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Selbstwahrnehmung in Zeiten von Instagram & Co.

Perfekte Haut, glänzende Haare, Modelfigur – das ist ein für viele Jugendliche vertrautes Bild aus der schillernden Instagram-Welt. Vor allem junge Mädchen nehmen den dort vorgelebten Lifestyle oder das Aussehen als Vorbild und empfinden es als Ideal. Was das für ihre Selbstwahrnehmung bedeutet und wie Sie Ihr Kind darin unterstützen können, sich wohl im eigenen Körper zu fühlen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Die Scheinwelt Instagram

Viele der bei Instagram geposteten Fotos oder Videos entsprechen nicht der Realität. Ob Mitschülerin oder Beauty-Bloggerin – jeder möchte den eigenen Followern möglichst beneidenswerte Fotos präsentieren. Dafür werden die von Instagram bereitgestellten Filter genutzt, mit denen die Haut glatter, die Sonne strahlender und die Haare glänzender wirken. Mit speziellen Apps können sogar die Nase kleiner oder die Taille schmaler gemacht werden.

Vor allem Influencer präsentieren sich und ihr Leben in sozialen Netzwerken als nahezu makellos und perfekt. Ihre Follower nehmen diese Darstellung als authentisch wahr und eifern ihnen nach. Das kann sich durch den Wunsch nach den neuesten Sneakern äußern oder durch Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Denn die Instagram-Welt hat nur wenig mit der Realität zu tun, da „normale“ Körper kaum präsent und daher für Jugendliche nicht erstrebenswert sind. Teenager werden dem Druck ausgesetzt, dieser schiefen Wirklichkeit nahezukommen.

Um Teil der Community zu sein, entsteht zudem der Druck, eigene Fotos auf Instagram zu posten. Dabei wird manchmal schon das Fotografieren oder Filmen als frustrierend empfunden, weil es lange dauert und die fertigen Medienprodukte nicht immer den Erwartungen entsprechen. Die Anzahl an Likes und Kommentaren gilt für viele junge Menschen dann auch als Bestätigung ihrer Person. Die Selbstzweifel steigen, wenn das gepostete Foto  oder Video nur wenige oder gar keine Likes erhält.

Einfluss auf Jugendliche und ihr Selbstbewusstsein

Verschiedene Studien haben ergeben, dass sich Jugendliche, die Instagram nutzen, in ihrem Körper besonders häufig unwohl fühlen. Auch Snapchat wird deshalb kritisiert. Jugendliche werden nicht nur in sozialen Netzwerken mit perfekten Fremdbildern konfrontiert, sondern auch durch Fernsehformate wie “Germany’s Next Topmodel” oder durch Werbung. Zu ihren Vorbildern in sozialen Netzwerken fühlen sich Jugendliche allerdings besonders stark persönlich verbunden.

Die verzerrten Körperbilder in den sozialen Netzwerken werden viel kritisiert. Es gibt starke Bemühungen, Körper in den Medien in all ihren Formen zu präsentieren, z. B. indem sich Menschen auf Instagram und Co. unter Hashtags wie #fürmehrrealitätaufinstagram oder #teambodylove ungeschminkt und natürlich zeigen. Die Bilder sind nicht bearbeitet. So wird versucht, vor allem jungen Menschen ein realistisches Körperbild zu vermitteln und ihnen Mut zu machen, den eigenen Körper zu akzeptieren.

Darüber hinaus gibt es Forderungen, bearbeitete Bilder in Zukunft als solche markieren zu müssen, um deutlich zu machen, dass diese eben nicht der Realität entsprechen.

Wie Sie als Eltern Ihr Kind unterstützen können

Bleiben Sie mit Ihrem Kind über seine Vorbilder im Gespräch. Schauen Sie sich gemeinsam Bilder auf Instagram an und fragen Sie nach, was genau es an den Bildern toll findet. Machen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn auf bearbeitete Bilder aufmerksam und hinterfragen Sie, inwiefern diese realistisch sein können. Dazu hilft es auch sich ins Bewusstsein zu rufen, dass nur sehr wenige Menschen das Aussehen von Influencern und Models haben und dass selbst diese mit Fotobearbeitung nachhelfen müssen.

Zeigen Sie vielleicht auch Kanäle, die gezielt versuchen, realistische Fotos hochzuladen. Suchen Sie gemeinsam nach Kanälen oder Hastags, die weniger Stereotypen entsprechen, sondern die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Das gibt Ihrem Kind unterschiedliche Anreize für die eigene Persönlichkeitsentwicklung.

Nutzen Sie gemeinsam aus Spaß eine Fotobearbeitungsapp und verändern Sie ein Foto von sich oder Ihrem Kind mit Hilfe von Filtern. So realisiert Ihr Kind auch, wie einfach es ist, ein Bild zu verändern oder gar zu manipulieren. Ganz unabhängig von Medien können Sie Ihr Kind täglich darin unterstützen, den eigenen Körper zu akzeptieren und zu lieben und so das Selbstwertgefühl stärken.

Cybermobbing

Fast jeder kennt den Begriff. Gemeint ist damit das Beleidigen, Bloßstellen oder Bedrohen von Personen über das Internet und Smartphone, z. B. über Apps wie Snapchat, WhatsApp oder Instagram. Aber nicht jede Nachricht oder jeder Post auf einem Social-Media-Profil mit dem Inhalt „Martin ist doof!“ gefährdet die Entwicklung Ihres Kindes.

Mobbing findet überall statt

Mobbing gibt es nicht erst seit es Social Media gibt. Da heute fast jeder ein Smartphone hat, hört es aber für die Betroffenen nicht auf, wenn sie nachmittags aus der Schule kommen. Kinder und Jugendliche stehen quasi ständig in Kontakt miteinander, z. B. über den Klassenchat bei WhatsApp

Mobbing ist meistens gleichzeitig Cybermobbing, weil sich manche Personen über das Handy eher trauen, gemeine Sache über andere zu verbreiten und sie zu beleidigen. Manchmal fangen Streitigkeiten oder Schikanen im Unterricht oder auf dem Schulhof an und verschlimmern sich über die Kommunikation im Netz. 

Was ist Cybermobbing?

  • Mobbing findet über digitale Medien und Social-Media-Plattformen statt.
  • Meistens soll einer Person bewusst Schaden zugefügt werden. Bei Cybermobbing kann es sein, dass die „Mobber“ gar nicht merken, dass sie zu weit gegangen sind. Was als Spaß gemeint war, kann negative Folgen haben.
  • Da Inhalte unbemerkt gespeichert und geteilt werden können, reicht eine einzige Veröffentlichung aus, um langfristig Schaden anzurichten.
  • Es ist nicht immer klar, wer dahinter steckt, weil man auch anonym Beleidigungen posten kann.
  • Es ist viel einfacher jemanden mit einer Smartphone-Nachricht zu beleidigen, als ihm eine Beleidigung direkt ins Gesicht zu sagen und die Reaktion mitzubekommen.

Was man gegen Mobbing tun kann?

Es gibt Menschen, die sich im Internet weniger sozial verhalten als sonst. Wenn Sie Ihrem Kind vorleben, dass Regeln eines freundlichen Umgangs auch im Netz gelten, verhalten sich hoffentlich auch die anderen so. Sie können mit anderen Eltern darüber sprechen, dass bestimmte Regeln für alle gelten.

Wenn Kinder und Jugendliche miteinander kommunizieren, kommt es immer auch mal zu Beleidigungen. Das muss nicht gleich Mobbing sein, sondern ist oft nur ein Spaß. Sie testen damit aus, wie weit sie gehen können. Allerdings ist diese Grenze bei jeden Kind woanders. 

Fragen Sie regelmäßig nach, was Ihr Kind im Netz macht, sprechen Sie mit ihm über mögliche Risiken. Seien Sie ansprechbar, wenn es auf Probleme stößt. Zeigen Sie ihm Möglichkeiten, in den Apps einzelne Nutzer zu blockieren. Auf Portalen wie juuuport kann Ihr Kind mit Gleichaltrigen Kontakt aufnehmen, wenn es sich nicht traut, Ihnen von Problemen im Netz zu erzählen.

Wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind zurückzieht und keine Freunde mehr trifft, sollten Sie vorsichtig nachfragen, was dahinter steckt. Falls Sie Sorge haben, dass es gemobbt wird, können Sie sich an die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer wenden. Falls es wirklich Mobbing ist, sollten Sie die Beweise auf dem Handy Ihres Kindes sichern, z. B. durch Screenshots. Bestimmte Verhaltensweisen in Verbindung mit Mobbing – wie etwa Bedrohung, Verleumdung und die Verbreitung von Fotos anderer – sind sogar strafbar

Bei massiver Bedrohung sollten Sie unbedingt zur Polizei gehen. Außerdem sollten Sie die Mobbingvorfälle auf den Plattformen melden, wo sie stattgefunden haben.

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https://www.youtube.com/watch?v=idDgeMkJqH4_%_

Beteiligung im Netz – ein Kinderrecht!

Das Recht auf Beteiligung haben schon Kinder. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung zu sagen und mitzuentscheiden. Dafür gibt es in der digitalen Welt vielfältige Angebote.

Warum ist es wichtig, Kinder zu beteiligen

Kinder haben eine eigene Sichtweise auf die Welt und andere Bedürfnisse als Erwachsene. Damit sie in einer für sie passenden Umgebung aufwachsen können, müssen sie in all den Angelegenheiten, die sie betreffen, gemäß ihres Alters mitreden können. Das sagt auch die UN Kinderrechtskonvention. Kinder müssen lernen können, was sie interessiert – in der Schule, in Gesprächen in der Familie oder im Internet. Dann können sie äußern, wie sie das finden und was sie gerne ändern würden. 

Kinder werden allerdings oft nicht ernst genommen oder ihnen wird gar nicht erst zugehört. Sie möchten sich aber beteiligen!

Beteiligung funktioniert für Kinder dann am besten, wenn sie in ihrer direkten Umgebung stattfindet: in der Familie, der KiTa, der Schule, auf dem Spielplatz um die Ecke… oder eben im Internet!

Welche Möglichkeiten gibt es für Kinder zur Beteiligung im Netz?

Eine wichtige Grundlage, um sich eine Meinung zu bilden, sind verständliche, also kindgerechte Informationen, z. B. Nachrichten für Kinder. Mit Kindersuchmaschinen, wie Blinde Kuh oder fragFINN, können Kinder eigenständig die Themen recherchieren, die sie interessieren und die ihnen wichtig sind. Wenn Kinder etwas über Politik und ihre Rechte lernen wollen, können sie das z. B. bei HanisauLand. Dort gibt es Comics, ein Lexikon, Spiele und Tipps für Bücher oder Filme. Außerdem sollten Kinder sich über ihre Rechte informieren können, wie z. B. beim Kinderministerium: Hier werden die Kinderrechte mit bunten Bildern und von Kindern vorgelesenen Erklärungen und Videos vorgestellt. Auf der Mitmachseite Kindersache.de können sich Kinder über Kinderrechte sowie Freizeit- und Politikthemen informieren und austauschen.

Beteiligung heißt noch mehr als sich zu informieren und sich eine Meinung bilden zu können. Kinder sollten sich auch im Netz direkt an Entscheidungen beteiligen können. Gerade das Internet bietet ihnen vielfältige Möglichkeiten, selbst etwas zu bewirken und mitzugestalten. Über die App #stadtsache können Kinder (und Jugendliche) auf Orte in ihrer Umgebung aufmerksam machen, die ihnen gut gefallen, die sie ärgern oder die sie gerne verbessern würden. Mit Fotos, Videos oder Tonaufnahmen können sie Erwachsene z. B. auf einen kaputten Spielplatz hinweisen oder auf eine Ecke, in der immer ganz viel Müll liegt. Es gibt auf der Webseite auch einen Fragebogen, den Kinder ausfüllen können, um ihre Stadt zu bewerten.

Wenn sich Ihr Kind über Angebote im Netz hinaus beteiligen möchte, können Sie die Kinderpolitische Landkarte des Deutschen Kinderhilfswerks für Angebote in Ihrer Umgebung nutzen. Dort kann man auch gezielt nach Angeboten zu “Politik mit/für Kinder” suchen.

Was können Eltern tun, um die Beteiligung Ihres Kindes zu unterstützen?

Demokratie und Beteiligung fängt in der Familie an. Lassen Sie Ihr Kind so gut es geht mitentscheiden. Auch junge Kinder können herangeführt werden und das Mitentscheiden in der Familie einüben. Wenn es z. B. um die Mediennutzung in der Familie geht, können Sie gemeinsam Regeln aufstellen. Dabei hilft ein Mediennutzungsvertrag. Überall dort, wo Ihr Kind betroffen ist, sollte es mitreden dürfen. 

Wenn eine Mitsprache nicht möglich ist, weil Ihr Kind die Konsequenzen einer Entscheidung noch nicht einschätzen und sie ihm vielleicht schaden würde, sollten Sie aber genau erklären, warum Sie für Ihr Kind entscheiden. 

Machen Sie Ihr Kind auf Angebote im Netz aufmerksam, auf denen es sich informieren und beteiligen kann. Auch wenn Kinder auf den entsprechenden Seiten relativ selbstständig unterwegs sein können, sollten Sie Ihr Kind trotzdem nach Möglichkeit begleiten. Sprechen Sie über Themen, die es in den Kindernachrichten gesehen oder anderswo aufgeschnappt hat. Wenn Ihr Kind in der Familie Mitspracherecht hat, ist es motiviert, sich bestimmt auch außerhalb für die eigenen Interessen einzusetzen.

Von Likes bis zur Bewegung – wie sich Jugendliche online beteiligen können

Jugendliche wollen ihre Meinung sagen und dass ihnen zugehört wird. Sie möchten mitreden und mitentscheiden. Das Internet bietet jungen Menschen verschiedene Möglichkeiten, sich einzumischen und zu engagieren.

Warum ist es Jugendlichen wichtig sich zu beteiligen?

Die allermeisten Jugendlichen interessieren sich für politische Themen, wie z. B. Umweltschutz, Rechte im Internet oder der Kampf gegen Rassismus. Politisch sind aber auch solche Themen, die auf den ersten Blick gar nicht so wirken: Wer sich für für Mode interessiert, kann sich dafür einsetzen, dass diejenigen, die die Kleidung herstellen, fair behandelt und bezahlt werden.

Leider findet die Meinung Jugendlicher viel zu selten Gehör. Sie sind bei Wahlen nur in einigen Bundesländern ab 16 Jahren stimmberechtigt und haben auch in anderen Bereichen wenig Mitspracherecht. Das trägt dazu bei, dass viele Jugendliche nicht motiviert sind, sich politisch zu engagieren. Sie denken, dass ihre Stimme nicht viel bewirken kann. Dabei wünschen sich die meisten Jugendliche mehr Beteiligung. Das Internet bietet ihnen dafür verschiedene Möglichkeiten.

Was bedeutet Beteiligung im Netz genau?

Beteiligung – oder auch Partizipation – im Netz ist ein sehr weiter Begriff. Es kann bedeuten, in Gesprächen zu diskutieren, etwa mit Freunden im WhatsApp-Chat, oder ein Bild mit einer politischen Aussage auf Instagram zu liken oder zu teilen. Eine weitere Möglichkeit der Online-Beteiligung ist, aktiv politische Inhalte zu posten, wie z. B. ein kurzes Statement zu einem aktuell diskutierten Thema auf TikTok

Voraussetzung dafür ist, dass sich Jugendliche für etwas interessieren. Oft sind Interessen schon da, aber nicht allen Jugendlichen ist das bewusst. Es fehlen Gelegenheiten, sich über bestimmte Themen auszutauschen oder das Wissen über Beteiligungsmöglichkeiten.

Beteiligung beginnt damit, sich zu informieren und sich dadurch eine eigene Meinung zu einem Thema zu bilden. Das kann in der Schule passieren, aber auch in der Familie im Freundeskreis oder auf YouTube. Das Internet ist für meisten Jugendlichen der wichtigste Ort für die Beschäftigung mit ihren Themen. Es bietet zwar viele Möglichkeiten dazu, aber auch Risiken, weil auch extremistische Gruppen das Internet für ihre Ansprachen nutzen. Teilweise werden von betrügerischen Angeboten sogar vermeintliche Anliegen wie Tierschutz angegeben, um Jugendliche zu ködern. Außerdem sind Verschwörungsmythen und Fake News im Umlauf, auf die Jugendliche bei ihrer Suche nach Informationen treffen. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, wie und wo man sich informiert. Verschiedene Internetangebote können helfen, das Interesse für Beteiligung zu wecken und dienen als gute Quelle, um sich eine Meinung zu bilden. Ein konkretes Angebot für Jugendliche ist z. B. das junge Magazin Fluter von der Bundeszentrale für politische Bildung

Außerdem kann man sich online mit anderen politisch Interessierten vernetzen. Soziale Netzwerke werden genutzt, um sich zu organisieren und Veranstaltungen zu planen, wie Treffen, Demonstrationen oder andere Aktionen. Fridays for Future oder Save the Internet sind Beispiele dafür, wie engagierte junge Menschen das Internet für ihre Bewegung nutzen. 

Welche Angebote gibt es für Jugendliche zur Beteiligung im Netz?

Beteiligung im digitalen Raum findet meistens in den sozialen Netzwerken statt. Auf Facebook gibt es viele Gruppen, die sich für bestimmte Anliegen einsetzen. Hier hilft eine einfache Suche nach entsprechenden Gruppen. Bei Facebook gibt es auch Gruppen der Jugendorganisationen von Parteien oder von gemeinnützigen Vereinen. 

Partizipation ist auch über Apps und Plattformen wie z. B. PlaceM möglich, Mit dieser App können sogenannte “Places” erstellt werden, an denen die Beteiligung gestärkt werden soll. Das kann der Stadtteil, die Kommune, die Klasse oder der Sportverein sein. Beteiligung wird hier vor allem über Umfragen realisiert. Bei Teilnahme werden die Beteiligten mit Punkten belohnt. Eine andere Plattform für Jugendbeteiligung ist OPIN, die die Beteiligung von Jugendlichen in Europa fördern soll. Auch Plattformen wie adhocracy fördern eine digitale Beteiligung. Außerdem können Jugendliche an ePetitionen teilnehmen oder selbst welche erstellen. Das funktioniert mit WeAct von campact oder mit openPetition. Auf der Plattform jugend.beteiligen.jetzt können Sie sehen, wo es in Deutschland für (digitale) Jugendbeteiligung gibt.

Was können Sie als Eltern tun, um Ihr Kind beim Engagement zu unterstützen?

Nehmen Sie die Interessen Ihres Kindes ernst, auch wenn sie Ihnen vielleicht fremd erscheinen. Unterstützen Sie, wenn sich Ihr Kind für ein bestimmtes Thema interessiert. Zeigen Sie ihm Möglichkeiten auf, sich zu informieren. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Gefahren hinzuweisen, auf die Ihr Kind bei der Suche nach Informationen stoßen kann. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in unseren Beiträgen Alles fake? Falschmeldungen erkennen und Extremismus im Netz

Wenn Ihr Kind sich für etwas engagieren möchte, sprechen Sie mit ihm über Möglichkeiten und recherchieren Sie gemeinsam, z. B. nach (Jugend-)Initiativen und Organisationen. Die entsprechenden Seiten sind über Suchmaschinen meistens schnell zu finden. Wichtig ist es, dass Sie Ihrem Kind zu verstehen geben, dass es etwas bewirken kann, und dass es wichtig ist, die eigene Meinung zu vertreten.

Die TikTok-Nutzung meines Kindes kontrollieren!?

Es gibt Kinder und Jugendliche, die viel Zeit auf TikTok verbringen. Sie schauen sich Kurzvideos von anderen an oder produzieren eigene TikToks. Was genau dort angesehen oder veröffentlicht wird, wissen viele Eltern nicht und machen sich Sorgen – auch darum, dass ihr Kind mit Fremden in Kontakt kommen kann.

Nachdem es viel Kritik an der App gab, hat TikTok den “Begleiteten Modus” für die elterliche Kontrolle eingeführt. Damit können Sie als Erziehungsberechtigte steuern, wie lange die Anwendung genutzt werden kann, ob private Nachrichten verschickt und empfangen werden können und welche Inhalte auf der „Für dich“-Seite angezeigt werden. Hier kommen Sie zur ausführlichen Vorstellung der App.

Vertrauen und Begleitung sind besser als Kontrolle

Es ist nachvollziehbar, dass Sie sich als Eltern Sorgen machen, wenn Ihr Kind auf Social Media-Plattformen unterwegs ist. Trotzdem sollten Sie sich genau überlegen, ob es nicht besser ist, vor der Nutzung solcher Apps in Ruhe mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, was es daran interessiert. Erklären Sie ihm Ihre Sorgen und machen Sie verständlich, welche Risiken es bei der Nutzung gibt. Wenn es für Sie in Ordnung ist, dass Ihr Kind TikTok nutzt, fragen Sie regelmäßig nach und bleiben Sie interessiert. Lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind dort macht. Sie müssen der Nutzung zustimmen, wenn Ihr Kind noch nicht volljährig ist. 

Die App ist für Kinder unter 13 Jahren nicht geeignet – so steht es auch in den Nutzungsbedingungen von TikTok. Trotzdem gibt es schon jüngere Kinder, die die App nutzen. Wenn Sie Ihrem Kind das trotz der Altersbeschränkung erlauben, überlegen Sie, ob es vielleicht auch erst mal ohne eigenen Account TikTok-Videos anschaut. Denn das ist möglich! 

Begleiteten Modus aktivieren

Wenn Ihr Kind mit Ihrer Erlaubnis einen TikTok-Account anlegen darf und Sie sich für die Nutzung des Begleiteten Modus‘ entscheiden, richten Sie diesen wie folgt ein:

TikTok muss auf dem Smartphone Ihres Kindes und auf Ihrem eigenen Gerät installiert sein. Sie finden den Begleiteten Modus in den „Digital Wellbeing“-Einstellungen unter „Privatsphäre und Einstellungen“. Auf dem Gerät des Elternteils öffnet sich mit Klick darauf ein QR-Code, der mit dem Smartphone Ihres Kindes gescannt wird. Damit willigt Ihr Kind ein, dass Sie als Eltern die Nutzung steuern dürfen. WICHTIG: Sprechen Sie vorher mit Ihrem Kind über die Funktionen im Begleiteten Modus und überlegen Sie gemeinsam, was in welchem Umfang eingeschaltet werden soll:

  • Sie können eine tägliche Nutzungszeit von maximal 40 bis zu 120 Minuten einstellen. Nach Ablauf der Zeit muss ein Passwort eingegeben werden, um TikTok weiter nutzen zu können.
  • Wenn der eingeschränkte Modus aktiviert wird, sollen bestimmte Inhalte, die nicht für Kinder geeignet sind, herausgefiltert, d. h. nicht mehr auf der “For You-Page” angezeigt werden.
  • Sie können einstellen, dass nur Freundinnen und Freunde Ihrem Kind Nachrichten senden können. Es ist auch möglich, den Empfang von Nachrichten komplett zu deaktivieren.

Beachten Sie, dass es weitere Einstellungsmöglichkeiten bei TikTok außerhalb des Begleiteten Modus’ gibt, die unbedingt aktiviert werden sollten. Schalten Sie z. B. das Konto auf privat, so dass die Videos Ihres Kindes nicht von Fremden gesehen werden können.

Als Eltern können Sie nicht nachverfolgen, welche Inhalte angesehen werden. Sie können auch keine Nachrichten oder Kommentare lesen, so dass die Privatsphäre Ihres Kindes weitestgehend gewahrt bleibt. Wenn Sie Ihrem Kind vertrauen und es Medien bereits bewusst und sicher nutzen kann, ist es sicherlich schöner, auf diese Kontrollmöglichkeit verzichten zu können.

Nein, das ist keine Krankheit! – Wie Influencer Jugendliche beeinflussen

Namen wie Lisa und Lena, Melina Sophie oder Julien Bam fallen öfter bei Ihnen zu Hause und Sie wissen ganz sicher, dass es keine Freunde Ihres Kindes sind? Dann schwärmt Ihr Sohn oder Ihre Tochter vermutlich für einen Internetstar oder Influencer.

Besonders Jugendliche verbringen oft mehrere Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok. Dabei sehen sie sich Videos und Fotos von Menschen an, die sie zwar nicht persönlich kennen, aber über die sie trotzdem jede Menge wissen und an denen sie sich orientieren. Diese sogenannten Influencer berichten in Bildern oder Videos von ihrem vermeintlichen Alltagsleben und beschäftigen sich mit Themen wie Mode, Beauty oder Gaming. Oft sind Influencer auf mehreren Social-Media-Plattformen vertreten. Auch Sportler, Models oder Popstars sind als Influencer aktiv.

Kontakt zu den Fans

Fans bzw. Follower oder Abonnenten kommunizieren mit ihren Stars: sie beantworten Umfragen, reagieren auf Aufrufe, wie z. B. Challenges, oder liken und kommentieren Postings. So haben sie das Gefühl, irgendwie in Verbindung mit den Influencern zu stehen.

Die bekanntesten Influencer haben eine enorme Reichweite von tausenden Followern bis hin zu einem Millionenpublikum: Die Zwillinge Lisa und Lena haben als mehr als 15 Millionen Abonnenten bei Instagram und über 10 Millionen Follower bei TikTok. YouTuberin Bianca „Bibi“ Heinicke von BibisBeautyPalace hat 5,9 Millionen und Julian Bam 5,7 Millionen Abonnenten.

An Erwachsenen geht dieser Trend häufig vorbei. Für viele Jugendliche sind Influencer Vorbilder und haben einen großen Einfluss auf sie – daher auch der Begriff Influencer (englisch für „Beeinflusser“). Oft sind sie selbst im Alter ihrer Fans oder nur ein paar Jahre älter und geben sich scheinbar ganz natürlich, so dass ihre Follower ihnen vertrauen und sich quasi Rat holen wie bei großen Geschwistern.

Werbung und Marketing durch Influencer

Unternehmen haben den Wert von Influencern erkannt und nutzen sowohl die Plattformen als auch ihre Stars zu Marketingzwecken. In den Fotos und Videos der Instagramer sieht man direkt oder auch nur „nebenbei“ Produkte wie Beauty-Artikel oder Klamotten bestimmter Marken. Oft nutzen Unternehmen Influencer auch, um die Glaubwürdigkeit und Beliebtheit einer Marke zu steigern. Was wie eine persönliche Empfehlung eines berühmten Influencers aussieht, ist häufig Werbung.

Die Grenzen zwischen der eigenen Meinung und Werbung verschmelzen und sind nur noch schwer erkennbar. Das liegt vor allem daran, dass nicht alle Influencer ihre Beiträge mit „Werbung“ oder „Anzeige“ kennzeichnen, auch wenn das eigentlich Pflicht ist. Es ist unklar, ob der Influencer das entsprechende Produkt selbst gekauft hat oder dafür bezahlt wurde, es in die Kamera zu halten.

Kinder und Jugendliche erkennen das nicht unbedingt oder sehen das wenig kritisch, da sie ihren Online-Idolen nacheifern wollen und sich leicht von ihnen beeinflussen lassen. Kleiden sich Influencer beispielsweise auf eine bestimmte Art und Weise, bringen Kinder und Jugendliche diese Marken mit ihren Stars in Verbindung und wollen sich genauso anziehen.

Influencer als Vorbilder

Es scheint so leicht, als Influencer erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen. Deshalb möchten viele Kinder und Jugendlichen selbst YouTuber oder Influencer werden. Doch die geposteten Fotos und Videos zeigen nicht die Arbeit, die hinter einem Leben als Influencer steckt.

Nicht nur bei Themen wie Mode und Lifestyle lassen sich die jungen Follower beeinflussen. Influencer stellen sich in bestimmter Art und Weise dar, oft beschönigt durch Filter und Posen. Sie sind meistens hübsch, schlank, sportlich und erfolgreich. Nach Vorbildern, die nicht nicht perfekt und ideal aussehen, muss man in Social Media genau suchen. Jugendliche kommen damit kaum in Berührung. Mehr dazu können Sie in unserem Beitrag Vielfalt und Rollenbilder in sozialen Medien nachlesen. 

Social-Media-Plattformen werden ebenfalls genutzt, um zu informieren und Meinungen zu vertreten. Deshalb tummeln sich dort auch Influencer, die die jungen Follower politisch motivieren oder sogar von ihren extremen Ansichten überzeugen wollen. Wenn Ihr Kind dadurch beginnt, sich für gesellschaftliche Fragen wie den Umweltschutz oder Gleichberechtigung zu interessieren, ist das sicherlich positiv zu sehen. Aber nicht immer stecken dahinter gute Absichten: Ganz unauffällig beeinflussen bestimmte Influencer, z. B. in einem Kochvideo, ihr Publikum, indem abfällige Kommentare über bestimmte Menschengruppen oder Personen eingestreut werden, die eigentlich nichts mit dem Videoinhalt zu tun haben.

Das können Sie tun, wenn Ihr Kind „infiziert“ ist

Verurteilen Sie die Stars Ihres Kindes nicht. Wahrscheinlich haben Sie als Teenie auch für einen Star geschwärmt, den Ihre Eltern blöd fanden. Sie müssen die Influencer Ihres Kindes nicht mögen, aber sollten versuchen zu verstehen, was Ihrem Kind daran gefällt. Zeigen Sie Interesse und fragen Sie nach, welchen Personen Ihr Kind bei Instagram und Co. folgt. Hinterfragen Sie gemeinsam, was die Influencerin oder der Influencer in den Postings zeigt und was dahinter stecken könnte. 

Es ist normal, dass man sich Vorbilder sucht, wenn man dabei ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Regen Sie Ihr Kind an, darüber nachzudenken und stehen Sie als Ansprechperson bereit, wenn es Fragen hat.

Unsere Kollegen von klicksafe habe das Phänomen Influencer in einem Video von #Elterninformiert zusammengefasst.

Kinder vor sexueller Gewalt in sozialen Medien schützen

Viele Kinder und Jugendliche nutzen YouTube, Instagram, TikTok und Co. Sie sehen sich Videos und Fotos anderer an und stellen eigene Inhalte ein. Diese werden auch von Fremden genutzt.

Hohe Klickzahlen für einzelne Kindervideos

Auch sogenannte Pädokriminelle sind auf Social Media unterwegs. Diese Personen sind Täter oder Täterinnen, die eine sexuelle Neigung gegenüber Kindern ausleben. Sie nutzen dafür unter anderem Videos und Fotos aus dem Netz, auf denen Kinder zu sehen sind. Einige Abbildungen von Kindern  werden sehr oft aufgerufen und unter ihnen finden sich viele Kommentare, die nicht nur von anderen Kindern kommen. 

YouTube wurde in diesem Zusammenhang kritisiert, weil automatisch immer mehr Videos mit Kindern vorgeschlagen wurden, wenn vorher schon danach auf der Plattform gesucht wurde. YouTube hat mittlerweile bestimmte Jugendschutzmaßnahmen eingeführt, z. B. werden Kommentare unter Kindervideos nicht mehr angezeigt. Leider funktionieren technische Schutzmaßnahmen nicht immer und sie alleine helfen nicht. 

Auch andere bei Kindern und Jugendlichen beliebte Netzwerke wie TikTok und Instagram werden von Pädophilen missbraucht. Sie verwenden selbst harmlose Videos oder Fotos von Kindern, indem sie diese kopieren, sammeln und an andere weiterleiten. Das macht es so schwer, dagegen vorzugehen.

Kinder brauchen Schutz

Neben Fotos und Videos bieten interaktive Funktionen wie z. B. Livestreams potentiellen Täterinnen und Tätern die Möglichkeit, mit Kindern und Jugendlichen direkt in Kontakt zu treten und sie dazu zu bringen, bestimmte Dinge zu tun. Kinder sind leicht zu beeinflussen und verstehen die sexuelle Bedeutung vieler Fragen und Handlungen noch nicht. Daher müssen sie besonders geschützt werden. 

Die Kontaktaufnahme zu Minderjährigen mit der Absicht der sexuellen Belästigung oder des Missbrauchs wird als Cybergrooming bezeichnet und ist eine Straftat. Mit einer Anzeige kann die Polizei auf eine verdächtige Person aufmerksam werden und sie verfolgen. Das Anschauen, Herunterladen und Verbreiten von Bildern im Netz ist jedoch kaum nachvollziehbar. 

Was tun Anbieter von Social Media-Plattformen dagegen?

YouTube hat seinen Algorithmus für Videos von und für Kinder(n) verändert, so dass diese nicht mehr automatisch als Vorschlag angezeigt werden. Livestreams von Minderjährigen ohne die Anwesenheit von Erwachsenen sind nicht erlaubt. 

Diejenigen, die Videos einstellen, müssen sie entsprechend als “Videos für Kinder” kennzeichnen, damit die technischen Maßnahmen greifen. Wenn YouTube auffällige Videos oder Kommentare entdeckt, werden diese und damit verbundene Nutzer gelöscht. Es gibt aber so viele Videos, dass das kaum vollständig möglich ist. Über die Erstellung von Playlists können Pädophile Videos von Kindern außerdem untereinander teilen und austauschen.

Bei Diensten wie Instagram und TikTok ist es ähnlich: Von anderen Nutzern gemeldete Inhalte werden geprüft, aber Profile nur gelöscht, wenn diese gegen die Community-Richtlinien verstoßen. Über bestimmte Algorithmen sollen entsprechende Fotos und Videos herausgefiltert werden. All diese Maßnahmen helfen nur in geringem Maße, da Täter wissen, sie zu umgehen.

Was können Sie tun, um Ihr Kind zu schützen?

Umso wichtiger ist, dass Sie diese Gefahren kennen und ein gutes Vorbild für Ihr Kind sind. Als Eltern sollten Sie vor allem darauf achten, welche Fotos Sie von Ihrem Kind über das Netz verbreiten. Lesen Sie dazu unseren Beitrag Kinderfotos im Netz.

Begleiten Sie Ihr Kind bei der Mediennutzung und achten Sie darauf, was es im Netz macht. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Kind überwachen sollen! Aber sprechen Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn und sehen Sie sich, wenn Ihr Kind noch jünger ist, gemeinsam Videos auf YouTube und anderen Plattformen an. Wählen Sie vorher gemeinsam aus, was sich Ihr Kind ansehen darf. Bleiben Sie immer für Ihr Kind ansprechbar! 

Auch für ältere Kinder ist es wichtig, dass Sie als Eltern wissen, was sie im Netz tun. Wenn Ihr Kind irgendwann selbst Videos für YouTube oder Instagram machen möchte, sprechen Sie über die gewünschten Inhalte. Erklären Sie ihm mögliche Risiken, wenn es Videos und Fotos von sich ins Netz stellt. Nutzen Sie die Einstellungsmöglichkeiten, wie z. B. die Einstellung eines privaten Kontos und Deaktivierung von Kommentaren. Mehr Tipps bekommen Sie in unserem Beitrag Mein Kind will YouTuber werden – Was nun? Richten Sie Accounts bei Sozialen Netzwerken gemeinsam ein, um die Privatsphäre- und Datenschutzeinstellungen zusammen vornehmen zu können.

Schon von klein an sollten Sie mit Ihrem Kind gemeinsam über die Gefahren im Netz sprechen. Tun Sie das sachlich und ruhig. Es geht nicht darum Angst zu vermitteln. Verbote veranlassen Kinder eher dazu, sich heimlich auszuprobieren und sich im Notfall aus Scham nicht an Sie zu wenden. Deshalb sollten Sie Ihrem Kind niemals böse sein, wenn doch mal etwas Unangenehmes passiert. Stattdessen sollten Sie ihm helfen und den Täter melden und gegebenenfalls anzeigen. Nutzen Sie dafür z. B. die Internetbeschwerdestelle.
Es ist nie das Kind, das eine Straftat begeht, sondern die erwachsene Person, die es ausnutzt.

Medienregeln für Schulkinder

Mit Medien können Kinder lernen, kreativ sein, sich entspannen und Spaß haben. Als Eltern sind Sie dafür verantwortlich, dass der Medienkonsum nicht ausufert. Hilfreich sind gemeinsame Regeln für eine Mediennutzung in der Familie.  

Feste Bildschirmzeiten 

Eine konkrete Empfehlung, wie viel Zeit ein Kind in einem bestimmten Alter mit Medien verbringen darf, ist schwierig. Erstens, weil jedes Kind anders ist und mit Medien unterschiedlich gut umgehen kann. Zweitens, weil Medien für ganz verschiedene Zwecke genutzt werden – zum Lernen, um gemeinsam Zeit mit der Familie zu verbringen, zur Ablenkung usw. 

Trotzdem kann es helfen, festzulegen, wie viel Zeit Ihr Kind pro Tag oder Woche mit bestimmten Medien verbringen darf. Dabei sollten Sie vorher gemeinsam überlegen, welche Mediennutzung darunter fällt. Geht es nur um Bildschirmmedien und die Mediennutzung allein zur Unterhaltung und Entspannung? Gibt es eigene Zeitbudgets für das Lernen mit Medien?

Für Kinder im Grundschulalter sind klare Regeln sehr wichtig, da sie noch viel Orientierung benötigen. Sie schaffen Stabilität im Alltag und verhindern eine unkontrollierte Mediennutzung. Bei Kindern in den ersten Grundschuljahren funktioniert eine bestimmte Dauer am Tag besser, z. B. eine Stunde Medienzeit. Ab etwa 10 Jahren sind Kinder schon recht selbständig und können sich Wochenkontingente selber einteilen.

Eine bewusste Mediennutzung begleiten

Bei jüngeren Kindern kann ein fester Zeitpunkt für die Nutzung von Medien festgelegt werden – beispielsweise nach den Hausaufgaben und vor dem Abendessen. Das strukturiert den Alltag. 

Einstellungen in Apps oder Geräten können Kindern helfen, die vereinbarte Zeit nicht zu überschreiten. Allerdings sollte Ihr Kind nach und nach lernen, das Smartphone oder Tablet nach Ablauf der Bildschirmzeit von sich aus zur Seite zu legen. So übt und verinnerlicht es einen bewussten Umgang mit Medien.

Kinder sind noch in der Entwicklung. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass sie nur altersgemäße Medien nutzen. Der Wunsch, Filme zu schauen oder Spiele zu spielen, die erst für Jugendliche ab 12 oder 16 Jahren geeignet sind, führt häufig zu Konflikten in der Familie. Gerade wenn Ihr Kind beginnt, Medien zunehmend eigenständig zu konsumieren, sollten Sie deshalb gemeinsam diese notwendige Regel besprechen. 

Eine weitere wichtige Regel sollte mindestens bis zum 13. Lebensjahr sein, dass neue Apps nur mit Ihrer Zustimmung und gemeinsam mit Ihnen herunterladen und ausprobiert werden dürfen. Übertragen Sie Ihrem Kind mit zunehmendem Alter mehr Verantwortung und lassen Sie ihm Freiräume, Medien eigenständig zu nutzen. Ab dem Jugendalter können feste Bildschirmzeiten langsam abgeschafft werden. Dennoch sollte es Regeln geben, welche Apps genutzt werden und wie mit den eigenen Daten, z. B. bei der Registrierung bei Sozialen Netzwerken, umgegangen werden soll.

Eine Begleitung durch die Eltern ist auch im Jugendalter noch wichtig. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Mediennutzung. Fragen Sie nach, wie und warum es was nutzt und wie es klar kommt. Seien Sie auch bei Problemen immer ansprechbar!

Mediennutzungsregeln für die ganze Familie 

Vereinbaren Sie Regeln nur gemeinsam mit Ihrem Kind, damit es diese nachvollziehen kann. Überlegen Sie auch, was im Falle eines Regelverstoßes passiert. Sie können alle diese Dinge in einem Mediennutzungsvertrag festhalten. Achten Sie darauf, Medienverbote nicht als Druckmittel einzusetzen.

Als Eltern sind Sie eine wichtige Orientierung für Ihr Kind. Nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion deshalb bewusst wahr – auch bezogen auf den Umgang mit Medien. Bestimmte Regeln sollten für alle gelten. Sie können beispielsweise vereinbaren, dass Smartphones nichts beim Essen zu suchen haben oder smartphonefreie Familientage einrichten.  Ihr Kind wird im Schulalter zunehmend durch Freunde beeinflusst. Deshalb kann es helfen, sich mit anderen Eltern zu verständigen, welche Regeln bei ihnen gelten. Eventuell kann es Regeln geben, die bei allen gleich sind.

Cybergrooming – wenn Fremde übers Netz Kontakt zu Kindern suchen

Ganz klar, Sie kennen die Freunde Ihres Kindes aus der Schule oder dem Sportverein. Doch wie sieht es mit Bekannten aus, mit denen Ihr Kind nur über das Internet Kontakt hat? Überall dort, wo Kinder und Jugendliche miteinander kommunizieren, können sie mit Personen in Kontakt kommen, die negative Absichten haben.

Was ist Cybergrooming?

Portale wie Instagram oder TikTok, auf denen sich Kinder und Jugendliche gern tummeln, ziehen auch Nutzer mit pädokriminellen Neigungen an. Das ist kriminelles Verhalten, das sich gegen Kinder richtet und macht vielen Eltern große Sorgen. Erwachsene bzw. Täter sprechen Kinder möglicherweise mit dem Ziel an, sie sexuell zu belästigen oder sogar zu missbrauchen. Diese gezielte Ansprache im Netz nennt man Cybergrooming.

Die Täter gehen dabei unterschiedlich vor: Sie fragen ganz konkret nach sexuellen Erfahrungen des Kindes oder Jugendlichen oder sie beschreiben öffentlich ihre sexuellen Vorlieben. Manche erschleichen sich Schritt für Schritt das Vertrauen des Kindes, indem sie sich als Gleichaltrige ausgeben oder in die Rolle eines Talentsuchers schlüpfen. Anschließend kann sich der Austausch von Nachrichten in private Räume verlagern, z. B. über Einzelnachrichten bei WhatsApp. Das ist besonders problematisch, weil andere diesen Privatchat nicht sehen können. Dort versuchen die Täter Vertrauen aufzubauen, das später ausgenutzt wird, beispielsweise indem sie nach Nacktbildern des Kindes fragen. Damit lässt sich das Kind später erpressen. Es wird damit gedroht, die Bilder zu veröffentlichen, wenn nicht noch mehr Fotos geschickt werden. Oder die Person versucht sogar, sich mit dem Kind oder Jugendlichen persönlich zu verabreden.

Wie schütze ich mein Kind vor Cybergrooming?

  • Machen Sie die ersten Schritte in Sozialen Netzwerken gemeinsam mit Ihrem Kind. Ihr Kind lernt auf diese Weise die verschiedenen Funktionen und Verhaltensregeln kennen.
  • Damit Ihr Kind früh über die Gefahren Bescheid weiß und sie rechtzeitig erkennen kann, sprechen Sie ganz offen und sachlich darüber. Wenn Ihr Kind weiß, dass es mit Ihnen über solche Themen sprechen kann, wendet es sich wahrscheinlich auch an Sie, wenn auf Probleme im Netz stößt.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar: Das Internet ist ein öffentlicher Raum, in dem man aber nicht immer erkennen kann, wen man vor sich hat. Deshalb ist ein gesundes Misstrauen unbedingt notwendig. Kontaktanfragen von Fremden sollten nicht bestätigt werden. Unbekannte Nutzer können außerdem blockiert oder gemeldet werden.
  • Private Informationen wie der volle Name, Geburtsdatum, Adresse oder gar private Bilder sollte Ihr Kind nie öffentlich stellen oder unbekannten Personen anvertrauen. Was einmal im Internet steht oder versendet wurde, kann nie oder nur sehr schwer gelöscht werden!
  • Gehen Sie gemeinsam und regelmäßig mit Ihrem Kind die Privatsphäre-Einstellungen der genutzten Plattformen und Apps durch und sprechen Sie darüber.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es seinem Bauchgefühl vertrauen kann. Kommen Ihrem Kind Chat-Inhalte oder Aufforderungen komisch oder beängstigend vor, sollte es den Kontakt abbrechen und sich an Sie oder einen anderen Erwachsenen wenden.
  • Wenn Jugendliche auf Flirt-und Dating-Apps aktiv sind, gilt besondere Vorsicht vor sexueller Belästigung, da es nicht überall eine Moderation des Anbieters und ausreichende Sicherheitseinstellungen gibt. Besonders wichtig ist, die Ortungsfunktion zu deaktivieren, damit Ihr Kind nicht getrackt werden kann.
  • Kinder und Jugendliche sind besonders neugierig. Deshalb vergessen sie schon mal alle Warnungen und können in eine Falle tappen. Machen Sie Ihrem Kind unbedingt klar, dass auch in solchen Fällen die Schuld ausschließlich beim Täter liegt.
  • Sollte Ihr Kind sexuell belästigt werden, seien Sie für Ihr Kind da und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Melden Sie den Täter oder die Täterin auf der jeweiligen Plattform, sichern Sie Beweise z. B. durch Screenshots und erstatten Sie unbedingt Anzeige bei der Polizei!

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Twitter – Wer zwitschert denn hier?

Als eines der größten sozialen Netzwerke ist Twitter schon seit rund 10 Jahren auf der ganzen Welt beliebt. Das Besondere ist, dass sehr kurze Texte mit maximal 280 Zeichen (sogenannte “Tweets”) gepostet werden. Deswegen wird Twitter manchmal als Kurznachrichtendienst bezeichnet.

Kurz gefasst:

  • Verbreitung von öffentlichen, kurzen Tweets 
  • nutzen hauptsächlich Erwachsene
  • Nutzung ab 13 Jahren erlaubt
  • teils heftige Diskussionen und Hasskommentare
  • kostenlos im Browser und als App für Android und iOS

Was kann Twitter?

Twitter funktioniert ähnlich wie z. B Facebook oder Instagram: Es wird ein Profil mit persönlichen Informationen erstellt, dem andere folgen können. Viele Nutzer folgen aber einfach nur den Postings anderer. Berühmte Persönlichkeiten wie Fußballspieler, Influencerinnen, Politiker oder auch Journalisten haben die meisten Follower. Auch Unternehmen und Marken sind bei Twitter vertreten. Nicht registrierte Leser können Tweets sehen, aber niemandem direkt folgen. 

Tweets bestehen oft nur aus Text und sind mit Hashtags versehen. In einem Tweet können maximal 280 Zeichen, d. h. Buchstaben, Zahlen, Satzzeichen und Symbole, genutzt werden. Aber auch Bilder, Video usw. können versendet und geteilt werden.

Die Besonderheit von Twitter ist, dass die kurzen Aussagen von meist bekannten Personen zu Diskussionen außerhalb von Twitter führen. Die Tweets von US-Präsident Trump sind dafür ein gutes Beispiel. Dabei spielt auch die “Retweet”-Funktion eine Rolle. Tweets werden geteilt oder es wird in einem eigenen Tweet darauf verwiesen. Diskussionen entspinnen sich auch oft in den Kommentaren unter den Tweets. Außerdem können Direktnachrichten über einen Chat geschrieben werden. 

Was fasziniert Jugendliche daran?

Twitter wird im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken relativ wenig von Jugendlichen genutzt. Wenn, dann sind es häufig politisch interessierte und engagierte junge Menschen. Aber auch beliebte Stars und Musiker sind bei Twitter und posten Informationen über sich.

Die Faszination um Twitter machen einerseits die Diskussionen aus, in denen es manchmal heftig hin und her geht. Andererseits werden manche Tweets schnell und spontan rausgeschickt. Wenn man den Tweets bei großen Events wie Fußballspielen oder Wahlen folgt, kann das sehr spannend und witzig sein, weil man die Reaktion der Zuschauer mitbekommt. Außerdem erfährt man bei Twitter, was berühmte Persönlichkeiten oder Journalisten denken und meinen.

Was kann problematisch sein an dem Angebot?

Persönliche Informationen und Aussagen sind für alle frei zugänglich. Durch Hashtags können Tweets, die eigentlich für einen kleinen Kreis bestimmt waren, plötzlich von sehr vielen Nutzenden gesehen werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass einige User mit schlechten Absichten versuchen, Kontakt mit Ihrem Kind aufzunehmen.

Manche Diskussion bei Twitter gehen unter die Gürtellinie und es werden rassistische oder sexistische Tweets oder Kommentare veröffentlicht. Neben Hasskommentaren kann auch die Verbreitung von Falschnachrichten ein Problem sein.

Was meint der Anbieter?

Twitter darf laut Anbieter erst ab 13 Jahren genutzt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Nutzende zu blockieren, damit sie keinen Kontakt mehr aufnehmen können. User können außerdem Personen melden, die problematische Inhalte tweeten, also z. B. Hasskommentare oder Beleidigungen. Seit Kurzem löscht Twitter nach eigenen Angaben aktiv Tweets, Profilbilder oder Informationen mit diskriminierenden Inhalten, sobald diese gemeldet wurden und sperrt Konten.

Was sollten Eltern beachten?

Wenn Ihr Kind unter 18 Jahren ist, müssen Sie einer Registrierung bei Twitter zustimmen. Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, wie es bei Bedarf problematische Inhalte oder User bei Twitter melden oder blockieren kann. Mit der Möglichkeit, eigene Tweets zu schützen, können diese nur von einem ausgewählten Kreis gesehen werden. Erklären Ihrem Kind, wer unter Umständen persönliche Daten und Aussagen sehen kann und welche Konsequenzen das haben kann. Helfen Sie Ihrem Kind, Inhalte auf Twitter zu verstehen und einzuordnen, indem Sie mit ihm darüber sprechen, dass es bei Diskussionen heiß hergehen kann und welche Risiken es sonst noch gibt.

Online-Games – ein Ort für Extremismus?

Rechtsextreme und Islamisten suchen verstärkt im Internet nach Anhängern – auch in der Gaming-Community. Ihr Ziel ist es, Spielende von ihren Ansichten zu überzeugen. Das passiert in den Spielen selbst, aber auch im Chat und in den Foren von Steam, Twitch oder Discord. Manche Jugendliche sind empfänglich für solche extremistischen Ansprachen und sollten dafür gewappnet sein.

Warum nutzen Extremisten Gaming-Plattformen?

Videospiele sind eine weit verbreitete Freizeitbeschäftigung. Gerade junge Menschen spielen gerne online. Jugendliche suchen nach Orientierung, probieren sich in verschiedenen Rollen aus. Das hilft ihnen, eine eigene Identität auszubilden. Die Eltern sind nicht mehr unbedingt die ersten Ansprechpartner. Manche Jugendliche sind einsam und suchen online nach Anschluss. Das macht einige von ihnen anfällig für extremistische Ansprachen. Vor allem Rechtsextreme und Islamisten versuchen in Games gezielt junge Anhänger für ihre menschenverachtenden Ideologien zu finden.

Die sehr direkte und harte Sprache, die in vielen Gaming-Chats und -Foren herrscht, enthält teilweise auch rassistische, homophobe und sexistische Elemente. Diese Kommunikation kann zur Verbreitung von Hassnachrichten und Cybermobbing führen. Manche rechtsextreme Gruppierungen, wie die “Identitäre Bewegung”, nutzen Gaming-Communities, um ihre Botschaften zu verbreiten.  

Wie sieht Extremismus in Online-Games aus?

Extremisten spielen meist unauffällig in beliebten Spielen mit, während sie im Chat einzelne rassistische oder ideologische Aussagen streuen. So testen sie, ob jemand darauf reagiert. Ist das der Fall, dann schicken sie diesen Links oder Einladungen über Gruppen in sozialen Netzwerken, Messenger-Apps oder Foren. In diesen meist geschlossenen Gruppen werden extremistische Inhalte geteilt und so neue Anhänger gewonnen. Teilweise versuchen Extremisten in privaten Chats in Spielen oder Foren direkt Kontakt mit Jugendlichen aufzunehmen. Das ist besonders gefährlich, wenn Jugendliche einsam und über den Kontakt, vor allem zu älteren und erfahrenen Spielern, dankbar sind.

Außerdem nutzen Extremisten neben dem direkten Zugang zu Gamern in Spielen oder Foren Elemente aus der Gaming-Community für ihre Propaganda. So wurde beispielsweise der beliebte Ego-Shooter Call of Duty, der Kriegshandlungen realistisch darstellt, von der Terrororganisation IS zur Rekrutierung von Gamern genutzt. Sie warben damit, dass Jugendliche beim IS das Spiel zur Realität machen könnten. So könnten Gamer nicht, wie nach dem Tod im Spiel, nur dort weiterspielen, sondern im Paradies. 

Was machen Plattformen wie Steam oder Discord dagegen?

Es ist wichtig zu wissen, dass viele extremistische Inhalte gegen geltende Gesetze verstoßen und jugendgefährdend oder sogar strafbar sind. Wie überall im Internet gilt auch im Zusammenhang mit Games, dass Plattformbetreiber oder Diensteanbieter oft erst reagieren, wenn ihnen solche Inhalte gemeldet werden. 

In den großen sozialen Netzwerken wie Facebook oder YouTube wird Propaganda von Extremisten meist direkt von den Betreibern gelöscht. Bei kleineren Diensten, wie Steam, Twitch oder Discord, die vielfach von der Gaming-Community genutzt werden, ist das oft nicht so einfach. Dadurch kommt es immer wieder zur Verbreitung extremistischer Inhalte. 

Es gibt zwar vereinzelt Mechanismen in Spielen, auf Gaming-Plattformen und -Foren, die es Extremisten schwer machen sollen, wie z. B. Wortfilter oder die Möglichkeit problematische Nutzende zu melden. Doch diese Mechanismen können leicht umgangen werden und führen selten zur Verhinderung extremistischer Ansprachen.

Was können Sie tun, um Ihr Kind zu schützen?

Das Wichtigste ist, dass Sie mit Ihrem Kind sprechen und sich für die Spielewelt interessieren, in der es sich bewegt. Fragen Sie Ihr Kind, was es in Online-Games erlebt und mit wem es sich austauscht. Seien Sie offen und hören Sie zu, wenn Ihr Kind Ihnen davon erzählt. Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass es auch in Spielen und auf Gaming-Plattformen Menschen gibt, die schlechte Absichten haben und sie zu schlimmen Dingen überreden wollen.

Sollten Sie bei Ihrem Kind Anzeichen für den Kontakt mit extremistischen Ansprachen sehen, sprechen Sie mit ihm und suchen Sie sich Hilfe. Eine Übersicht über Anlaufstellen gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung. In besonders schweren Fällen sollten Sie sich an die Polizei wenden. Das geht auch im Internet über die Onlinewachen.

Wenn Ihnen extremistische Inhalte mit volksverhetzenden oder kriegsverherrlichenden Aussagen in Foren oder sozialen Netzwerken auffallen, können Sie diese auch bei der Internetbeschwerdestelle melden.

Kommunikation über Medien – was Jugendlichen wichtig ist

Mit anderen sprechen, mit Freunden und der Familie telefonieren, schreiben oder sich ansehen und anlächeln – Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis! Jugendliche tauschen sich am liebsten über Apps und soziale Netzwerke auf dem Smartphone aus. Sie teilen Erfahrungen und Erlebnisse und verarbeiten sie so. Sie lernen Konflikte ohne elterliche Unterstützung zu lösen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten. Freundschaften werden gepflegt, indem man ständig in Kontakt miteinander steht. 

Kommunikation über Messenger

Am beliebtesten bei der Kommunikation sind Messenger-Apps. Am häufigsten wird WhatsApp genutzt, aber auch Alternativen wie den Facebook Messenger, Telegram, Signal oder Threema haben viele installiert.

Die Kommunikation über Smartphones ist für Jugendliche selbstverständlich und nimmt einen großen Teil ihres Alltags ein. Das Smartphone ist immer griffbereit und stellt eine Art sozialen Treffpunkt dar. Sowohl im Zweierchat als auch in Gruppenchats werden Meinungen, Bilder und Videos ausgetauscht, gestritten und Späße gemacht.

Über einen Messenger mit Freunden verbunden zu sein, schafft bei Jugendlichen ein Gefühl der Zugehörigkeit.Die Kommunikation darüber erscheint privat. Oft sind die Gruppen allerdings so groß, dass von Privatsphäre keine Rede mehr sein kann. Je anonymer die Gruppenchats werden, desto größer ist die Gefahr, dass diese missbraucht werden, um Falschmeldungen zu streuen und Meinungen zu manipulieren. Eine weitere Gefahr: Fotos können unbemerkt auf fremden Geräten abgespeichert und versendet werden. So praktisch Messenger sind, bergen sie auch Risiken – vor allem weil Jugendliche täglich sehr viele Nachrichten verschicken. Es kann zu Stress führen, wenn Ihr Kind das Gefühl hat, sofort auf Nachrichten reagieren zu müssen oder Angst hat, etwas zu verpassen, wenn es nicht aufs Handy schaut. 

Jugendliche handeln aber nicht immer sozial, wenn sie in Messenger-Gruppen miteinander kommunizieren. Da man die Reaktion seines Gegenübers nicht direkt sieht und man anderen imponieren möchte, sind Beleidigungen keine Seltenheit. Das kann unter Umständen bis zu Cybermobbing führen.

Kommunikation über Instagram & Co.

Auch über Social-Media-Apps wie Instagram, Snapchat oder TikTok wird kommuniziert. Häufig beschränkt sich diese Art des Austauschs auf Bilder und Videos und das Liken oder Kommentieren. Diese Kommunikation ist besonders wichtig, wenn es um Selbstdarstellung und Anerkennung geht. Selfies werden verschickt und man erwartet von seinen Followern, die meistens Freunde und Bekannte sind, eine positive Reaktion darauf. Allerdings kann es auch hier zu Stress oder Beleidigungen kommen.

Auch unter Gamern ist es üblich, dass man sich beim Zocken untereinander austauscht – etwa über Kanäle wie Discord und Teamspeak.

Gerade über Plattformen können auch Fremde Jugendliche  anschreiben, um näheren Kontakt zu ihnen zu bekommen. Das kann harmlos sein, aber es können auch kriminelle, z. B. pädophile Absichten, dahinterstecken.

Worauf Sie als Eltern achten sollten

So praktisch die Kommunikation über das Internet ist, sollten mögliche Risiken bekannt sein. Fragen Sie Ihr Kind, welche Kanäle es nutzt und mit wem es chattet. Achten Sie dabei aber auf seine Privatsphäre und lassen Sie Ihrem Kind den Freiraum, den es braucht. Vereinbaren Sie Sicherheitsregeln, z. B. welche Bilder und Videos über welchen Weg verschickt werden dürfen. Empfehlen Sie Ihrem Kind, bestimmte Fotos nur in privaten Kanälen oder Gruppen zu posten. Seien Sie bei Unsicherheiten und Problemen ansprechbar. 

Wenn Sie sich über die Sicherheit der Daten Ihres Kindes Gedanken machen, vergleichen Sie einfach mal die Bedingungen einzelner Messenger. Was passiert dort mit den Daten? Ist die Kommunikation verschlüsselt? Welche Messenger gelten als sicher? In den Nutzungsbedingungen vieler dieser Apps ist ein Alter von 13 oder sogar 16 Jahren Voraussetzung für die Anmeldung. Wenn Ihr Kind noch nicht volljährig ist, müssen Sie der Nutzung zustimmen. Vielleicht besprechen Sie sich mit anderen Eltern und überlegen, ob Sie gemeinsam eine datenschutzfreundliche Alternative zu WhatsApp installieren können.

Mit jüngeren Kindern können Sie gemeinsam die Einstellungen des Messengers durchgehen. Das Deaktivieren der Lesebestätigung entlastet, so dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter nicht das Gefühl haben muss, gleich auf eine Nachrichten reagieren zu müssen. Achten Sie darauf, mit wem Ihr Kind chatten kann und zeigen Sie ihm die Funktion, Kontakte zu blockieren.

Für die Kommunikation mit Ihrem Kind können Sie Regeln vereinbaren und so einen guten Maßstab für den Austausch Ihres Kindes mit Freunden setzen.

Hetze im Netz

Social Media und Messenger-Apps wie Instagram, TikTok und WhatsApp sind bei Jugendlichen besonders beliebt. Hier posten sie regelmäßig Beiträge und beschäftigen sich mit Themen, die sie interessieren und bewegen. Natürlich sind nicht immer alle bei allen Themen einer Meinung. Genauso wie im analogen Leben kommt es auch im Internet gelegentlich zu Streitigkeiten, Konflikten und Diskussionen unter Jugendlichen. Meistens ist das harmlos und für Sie als Eltern besteht kein Grund zur Sorge.

Was ist Hate Speech?

Das Internet kann allerdings auch dazu beitragen, dass Hemmschwellen für Anfeindungen und Diskriminierungen sinken. Vielen Menschen fällt es offenbar leichter, etwas Abwertendes zu schreiben, als es persönlich zu sagen. Die Betroffenen fühlen sich dann meist sehr hilflos. Denn, was einmal im Netz gepostet wird, verbreitet sich meist rasend schnell und unkontrolliert. Hetze im Netz kann viele Gesichter haben: Während bei Cybermobbing meistens eine Person im Fokus von persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen steht, werden bei sogenannten Hassreden in der Regel gleich ganze Teile der Gesellschaft angegriffen und z. B. aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion, Sexualität oder Herkunft diskriminiert. Hasskommentare und Beleidigungen gegen Einzelne oder ganze Gruppen sind nicht nur respektlos und für die Betroffenen sehr belastend, sondern können sogar eine Straftat darstellen (- wie auf der Seite no-hate-speech.de verständlich erklärt wird). Das ist vielen Jugendlichen allerdings nicht bewusst.

Was kann man tun?

Umso wichtiger ist es, dass Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind über Diskriminierung im Netz und deren Folgen auseinandersetzen. Oft ist es Jugendlichen unangenehm, wenn sie selbst betroffen sind und im Netz beleidigt und angefeindet werden. Wenn es bei Ihnen zu Hause üblich ist, offen über alles zu sprechen, wird sich Ihr Kind im Fall der Fälle vertrauensvoll an Sie wenden. Thematisieren Sie mit Ihrem Kind ein respektvolles Miteinander im Netz. Online sollten die gleichen Regeln für den Umgang mit anderen gelten, wie offline: Fairness, Offenheit und Wertschätzung.

Es gibt zahlreiche Informations- und Hilfsangebote zum Thema Hetze im Netz, u. a.

Die Initiative #NichtEgal richtet sich direkt an junge Menschen und unterstützt sie dabei, aktiv Hass im Netz entgegenzutreten und sich für eine offene und gewinnbringende Diskussionskultur im Netz stark zu machen.

YouTube in der Familie

Auch Ihr Kind bewundert einen oder mehrere YouTube-Stars und würde am liebsten die ganze Zeit Videos schauen? Dann haben wir ein paar Tipps, wie Sie die YouTube-Nutzung in Ihrer Familie regeln können. Beachten Sie, dass nicht jeder Tipp für jedes Kindesalter geeignet ist.

Unsere Tipps für alle Altersgruppen

  • Medienzeit: Vereinbaren Sie je nach Alter Ihres Kindes feste YouTube-Zeiten, in denen es Videos schauen darf. Besprechen Sie mögliche Konsequenzen, sollten die Zeiten einmal nicht eingehalten werden. Nutzen Sie dafür z. B. einen sogenannten Mediennutzungsvertrag.
  • Werbeunterbrechungen: YouTuber verdienen mit ihren Videos meist Geld in Form von eingebundener Werbung. Die Währung auf YouTube ist Aufmerksamkeit: Je mehr Abonnenten ein YouTuber oder eine YouTuberin und je mehr Klicks ein Video hat, desto mehr Werbeeinnahmen werden erzielt. Erklären Sie Ihrem Kind, wie durch sein Verhalten auf YouTube Geld gemacht wird.
  • YouTube-Stars sind oft sogenannte Influencer. Gesponserte Inhalte oder Produktplatzierungen können für Heranwachsende unter Umständen schwer zu erkennen und zu durchschauen sein.

Unsere Tipps für Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter

  • Sicherheitseinstellungen: YouTube ist keine Plattform für Kinder, auch wenn dort viele Inhalte spannend für sie sind. Um zu vermeiden, dass Ihr Kind unangemessene, anstößige oder grausame Videos angezeigt bekommt, aktivieren Sie die YouTube-Kindersicherung mit der Option „eingeschränkter Modus“. Hier finden Sie eine genaue Anleitung.
  • Videowiedergabe: Wenn Ihr Kind mehr als ein Video anschauen darf, fügen Sie die ausgewählten Videos zur Wiedergabeliste hinzu, so dass Sie entscheiden und wissen, welches Video als nächstes abgespielt wird. 
  • Kindgerechtes Angebot: Für jüngere Kinder – bis ins Grundschulalter – empfehlen wir die App YouTube Kids.

Unsere Tipps für Teenager

  • Beliebte Angebote: Zeigen Sie Interesse und bleiben Sie im Gespräch! Unterhalten Sie sich mit Ihrem Kind darüber, was es an YouTube und seinen Stars begeistert. Lassen Sie sich Videos zeigen und die Faszination daran erklären, ohne dass Sie den Eindruck erwecken, Sie wollten Ihren Sohn oder Ihre Tochter kontrollieren.
  • YouTube-Account: Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es bedeutet, sich bei YouTube zu registrieren, um Kommentare zu hinterlassen oder eigene YouTube-Videos hochzuladen. Nach den AGB müssen die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform in Deutschland mindestens 16 Jahre alt sein. Mit Ihrem Einverständnis ist auch eine Nutzung von Kindern ab 13 Jahren möglich. Sie können mit Family Link ein Google-Konto für Ihr minderjähriges Kind erstellen und verwalten bis es alt genug ist. Es gibt zudem bestimmte Richtlinien und Gesetze, die eingehalten werden müssen – wie etwa das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild. Mehr Hinweise, die Sie im Blick behalten sollten, wenn Ihr Kind YouTube aktiv mitgestalten möchte, finden Sie in unserem Beitrag Mein Kind will YouTuber werden – was nun?

In allen verlinkten Beiträgen finden Sie mehr Informationen. Diese können hilfreich sein, wenn Sie sich in der Familie zu YouTube austauschen möchten.

E-Girls und E-Boys – eine neue Jugendkultur im Internet?

Auf Instagram und vor allem auf der Plattform TikTok verwenden Jugendliche immer wieder den Hashtag #egirl oder #eboy für bestimmte Videoclips. Dort sieht man z. B., wie sich ein Mädchen in ein sogenanntes E-Girl verwandelt. Aber was steckt dahinter und welche Bedeutung hat die Bezeichnung für junge Menschen?

Abgrenzung zu Rollenbildern auf Instagram

Das “E” steht für elektronisch und bezeichnet die Generation junger Menschen, die vor allem in einer digitalen Welt aufgewachsen sind. Sie nutzen Online-Medien und bewegen sich auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube. Mit E-Girl oder E-Boy wird ein bestimmter Stil bezeichnet, sich darzustellen und auszusehen. Oft tragen E-Girls schwarze Kleidung und ein auffälliges Make-Up, wie z. B. gemalte Sommersprossen und Herzchen auf den Wangen. Auch die E-Boys stylen sich teilweise mit leichtem Make-Up oder Nagellack, einige tragen Mittelscheitel und Schmuck. E-Boys grenzen sich vom typischen Männlichkeitsbild ab. Sie lächeln oder zwinkern süß in die Kamera und wollen nicht hart wirken.

Im Gegensatz zu anderen Influencerinnen und Fitness-Bloggern posieren E-Girls und E-Boys nicht an bekannten Orten oder mit der perfekten Strandfigur, sondern meist in ihrem eigenen Zimmer. Dabei nehmen sich selbst nicht so ernst. Einige von ihnen sind nur für den Videoclip auf TikTok, als E-Girl oder E-Boy zurechtgemacht und würden in der Schule nicht so auffällig herumlaufen. Sie nutzen das Internet, um sich auszuprobieren.

Negative Aspekte rund um E-Girls und E-Boys 

Problematisch ist, wenn Mädchen oder Jungen bestimmte Merkmale nachahmen, ohne dass sie verstehen, was damit gemeint ist. Es gibt typische Posen von E-Girls oder E-Boys, die stark sexualisiert wirken, auch wenn sie ironisch gemeint sind. Die Gefahr von Cybergrooming oder Missbrauch der Inhalte von Kriminellen ist durch das Veröffentlichen solcher Videos erhöht. 

Als E-Girl’’ werden manchmal auch abwertend Mädchen oder Frauen in der Gaming-Szene bezeichnet. Sie zeigen sich beim Spielen über einen Stream, wie viele männliche Spieler auch. Aber ihnen wird häufiger vorgeworfen, das nur für Klicks und Aufmerksamkeit zu tun und sich dafür besonders auffällig zu schminken und anzuziehen. Das problematische Verhältnis von Geschlechterrollen im Gaming haben wir in einem anderen Beitrag näher erläutert: Computerspiele und das Thema Geschlecht

Hilfe, mein Kind ist ein E-Boy!

Kinder und Jugendliche sind noch dabei, eine eigene Persönlichkeit auszubilden. Dabei orientieren sie sich an anderen. Vorbilder finden sie in der Familie, dem Freundeskreis, den Medien und anderswo. Gleichzeitig möchten sie sich abgrenzen und individuell sein. Jugendkulturen wie die E-Girl-Szene sind spannend, weil sie wahrscheinlich anders sind als ihr gewohntes Umfeld. 

Lassen Sie Ihrem Kind den Freiraum, sich zu entwickeln, sich zu erfinden und auszuprobieren, aber verlieren Sie nicht den Kontakt. Das ist gerade bei Jugendlichen in der Pubertät ein Drahtseilakt. Stärken Sie Ihr Kind in seinen Interessen und persönlichen Stärken, damit es sich frei entfalten kann. Tauschen Sie sich mit ihm über Jugendkulturen und Trends aus. Haben Sie sich als junger Mensch auch auf eine bestimmte Art und Weise gekleidet, um sich zu einer bestimmten Gruppe dazu zählen? Haben Sie sich darüber mit Stolz identifiziert oder fanden Sie es eher blöd, in eine Kategorie gesteckt zu werden? 

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