feministischen Ansatz dahinter erklären. Besprechen Sie auch, dass Wörter verletzend sein können und respektvoller Umgang ein wichtiger Wert bleibt.

Kleidung und Selbstpräsentation können Sie begleiten: Helfen Sie Ihrem Kind, einen eigenen Stil zu entwickeln, denn nicht alles, was auf der Bühne wirkt, passt in den Alltag.

Für Kinder ist es wichtig, ihre Vorbilder medienkompetent und kritisch zu betrachten. Sie dürfen und sollen aus dem Input von Stars, Medien, Freund*innen und Eltern ihre eigenen Positionen, Werte und Entscheidungen ableiten.

Kommunikationsrisiken im Netz

Per Messenger chatten, gemeinsam Games zocken oder Social-Media-Trends mitmachen – Medien ermöglichen uns, mit anderen in Kontakt zu sein. Kinder und Jugendliche sind bei der Online-Kommunikation mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Auf Elternguide.online erklären wir, wie Sie und Ihre Familie sicher und kompetent mit Kommunikationsrisiken im Netz umgehen können.

Herausforderungen digitaler Kommunikation

Wenn wir Nachrichten per Messenger schreiben, verwenden wir nicht nur Buchstaben, sondern sehr gern auch sogenannte Emojis. Man sollte allerdings darauf achten, dass es dabei nicht zu Missverständnissen kommt. Chatten, posten und zocken macht Spaß. Doch ständig erreichbar zu sein, kann Kinder und Jugendliche überfordern, zu digitalem Stress und der Angst, etwas zu verpassen (FOMO) führen. Seien Sie sich Ihrer Vorbildfunktion bewusst und treffen Sie ggf.  gemeinsam technische Einstellungen, um die Mediennutzung zu regulieren.

Kontaktaufnahme durch Fremde

Ob beim Online-Gaming, in Video-Chats oder über Social Media – im Internet lassen sich schnell neue Leute kennenlernen. Der Kontakt mit Fremden kann riskant sein, weil man die Absichten der Person nicht kennt und nicht weiß, wer da eigentlich mit uns kommuniziert. Ist es wirklich der gleichaltrige Spielerfreund? Wenn Pädokriminelle Kinder oder Jugendliche anschreiben, um sexuelle Kontakte anzubahnen, spricht man von Cybergrooming. Werden vermeintlich private Aufnahmen wie Nacktbilder verwendet, um jemanden zu erpressen, nennt sich das Sextortion.

Kommunikation im Freundeskreis

Manchmal kann auch die Kommunikation mit Freund*innen und Bekannten problematisch werden. Unter Jugendlichen besteht z. B. über Chatgruppen die Gefahr von Cybermobbing. In Beziehungen kann Sexting, das Versenden von freizügigen Nachrichten und Bildmaterial, problematisch werden. Hilfreich ist es, wenn Regeln zum Umgang in Messenger-Chats vereinbart werden. Tauschen Sie sich dazu mit anderen Eltern und den Lehrkräften Ihres Kindes aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, vorsichtig mit den eigenen Daten wie Nacktbildern umzugehen. Erklären Sie ihm, wie es mit Beleidigungen und fiesen Kommentaren umgehen sollte und machen Sie es auf Meldestellen aufmerksam.

Umgang mit KI-Tools

KI-Anwendungen sind längst im Alltag von Kindern und Jugendlichen angekommen und begleiten sie automatisch bei der Nutzung von Suchmaschinen, Messengern und auf Social Media. So unterhalten sie sich mit Chatbots wie MyAI auf Snapchat, gehen intime Beziehungen mit KI-Kontakten ein oder nutzen Programme wie ChatGPT oder MetaAI zum Ideensammeln oder Lösungen finden. Dabei begegnen sie Herausforderungen wie Fehlinformationen, problematischen Inhalten und Datenmissbrauch sowie der Schwierigkeit, zwischen menschlicher und maschineller Kommunikation zu unterscheiden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Chancen und Risiken von KI-Tools und treffen Sie gemeinsam Sicherheitseinstellungen in den Apps. Fördern Sie das kritische Denken Ihres Kindes und ermutigen Sie es, Antworten von Chatbots zu hinterfragen, Informationen zu überprüfen und KI als Hilfsmittel – nicht als Ersatz für eigene Leistungen oder echte Freundschaften – zu verstehen.

Hass und Extremismus

Im Internet geht es nicht immer freundlich zu. Trolle und Hater starten unter dem Schutzmantel der Anonymität Angriffe und provozieren absichtlich in Kommentarspalten. Hetze im Netz kann den Spaß verderben, Videos und Fotos online zu stellen. Sich genau zu überlegen, was man postet oder teilt, ist der erste Schritt zu einem sicheren Surfvergnügen.

Sich eine eigene Meinung zu bilden, gehört zu den Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen. In der Orientierungsphase können sie empfänglich sein für einfache Antworten und radikale Positionen von Extremist*innen. Ob auf Social Media, in Foren, Chats oder in Online-Games – überall im Netz können Kinder und Jugendliche auf extreme Meinungsmache und Verschwörungsmythen stoßen. Machen Sie Ihrem Kind klar, warum es nicht allen Inhalten im Netz trauen darf. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es Informationen überprüfen kann und machen Sie sich mit den verschiedenen Meldestellen im Internet vertraut.

Kommunikation beim Gaming

Viele Gamer*innen zocken gemeinsam, auch wenn sie dabei an unterschiedlichen Orten sitzen. Kommuniziert wird beim Gaming über ein Headset oder die Chatfunktion innerhalb eines Spiels. Nicht immer ist klar, wer da am anderen Ende mit einem spricht. Wenn möglich, sollten Spieler*innen fremde Kontakte blockieren. Gamer*innen verwenden mitunter eine raue Sprache, den Trashtalk. Spitzen sich Beleidigungen und Konflikte zu, kann es zu Hass unter Gamer*innen kommen. Bleiben Sie mit Ihrem Kind über seine Lieblingsgames im Gespräch und nutzen Sie Lösungen des technischen Jugendmedienschutzes.

Noch mehr zu Kommunikationsrisiken und wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie in diesen Beiträgen:

Zwischen Fame, Verantwortung und Vorbild: Influencer*innen im Portrait

Ob Mode, Fitness, Gaming, Wissen oder Lifestyle – Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit auf Social Media und treffen dort auf digitale Vorbilder. Influencer*innen präsentieren Inhalte, die unterhalten, inspirieren oder informieren. Dieser Überblick zeigt Eltern, welche Arten von Influencer*innen es gibt, welche Themen sie bedienen, worauf Jugendliche besonders achten und welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben.

Fashion-Influencer*innen

Sie wissen, was auf den Laufstegen und in den Modeläden gerade los ist: Fashion-Influencer*innen zeigen aktuelle Trends, geben Stylingtipps und kombinieren Kleidung oft mit Beauty-, Sport- oder Lifestyle-Themen. Besonders jüngere Zuschauer*innen nutzen diese Profile, um sich Inspiration für eigenen Stil, Outfits und Selbstdarstellung zu holen.

Problematisch: unrealistische Schönheits- und Körperideale, hoher Konsumdruck, Werbung für Produkte.

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Fitness-Influencer*innen

Morgens ein Workout, danach das perfekte Frühstück – Fitness-Influencer*innen leben für Sport und Gesundheit und nehmen ihre Follower*innen mit in Trainingspläne, Ernährungstipps und Motivation. Sie sprechen sowohl sportlich ambitionierte Jugendliche als auch Einsteiger*innen an.

Problematisch: übertriebene Körperideale, unrealistische Trainingsziele, Werbung für Produkte oder Nahrungsergänzung.

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Finanz-Influencer*innen (Finfluencer*innen)

Vom Sparbuch zum Krypto-Depot: Finfluencer*innen erklären Sparen, Geldanlage, Trading und Kryptowährungen. Sie verbinden Tipps oft mit persönlichen Erfolgsgeschichten und glamourösen Lifestyle-Darstellungen. Ältere Jugendliche stoßen auf diese Kanäle, wenn Taschengeld, Nebenjobs oder erste größere Anschaffungen relevant werden.

Problematisch: fehlende Qualifikation, unrealistische Gewinnversprechen, Monetarisierung, mögliche finanzielle Verluste.

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Wissens-Influencer*innen

Politik, Naturwissenschaft, Psychologie oder Geschichte – Wissens-Influencer*innen vermitteln komplexe Themen anschaulich und verständlich. Beispiele sind Mai Thi Nguyen-Kim, Mirko Drotschmann oder Leon Windscheid. Sie erklären Inhalte kurzweilig, nahbar und oft mit einem Augenzwinkern. Viele Jugendliche nehmen sie nicht nur als Informationsquelle wahr, sondern auch als Vorbilder, die Sprache, Argumentationsweisen oder schulische Interessen beeinflussen.

Problematisch: begrenzte Tiefe, Fehleranfälligkeit, Monetarisierung, vereinfachte Darstellungen.

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Gaming-Influencer*innen & Let’s Player*innen

Chips und Popcorn raus – Let’s Player*innen spielen Videospiele und kommentieren Strategien, Tipps und Geschichten. Die Gaming-Szene ist männlich geprägt, doch weibliche und queere Let’s Player*innen gewinnen zunehmend an Bedeutung und dienen Kindern und Jugendlichen als Vorbilder.

Problematisch: Suchtpotenzial, übermäßige Bildschirmzeit, Monetarisierung, Interaktion mit Fremden.

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DIY-Influencer*innen

Ob Basteln, Backen oder Möbel restaurieren – DIY-Influencer*innen zeigen Schritt-für-Schritt-Anleitungen für kreative Projekte. Kinder und Jugendliche können ihre eigenen Fähigkeiten ausprobieren und Ideen nachmachen.

Problematisch: Nachahmungsrisiko bei gefährlichen Arbeiten, Werbung für Produkte, Monetarisierung.

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Lifestyle-Influencer*innen

Sie lassen ihre Follower*innen am scheinbaren Alltag teilhaben: Frühstück zubereiten, shoppen, dekorieren oder Sport treiben – Lifestyle-Influencer*innen zeigen Alltagsinhalte und Unterhaltung. Jugendliche nehmen hier Vorbilder wahr, orientieren sich an Vorlieben und Alltagsritualen.

Problematisch: unrealistische Alltagserwartungen, Konsumdruck, Werbung, Privatsphäre.

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Unterhaltungs-Influencer*innen

Tanzen, Comedy, Pranks – Unterhaltungs-Influencer*innen bieten kurze, witzige Inhalte. Sie sind Stars auf Peer-Group-Ebene und liefern Unterhaltung, selten aber tiefere Informationen.

Problematisch: Gewalt- oder Scherzinhalte, Monetarisierung, unkontrollierte Kommentare.

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Sinn-Influencer*innen

Sie setzen sich für Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Toleranz oder psychische Gesundheit ein. Sinnfluencer*innen motivieren Kinder und Jugendliche, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Problematisch: einseitige Darstellungen, Ideologisierung, mögliche Werbung oder Sponsoring.

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Was Eltern beachten sollten

Wissen auf Social Media – Influencer*innen im Portrait

Fragen wie „Was ist Glyphosat?“, „Was geht in People Pleasern vor?“, „Welche Regeln gibt es zu Atomwaffen?“ oder „Wie heißt eigentlich Max Mustermann in anderen Ländern?“ müssen heute nicht mehr stundenlang in der Bibliothek recherchiert werden. Wissens-Influencer*innen erklären uns diese Themen auf YouTube oder Instagram schnell, verständlich und oft unterhaltsam.

Was machen eigentlich Wissens-Influencer*innen?

Wissens-Influencer*innen sind das kleine Hosentaschen-Lexikon des 21. Jahrhunderts. Meist sind es Expert*innen auf einem Gebiet – Menschen also, die sich in Politik, Geschichte, Psychologie, Mathe, Chemie oder anderen Bereichen sehr gut auskennen. In kurzen, anschaulichen Videos vermitteln sie Wissen, das sonst komplex oder schwer verständlich wäre. Im Idealfall bleibt die Darstellung sachlich und informativ, ohne die Zuschauer*innen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen oder zu sehr zu werten.

Wer erklärt uns da eigentlich die Welt?

Mathe, Deutsch, Politik, Psychologie – die Welt ist voll mit spannenden Themen und das Internet ist voll mit Menschen, die sie uns erklären.

  • Eine der frühen und bekanntesten Online-Welt-Erklärerinnen ist Mai Thi Nguyen-Kim: Die Chemikerin startete 2015 zunächst mit dem privaten YouTube-Kanal „The Secret Life of Scientists“. Heute ist sie mit ihrer Show „MaiThink X“ auf YouTube und im ZDF aktiv. Sie erklärt naturwissenschaftliche Phänomene für ein jüngeres und älteres Publikum, beantwortet aber auch Fragen aus Politik, Psychologie oder Gesundheit anschaulich und wissenschaftlich korrekt. Zusätzlich hat sie mehrere Bücher für Erwachsene und Kinder veröffentlicht.
  • Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go stellt aktuelle Themen aus Politik und Zeitgeschehen in den Mittelpunkt. Der Journalist erklärt Hintergründe zu Themen, die auch die aktuellen Nachrichten beherrschen, wie Wahlkampf, Nahost-Konflikt oder das AfD-Verbot. Sein YouTube-Kanal mit über 2,3 Millionen Abonnent*innen ist ein Angebot von ARD und ZDF.
  • Leon Windscheid wurde schlagartig berühmt, als er 2015 in der Fernsehshow „Wer wird Millionär“ eine Million Euro gewann – und anschließend seinen Traum wahr machte, Wissen aus seinem Psychologie-Studium in Vorträgen, Podcasts und Videos zu verbreiten. In seinem Podcast „Betreutes Fühlen“ bespricht er Themen von Verliebtheit und dem Gefühl, nicht gut genug zu sein (Imposter-Syndrom) bis hin zu Stressabbau und Depression.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Politik, Klima oder Max Mustermann – klingt langweilig, wird aber auf Instagram und YouTube plötzlich spannend! Wissens-Influencer*innen schaffen den Spagat, komplexes Wissen kurzweilig und verständlich zu vermitteln. Sie sind oft jung, nah an der Lebenswelt ihrer Zielgruppe und treten humorvoll, locker und nahbar auf.

Kinder und Jugendliche sind von Natur aus neugierig, wollen verstehen, sich eigene Meinungen bilden und mitreden. Wer ihnen das Wissen interessant und anschaulich präsentiert, wird schnell zum Vorbild. Manche Wissens-Influencer*innen werden sogar zu Stars auf dem Schulhof. Besonders spannend: Sie greifen tagesaktuelle Themen oder sogar Schulstoff auf. So finden Jugendliche Antworten auf Fragen, die sie ohnehin beschäftigen. Dabei orientieren sie sich nicht nur inhaltlich, sondern übernehmen auch Sprache, Argumentationsweisen oder entwickeln neues Interesse an bestimmten Schulfächern und möglichen Studienrichtungen.

Was kann problematisch sein?

  • Fehleranfälligkeit: Auch Wissens-Influencer*innen können sich irren; nicht alle, die vorgeben, sich auszukennen, sind auch echte Expert*innen.
  • Begrenzte Tiefe: Komplexe Themen lassen sich selten vollständig in zehn Minuten erklären.
  • Altersangemessenheit: Nicht jeder Inhalt auf Social Media ist für junge Menschen geeignet – auch wenn er „Wissen“ vermittelt. Manche Themen können überfordern, Angst machen oder einseitig dargestellt sein.
  • Monetarisierung: Viele Kanäle verdienen an Werbung, gesponserten Inhalten oder Daten. Produkte im Video können Werbezwecke haben.

Was Eltern beachten sollten

  • Sehen Sie die Videos gemeinsam mit Ihrem Kind und sprechen Sie über die Inhalte. Dabei erhalten Sie auch ein Gefühl dafür, ob Inhalte dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes entsprechen.
  • Besprechen Sie kritisch, welche Quellen vertrauenswürdig sind, und warum Mehrfachquellen wichtig sind.
  • Erklären Sie, dass nicht alles vollständig dargestellt werden kann und manche Details ausgeklammert bleiben.
  • Thematisieren Sie die Monetarisierung (Geldverdienen) von Inhalten, Werbung und mögliche Interessenkonflikte. Produkte im Video können Werbezwecke haben, und die Kanäle verdienen teilweise Geld damit.

Finanzen auf Social Media – Influencer*innen im Portrait

Ein Sparbuch anlegen oder lieber ein Aktien-Depot eröffnen? Wie kann ich Geld am besten nutzen und vermehren? Und was hat es eigentlich mit Krypto oder Trading auf sich? Wenn es ums liebe Geld geht, sind viele Menschen ratlos – und dankbar für Tipps, die auf Social Media schnell und verständlich daherkommen. Genau hier setzen sogenannte Finfluencer*innen an.

Was machen eigentlich Finfluencer*innen?

Sie heißen „Finanztipp“, „Professor Finanzen“ oder „Immo Tommy“. Auf ihren Profilen posieren sie mit teuren Uhren, schicken Autos oder luxuriösen Reisen – und erzählen, wie sie all das durch kluge Geldanlagen geschafft haben wollen. Der Mix aus Glamour und Ratgeber macht sie für viele attraktiv.

Finfluencer*innen – auch Finanzfluencer*innen genannt – erklären, wie man investiert, spart oder tradet, und geben Einblicke in Kryptowährungen oder Aktienmärkte. Oft ist die Erzählung persönlich gefärbt – vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Die Geschichten wecken Vertrauen und wirken nahbar.

Wer berät uns da eigentlich?

Finanzberatung im Netz boomt – und nicht alle Angebote sind gleich. Ein Blick auf einige seriöse deutsche Finfluencer*innen zeigt die Vielfalt der Ansätze:

  • Finanzfluss: Seit 2016 erklären Thomas Kehl und Arno Krieger vor allem auf YouTube, wie man Geld anlegt und investiert. Mittlerweile folgen ihnen rund 1,5 Millionen Menschen. Neben den Videos auf YouTube bieten sie ihre Tipps mit etwa 30 Mitarbeiter*innen auch über andere soziale Medien, ihre Webseite und ein eigenes Buch an. Gründer Thomas Kehl ist Investmentbanker und bringt viel Erfahrung mit, sodass das Angebot als seriös gilt.
  • Verständliches Wissen, vor allem für Frauen, ist das Ziel der Finanzheldinnen. Hinter dem Angebot steckt ein Team des Commerzbank-Konzerns, das über Finanzen, Anlagen, Gehalt oder Unternehmensgründung informiert. Die Inhalte erscheinen vor allem in einem Podcast, in dem unterschiedliche Personen zu Finanzthemen interviewt werden, aber auch auf der Website, in Apps, Büchern und Trainingsplänen.
  • Lisa Osada beschäftigt sich auf Aktiengramm speziell mit dem Thema Aktien. Seit 2020 erklärt sie auf ihrem Blog und Instagram-Kanal, wie Aktienmärkte funktionieren, gibt konkrete Anlagetipps und teilt ihre eigenen Erfahrungen.

Was fasziniert Kinder und Jugendliche daran?

Ältere Kinder und Jugendliche haben meist noch wenig Erfahrung mit eigenem Geld. Mit zunehmendem Alter wächst aber die Bedeutung von Taschengeld, Nebenjobs oder den ersten größeren Anschaffungen.

Jugendliche, die auf der Suche nach Tipps und Strategien sind, stoßen häufig online auf Finfluencer*innen. Diese sind mit einem Klick erreichbar, präsentieren sich häufig sehr nahbar und ansprechend und scheinen direkt aus ihrem eigenen Leben zu sprechen. Das macht sie für Jugendliche oft greifbarer und ansprechender als etwa Bankberater*innen, die schwieriger zu erreichen und oft auch förmlicher sind.

Die Tipps der Influencer*innen klingen einfach und das Ergebnis scheint leicht zu erreichen. Die versprochenen Ergebnisse – eigene Millionen, Urlaube, Luxus – wirken besonders verlockend. Gleichzeitig dienen Finfluencer*innen oft auch als Vorbilder: Jugendliche orientieren sich an ihren finanziellen Entscheidungen, Strategien und Erfolgen und lernen dadurch, wie man mit Geld umgehen könnte – bewusst oder unbewusst.

Was kann problematisch sein?

Doch auch hier ist – im wahrsten Sinne – nicht alles Gold, was glänzt.

  • Fehlende Qualifikation: Finanzexpert*in ist kein geschützter Begriff. Jede*r kann sich so nennen, und online nutzen das viele Personen.
  • Unrealistische Versprechen: Viele Tipps klingen zu gut, um wahr zu sein. Es werden scheinbar einfache und schnelle Tipps gegeben, die praktisch nicht funktionieren.
  • Interessenlagen: Manche Influencer*innen verdienen an eigenen Produkten und Werbeverträgen während ihre Follower*innen für diese Angebote bezahlen, ohne selbst finanziell zu profitieren.
  • Verlustgefahr: Schnell reich werden funktioniert selten – im schlimmsten Fall verlieren Jugendliche Geld.

Was Eltern beachten sollten

Jugendliche stoßen im Netz leicht auf Finfluencer*innen. Damit sie Angebote besser einordnen können, hilft es, gemeinsam hinzuschauen:

  • Kritisch prüfen: Achten Sie auf Quellen und Hintergründe statt nur auf Follower*innenzahlen. Hat die Person eine Ausbildung oder Erfahrung vorzuweisen? Gibt es seriöse Kritiken über sie?
  • Skepsis stärken: Besprechen Sie, dass Versprechen von schnellem Reichtum meist unrealistisch sind.
  • Vergleiche ziehen: Wird die beworbene Anlagestrategie auch von anderen Anbietern (z. B. Verbraucherzentrale) empfohlen?
  • Transparenz ansprechen: Machen die Influencer*innen klar, wenn es sich um Werbung handelt?
  • Offen bleiben: Fragen Sie nach, welche Tipps Ihr Kind spannend findet, und ordnen Sie diese gemeinsam ein.
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