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Spielerische Lernseiten für Grundschulkinder

Für Erwachsene und Jugendliche ist es selbstverständlich, im Internet nach Informationen zu suchen und Suchmaschinen zu verwenden. Jüngere Kinder, die gerade erst lesen und schreiben lernen, müssen erst ans Lernen übers Netz herangeführt werden. Denn es ist nicht leicht, die geeigneten Inhalte aus den großen Mengen an Informationen herauszufiltern. Außerdem sind viele Inhalte nicht für Kinder gemacht, sondern richten sich an Erwachsene. Das kann Kinder schnell überfordern.

Zum Glück gibt es online ein gutes Angebot von deutschsprachigen Kinderseiten. Die machen nicht nur Spaß, sondern helfen auch beim Lernen.

Warum sollen wir spezielle Internetseiten für Kinder nutzen? 

Wie in den ersten Jahren Kinderbücher geeignet sind, um Lesen zu lernen, sollten auch

für die ersten Schritte im Netz auf Kinder ausgerichtet Angebote genutzt werden. Solche Kinderseiten sind verständlich und einfach in der Sprache. Sie sind nicht überladen, so dass Internet-Anfänger sich gut orientieren und den Umgang mit digitalen Medien lernen können. Kinder können auf diesen Seiten in einer sicheren Umgebung selbst mitmachen: Sie können mit anderen Kindern in Kontakt treten und ihre eigene Meinung äußern.

Außerdem können Kinderseiten als Lernunterstützung dienen, weil sie kindgerechte Informationen zu vielen verschiedenen Themen bieten und diese häufig spielerisch umgesetzt sind.

Was macht gute Kinderseiten zum Lernen aus? 

  • Sie sind bestärkend, begeisternd und anregend.
  • Sie haben für Erwachsene und Kinder klare und transparente Ziele.
  • Sie sind benutzerfreundlich.
  • Sie haben vertrauenswürdige Inhalte.
  • Sie bieten Sicherheit und Privatsphäre.
  • Sie legen Funktionen offen und gehen verantwortungsbewusst mit Werbung oder Produktnennungen um.

Welche Kinderseiten eignen sich für welche Lernthemen?

Rund ums Sprache- und Deutschlernen empfehlen wir folgende Seiten:

  • Amira ist eine Leseprogramm für Grundschüler. Neben Deutsch werden noch 8 weitere Sprachen angeboten. Amira erfordert die Registrierung auf der Seite.
  • Die Rechtschreibwerkstatt von Graf Ortho ist sehr einfach gehalten und hilft Schülerinnen und Schülern bei der deutschen Rechtschreibung.
  • Legakids unterstützt bei Legasthenie. Mit dem Lesemonster Lurs lernen Kinder mit Schreib- und Leseproblemen umzugehen.
  • Auf Gebärdengrips gibt es für gebärdenortientierte Kinder Erklärvideos in Gebärdensprache (und Lautsprache) zu ganz verschiedenen Themen. Auch andere Kinder können hier etwas über Gebärdensprache erfahren und lernen.
  • Beim Englischlernen hilft die Seite englischlernspiele.de. Hier können Schülerinnen und Schüler oder Eltern und Lehrpersonen Vokabeltests und andere Lernspiele machen oder selbst erstellen.
  • Kinder, die Englisch bereits verstehen und lesen können, finden auf der englischsprachigen Seite LearnEnglish Kids des British Council Sprachspiele, Lieder und vieles mehr.

Empfehlenswerte Seiten zu den Themen Mathematik und Sachkunde:

  • Bei der witzig aufgemachten Seite Coollama finden Grundschulkinder Mathespiele, Übungsblätter und mehr. Die Seite bietet außerdem Material für Eltern und Lehrpersonen. 
  • Wer seine Hausaufgaben erledigt hat, aber gern noch mehr Aufgaben für die Fächer Erdkunde, Geschichte und Mathematik (über das Grundschulniveau hinaus) sucht, wird beim Aufgabenfuchs fündig.
  • Das Online-Umweltmagazin Ökoleo bietet viel Wissenswertes und Anregungen zu Umwelt- und Sachkundethemen für Kinder mit etwas mehr Interneterfahrung. 
  • Auf dem Junior-Portal des WWF – einer der größten Naturschutzorganisationen der Welt – können Kinder viel über Tiere, Natur und Umwelt lernen.
  • NAJUversum ist eine Onlineplattform des Jugendverbandes des Deutsches Naturschutzbundes. Hier können Kinder im Grundschulalter die verschiedenen Lebensräume unseres Landes erkunden und sich Anregungen zum Basteln und Forschen holen. 
  • Tierchenwelt ist ein Online-Lexikon zum Thema Tiere – mit Texten, Fotos, Videos, Spielen und mehr.

Auch in den Bereichen Kunst und Kreativität gibt es vieles zu lernen:

  • Auf der Foto-Plattform Knipsclub können Kinder etwas über Fotografie lernen und sich, wenn sie registriert sind, auch in einem geschützten Raum austauschen. 
  • Viele Kinder malen gern. Beim Kritzel Klub können sie das digital auf einer virtuellen weißen Fläche mit unterschiedlichen Werkzeugen tun. 
  • Bei Labbé gibt es Bastel- und Spielideen für Kinder. Die zahlreichen Anregungen können auch für Eltern sehr hilfreich sein.  

Folgende Seiten beschäftigen sich mit den Lernthemen Religion und Gesellschaft:

  • Die Webseite Religionen entdecken richtet sich an Kinder und Jugendliche, die darüber jede Menge über die verschiedenen Religionen lernen können. 
  • Kirche entdecken ist eine Kinderseite der evangelischen Kirche. Mit Kira, der Elster, können Kinder virtuell eine Kirche oder die Geschichte von Martin Luther erkunden. 
  • Viele Kinder verstehen nicht, warum Menschen auf der Welt Krieg führen. Die Seite Frieden fragen greift Sorgen und Fragen von Kindern dazu kindgerecht auf.
  • Die Seite Hanisauland bietet Kindern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren einfache und verständliche Zugänge zum Thema Politik.
  • Kindersache ist ein Angebot vom Deutschen Kinderhilfswerk. Hier finden Kinder aktuelle und kindgerechte Nachrichten, das Videoportal JUKI, ein Trickfilmstudio und zahlreiche Mitmachangebote.

Es gibt auch Kinderseiten, die sich keinem bestimmten Themenfeld widmen, sondern die das Lernen fächerübergreifend unterstützen:

  • Auf Homeschooling4kids gibt es Lernmaterial für verschiedene Fächer (in der Grundschule) für das abwechslungsreiche Lernen zu Hause. 
  • Auf Kid Station geht es um die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr und im Internet. Die spielerisch aufgemachte Seite ohne viel geschriebenen Text richtet sich an Kinder zwischen 4 und 9 Jahren.
  • In der Hamsterkiste finden Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 6 Lerngeschichten und Themenseite zu verschiedenen Schulfächern.
  • Planet Schule, das Schulfernsehen von SWR und WDR, hat ein Internetportal für Kinder im Grundschulalter – mit Filmen, interaktiven Spielen und mehr.
  • Verschiedene Seiten bieten gute Lexika für Kinder, um verständliche Erklärungen zu Begriffen und Themen zu finden: Das Minilexikon eignet sich für Leseanfänger. Außerdem empfehlen wir Klexikon und die Schulsuchmaschine von fragFINN.

Diese Sammlung ist nur eine Auswahl guter Kinderseiten zum Lernen. Wenn Sie weitere gute Seiten kennen, teilen Sie Ihre Erfahrungen gern über unser Kontaktformular oder via Social Media auf unserem Facebook- oder Instagram-Kanal. 

Politik für Kinder

Wann immer es an politische Wahlen geht, bekommen auch Kinder davon mit. Ob es Plakate an Straßenlaternen sind, Gespräche über Kandidatinnen und Kandidaten am Küchentisch, Wahlwerbung in den Medien oder Infostände der Parteien mit Luftballons in der Einkaufsstraße.

Auch wenn Kinder und Jugendliche selbst noch nicht wählen dürfen, merken sie gerade bei Themen wie Klimaschutz, Corona und Bildung, dass Politik auch sie betrifft. Vielleicht stellt Ihr Kind bereits Fragen oder Sie möchten ihm politische Themen näher bringen. Im Internet gibt es gute Angebote, die solche Inhalte sicher und kindgerecht aufbereiten: 

  • Kuppelkucker ist das Kinder-Internetportal vom Deutschen Bundestag. Kinder zwischen 5 und 11 Jahren können gemeinsam mit Karlchen, dem Adler, den Bundestag und die deutsche Politik erkunden. Spiele, Erklärfilme, ein Lexikon und einiges mehr gibt es auf der Seite. Auch Eltern und Lehrpersonen finden hier hilfreiche Inhalte. 
  • HanisaulLand ist ein Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Die Seite richtet sich an Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren. Sie sollen darüber einfache und verständliche Zugänge zum Thema Politik erhalten. Herzstück und Ursprung ist ein Comic mit Hase (=Ha), Nilpferd (=Ni) und Sau. Es gibt viele verständliche Informationen, Tipps, Unterhaltung und aktive Mitmachangebote rund um politische Themen. Das Lexikon ist auch auf Arabisch verfügbar.
  • Im Fernsehen und den Mediatheken gibt es ebenfalls kindgerechte Serien und Videos, die sich mit Politik beschäftigen: Die Maus erklärt die Bundestagswahl und es gibt eine Logo-Sonderseite zu Wahlen und Politik in Deutschland. Beim KIKA gibt es noch viel mehr Videos rund um Politik – verständlich für Kinder aufbereitet. 
  • Geolino klärt darüber auf, wie Kinder doch ein Mitspracherecht bei Wahlen haben – nämlich über das Gespräch mit Oma und Opa oder anderen Erwachsenen.
  • In unserem Beitrag Nachrichten für Kinder und Jugendliche gibt es noch mehr Tipps für gute Internetseiten, über die sich Kinder zu politischen Themen informieren können.

Politik ist nicht nur etwas für Erwachsene! Viele Kinder interessieren sich dafür, was in der Welt passiert und möchten mitreden – weil es auch um ihre Zukunft in diesem Land und auf dieser Welt geht. 

Je nach individuellem Entwicklungsstand des Kindes sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Nachrichten speziell für das entsprechende Alter anschauen und das Gesehene mit Ihrem Kind besprechen. Insbesondere jüngere Kinder können Nachrichten zu sehr auf sich beziehen und nur schwer einschätzen, inwieweit die Inhalte konkret sie selbst betreffen und ihr Leben verändern.

Digitale Beratungsangebote für Jugendliche und Eltern

Kinder und Jugendliche wenden sich mit ihren Problemen nicht immer an ihre Eltern. Probleme in der Schule, mit Gleichaltrigen oder sich selbst, werden lieber im Freundeskreis besprochen. Sie suchen nach Antworten oder Gleichgesinnten im Internet oder behalten es für sich. Doch was ist, wenn die Probleme größer werden und die Betroffenen keinen Ausweg mehr finden oder wenn Sie als Eltern mitbekommen, dass es Ihrem Kind nicht gut geht? Nicht immer ist das Internet ein guter Ratgeber bei Problemen, aber es gibt durchaus sichere und hilfreiche Angebote, wo junge Menschen sich informieren und beraten lassen können.

Online-Beratungsangebote bieten Unterstützung bei Problemen und Sorgen wie z. B. Mobbing, Essstörungen oder Depressionen. Einige Angebote richten sich speziell an Kinder und Jugendliche. Betroffene können sich selbstständig Hilfe suchen und zu unterschiedlichen Themen anonym und kostenlos, über die Webseite oder telefonisch beraten lassen. 

Einzelberatung, Gruppenchats und Foren

Viele der Beratungsangebote im Netz bieten neben einer Einzelfallberatung die Möglichkeit, ihre Probleme in einer Gruppensprechstunde oder einem Forum zu besprechen. Für die Einzelfallberatung schreiben Betroffene ihre Probleme direkt an psychologisch ausgebildete Berater und Beraterinnen. So entsteht ein Austausch und die Jugendlichen erhalten sofort Hilfe und Unterstützung. Je nach Problem und Bedarf kann dieser Austausch unterschiedlich lang ausfallen. 

Innerhalb der Foren tauschen sich Betroffene und Peers aus. Peers sind geschulte Gleichaltrige, die Unterstützung bei Problemen anbieten. Dabei sind die jungen Menschen nicht auf sich allein gestellt, sondern können auf die Hilfe von erwachsenen Fachkräften zurückgreifen. Der Austausch in den Foren wird außerdem moderiert, um Beleidigungen, Trigger oder das Preisgeben von Daten zu vermeiden. 

Gute Beratungsangebote im Internet

Die Beratungs-und Hilfsangebote unterscheiden sich darin, welche Altersgruppe angesprochen wird, welche Themen im Mittelpunkt stehen und auf welchem Weg die Beratung in Anspruch genommen werden kann. Einige Angebote richten sich auch an hilfesuchende Eltern:

  • Die Telefonseelsorge berät Kinder, Jugendliche und Erwachsene online oder per Telefon zu unterschiedlichen Problemen.
  • Die Nummer gegen Kummer bietet, neben einer Jugendberatung, ein Elterntelefon. Dieses können Eltern bei Problemen wie z. B. Überforderung, Sorgen oder Erziehungsproblemen nutzen. 
  • Die ausgebildeten Berater und Beraterinnen der Jugendnotmail sind 365 Tage im Jahr für Jugendliche bis 19 Jahre anonym zu erreichen.
  • Das Beratungsangebot jugend.bke-beratung unterstützt Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahre. Auf der Webseite können sie sich in Einzel- oder Gruppenchats über ihre Probleme und Sorgen – vom Liebeskummer und Ärger in der Schule bis hin zu größeren Problemen –  austauschen. 
  • Auf jugend.support und juuuport bekommen Kinder und Jugendliche Hilfe bei Problemen im Netz wie z. B. Cybermobbing oder Cybergrooming
  • Beratung4kids bietet neben anderer Bereiche einen eigenen Bereich mit Foren für Trans*Personen, also solche, die mit ihrer Geschlechtsidentität hadern.
  • Bei der Youth-Life-Line können sich Jugendliche bis 21 Jahren in akuten Krisen und bei Suizidgefährdung von Gleichaltrigen beraten lassen. 
  • Auf der Webseite von u25-deutschland gibt es neben Beratungsangebote, eine Infothek zu Themen wie Essstörung, Suizid, Depression u. v. m.
  • Das Angebot Kid Kit berät junge Menschen bis 18 Jahre bei Sucht, Gewalt oder psychischen Erkrankungen in der Familie. 
  • Auf da-sein.de unterstützen Peers Jugendliche, die sich in Trauer befinden oder selbst an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden.
  • Der Hilfsangebot-Finder von der Initiative Freunde fürs Leben hilft dabei, das passende Beratungsangebot zu finden. Dabei lässt sich filtern, ob die Beratung telefonisch, online oder vor Ort in Anspruch genommen werden möchte. 

Digitale Beratungsangebote haben Grenzen 

Hilfsangebote im Netz können einfach und kostenlos angenommen werden und sind so leichter zugänglich für junge Menschen als z. B. Beratungsstellen. Die beratenden Personen sind ausgebildet und die Betroffenen bleiben anonym. Eine Kontaktaufnahme kann ein erster und richtiger Schritt sein. Vor allem bei Problemen in der Schule, zu Hause oder mit sich selbst kann es helfen sich mit Gleichaltrigen auszutauschen oder den Rat einer objektiven Person zu erhalten. Ein Online-Beratungsangebot ersetzt aber keine Therapie! Bei Suizidgedanken oder psychischen Störungen sollte unbedingt der Rat einer weiteren therapeutischen Fachkraft gesucht werden und sich um eine fortlaufende Therapie bemüht werden. Auch bei rechtlichen oder medizinischen Fragen sollten andere Fachstellen aufgesucht werden.

Erzählen Sie Ihrem Kind, dass es diese Angebote gibt und erklären Sie, dass diese im Vergleich zu Gruppen in offenen Foren oder auf Social Media sicherer sind, da geschultes Personal dahinter steht. Vorsicht auch vor sogenannten Psycho-Apps. Diese sind nicht immer hilfreich und können sogar gefährlich werden. Zeigen Sie Ihrem Kind, welche Angebote es bei Problemen und Sorgen bedenkenlos in Anspruch nehmen kann. 

Machen Sie vor allem deutlich, dass es bei Problemen auf Ihre Hilfe zählen kann. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck und fragen Sie unvoreingenommen, wenn Sie das Gefühl haben, es hat Probleme. Ein Problem, das Ihnen klein erscheint, kann sich für Ihr Kind wesentlich schlimmer anfühlen. Sie können sich auch gemeinsam online beraten lassen.

Die erste eigene E-Mail-Adresse – Tipps für einen sicheren E-Mail-Verkehr

So selbstverständlich wie E-Mails für Erwachsene sind, gehören sie auch für die meisten Kinder und Jugendlichen mittlerweile zum Alltag. Eine eigene E-Mail-Adresse ist oftmals nötig, um sich z. B. bei Spieleseiten oder bei Lernplattformen anmelden zu können. Gerade während des Corona-Lockdowns haben viele Schulen Informationen und Aufgaben per E-Mail verschickt. In diesem Beitrag erfahren Sie, was es bei E-Mail-Adressen zu beachten gibt.

Überforderung, Spam und Viren

Die meisten Anbieter der häufig kostenlosen E-Mail-Konten sind nicht auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Solche Postfächer haben oft viele und komplizierte Funktionen, die sich an den Bedürfnissen Erwachsener orientieren. Kinder finden sich dort nur schwer zurecht. Dazu kommen Gefahren wie Spam, Phishing oder Kettenmails, mit denen Kinder und Jugendliche erst vertraut gemacht werden müssen.

Mit Spam werden E-Mails bezeichnet, die unerwünschte Werbung beinhalten – wie die Werbeblättchen, die zu Hause im Briefkasten landen. Sie werden von Personen bzw. Algorithmen automatisch und ohne Aufforderung verschickt. Das ist auch bei Phishing-Mails der Fall. Diese zielen darauf, E-Mail-Inhaber zu verleiten, ein Abo abzuschließen, bei einem Fake-Gewinnspiel mitzumachen oder falsche Rechnungen zu bezahlen. Gefälschte Absender verunsichern die Empfänger solcher Mails. Solche E-Mails können auch Links oder Dateien enthalten, hinter denen ein Computervirus o. ä. steckt und beim Anklicken oder Öffnen der eigene Computer infiziert wird.

Viele der unerwünschten E-Mails beinhalten nicht kindgerechte, z. B. pornografische, Inhalte. Spam und Phishing wird möglich, weil die E-Mail-Adresse zur Anmeldung von Chats, Messenger-Diensten oder Games verwendet und damit verbreitet wird. Solche Dienste schützen die personenbezogenen Daten ihrer Nutzenden unterschiedlich gut. Fremde Personen können eventuell darauf zugreifen und darüber Kontakt zu Ihrem Kind aufnehmen und ungefragt E-Mails schicken. Das kann vor allem Kinder und Jugendliche überfordern, wenn sie noch keine Strategien haben, mit solchen Risiken umzugehen. 

Tipps für Eltern

Bevor Sie ein E-Mail-Postfach für Ihr Kind einrichten, überlegen Sie gemeinsam, wofür es gebraucht wird. Wenn Ihr Kind jünger als 13 Jahre ist, darf es viele Dienste (laut AGB und Datenschutzgesetz) noch gar nicht nutzen. Für schulische Zwecke gibt es häufig schuleigene Postfächer, die bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen müssen. Diese Schul- E-Mail sollte allerdings nicht für andere Dienste verwendet werden. Solche Mailadressen, wie z. B. lena.meier@schule-am-hasengraben.de, können konkrete Informationen über Ihr Kind preisgeben. Das kann riskant sein, wenn die Adresse in falsche Hände gerät. Erklären Sie Ihrem Kind deshalb, dass eine solche Adresse auch nur für schulische Zwecke genutzt werden darf.

Deshalb ist es auch bei einer “privaten” E-Mail, die für Social Media usw. genutzt wird, wichtig, dass Ihr Kind ein Pseudonym verwendet und sich die E-Mail-Adresse nicht auf Ihr Kind zurückführen lässt. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass die E-Mail-Adresse nicht einfach so an Dritte weitergegeben werden sollte. Verwenden Sie am besten einen kindgerechten Mailanbieter – siehe unten. 

Erklären Sie Ihrem Kind außerdem, was es mit Spam auf sich hat (siehe oben) und wie es damit umgehen kann. In vielen Programmen lässt sich Spam markieren, so dass Mails vom gleichen Absender automatisch aussortiert werden. Wenn der Absender einer E-Mail nicht bekannt ist, sollten Sie und Ihr Kind vorsichtig sein. Am sichersten ist es, solche Nachrichten als Spam zu markieren und dann direkt zu löschen. Auf keinen Fall sollten Links oder Anhänge angeklickt und darauf geantwortet werden! 

Wenn Ihr Kind alt genug ist, um sich bei Social Media oder anderen Diensten anzumelden, machen Sie das gemeinsam. Achten Sie darauf, dass die Mailadresse nicht öffentlich angezeigt wird und deaktivieren Sie Informationsmails des Anbieters. Denn auch durch solche Mails kann ein Postfach überlaufen und es ist für Ihr Kind schwierig zu unterscheiden, was Spam oder Infomails sind.

E-Mail-Programme für Kinder

Vor allem für jüngere Kinder empfiehlt sich ein geeignetes E-Mail-Programm zu nutzen. Mailanbieter speziell für Kinder verfügen dabei nur über die wichtigsten Funktionen und gewährleisten bestimmte Schutzmaßnahmen: 

  • Bei Mail4Kidz und Kidsmail24 erhalten die jungen Nutzenden nur E-Mails von Personen, die bereits im eigenen sogenannten Freundebuch aufgeführt sind.
  • Bei ZUM-Grundschulpost bekommen die Erziehungsberechtigten die Nachrichten von Fremden sogar zugeschickt und können dann entscheiden, ob diese vertrauenswürdig sind. 

Die kinderfreundlichen Programme haben alle einen Spam-und Virenschutz. So erhält Ihr Kind erst gar keine unerwünschte Werbung oder Kettenmails. Allerdings ist die interne Suche von ZUM mit Google verknüpft, weshalb auch nicht jugendfreie Suchergebnisse auftauchen könnten.

Die Programme sind teilweise kostenfrei (Mail4Kidz in den ersten sechs Monaten) und vor allem für Kinder unter 14 Jahren geeignet. Bei Kidsmail24 haben Nutzende die Möglichkeit nach Vollendung des 14. Lebensjahres auf einen uneingeschränkten Account zu wechseln. Trotz kinderfreundlicher Programme ist Ihr Kind nie vor allen Risiken im Netz geschützt. Sie als Elternteil sollten deshalb mit Ihrem Kind über seine Kontakte im Internet sprechen und Ihrem Kind die Sicherheit geben, sich bei Problemen an Sie wenden zu können.

Was Kinder und Jugendliche am liebsten zocken

Jedes Jahr Ende August ist es Zeit für die Gamescom, eine der größten Messen für digitale Spiele überhaupt. Auf dieser werden auch Preise für die besten und beliebtesten Spiele vergeben. Digitale Spiele sind bei vielen Kindern und Jugendlichen fester Bestandteil ihres Alltags. Doch welche Spiele spielen sie am liebsten? Wir haben eine kleine Liste der beliebtesten Spiele zusammengetragen. 

Minecraft

Minecraft ist eine Art Lego für den Computer oder das Tablet, bei dem aus virtuellen Bausteinen mit Kreativität und Geschick eine eigene Welt erschaffen wird. Im sogenannten Überlebensmodus muss die oder der Spielende versuchen, zu überleben und kämpft dabei gegen Monster. In Minecraft können gemeinsam mit anderen Welten erschaffen werden. Besonders beliebt ist das Onlinespiel bei den 12- bis 15-Jährigen. Mehr können Sie in unserer Toolbeschreibung zu Minecraft nachlesen.

Fortnite

Das in 2017 erschienene Spiel ist noch immer so beliebt wie zu Beginn, besonders in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen. Fortnite ist ein sogenanntes Battle-Royale-Spiel, in dem gegeneinander gekämpft wird. Es gibt mehrere Spielvarianten: Im kostenpflichtigen Modus „Save The World“ geht es darum, mit anderen Spielenden eine Festung aufzubauen, um die letzten menschlichen Überlebenden vor Zombies zu schützen. Weitaus bekannter und beliebter ist die kostenlose Variante „Fortnite Battle Royale“, in der es darum geht, alle Mitspielenden zu töten, um selbst zu überleben. Mehr dazu in unserer Toolbeschreibung zum Spiel.

Animal Crossing: New Horizons

Das Spiel kann nur auf einer Nintendo Switch gespielt werden und ist Teil einer Simulations-Spielereihe. Bei New Horizons geht es darum, eine unbewohnte Insel zu erkunden und zu bebauen. Auch die Inseln von Freundinnen und Freunden können besucht werden. Das Spiel ist kindlich gestaltet und ab 6 Jahren empfohlen. Auch Jugendliche und junge Erwachsene spielen es gern. Mehr dazu bei spielbar.de.

FIFA

FIFA ist die bekannteste Reihe von Fußball-Videospielen – bei Jugendlichen ebenso beliebt wie bei Erwachsenen. Seit 1993 erscheint jährlich eine neue Version. Dabei können Mannschaften und deren aktuelle (männliche) Fußballer der realen Fußball-Ligen genutzt oder eigene zusammengestellt werden. Es hat keine Altersbeschränkung und wird ab 8 Jahren empfohlen. Erfahren Sie mehr dazu in unserer Toolbeschreibung.

Cyberpunk 2077

Cyberpunk 2077 ist ein Rollenspiel und sogenannter Shooter. Die oder der Spielende bewegt sich in der Rolle der Hauptfigur, als ehemaliger Soldat V, in einer düsteren zukünftigen Welt und muss kriminelle Aufträge erfüllen. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 18 Jahren. Es wird aber trotzdem von Jugendlichen gespielt. Lesen Sie mehr zum Spiel auf spielbar.de und zum Thema Altersbeschränkungen bei Games auf dem Elternguide.

Grand Theft Auto

Das Action- und Rennspiel, das alleine im Story-Modus oder zusammen mit Freunden gespielt wird, ist ein Dauerbrenner unter den Games und besonders bei älteren Jugendlichen angesagt. GTA V (5) ist die aktuelle Version der populären Spielereihe. Der Spieler oder die Spielerin schlüpft in die Rolle eines Kriminellen und muss in einer fiktiven Stadt Missionen und Aufgaben erfüllen. Auch dieses Spiel hat eine USK-Freigabe ab 18. Mehr zum Spiel erfahren Sie in unserer Toolbeschreibung.

Assassin’s Creed: Valhalla

Valhalla ist der letzte Teil aus der Spielereihe Assassin’s Creed. Das Action-Adventure-Videospiel folgt einem Wikinger, der eine Hauptaufgabe bewältigen muss und nebenbei kleine Teilaufgaben zu erledigen hat. Auch wenn dieses Spiel mit einer USK 18 nicht für Jugendliche freigeben ist, wird ihr Interesse daran z. B. bei Twitch oder über Let’s Plays geweckt. Lesen Sie mehr in der Spielbeurteilung von spielbar.de.

Call of Duty: Black Ops Cold War

Auch Call of Duty ist eine beliebte und seit vielen Jahren erfolgreiche Spielereihe. Gerade ältere Jugendliche ab 16 Jahren mögen diese Spiel. Call of Duty ist ein Ego-Shooter, den es auch als kostenlose Mobilversion für das Handy gibt. In rasanter Geschwindigkeit kämpft die oder der Spielende darin als Soldat gegen andere oder in einem virtuellen Krieg gegen Aliens. Ziel ist es, die Feinde mit Waffengewalt zu vernichten. Mit einer USK-Freigabe ab 18 ist auch dieses Spiel aufgrund der Gewaltdarstellung nicht für jüngere Kinder geeignet – siehe Toolbeschreibung.

Einen guten Überblick über bei Kindern und Jugendlichen beliebte Games bietet auch die Broschüre “Level 30 – Digitale Spiele pädagogisch beurteilt”.

Mein Kind will YouTuber werden – Was nun? (Teil 2)

In Teil 1 wurde erklärt, warum Kinder und Jugendliche den Berufswunsch YouTuber bzw. Social-Media-Star haben: Bei den berühmten Influencerinnen und Influencern wirkt es so einfach, mit dem Produzieren von sogenanntem Content Geld zu verdienen und gleichzeitig Spaß zu haben. Wenn Sie diesen Wunsch unterstützen möchten, sollten Sie einiges beachten.

Soll ich mein Kind dabei unterstützen?

Nehmen Sie den Wunsch Ihres Kindes ernst und sprechen Sie mit ihm darüber. Kinder können nicht unbedingt alle Risiken, die mit einer Veröffentlichung im Internet verbunden sind, abschätzen. Sie können sich nur schwer vorstellen, wie viele Menschen sich so ein Video ansehen könnten und auf welchen Wegen es weiterverbreitet werden kann. Kinder können auch noch nicht absehen, dass es Stress bedeuten kann, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Außerdem muss man sich mit Kritik zu den eigenen Videos auseinandersetzen. Erfolgreiche Influencer stehen unter Druck, immer wieder neue Videos für ihre Fans produzieren zu müssen, um im Gespräch zu bleiben. Die meisten Kinder und Jugendlichen, die auf YouTube aktiv sind, also dort eigene Videos veröffentlichen, sind in der Regel nur im direkten Umfeld bekannt. Ihre Follower sind vor allem Freundinnen und Freude.

Machen Sie Ihrem Kind diese Dinge bewusst und besprechen Sie gemeinsam die Entscheidung, eigenen Content für Social Media zu produzieren. Überlegen Sie, was dafür und dagegen spricht. Fragen Sie nach, was eigentlich hinter dem Wunsch steckt und welches Ziel mit einem eigenen YouTube-Kanal verfolgt wird. Soll es als ein Hobby starten? Worum soll es gehen? Welche Themen und Inhalte sollen vorkommen? Wie sollen die Videos aussehen?

Mehr Tipps für den eigenen Social-Media-Auftritt

  • Einen eigenen YouTube-Channel (oder einen anderen Social-Media-Kanal) zu betreiben, erfordert eine Registrierung. Für einen eigenen Account müssen Nutzende in Deutschland meistens 16 Jahre sein, jüngere Personen benötigen die Einverständniserklärung der Eltern. Beachten Sie die AGB des jeweiligen Anbieters.
  • Die Veröffentlichung eines Videos bei YouTube ist nicht mit einem Klick gemacht, da verschiedene Angaben gemacht werden müssen. Dazu gehört u. a. die Angabe, ob das Video für Kinder geeignet ist. Machen Sie das, zumindest beim ersten Video, gemeinsam mit Ihrem Kind. 
  • YouTube schaltet ab einer gewissen Klickzahl Werbung vor und teilweise auch mitten in Videoclips. Kontrollieren Sie das regelmäßig. Wenn das Video für Kinder geeignet ist, sollte auch die Werbung jugendgerecht sein.
  • Machen Sie sich mit den Datenschutzeinstellungen der jeweiligen Plattform vertraut. Videos könnten beispielsweise privat gestellt und nur ausgewählten Nutzern zugänglich gemacht werden.
  • Denken Sie an die Privatsphäre! Keine Angaben, wie der Benutzername, oder Aufnahmen, wie das Filmen im eigenen Zuhause, sollten Rückschlüsse auf persönliche Daten (wie Wohnort, Alter oder Schule des Kindes) zulassen. 
  • Videos, in denen andere Personen zu sehen sind, dürfen nicht ohne deren Einverständnis veröffentlicht werden.
  • Die Urheberrechte müssen eingehalten werden. Veröffentlicht werden dürfen nur selbst erstellte Bilder und Musik oder man muss Nutzungsrechte für die Verwendung fremder Musik, Fotos u.ä. einholen und eventuell Lizenzgebühren bezahlen.
  • Bereiten Sie Ihr Kind darauf vor, dass es auch unschöne Kritik zum Video geben kann. Auf YouTube herrscht teilweise eine raue und nicht sehr freundliche Sprache. Es gibt immer wieder Menschen, denen es nicht um Inhalte geht, sondern die die scheinbare Anonymität im Netz nutzen, um andere zu beleidigen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen (unter 14 Jahren) empfiehlt es sich, die Kommentarfunktion einfach zu deaktivieren.
  • Legen Sie gemeinsam fest, in welchen Abständen Ihr Kind ein neues Video hochlädt. Berücksichtigen Sie, dass andere Dinge wie Schule, Sport oder andere Hobbys nicht zu kurz kommen.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass der Erfolg als YouTuber auch vom Glück abhängt. Vielleicht läuft es nicht so, wie zu Beginn erhofft oder die Videos entsprechen nicht den eigenen Erwartungen. Gerade die Möglichkeit, die eigenen Videos nicht jedem öffentlich zugänglich zu machen, ist gut geeignet, um das YouTuber-Dasein auszuprobieren und das filmische Können in einem geschützten Rahmen verbessern. Trotzdem kann Ihr Kind sein neuestes Werk den Freunden auf dem Schulhof oder der Oma vorführen.

Virtueller Elternabend am 7. Oktober 2021 von 17.00 bis 18.00 Uhr

Mehr als Glotzen und Daddeln!  –​ Mit Medien kreativ werden und spielerisch lernen​

Videos schauen, mit der Konsole oder am Smartphone spielen… Das sind wahrscheinlich die typischen Tätigkeiten, wenn Eltern an die Mediennutzung ihrer Kinder denken. Dabei nutzen wir alle Medien für so viel mehr: zum Navigieren im Verkehr, als digitalen Einkaufszettel, zum Informieren, zum Festhalten von Erinnerungen und so weiter. Auch für Kinder gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, Medien spielerisch und kreativ zu nutzen, etwas dabei zu lernen, anstatt nur zu „daddeln“. Bei unserem virtuellen Elternabend soll es genau darum gehen: Lernen Sie Angebote und Apps  kennen, mit denen Sie kleine Medienprojekte in der Familie – insbesondere mit Kindern im Kita- und Grundschulalter – umsetzen können. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und einen Austausch rund um das Kreativsein mit Medien.

Weitere Informationen und Anmeldung

Datum: 07.10.2021 | Zeit: 17 bis 18 Uhr
Ablauf: Medienpädagogischer Input (ca. 40 Minuten) und anschließender offener Austausch
Referentinnen: Julia Behr und Line Krug des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
Plattform: Der virtuelle Elternabend wird über das Tool „Zoom“ realisiert.
Datenschutzhinweis: Zoom ist ein Service der Zoom Video Communications Inc., die ihren Sitz in den USA hat. Wir nutzen Zoom über den deutschen Betreiber easymeet24. Serverstandort von easymeet24 ist Europa. Weiterhin haben wir innerhalb des Dienstes Zoom die Konfigurationen mit dem höchsten Daten- und Sicherheitsschutz gewählt.
Bitte nehmen Sie auch von unserer Datenschutzerklärung Kenntnis.

Anmeldung:

    Hiermit melde ich mich zum virtuellen Elternabend von Elternguide.online am 07.10.2021 um 17.00 Uhr verbindlich an.

    * = Pflichtangabe
    Die erhobenen Daten dienen ausschließlich der Verarbeitung Ihrer Anfrage und werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Daten werden nach Abschluss der Bearbeitung und Durchführung des Webinars gelöscht. Mit dem Absenden der Nachricht willigen Sie in die diesbezügliche Datenverarbeitung ein.
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    Mein Kind will YouTuber werden – was nun? (Teil 1)

    „Weißt du schon, was du mal werden willst?“ ist eine beliebte Frage an Kinder. Die Antwort  „Ich will YouTuber werden!“ ist nicht ungewöhnlich. Spätestens, wenn Kinder in die weiterführende Schule kommen, wächst bei einigen der Wunsch, einen eigenen YouTube– oder Instagram-Channel mit echten Followerinnen und Followern zu haben und damit viel Geld zu verdienen – so wie ihre Vorbilder bei Social Media auch. Für manche Eltern ist das schwer zu verstehen.

    Ist “YouTuber sein” überhaupt ein Beruf?

    Videos drehen und dafür Geld bekommen ist doch kein “richtiger” Beruf, den man studieren kann oder für den es eine Ausbildung gibt, oder? Kinder und Jugendlichen sehen täglich Influencer bei Social Media, die davon leben können – und dabei viel Spaß haben. Es scheint, als wäre es ganz leicht, zum Social-Media-Star zu werden und mit schnell erstellen Videos und Fotos Geld zu verdienen.

    Viele Social-Media-Stars haben das tatsächlich nicht gelernt und können davon leben. Aber es gibt Studiengänge oder Ausbildungen, die hilfreich sein können, wenn das Berufsziel YouTuberin oder Influencer ist. Lesen Sie mehr darüber bei Studycheck oder aubi-plus.

    Wie wird man YouTuber?

    Dank mobiler Medien, die mit dem Internet verbunden sind, ist es nicht schwer, YouTube und andere Social-Media-Kanäle mitzugestalten. Es braucht scheinbar nicht viel mehr als ein Smartphone und einen eigenen Kanal – und schon kann es losgehen. So könnte theoretisch auch Ihr Kind mit den eigenen Videos ein Millionenpublikum erreichen. Ganz so einfach ist es aber nicht.

    Das Erstellen von Inhalten für Social Media und Videoplattformen ist ein kreativer Prozess. Er kann das Selbstbewusstsein und die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken, wenn sie dabei begleitet werden. Allerdings ist damit auch viel Arbeit verbunden, die Zeit kostet. Berühmte Influencer sind nicht über Nacht erfolgreich geworden oder konnten sofort von ihrem Content leben. Anfangs waren YouTube-Videos häufig noch einfach gestaltet. Heutzutage sind viele Videos hochwertig und wurden mit viel Aufwand produziert. Außerdem ist ein Influencer oder eine Influencerin meist bei mehreren Kanälen aktiv, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Dazu kommt, dass Social-Media-Stars vor allem über Werbeverträge Geld verdienen. Auch damit müssen sie umgehen können. Viele der erfolgreichen Influencerinnen oder YouTuber haben ein eigenes Management. Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen sich YouTuber und Influencerinnen mit ihren Inhalten von anderen abheben und viel Geld und Zeit in gute Inhalte investieren.

    Im zweiten Teil von „Mein Kind will YouTuber werden – Was nun?“ erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind unterstützen können, wenn es diesen Wunsch hat.

    Vorsicht In-App-Käufe!

    Viele Apps kosten nichts. Erst auf den zweiten Blick lässt sich erkennen, dass bezahlt werden muss, um solche Apps richtig und mit Spaß nutzen zu können. Für Kinder und Jugendliche sind solche In-App-Käufe ganz besonders bei Spiele-Apps ein Thema.

    Was sind In-App-Käufe?

    Nicht nur beim Installieren einer App können Kosten anfallen. Viele Apps kosten sogar auf den ersten Blick kein Geld. Aber um bestimmte Funktionen zu nutzen, muss extra bezahlt werden. Das passiert über sogenannte In-App-Käufe. 

    Durch ein paar Klicks können so Kosten entstehen, die spätestens auf der nächsten Handy- oder Kreditkartenabrechnung entdeckt werden. Meist handelt es sich dabei eher um kleine Beträge von wenigen Euro. Aber man bekommt keinen Überblick darüber, wie viel man für welche Funktionen ausgegeben hat und so wird es unbemerkt immer mehr. Ein anderer Trick der Anbieter: Auf den ersten Blick muss kein echtes Geld für die Zusatzfunktionen gezahlt werden, sondern stattdessen gibt es eine virtuelle Währung. Die muss allerdings wiederum über “echtes Geld” mit Kreditkarte oder PayPal-Konto gekauft werden.

    Oft wird auch innerhalb der kostenfreien Apps Werbung für eine sogenannte “Premium Version” gemacht. Diese ist die kostenpflichtige Variante der gleichen App, mit mehr Funktionen. Die kostenfreie App wirkt hier als eine Art “Testversion”. Wenn diese gemocht wird, ist es wahrscheinlicher, ein paar Euro für die kostenpflichtige App auszugeben.

    In-App-Käufe als Gefahr für Kinder und Jugendliche?

    Kinder und Jugendliche kommen mit In-App-Käufen vor allem bei Spiele-Apps wie z. B. Coin Master, in Berührung. Das Herunterladen des Spiels ist kostenlos, um möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Kinder sind besonders anfällig für In-App-Käufe, weil sie im Spiel schnell vorankommen möchten und sich dabei vielleicht auch mit Freunden vergleichen. Oder sie finden es schön, ihre Spielfigur individuell zu gestalten, obwohl es für den Spielverlauf nicht wichtig ist. Dafür müssen sie beispielsweise Münzen, Spielfigur-Ausstattung (auch in Form sogenannter Lootboxen) oder die Freischaltung von weiteren Levels für echtes Geld erwerben. 

    Die virtuelle Währung erscheint für Kinder und Jugendliche sehr abstrakt und hat wenig mit dem Taschengeld (in Münzen und Scheinen) zu tun, das sie regelmäßig von ihren Eltern bekommen. Deshalb merken sie nicht unbedingt, dass sie tatsächlich Geld ausgeben – für virtuelle Dinge, die ihnen nicht viel bringen.

    Checkliste: Worauf sollten Sie achten?

    1. Im Google Play Store oder App Store von Apple wird bei jeder App angegeben, ob sie In-App-Käufe enthält. Achten Sie darauf und weisen Sie auch Ihr Kind darauf hin. Lesen Sie vor dem Download einer App immer die Bewertungen. Denn hier finden Sie bereits Hinweise auf mögliche Erfahrungen mit Kostenfallen innerhalb des Spiels.
    2. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, sich vorher zeigen zu lassen, was es sich kaufen möchte. Achten Sie darauf, ob es sich um einen einmaligen Kauf oder um ein Abonnement handelt. Bringen Sie Ihrem Kind bei, sich alle Informationen zur App genau durchzulesen und nicht einfach schnell auf “weiter” zu klicken. 
    3. Mit bestimmten Einstellungen auf dem Handy können In-App-Käufe eingeschränkt werden. Auf dem iPhone oder iPad ist das über die Funktion Bildschirmzeit möglich. Bei Android-Geräten gehen Sie dazu im Play Store auf “Einstellungen” und aktivieren die Funktion “Authentifizierung für Käufe erforderlich“. Sie können auch die Familienmediathek bei Android-Geräten oder die Familienfreigabe bei Apple-Geräten nutzen, um Käufe Ihres Kindes prinzipiell vorher bestätigen zu müssen und um Käufe innerhalb der Familie zu teilen
    4. Um einen Überblick über die Ausgaben Ihres Kindes zu haben, können Sie eine Liste führen. So sehen Sie gemeinsam, wie viel Taschengeld im Monat für Apps ausgegeben wird. Eine andere Möglichkeit ist, erst gar keine Zahlungsdaten in den App-Stores zu hinterlegen. So hat Ihr Kind nur Zugriff auf kostenlose Apps. Gerade bei jüngeren Kindern ist  dies eine gute Vorsichtsmaßnahme, allerdings können diese  Werbung enthalten.
      Wichtig ist, dass Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes ernst nehmen. Wenn Ihr Kind Taschengeld bekommt, darf es mitreden, wofür es ausgegeben werden soll. Beraten Sie sich gemeinsam, welche Kosten sinnvoll sind und wie Sie zu hohe Kosten am besten vermeiden können. Eine weitere Möglichkeit, die Kosten zu kontrollieren, ist der Kauf einer Guthabenkarte (z. B. als Geschenk) für den App-Store. Achten Sie jedoch unbedingt in den Einstellungen darauf, dass die Kreditkarte nicht weiter aufgebraucht wird, sobald das Guthaben leer ist.
    5. Ein etwas radikalerer, aber effektiver Weg ist die Drittanbietersperre. Darüber können jegliche In-App-Käufe blockiert werden. Um diese einrichten zu lassen, wenden Sie sich an Ihren Mobilfunkanbieter mit einer formlosen E-Mail oder einem einfachen Anruf. 

    Es sind bereits hohe Kosten entstanden. Was nun?

    Manchmal lassen sich bereits getätigte Käufe innerhalb einer Frist zurückrufen, z. B. im iTunes-Account (Apple) unter der “Kaufübersicht”. Es kann sich auch lohnen, sich an die Hersteller zu wenden, sollte beispielsweise der Kauf eines Abos nicht gut gekennzeichnet worden sein. Was Sie weiterhin tun können, wenn Sie oder Ihr Kind versehentlich in eine Abo-Falle geraten sind, erfahren Sie auf mobilsicher.

    Können Apps Jugendlichen bei (psychischen) Problemen helfen?

    Während der Corona-Pandemie ging es vielen verschiedenen Menschen nicht gut. Einsamkeit, Sorgen und Unsicherheit machten auch jungen Menschen zu schaffen. Für Jugendliche ist es ganz normal, sich bei Problemen Rat im Netz zu suchen. Schnell stößt man bei der Recherche nach Hilfsangeboten auf sogenannte Psycho-Apps. Leider sind diese nicht immer hilfreich, sondern können sogar das Gegenteil bewirken.

    Leere Versprechungen und Fehldiagnosen 

    Psychologie- oder Diagnose-Apps locken mit dem Versprechen, schnell und einfach Hilfe bei psychischen Problemen wie z. B. Depressionen zu bieten. Während einige der Angebote nur Diagnose und Vorbeugung anbieten, werben andere sogar mit der Aussicht auf Heilung. Solche Apps und ihre Inhalte sind meistens aber nicht von Experten und Expertinnen entwickelt und entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standards. So kann es schnell zu Fehldiagnosen kommen, die Jugendliche stark verunsichern und ihnen Angst machen können. Auch bei einer korrekten Diagnose durch die App werden die Nutzenden damit allein gelassen und erhalten nicht die Hilfe, die sie bräuchten. 

    Bilder und Schilderungen von Selbstverletzung können Gefährdete animieren 

    Besonders problematisch sind chat-basierte Angebote, bei denen Nutzende anonym ihre Probleme in öffentliche Foren stellen und andere Personen die Beiträge kommentieren.  Neben Liebeskummer oder eigenen Unsicherheiten, werden sogar Suizidgedanken oder Fotos von Selbstverletzungen geteilt und diskutiert. Die Beiträge in diesen Foren werden weder von wirklichen Expertinnen oder Experten moderiert, noch werden Inhalte geprüft und gefiltert. Gefährdete Personen können durch bestimmte Bilder und Nachrichten getriggert oder sogar animiert werden, sodass sie sich noch schlechter fühlen. Nicht selten kommt es in solchen Communitys dazu, dass durch das geteilte Leid eine Art Gemeinschaftsgefühl und Bestätigung entsteht, aus denen sie nur schwer wieder herauskommen. Auch Fälle von Cybergrooming, bei dem Erwachsene den verletzlichen Zustand der Jugendlichen ausnutzen, sind möglich. 

    Fragwürdiger Datenschutz vieler Psycho-Apps

    Hinzu kommt, dass viele dieser Apps dazu auffordern, genaue Auskunft über den gesundheitlichen und psychischen Zustand zu geben. Einige Anbieter geben die Daten ihrer Nutzenden an Drittanbieter wie z. B. Facebook weiter. Diese verwenden die Daten meist zu Werbezwecken. Doch auch vermehrt Versicherungsunternehmen oder Kreditanbieter interessieren sich für diese Art von Daten. Das kann dazu führen, dass künftig keine Krankenversicherung abgeschlossen werden oder man andere Nachteile hat. 

    In chat-basierten Apps sind Nutzende vermeintlich anonym. Doch geben viele Jugendliche im Laufe der Zeit Telefonnummern oder Adressen weiter. Daten die schnell auf die Identität der Person schließen lassen.

    Was können Sie als Eltern tun?

    Sie als Elternteil sollten Ihr Kind über die Gefahren solcher Psycho-Apps aufklären und was es damit auf sich hat. In diesem Video von funk wird das Thema jugendgerecht dargestellt.

    Bieten Sie Ihre Hilfe bei Problemen an und zeigen Sie Interesse. Hat Ihr Kind das Gefühl, bei Problemen nicht auf sich allein gestellt zu sein, wird es weniger die Hilfe im Netz suchen. Vor allem Jugendliche reden ungern mit den eigenen Eltern über ihre Probleme. Zeigen Sie Ihrem Kind deshalb geeignete Angebote und wie es sich selbstständig Hilfe suchen kann. 

    Gute digitale Hilfsangebote bei psychischen Problemen

    Unterstützung und Beratung erhalten Eltern und Kinder anonym z. B. über die Nummer gegen Kummer (116 111) oder die Telefonseelsorge (0800 1110111). Bei Problemen im Netz können sich Jugendliche außerdem selbstständig über juuuport.de und jugend.support.de Hilfe suchen. 

    Einige Psychotherapeuten und -therapeutinnen bieten digitale Sprechstunden an. Um sicher zu gehen, dass es sich bei der beratenden Person um einen Therapeuten oder eine Therapeutin handelt, prüfen Sie z. B. das Impressum der Person. Dort erhalten Sie Informationen über die Adresse oder können vorerst telefonisch Kontakt aufnehmen. Sehen Sie sich außerdem den Lebenslauf genauer an: Hat die Person eine anerkannte Ausbildung um psychotherapeutische Hilfe anzubieten? Treffen diese Punkte zu, können Sie die Hilfe auch digital in Anspruch nehmen. 

    Einige Therapeuten und Therapeutinnen empfehlen die Nutzung bestimmter Apps, als Begleitung zu einer Gesprächstherapie. Diese Apps sind von Experten und Expertinnen entwickelt, staatlich geprüft und verschreibungspflichtig.

    Alles Fake? Falschmeldungen erkennen

    „Doch Mama, das hab ich im Internet gelesen!“ – „Wenn das so viele liken, muss ja auch was dran sein…“ – „Da ist ein Foto dabei – das ist ja ein Beweis.“

    Kennen Sie solche Diskussionen um Nachrichten, bei denen die Meinung darüber, ob sie stimmen oder nicht, in der Familie auseinandergehen? Im Internet und in sozialen Netzwerken begegnen uns täglich unzählige Nachrichten, Meldungen und Geschichten. Sie stammen aus den Fernsehnachrichten, der Tageszeitung, von Leuten aus dem Sportverein oder bekannten Personen. Viele werden von eher unbekannten Menschen im Internet verbreitet. Darunter mischen sich Nachrichtenseiten und Absender, die gezielt mit Lügen oder Halbwahrheiten manipulieren möchten. Sie streuen bewusst Falschmeldungen, Gerüchte oder hasserfüllte Meldungen, die uns verunsichern sollen.

    Fake News in unsicheren Zeiten

    Nicht nur Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, vertrauenswürdige Beiträge von gefälschten Meldungen, sogenannten „Fake News“, zu unterscheiden. Denn häufig sind verbreitete Falschmeldungen als seriöse Nachrichten „getarnt“ und wirken sehr echt. Das kann problematisch sein, wenn es sich um politische Beiträge mit extremistischen oder populistischen Hintergrund handelt, wenn Verschwörungstheorien verbreitet werden oder bei Inhalten, die vor allem jüngere Kinder verunsichern oder ängstigen können.

    Ein anderes Problem sind Falschmeldungen, die kursieren, wenn viele Menschen sowieso unsicher sind und selbst Expert*innen und Politiker*innen keine Antworten auf alle Fragen haben – so z. B. während der Coronakrise. Falschmeldungen geben häufig die gewünschten Antworten und können helfen, mit Unsicherheit umzugehen. Leider sind sie aber eben nicht wahr! Fragen wie “Sind die Impfstoffe auch sicher?” oder “Woher kommt das Virus?” werden mit unpassenden Zahlen und Fakten falsch beantwortet. Das Problem daran ist: Je häufiger solche Artikel angeklickt werden, desto häufiger werden sie auch angezeigt und für bare Münze genommen. Darum ist es wichtig zu wissen, dass Nachrichten, obwohl viele sie lesen, nicht stimmen müssen.

    Umgang mit Fake News

    Doch wie können Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene erkennen, ob sie einer Meldung oder einem Beitrag vertrauen können? Meistens hilft es auf das eigene Gefühl zu hören und kurz zu überlegen, ob die Nachricht wirklich stimmen kann. Die folgenden Tipps helfen Ihnen und Ihrem Kind herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine Falschmeldung handelt:

    • Quellencheck: Wo wurde die Meldung gelesen und wer steckt eigentlich dahinter? Ist der Autor oder die Autorin bekannt und Expert*in für das Thema? Handelt es sich um eine seriöse Internetseite? 
    • Faktencheck: Findet sich die Meldung bei verschiedenen Quellen? Wie aktuell ist die Nachricht? Woher kommen die genannten Zahlen und Daten und in welchem Kontext wurden sie erhoben?
    • Form der Nachricht prüfen: Wirken Inhalt und Sprache seriös? Es lohnt ein Blick auf Schreibweise und verwendete Begriffe: Werden emotionale Sprache und viele Großbuchstaben verwendet? Finden sich Schlagworte wie „Lügenpresse“ oder ähnliche provokante Begriffe? Könnte der Artikel satirisch gemeint sein?
    • Beweise prüfen: Passen Fotos und Videos zum Inhalt der Nachricht? Sind sie aktuell? Gibt es eine Bildunterschrift und lässt sich erkennen, ob sie das Beschriebene darstellen oder aus einem anderen Zusammenhang stammen?

    Falschnachrichten verbreiten sich, wenn viele sie weiterleiten oder weitererzählen. Deshalb sollten Sie immer erst überlegen, ob die Nachricht wirklich stimmen kann. Bestimmte Internetseiten (für Kinder und Erwachsene) gelten als seriös und verbreiten in der Regel geprüfte Nachrichten. Außerdem haben wir einige Tipps für Sie, wo sich Fake News überprüfen lassen und wie sich der Umgang damit spielerisch lernen lässt:

    Ihr Kind sollte wissen, dass nicht alles, was im Netz steht oder per WhatsApp verschickt wird, stimmen muss. Wenn Sie gemeinsam Nachrichten prüfen, kann es nach und nach lernen, falsch von richtig zu unterscheiden.

    Vorbild sein von Anfang an – wie Babies und Kleinkinder den Umgang mit Medien lernen

    Sie lesen Ihrem Kind gerade eine Geschichte vor und plötzlich piepst das Handy, um eine neue WhatsApp-Nachricht anzukündigen. Was machen Sie? Greifen Sie automatisch zu Ihrem Smartphone oder lesen Sie die Nachricht erst später, wenn das Kind schläft?

    Solche Situationen gibt es wahrscheinlich in jeder Familie. Wenn der kleine Sohn dann nach dem Smartphone greift, heißt es: “Das ist noch nichts für dich!”.

    Durch Beobachtung lernen

    Seien Sie sich bewusst, dass Eltern und auch andere Erwachsene für Kinder eine wichtige Vorbildfunktion haben. Kinder erleben, wie Sie als ihre engsten Bezugspersonen mit digitalen Medien umgehen und orientieren sich daran. So lernen Kinder, wie die Welt funktioniert und wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Ihr Verhalten hat deshalb einen großen Einfluss darauf, wie Ihr Kind selbst Medien nutzt. Indem Sie aktiv vorleben, wie ein guter Umgang mit Medien aussehen kann, unterstützen Sie Ihr Kind dabei zu lernen, Smartphone und Co. selbstständig, sinnvoll und bewusst zu nutzen.

    Gerade für jüngere Kinder sind Eltern die Nummer Eins. Für Babies und Kleinkinder ist es besonders wichtig, dass sie über den direkten Blickkontakt Ihre Aufmerksamkeit erkennen und eine gute Bindung aufbauen. Wenn Papa ständig auf sein Smartphone schaut, ist das nicht möglich. Kinder, auch schon in jungen Jahren, merken das. Je älter Kinder werden, desto mehr eifern sie Ihnen nach. Im Kleinkindalter greifen sie nach dem Smartphone von Papa oder sprechen in einen Baustein, der eine ähnliche Form hat. Sie erkennen schon früh, wie wichtig dieses Gerät für Erwachsene oder ältere Geschwister ist.

    Ein gutes Vorbild sein

    Schaffen Sie von Anfang an eine gute Basis für einen reflektierten Umgang mit Medien. Lassen Sie das Smartphone auf lautlos gestellt in der Tasche, wenn Sie mit Ihrem Kind spielen, so dass es nicht den Eindruck hat, dass das Smartphone immer wichtiger ist. Später wird sich Ihr Kind dann vielleicht genauso verhalten. Wenn es doch mal herausgeholt wird, erklären Sie Ihrem Kind, warum.

    Es gibt sicherlich auch Momente, in denen das Smartphone gebraucht wird, um ein schönes Foto von Ihrem Nachwuchs zu schießen. Halten Sie schöne Momente mit der Kamera fest! Überlegen Sie aber, wie oft das sein muss. Schließlich möchte Ihr Kind Ihnen lieber in die Augen sehen, als ständig auf das Smartphone vor Ihrem Gesicht.

    Auch gemeinsame Zeiten mit Medien gehören in der Familie dazu. Führen Sie Ihr Kind langsam daran und wählen Sie altersgerechte Inhalte aus. Solche Medienerlebnisse sollten sich aber immer mit medienfreien Zeiten abwechseln.

    Bei allem gilt: Seien Sie sich Ihrer Rolle als Vorbild bewusst!

    Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

    Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
    Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

    Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen? Sie können Ihr Kind dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge im Alltag und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z. B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

    Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

    Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist beispielsweise, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat. Dort kann es während der Essenszeit abgelegt werden.

    Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen welche Medien genutzt werden und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

    Je nach Alter sollten Sie zusammen mit Ihrem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Unterscheiden Sie dabei, wofür Medien genutzt werden. Wenn Ihr Kind die Regelungen versteht, fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

    Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarter Medienzeit Murmeln als Hilfe einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit werden entsprechend viele Murmeln weggelegt. Auch eine Sanduhr, die während der Medienzeit abläuft, kann eine Orientierung sein.

    Medienzeit kontrollieren mit Apps

    Es gibt Apps, mit denen sich die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren lässt. Sie heißen z. B. StayFocused  (für Android, kostenlos) oder AppBlock (für Android kostenlos; ab August 2021 auch für iOS), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Apps wie Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem durch Nichtnutzung des Handys ein Baum wächst oder sich eine Galaxie aufbaut.

    Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

    Bei vielen Geräten lässt sich auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit oder das „Digitale Wohlbefinden“ kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man z. B. noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

    Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern. Vielleicht machen Sie daraus gemeinsam mit Ihrem Kind eine Challenge!?

    YouTube in der Familie

    Auch Ihr Kind bewundert einen oder mehrere YouTube-Stars und würde am liebsten die ganze Zeit Videos schauen? Dann haben wir ein paar Tipps, wie Sie die YouTube-Nutzung in Ihrer Familie regeln können. Beachten Sie, dass nicht jeder Tipp für jedes Kindesalter geeignet ist.

    Unsere Tipps für alle Altersgruppen

    • Medienzeit: Vereinbaren Sie je nach Alter Ihres Kindes feste YouTube-Zeiten, in denen es Videos schauen darf. Besprechen Sie mögliche Konsequenzen, sollten die Zeiten einmal nicht eingehalten werden. Nutzen Sie dafür z. B. einen sogenannten Mediennutzungsvertrag.
    • Werbeunterbrechungen: YouTuber verdienen mit ihren Videos meist Geld in Form von eingebundener Werbung. Die Währung auf YouTube ist Aufmerksamkeit: Je mehr Abonnenten ein YouTuber oder eine YouTuberin und je mehr Klicks ein Video hat, desto mehr Werbeeinnahmen werden erzielt. Erklären Sie Ihrem Kind, wie durch sein Verhalten auf YouTube Geld gemacht wird.
    • YouTube-Stars sind oft sogenannte Influencer. Gesponserte Inhalte oder Produktplatzierungen können für Heranwachsende unter Umständen schwer zu erkennen und zu durchschauen sein.

    Unsere Tipps für Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter

    • Sicherheitseinstellungen: YouTube ist keine Plattform für Kinder, auch wenn dort viele Inhalte spannend für sie sind. Um zu vermeiden, dass Ihr Kind unangemessene, anstößige oder grausame Videos angezeigt bekommt, aktivieren Sie die YouTube-Kindersicherung mit der Option „eingeschränkter Modus“. Hier finden Sie eine genaue Anleitung.
    • Videowiedergabe: Wenn Ihr Kind mehr als ein Video anschauen darf, fügen Sie die ausgewählten Videos zur Wiedergabeliste hinzu, so dass Sie entscheiden und wissen, welches Video als nächstes abgespielt wird. 
    • Kindgerechtes Angebot: Für jüngere Kinder – bis ins Grundschulalter – empfehlen wir die App YouTube Kids.

    Unsere Tipps für Teenager

    • Beliebte Angebote: Zeigen Sie Interesse und bleiben Sie im Gespräch! Unterhalten Sie sich mit Ihrem Kind darüber, was es an YouTube und seinen Stars begeistert. Lassen Sie sich Videos zeigen und die Faszination daran erklären, ohne dass Sie den Eindruck erwecken, Sie wollten Ihren Sohn oder Ihre Tochter kontrollieren.
    • YouTube-Account: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es bedeutet, sich bei YouTube zu registrieren, um Kommentare zu hinterlassen oder eigene YouTube-Videos hochzuladen. Nach den AGB müssen die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform in Deutschland mindestens 16 Jahre alt sein. Mit Ihrem Einverständnis ist auch eine Nutzung von Kindern ab 13 Jahren möglich. Sie können mit Family Link ein Google-Konto für Ihr minderjähriges Kind erstellen und verwalten bis es alt genug ist. Die Steuerung der YouTube-Nutzung eines Kindes mit dem Google-Konto eines Elternteils – die sogenannte Elternaufsicht – ist möglich, aber noch in der Testphase. Lesen Sie mehr direkt auf den Seiten von YouTube. Es gibt zudem bestimmte Richtlinien und Gesetze, die eingehalten werden müssen – wie etwa das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild. Mehr Hinweise, die Sie im Blick behalten sollten, wenn Ihr Kind YouTube aktiv mitgestalten möchte, finden Sie in unserem Beitrag Mein Kind will YouTuber werden – was nun?

    In allen verlinkten Beiträgen finden Sie mehr Informationen. Diese können hilfreich sein, wenn Sie sich in der Familie zu YouTube austauschen möchten.

    Mediennutzung für alle

    Egal ob alt, jung, körperlich beeinträchtigt oder hochbegabt – Mediennutzung ist für die meisten Menschen ein Thema. Nur weil Menschen eine Beeinträchtigung haben, heißt das nicht, dass sie Medien nicht gerne nutzen. Vielleicht wissen Sie das von Ihrem Kind und haben sich gefragt, wie Sie seine Mediennutzung gut begleiten können und ob es spezielle Medien für Kinder mit Behinderung gibt. 

    Die meisten Internetangebote sind auf Menschen ausgelegt, die Maus, Tastatur oder Touchscreen gut bedienen, lesen, sehen und hören können – dabei gibt es viele Menschen, die das aus unterschiedlichen Gründen nicht können! Es ist wichtig, dass alle so mit Smartphone & Co. umgehen können, wie sie es möchten und überall teilhaben können. 

    Das Recht auf digitale Teilhabe

    Wenn alle Medien so nutzen können, wie sie es möchten und nicht ausgeschlossen werden, spricht man von digitaler Teilhabe. Das ist ein Grundrecht, das auch in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben ist. Dazu müssen Medienangebote aber auch so gestaltet sein, dass das möglich ist. Manchen Menschen fällt es schwer, lange Texte auf Internetseiten gut zu verstehen. Oder jemand kann sie nicht lesen, weil er oder sie blind ist. Dafür gibt es wie im Straßenverkehr auch im Internet Hilfsmittel. Auf manchen Webseiten kann man sich Texte vorlesen lassen oder auf dem Computer ist ein Programm, das Texte vorlesen kann. Allerdings gibt es sowohl im Straßenverkehr als auch im Internet noch zu wenig Hilfsmittel. Dann ist es für manche Menschen schwierig, an der digitalen Welt (oder dem Straßenverkehr) teilzunehmen. Voraussetzung dafür ist Barrierefreiheit. Im Video der FINNreporter erklärt Lilly anschaulich und verständlich, was das bedeutet und wie Kinder Medien nutzen können, die nicht sehen oder hören können.

    Tipps für eine Mediennutzung ohne Barrieren

    Auch wenn viele Internetangebote noch nicht barrierefrei gestaltet sind, gibt es einige Hilfsmittel, damit Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mit Beeinträchtigung sie nutzen können.

    • Geräte wie Smartphones und Tablets bringen häufig schon Einstellungen mit, die die Bedienung für Menschen mit Einschränkungen erleichtern können. Bei Apple-Geräten heißen sie Bedienungshilfen und bei Samsung/Android-Geräten gibt es den Einfachen Modus. Für Computer gibt es häufig spezielle Software, die man kaufen und installieren kann. In der Datenbank der Stiftung Barrierefrei Kommunizieren können Sie nach passenden Apps und Programm suchen.
    • Bei YouTube und anderen Plattformen, auf denen Videos gezeigt werden, lassen sich Untertitel aktivieren. Das hilft Menschen, die nicht gut hören können oder geschriebene Sprache besser verstehen. Die Angebote der Mediatheken von ARD und ZDF sind sogar häufig mit Audiodeskription abrufbar. D. h. ein Erzähler erklärt, was auf dem Bildschirm zu sehen ist.
    • Einige Internetseiten bieten die Möglichkeit, die Sprache zu ändern. Manchmal gibt es auch Texte in Leichter oder Einfacher Sprache, sodass Kinder oder Menschen mit Sprach- oder Leseproblemen sie gut verstehen können.
    • LegaKids ist ein kostenloses Internetangebot für Menschen mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten), Legasthenie, Leseschwäche und Rechenschwäche. Es bietet Informationen, App-Tipps und vieles mehr für Eltern, Kinder und andere Interessierte.
    • Die Aktion Mensch hat auf ihrer Seite einfach-fuer-alle.de Apps zusammengestellt, die die Teilhabe aller Menschen unterstützen.
    • Die Technische Hochschule Nürnberg hat das Computerspiel Genesis für Menschen mit Behinderung entwickelt.
    • Mit dem Programm Susi können Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähig­keiten Computer eigenständig und selbst­bestimmt nutzen.

    Vielleicht finden Sie ein paar Anregungen, die Ihnen und Ihrem Kind helfen, Medien mit Spaß und Sicherheit nutzen zu können. Beobachten Sie Ihr Kind, wie es mit den Inhalten umgeht. Es gibt Kinder, die Inhalte noch nicht gut verstehen, obwohl sie laut Altersempfehlung schon geeignet sein sollten. Da jedes Kind anders ist und sich unterschiedlich entwickelt, ist das nicht schlimm. Schauen Sie einfach, ob andere Angebote geeigneter sind. Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag “Altersgerechte Medien für mein Kind”.

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