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E-Girls und E-Boys – eine neue Jugendkultur im Internet?

Auf Instagram und vor allem auf der Plattform TikTok verwenden Jugendliche immer wieder den Hashtag #egirl oder #eboy für bestimmte Videoclips. Dort sieht man z. B., wie sich ein Mädchen in ein sogenanntes E-Girl verwandelt. Aber was steckt dahinter und welche Bedeutung hat die Bezeichnung für junge Menschen?

Abgrenzung zu Rollenbildern auf Instagram

Das “E” steht für elektronisch und bezeichnet die Generation junger Menschen, die vor allem in einer digitalen Welt aufgewachsen sind. Sie nutzen Online-Medien und bewegen sich auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube. Mit E-Girl oder E-Boy wird ein bestimmter Stil bezeichnet, sich darzustellen und auszusehen. Oft tragen E-Girls schwarze Kleidung und ein auffälliges Make-Up, wie z. B. gemalte Sommersprossen und Herzchen auf den Wangen. Auch die E-Boys stylen sich teilweise mit leichtem Make-Up oder Nagellack, einige tragen Mittelscheitel und Schmuck. E-Boys grenzen sich vom typischen Männlichkeitsbild ab. Sie lächeln oder zwinkern süß in die Kamera und wollen nicht hart wirken.

Im Gegensatz zu anderen Influencerinnen und Fitness-Bloggern posieren E-Girls und E-Boys nicht an bekannten Orten oder mit der perfekten Strandfigur, sondern meist in ihrem eigenen Zimmer. Dabei nehmen sich selbst nicht so ernst. Einige von ihnen sind nur für den Videoclip auf TikTok, als E-Girl oder E-Boy zurechtgemacht und würden in der Schule nicht so auffällig herumlaufen. Sie nutzen das Internet, um sich auszuprobieren.

Negative Aspekte rund um E-Girls und E-Boys 

Problematisch ist, wenn Mädchen oder Jungen bestimmte Merkmale nachahmen, ohne dass sie verstehen, was damit gemeint ist. Es gibt typische Posen von E-Girls oder E-Boys, die stark sexualisiert wirken, auch wenn sie ironisch gemeint sind. Die Gefahr von Cybergrooming oder Missbrauch der Inhalte von Kriminellen ist durch das Veröffentlichen solcher Videos erhöht. 

Als E-Girl’’ werden manchmal auch abwertend Mädchen oder Frauen in der Gaming-Szene bezeichnet. Sie zeigen sich beim Spielen über einen Stream, wie viele männliche Spieler auch. Aber ihnen wird häufiger vorgeworfen, das nur für Klicks und Aufmerksamkeit zu tun und sich dafür besonders auffällig zu schminken und anzuziehen. Das problematische Verhältnis von Geschlechterrollen im Gaming haben wir in einem anderen Beitrag näher erläutert: Computerspiele und das Thema Geschlecht

Hilfe, mein Kind ist ein E-Boy!

Kinder und Jugendliche sind noch dabei, eine eigene Persönlichkeit auszubilden. Dabei orientieren sie sich an anderen. Vorbilder finden sie in der Familie, dem Freundeskreis, den Medien und anderswo. Gleichzeitig möchten sie sich abgrenzen und individuell sein. Jugendkulturen wie die E-Girl-Szene sind spannend, weil sie wahrscheinlich anders sind als ihr gewohntes Umfeld. 

Lassen Sie Ihrem Kind den Freiraum, sich zu entwickeln, sich zu erfinden und auszuprobieren, aber verlieren Sie nicht den Kontakt. Das ist gerade bei Jugendlichen in der Pubertät ein Drahtseilakt. Stärken Sie Ihr Kind in seinen Interessen und persönlichen Stärken, damit es sich frei entfalten kann. Tauschen Sie sich mit ihm über Jugendkulturen und Trends aus. Haben Sie sich als junger Mensch auch auf eine bestimmte Art und Weise gekleidet, um sich zu einer bestimmten Gruppe dazu zählen? Haben Sie sich darüber mit Stolz identifiziert oder fanden Sie es eher blöd, in eine Kategorie gesteckt zu werden? 

Brett- und Gesellschaftsspiele online

Spielen mit Freunden oder der Familie macht Spaß. Online-Spiele sind gerade in Zeiten von Corona eine schöne Möglichkeit, gemeinsam etwas mit Freunden und anderen Familienmitgliedern zu unternehmen, ohne sich treffen zu müssen. Hier eine kleine Orientierung für Eltern und Großeltern, um sich in der Welt der Online-Spiele zurechtzufinden.

Kurz gefasst:

  • viele Online-Spiele sind kostenlos
  • über einen Einladungslink lassen sich andere Personen zum Spiel hinzufügen
  • teilweise Registrierung über E-Mail Adresse oder Herunterladen einer App notwendig
  • Risiken auf kostenlosen Online-Spieleseiten: nicht altersgerechte Werbung, Kontaktaufnahme durch Fremde möglich

Der Austausch mit Freunden und Familienmitgliedern ist für Kinder sehr wichtig. Nebenbei können Spiele das Allgemeinwissen verbessern, das strategische Denken, die Teamfähigkeit und die Kreativität fördern oder ganz einfach nur Spaß machen! Viele Online-Spiele sind kostenlos und sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Computer über den Browser spielbar.

Beliebte Online-Gesellschaftsspiele

Pen-and-Paper-Spiele: Eine Videoverbindung über Computer oder Smartphone als technische Voraussetzung für einen gemeinsamen Spieleabend reicht aus: Jeder Mitspieler nimmt sich Block und Stift und es können gemeinsam wie gewohnt sogenannte Pen-and-Paper-Spiele gespielt werden. Darunter zählen Spiele, für die man nur wenig Material braucht wie Stadt-Land-Fluss oder Schiffe versenken. Alternativ kann man sie auch bei stadtlandflussonline.net oder battleship-game.org spielen.

Spiele-Apps: Von Uno über Monopoly – viele bekannte Karten- und Brettspiele sind heutzutage auch als App im PlayStore oder AppStore für ein paar Euro zu erwerben. Die Wissensspiel-App Quizduell, bei der man gegen die eigenen Freunde antreten kann, erfreut sich seit einigen Jahren an großer Beliebtheit. Je nach App können Werbeclips den Spielprozess wenig bis erheblich unterbrechen. Probieren Sie eine App am besten vor dem geplanten Online-Spieleabend aus.

Brett- und Kartenspiele: Verschiedene Klassiker wie Dame, Backgammon und Memory bietet die englische Seite Playingcards.io kostenlos an. Ganz ohne Anmeldung ist es hier möglich, Mitspieler über einen Link einzuladen. Auf schach-spielen.eu kann man entweder gegen den Computer oder über einen Einladungs-Link mit einem Freund oder einer Freundin spielen. Brettspiele zum Ausdrucken gibt es auf Print & Play von Asmodee.

Zeichnen und Raten: Auf skribbl.io zeichnet eine Person auf dem Bildschirm ein Wort, das die Mitspieler live verfolgen und so schnell wie möglich erraten müssen. Beim Einrichten des Spiels die Sprache auf Deutsch (German) stellen, Freunde per Link einladen und los geht’s!

Strategiespiele wie Siedler von Catan oder Risiko gibt es ebenfalls als Gratis-App und lassen sich mit allen Freunden spielen, die sich mit ihrer E-Mail-Adresse registriert haben. Erweiterungen und Premium-Version müssen jedoch bezahlt werden. Die kostenlose Basis-Version von Siedler von Catan lässt sich auch über den Web-Browser auf catanuniverse.com spielen.

Risiken auf Spieleseiten

Besonders bei kostenlosen Online-Spielen kann es schnell zum Kontakt mit fremden Spielerinnen und Spielern kommen. Cybergrooming ist eine mögliche Gefahr. Eltern sollten daher vor allem jüngere Kinder bei ihren ersten Erfahrungen mit Online-Spielen begleiten. Dabei können Eltern gleichzeitig auf versteckte Kosten, z. B. durch In-App Käufe achten,Informationen zum Datenschutz und zum Betreiber der Seite checken und wenn möglich entsprechende Sicherheitseinstellungen vornehmen.

Auf vielen Spieleseiten ist mit Werbung und Pop-Up-Fenstern von externen Seiten zu rechnen, die mit dem Spiel nichts zu tun haben. Dies könnenauch Werbung für nicht altersgerechte Spiele oder Websites mit nicht kinderfreundlichen Inhalten sein. Auf dem an Kinder gerichtete Portal Spielaffe.de gibt es diese Gefahr zwar weniger, allerdings kann der große Anteil an Werbung für andere Spiele auch hier als sehr störend empfunden werden. Fragwürdig ist die Unterteilung in Kategorien wie z. B. ‘Mädchen-Spiele’, in der Spiele zum Thema Frisuren, Dekoration und Backen gelistet werden. Solche Geschlechterbilder in Medien können sich problematisch auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Eine Auswahl an kindgerechten Online-Spielen gibt es auch bei Seitenstark.

Konflikte im Netz

Unter YouTube-Videos oder in sozialen Netzwerken findet man oft Kommentare von Leuten, die sich aufregen, beleidigen oder einfach nur rumpöbeln. Viele Nutzer haben schon Kontakt mit Mobbing gehabt – bei sich oder bei anderen. Nicht nur Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, werden von anderen Internetnutzern fertiggemacht. Gehört das einfach zum Leben dazu?

Hinter Konflikten stecken immer Menschen – auch online

Das Internet kann nichts dafür, dass Menschen aneinander geraten oder sich schaden wollen. Im Netz ist es aber für einige Menschen besonders verlockend, zu betrügen, zu beleidigen oder zu bedrohen. Es fällt ihnen leichter, Konflikte anzuzetteln, wenn sie nicht direkt merken, dass die andere Person leidet. Dabei sind Gemeinheiten nicht weniger schlimm, nur weil sie online stattfinden.

Das Internet ist keineswegs ein rechtsfreier Raum und niemand sollte Angst haben müssen, ins Netz zu gehen. Es gelten die gleichen Regeln und Gesetze wie sonst auch, und es ist wichtig, dass alle diese kennen und einhalten.

Konflikte gibt es überall

Zwischen Menschen kommt es immer mal zu Konflikten, auch Kinder und Jugendliche streiten sich. Das ist ganz normal und so lernen sie, mit Konflikten umzugehen – offline wie online. Allerdings ist es für sie oft schwieriger einzuschätzen, wie weit man gehen kann und ab wann Grenzen überschritten sind. Besonders bei Hassnachrichten und Mobbing sind Kinder und Jugendliche manchmal sehr gemein, ohne dass sie es selbst merken.

Je älter Ihr Kind wird, desto mehr ist es online unterwegs und kann dort auch mit Erwachsenen in Konflikte geraten. Im Teeniealter nutzen Kinder mehr und mehr Plattformen oder Apps, auf denen sie auf Nachrichten, Kommentare und Inhalte stoßen können, die Hass, Hetze und Unwahrheiten verbreiten. Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihr Kind dabei nicht allein lassen und rechtzeitig darauf vorbereiten, wie es damit umgehen kann.

Der Umgang mit Konflikten

Das Wichtigste ist, dass Ihr Kind weiß, dass Sie ansprechbar sind und bei Problemen und Konflikten unterstützen. Kinder und Jugendliche lernen erst nach und nach, Risiken und Gefahren gut einzuschätzen und mit Konflikten umzugehen. Dabei können verschiedene Strategien hilfreich sein:

  • Gewaltfrei kommunizieren. Auch wenn es manchmal schwer fällt, sollte man selbst stets höflich bleiben und den Konflikt damit nicht weiter anheizen.
  • Lieber face-to-face. Online kommt es schnell zu Missverständnissen. Außerdem ist die Hemmschwelle zu Gemeinheiten niedriger. Besser ist, man klärt einen Konflikt in einem direkten Gespräch.
  • Problem benennen.     Es ist wichtig, dass man ein Problem auch als solches bezeichnet, wenn man Beleidigungen, Bedrohungen oder Hass entdeckt.
  • Grenzen setzen. Man muss dem Gegenüber deutlich machen, wann eine Grenze erreicht ist. Manchmal hilft das schon, einen Konflikt einzudämmen.
  • Hilfe holen. Man muss nicht alles alleine schaffen. Man kann sich Freunde, Familie, Lehrkräfte oder auch andere Leute im Netz suchen, die einen unterstützen.
  • Unterstützen. Manchmal bekommt man einen Konflikt mit, ist aber selbst nicht beteiligt. Dann ist es wichtig, Hilfe anzubieten und die betroffene Person zu unterstützen.
  • Widersprechen. Wenn man sich traut, kann man auch diskutieren und widersprechen. Hier bietet sich an, erstmal nur klare Grenzen zu setzen und Probleme zu benennen.
  • Melden. Alle Plattformen im Netz bieten an, dass Inhalte gemeldet werden. Wenn man also Beleidigungen, Hassinhalte, Fake News oder ähnliches sieht, kümmern sich meistens auch die Plattformen darum, wenn man ihnen Bescheid gibt.

Mehr zum Thema “Konflikte im Netz” gibt es bei folgenden Anlaufstellen:
– Umgang mit Hass in Social Media bei der Amadeu-Antonio-Stiftung.
– Mobbing bei Juuuport.
– Umgang mit Betrug und Falschinformationen bei Mimikama.

Mediennutzungsvertrag

Wer darf was und wie lange mit Medien machen? Diese Fragen kommen in jeder Familie früher oder später vor und sorgen nicht selten für Stress und Streit. Regeln zur Mediennutzung können helfen, eine Struktur zu schaffen und Konflikte zu vermeiden. Diese können von Eltern und Kinder gemeinsam besprochen und in einem Vertrag festgehalten werden. Dafür eignet sich das hier vorgestellte Online-Tool für einen Mediennutzungsvertrag – ein Angebot von klicksafe und dem Internet-ABC.

Kurz gefasst:

  • Kostenloses Online-Tool, erreichbar über: www.mediennutzungsvertrag.de
  • Vertrag lässt sich individuell anpassen und personalisieren
  • Auswahl aus vielen Regelvorschlägen
  • Eigene Regeln sind integrierbar
  • Kreative Hintergründe
  • Direkt zum Ausdrucken

Wie funktioniert die Erstellung des Vertrags?

Das Tool führt Sie Schritt für Schritt bis zum fertigen Papier. Sie können aus zwei Altersgruppen wählen (6-12 Jahre und 12+) und sich ein Titeldesign, ein Maskottchen und einen Hintergrund aussuchen. Alle Regeln, die Sie auswählen, werden wie Bausteine automatisch eingefügt, sodass man den Überblick behält. Jeder Baustein kann einzeln bearbeitet werden. Natürlich können Sie auch eigene Regeln einfügen. Am Ende speichern Sie das Dokument, dann kann es zu einem anderen Zeitpunkt ergänzt werden. Sie können auch mehrere Verträge für verschiedene Kinder anlegen.

Tipps und Hintergründe

Nutzen Sie die Bausteine als Vorschlag, um in Ihrer Familie über den Medienumgang ins Gespräch zu kommen. Über einige mögliche Regeln haben Sie vielleicht noch gar nicht nachgedacht, andere sind bereits selbstverständlich. Setzen Sie Schwerpunkte, denn das Tool bietet sehr viele Ideen, die nicht alle umgesetzt werden müssen. Es gibt verschiedene Arten von Regeln:

  • Allgemeine Regeln (wie Umgang mit Konflikten, bedenkliche Inhalte, Umgang mit Geräten)
  • Zeitliche Regelung (Festlegung von Zeitkontingenten)
  • Handy (wie Umgang mit Apps und Daten, handyfreie Orte, Umgang mit Kosten)
  • Internet (wie Sicherheitseinstellungen, Nutzung von Webseiten)
  • Fernsehen (wie altersgerechte Angebote, gemeinsame Nutzung)
  • Spiele (wie gemeinsame Spiele, Fairness)

Ein Vertrag ist nichts anderes als aufgeschriebene Regeln, auf die man sich geeinigt hat. Der Vorteil ist, dass man immer wieder drauf schauen und sich daran erinnern kann.

Eine Besonderheit ist, dass auch Regeln für Eltern festgelegt werden können. Eltern können sich beispielsweise dazu verpflichten, das Handy auch nicht beim Abendessen zu nutzen, oder Medieninhalte für Erwachsene nur in Abwesenheit der Kinder zu nutzen. Denn für Kinder sind Regeln verständlicher, wenn sich alle daran halten müssen und Sie als gutes Beispiel voran gehen.

Bingewatching bei Kindern und Jugendlichen

Kennen Sie das? Sie wollten eigentlich nur eine Folge Ihrer Lieblingsserie schauen und dann sind es drei geworden, weil es gerade so spannend war. Auch Ihrem Kind geht es manchmal so: Es hat gerade so viel Spaß am Fernsehen und Computerspielen, dass es die Zeit vergisst. Mit “Bingewatching” ist das Schauen von mehreren Folgen einer Serie am Stück gemeint und das gibt es auch bei Kindern. Binge bedeutet auf Deutsch „Exzess“ und Viewing „schauen“.

Streamingdienste machen Bingewatching leicht

Für manche Erwachsene ist Bingewatching sogar ein Hobby. Streamingdienste wie Prime Video, Netflix oder auch YouTube haben ihr Angebot darauf eingestellt. Serien gibt es oft als ganze Staffel, so dass die Nutzenden ganz einfach ein Video nach dem anderen anschauen können. Aus Unternehmenssicht ist das ganz logisch: Sie haben ein Interesse daran, Nutzer so lange wie möglich auf ihrer Plattform zu halten.

Es gibt immer mehr Mediatheken-Apps speziell für Kinder oder Streaming-Apps mit Kinderprofilen. Besonders beliebt sind YouTube Kids, Netflix, Prime Video und Disney+. Deshalb ist es kein Wunder, dass Bingewatching auch bei Kindern und Jugendlichen vorkommt, weil es ihnen noch schwerer fällt, den Fernseher oder das Tablet auszuschalten.

Was führt zum Bingewatching?

Kinder und Jugendliche lassen sich von ihren Lieblingsfiguren und -geschichten schnell mitreißen, so dass sie sich kaum davon lösen können. Einige vergessen einfach, abzuschalten und schauen deshalb mehr als vereinbart. Vor allem jüngere Kinder können ihre Bedürfnisse und ihre Mediennutzung noch nicht so gut selbst regeln. Sie sind deshalb leichter verführbar, immer weiter zu schauen.

Manchmal fehlt es auch einfach an alternativen Beschäftigungen. Kinder wissen nicht, was sie außer Fernsehen tun sollen. Außerdem ist es einfach, sich nur berieseln zu lassen, anstatt selbst aktiv zu sein, sich selbst Geschichten auszudenken, etwas zu malen oder anderes.

Wie können Eltern mit Bingewatching umgehen?

Einiges können Sie beim Profil Ihres Kindes auf der Streaming-Seite selbst einstellen. Sie können z. B. den automatischen Start der nächsten Folge deaktivieren oder bei einigen Diensten eine Zeitbegrenzung festlegen. Wenn Sie bestimmte Folgen downloaden, wird Ihr Kind nicht auf weitere Serien aufmerksam und es fällt ihm leichter abzuschalten, wenn die vereinbarte Sehzeit vorüber ist. Sie sollten aktiv werden, sobald Ihr Kind gestresst oder genervt reagiert, wenn es nicht weiter schauen kann.

Gestalten Sie gemeinsam Mediennutzungsregeln, insbesondere feste Zeitfenster, und achten Sie darauf, dass diese eingehalten werden. Solange Ihr Kind noch nicht selbstverantwortlich mit Medien umgehen kann, unterstützen und begleiten Sie es dabei. Setzen Sie die Lieblingsserie nicht als Strafe oder Belohnung ein und etablieren Sie alternative Angebote zur Mediennutzung.

Wenn Ihr Kind sehr emotional an die Serie gebunden ist, können Sie sich gemeinsam auch auf andere Weise damit beschäftigen. Ihr Kind kann die Serienwelt mit Spielzeug, durch Malen oder im Spiel mit Freunden zu sich holen und die Geschichten weitererzählen. So erlebt Ihr Kind seine Lieblingsserie noch mehr und kann sie selbst mitgestalten.

Ältere Kinder und Jugendliche sollten Sie auch gelegentlich zugestehen, wenn es sich in stressigen Phasen mit Fernsehen ablenken möchten. Achten Sie nur darauf, dass Bingewatching nicht ständig gegen Stress eingesetzt wird.

Regeln für die Mediennutzung in der Familie

„Nur noch eine Runde!“ oder „Leon darf viel länger fernsehen!“ Das kennen fast alle Eltern. Welche Medien sind für mein Kind okay? Wie viel Medienzeit ist nicht schädlich? Ab welchem Alter ist ein eigenes Smartphone sinnvoll? Für solche Fragen können feste Regeln eine große Hilfe für Eltern und Kinder sein. Aber sie führen auch immer wieder zu Konflikten in Familien. Wir haben einige Tipps und Hintergründe für Sie zusammengetragen.

Regeln müssen sinnvoll sein

Regeln sind nicht einfach dafür da, dass Erwachsene etwas bestimmen, sondern sie bringen Struktur in das Familienleben. Mit Mediennutzungsregeln lässt sich die Medienkompetenz von Kindern fördern. Als Eltern haben Sie eine besondere Verantwortung, Spaß und Nutzen in Verbindung mit Medien, aber auch Risiken und Gefahren im Blick zu haben. Beides können Sie eine ganze Zeit lang besser einschätzen als Ihr Kind. Wichtig ist, dass Ihr Kind die Regeln versteht. Deshalb sollten Sie für sich selbst und auch gegenüber Ihrem Kind begründen können, warum bestimmte Regeln gelten und warum es wichtig ist, diese einzuhalten. Wenn Regeln nicht klar formuliert sind oder unterschiedlich ausgelegt werden, wird es Ihrem Kind schwerfallen, sie einzuhalten. Dazu gehört aber, dass bestimmte Regeln für Sie als Eltern genauso gelten und Sie Ihre Vorbildfunktion wahrnehmen.

Regeln können unterschiedlich aussehen

Welche Regeln sinnvoll sind, hängt vom Alter Ihres Kindes ab und davon, wie Sie und Ihr Kind grundsätzlich mit Medien umgehen. Das ist nicht in jeder Familie gleich.

Je jünger Ihr Kind ist, desto mehr sollten Sie seine Mediennutzung im Blick behalten. Kleinkinder brauchen eine enge Begleitung und sollten nicht zu viel Zeit mit Medien verbringen. Entscheiden Sie als Eltern über altersgerechte Inhalte, Nutzungsdauer und geeignete Geräte. Ab dem Grundschulalter bekommt Ihr Kind viele neue Eindrücke und Einflüsse. Es braucht dabei noch viel Orientierung, deshalb sind klare Regeln sehr wichtig. Sie können mit Ihrem Kind nun besser über Inhalte sprechen und es mitbestimmen lassen. Spätestens ab der weiterführenden Schule und im Jugendalter sollten Sie Ihrem Kind dann mehr Selbstständigkeit zutrauen und zunehmend Kontrolle abgeben. Jugendliche gehen meist offen auf digitale Medien zu, aber sie können oft Sicherheitsrisiken noch nicht richtig einschätzen. Deshalb sind Sie als Orientierung und Ansprechpartner nach wie vor wichtig!

Regeln gemeinsam gestalten

Verabreden Sie Regeln zum Medienumgang, je nach Alter Ihres Kindes, gemeinsam – z. B. über einen sogenannten Mediennutzungsvertrag. Dann kann Ihr Kind sie besser verstehen und einhalten. Schreiben Sie Regeln auf und platzieren Sie diese sichtbar. Auch Ausnahmen können formuliert werden. Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Regeln noch sinnvoll sind oder geändert werden können und müssen. Stellen Sie auch Regeln auf, die für alle gelten, z. B. dass bei einem Gespräch das Smartphone nicht herausgeholt wird.

Zeit mit und ohne Medien

Ein großer Streitpunkt ist die Frage danach, wie viel Zeit mit Medien gut ist. Das hängt neben dem Alter auch ganz individuell von Ihrem Kind und seinem Umgang mit Medien ab. Verliert es sich schnell in Serien oder Computerspielen oder kann es ohne Probleme, das Tablet am Ende einer Folge zur Seite legen? Es gilt die Faustregel: Je jünger, desto weniger! Mediengutscheine sind eine Möglichkeit für Kinder ab dem Grundschulalter, um z. B. ein Wochenbudget für ein Mediengerät festzulegen. Manchmal ist das einfacher und Ihr Kind kann sich die Zeit selbstständig einteilen.
Wichtig ist, dass Ihr Kind einen abwechslungsreichen Alltag hat, Medien auf unterschiedliche Weise nutzt, es aber auch medienfreie Erlebnisse hat.

Auswahl von Medieninhalten und Zugang zu Geräten

Haben Sie das gesamte Medienensemble im Blick? Auch Hörspiele und Bücher sind Teil des Medienkonsums und können im Regelwerk auftauchen.

Berücksichtigen Sie, dass die Inhalte der Mediennutzung sehr unterschiedlich sind, genauso wie die Motive und Bedürfnisse der Nutzung. Ein Spiel zur bloßen Zerstreuung oder Unterhaltung ist eventuell anders zu gewichten als das Lernen mit Medien. Machen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind qualitative Unterschiede. Achten Sie auch auf altersgerechte Inhalte.

Die Frage nach dem richtigen Alter für das erste Smartphone beschäftigt viele Eltern. Sprechen Sie sich eventuell mit den Eltern von Freunden Ihres Kindes ab und überlegen Sie, ob bestimmte Regeln für alle gelten können.

Sicherheitseinstellungen bei Geräten und Apps

Wenn es um das erste eigene Handy oder die Nutzung von Mamas Tablet geht, können auch Einstellungsmöglichkeiten den Zugriff auf verschiedene Inhalte und Apps beschränken. Diese sollten aber gemeinsam besprochen werden. Solche Einstellungen oder bestimmte Apps können helfen, Regeln durchzusetzen. Aber diese Tools ersetzen nicht die Begleitung durch Sie als Eltern. Erklärungen von Ihnen und Gespräche über Medien tragen wesentlich dazu bei, dass Ihr Kind einen kompetenten Umgang mit Medien erlernt.

Regeln dürfen je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes variieren. Bleiben Sie einerseits konsequent, denn sonst erfüllen sie nicht ihren Zweck. Gleichzeitig sollten Sie die Regeln möglichst nicht als Strafe oder Belohnung einsetzen.

Houseparty – Abhängen im digitalen Raum

Mit der App Houseparty kann man sich per Videochat mit Freunden treffen, sich unterhalten und gemeinsam Spiele spielen. Die App ist bei Jugendlichen in Zeiten von Corona besonders beliebt, wenn sie sich nicht wie gewohnt treffen können. Allerdings gibt es auch Kritik an der App.

Kurz gefasst:

  • Unter 13 Jahren offiziell nicht erlaubt
  • Datenschutz und Privatsphäre bedenklich
  • Kostenfrei, allerdings gibt es In-App-Käufe
  • Verfügbar für Android und iOS, sowie als Desktop- oder Web-App

Was kann man mit Houseparty machen?

Über Houseparty kann man sich online treffen. Der Name kommt daher, dass eine Party bei jemanden Zuhause simuliert wird. Dabei hat jeder einen eigenen Raum, dem bis zu acht Freunde beitreten können, die vorher zur Freundesliste hinzugefügt wurden. Freunden kann man Textnachrichten oder kurze Videoschnipsel (wie bei Snapchat) schicken und natürlich kann man miteinander videotelefonieren.

Dabei ist die App kein reines Videokonferenz-Tool, sondern ermöglicht es auch, Spiele miteinander zu spielen während man videotelefoniert. Es gibt kostenfreie und kostenpflichtige Spiele.

Was fasziniert Jugendliche daran?

Sich per Videochat treffen, sich virtuell sehen, miteinander quatschen, lustige Videos austauschen und Spiele spielen, ist besser als wenn man nur telefonieren könnte – gerade in Zeiten von Kontaktverboten.
Die Gestaltung der App ist jugendgerecht im Gegensatz zu anderen Apps mit Videokonferenz-Funktion wie Whatsapp oder Skype, die auch Erwachsene nutzen. Bei Houseparty sind Jugendliche unter sich. Dabei kann Houseparty auch mit der bei Jugendlichen beliebten App Snapchat kombiniert werden kann. Außerdem sind die Spiele bei Houseparty extra für Jugendliche entwickelt.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Es gibt Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre der Nutzenden. Im Prinzip kann jeder und jede den virtuellen Räumen betreten, sobald sie als Freund hinzugefügt wurden. Doch auch von Freunden hinzugefügte Person können einfach dazukommen, selbst wenn man sie selbst nicht in der App hinzugefügt hat. Es könnte also sein, dass Jugendliche bewusst getäuscht werden, um Zugang zu ihnen bekommen. Es ist auch möglich, über andere Apps den Bildschirm abfilmen zu lassen und als Video zu speichern.

Auch der Datenschutz von Houseparty ist problematisch. Das amerikanische Unternehmen Life on Air, Inc. gibt die Daten der Nutzenden an Facebook und andere Dienste weiter. Datenschutzregelungen, wie es sie in Europa gibt, spielen bei der App nur eine untergeordnete Rolle.

Houseparty bietet auch In-App-Käufe und damit Kostenfallen an. Nicht alle Spiele sind kostenlos verfügbar. Zwar sind die Spiele oft nicht teuer, doch wenn beispielsweise Freunde ein Spiel haben, dann entsteht schnell der Druck es sich auch zu kaufen, um beim gemeinsamen Spielen nicht ausgeschlossen zu werden.

Was meint der Anbieter?

Innerhalb der App gibt es mehrere Funktionen zum Schutz der Nutzenden: Mit der “Melden”-Funktion können Person gemeldet werden, die sich unangemessen verhalten. Mittels “Blockieren” kann man störende Nutzende auch sperren, sodass diese einen nicht mehr kontaktieren können. Über “Benachrichtigungen” lässt sich einstellen, wer sehen darf, dass man die App gerade nutzt. Der“Privat-Modus” verhindert, dass Gäste, die nicht eingeladen sind, den Raum betreten. Mit “Berechtigungen” kann man ausschalten, dass die App auf die internen Kontakte auf dem Handy zugreifen kann und sich mit Facebook verbindet.

In den Guidelines erklärt der Anbieter kurz und knapp – für Jugendliche ansprechend aufbereitet – die Regeln, die auf der Party gelten: So gibt es z. B. den knappen Hinweis, sich nicht auszuziehen oder andere zu mobben.

Was sollten Eltern beachten?

Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter über die Nutzung von Houseparty sprechen. Nehmen Sie Einstellungen gemeinsam vor und weisen Sie auf Funktionen hin. Dabei ist gerade der “Privat-Modus” wichtig, der es verhindert, dass unerwünschte Personen dem Raum beitreten. Sprechen Sie in diesem Zusammenhang auch das Thema Cybergrooming an. Es ist wichtig, dass Jugendliche wissen, dass es auch im digitalen Raum Erwachsene gibt, die schlechte Absichten haben. Außerdem sollte das Thema Datenschutz thematisiert werden. Dabei geht es einerseits darum, die “Berechtigungen” auszuschalten und andererseits darum, generell zu besprechen, dass nicht alles vor der Kamera gezeigt oder gesagt werden sollte, weil man nie weiß wer schließlich die Daten bekommt.

YouTube erklärt mir die Welt – das Videoportal als Nachrichtenquelle

Kinder und Jugendliche möchten die Welt verstehen. Je älter sie werden, desto mehr informieren sie sich in sozialen Netzwerken – auch über aktuelle Nachrichten. Sie schauen sich z. B. Videos von YouTubern LeFloid und MrWissen2Go an, in denen tagesaktuelle Themen zusammengefasst und kommentiert werden. Nachrichtenformate auf YouTube sind bei Jugendlichen vor allem deswegen beliebt, weil sie verständlich, kurz und unterhaltsam aufbereitet sind. Anders als im Fernsehen oder in der Zeitung kann jedoch im Internet quasi jede Person Inhalte hochladen und verbreiten. Wer aber kontrolliert den Wahrheitsgehalt der Inhalte auf YouTube?

Der Erfolg von YouTube-Videos ist von Klicks und Aufrufen abhängig. Je witziger und übertriebener Inhalte dargestellt werden, desto häufiger werden sie geklickt und erreichen mehr Menschen. Die Qualität oder Richtigkeit der Inhalte spielt nicht unbedingt eine Rolle.

YouTube ist kein Bildungsangebot, sondern eine kommerzielle Plattform von Google. Die Inhalte kommen nicht von Google, sondern von den Nutzern und Nutzerinnen selbst. Täglich werden tausende Videos hochgeladen. Auch Falschmeldungen können darunter auf YouTube landen und so lange sichtbar bleiben, bis YouTube auf sie aufmerksam (gemacht) wird und diese prüfen lassen kann.

Meinungsmache auf YouTube

Manche YouTuber und YouTuberinnen lassen gern ihre persönliche Meinung zu aktuellen Themen einfließen. Das ist für junge Menschen natürlich besonders spannend, da sie sich selbst eine Meinung bilden wollen. Allerdings lassen sie sich auch schnell beeinflussen. Manche Leute nutzen das aus und wollen vor allem junge Menschen von ihrer Meinung überzeugen. Kinder und Jugendliche können auf YouTube deshalb mit populistischen und extremistischen Inhalten in Berührung kommen. Auch die Kommentarfunktion wird dazu genutzt, Falschmeldungen und Propaganda-Kanäle zu streuen.

Soll man das Gesagte nun glauben oder nicht? Einige Fragen können dabei helfen, es einzuordnen: Was die Hauptaussage des Videos? Fühle ich mich durch das Video informiert oder bin ich aufgewühlt? Wird schlechte Stimmung gegen bestimmte Personen oder Gruppen gemacht? Um die Gefühle der Zuschauenden zu beeinflussen, werden z. B. dramatische Musik oder schockierende Bilder verwendet. Wenn es keine Information dazu gibt, von wem das Video gemacht wurde und woher das Wissen ist, sollten man skeptisch sein und versuchen, die Aussagen zu prüfen. Hier erfahren Sie mehr zu den Methoden von Hasspropaganda.

Die Technik bestimmt mit, was man sieht

Man entscheidet nicht allein, welche Videos bei YouTube angezeigt werden. Je nachdem, nach welchen Begriffen man schon gesucht und welche Videos man sich angesehen hat, schlägt YouTube andere Videos vor, die einem deshalb gefallen könnten. Das ist so programmiert. Dadurch kann ein einseitiges Weltbild entstehen, weil andere Sichtweisen und Informationen weniger präsent sind..

Machen Sie Ihr Kind fit!

Trotz dieser Risiken, sollten Sie Ihr Kind dabei unterstützen, sich über das Weltgeschehen zu informieren. Wenn Sie selbst auf dem Laufenden sind, können Sie seine Fragen vielleicht selbst beantworten. Oder Sie recherchieren gemeinsam nach Antworten. So lernt Ihr Kind, worauf man achten muss, wenn man nach Informationen im Netz sucht und wie sie einzuordnen sind. Im Beitrag “Alles Fake? Falschmeldungen erkennen” finden Sie Tipps dazu. Gute Quellen sind in der Regel die Angebote der öffentlich-rechtlichen Medien, da diese bestimmte journalistische Kriterien erfüllen müssen. Auch diese finden Sie bei YouTube – z. B. in den verschiedenen Formaten von funk, die besonders auf die Interessen von Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zugeschnitten sind.

Das Bedürfnis, sich zu informieren und eine eigene Meinung zu entwickeln, ist wichtig für Kinder und Jugendliche, um die Gesellschaft einmal als erwachsener Mensch mitgestalten zu können. Auch für die Schule kann YouTube sinnvoll genutzt werden.

funk – Online-Fernsehen für 14- bis 25-Jährige

Kinder und Jugendliche möchten sich ab einem gewissen Alter über Medien, Freundschaft und Liebe aber auch über Politik und Weltgeschehen informieren. Talkshows oder Fernsehserien für Erwachsene können für junge Menschen schnell langweilig werden, weil sie mit ihrer Lebenswelt kaum etwas zu tun haben. Das Online-Angebot funk hat sich auf Formate spezialisiert, die vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen.

Kurz gefasst:

  • kostenloses Online-Medienangebot und Netzwerk von ARD und ZDF
  • richtet sich an junge Menschen ab ca. 14 Jahren
  • jugend- und zeitgemäße Formate
  • Inhalte werden über Social Media-Plattformen ausgestrahlt

Was kann funk?

funk ist ein Netzwerk aus Audios, Videos und Kanälen, die junge Menschen im Netz verfolgen können. Inhalte werden für speziell für die Altersgruppen 14-16, 17-19, 20-24 und 25-29 Jahre produziert und auf funk.net und beliebten Plattformen wie Instagram, YouTube, Snapchat und TikTok ausgestrahlt. Ob im Bereich Comedy, Musik, Trends, Politik, Sexualität und Liebe oder Wissen – funk bietet über 70 Kanäle für unterschiedliche Altersgruppen. Es gibt verschiedene Formate wie z. B. Podcasts, Reportagen oder fiktive Soaps.

Dabei widmet funk sich auch alternativen Themen abseits vom Mainstream und zeigt, wie vielfältig die Gesellschaft ist. Das sieht man gut an Formaten wie Auf Klo oder Jäger und Sammler.

Was fasziniert Kinder/Jugendliche daran?

Die Angebote von funk sind ebenso vielfältig und dort zu finden, wo Jugendliche sowieso Videos anschauen. funk kommt den Seh- aber auch Hörgewohnheiten junger Menschen entgegen, die lieber dann Medien nutzen wollen, wenn es ihnen passt und nicht, wenn etwas im Fernsehen oder Radio läuft.

Vor der Kamera und hinterm Mikro stehen oft selbst junge Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, mit denen sich die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer identifizieren können. “Wer bin ich und wie möchte ich sein?” sind bei jungen Menschen wichtige Fragen. Die Charaktere in den funk-Formaten können Vorbilder für sie sein. Es geht um Themen, die sie interessieren und ansprechen, z. B. Dokus auf YouTube zum Alltag von Influencern, warum Sneaker so angesagt sind oder wie es sich eine Woche ohne Smartphone lebt. Aber auch ernste Themen rund um Kriminalität, Extremismus oder Rassismus werden behandelt.

Was sagt der Anbieter?

Das Angebot von funk wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert. So können die Produzenten von Videos für funk, Inhalte erstellen, die werbefrei und unabhängig von finanziellen und politischen Einflüssen sind. funk ist offen, so dass Zuschauer Themenwünsche einreichen und YouTuber selbst Teil des Netzwerks werden können. Alle Inhalte auf funk werden vorab geprüft.

Was sollten Eltern beachten?

Mit 14 oder 17 Jahren haben Jugendliche andere Interessen als mit 12. Deshalb richten sich die Formate von funk nicht an eine bestimmte Altersgruppe, sondern an viele verschiedene. Das bedeutet aber, dass nicht alle Angebote von funk unbedingt für Ihr 14 Jahre altes Kind geeignet sind.

Da funk von öffentlich-rechtlichen Sendern produziert wird, ist das Angebot frei verfügbar und es gibt keine versteckte Werbung, die Kinder und Jugendliche zum Kauf von Produkten verleiten soll, wie es bei vielen privaten YouTube-Formaten der Fall ist.

Gerade bei jüngeren Zuschauern kann der Eindruck entstehen, die Personen vor der Kamera zeigen sich ganz privat und persönlich. Dies trifft aber nicht immer zu, z. B. bei Webserien (z. B. iam.meyra oder Druck), die über Instagram oder Snapchat in Echtzeit verfolgt werden. Es ist kaum zu erkennen, dass es sich um Schauspielerinnen und nicht um echte Personen handelt. Deshalb bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch darüber, was es sich anschaut und machen Sie es darauf aufmerksam, dass nicht alles real ist, was es in solchen Netzwerken findet.

Medien selber machen?!

Bilder malen, kneten oder aus Kastanien lustige Figuren basteln… Das sind typische Dinge, die Sie wahrscheinlich auch schon mit Ihren Kindern zu Hause gemacht haben. Aber Medien selber machen?! Typischerweise guckt man die doch nur oder spielt vielleicht mal ein Computerspiel. Dabei ist es gar nicht so schwer, kreativ zu werden und gemeinsam etwas zu produzieren. Und Spaß macht es auch!

Heute gibt es in jedem Haushalt mindestens ein Smartphone. Auch Tablets sind in vielen Familien vorhanden. Diese Geräte bieten unzählige Möglichkeiten zur Medienproduktion, die man einfach mal ausprobieren kann, weil sie meist gar nicht kompliziert sind. Smartphone und Tablet besitzen mindestens eine Kamera und ein eingebautes Mikrofon. In den App-Stores gibt es außerdem jede Menge Apps zur kreativen Gestaltung – für die Bildbearbeitung und zur Erstellung von Fotocollagen, um Trickfilme zu produzieren und Videos zu schneiden, zum Malen und Hörspiele machen und vieles mehr.

Indem man Medien selbst produziert, kann man eine Menge lernen und viel Spaß haben – und zwar Kinder und Erwachsene! Man lernt die technische Handhabung der Geräte und wie bestimmte Medien gemacht sind. Man erfährt, dass es ein bisschen Zeit braucht, bis ein Produkt so aussieht, wie man es sich vorstellt. Dabei ist Medienmachen nicht nur etwas für die Älteren. Schon Kindergartenkinder können einfache Trickfilme drehen oder Fotos bearbeiten. Vielleicht entdecken Sie dabei auch bisher verborgene Talente bei Ihrem Kind.

In den Beiträgen unterhalb dieses Artikels finden Sie unsere Anleitungen zum Medienmachen, um das gemeinsam mit Ihren Kindern auszuprobieren.

Reiten, chatten, Rätsel lösen mit Star Stable

Ein Online-Spiel zum Thema Pferde – nur für Mädchen!?

Jungs spielen gerne Fußball und Fifa – Mädchen mögen Pferde und spielen gerne Star Stable. So einfach ist es glücklicherweise nicht. Die Entwickler des Online-Rollenspiels Star Stable scheinen jedoch diese Ansicht zu vertreten und haben das Spiel besonders auf „Pferdemädchen“ ausgelegt. Und das Spiel erfreut sich großer Beliebtheit.

Kurz gefasst

  • Online-Rollenspiel für den Computer
  • Erstellung eines Accounts notwendig
  • Spielende kreieren einen eigenen Charakter und ein Pferd
  • ab Level fünf kostenpflichtig
  • Charaktere sind ausschließlich weiblich

Worum geht’s?

Star Stable ist ein Online-Rollenspiel für den Computer. Die Spielenden reiten mit einem Pferd über eine Insel und treffen dabei auf andere Reiterinnen, mit denen sie über einen Chat kommunizieren können. Durch das Erfüllen von Aufträgen, Lösen von Rätseln und durch Turniere erhält man Zugang zu neuer Kleidung und besserer Reitausrüstung. Bis zum fünften Level ist das Spiel kostenlos, anschließend gibt es verschiedene Bezahlmodelle für die Vollversion: Für drei Monate kostet das Spiel 15,99 €, mit der einmaligen Zahlung von 89,99 € kann man unbegrenzt Star Stable spielen.

Was begeistert Kinder an dem Angebot?

Star Stable bietet eine große virtuelle Welt, die man als Charakter entdecken kann. Der Spielverlauf kann selbst gestaltet werden. Die Charaktere, in die Ihr Kind schlüpfen kann, sowie dessen Pferde können individuell angepasst werden und erscheinen einzigartig. Gerade Mädchen, die sich bereits für Pferde interessieren, können hier ihre Liebe zu den Tieren ausleben. Die Grafik ist ansprechend und realitätsnah, so dass sie das Gefühl bekommen können, selbst auf einem Pferd zu sitzen. Schöne Landschaften und Farben schaffen ein Wohlgefühl.

Das Pferdespiel hat bereits eine große Community. Auch auf YouTube gibt es etliche Let’s Play-Formate zu Star Stable, bei denen Spielerinnen Tipps geben und ihr eigenes Spielen unterhaltsam kommentieren.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Das Spiel erfordert das Erstellen eines Accounts. Nachdem man die ersten Level kostenlos spielen durfte, möchten Kinder gern weiterspielen und sind eventuell dazu bereit, für die kostenpflichtige Vollversion zu zahlen. Außerdem gibt es eine virtuelle Währung, die sogenannten Star Coins. Diese erhält man zum Beispiel, indem man Aufgaben erledigt. Ungeduldige Spielende können diese aber auch im Shop von Star Stable direkt kaufen.

Star Stable bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, seinen Charakter und das Pferd nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, z. B. Haarfarbe und Make-Up. Die Option, einen männlichen oder geschlechtsneutralen Charakter zu erstellen, fehlt. Auch wenn Pferde bei Mädchen besonders beliebt sind, wird so das Mitspielen von Jungen von Anfang an ausgeschlossen. Das Spiel vermittelt, dass Pferde und Reiten nichts für Jungs sind. Damit greift Star Stable auf klassische Geschlechterrollen zurück, wodurch sich sowohl Jungen als auch Mädchen diskriminiert fühlen können.

Die Chatfunktion birgt das Risiko von Cybermobbing und Cybergrooming, da darüber unbekannte Personen in Kontakt mit Ihrem Kind treten können, die möglicherweise keine guten Absichten haben. Lesen Sie unsere Beiträge dazu! Auch eine unangemessene Sprache, wie Hate Speech, kann in solchen Chats auftreten und unangenehm für Ihr Kind sein.

Was meint der Anbieter?

Auf Star Stable haben die Spielemacher Informationen für Eltern bereitgestellt. Darin betonen sie die positiven Aspekte des Spiels, wie das Erlernen sozialer Fähigkeiten und die Entwicklung eines Verantwortungsbewusstseins durch den Umgang mit virtueller Währung. Es wird darauf verwiesen, dass Eltern ihre Kinder über mögliche Risiken und Gefahren des Internets aufklären sollten. Dafür wurden die Star Stable-Regeln gesondert aufgeführt. Eine Altersempfehlung gibt es nicht.

Um einen Account zu erstellen, muss Ihr Kind eine E-Mail-Adresse sowie das Geburtsdatum angeben. Unter 18-Jährigen sollen vorab die Erlaubnis der Eltern einholen, was nur durch die Angabe eine Eltern-E-Mail-Adresse abgesichert werden muss. Man kann allerdings auch einfach angeben, schon mind. 18 Jahre alt zu sein.

Die Spielemacher betonen, mit persönlichen Daten von Kindern besonders sensibel umzugehen und sich an die Richtlinien der Organisation PRIVO-Cert™ Safe Harbor zu halten, welche sich dem Schutz online gesammelter persönlicher Daten von Kindern widmet. Außerdem heißt es, werden weder derzeitig noch in der Zukunft Informationen oder Details zum Konto an Dritte weitergegeben.

Was sollten Eltern beachten?

Da es keine konkrete Altersempfehlung gibt, sollten Sie sich das Spiel vor dem ersten Spielen durch Ihr Kind selbst anschauen. So können Sie einschätzen, ob Ihr Kind schon mit den Inhalten, Funktionen und schnellen Bildern zurechtkommt.

Sprechen Sie mit ihm oder ihr auch über mögliche anfallende Kosten, wenn es Gefallen am Spiel findet. Klären Sie gleich zu Beginn, wie Sie damit umgehen. Machen Sie darüber hinaus deutlich, dass die Währung Star Coins durch reales Geld gekauft werden muss.

Sprechen Sie außerdem über Gefahren wie Hate Speech oder Cybergrooming, die durch das Spielen und Chatten mit anderen Usern bestehen.

Star Stable bietet neben dem Online-Spiel auch Apps für das Handy, mit denen man noch mehr in die Welt der Pferde abtauchen kann. Setzen Sie Zeitlimits, damit Ihr Kind sich nicht vollkommen in der virtuellen Welt verliert. Mehr Tipps dazu gibt es in unserem Beitrag: Games in der Familie.

Versuchen Sie Ihrem Kind verständlich zu machen, dass Pferde und Reiten nicht nur ein Thema für Mädchen ist. Sollte Ihr Sohn das Spiel spielen wollen, ermutigen Sie ihn trotz der einseitigen Perspektive der Spielemacher dazu, das Spiel zu spielen.

Google Family Link – die Smartphonenutzung von Kindern kontrollieren?

Haben Sie Sorge, dass Ihr Kind, sobald es ein eigenes Smartphone hat, zu viel Zeit damit verbringt und auf Inhalte zugreift, die nicht altersgemäß sind?  Die App Google Family Link für Eltern und für Kinder möchte Abhilfe schaffen und bietet einige Möglichkeiten, die Handynutzung des Kindes gemeinsam zu regulieren.

Kurz gefasst:

  • Kinderkontos für Google-Dienste erstellen und verwalten
  • Die App ist kostenlos für iOS und Android
  • Zielgruppe der App sind Eltern
  • Einrichtung verschiedener Accounts je nach Alter, aber auch Kontrolle und “Überwachung” der kindlichen Handynutzung

Was ist Google Family Link für Eltern?

Mit Google Family Link können Eltern für Kinder unter 16 Jahren einen eingeschränkten Google-Account einrichten und die Smartphone-Nutzung Ihres Kindes im Blick behalten, wenn es sich um ein Android-Gerät handelt. Dafür muss Google Family Link für Kinder zunächst auf dem Smartphone Ihres Kindes eingerichtet werden. Auf Ihrem Gerät können Sie über die App Google Family Link für Eltern Einstellungen für das Gerät Ihres Kindes vornehmen.

Über die App lassen sich unter anderem Nutzungszeiten für das Smartphone festlegen, der Zugriff auf bestimmte Apps beschränken oder In-App-Käufe sperren. Man kann damit nachvollziehen, welche Apps das Kind wie oft verwendet. Auch die Nutzung des Handys selbst lässt sich einschränken und das Handy des Kindes kann mit der App geortet werden. Die Einstellungen lassen sich auch online – ohne Smartphone – über ein Google-Konto der Eltern vornehmen.

Seit dem Update im September 2019 hat die App noch weitere Funktionen: Nun können Eltern die maximale Nutzungsdauer für jede App einzeln bestimmen. Außerdem ist es möglich, nach Ablauf der festgelegten maximalen Nutzungsdauer eine Bonuszeit draufzulegen (in Schritten von 5 Minuten).

Was kann problematisch an Google Family Link sein?

Aus Elternsicht sind die angebotenen Funktionen sinnvoll, weil verhindert werden kann, dass Kinder zu viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen oder dass ungeeignete Apps genutzt werden. Kritisch zu sehen ist die App, wenn sie nicht zum Schutz der Kinder eingesetzt wird, sondern um sie zu kontrollieren oder gar zu überwachen. Deshalb sollte die Nutzung der App vorher unbedingt mit dem Kind besprochen und mit ihm gemeinsam eingerichtet werden!

Da es eine Google-App ist, kann sie vorrangig für Google-Dienste und Android-Geräte genutzt werden. Andere Apps lassen sich darüber nicht steuern. Hinzu kommt, dass Google Family Link selbst keine unangemessenen oder jugendgefährdenden Inhalte blockiert, sondern ganze Angebote zulässt oder freigibt – je nach Einstellung, die Sie als Eltern getroffen haben. Es kann z. B. sein, dass Ihr Kind trotz App bei YouTube Videos vorgeschlagen bekommt, die Gewalt beinhalten. Um Inhalte bei YouTube einzuschränken, müssen Sie in der YouTube-App selbst Filtereinstellungen vornehmen. Auch Werbung innerhalb der Google-Apps kann mit der Google Family Link nicht ausgeschaltet werden.

Das Unternehmen Google erhält durch die Einrichtung eines Kinderkontos Zugang zu den Daten und dem gesamten Nutzungsverhalten Ihres Kindes.

Was sagt der Anbieter?

Für Google stellt Family Link eine Unterstützung der Medienerziehung in der Familie dar, da gemeinsame Nutzungsregeln vereinbart und über die App kontrolliert werden können. Es soll ermöglicht werden, Kinder bei der Handynutzung zu beaufsichtigen.

Auch wenn keine unangemessenen Inhalte mit der App gefiltert werden können, werden Eltern gezielt auf Filtermöglichkeiten bestimmter Dienste, wie die SafeSearch-Funktion in der Google-Suche, den Jugendschutzfilter im Google-Browser Chrome oder den eingeschränkten Modus von YouTube, hingewiesen. Mehr dazu in der Hilfe von Google.

Was sollten Eltern beachten?

Überlegen Sie genau, ob die Nutzung einer solchen App für Ihre Familie das Richtige ist. Bei jüngeren Kindern kann es sinnvoll sein, ein gewisses Maß an Kontrolle auszuüben. Egal, wofür Sie sich entscheiden, ist dies ein guter Anlass, sich gemeinsam Nutzungsregeln für Smartphone & Co. zu überlegen.

Die Verwendung von Google Family Link erfordert immer, dass das Handy Ihres Kindes Internetzugang hat. Möglicherweise ist das nicht gegeben oder Ihr Kind soll nicht ständig online sein.
Wenn Sie sich für die Nutzung entscheiden, sollten Sie die App zusammen mit Ihrem Kind installieren und einrichten. Sprechen Sie  darüber, welche Funktionen sinnvoll sind, um die Nutzungsregeln einzuhalten. Welche Einstellungen sind nicht notwendig, weil Ihr Kind schon reif genug ist, selbst darauf zu achten? Besprechen Sie sich in regelmäßigen Abständen, ob die App und ihre Einstellungen noch sinnvoll sind oder sie deaktiviert werden können. Wenn Sie die App für mehrere Handys nutzen wollen, können Sie verschiedene Unterkonten je nach Alter des Kindes einrichten.

Auch was die Datennutzung durch Google angeht, sollten Sie die Einstellungen genau prüfen. Bei der Datenspeicherung sind automatisch bestimmte Funktionen aktiviert, die Sie ausschalten können. Lesen Sie mehr zu Installation und Einrichtung der App bei mobilsicher.de.

TikTok

Die Social-Media-Stars und Zwillinge Lisa und Lena wären heute nicht so berühmt, wenn sie nicht über die App musical.ly mit ihren Playback-Videos so viele Menschen erreicht hätten. Der Nachfolger TikTok (seit 2018) bietet neben kurzen Playback- oder Lipsynch-Videos noch mehr: kreative Kurzvideos aller Art.

Kurz gefasst:

  • kostenloses Social-Media-Videoportal
  • unter Teenagern eine der beliebtesten Apps weltweit
  • Mindestalter: 13 Jahre (mit Einverständnis der Eltern)
  • verfügbar für Smartphones und Tablets (Android und iOS)
  • in der Kritik wegen unzureichendem Jugend- und Datenschutz sowie Einschränkung der Meinungsfreiheit

Was ist TikTok?

TikTok ist Social-Media-Plattform und Video-App in einem: User können bei TikTok aus einer bunten Sammlung von bekannten Popsongs, beliebten Audios und Zitaten, z. B. aus Filmen, wählen. Dazu „singen“ oder „sprechen“ sie Playback und filmen ihre Choreographie innerhalb der App mit dem Smartphone. Die meisten Videos sind nur 15 oder 60 Sekunden lang. Bestimmte Videos lösen einen richtigen Hype aus, werden nachgeahmt oder im Sinne einer Challenge weitergeführt.

Die Videos einiger TikToker, deren Account öffentlich ist, kann man anschauen und kommentieren, ohne dass man bei der App angemeldet sein muss. Um selbst Videos zu erstellen, braucht man aber einen Account. Im privaten Modus ist mehr Kontrolle möglich und man entscheidet selbst, wen man als Follower zulässt oder nicht.

Was begeistert Kinder und Jugendliche an dem Angebot?

Wie andere Social-Media-Plattformen auch nutzen Jugendliche TikTok gern für den Austausch untereinander. Sie lassen sich unterhalten, suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können, stellen sich selbst dar und erhoffen sich positive Rückmeldung von anderen. Die App ist außerdem eine tolle Plattform, um seine Kreativität auszuleben. Aus der einstigen Playback-App ist eine bunte Videoplattform geworden, auf der sich Jugendliche ausprobieren, miteinander messen, vergleichen und darstellen können – mit Challenges, Video-Memes und vielem mehr.

Vor allem Mädchen ab 10 oder 11 Jahren begeistern sich für TikTok. Wenn die Jugendlichen älter werden, scheint die App nicht mehr so spannend zu sein.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Es gibt eine Reihe von Dingen, die Sie und Ihr Kind vor der Nutzung der App berücksichtigen sollten:

  • Kinder ab 13 Jahren brauchen für die Anmeldung das Einverständnis der Eltern. Das Alter wird bei der Registrierung aber nicht überprüft.
  • Die Voreinstellungen der App sind gerade für Heranwachsende unsicher: Die Profile und ihre Inhalte sind öffentlich einsehbar, über die Suchfunktion ist das Profil auffindbar und man kann von Fremden angeschrieben werden, solange man die Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend angepasst hat.
  • Angezeigte Videos werden nicht gefiltert, wodurch Jugendliche mit für sie ungeeigneten Inhalten in Berührung kommen können. Da die Beiträge nicht moderiert werden, können kritische Inhalte in den Kommentaren auftreten und es ist ein hohes Risiko von Cybergrooming und Cybermobbing vorhanden.
  • Die Nutzer haben keine Rechte an den Song- oder Filmausschnitten. Die erstellten Videos sollten deshalb nicht außerhalb der App geteilt werden, da sie sonst gegen die Bild- und Urheberrechte verstoßen. Sind andere Personen im Video zu sehen, muss man sie immer um Erlaubnis fragen. TikTok erhält außerdem die Rechte an den veröffentlichten Videos.
  • Der Anbieter Bytedance finanziert sich über Werbung. Die Anzeigen im Videoformat sind von den Kurzclips der User kaum zu unterscheiden. Mit einem virtuellen Münzsystem können TikToker zudem ihr Guthaben aufladen. Davon lassen sich Emojis für die eigenen oder fremde Videos kaufen.
  • Manche Challenges, die in sozialen Netzwerken kursieren, können gefährlich werden oder befördern problematische Verhaltensweisen, z. B. Essstörungen. TikTok blockiert solche Inhalte nicht.
  • Die Löschung eines Accounts ist derzeit nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Was sagt der Anbieter?

TikTok ist sich der Gefahr von verstörenden und unerwünschten Inhalten bewusst. Es gibt allerdings nur wenige Sicherheitseinstellungen, obwohl die App laut Anbieter für Kinder ab 13 Jahren geeignet ist. TikTok verweist nach der Registrierung mittels eines roten Punktes auf die Einstellungen. Eine Erklärung dazu liefert der Dienst aber nicht. Immerhin gibt es Tipps für Eltern im “Safety Center” der Webseite. So lassen sich z. B. Userkonten melden und/oder blockieren.

TikTok steht wegen seiner Moderationsregeln stark in der Kritik, denn offenbar wird stark kontrolliert, welche Videos die Nutzer sehen können.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind sich bei TikTok anmelden möchte, fragen Sie nach seiner Motivation. Richten Sie gemeinsam einen Account ein und probieren Sie gemeinsam die ersten Schritte aus. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die möglichen Gefahren. Besonders wichtig ist, auf die Privatsphäre zu achten und in den Videos nicht zu viel von sich preiszugeben. Am sichersten ist es, den eigenen Account auf privat zu schalten. So ist die Kommunikation nur mit Freundinnen und Freunden möglich und Ihr Kind behält den Überblick darüber, wer die Videos sehen kann.

Versichern Sie Ihrem Kind, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, sollte es Beleidigungen erhalten oder belästigt werden. Zeigen Sie ihm außerdem, wie man unangemessene Inhalte blockieren und melden kann. Um die eigene Privatsphäre und die von anderen besser zu schützen, muss bei einem Video nicht unbedingt immer das Gesicht zu sehen sein. Mit Hilfe von Emoji-Stickern oder anderen kreativen Lösungen ist das möglich.

Jugendliche im digitalen Stress

Das Smartphone brummt in der Tasche und wenn Sie draufschauen, warten 15 neue Nachrichten in der Familiengruppe und eine Sprachnachricht der besten Freundin auf eine Antwort. Das kann schon mal nerven oder sogar stressig sein – auch für Kinder und Jugendliche, wenn sie ein eigenes Smartphone haben. In einer neuen Studie wurde herausgefunden, dass sich viele 11- bis 17-Jährigen von der Nutzung digitaler Geräte gestresst fühlen. Aber wie kommt das?

Was steckt hinter digitalem Stress?

Die meisten Jugendlichen – aber auch viele Erwachsene – gehen davon aus, dass sie auf Nachrichten bei WhatsApp, Instagram und Co. innerhalb weniger Minuten eine Antwort bekommen oder reagieren müssen. Diese Erwartung auf beiden Seiten kann zu Stress führen, weil man denkt, immer erreichbar sein zu müssen.

Für Kinder und Jugendliche gehört es dazu, sich ständig mit seinen Freundinnen und Freunden via Messenger-Apps oder über soziale Netzwerke auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Damit ist aber auch ein sozialer Druck verbunden. Wenn man sich z. B. in Gruppenchats nicht beteiligt, fürchten vor allem jüngere Jugendliche, auch auf dem Schulhof ausgeschlossen zu werden. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich der Nachrichtenflut zu entziehen.

Schon morgens nach dem Aufwachen geht bei vielen Jugendlichen als Erstes die Hand ganz automatisch zum Smartphone. Das passiert auch zu anderen Zeiten – oft ganz unbewusst oder aus Langeweile.

Gleichzeitig sind viele Jugendliche genervt, dass ihre Freundinnen und Freunde ständig auf das Handy schauen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Andersherum können sie selbst nur schwer den Blick vom Handy lösen und checken das Smartphone ständig auf eingegangene Nachrichten. Wenn eine rote Zahl am App-Symbol auf dem Display erscheint, ist man aufgeregt und neugierig. Es ist ein kleines Glücksgefühl, das man so oft wie möglich haben möchte und auch deshalb ständig aufs Handy schaut.

Digitaler Stress hängt vor allem mit ständiger Erreichbarkeit, Ablenkung und Kontrolle zusammen. Ältere Jugendliche sind sich dem Problem aber oft schon bewusst und versuchen, eigene Lösungen dafür zu finden.

Strategien gegen digitalen Stress

Im Zeitalter von Smartphones, mobilem Internet und Messengern kann wohl fast jede oder jeder etwas mit dem Begriff digitaler Stress anfangen. Viele Kinder und Jugendliche stört es, dass auch ihre Eltern zu oft auf das Smartphone gucken. Wenn Sie sich selbst von Ihrem Smartphone gestresst fühlen, sprechen Sie offen mit Ihrem Kind darüber, dass Sie nachvollziehen können, wenn es das Smartphone nicht aus der Hand legen kann.

Finden Sie zusammen mit der ganzen Familie Strategien, um den Stress zu verringern. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf, um die Zeit am Handy zu reduzieren. An diese Regeln, wie zum Beispiel ein Handyverbot beim gemeinsamen Essen, müssen sich dann natürlich auch die Erwachsenen halten!

Es kann außerdem nützlich sein, regelmäßig für eine begrenzte Zeit den Flugmodus einzuschalten, um sich ganz bewusst der Nachrichtenflut zu entziehen. Oder Sie verabreden eine “digitale Diät”, bei der alle Familienmitglieder einige Zeit komplett auf digitale Medien und Internet verzichten. Wenn Sie stattdessen als Familie etwas Schönes zusammen unternehmen, fällt der Verzicht vielleicht nicht ganz so schwer!

Flirten und Dating im Netz

Freundschaften im Leben Ihres Kindes sind wichtig und werden mit der Zeit immer enger. Irgendwann kommt das Verliebtsein dazu und erste Beziehungen werden geführt. Welche Rolle das Smartphone und bestimmte Apps für das Kennenlernen und den regelmäßigen Kontakt spielen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Welche Apps werden zum Flirten und Kontakthalten genutzt?

Beim Thema Flirten denkt man zuerst an spezielle Dating-Apps. Um Kontakt mit Gleichaltrigen zu halten, nutzen viele Jugendliche aber vor allem die vertrauten Plattformen wie WhatsApp oder Instagram: Man kennt sich aus der Schule oder vom Sportverein. Außerhalb von Schule und Training werden Messenger oder Social-Media-Dienste genutzt, um sich näher kennenzulernen. Man kann z. B. ganz unauffällig verfolgen, was der neue Schwarm bei Instagram postet. Man fühlt sich der ersten Freundin näher, wenn sie abends vor dem Schlafen noch einen lieben Gruß per WhatsApp verschickt.

Dating-Apps oder Online-Singlebörsen werden für Jugendliche nach und nach interessant – etwa ab 14 Jahren. Es gibt allerdings nur wenige Kontaktportale, die sich an Jugendliche richten oder für sie geeignet sind, da sich hier vor allem Personen ab Ende 20 tummeln. Die meisten Communities erlauben die Teilnahme auch erst ab 18 Jahren. Nur wenige Flirtseiten – wie Jappy oder Kwick – bieten ihren Service schon für jüngere Jugendliche an.

Mit Apps wie Tinder, Lovoo usw. soll man Menschen in der Nähe oder mit ähnlichen Interessen kennenlernen. Da sie oft spielerisch aufgemacht sind, sind sie auch für Jugendliche spannend: Man bekommt ein Bild von einer anderen bei der App registrierten Person angezeigt und entscheidet durch einen Wisch nach links oder rechts, ob man sie attraktiv findet. Bei Tinder darf man sich erst anmelden, wenn man mindestens 18 Jahre alt ist. Lovoo ist schon für 16-Jährige erlaubt. Eine Kontrolle, ob man wirklich so alt ist, findet bei diesen Apps allerdings nicht statt.

Welche Risiken gibt es?

Gerade beim Flirten über das Internet ist Vorsicht geboten, weil man sein Gegenüber nicht sieht. Man weiß nicht, ob stimmt, was eine Person über sich schreibt und welche Interessen wirklich dahinterstecken. Jede und jeder kann sich bei einem Portal oder einer Social-Media-Plattform anmelden – ob volljährig oder nicht. Wenn man Kontakt mit Fremden aufnimmt, besteht die Gefahr des Cybergroomings, also das Anbahnen von sexuellen Beziehungen mit Minderjährigen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag.

Wenn Jugendliche anfangen, sich zu verlieben und erste Beziehungen führen (wollen), besteht auch die Gefahr von Sexting und Cybermobbing: Einige Jugendliche lassen sich schnell dazu überreden, freizügige Bilder von sich zu verschicken, ohne sich den Konsequenzen und Gefahren bewusst zu sein.

Worauf sollten Sie und Ihre Kinder achten?

Auch wenn man die Person kennt, mit der man über einen solchen Dienst chattet, sollte man darauf achten, was man schreibt und welche Fotos man von sich verschickt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass Inhalte im Netz auch ungewollt schnell weiterverbreitet werden können.

Egal, welche App Ihr Kind für die Kommunikation nutzt, weisen Sie es auf die Privatsphäre-Einstellungen hin. Am besten gehen Sie diese gemeinsam durch und überlegen, welche Einstellungen sinnvoll sind. Wenn Ihr Kind z. B. Instagram nutzt, sollte es ein privates Profil erstellen, so dass Inhalte nur von Bekannten gesehen werden und Fremde keine Nachrichten schreiben können.

Nutzt Ihr Kind Snapchat? Hier gibt es die spannende Funktion, Fotos zu verschicken, die nach dem Lesen anscheinend automatisch gelöscht und nicht lokal auf dem Gerät des Empfängers oder der Empfängerin gespeichert werden. Aber Vorsicht, denn z. B. ein leichtsinnig verschicktes Bild mit unvorteilhaften oder sexuellen Inhalten könnte vom Gegenüber per Screenshot abfotografiert und später missbraucht werden. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Sexting. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über dieses Thema, bevor es eine solche App verwendet.

Achten Sie außerdem darauf, dass die Standort-Funktion von Kommunikations- und Dating-Apps ausgeschaltet ist. Diese ist besonders gefährlich, da fremde (oder unerwünschte) Personen einen aufspüren können.

Bevor sich Ihr Kind mit einer noch unbekannten Person trifft, kann man sich bei einem Telefonat kennenlernen. Um sicherzugehen, dass niemand Böses hinter einem Online-Flirtversuch steckt, sollte man sicherheitshalber mit unterdrückter Nummer anrufen.

Wenn es zu einem Treffen kommen soll, sollte immer eine erwachsene Person Bescheid wissen. Diese kann dann z. B. mit zu dem Treffen kommen und sich im Hintergrund aufhalten. Als Treffpunkt wählt man zur Sicherheit einen öffentlichen Ort, wo sich viele andere Personen aufhalten. Außerdem sollte das Treffen tagsüber stattfinden, wenn es draußen noch hell ist.

Sprechen Sie vor der Nutzung mit Ihren Kindern über die Gefahren und erfragen Sie regelmäßig, welche Portale und Apps Ihr Kind nutzt, was es dort macht oder mit wem es spricht. Generell gilt: Think before you post – Denk nach, bevor du postest! Denn was einmal im Netz ist, bleibt im Netz. Achten Sie als Eltern darauf, was Ihr Kind im Netz veröffentlicht.

Und wenn Ihr Kind nicht mit Ihnen über solche Dinge sprechen möchte, gefällt ihr oder ihm vielleicht die Seite handysektor.de, die viele Themen rund um digitale Medien jugendgerecht behandelt.

 

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