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FLIMMO – Fernsehen mit Kinderaugen

„Ich will aber länger fernsehen, nur noch ein bisschen!“ – dieser Kindersatz dürfte den meisten Eltern vertraut sein. Fernsehen – egal ob über die klassischen Angebote oder per Streaming-App – ist ein beliebtes Streitthema in Familien und führt oft zu Diskussionen. Die Wünsche der Kinder mit den Vorstellungen der Erwachsenen zu vereinbaren, ist nicht immer einfach. Wie lange kann ich mein Kind ohne schlechtes Gewissen fernsehen lassen? Wie wähle ich geeignete Sendungen aus? Auf welchen Geräten und Kanälen wird geschaut? Genau um Fragen solcher Art zu beantworten, wurde FLIMMO ins Leben gerufen.

FLIMMO kurz gefasst:

  • Elternratgeber für kindgerechte Bewegtbildinhalte
  • pädagogische Empfehlungen nach Alter
  • Filme, Serien und Sendungen von Mediatheken, Streamingdiensten, YouTube und Fernsehsendern
  • kostenlos über die Website erreichbar

FLIMMO – beliebtes Kinderfernsehen auf einen Blick

Auf der Website flimmo.de können Sie sich als Eltern schnell informieren, ob eine bestimmte Serie oder Sendung für Ihr Kind geeignet ist. Sie erfahren außerdem, was aktuell im Fernsehen läuft und ob etwas Geeignetes für Ihre Tochter oder Ihren Sohn dabei ist. Kinder nutzen nicht nur das klassische Fernsehprogramm, sondern schauen auch auf Streamingplattformen und YouTube. Die FLIMMO-Expertinnen und Experten versuchen alle interessanten Angebote für Kinder zu prüfen. Dabei steht die Perspektive der jungen Mediennutzenden im Mittelpunkt: Was gefällt ihnen an Filmen, Serien, Shows …? Was bereitet ihnen Probleme? Was schauen sie sich gerne im Fernsehen oder auf YouTube an und warum? Wie gehen sie mit Medienerlebnissen um und wie verarbeiten sie diese?

Die Einschätzungen weisen auf Problematisches hin oder warnen vor möglicher Überforderung. Genauso wird deutlich gemacht, was Kinder im jeweiligen Alter interessiert, sie fasziniert oder amüsiert. Eine Ampel zeigt auf einen Blick, ob ein Film, eine Serie oder ein YouTube-Kanal für Kinder geeignet ist oder nicht – und wenn ja, ab welchem Alter. 

FLIMMO greift außerdem Fragen rund um Medienerziehung in der Familie auf und hilft Eltern mit kurzen Informationen und praktischen Tipps, den Herausforderungen des Medienalltags zu begegnen.

Wer steckt hinter FLIMMO?

FLIMMO ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Programmberatung für Eltern e.V. FLIMMO ist wissenschaftlich und pädagogisch fundiert. Erfahrene Medienpädagoginnen und Medienpädagogen des JFF – Institut für Medienpädagogik kümmern sich um die Inhalte und Bewertungen. Außerdem befragt FLIMMO regelmäßig 3- bis 13-Jährige zu ihren Vorlieben. Mehr zum Konzept und zum Bewertungssystem.

Wie Sie FLIMMO in der Familie nutzen können

Auch wenn sich das Angebot in erster Linie an Sie als Eltern richtet, kann es spannend sein, sich gemeinsam mit Ihrem Kind durch die Inhalte der Website zu klicken. Das einfache und übersichtliche Bewertungssystem von FLIMMO eignet sich gut, um passende Inhalte zu finden. Wenn Ihr Kind von einer interessanten Serie oder einem YouTube-Kanal erzählt, können Sie gemeinsam nachschauen, was im FLIMMO dazu steht.

jugend.support – Onlineberatung für Jugendliche zu Risiken im Netz

Jugendliche möchten sich nicht immer bei Problemen an die Eltern oder andere Erwachsene wenden. Informationen und Beratungsangebote im Internet sind eine einfache Möglichkeit, Rat und Hilfe zu bekommen – z. B. über Plattformen wie jugend.support. Sie richtet sich konkret an Jugendliche ab 12 Jahren. Dieser Film erklärt genau, was dahinter steckt:

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https://www.youtube.com/watch?v=AkzFh_1k9Ag_%_

Was genau gibt es bei jugend.support?

jugend.support ist ein Angebot speziell für Jugendliche und deren Fragen und Probleme im Internet. Egal, ob Fake Profile, Datenklau, Cybermobbing und Cybergrooming: fast alle wichtigen Themen werden kurz erklärt und es gibt zahlreiche Tipps und Infos, wie man mit den Herausforderungen umgehen kann. Das genau gibt es auf jugend.support:

  • Informationen zu verschiedenen Themenbereichen
  • Tipps, wie sich Jugendliche selbst helfen und schützen können
  • Beratungsstellen, die Jugendlichen vertraulich und kostenlos helfen
  • Informationen, wo man Inhalte, die nicht okay sind, melden kann und wo man sich beschweren kann, wenn jemand Regeln verletzt.

Viele Partner mit speziellen Kenntnissen und Aufgaben unterstützen Jugendliche auf jugend.support mit ihrem Expertenwissen und beraten bei Problemen. Außerdem können Jugendliche sich an eine Beratungsstelle wenden: Nummer gegen Kummer, juuuport und die Telefonseelsorge sind Ansprechstelle und Partner des Angebots.

Wenn Jugendlichen ein Inhalt auf Apps oder Internetseiten etc. auffällt, der nicht für junge Menschen geeignet ist, weil er sie z. B. verängstigt, kann dieser direkt auf jugend.support gemeldet werden. Der Inhalt wird dann direkt von einem der Partner www.internet-beschwerdestelle.de oder jugendschutz.net überprüft.

Was sollten Eltern beachten?

jugend.support richtet sich ausschließlich an Jugendliche (ab 12 Jahren), nicht an jüngere Kinder. Sie als Eltern müssen und sollen nicht alles wissen, was Ihr Kind tut und es ist gut, wenn es sich eigenständig Unterstützung und Hilfe sucht. Trotzdem sollten Sie immer als Ansprechpartner für Ihr Kind da sein und es bei allen Fragen, Risiken und Herausforderungen unterstützen. Dieses Vertrauensverhältnis ist auch noch sehr wichtig, wenn Ihr Kind schon älter ist!

Vorbild oder schlechtes Beispiel – wie viel Zeit verbringe ich mit Medien?

Wenn wir Jugendliche an ihren Smartphones sehen, kommt uns schnell der Gedanke: Die starren zu viel auf ihre Displays und reden gar nicht mehr richtig miteinander!
Aber vielleicht haben Sie sich schon mal selbst dabei erwischt, dass Sie das Handy viel zu oft aus der Tasche holen und sich davon ablenken lassen.

Wenn es schon für uns Erwachsene so schwierig ist, unsere Medienzeit im Blick zu behalten, wie sollen es dann unsere Kinder hinbekommen? Sie können Ihr Kind dabei mit unseren Tipps unterstützen und dabei auch die eigene Medienzeit im Blick behalten. Es geht nicht darum, Medien zu verbieten. Schließlich erleichtern sie uns viele Dinge im Alltag und es macht Spaß, sie zu nutzen. Aber zu viel Bildschirmzeit kann auch schädlich sein, z. B. weil man sich zu wenig bewegt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag “Wie viel Medienzeit ist gut für mein Kind?”.

Regeln für die Medienzeit gelten für die ganze Familie

Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln zu Medienzeiten. Eine gute Sache ist beispielsweise, dass beim gemeinsamen Essen kein Smartphone erlaubt ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Kinder! Da sie sich immer an erwachsenen Vorbildern orientieren, sollten Sie mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Familien gibt es ein Regal, in dem jedes Familienmitglied ein Fach für das eigene Smartphone hat. Dort kann es während der Essenszeit abgelegt werden.

Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, in welchen Situationen welche Medien genutzt werden und warum. Ist das immer sinnvoll oder könnte man stattdessen auch etwas anderes machen, das einem besser tut? Erstellen Sie für sich und Ihr Kind einen Wochenplan, in den Sie die Medienzeiten eintragen. Kommt Ihnen das im Vergleich mit anderen Aktivitäten zu viel vor? Dann können Sie sich gemeinsam Alternativen überlegen.

Je nach Alter sollten Sie zusammen mit Ihrem Kind verabreden, wie viel Zeit am Tag oder in der Woche es mit Medien verbringen darf. Unterscheiden Sie dabei, wofür Medien genutzt werden. Wenn Ihr Kind die Regelungen versteht, fällt es ihm leichter, solche Zeiten auch einzuhalten.

Wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie je vereinbarter Medienzeit Murmeln als Hilfe einsetzen. Ein Beispiel: Ein zehnjähriger Junge hat pro Woche sieben Stunden Medienzeit und erhält für je 30 Minuten eine Murmel. Bei Verbrauch der Zeit werden entsprechend viele Murmeln weggelegt. Auch eine Sanduhr, die während der Medienzeit abläuft, kann eine Orientierung sein.

Medienzeit kontrollieren mit Apps

Es gibt Apps, mit denen sich die eigene Bildschirmzeit messen und regulieren lässt. Sie heißen z. B. StayFocused  (für Android, kostenlos) oder AppBlock (für Android kostenlos; ab August 2021 auch für iOS), Forest (bei Android kostenlos, mit Werbung und In-App-Käufen, bei iOS 2,29 € mit In-App-Käufen) oder Space (Basisversion kostenlos für Android und iOS). Sie erfassen die Nutzung des Smartphones. Man kann mit ihnen bestimmte Apps deaktivieren oder das ganze Smartphone für eine bestimmte Zeit “lahmlegen”. Apps wie Forest und Space sind eher spielerisch aufgebaut, indem durch Nichtnutzung des Handys ein Baum wächst oder sich eine Galaxie aufbaut.

Viele dieser Apps finanzieren sich durch Werbung, was nervig sein kann. Außerdem erfordern einige Apps die Eingabe vieler Daten, um das Smartphone-Verhalten nachvollziehen zu können. Nicht bei allen ist klar, ob die Daten auch für andere Zwecke genutzt werden.

Bei vielen Geräten lässt sich auch über die „Einstellungen“ die eigene Bildschirmzeit oder das „Digitale Wohlbefinden“ kontrollieren. Sie können sehen, wie lange und womit Sie Ihre Zeit am Smartphone verbracht haben. Es lassen sich Auszeiten planen oder zeitliche Limits für bestimmte Apps festlegen. Hält man das nicht ein oder wird das Zeitlimit erreicht, erscheint auf dem Bildschirm der entsprechende Hinweis und die Frage, ob man z. B. noch weitere 15 Minuten ergänzen möchte oder ausnahmsweise „Heute kein Limit“ wählt.

Auch wenn diese digitalen Helfer leicht deaktiviert werden können, sieht man, wie viel Zeit man mit dem Smartphone und bestimmten Apps verbringt. Dies kann helfen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu überdenken und zu verändern. Vielleicht machen Sie daraus gemeinsam mit Ihrem Kind eine Challenge!?

Smartphone-Gadgets selber machen

Von Handyhüllen, Knöpfen, die als Halterung an das Smartphone geklebt werden, bis zu VR-Brillen, mit denen man via Smartphone in 3D-Welten abtauchen kann… Für die elektronischen Begleiter gibt es jede Menge Gadgets, die man kaufen kann. Günstiger und auch persönlicher ist es, sie selbst zu basteln – und ein schönes gemeinsames Familienprojekt noch dazu! Hier gibt es einige Ideen für DIY-Projekte (Do It Yoursellf/Mach es selbst) rund um das Smartphone.

Handyhalterung aus Alltagsmaterialien

Es ist nicht immer einfach, das Handy zu halten, während ein längeres Video läuft. Eine selbst gebastelte Handyhalterung schafft Abhilfe. 

  • Variante 1: Aus einer aufrecht stehenden Toilettenrolle wird ein Stück herausgeschnitten, so dass das Smartphone darin liegen kann. Die graue Klorolle kann noch bemalt oder verziert werden. Das Ganze funktioniert auch mit einer liegenden Rolle. Diese muss allerdings stabilisiert werden, damit sie nicht wegrollt, z.B. mit einem angeklebten Bleistift auf jeder Seite.
  • Variante 2: Haben Sie vielleicht noch eine alte Kassette zu Hause herumliegen? Kassette raus, Hülle umgeklappt und hingestellt. Das Handy passt quer in dieses stabile Stativ und Ihr Kind kann die Kassettenhülle noch bunt bekleben oder bemalen.
  • Variante 3: Ein Stück Pappe, das ein wenig größer ist als eine Visitenkarte, wird in der Mitte gefaltet und schräg eingeschnitten. Es sollte beachtet werden, dass zwei Kanten am untern Ende bestehen bleiben, damit das Smartphone nicht abrutscht. 

Noch mehr Ideen für kreative Handyhalter und bebilderte Anleitungen gibt’s hier.

Touchpen aus Farbstift und Aluminiumfolie 

Wer lieber mit einem Stift als den Fingern auf dem Smartphone herumtippt, kann sich einen sogenannten Touchpen ganz einfach selber machen. Dafür wird einfach ein Stück Aluminiumfolie um einen beliebigen Stift gewickelt und festgeklebt. Es sollte aber beachtet werden, dass die kleinen Ecken an der Aluminiumfolie abgerundet werden und der Stift nur auf Geräten mit einer Schutzfolie benutzt werden sollte, um Kratzer auf dem Bildschirm zu vermeiden.

Lautsprecher-Verstärker fürs Smartphone

Jedes Smartphone hat einen Lautsprecher, aber der ist manchmal nicht laut genug. Als Verstärkung kann eine leere Chipsdose dienen. Zuerst wird ein Schlitz entsprechend der Dicke des Smartphones hinein geschnitten und mit Knete o. ä. ein paar Standfüße daran befestigt, damit die Dose nicht wegrollt. Das Smartphone wird mit dem Lautsprecher (meistens unten am Gerät) in die Dose gestellt. Fülle Sie sie am besten noch mit etwas Toilettenpapier, damit es nicht zu hallig klingt. Fertig ist der Verstärker! Mehr Tipps dazu gibt’s hier.

Wenn die Ideen nicht ausreichen: Es gibt noch viele weitere Bastelanleitungen für Handygadgets, wie z. B. Handyhüllen, Smartphone-Beamer oder Kopfhörertaschen. Suchen Sie z. B. bei YouTube nach Begriffen wie “Smartphone basteln” gemeinsam mit Ihrem Kind danach.

YouTube in der Familie

Auch Ihr Kind bewundert einen oder mehrere YouTube-Stars und würde am liebsten die ganze Zeit Videos schauen? Dann haben wir ein paar Tipps, wie Sie die YouTube-Nutzung in Ihrer Familie regeln können. Beachten Sie, dass nicht jeder Tipp für jedes Kindesalter geeignet ist.

Unsere Tipps für alle Altersgruppen

  • Medienzeit: Vereinbaren Sie je nach Alter Ihres Kindes feste YouTube-Zeiten, in denen es Videos schauen darf. Besprechen Sie mögliche Konsequenzen, sollten die Zeiten einmal nicht eingehalten werden. Nutzen Sie dafür z. B. einen sogenannten Mediennutzungsvertrag.
  • Werbeunterbrechungen: YouTuber verdienen mit ihren Videos meist Geld in Form von eingebundener Werbung. Die Währung auf YouTube ist Aufmerksamkeit: Je mehr Abonnenten ein YouTuber oder eine YouTuberin und je mehr Klicks ein Video hat, desto mehr Werbeeinnahmen werden erzielt. Erklären Sie Ihrem Kind, wie durch sein Verhalten auf YouTube Geld gemacht wird.
  • YouTube-Stars sind oft sogenannte Influencer. Gesponserte Inhalte oder Produktplatzierungen können für Heranwachsende unter Umständen schwer zu erkennen und zu durchschauen sein.

Unsere Tipps für Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter

  • Sicherheitseinstellungen: YouTube ist keine Plattform für Kinder, auch wenn dort viele Inhalte spannend für sie sind. Um zu vermeiden, dass Ihr Kind unangemessene, anstößige oder grausame Videos angezeigt bekommt, aktivieren Sie die YouTube-Kindersicherung mit der Option „eingeschränkter Modus“. Hier finden Sie eine genaue Anleitung.
  • Videowiedergabe: Wenn Ihr Kind mehr als ein Video anschauen darf, fügen Sie die ausgewählten Videos zur Wiedergabeliste hinzu, so dass Sie entscheiden und wissen, welches Video als nächstes abgespielt wird. 
  • Kindgerechtes Angebot: Für jüngere Kinder – bis ins Grundschulalter – empfehlen wir die App YouTube Kids.

Unsere Tipps für Teenager

  • Beliebte Angebote: Zeigen Sie Interesse und bleiben Sie im Gespräch! Unterhalten Sie sich mit Ihrem Kind darüber, was es an YouTube und seinen Stars begeistert. Lassen Sie sich Videos zeigen und die Faszination daran erklären, ohne dass Sie den Eindruck erwecken, Sie wollten Ihren Sohn oder Ihre Tochter kontrollieren.
  • YouTube-Account: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es bedeutet, sich bei YouTube zu registrieren, um Kommentare zu hinterlassen oder eigene YouTube-Videos hochzuladen. Nach den AGB müssen die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform in Deutschland mindestens 16 Jahre alt sein. Mit Ihrem Einverständnis ist auch eine Nutzung von Kindern ab 13 Jahren möglich. Sie können mit Family Link ein Google-Konto für Ihr minderjähriges Kind erstellen und verwalten bis es alt genug ist. Die Steuerung der YouTube-Nutzung eines Kindes mit dem Google-Konto eines Elternteils – die sogenannte Elternaufsicht – ist möglich, aber noch in der Testphase. Lesen Sie mehr direkt auf den Seiten von YouTube. Es gibt zudem bestimmte Richtlinien und Gesetze, die eingehalten werden müssen – wie etwa das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild. Mehr Hinweise, die Sie im Blick behalten sollten, wenn Ihr Kind YouTube aktiv mitgestalten möchte, finden Sie in unserem Beitrag Mein Kind will YouTuber werden – was nun?

In allen verlinkten Beiträgen finden Sie mehr Informationen. Diese können hilfreich sein, wenn Sie sich in der Familie zu YouTube austauschen möchten.

Telegram

Telegram ist ein Messenger-Dienst wie WhatsApp, Signal und Co. Obwohl der Messenger im Vergleich zu anderen als relativ datenschutzsicher gilt, ist Telegram wegen der Verbreitung von Fake News und Verschwörungserzählungen in die Kritik geraten.

Kurz gefasst:

  • kostenloser Messenger für Smartphone, Tablet oder PC
  • geheime Chats mit “Selbstzerstörungstimer” möglich
  • Handynummer für Fremde versteckt, durch Nutzernamen auffindbar
  • Erstellung von Gruppen, Kanäle und Bots
  • Mindestalter laut AGB: 16 Jahre (Altersangabe in den App-Stores: ab 17 bzw. 18 Jahre)

Was ist Telegram?

Telegram ist ein kostenfreier Messenger-Dienst, der mit einer besonders hohen Sicherheit und Schnelligkeit wirbt. Wer die App nutzen möchte, muss sich mit einer Handynummer einmalig durch einen Anruf oder per SMS registrieren. Anschließend lässt sich ein Account über unbegrenzt viele Geräte verwenden. Außerdem ist es möglich, sich einen Benutzernamen anzulegen.

Telegram bietet Funktionen wie andere Messenger-Dienste auch: Das Versenden (und Bearbeiten) von Bildern, Videos, Audiodateien und Emojis. Außerdem lassen sich darüber Umfragen durchführen. Eine weitere Besonderheit von Telegram ist die Erstellung öffentlicher Gruppen bzw. das Abonnieren von (thematischen) Kanälen: Über diese können Nachrichten an unbegrenzt viele Nutzende versendet werden, schreiben darf aber nur der Kanalersteller und die Administratoren. 

In sogenannten „Geheimen Chats“ werden Nachrichten nicht auf den Servern des Anbieters gespeichert. Damit soll verhindert werden, dass Nachrichten in irgendeiner Form abgefangen und mitgelesen werden können. Auch die „Selbstzerstörungsfunktion“, mit der nach einer festgelegten Zeit eine Nachricht automatisch bei Sender und Empfänger verschwindet, trägt dazu bei. 

Was macht Telegram für Jugendliche interessant?

Wie auch bei WhatsApp kann über Telegram schnell und kostenlos mit anderen in Kontakt getreten werden. Besonders der Austausch in Gruppen macht Telegram interessant. Für ältere Jugendliche könnte zudem der Kontakt mit Gleichgesinnten in Telegram-Gruppen spannend und zugleich problematisch sein.

Was ist problematisch an dem Angebot?

Trotz Verschlüsselungen und geheimen Nachrichten hat die App einige Tücken: Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung sorgt dafür, dass Nachrichten nur von den Chatteilnehmenden gelesen werden können, muss aber  erst aktiviert werden. Außerdem sind  sämtliche Kommunikationsinhalte, mit Ausnahme der geheimen Chats, dauerhaft für den Betreiber einsehbar und werden auf dessen Servern gespeichert. 

Wegen der abonnierbaren Kanäle und Gruppen ist Telegram beliebt und gleichermaßen in der Kritik. Einrichtungen wie z. B. Zeitungen können darüber regelmäßig aktuelle Informationen versenden. Aber es finden sich in diesen Gruppen auch Personen zusammen, die rechtes Gedankengut oder andere extreme Meinungen untereinander austauschen und verbreiten. Hören Sie dazu auch eine Folge des Jugendpodcasts „Was geht…?“.

Wie bei ähnlichen Apps können Kontaktrisiken wie Sexting, Cybermobbing und das Verbreiten sogenannter Fake News nicht ausgeschlossen werden. Die Registrierung mit einem Nutzernamen stellt ein besonderes Risiko dar: Dieser ist öffentlich, so dass auch Personen, die die Handynummer nicht haben, Kontakt aufnehmen können. Der Messenger benötigt außerdem Zugriff auf das Adressbuch und Kontakte werden auf Telegram-Servern dauerhaft gespeichert. 

Was meint der Anbieter?

Der russische Anbieter wirbt mit Datenschutz und Privatsphäre. Neben den Verschlüsselungen gibt es z. B. die Möglichkeit, die App mit Code oder Fingerabdruck zu sichern. Telegram ist außerdem Open Source, das heißt dass jeder einsehen kann, wie die App programmiert ist und wie die Sicherheitsmaßnahmen funktionieren. Die App soll außerdem immer kosten- und werbefrei bleiben. 

Bevor Sie sich registrieren, müssen Sie außerdem den Nutzungsbedingungen zustimmen. Diese verlangen ein Mindestalter von 16 Jahren. Außerdem verpflichten sich die Nutzenden, den Dienst nicht für den Versand von Spam oder Betrügerei zu benutzen, Gewalt nicht zu fördern und keine illegalen pornografischen Inhalte zu veröffentlichen. Es ist jedoch unklar, ob und wie die Einhaltung dieser Bedingungen geprüft wird.

Was sollten Eltern beachten?

Bevor Ihr Kind einen Messenger wie Telegram nutzt, sollten Sie mit ihm über Kommunikationsregeln und mögliche Gefahren sprechen. Überlegen Sie vorher, was für Telegram spricht oder ob ein anderer Dienst besser wäre. Wenn es Telegram sein soll, verzichten Sie auf eine Registrierung mit einem öffentlichen Nutzernamen.

Virtueller Elternabend am 9. September 2021 von 17.00 bis 18.00 Uhr

Kindersuchmaschinen – Vom Suchen und Finden im Internet

Obwohl Kinder von Beginn an mit digitalen Medien aufwachsen, müssen sie wie in der realen Welt entsprechende Fähigkeiten entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die Suche nach geeigneten Angeboten im Internet oder die Einschätzung von Gefahren. Mit Kindersuchmaschinen können Kinder lernen, sich sicher im Internet zu bewegen, zu orientieren und auszuprobieren. Wie Eltern ihre Kinder beim Einstieg ins Internet unterstützen können, erfahren Sie von den Mitarbeiterinnen der Kindersuchmaschinen Blinde Kuh und fragFINN beim virtuellen Elternabend von Elternguide.online. Seien Sie live dabei und stellen Sie Ihre Fragen an unsere Expertinnen – wir geben Antworten und stehen für den Austausch zur Verfügung!

Informationen und Anmeldung

Datum: 09.09.2021 | Zeit: 17 bis 18 Uhr
Ablauf: Medienpädagogischer Input (ca. 40 Minuten) und anschließender offener Austausch
Referentinnen: fragFINN e.V. – Nathalie Stelmach, Blinde Kuh – Darja Martens
Plattform: Der virtuelle Elternabend wird über das Tool „Zoom“ realisiert.
Datenschutzhinweis: Zoom ist ein Service der Zoom Video Communications Inc., die ihren Sitz in den USA hat. Wir nutzen Zoom über den deutschen Betreiber easymeet24. Serverstandort von easymeet24 ist Europa. Weiterhin haben wir innerhalb des Dienstes Zoom die Konfigurationen mit dem höchsten Daten- und Sicherheitsschutz gewählt.
Bitte nehmen Sie auch von unserer Datenschutzerklärung Kenntnis.

Anmeldung:

    Hiermit melde ich mich zum virtuellen Elternabend von Elternguide.online am 09.09.2021 um 17.00 Uhr verbindlich an.

    * = Pflichtangabe
    Die erhobenen Daten dienen ausschließlich der Verarbeitung Ihrer Anfrage und werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Daten werden nach Abschluss der Bearbeitung und Durchführung des Webinars gelöscht. Mit dem Absenden der Nachricht willigen Sie in die diesbezügliche Datenverarbeitung ein.
    Bitte nehmen Sie auch von unserer Datenschutzerklärung Kenntnis.

    Mediennutzung für alle

    Egal ob alt, jung, körperlich beeinträchtigt oder hochbegabt – Mediennutzung ist für die meisten Menschen ein Thema. Nur weil Menschen eine Beeinträchtigung haben, heißt das nicht, dass sie Medien nicht gerne nutzen. Vielleicht wissen Sie das von Ihrem Kind und haben sich gefragt, wie Sie seine Mediennutzung gut begleiten können und ob es spezielle Medien für Kinder mit Behinderung gibt. 

    Die meisten Internetangebote sind auf Menschen ausgelegt, die Maus, Tastatur oder Touchscreen gut bedienen, lesen, sehen und hören können – dabei gibt es viele Menschen, die das aus unterschiedlichen Gründen nicht können! Es ist wichtig, dass alle so mit Smartphone & Co. umgehen können, wie sie es möchten und überall teilhaben können. 

    Das Recht auf digitale Teilhabe

    Wenn alle Medien so nutzen können, wie sie es möchten und nicht ausgeschlossen werden, spricht man von digitaler Teilhabe. Das ist ein Grundrecht, das auch in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben ist. Dazu müssen Medienangebote aber auch so gestaltet sein, dass das möglich ist. Manchen Menschen fällt es schwer, lange Texte auf Internetseiten gut zu verstehen. Oder jemand kann sie nicht lesen, weil er oder sie blind ist. Dafür gibt es wie im Straßenverkehr auch im Internet Hilfsmittel. Auf manchen Webseiten kann man sich Texte vorlesen lassen oder auf dem Computer ist ein Programm, das Texte vorlesen kann. Allerdings gibt es sowohl im Straßenverkehr als auch im Internet noch zu wenig Hilfsmittel. Dann ist es für manche Menschen schwierig, an der digitalen Welt (oder dem Straßenverkehr) teilzunehmen. Voraussetzung dafür ist Barrierefreiheit. Im Video der FINNreporter erklärt Lilly anschaulich und verständlich, was das bedeutet und wie Kinder Medien nutzen können, die nicht sehen oder hören können.

    Tipps für eine Mediennutzung ohne Barrieren

    Auch wenn viele Internetangebote noch nicht barrierefrei gestaltet sind, gibt es einige Hilfsmittel, damit Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mit Beeinträchtigung sie nutzen können.

    • Geräte wie Smartphones und Tablets bringen häufig schon Einstellungen mit, die die Bedienung für Menschen mit Einschränkungen erleichtern können. Bei Apple-Geräten heißen sie Bedienungshilfen und bei Samsung/Android-Geräten gibt es den Einfachen Modus. Für Computer gibt es häufig spezielle Software, die man kaufen und installieren kann. In der Datenbank der Stiftung Barrierefrei Kommunizieren können Sie nach passenden Apps und Programm suchen.
    • Bei YouTube und anderen Plattformen, auf denen Videos gezeigt werden, lassen sich Untertitel aktivieren. Das hilft Menschen, die nicht gut hören können oder geschriebene Sprache besser verstehen. Die Angebote der Mediatheken von ARD und ZDF sind sogar häufig mit Audiodeskription abrufbar. D. h. ein Erzähler erklärt, was auf dem Bildschirm zu sehen ist.
    • Einige Internetseiten bieten die Möglichkeit, die Sprache zu ändern. Manchmal gibt es auch Texte in Leichter oder Einfacher Sprache, sodass Kinder oder Menschen mit Sprach- oder Leseproblemen sie gut verstehen können.
    • LegaKids ist ein kostenloses Internetangebot für Menschen mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten), Legasthenie, Leseschwäche und Rechenschwäche. Es bietet Informationen, App-Tipps und vieles mehr für Eltern, Kinder und andere Interessierte.
    • Die Aktion Mensch hat auf ihrer Seite einfach-fuer-alle.de Apps zusammengestellt, die die Teilhabe aller Menschen unterstützen.
    • Die Technische Hochschule Nürnberg hat das Computerspiel Genesis für Menschen mit Behinderung entwickelt.
    • Mit dem Programm Susi können Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähig­keiten Computer eigenständig und selbst­bestimmt nutzen.

    Vielleicht finden Sie ein paar Anregungen, die Ihnen und Ihrem Kind helfen, Medien mit Spaß und Sicherheit nutzen zu können. Beobachten Sie Ihr Kind, wie es mit den Inhalten umgeht. Es gibt Kinder, die Inhalte noch nicht gut verstehen, obwohl sie laut Altersempfehlung schon geeignet sein sollten. Da jedes Kind anders ist und sich unterschiedlich entwickelt, ist das nicht schlimm. Schauen Sie einfach, ob andere Angebote geeigneter sind. Lesen Sie dazu mehr in unserem Beitrag “Altersgerechte Medien für mein Kind”.

    Mobilsicher – das Infoportal für sichere Handynutzung

    Datenschutz und Privatsphäre sind zentral, wenn es um eine sichere Handynutzung geht. Um herauszufinden, wie es sich mit der Privatsphäre bestimmter Apps verhält und wer auf welche Daten zugreifen kann, ist oft eine aufwändige Recherche nötig. Bei Mobilsicher können sich Nutzende gezielt zu bestimmten Apps informieren und schnell einschätzen, ob eine App sicher ist. 

    Kurz gefasst:

    • Infoportal zu Datenschutz, Privatsphäre und sicherer Handynutzung
    • kostenlos und gemeinnützig
    • unabhängig und werbefrei
    • Inhalte über Webseite oder den YouTube-Kanal
    • AppChecker: Datenbank mit Testergebnissen zu rund 30.000 Android Apps

    Was kann das?

    Mobilsicher ist ein Internetportal, über das man sich umfassend zum Datenschutz und der Privatsphäre bestimmter Anwendungen informieren kann und über die Hintergründe beliebter Apps aufgeklärt wird. In kurzen Artikeln oder Videos wird erklärt, wie bestimmte Einstellungen vorgenommen werden können und die eigene Handynutzung sicherer gemacht werden kann. Unter dem Thema #Kinder finden Eltern viele hilfreiche Beiträge z. B. zum Datenschutz beliebter Kinder-Apps, Tipps wie das Smartphone des Kindes sicherer gemacht und Jugendschutzprogramme einrichtet werden.

    Das Herzstück des Portals ist der AppChecker. Hier werden Testergebnisse zu Datenschutz und Datennutzung zahlreicher Android-Apps zu Verfügung gestellt. Mobilsicher analysiert für den AppChecker beliebte Apps bezogen auf Werbung, In-App-Käufe und das Datenverhalten. Außerdem wird über mögliche Drittanbieter, App-Berechtigungen und Zugriffsrechte aufgeklärt. Die Bewertung von Apps ist anhand des sogenannten Privacy-Scores von 1 bis 5 auf einen Blick erkennbar. Apps können über die Suchleiste und über das Glossar gefunden werden, das alle bisher analysierten Apps von A-Z beinhaltet. Mobilsicher ist kostenlos und unabhängig. 

    Was kann problematisch sein mit dem Angebot ?

    Das Angebot des AppCheckers ist auf Android-Apps beschränkt. Der Anbieter gibt an, dass andere Betriebssysteme, wie etwa iOS, nicht unterstützt werden, da eine vergleichbare Testung nicht möglich ist. Das schließt viele potentielle Nutzer und Nutzerinnen aus. 

    Was sollten Eltern beachten?

    Über Mobilsicher können Sie sich gut über die Datensicherheit von Apps informieren. Beachten Sie aber, dass Mobilsicher die Apps lediglich auf ihren Umgang mit Daten und ihre Privatsphäre testet. Die Inhalte der Apps oder andere Risiken, wie z. B. durch die Kommunikation mit anderen Personen, wird in der Bewertung nicht berücksichtigt. Wird eine App von AppChecker als gut bewertet, sagt dies nur beschränkt etwas über ihre Eignung für Ihr Kind aus. Nutzen Sie deshalb auch andere Quellen, um sich über geeignete Medienangebote zu informieren. In unserem Artikel zu guten Apps für Kinder erfahren Sie mehr über Informationsangebote und wie Sie eine gute Kinder-App erkennen können.

    Zwischen Schutz und Freiraum

    Als Eltern haben Sie immer das Bedürfnis, Ihr Kind vor Gefahren zu schützen – egal, ob im Straßenverkehr, beim Toben mit Freunden oder eben bei der Mediennutzung und egal, wie alt es ist. Schließlich lauern überall potenzielle Gefahren. Wenn Kinder aber immer davor bewahrt werden, können sie nicht lernen damit umzugehen. Deshalb ist es wichtig, eine Balance zwischen Schutz und Freiraum zu finden. Dann kann sich Ihr Kind entfalten und eigenständig werden, ohne dass es permanent Risiken ausgesetzt ist.

    Freiräume sind wichtig

    Kinder und Jugendliche suchen ständig nach neuen Erfahrungsräumen, auch solche die fernab Ihrer Kontrolle als Eltern sind. Diese Freiräume müssen Sie Ihrem Kind zugestehen, denn sie sind sinnvoll und notwendig, damit es eine Eigenständigkeit entwickeln kann. 

    Kinder und Jugendliche brauchen und nutzen diese Freiheit je nach Alter unterschiedlich. Jüngere Kinder ziehen sich in ihr Zimmer zurück oder schauen heimlich länger Fernsehen, wenn Mama oder Papa nicht aufpassen. Sobald Kinder lesen lernen, können sie auch Online-Medien mehr und anders nutzen. Dann landen sie schon mal aus Neugierde auf Internetseiten, die eigentlich noch nichts für sie sind. Je älter Ihr Kind wird, desto wichtiger ist es, dass es auch eigene Entscheidungen trifft. 

    Spätestens im Teenie-Alter kommen soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram, YouTube und Computerspiele dazu. Den Zugang zu diesen Plattformen generell zu verbieten, ist unmöglich und aus pädagogischer Sicht nicht sinnvoll. Jedoch können in diesen Räumen auch bewusst oder unbewusst Grenzen überschritten werden. Es gehört besonders zur Jugendphase dazu, sich vom Elternhaus abzugrenzen und eigene Wege zu gehen. Ihr Kind möchte herausfinden, wer es ist. Deshalb werden Grenzen ausgetestet und persönliche Freiheitsräume gesucht. Social Media bietet dafür viele Möglichkeiten. 

    Ihr Rolle als Eltern

    Es ist in Ordnung, wenn Sie Ihr Kind nicht überall beaufsichtigen. Eigenständigkeit ist positiv und sollte von Ihnen unterstützt und kritisch begleitet werden. Dazu gehört aber, Ihr Kind darauf vorzubereiten, indem Sie ihm die Risiken und Chancen digitaler Medien bewusst machen und Wege zeigen, damit umzugehen. Gemeinsam vereinbarte Medienregeln können helfen. Dazu sollten nicht nur Medienzeiten gehören, sondern auch ausgewählte Medieninhalte und App-Berechtigungen. Solche Regeln sollten jedoch immer wieder neu ausgehandelt werden, um sie dem Alter Ihres Kindes anzupassen.

    Geben Sie nach und nach die Kontrolle ab und beziehen Sie Ihr Kind bei allen Entscheidungen mit ein. Nur wenn es Ihre Sorgen versteht, kann es Regeln auch umsetzen. Trotzdem wird es – gerade in der Pubertät – auch Momente geben, in denen Ihr Kind sich nicht daran hält. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und suchen Sie immer wieder das Gespräch. Seien Sie vor allem ansprechbar, falls es mal an seine Grenzen kommt und verurteilen Sie Ihr Kind nicht dafür. Schließlich gehört das zum Aufwachsen dazu.

    Altersgerechte Medien für mein Kind

    Das Angebot an Filmen, Serien, Apps und so weiter ist riesig. Für Eltern ist es oft schwierig, da den Überblick zu behalten und vor allem, das Passende für ihre Kinder auszuwählen. Denn es geht darum, dass Medieninhalte altersgerecht, unterhaltsam und am besten noch lehrreich sind.

    Was heißt altersgerecht?

    Die Medien, die Ihr Kind nutzt, sollten seinem Entwicklungsstand entsprechen. Jedes Kind muss erst einmal lernen, wie Medien funktionieren und dass es sich nicht unbedingt um eine Abbildung der Realität handelt. Je nach Alter und Entwicklungsstand gehen Kinder unterschiedlich mit Medien um. Kindgerechte Medien sind darauf abgestimmt. Deshalb sollten Sie bei Beschreibungen darauf achten, dass es eine Altersempfehlung und eine Erklärung der Inhalte gibt. Aus dieser können Sie ableiten, ob das Angebot zu Ihrem Kind passen könnte. Außerdem hilft es, andere Eltern nach Empfehlungen zu fragen und die Medien vorher – ohne das Kind – selbst anzuschauen.

    Geprüfte Medieninhalte

    In Beschreibungen von Medienangeboten, egal ob Apps, Filme oder Games, gibt es manchmal unterschiedliche Altersangaben. Zu unterscheiden sind Empfehlungen von AGB-Vorgaben und sogenannten Altersfreigaben. Vorgaben und Freigaben haben in der Regel einen rechtlichen Hintergrund. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gibt z. B. vor, dass bestimmte Apps, die nicht für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden, wie etwa WhatsApp und TikTok, frühestens ab 13 Jahren genutzt werden dürfen. 

    In der Beschreibung in den App-Stores taucht häufig eine andere Altersangabe auf – nämlich die Freigabe durch den Jugendmedienschutz. Sie kennen wahrscheinlich Abkürzungen wie FSK oder USK. Die sogenannten Selbstkontrollen der Filmindustrie, Spieleindustrie usw. betrachten Medien nach den Kriterien des gesetzlichen Jugendschutzes und ordnen sie entsprechend ein. Dabei wird jeweils geprüft, ob Medieninhalte gefährlich für die Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sein könnten. Es geht um die Darstellung von Gewalt, Pornografie u. ä. oder ob Kinder durch die Nutzung eines Angebots Kontaktrisiken ausgesetzt sein können. Geprüft wird aber nicht, ob eine Handlung in einer Serie und Figuren schon von Kindern in einem bestimmten Alter verstanden werden. Nur weil beispielsweise ein Disneyfilm ab “0 Jahren” freigegeben ist, ist er noch lange nicht für Babies geeignet. Er stellt nur kein Risiko dar. Über Alterskennzeichen und technische Schutzmaßnahmen soll der Zugang zu den Medien für Kinder geregelt werden. Aber das funktioniert nur, wenn auch Sie als Eltern darauf achten.

    Wenn es um die Auswahl der Inhalte geht, helfen Ihnen Altersempfehlungen, die z. B. von (medien-)pädagogischen Einrichtungen vorgenommen wurden. Es wird geschaut, ob die Inhalte der Lebenswelt der jeweiligen Altersgruppe entspricht und ob sie verständlich und ansprechend sind. 

    Geeignete Medienangebote und Orientierungshilfen für Eltern

    Nicht für jedes Alter gibt es die gleiche Auswahl an Medien. Vor allem für Kinder im Kita- und Grundschulalter ist die Palette groß. Ältere Kinder und Jugendliche weichen häufig auf Erwachsenenangebote aus, weil es nur wenig interessante Serien, Filme usw. gibt, die extra auf sie zugeschnitten sind. Da sollten Sie genau hinschauen und nachfragen, was sich Ihr Kind ansieht oder nutzt.

    Wir haben einige Tipps, wo Sie gute Medienangebote finden bzw. sich informieren können:

    • Bei FLIMMO können Sie nach geeigneten Sendungen, Filmen usw. von Fernsehsendern und Streaming-Anbietern suchen.
    • Kindersuchmaschinen wie fragFINN und Blinde Kuh bieten mehr Sicherheit beim Surfen, da nur geprüfte und kindgerechte Suchergebnisse angezeigt werden. 
    • Auf seitenstark.de finden Eltern eine große Sammlung kindgerechter Internetseiten. 
    • Kinderradio-Programme und Podcasts haben wir in unserem Beitrag “Es gibt was auf die Ohren” aufgelistet. 
    • Wo Sie kind- und jugendgerechte Nachrichten finden, erfahren Sie hier.
    • Die vielfältigen Inhalte von funk sprechen vor allem ältere Jugendliche an und sind auch von jungen Menschen gemacht.
    • Bei Handysektor gibt es Informationen rund um Mediennutzung und beliebte Apps – speziell für Jugendliche aufbereitet.
    • Das Deutsche Jugendinstitut stellt in einer Online-Datenbank geprüfte Apps für verschiedene Altersgruppen vor.
    • Auf der Seite des Spieleratgebers NRW gibt es ausführliche Steckbriefe zu vielen Computerspielen inkl. Altersempfehlung.

    Verlassen Sie sich nicht blind auf Empfehlungen! Denn nicht jedes Kind entwickelt sich gleich schnell oder langsam. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind von Beginn an eng begleiten, wenn es Medien nutzt. So können Sie einschätzen, wie es auf bestimmte Inhalte und die Machart von Medien reagiert. Allerdings ist es nicht nur Ihre Entscheidung, sondern auch Ihr Kind hat bestimmte Vorstellungen und Wünsche, was es gern im Fernsehen schauen, auf dem Tablet spielen oder mit der Hörbox anhören möchte. 

    Likee – was steckt hinter der TikTok-Alternative?

    Mit Likee können, ähnlich wie auf TikTok, Videos erstellt und geteilt werden. Die mehr als 2.000 Filter und Effekte begeistern vor allem junge Menschen. Doch was steckt noch hinter der App und welche Risiken gibt es?

    Kurz gefasst:

    • kostenlose App für iOS und Android
    • Altersfreigabe laut AGB ab 16 Jahren
    • Kostenfallen durch In-App-Käufe
    • mangelnder Datenschutz und Kommunikationsrisiken

    Was kann das?

    Likee ist eine Social-Media-Plattform, auf der kurze Videoclips einfach erstellt, geteilt, geliked und kommentiert werden können. Hochgeladene Videos sind auf dem eigenen Profil und auf öffentlichen Ranglisten zu sehen. Nutzende können sich gegenseitig Nachrichten über Likee schicken und sich Geschenke machen. Die Geschenke müssen zuvor gekauft werden. Eine Livestream-Funktion erlaubt es, dass sich Personen filmen und andere währenddessen liken oder kommentieren können. 

    Um sich bei Likee zu registrieren, muss entweder die Verknüpfung zu einem bestehenden Account, z. B. bei Facebook, hergestellt oder die eigene Handynummer eingegeben werden. Die App hat so schnell Zugriff auf die Kontakte der Person und schlägt diese als potentielle Freunde vor. Um die App in all ihren Funktionen nutzen zu können, ist die Freigabe von Kamera und Mikrofon erforderlich. Likee möchte zusätzlich auf den Standort zugreifen. Dadurch werden Videos von Personen aus der Nähe angezeigt. Der Standort einer Person ist auch zu sehen, wenn auf das zugehörige Profil geklickt wird. 

    Was fasziniert Kinder/Jugendliche daran?

    Auf Likee finden Nutzende kurzweilige, lustige und inspirierende Videos zu den verschiedensten Themen. Jugendliche können sich über die App kreativ ausleben und coole Videos erstellen, ohne dass viel Vorwissen nötig ist. Besonders die FaceFilter der App machen jungen Nutzerinnen und Nutzern Spaß. 

    Was kann problematisch sein an dem Angebot?

    Bei Likee geben Nutzende teilweise persönliche Einblicke, wenn sie Videos posten oder Livestreams starten. Durch die Standortfreigabe und das Verschicken von Nachrichten können (Kinder und) Jugendliche Opfer von Cybergrooming oder Cyberstalking werden. Auch andere Kommunikationsrisiken wie z. B. Hate Speech können durch das Kommentieren von Videos das Senden von Nachrichten eine Rolle spielen. Die hochgeladenen Videos werden außerdem nicht auf ihre Inhalte kontrolliert, einige der gezeigten Inhalte sind also nicht unbedingt für Kinder geeignet.

    Offiziell ist der uneingeschränkte Zugang zu der App erst ab 16 Jahren freigeben. Das Alter der Personen wird aber nicht kontrolliert.  

    Der Umgang mit den Daten der Nutzende durch den Anbieter ist kritisch zu sehen, da durch das Akzeptieren der Geschäftsbedingungen User ihre Rechte an den erstellten Videos abtreten. Die Daten werden in Singapur gespeichert und gesammelt. Personenbezogene Daten wie Heimatort, Standort und Suchverlauf können an Dritte, z. B. zu Werbezwecken, weitergegeben werden. Für die Face-Filter speichert die App außerdem die Gesichtszüge der Personen.

    Über die fiktive Währung, sogenannte Bohnen, können zusätzliche Effekte freigeschaltet oder Geschenke an andere Personen gesendet werden. Bohnen sind über In-App-Käufe zu bekommen. 

    Die App basiert auf einem Belohnungssystem, bei dem Nutzende auf der Rangliste nach oben steigen und zusätzliche Funktionen freigeschaltet bekommen, wenn sie besonders aktiv sind und viele Klicks und Likes erhalten. Das kann eine exzessive Nutzung der App fördern.  

    Was meint der Anbieter?

    Die App stammt von JOYY, einem Anbieter aus Singapur. Der Anbieter stellt zwar eine Jugendschutzfunktion und einen eingeschränkten Modus für Kinder unter 16 Jahren zu Verfügung, doch sind diese Funktionen nur schwer zu finden und zu aktivieren. JOYY spricht sich von der Prüfung der über die App geteilten Inhalte frei. Über die Hilfe- und Feedbackfunktion kann eine Löschung der Daten beantragt werden. Die Garantie einer vollständigen Löschung wird dabei allerdings nicht gegeben.

    Was sollten Eltern beachten?

    Über Apps, die den Austausch mit anderen Menschen ermöglichen, besteht immer die Gefahr, unangenehme Erfahrungen im Netz zu machen. Deshalb sollte Ihr Kind darüber Bescheid wissen und Strategien kennen, damit umzugehen oder bestimmte Risiken zu vermeiden. In unserem Beitrag “Rechtliche Hinweise der Social-Media-Nutzung” bekommen Sie die wichtigsten Informationen dazu.

    Sollte Ihr Kind Likee installieren wollen, machen Sie dies unbedingt gemeinsam. So können Sie sicherstellen, dass Ihr Kind das richtige Alter angibt. Kinder unter 16 Jahren nutzen die App im eingeschränkten Modus. Direktnachrichten, In-App-Käufe und das Teilen von Live-Videos sind so nicht mehr möglich. Schalten Sie zusätzlich die Standortfreigabe aus. Zeigen Sie Ihrem Kind den Hilfebereich der App und wie es dort Inhalte und Personen melden kann. Bieten Sie Ihrem Kind an, da zu sein und zu helfen. Klären Sie Ihr Kind außerdem über Datenschutz und Privatsphäre auf und vereinbaren Sie z. B., welche Inhalte geteilt werden dürfen und wie viel preisgegeben werden darf. Trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen ist die App nicht sicher für Kinder. Eine geeignete, kinderfreundliche Alternative ist z. B. knipsclub.de

    Künstliche Intelligenz

    Fliegende Autos, Roboter und ähnliche Dinge stellen sich viele Menschen vor, wenn es um künstliche Intelligenz geht. Zukunftsmusik also? Nicht ganz. Wo uns künstliche Intelligenz im Alltag bereits begegnet und was das mit der Medienerziehung Ihres Kindes zu tun hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

    Künstliche Intelligenz – was ist das überhaupt?

    Künstliche Intelligenz, oder kurz KI, ist ein sehr breiter Begriff. Damit sind meist Maschinen oder Computersysteme gemeint, die die menschliche Intelligenz nachahmen können. Dafür werden sie so lange mit Informationen gefüttert, bis sie diese selbstständig anwenden können, um Aufgaben zu lösen. Dazu gehört auch, dass sie aus Fehlern lernen und sich so ständig verbessern können. Wenn ein Computer z. B. mit sehr vielen Fotos von menschlichen Gesichtern gefüttert wird, kann er irgendwann sicher erkennen, ob auf einem Foto ein menschliches Gesicht abgebildet ist oder nicht. In diesem Fall handelt es sich um eine sogenannte „schwache KI“, da sie nur in Bezug auf ein bestimmtes Thema intelligent ist. Geforscht wird auch an einer „starken KI“, die die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen haben könnte, also z. B. logisch denken oder vorausplanen. Die starke KI gibt es aber noch nicht. Und falls es sie eines Tages geben sollte – Gefühle wird sie wahrscheinlich nicht haben und sich damit grundlegend von uns Menschen unterscheiden.

    KI im Familienalltag

    Mit der Gesichtserkennung ist künstliche Intelligenz bereits Teil unseres Alltags geworden: Vielleicht nutzt auch in Ihrer Familie jemand die „Face ID“, um das Smartphone zu entsperren. Hier erkennt das Smartphone, ob es sich um das Gesicht einer ganz bestimmten Person handelt. Auch in Sprachassistenten und Streamingdiensten kommt KI zum Einsatz. Alexa, Siri und Co. “merken”, wenn sie mit ihrem Namen angesprochen werden („Hey, Alexa“). Bei Netflix werden Filme empfohlen, die zu den zuletzt geschauten Inhalten passen. Dabei spielen auch Algorithmen eine Rolle. Mit sogenannten Smart Toys, also „schlauen Spielzeugen“, können Kinder beim Spielen interagieren – auch das funktioniert dank KI. Ein smartes Kuscheltier kann z. B. im Internet nach Antworten auf die Fragen Ihres Kindes suchen und diese dann laut vorlesen.   

    Risiken von KI 

    Künstliche Intelligenz kann unser Leben in vielen Situationen erleichtern. Doch es gibt auch Risiken, die mit dem Einsatz von KI verbunden sind. Beispielsweise können mit sogenannten Deep Fakes täuschend echte Bilder oder Videos erstellt werden, die die Verbreitung von Falschnachrichten unterstützen. Wird KI zuhause eingesetzt, etwa über einen Sprachassistenten oder Smart Toys, ist es außerdem wichtig, sich mit dem Datenschutzmaßnahmen des Herstellers zu beschäftigen und vorhandene Sicherheitseinstellungen zu nutzen. Werden die Daten nicht auf dem Gerät selbst, sondern in einer Cloud gespeichert, besteht die Gefahr, dass Dritte darauf zugreifen und die Daten missbrauchen können. Es gibt außerdem viele rechtliche Fragen, für die es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Lösung gibt: Wer soll beispielsweise in Zukunft haften, wenn eine durch eine KI getroffene Entscheidung Schaden anrichtet? Das ist ein Grund, warum etwa der Einsatz von selbstfahrenden Autos bisher noch nicht ohne weiteres mögliich ist. 

    KI spielerisch verstehen

    Künstliche Intelligenz ist in unserem Alltag angekommen und wird in Zukunft wahrscheinlich immer wichtiger werden. Kinder und Jugendliche wachsen schon heute ganz selbstverständlich mit vielen Anwendungen auf, die auf KI beruhen. Umso wichtiger ist es, dass sie verstehen, was KI ist und wie sie funktioniert. Kleineren Kindern fällt es zunächst oft schwer, zwischen einem durch KI aktivierten Gegenstand und einem echten Lebewesen zu unterscheiden. Um Kindern und Jugendlichen künstliche Intelligenz näherzubringen, eignen sich altersgerechte Erklärvideos und Artikel. Außerdem gibt es Spiele, in denen man selbst eine KI trainieren und so ihre Funktionsweise spielerisch verstehen lernen kann. Hier haben wir ein paar Angebote für Sie zusammengestellt: 

    Snapchat

    Snapchat ist ein kostenloser Messenger zum Versenden von Fotos und kurzen Videos. Die Besonderheit: Das lustige Selfie mit den Hasenohren oder ähnliches „verschwindet“ nach kurzer Zeit vom Smartphone des Empfängers.

    Kurz gefasst:

    • kostenlose Messenger-App für Android oder iOS
    • kreative Storys mit Freunden teilen: Bilder, Videos, witzige Emojis und Filter
    • Inhalte sind nur kurzzeitig sichtbar, es sei denn sie werden bewusst archiviert und gespeichert
    • laut Anbieter ab 13 Jahren erlaubt
    • diverse Kontaktrisiken und Ortungsfunktion ermöglicht Nachverfolgung des eigenen Aufenthaltsortes

    Was ist Snapchat?

    Mit Snapchat können Fotos und kurze Videos als Nachricht oder als Story an Kontakte versendet werden. Diese Snaps, also Schnappschüsse, sind nur für eine bestimmte Zeit sichtbar und „zerstören“ sich danach selbst. Snapchat ist eine der beliebtesten Apps bei Jugendlichen ab ca. 13 Jahren. Die Fotos und Videos können mit unzähligen Filtern bearbeitet werden. Mit der „Memorys-Funktion“ können Nutzerinnen und Nutzer bestimmte Inhalte auch abspeichern. Neben den privaten Storys von Freunden gibt es auch Inhalte von Stars, Marken und News. Über die Funktion “Spotlight” lassen sich außerdem kreative Kurzvideos im TikTok-Stil veröffentlichen. User können über die sogenannten „Snap Codes“ sowie über ihre Handynummer gefunden werden, wenn dies in den Einstellungen nicht deaktiviert wird. Das eigene Profil enthält nur Bilder und Videos, andere persönliche Angaben werden nicht gemacht. Mit der Kartenfunktion „Snap Map“ kann man sehen, wo sich die Kontakte gerade aufhalten.

    Was fasziniert Kinder und Jugendliche besonders an Snapchat?

    Teenager nutzen Snapchat sehr gern, um sich mit ihren Freunden auszutauschen. Dazu werden statt Text einfach Bilder und Videos versendet. Die Nutzung der Spaßfilter, Videos, die mit Musik unterlegt werden können und, dass die Nachrichten nach kurzer Zeit wieder verschwinden, macht den Reiz der App aus. Snapchat wirkt jugendlicher und verspielter als z. B. Instagram. Die Kommunikation über Snapchat erscheint Jugendlichen privater, da hier nur mit einzelnen oder in Gruppen Inhalte ausgetauscht werden. Auf der „Snap Map“ erscheint jede Person und ihre Kontakte als Avatare, weshalb sie wie ein Spiel wirkt.

    Was kann problematisch sein an Snapchat?

    Alle Inhalte auf Snapchat zerstören sich nicht wirklich selbst, sondern sie lassen sich nach einer bestimmten Zeit nur nicht mehr aufrufen. Theoretisch sind sie mit etwas technischem Knowhow auf dem Gerät wieder herzustellen. Oder es wird einfach ein Screenshot gemacht – darüber wird der Versender des Bildes allerdings informiert. Trotzdem kann es problematisch werden, wenn Kinder und Jugendliche sehr persönliche – vielleicht sogar intime – Bilder und Videos von sich versenden und diese eventuell z. B. über Cybermobbing gegen sie verwendet werden. Durch die Vielzahl der versendeten Inhalte ist die Kontrolle dieser und der befreundeten Profile schwierig. Kinder und Jugendliche sollten daher genau wissen, wie sie die Melde- und Blockierfunktionen nutzen können. Das ist z. B. im Falle der unerwünschten Kontaktaufnahme besonders sinnvoll. Unter anderem deswegen kann es auch problematisch sein, die Funktion “Snap Map” frei zu geben.

    Auch bestimmte Inhalte können für Jugendliche problematisch sein. Das sind nicht nur Bilder und Videos, deren Inhalte für sie nicht geeignet sind, sondern z. B. auch Werbung oder die Snaps von Marken und Produkten.

    Was meint der Anbieter?

    Wie bei jedem Anbieter müssen sich Nutzende an die Regeln der Plattform halten. Die Nutzung von Snapchat ist dabei nur Jugendlichen ab 13 Jahren mit der Erlaubnis ihrer Eltern erlaubt. Es erfolgt aber keine Prüfung der Angaben.

    Generell ist es verboten, nicht jugendfreie Inhalte wie pornografische Bilder zu verbreiten oder zu bewerben. Minderjährige dürfen keine Nacktbilder oder sexuell aufreizende Inhalte von sich posten oder versenden. Sicherheitsprobleme können innerhalb des Sicherheitscenters des Dienstes gemeldet werden. Außerdem ist es möglich andere Nutzer zu blockieren und zu melden.

    Snapchat sammelt jede Menge Daten von seinen Nutzerinnen und Nutzern und erläutert das sehr offen in seinen Datenschutzbestimmungen – auch dass Daten teilweise an Dritte weitergegeben werden. Die Daten, die man über Snapchat versendet, werden bei der Übertragung verschlüsselt.

    Was sollten Eltern beachten?

    Eine gute Übersicht zum sicheren Umgang mit Snapchat findet sich hier. Bei Scoyo gibt es außerdem eine Anleitung, wie Eltern Sicherheitseinstellungen vornehmen können.

    Wenn Ihr Kind gern Snapchat nutzen möchte, sollte Sie unbedingt besprechen, wer die geteilten Inhalte sehen kann und wer nicht. Gehen Sie gemeinsam die Einstellungen durch! Erklären Sie, dass Bilder vom Empfänger per Screenshot abgespeichert werden können. Es ist dringend zu empfehlen, dass Jugendliche nur Freunde zu ihrer Liste hinzufügen, die sie tatsächlich kennen.

    Sprechen Sie auch über die Funktion “Snap Map”: Was bedeutet die Sichtbarmachung des eigenen Standorts, welche Folgen und Risiken gehen damit einher und wird die Funktion überhaupt gebraucht? Das Teilen des Standortes kann auch unbewusst passieren (beim Öffnen der App). Dies kann im sogenannten „Geistmodus“ (Ghost Mode) verhindert werden. Auch kann der App die Berechtigung entzogen werden, auf den Standort zuzugreifen.

    Von Algorithmus über Cookie bis Filterblase

    Solche Begriffe begegnen uns ständig, wenn es um digitale Medien und Internet geht. Doch was sind eigentlich Cookies und was bedeuten Algorithmus und Filterblase? Beeinflussen sie, was wir im Netz sehen und lesen?

    Ich möchte keine Kekse!

    Wenn Sie im Netz unterwegs sind, werden Sie gefühlt ständig aufgefordert, Cookies zu akzeptieren oder einzurichten. Vorher kommen Sie gar nicht auf die eigentlichen Inhalte, die Sie sich ansehen möchte. Das kann ziemlich nerven. Dabei dient diese Abfrage dem Schutz unserer Daten.

    Cookie kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „Keks“ oder „Plätzchen“. Wenn im Internet von Cookies die Rede ist, sind damit kleine Datenmengen gemeint. Der Server speichert sie beim Lesen von Internetseiten dauerhaft oder für eine bestimmte Zeit. Es wird z. B. gespeichert, wie lange eine Person auf der Seite war oder ob etwas gekauft wurde. Wenn die Person erneut auf die Seite kommt, erkennt der Server, dass sie schon einmal da war. Seitenbetreiber können so das Verhalten aufzeichnen und ihre Seite danach gestalten. Cookies werden häufig genutzt, um Werbung gezielt einzusetzen. 

    Wenn bei Cookies personenbezogene Daten gesammelt werden, müssen Nutzende dem erst zustimmen oder es eben ablehnen. Deshalb kommt beim Besuch einer Webseite die Abfrage. Auch wenn es ein wenig nervt, ist es sinnvoll, die Cookies individuell einzustellen bzw. nur “essentielle Cookies” zu akzeptieren, damit so wenig personenbezogene Daten wie möglich von Ihnen und Ihrem Kind gespeichert und eventuell an Dritte weitergegeben werden können.

    Durch Algorithmen in der persönlichen Filterblase 

    Durch Cookies, bestimmte Suchbegriffe und unser Klickverhalten können Algorithmen ein digitales Profil einer Person erstellen. 

    Ein Algorithmus dient bei einer Computeranwendung dazu, ein bestimmtes Problem zu lösen. Dabei wird eine Folge von mathematischen Anweisungen ausgeführt. Zum Beispiel sucht sich ein Navi mit Hilfe eines Algorithmus‘ den schnellsten Weg zum Ziel. Ein anderes Beispiel ist der Page-Rank-Algorithmus von Google, der festlegt, welche Webseiten an erster Stelle der Trefferliste der Suchmaschine angezeigt werden.

    Sobald im Netz nach einem bestimmten Thema recherchiert wird, greifen Algorithmen – auch auf Grundlage von Cookiedaten. Es erscheinen vorrangig Beiträge, die der eigenen Meinung und dem eigenen Interesse entsprechen. Das ist zwar praktisch, weil es im Netz so viele Informationen gibt, dass wir ohne solche Software gar nicht so schnell und einfach das Passende auswählen könnten. Durch die vielen über uns gesammelten Daten, können wir allerdings auch in eine sogenannte Filterbubble geraten. 

    Mit Filterbubble oder Blase sind Inhalte und andere Personen gemeint, die unserer Meinung und unseren Interessen entsprechen. Im Internet bekommen wir aufgrund unseres Nutzungsverhalten vermehrt solche Inhalte angezeigt, die dem entsprechen.

    Das kann dazu führen, dass wir uns nur noch einseitig informieren, ohne es zu wollen. Im Extremfall spricht man von einer sogenannten Echokammer: Beiträge und Aussagen, die unserer Meinung widersprechen, werden ausgeblendet und wir bekommen stattdessen immer wieder unsere Meinung bestätigt. Das kann dazu führen, dass nur die eigene Meinung und Weltsicht als richtig wahrgenommen werden. Personen extremer Meinungen können dadurch anfälliger für Fake News, Manipulation und bestimmte Ideologien werden. 

    Tipps zum Umgang mit der Filterblase 

    Dabei ist die Vielfalt an objektiven Informationen wichtig, um sich eine eigene Meinung bilden und diese an neue Erkenntnisse anpassen zu können. Leider lässt sich die Filterblase aufgrund der Algorithmen im Netz aber nicht komplett vermeiden. Doch es gibt einige Vorgehensweisen, diese so offen wie möglich zu halten:

    • Sie und Ihr Kind sollten wissen, dass Algorithmen und Filterblasen existieren. Wer sich seiner eigenen Filterblase bewusst ist, kann besser damit umgehen und sich zusätzlich durch andere Quellen und Medien informieren. 
    • In verschiedenen Internetbrowsern lässt sich der Inkognito-Modus aktivieren oder “privat” surfen, so dass keine Suchverläufe oder Daten gespeichert werden. Bestimmte Browser und Suchmaschinen, wie Onion Browser oder startpage.com, speichern von sich aus weniger Daten. Achten Sie bei der Verwendung einer Suchmaschine wie Google darauf, dass Sie, während Sie im Netz surfen, nicht automatisch dort angemeldet sind. Außerdem kann einer personalisierte Suche bei Google widersprochen werden. 
    • Löschen Sie regelmäßig die Browserdaten und Cookies auf PC und Smartphone. Auch eine Deaktivierung von bestimmten Ad-Trackings und Standortdiensten auf dem Smartphone, kann verhindern, dass unnötige Daten gespeichert werden. Der Standort verrät ebenso wie das Klickverhalten oder bestimmte Suchanfragen viel über die Gewohnheiten und Interessen einer Person. 
    • Um sich der eigenen Filterblase bewusst zu werden, können Sie außerdem Ihre Suchergebnisse, z. B. zu politischen Themen, mit denen von anderen Personen vergleichen. 

    Bereits Kinder befinden sich in einer Filterblase, sobald sie im Netz aktiv sind. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind über solche Mechanismen im Netz und fördern Sie eine umfassende Informations- und Medienkompetenz. Dazu gehört auch das Wissen über und den Umgang mit Fake News.

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